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 <title>arranca! - AA/BO</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/410/0</link>
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 <title>Arranca!-Gespräch zwischen den Berliner AA/BO-Gruppen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/5/arranca-gespraech-zwischen-den-berliner-aabo-gruppen</link>
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                    &lt;p&gt;Als wir uns entschlossen, ein Interview mit den Berliner AA/BO-Gruppen zu machen, war uns klar, daß es nicht einfach werden würde. Die Situation in Berlin: vier Gruppen, die aus unterschiedlichen politischen Richtungen kommen, mit unterschiedlichen Geschichten, und teilweise deutlich differenten Vorstellungen. Wir finden es jedoch wichtig, Widersprüche offensiv anzugehen, um eine Annäherung zu ermöglichen und verstehen das Interview als Diskussionsgrundlage und -anstoß.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Als wir uns entschlossen, ein Interview mit den Berliner AA/BO-Gruppen zu machen, war uns klar, daß es nicht einfach werden würde. Die Situation in Berlin: vier Gruppen, die aus unterschiedlichen politischen Richtungen kommen, mit unterschiedlichen Geschichten, und teilweise deutlich differenten Vorstellungen. Wir finden es jedoch wichtig, Widersprüche offensiv anzugehen, um eine Annäherung zu ermöglichen und verstehen das Interview als Diskussionsgrundlage und -anstoß.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die AA/BO gibt es jetzt seit drei Jahren. Was waren Eure Gründe, in die AA/BO zu gehen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Die Notwendigkeit ergab sich für uns aus der Tatsache, daß uns im Antifa-Kampf auf der einen Seite verstärkt organisierte Nazis und auf der anderen ein hochgerüsteter Staatsapparat gegenübersteht. Dementsprechend fanden wir Verbindlichkeit und systematische Praxis, sowie kontinuierliche Diskussionen über die Grundlagen des antifaschistischen Kampfes nötig. Die Organisation ist eine Form, um das zu gewährleisten. Außerdem ermöglicht sie Auseinandersetzungen, die über den Antifa-Kampf hinausgehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Wir sind im Sommer &#039;93 eingetreten, nachdem einige Antifa-Gruppen die AA/BO verlassen hatten und von der BO der Anspruch formuliert wurde, sich mittelfristig in eine umfassende linke Organisation zu verwandeln. Die Beschränkung auf Antifa sollte überwunden werden. Das entsprach unserem Ziel einer &quot;gesamtgesellschaftlichen Organisation&quot;.&lt;br /&gt;Mit unserer Beteiligung an der BO wollten wir andere Arbeitsfelder hineintragen, vor allem die &quot;soziale Frage&quot;. Das ist uns kaum gelungen, vor allem deswegen, weil wir es nicht geschafft haben, in diesem Bereich eine Praxis zu entwickeln. Inzwischen liegt ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit im Bereich Antifa. Gleichzeitig haben wir im übrigen 1993/94 einen anderen Organisationsansatz verfolgt, der sich mittlerweile jedoch mehr oder weniger aufgelöst hat. Dazu steht in der letzten Arranca genug drin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Wir verstehen uns nicht explizit als Antifa-Gruppe, sondern als feministische antiimperialistische Gruppe mit antifaschistischen Ansätzen, sprich wir versuchen, über Antifa-Arbeit breite Teile der Bevölkerung zu ereichen, um so auch andere Inhalte vermitteln zu können. Unser Grund, in die AA/BO einzutreten, war unter anderem, daß es zum damaligen Zeitpunkt keinen alternativen Organisationsansatz gab. Die AA/BO war als Organisationsansatz vorhanden und wir fanden auch politisch an ihr gut , daß nicht nur einzelne Symptome der Gesellschaft bekämpft, sondern eine gesamtgesellschaftliche Analyse entwickelt werden sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben sich die Erwartungen, mit denen Ihr in die BO gegangen seid, erfüllt? Kann man von Erfolgen oder Mißerfolgen des Ansatzes reden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Von Erfolg oder Mißerfolg kann man noch nicht reden, für eine so endgültige Wertung ist es zu früh. Unsere Erwartungen sind schon weitgehend erfüllt worden. Der regelmäßige Informationsaustausch, die verbindliche Zusammenarbeit klappt gut. Die BO hat in der Aktion &#039;94 (gegen die Nazi-Aktivitäten zum Todestag von Rudolf Heß) bewiesen, daß sie praktisch etwas gemeinsames auf die Reihe bekommen kann. Positiv finden wir auch, daß die BO nicht von der resignativen Grundstimmung der meisten radikalen Linken bestimmt ist. Es gibt eine gewisse Aufbruchsstimmung, Optimismus darüber, daß etwas anderes möglich ist.&lt;br /&gt;Was nicht klappt, ist die gemeinsame strategische Bestimmung von Aktivitäten. Demonstrationen usw. werden vor Ort geplant und vorbereitet, die anderen Gruppen unterstützen das. Aber es gibt kaum gemeinsame Diskussionen über die Ausrichtung von Kampagnen. Außerdem finden wir, daß sich die Arbeit vieler Gruppen bisher zu stark auf Antifa beschränkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Für ein abschließendes Urteil finden wir es auch zu früh , zumal wir auch noch nicht lange in der AA/BO sind. Wir sehen aber eine sehr dynamische Entwicklung, viele Gruppen sind dazugekommen, das Interesse anderer ist groß. Die meisten dieser Gruppen kommen aus der autonomen Szene, d.h. sie haben die Entwicklungsunfähigkeit autonomer Politik erfahren. Die Diskussion in der AA /BO geht dementsprechend über traditionell-autonome Anti-Nazipolitik hinaus. Das hat sich auch mit der Demonstration gegen den bürgerlichen Parlamentarismus in Bonn am 15. 10. gezeigt , deren Ausrichtung wir für einen Schritt nach vorne halten. Insgesamt sehen wir aber auch, daß die Organisierung sich schwieriger gestaltet, als wir ursprünglich gedacht hatten. Wie fels gerade gesagt hat: Es gibt zu wenig gemeinsame Diskussionen. Die Berliner BO-Gruppen informieren sich gegenseitig über ihre Praxis, aber es wird kaum gemeinsames erarbeitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Genau das wird in der Programmdebatte inzwischen aber angefangen. So war die BO ja auch angelegt. Erst sollten gewisse Strukturen aufgebaut und dann mittelfristig inhaltliche Grundpositionen entwickelt werden. Ich denke, daß wenn im nächsten Jahr vielleicht eine Programmatik vorliegt, daß dann auch eine gemeinsame Strategie möglich ist. Den Zeitfaktor, den die anderen angesprochen haben, finden wir auch wichtig. Es läßtsich alles ganz gut an, aber es ist ein langwieriges Projekt. Unser konkretes Ziel ist es, Frauenorganisierung zu forcieren und das läuft nicht schlecht. Es gibt eine Frauen-AG und für den 8. März planen wir eine Kampagne der AA/BO-Frauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das verstehe ich nicht ganz. Ihr sagt selber, daß oft nur Informationen ausgetauscht werden. So wie ich die BO kenne, ist sie eine gutfunktionierende Koordinierung, noch lange keine Organisation. Was ist da das qualitativ neue im Vergleich zu den sozialen Bewegungen oder den Autonomen, wo es durchaus auch gute Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Gruppen gab und gibt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Was ich an Koordinierungstreffen kenne, bezog sich immer auf konkrete Anlässe, das blieb eine eng umrissene, auf einzelne Themen beschränkte Zusammenarbeit. Das ist bei der BO anders: Es wird versucht, die Diskussionen über einzelne Kampagnen hinaus zu führen. Wir stellen uns nach außen dar, wollen auf Dauer ansprechbar sein. Das ist anders als bei Koordinierungstreffen, die sich zu bestimmten Aktivitäten gründen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Der Anspruch, über Kampagnen hinaus zusammenzuarbeiten ist da, und das finden wir sehr gut. Aber die Entwicklung braucht eben auch Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Man kann da schon etwas kritischer sein. Wir haben z.B. oft behauptet, daß Organisation notwendig sei, um effizienter zu arbeiten. Im Vergleich zu vielen autonomen Strukturen in Berlin können wir aber nicht behaupten, daß unsere Arbeit effizienter ist als ihre, zumindest was die bundesweite und regionale Koordination betrifft. In der Unterstützungsarbeit zum Kaindl-Fall waren autonome Gruppen sicher &quot;effizienter&quot; als wir. Sie haben zum Teil ja auch viel längere politische Erfahrung als wir. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Das, was es an Zusammenarbeit bei uns gibt, läuft nicht allein über persönliche Bekanntschaften wie in der Szene. Die Kontakte bestehen zwischen den Gruppen und nicht zwischen X. aus Berlin und Y. aus Wuppertal. Das ist nach innen besser, weil nicht alles an Einzelpersonen hängenbleibt, deren Weggang dann große Löcher reißt. Und nach außen bedeutet es Ansprechbarkeit der Gruppen für neue Leute. Bei der autonomen Bewegung läuft ja das meiste nach wie vor darüber, daß du in bestimmte Cliquen hineinwächst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Seht Ihr deutliche inhaltliche Widersprüche innerhalb der BO? Also kann man davon reden, daß es klar herausgebildete Strömungen gibt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Wir glauben nicht, daß es schon so gravierende Widersprüche gibt, daß keine Zusammenarbeit mehr möglich ist. Aber wir finden, daß feministische Inhalte zu kurz kommen, anders gesagt: Sie kommen nur zur Sprache, wenn wir sie hineintragen. Und da zeigten sich schon Unterschiede zwischen unserem feministischen Ansatz und beispielsweise dem ökonomistischen Ansatz.&lt;br /&gt;Es gibt also inhaltliche Unterschiede. Um damit klar zu kommen, werden wir einen Minimalkonsens und praktische Ansätze suchen müssen, auf deren Grundlage eine Zusammenarbeit unterschiedlicher Vorstellungen möglich ist. Wir wollen ja, daß verschiedene Analysen zusammenkommen, sich austauschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Wir sehen durchaus inhaltliche Strömungen: Einmal gibt es Gruppen, die sich als nicht-kommunistisch bezeichnen und andere, die sich kommunistisch orientieren. Zweitens gibt es die Diskussion, wie sie von FARA hineingetragen worden ist, zwischen feministischen und marxistischen Analysen. Drittens gibt es unterschiedliche Vorstellungen von Bündnispolitik. Wir würden z.B. kein Bündnis mit Parteien wie der SPD, die die staatliche Faschisierung mittragen, eingehen. Und viertens gibt es Unterschiede zwischen Demo-Konzepten, der Begriff von militanter Politik ist nicht einheitlich in der BO.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Wir würden uns FARA anschließen, daß es noch keine klaren Strömungen gibt, sich aber ganz klar unterschiedliche Ansätze heraushören lassen. Die bundesweite Diskussion in der Programm-AG ist bisher sehr schleppend gewesen, sie hat kaum Ergebnisse gebracht. Über richtige Widersprüche könnten wir erst reden, wenn solche Diskussionen geführt worden sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Man wird in der AA/BO mit diesen unterschiedlichen Ansätzen auskommen müssen. Wir glauben, daß eine Zusammenarbeit auf der Grundlage einer antikapitalistischen Ausrichtung der Antifa-Arbeit möglich ist. Was darüber hinausgeht, würde wahrscheinlich auf Dauer dazu führen, daß die Meinungsverschiedenheiten antagonistisch werden. Es muß keine Einigung auf kommunistischer Grundlage geben, es kann etwas breiteres sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Nein. Der Anspruch muß da sein, über den Antikapitalismus hinauszugehen. Schließlich ist das nur eine Form der Unterdrückung. Mit einer Beschränkung auf antikapitalistische Inhalte werden wir nicht einverstanden sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Noch einmal zur Frage , wie man mit Widersprüchen umgeht: In dem von uns &#039;93 initiierten Organisationsansatz (ILO) haben wir eine weitgehende programmatische Vereinheitlichung als Bedingung für eine Organisation gesehen. Das ist gescheitert. Völlige Übereinstimmung läßt sich nur herstellen, wenn du mit 20 Leuten dasitzt. Die Gefahr in der deutschen Linken ist immer groß gewesen, sich über zu vieles völlig einig sein zu wollen. Das hat zu absurden Zersplitterungen geführt. Aus dem Grund finden wir es auch richtig, sich pragmatisch über Gemeinsamkeiten zu verständigen, und nicht überstürzt zu versuchen, inhaltliche Fraktionen zu bilden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind in den Gruppen die Positionen überhaupt schon herausgebildet? Ich glaube das nämlich nicht. Im übrigen muß das kein Nachteil sein. Ein Organisationsprozeß kann viel dynamischer sein, wenn es noch keine abgeschlossenen Meinungen gibt und die Leute in der Diskussion in der Lage sind, bisherige Positionen zu überdenken.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Natürlich entwickeln wir uns weiter. Die Patriarchatsdiskussion hat bei uns zu Auseinandersetzungen geführt. Von daher würde ich nicht sagen, daß in der BO starre Fronten aufeinanderprallen und völlig feststehende Meinungen miteinander ringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Es gibt bei den BO-Gruppen in vielen Punkten inhaltliche Leerstellen. Aus dem Grund muß die gemeinsame Diskussion auch neue Positionen hervorbringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche politische Entwicklung schwebt Euch für die Organisation vor? Soll es eine Erweiterung der Arbeitsfelder geben, wie können neue Themen in die politische Arbeit eingebaut werden? Ganz besonders zielt das auf die &quot;soziale Frage&quot; ab: die BRD befindet sich im schwerwiegendsten Umbauprozeß seit &#039;45: Rassismus wird geschürt, sexistische Ideologien erleben eine Renaissance, eine Deregulierung der Arbeitsverhältnisse findet statt, die neoliberale Sozialpolitik marginalisiert immer mehr Menschen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Wir sind in die AA/BO mit der Option hineingegangen, daß sie eine allgemein-politische Organisation wird. Damit sie das wird, müssen 3 Arbeitsfelder dazukommen: Erstens wir müssen von Iinksaußen eine Antwort finden auf die fortschreitende Verarmung in dieser Gesellschaft; zweitens wir müssen uns stärker im Zusammenhang einer internationalen Bewegung begreifen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; ... ich finde nicht, daß du das für die ganze BO sagen kannst. Viele Gruppen machen internationalistische Politik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; ...vielleicht kann ich das nicht pauschal sagen, aber Internationalismus muß auf jeden Fall ein Arbeitsfeld der AA/BO sein. Und drittens würde ich Antirassismus nennen. Die Antifa-Bewegung müßte solche Arbeit leisten, d.h. vor allem natürlich mit den vom Rassismus betroffenen Leuten hier. Es gibt in der BRD antirassistische Arbeit, aber nicht in der AA/BO. Es gibt, so wie ich das sehe, auch kaum Kooperation mit solchen Gruppen. Das muß sich ändern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kurze Zwischenfrage: Ihr habt vorhin gesagt, daß fels nicht in der Lage war, zur &quot;sozialen Frage&quot; praktische Politik zu machen. Jetzt forderst du ein, die BO müßte zu dem Thema mehr machen. Wie soll das funktionieren und welchen Sinn macht es, etwas anzusprechen, was nachher nur auf dem Papier bleibt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Unser Scheitern liegt an dem halbherzigen und wenig kontinuierlichen Versuch. Linke Politik hat es im Augenblick in allen Bereichen schwer, nirgends sind große Erfolge zu erwarten. Aber es ist eben auch kein Problem, wenn die AA/BO sich zu anderen Themen äußert. Bedingung dafür ist, daß die Gruppen vor Ort solche Themen in ihre normale Politik aufnehmen. Wir können nicht einfach eine BO-Demo zur Arbeitslosigkeit machen. So unvermittelt wäre das Unsinn. Die Praxis vor Ort muß die Zusammenarbeit mit Gruppen aus anderen Bereichen suchen, es müssen Verbindungen z.B. zwischen Antifaschismus und &quot;sozialer Frage&quot; hergestellt werden. Wir streben mit unserer Antifa-AG eine umfassendere Stadtteilarbeit an. Beweisen müssen wir das allerdings in der Praxis, das stimmt schon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Die Erweiterung der Arbeitsfelder hat viel mit der programmatischen Diskussion zu tun, wie sie jetzt in der BO stattfindet. Diese Debatte ist sehr umfassend angelegt. Darüber kann dann auch das Bewußtsein für andere politische Felder wachsen. Du darfst nicht vergessen, daß die meisten Gruppen in der BO ursprünglich reine Antifa-Gruppen sind, die sich das Verständnis für andere Bereich erst erarbeiten müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Wir verstehen Antifa-Kampf als Klassenkampf. Die soziale Frage ist davon nicht getrennt, es ist also keine Erweiterung der Arbeitsfelder nötig. Da gibt es gar keine Trennung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie äußert sich das in der Praxis, wenn du behauptest,&quot;Antifa-Kampf ist Klassenkampf&quot;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Bei unseren Veranstaltungen und Flugblättern weisen wir immer auf die Verbindung von staatlicher Faschisierung, Lohnraub, Massenentlassungen und dem Kampf der militanten Nazis hin. Praktisch versuchen wir, Betriebsarbeit zu machen, in die Berufsschulen zu gehen oder im Stadtteil aktiv zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Da es sowieso kaum zu trennen ist von der Frage der Arbeitsfelder: Welche inhaltlichen Schwerpunkte müssen in der Zukunft entwickelt werden? Welche Punkte in der programmatischen Diskussion erscheinen euch besonders wichtig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Das Programm der AA/BO sollte unserer Meinung nach auf revolutionär- antikapitalistischer Grundlage stehen und einen Minimalkonsens formulieren. Weitergehende Organisierungen sollten parallel oder außerhalb der AA/BO stattfinden. Wichtig erscheint uns eine klare Analyse der staatlichen Faschisierung bzw. der sie tragenden Parteien, um die schon angesprochene Zusammenarbeit von BO-Gruppen mit SPD und Grünen theoretisch zu klären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Das sehen wir anders. Unserer Meinung nach ist vor allem eine kritische Aufarbeitung des Realsozialismus nötig, d.h. eine Auseinandersetzung damit, warum dieser Versuch der Befreiung in eine neue Unterdrückung übergegangen ist. Das ist keine nach hinten gerichtete Diskussion, sondern hat Konsequenzen für eine revolutionäre Organisation heute: Erstens ist es falsch, das Problem &quot;Machtübernahme&quot; in den Mittelpunkt zu rücken. Wichtiger ist es, bestehende Machtstrukturen zu zersetzen und schon jetzt durch neue Formen von Gegenmacht zu ersetzen. Damit meine ich die Förderung der Eigeninitiative von unten. Das ist wichtiger als das sich an die Spitze stellen von Avantgarden. Zweitens können wir aus dem Realsozialismus lernen, wie notwendig es ist, daß am Projekt Befreiung ganz unterschiedliche Gruppen gleichberechtigt zusammenarbeiten. Antipatriarchale, antirassistische oder auch die Arbeit von Behinderten gehören da dazu. Diese ganzen Kämpfe und Anstrengungen, die an unterschiedlichen Fronten stattfinden, müssen in einem gemeinsamen Emanzipationsprozeß zusammenfinden. In diesem Spiel sind wir als BO nur eine Kraft von vielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Da haben wir klare Widersprüche. Wir finden die Machtfrage sehr wohl zentral. Die Hauptaufgabe für den Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung ist die vollständige Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates. Die AA/BO ist sicherlich nicht die Organisation, die sie stellt. Ihre Grundlage muß ein revolutionärer Antifaschismus sein, der auch klar sagt, &quot;das System muß weg&quot;. Aber die AA/BO als solche muß eine breiter angelegte Organisation sein. In dieser Hinsicht finden wir den Bezug auf die historische Antifaschistische Aktion völlig richtig, also eine breite Bewegung gegen die Faschisierung.&lt;br /&gt;Wir werden uns dagegen wenden, aus der AA/BO eine autonome Partei zu machen, die ein sehr breit gefaßtes Programm hat. Fragen, die zwischen unseren Gruppen strittig sind, sollten draußen bleiben. Das, was fels an Punkten gerade genannt hat, finden wir falsch. Auf der Grundlage könnten viele Gruppen nicht in der AA/BO mitwirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Die Frage stellt sich für uns anders. Macht an sich müßte neu definiert werden, nicht im Sinne von &quot;Herrschaft&#039;&#039;, sondern als &quot;Gegenmacht&quot; und Aufbrechung von allen Unterdrückungsstrukturen. In diesem Punkt müssen wir über den Minimalkonsens unbedingt hinaus, denn nur so würden sich z.B. Frauen-, Immigrantlnnen- und Behindertengruppen in der Organisation wiederfinden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das, was FARA gesagt hat, nämlich daß Macht neu definiert werden muß, Konsens? Das läuft ja darauf hinaus, daß Herrschaft nicht nur vom Staatsapparat ausgeht, sondern z.B. auch von zwischenmenschlichen Beziehungen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Herrschaft drückt sich nicht nur in Armeen und Polizei aus, sondern auch in Manipulation, Medien und Ideologien. Der Apparat arbeitet vielschichtig. Da gehört das von Korruption unterfütterte Pressewesen natürlich genauso dazu. Wir sehen uns einem ganzen System von Klassenherrschaft gegenüber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;...aber FARA hat ja ins Gespräch gebracht, daß zwischenmenschliche Beziehungen, z.B. von Männern und Frauen, auch solche Herrschaftsformen beinhaltet.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Natürlich hat die bürgerliche Ideologie auf alle einen Einfluß, auch auf fortschrittliche und revolutionäre Menschen. Das ist ein ständiger Kampf, ein ständiges Arbeiten an den Revolutionären selber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Koordination der Berliner BO-Gruppen gibt es seit etwas mehr als einem halben Jahr. Wie seht Ihr die Entwicklung, wie ist die Zusammenarbeit zwischen den Gruppen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Wir würden die Bedeutung dieser Koordinationstreffen gerne ausbauen, wir wollen, daß mehr politische Diskussion und Orientierung von ihnen ausgeht. Es wäre richtig, z.B. zu Demonstrationen gemeinsame Positionen zu erarbeiten und nach außen darzustellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Es gibt ja zwei Koordinationstreffen, einmal das gemischte und dann das Frauentreffen. Am ersten nehmen wir zwar teil, aber unsere Energie stecken wir vor allem in das Frauentreffen. Dort laufen die Überlegungen, was wir bundesweit für Initiativen starten wollen. Unser Ziel ist es, daß dieses Frauentreffen sich nicht auf Frauen aus der AA/BO beschränkt, sondern eine Frauenorganisierung wird, die darüber hinausreicht. Das ist eines unser regionalen Projekte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;...aber richtig ist trotzdem, daß die Zusammenarbeit sich bisher vor allem als Austausch von Informationen darstellt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Es stimmt, das Treffen erfüllt im Augenblick seine Funktion, aber auf die Dauer ist das nicht genügend. Wenn wir eine gemeinsame Organisation anstreben, dann müssen gemeinsame Arbeitsgruppen entstehen, dann kann die Zusammenarbeit sich nicht darauf beschränken, daß man sich auf Koordinationstreffen sieht. Längerfristig müssen sich die Gruppenidentitäten auflösen. Nur dann wird man von einer AA/BO-Berlin sprechen können. So ein Prozeß kommt nicht dadurch zustande, daß die Koordination immer besser wird. Für ein Zusammenwachsen muß man auch wirklich gemeinsame Strukturen entwickeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Darüber müßten wir diskutieren, ob wir so ein Zusammenwachsen überhaupt anstreben. Das sehen wir auch anders.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Durch den Eintritt von FARA hat sich die Frage Frouenorgonisierung in der BO neu gestellt. Welchen Charakter wird diese eigenständige Frauenorganisieruns haben, welches Verhältnis wird sie zur Dachorganisation AA/BO hoben bzw. wird die BO überhaupt eine Dachorganisation sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Erst einmal sind wir Teil der AA/BO und das ist eine Grundlage unserer Praxis. Wir führen die Diskussion um die Programmatik mit, beeinflussen sie in unserem Sinne. Auf der anderen Seite glauben wir aber nicht, daß das Verhältnis zwischen Männern und Frauen bzw. der Macht, die sich dazwischen abspielt, so weit geklärt ist, daß man einfach so gleichberechtigt miteinander Politik machen könnte. Um Frauenstandpunkte einbringen zu können , brauchen wir eine eigenständige Frauenorganisierung.&lt;br /&gt;D.h. nicht, daß wir eine Spaltung anstreben oder die AA/BO benutzen wollen, sondern einfach, daß es zu einer positiven Weiterentwicklung kommen kann. Für Immigrantionen-Gruppen wird sich das ähnlich darstellen. Wir fänden es gut, wenn die AA/BO von sich aus klarmacht, daß sie solche eigenständigen Organisierungen richtig findet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr seid aber Teil der gemischten Struktur?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Zum jetzigen Zeitpunkt, ja. Es hängt aber auch davon ab, wie sich die gemischte AA/BO weiter entwickelt. Es geht nicht nur um Tolerierung unserer Inhalte, sondern auch um eine Weiterentwicklung aus der Organisation heraus. Wenn das nicht geschieht, wird es sicherlich irgendwann nicht mehr gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau von RAI:&lt;/strong&gt; Ich finde eigenständige Organisierungen wichtig. Es gibt die Erfahrung aus Befreiungsbewegungen, daß Frauen während des revolutionären Prozesses eine wichtige Rolle gespielt haben, aber ihre Positionen und Rechte nach der &quot;Revolution&quot; allesamt zurückgedrängt wurden. Zu keiner Zeit wurde eine völlige Gleichberechtigung erreicht. Um das zu verhindern, um Stärke zu zeigen, braucht es eine eigene Form von Organisierung. Natürlich auch deswegen, um patriarchale Strukturen schon heute angreifen zu können.&lt;br /&gt;Die Frauenorganisierung sehe ich aber trotzdem als Teil der Gesamtorganisation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau von fels:&lt;/strong&gt; Ich kann mich dem, was FARA gesagt hat, einfach weitgehend anschließen. Eine eigenständige Frauenorganisierung ist natürlich nötig, weil sonst Frauenpositionen weggedrückt werden. Der Ansatz in der AA/BO ist ziemlich am Anfang, aber ich muß sagen, ich finde ihn sehr spannend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Es ist ein Versuch, etwas Neues. Immerhin bemühen wir uns, eine bestehende gemischte Organisation zu beeinflussen, sie mitzugestalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau von fels:&lt;/strong&gt; ja, und es geht um den Aufbau unserer eigenen Macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wird die selbständige Organisierung, die ihr einfordert, langfristig dazu führen, daß die AA/BO ein gemeinsames Dach für eigenständige Organisierungen ist, oder daß sich&quot;Sektionen&quot; einer Gesamtorganisation bilden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Wir wollen, daß es eigenständige Organisierungen sind, die sich zusammenschließen. Also das erste Modell.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau von RAI:&lt;/strong&gt; Eine Koalition von eigenständigen Organisierungen fänden wir falsch. Das hört sich so an, als ob es keine verbindlichen Absprachen mehr für alle geben könnte, also keine Gesammtorganisation. Das wäre uns zu wenig. Auf der anderen Seite wollen wir auch nicht , daß die Teilorganisationen einflußlose Anhängsel sind. Es liegt dazwischen, was wir wollen, aber wie das genau aussehen kann, wissen wir noch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man kann es on einem Beispiel konkreter machen: Welche Vertretung hoben diese eigenständigen Organisierung in gemischten Gremien? Haben sie z. B. Vetorecht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau von RAI:&lt;/strong&gt; Die Frage läßt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum klären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Es ist nicht richtig, sie aufzuschieben, denn für viele Frauen oder Immigrantinnen-Gruppen würde sich die Frage, ob sie mitmachen, erst dann stellen, wenn sie wissen, daß es Raum und Garantien für ihre Interessen gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mann von RAI:&lt;/strong&gt; Wir legen schon wert darauf, daß solche eigenständigen Organisierungen Teilorganisierungen der Gesamtorgamsation bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Wir nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mann von RAI:&lt;/strong&gt; Um das patriarchale Verhältnis zwischen Männern und Frauen aufzubrechen. muß man in der Organisation arbeiten. Da werden die Voraussetzungen für nach der Revolution geschaffen, denn es ist völlig klar, daß es auch nach der Revolution noch lange dauern wird, bis Befreiung durchgesetzt worden ist. D. h., es geht einmal um Arbeit und Veränderung innerhalb der Organisation und zum anderen um die Arbeit mit Frauen außerhalb. Beides muß unter dem Banner der Gesamtorganisation stattfinden. Es dient der Ergänzung der Organisation und ist nicht einfach ein Konkurrenz- oder Ersatzprodukt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Da müßten wir darüber diskutieren, was Revolution ausmacht. Du faßt es als Machtübernahme, ich sehe das anders. Das gemeinsame Banner, von dem du sprichst, sehe ich nicht...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Der Klassenwiderspruch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Das ist eure Analyse, die mit unserer ziemlich wenig zu tun hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Zur Frage mit den Garantien für eigenständige Organisierungen: Wer ein Veto von Immigrantlnnen- oder Frauenorganisierungen ablehnt, der meint es mit einer gemeinsamen Organisation auch nicht ernst. Denn die Regelung ist eine Garantie dafür, daß Frauen- oder Immigrantlnnen-Interessen durchgesetzt werden können, daß Machtverhältnisse wirklich verschoben werden. Solch ein Veto-Recht darf sich auch nicht auf bestimmte Bereiche beschränken. Das gibt es ja häufiger in Organisationen, daß die Fragen, die &quot;Frauen betreffen&quot;, von den Frauen geklärt werden. Diese Auftrennung ist völliger Schwachsinn, jedes Thema betrifft Frauen oder Immigrantinnen. Das Veto-Recht für selbständige Organisierung muß umfassend sein. Das Bedenken, daß so eine Regelung mißbraucht und dadurch die gemeinsame Arbeit blockiert werden würde, haben wir nicht. Schließlich haben alle ein gemeinsames Interesse daran, daß es vorangeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es ist aber ein brennendes Problem. In der AA/BO gibt es keine lmmigrantinnen-Gruppen, obwohl sie es sind, die die faschistischen Angriffe am stärksten zu spüren bekommen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Das liegt unserer Meinung nach unter anderem daran, daß es in der revolutionären Linken in der BRD einen starken Antikommunismus gibt und viele ausländische Kolleginnen und Kollegen in marxistisch-leninistischen Parteien organisiert sind. Die Angst vor der Zusammenarbeit mit diesen muß aufgebrochen werden. Die AA/BO sollte offener gegenüber diesen Organisationen und Parteien sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt unter den Immigrantinnen gerade der 2.und 3. Generation eine große Ablehnung gegenüber diesen Parteien, die sich zur Situation in der BRD kaum verhalten. Natürlich gehören sie auch zur lmmigrantlnnen-Organisierung, sie sind auch Ansprechpartner, aber es geht mir mit der Frage vor allem um nicht-parteiförmig organisierte, antirassistische lmmigrantlnnen-Gruppen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Es muß erst einmal wieder Gespräche geben. Das Verhältnis ist ja völlig gestört. Vorschläge kann es erst geben, wenn diese Sprachlosigkeit durchbrachen wird. Zudem glauben wir nicht, daß dieser Graben was mit einer antikommunistischen Haltung zu tun hat. Es gibt eine Kritik von schwarzen Frauen an der weißen Frauen/ Lesbenbewegung, daß sie rassistisch strukturiert sei. Der Universalitätsanspruch der weißen Linken, die ihre Erkenntnisse allen Leuten überstülpen will, ist das Problem. Immigrantinnen erleben eine andere Wirklichkeit und deswegen ist ihre politische Praxis eine andere. Das muß anerkannt werden , wenn wir zusammenarbeiten wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Dem stimme ich zu. Außerdem fänden wir es nicht richtig, wenn Parteien und Mitglied in der BO werden können, wie es die RAI gerade vorgeschlagen hat. Wir wollen eine eigene Organisation aufbauen und nicht einfach ein Parteienbündnis. Das ist auch eines der wenigen Prinzipien der BO, die von Anfang an klar waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie stellt sich die Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppen außerhalb der BO in Berlin dar? Es gab ja eine Ablehnung gegenüber der BO, vor allem in der Szene. Wie kann so eine Abgrenzung aufgelöst werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Wir haben in der Vergangenheit vor allem im Berliner Umland daran gearbeitet, daß sich Jugendliche, die vom Nazi-Terror betroffen sind, organisieren. Bei dieser Arbeit sind wir in Konflikt mit anderen Berliner Gruppen geraten, von denen wir sagen würden, daß sie versuchen, &quot;Szene&quot; zu exportieren. Was die Zusammenarbeit mit ImmigrantInnen betrifft, versuchen wir das Problem praktisch zu lösen. D.h. in unserer Stadtteilarbeit kooperieren wir eng mit einer Organisation türkischer und kurdischer Arbeiterinnen und Arbeiter in Deutschland. Nur in so einer Praxis können sich Widersprüche auflösen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Wir können zum Verhältnis mit anderen linken Gruppen wenig sagen. Wir sind noch nicht lange in der BO und auch noch nicht öffentlich als Teil von ihr aufgetreten. Aus dem Grund gibt es eigentlich keine richtige Reaktion aus der Frauen-/Lesben-Szene auf unsere Entscheidung, in die BO einzutreten. Wir bereiten erst jetzt eine Veranstaltung vor, um unseren Organisierungsansatz vorzustellen. Außerdem wird es die Kampagne zum 8. März geben, zu der wir unterschiedliche Frauengruppen ansprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Wir haben punktuell, z.B. im Kaindl-Fall, gut mit anderen Leuten kooperiert. Unsere Bemühungen gehen zur Zeit dahin, in Ostberlin eine Stadtteil-Antifa aufzubauen und von da aus mit konkreten Sachen auf andere Gruppen zuzugehen.&lt;br /&gt;Die inhaltlich meist wenig begründeten Angriffe und Diffamierungen gegen die BO hat es zwar gegeben. Aber wir glauben, daß das nur durch ernstgemeinte Angebote zur Zusammenarbeit überwunden werden kann. Darin müssen wir beweisen, daß wir gemeinsame Projekte machen wollen, ohne dabei irgendjemanden zu funktionalisieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Einer der umstrittensten Begriffe in der Linken war in den letzten 20 Jahren der Begriff der &quot;Faschisierung&quot;. Ich kann mir denken, daß hier darüber auch keine Einigkeit besteht. Gibt es eine schleichende Faschisierung und von wem geht sie aus? Gegen wen muß sich Antifa- Politik richten: einen rassistischen Staat, die militanten Nazis oder eine rassistische Stimmung in der Bevölkerung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Die Gefahr des Faschismus geht für uns ganz klar vom Staat aus. Wir glauben, um ein Zitat zu bringen, daß man &quot;die Etappen in der Entwicklung der Faschisierung und des kapitalistischen Staates nicht ignorieren darf&quot; und etwas weiter unten: &quot;Die Unterlassung einer konkreten Analyse des Grades der Verschärfung des Klassenkampfs, des Grades der Krise der kapitalistischen Spitzen und des sich daraus ergebenden Grades der Faschisierung der Parteien der Bourgeoisien, ist ein Fehler&quot;. Faschisierung ist für uns also Verschärfung des Klassenkampfs von oben und kann verschiedene Gesichter haben. Das kann zunehmende Repression seitens des Staates bedeuten, aber auch die Verschlechterung der Lebenssituattion der Bevölkerung. Im Augenblick sehen wir eine präventive staatliche Faschisierung. Präventiv deswegen, weil die linken Kräfte im Augenblick nicht stark sind.&lt;br /&gt;Praktisch dagegen anzugehen, heißt natürlich auch, gegen den Terror der militanten Nazis offensiv vorzugehen. Zum anderen bedeutet es, daß der Staat involviert ist, es eine Grauzone zwischen staatlichen Stellen und Nazis gibt. Jahrhunderte alter Rassismus oder Antisemitismus wird geschürt, um von der sozialen Situation abzulenken, damit kein Klassenkampf von unten entsteht. Wir müssen mit unserer Antifa-Arbeit klar machen, daß die Krisenpolitik des Kapitals für die Faschisierung verantwortlich ist. Gegen die Verbreitung rassistischer Spaltungslinien müssen die gemeinsamen Klasseninteressen dargestellt und im Kampf das Trennende überwunden werden. Das ist die unmittelbare Verbindung mit der sozialen Frage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA: &lt;/strong&gt;Die Frage, woher der Faschismus droht, stellt sich für uns in dieser Form nicht. Es gibt Gruppen der Bevölkerung, die bereits unter faschistischen Bedingungen leben müssen. Wenn wir sagen, &quot;von woher droht der Faschismus&quot;, gehen wir von unserem Standpunkt als weiße privilegierte metropolitane Linke aus. Der Staat unterdrückt einzelne Gruppe der Bevölkerung mit faschistischen Mitteln: Schießbefehl an der Grenze, Internierung in Lager, Abschottung der Grenzen. Wir denken nicht, daß &quot;hinter dem Faschismus das Kapital steht&quot;, sondern daß da ein Zusammenwirken verschiedener Ebenen stattfindet. Faschistische Ideologie hat ihre Wurzeln unter anderem in der patriarchalen Dominanzkultur, also dem Recht des Stärkeren, Ungleichwertigkeit von bestimmten Gruppen.&lt;br /&gt;Für unsere Politik bedeutet das, einerseits die Verflechtung zwischen Nazis, neuer Rechten und bürgerlicher Demokratie aufzuzeigen. Andererseits heißt es auch, Alternativen zu dieser patriarchalen Gesellschaft aufzubauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Prinzipiell sehen wir die von Euch beschriebenen Entwicklungen - innere Sicherheit, rassistischer Terror, Verschärfung patriarchaler Verhältnisse - natürlich auch. Wir würden sie aber nicht als &quot;Faschisierung&quot; bezeichnen. Es sind ganz normale Bestandteile einer bürgerlichen Demokratie. Mit dem Begriff Faschismus/Faschisierung sollte man jedoch sparsam umgehen, um ihn nicht zu verbrauchen. Von &quot;Faschisierung&quot; würden wir dann reden, wenn eine faschistische Massenbewegung entsteht und der Staat diese in seinem Sinne funktionalisiert. Als 1991/92 der Staat im Rahmen der Asyldebatte Pogrome geschürt und geschützt hat, indem er AntifaschistInnen festnahm, die Angriffe der Nazis jedoch tolerierte, da gab es unserer Meinung tatsächlich eine Entwicklung die als &quot;Faschisierung&quot; bezeichnet werden muß. Aber die Verschärfung der Gesetze zur Inneren Sicherheit, des Asylrechts und die Ausländergesetzgebung, das ist die ganz normale autoritäre Entwicklung der bürgerlichen Demokratie. Das macht das ganze ja nicht weniger bedrohlich. Aber es zeigt, daß die Auseinandersetzung mit den Nazis nicht das wichtigste ist. Man muß Nazis angreifen, weil sie vielen Menschen die Luft zum Atmen nehmen, aber der Hauptgegner sind sie nicht. Das ist &quot;bürgerlich-demokratischer&quot; Normalzustand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;FARA:&lt;/strong&gt; Ich würde das anders sagen. Der Faschismus verschärft all das, was in der bürgerlichen Demokratie bereits angelegt ist. Aber beides, Faschismus und bürgerliche Demokratie, sind außerdem nur Ausformungen des gleichen gesellschaftlichen patriarchal-imperialistischen Systems.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;fels:&lt;/strong&gt; Stimmt, aber der Faschismus ist eben nur eine Option, und die ist im Augenblick überhaupt nicht nötig. Von Faschismus zu reden, ist unserer Meinung erst dann richtig, wenn die Massenmobilisierung als Faktor von unten dazukommt und sich mit den Interessen der Herrschenden verbindet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RAI:&lt;/strong&gt; Das sehen wir nicht so. Faschismus ist die offen terroristische Form der Klassenherrschaft des Kapitals, auf die zurückgegriffen wird, wenn es starke fortschrittliche und revolutionäre Kräfte gibt. Die Türkei und Chile sind bzw. waren in diesem Sinn faschistisch, obwohl es keine Massenbewegung gab. Faschisierung findet heute in der BRD, eben im Zusammenhang mit dem Klassenkampf von oben statt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Unterschiede an dem Punkt sind, glaube ich, klar geworden. Die Diskussion werden wir weiterführen müssen. Auf jeden Fall erst einmal danke an euch alle für das lnterview.&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 22 May 2014 17:36:21 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Was tun?</title>
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                    &lt;p&gt;Gerade im Gegensatz zu einem von F.e.l.S. ins Leben gerufenen und inzwischen aufgelösten Organisationsansatz (siehe Arranca Nr. 4), deren Entstehungsgeschichte zunehmend dem Versuch einer formalistischen Organisationsgründung am grünen Tisch glich,  war der Organisationsansatz AA/BO von Anfang an  viel  organischer. Die  Gruppen schlossen sich zu einer notwendig verschienenen Organisierung im Teilbereich Antifa zusammen. Von der Grundlage der politischen Arbeit der Gruppen vor Ort ausgehend, wird versucht, gemeinsame praktische Initiativen zu entwickeln, anhand derer inhaltliche Diskussionen geführt werden sollen.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Gerade im Gegensatz zu einem von F.e.l.S. ins Leben gerufenen und inzwischen aufgelösten Organisationsansatz (siehe &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/4/ilo&quot;&gt;Arranca Nr. 4&lt;/a&gt;), deren Entstehungsgeschichte zunehmend dem Versuch einer formalistischen Organisationsgründung am grünen Tisch glich,&amp;nbsp; war der Organisationsansatz AA/BO von Anfang an&amp;nbsp; viel&amp;nbsp; organischer. Die&amp;nbsp; Gruppen schlossen sich zu einer notwendig verschienenen Organisierung im Teilbereich Antifa zusammen. Von der Grundlage der politischen Arbeit der Gruppen vor Ort ausgehend, wird versucht, gemeinsame praktische Initiativen zu entwickeln, anhand derer inhaltliche Diskussionen geführt werden sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bisher existieren in der AA/BO faktisch kaum gemeinsam diskutierte politische Grundpositionen und Kriterien, die man nach außen tragen könnte. (Die Kriterien, die schon beschlossen wurden, sind in der &quot;Einsatz&quot;-Broschüre nachzulesen.) Die Erarbeitung inhaltlicher Grundpositionen gestaltet sich viel schwieriger, als wir das erwartet hätten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den ca. zweimonatlich stattfindenden Delegiertentreffen wurde eine Theorie/Programm-AG eingerichtet, in der ausgehend vom Thema &quot;Faschismusanalysen&quot; versucht wird, anhand von Thesenpapieren, die einzelne Gruppen erarbeiten, eine von allen getragene politische Grundlage zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen in Form eines Programmes veröffentlicht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Diskussionen in dieser AG scheinen aber oft eher zäh und schleppend. Das ist sicher einerseits dem Umstand geschuldet, daß die Diskussionen erst in den Gruppen geführt&amp;nbsp; werden müssen, dann auf dem Delegiertentreffen und schließlich wieder in die&amp;nbsp; Gruppen zurückgegeben werden, um einen demokratischen Ablauf zu gewährleisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits ist die Ausgangssituation in den einzelnen Mitgliedsgruppen sehr unterschiedlich. In einigen Gruppen sind bereits weitreichende theoretische Diskussionen geführt worden, in anderen wird damit gerade begonnen. Verschiedene Tendenzen in den theoretischen Analysen sind zwischen einzelnen Gruppen vorhanden, z.B. in der Diskussion um ökonomistische und feministische Faschismusanalysen, die seit einigen Monaten geführt wird. Aber wir sind der Ansicht, daß diese Unterschiedlichkeiten und Schwierigkeiten kein&amp;nbsp; unüberwindbares Hindernis für einen gemeinsamen Prozeß der theoretischen Grundlagenbildung darstellen. Im Gegenteil: Erst durch die - in der AA/BO vorhandene - Bereitschaft, in Diskussionen, Schulungen oder Seminaren voneinander zu lernen und scheinbar feststehende politische Positionen wieder zu hinterfragen - im Gegensatz zu den sonst weitverbreiteten Abgrenzungstendenzen innerhalb der radikalen Linken - ist überhaupt die Möglichkeit einer langfristigen gemeinsamen Theoriebildung gegeben, die dem Ziel der kollektiven Befreiung dient.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Berlin beispielsweise sind die vier zur Zeit in der AA/BO organisierten Gruppen extrem verschieden: F.e.l.S.; Fara als feministische, antiimperialistische Frauengruppe; A&amp;amp;P als autonome Antifagruppe und RAI als Antifagruppe mit stärkerer traditionell kommunistischer Bezugnahme. Zur Zeit findet alle zwei Wochen ein Delegiertentreffen der Gruppen statt, auf dem ein Austausch über die&amp;nbsp; jeweilige Arbeit stattfindet, praktische Aktivitäten koordiniert werden&amp;nbsp; und versucht wird, an einzelnen Punkten zusammen praktische Projekte zu entwickeln. Ein Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit war unsere Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung der Antifademo gegen Arnulf Priem im August &#039;94 im Rahmen der &quot;Aktion 94&quot; gegen den&amp;nbsp; jährlichen Rudolf Heß Gedenkmarsch der Nazis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Inhaltliche Diskussionen haben sich bisher entlang der gemeinsamen praktischen Initiativen orientiert, z.B. an gemeinsamen Veranstaltungen oder Demonstrationsbeteiligungen. Auch wenn die Berliner Koordinierung bisher selten über einen Austausch hinausging, denken wir, daß nur durch solch einen Ansatz einer ernsthaften, langfristig angelegten&amp;nbsp; Zusammenarbeit eine Annäherung und Vereinheitlichung der Gruppen im Sinne einer Organisation gewährleistet werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der AA/BO wurde und wird versucht, die Erwartungen möglichst realistisch zu halten an das, was und wieviel für uns innerhalb des Organisationsprozesses leistbar ist. Dies bedeutet auch, daß die Arbeit sich in erster Linie an den regionalen praktischen Aktivitäten der Mitgliedsgruppen orientiert. Die praktische Zusammenarbeit, das verbindliche Planen und Organisieren von Kampagnen funktionieren demzufolge in der AA/BO auch relativ gut. Trotzdem ist es schwierig, zu einer sinnvollen und für alle Gruppen tragbaren Gewichtung von praktischer und theoretischer Arbeit zu gelangen. Denn theoretische Diskussionnen müssen auch forciert werden, d.h. sie ergeben sich eben nicht per se aus der Praxis, sondern sie sollen dieser als Grundlage aber auch zur Erweiterung dienen. Insofern sehen wir dieses Problem eng daran gekoppelt, inwieweit es der AA/BO perspektivisch gelingen wird, ihre&amp;nbsp; Arbeitsfelder über den Schwerpunkt Antifaschismus hinaus auszudehnen. Dies kann unserer Ansicht nach nur funktionieren, wenn einerseits die analytischen Grundlagen erarbeitet werden, sprich in welchem Zusammenhang verschiedene Politikfelder zueinander stehen, z.B. Antifa und soziale Frage, sowie die&amp;nbsp; jeweiligen Bedingungen für Widerstand untersucht werden. Daraus können dann Handlungsweisen für praktische politische Arbeit abgeleitet werden. Andererseits muß sich eine Ausweitung der Arbeitsfelder aber auch organisch aus der Praxis der Gruppen vor Ort entwickeln. Daß es damit noch Probleme gibt, hat sich besonders in der jetzt gelaufenen Kampagne der AA/BO zu den Wahlen gezeigt: Zwar wurden in den einzelnen Gruppen und auf den Bundestreffen theoretische Positionen zu Parlamentarismus und Wahlen erarbeitet, aber diese Thematik hatte mit der meist konkreten Antifaarbeit der Gruppen in den Regionen nicht viel zu tun. Insofern schien uns auch die praktische Umsetzung dieser Kampagne mit dem&amp;nbsp; Höhepunkt einer Demo in Bonn am 15. 10. mit nur ca. 700 Teilnehmerinnen äußerst mangelhaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Erweiterung der politischen Arbeit (nicht grundsätzlich über Antifa hinaus) fand in der AA/BO bisher vor allem dann statt, wenn neue Gruppen dazugekommen sind, die ihre Arbeit in den existierenden Kontext der BO stellen konnten, aber weitergehende Vorschläge und Forderungen hatten. Durch den Beitritt einer Frauen/Lesbengruppe entstanden schnell intensive Diskussionen um autonome Organisierungen entlang spezifischer Unterdrückungsverhältnisse innerhalb einer gemischten Organisation. Daraus hat sich vor einigen Monaten auf den&amp;nbsp; Bundestreffen eine Frauen-AG gegründet, an der Frauen aus allen Mitgliedsgruppen teilnehmen. Zur Zeit wird an der Planung einer Kampagne zum 8. März &#039;95 gearbeitet. Außerdem werden die Diskussionen weitergeführt, wie eine eigenständige Frauenorganisierung innerhalb einer gemischten Organisatiosstruktur aussehen kann, die nicht stellvertretend für den &quot;Bereich Frauenfragen&quot; zuständig gemacht werden kann. Es wird nach möglichen Strukturen und Regelungen gesucht, die eine Doppelbelastung der Frauen verhindern und eine Entscheidungsautonomie garantieren. In der Zwischenzeit gibt es auch in vielen gemischten Gruppen eigene Frauen-AGs und zwischen den Berliner Gruppen findet ebenfalls alle zwei Wochen ein Frauenkoordinierungstreffen statt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir halten die AA/BO zur Zeit für einen der ganz wenigen dynamischen Organisationsversuche in der radikalen Linken, mit der Chance, durch das Hinzukommen weiterer Gruppen und durch kontinuierliche politische Zusammenarbeit revolutionäre Positionen wieder stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kontinuität und Verbindlichkeit können nur in organisierten Strukturen gewährleistet werden!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 22 May 2014 17:25:35 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Es war einmal...</title>
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                    &lt;p&gt;Ein kritischer  Rückblick auf über zehn Jahre autonomer Politik lag Anfang der &#039;90er Jahre, aufgrund der desola­ten Situation linksradikaler Politik, für viele nahe. Die Autonome  Antifa (M) machte im August 1991 mit einem &quot;Diskussionspapier zur Autonomen Orgonisierung&quot; genauso darauf aufmerksam wie die Gruppe f.e.l.S., die die sogenannte Heinz-Schenk-Debatte entfachte.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ein kritischer  Rückblick auf über zehn Jahre autonomer Politik lag Anfang der &#039;90er Jahre, aufgrund der desola­ten Situation linksradikaler Politik,  für viele nahe. Die Autonome  Antifa (M) machte im August 1991 mit einem &quot;Diskussionspapier zur Autonomen Orgonisierung&quot; genauso darauf aufmerksam wie die Gruppe f.e.l.S., die die sogenannte Heinz-Schenk-Debatte entfachte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gemeinsam war  diesen  Diskussionspa­pieren  die Kritik um die fehlende  politi­sche Kontinuität und  Verbindlichkeit der  Autonomen, die  eine  langfristige Theorie und Praxis unmöglich machten. Große  Teile  der  autonomen Szene  arbeiteten nur  noch  um  den  Erhalt  der von ihnen  erkämpften Nischen in der sinnlosen Hoffnung  nach Auflösung von Herrschaftsstrukturen  in  vermeintlich selbstbestimmten  Räumen. Da  diese Hoffnung  sich ebensowenig erfüllte wie die,  mit  einer  unendlichen Reihe  von unverbindlichen  Plena zu  einzelnen Projekten Menschen einzubinden, stiegen  viele  aus  Enttäuschung, fehlender Lebensperspektive und  Frust  bald  wie­ der  aus.  Die Szenestruktur sprach   nur eine  bestimmte  Schicht  von  Leuten  an, meist  jüngere  Menschen  in der  Ausbil­dungsphase, die   in  der   Szene ihre Sturm-  und  Drang-Phase durchlebten und  sich  nach zwei,  drei Jahren  wieder aus  der  aktiven  Politik   zurückzogen. Arbeiter/innen,  Menschen mit Kindern etc.   wurden meist von   vorneherein nicht miteinbezogen. Das Ghetto schien unüberwindbar, eine  gesellschaftliche Auseinandersetzung mit  linksradikaler Politik  fand  aufgrund fehlender Aktionen  und  mangelnder Öffentlichkeitsarbeit  kaum  noch  statt.  Die  politische Isolation der  autonomen  Szene  war unübersehbar.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das  Papier  aus  Göttingen forderte  zu einer  Loslösung  von  autonomen Tradi­tionen wie  falschverstande nem  Spon­taneismus und  Unverbindlichkeit  auf, die  sich  zum  Teil aus  Abgrenzung zur K-Gruppen-Politik der 70er Jahre ent­wickelt  hatten   und  nur    in   einem bestimmten Kontext  sinnvoll  waren.  Es sollte weggegangen werden von einer Szenestruktur, die  oft   nur  Insidern durchschaubar war,  hin zu einer von Ansprechbarkeit und Verantwortlichkeit gekennzeichneten Organisation,  ohne die Fehler der K-Gruppen  mit ihren all­ zuoft   hierarchisch und  formalistisch geprägten Parteienstrukturen zu wieder­ holen - hin  zu  einer   kontinuierlichen Erarbeitung inhaltlicher Grundlagen, die eine praxisorientierte, bundesweite Zu­ sammenarbeit  ermöglichen. Ziel hierbei war und  ist, linksradikale  Politik gesell­schaftlich wahrnehmbar, perspektivisch kulturfähig zu machen,  um in die gesell­schaftliche Diskussion überhaupt ein­greifen  zu können.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Dissonanzen&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Reaktionen auf diese Kritiken waren heftig und sehr kontrovers. Auf einem bundesweiten Antifa-Treffen im Herbst 1991 in Frankfurt am Main wurde das Thema Organisierung aufgrund des &quot;Diskussionspapiers zur Autonomen Organisierung&quot; aufgegriffen. Im Laufe der folgenden Diskussio­nen kristallisierten sich sehr schnell unterschiedliche Vorstellungen über Sinn und Form der Organisierung her­ aus. Im Juli &#039;92 wurde als Ergebnis in Wuppertal die Antifaschistische Ak­tion/Bundesweite Organisation gegrün­det. Das unterschiedliche Verständnis von dem Begriff Organisation war der Grund für die schleppenden Fortschritte der zwar gegründeten , aber letztlich nicht existierenden AA/BO.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dogmen und Tabus aus zehn Jahren autonomer Politik, an denen nun gerüt­telt wurde, mußten jetzt aufgerollt wer­den. Der folgende Bruch, der das Aus­treten einiger Gruppen (ca. ein Drittel) nach sich zog, machte sich inhaltlich v. a. an zwei Punkten fest:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Der Sinn der AA/ BO sollte nicht in einem reinen Info-Austausch liegen, sondern gerade über die Formierung einer Organisation bundesweite, koordi­nierte und dadurch wahrnehmbare Politik möglich machen. Viele Kritikerinnen witterten hier schon eine neue bol­schwistische Partei, obwohl gerade mit dem Modell der Antifaschistischen Ak­tion/BO versucht wurde, die offen hier­archischen Strukturen der K-Gruppen­-Zeit und die verdeckten der autonomen Szene zu thematisteren und letztlich zu überwinden. Vermutlich spielte auch die Angst, in offenen, überschaubaren Strukturen Privilegien zu verlieren und Verantwortung übernehmen zu müssen, eine nicht geringe Rolle.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Der zweite Punkt der Uneintgkeiten war die Frage, ob in einem Grundlagenpa­pier die Ausrichtung der Antifa-Gruppen deutlich auf Antiimperialismus festgeschrieben werden sollte. Gruppen, die entweder ihren Kampf als reinen Anti-Nazi-Kampf defi­nierten oder eine klare Stellungnahme zum Antiimperialismus nicht für sinnvoll hielten, da &quot;Ostgruppen&quot; angeblich ab­geschreckt würden, wenn &quot;Terminolo­gie aus der Ex-DDR&quot; verwendet würde, verließen die AA/BO.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Daraufhin entstand außerhalb der Organisation ein Antifa-Vernetzungstreffen, das Informationsaustausch und infor­melle Zusammenarbeit koordinieren sollte und auch heute noch existiert. Außerdem initiierten einige Ost-Grup­pen aufgrund ihrer spezifischen Situa­tion in der Ex-DDR ein eigenes Ost­ Vernetzungstreffen. Dieses hat sich mittlerweile aufgelöst.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir als Gruppe, die die Frage der Organisierung in den Mittelpunkt der Frage nach der Perspektive der Linken in der BRD gestellt hat, begrüßen demnach grundsätzlich Organisierungsversuche und erheben selbstverständlich keinen Alleinvertretungsanspruch für den Weg der Organisierung der AA/BO. Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu ande­ren Ansätzen, sondern stehen einer Zusammenarbeit positiv gegenüber. Obwohl diese diesen Anspruch eben­falls formulierten, riß die zum Teil diffa­mierende Kritik an der AA/BO gerade aus diesen Kreisen nicht ab.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Grundriss und Stand der Antifaschistischen Aktion/BO&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Politik der AA/BO wird von den regionalen Gruppen bestimmt. Diese stellen sich in der Öffentlichkeit in einen Zusammenhang mit der Organisa­tion und bringen dort Initiativen ein. Delegierte der Mitgliedsgruppen, möglichst viele Frauen wie Männer, nehmen an den bundesweiten Treffen teil. Diese Delegierten sollen die Diskussionen und Vorschläge ihrer Gruppen auf den bundesweiten Treffen einbringen. Wichtig dabei ist das Rotationsprinzip, damit alle Gruppenmitglieder sich zumindest ein Bild von den Diskussionen und der Arbeit machen können und um das Enstehen von Hierarchien zu vermeiden bzw. entgegenzuwirken.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ausgehend von den Erfahrungen der Gruppen wurden einige Mitgliedskriterien erstellt, um sowohl Neueinsteiger als auch die AA/BO vor falschen Erwartungen und Enttäuschungen zu bewah­ren. Ein grundlegendes Kriterium ist es., sich in den Zusammenhang einer Grup­pe zu stellen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Eine perspektivische Verankerung der Gruppen in der Region ist anzustreben und die ernsthafte kontinuierliche Teil­nahme am bundesweiten Prozeß sollte fur sie leistbar sein. So kann fur jüngere, sich noch in der Aufbauphase befin­dene Gruppen eine Einbindung in die regionalen Strukturen erst einmal der wichtigste Schritt sein.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Inhaltlich treffen sich die Gruppen beim Antifaschismus, der für die meisten Schwerpunkt der Politik ist und als wichtiger Hebelpunkt gesellschaftlicher Veränderungen angesehen wird. Es sol­len gemeinsame Standpunkte entwickelt und politisch sinnvolle Handlungsstrate­gien, immer praxisnah, erarbeitet wer­ den. Seinen Ausdruck finden soll dies in der Erstellung eines Programms, durch das diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Kritisch anzu­merken bleibt, daß sich die Diskussion um dieses Programm schwieriger gestal­tet als zuerst angenommen und der vor­gesehene Termin der Veröffentlichung bis zum Frühjahr &#039;95 fraglich bleibt. Mitglieder der AA/BO sind zur Zeit 14 Gruppen aus 11 Städten: Berlin, Bielefeld, Bonn, Braunschweig, Bünde, Göttingen, Köln, Mainz/Wiesbaden, Nürnberg, Passau, Plauen sowie ver­schiedene Gruppen aus Ost und West mit Beobachterstatus.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Die F.E.L.S.-Initiative&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ausgehend von einer Initiative der Gruppe f.e.l.S. schlossen sich Gruppen, die ihren Schwerpunkt nicht bei der Antifa-Arbeit sahen, zu einem linksradi­kalen Organisationsansatz zusammen. f.e.l.S. selbst und die Autonome Antifa (M) beteiligten sich an beiden Initiati­ven. Bei diesem Ansatz vollzog sich im Juni dieses Jahres ein Spaltungsprozeß. Die weitere Entwicklung läßt sich noch nicht beurteilen, grundlegende Diskus­sionen über die Zukunft des Organisati­onsansatzes werden geführt. Grundsätz­lich ist für uns eine Zusammenarbeit, die sich am ehesten an praktischer Un­terstützung und Vermittlung des Diskus­sionsstandes festmachen läßt, um Fehler nicht unnötigerweise zu wiederholen, sehr wichtig.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Staatsschutz und Faschisten&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Mit ein Grund für die Notwendigkeit, die Kräfte zu bündeln, sind die Angriffe des Staatsschutzes auf Organisationsver­suche der Linken. Ihm ist die Bedrohung, die von einer organisierten links­radikalen Kraft auf ihn ausgehen wird, sehr wohl bewußt. Im August 1993, als die Berichterstattung über Bad Kleinen, die RAF und den vertuschten Mord an Wolfgang Grams auf Hochtouren lief, wurde gezielt versucht, eine Zusam­menarbeit der neuorganisierten &quot;Szene&quot; mit der RAF zu beschwören. Es wurde aus Leitfragen bundesweiter Treffen ziti­tert und dabei die Frage gestellt, ob hier nicht ähnlich der RAF &quot;eine Gegen­macht von unten&quot; aufgebaut werden solle. Dieser Versuch, Linke von vorneherein in das Licht der Illegalität zu rücken, indem man sie in die Nähe der RAF rückt, hat Tradition. Sie paßt in die Anti-Antifa-Politik des Staates. Antifa­schismus wird für kriminell erklärt. So wurde in Wiesbaden der autonome Antifaschist Gunther zu zweieinhalb Jahren Knast verurteilt. Auch der Prozeß gegen die kurdischen, türkischen und deutschen GenossInnen in Berlin fügt sich ein. Und in Göttingen, wo schon seit 1991 Ermittlungen nach §129a lau­fen, wird jetzt versucht, gegen 19 Perso­nen, zum großen Teil als angebliche Mitglieder der Autonomen Antifa (M), die Paragraphen 129 und 129a anzuwenden. Nach den Hausdurchsuchun­gen vom 7. Juli 1994 steht der Prozeß hier noch aus.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Diese Bedrohung durch organisierten antiimperialistischen Antifaschismus ver­spürt nicht nur der Staat, sondern auch die Faschisten. Sie ließen verlauten, daß die Antifas nichts Dümmeres tun könnten, als sich zu organisieren, da sie so viel angreifbarer seien. Doch Antifa­schismus, der das Ziel hat, sich gesell­schaftlich zu verankern, kann nicht auf dem Niveau anonymer Kleingruppenmi­litanz stehenbleiben, was nicht gleich­ bedeutend mit einer Verurteilung der­selben ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Öffentlichkeit&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ziel der Antifaschistischen Aktion/BO ist es, für möglichst viele Menschen zur politischen und kulturellen Orientierung zu werden. Dabei kommt mensch nicht an Massenmedien vorbei. Gerade auf regionaler Ebene sind Kontakte zur Presse neben dem Aufbau traditioneller Öffentlichkeitsarbeit durch Flugblätter, Plakate, Büchertische und der Nutzung alternativer Medien unerläßlich. Dies impliziert jedoch kein naives oder unvorsichtiges Umgehen und steht der grundsätzlichen Analyse herrschender Medien als herrschaftssicherndes Instru­ ment keineswegs entgegen. Natürlich muß in einem Zusammenhang mit den Medien ständig diskutiert werden (siehe &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/2&quot;&gt;Arranca! Nr. 2&lt;/a&gt;)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das Ziel, durch die Praxis der AA/BO bundesweit wahrnehmbar zu sein, hat sich bis jetzt erst teilweise erfüllt. Die Initiative von 1993 &quot;Gegen die faschisti­schen Zentren vorgehen&quot; fand vor allem statt mit den Demos in Mainz gegen die Gärtnerei Müller, in Bietefeld gegen das NF-Zentrum in Pievitsheide und in Göttingen gegen den Faschisten Fiedler. Trotz der großen Resonanz ließ sich das abgestimmte Vorgehen etwas vermis­sen. Am 9. November 1993 gab es in verschiedenen Mitgliedsstädten Demos, Aktionen und Veranstaltungen sowie ein gemeinsames Schulungswochen­ende, eine Broschüre und ein Plakat.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;In diesem Jahr fand eine Initiative unter dem Motto &quot;Dem organisierten Neofa­schismus entgegentreten&quot; statt, die von der AA/BO getragen wurde. Auch zwei große Demonstrationen in Berlin und Nürnberg und etliche kleinere machten es den Faschisten dieses Jahr schwer, ihren Rudolf-Heß-Gedenktag zu feiern. Die Aktion &#039;94, mitorganisiert von der AA/ BO, wird als Erfolg gewertet. Zu den Wahlen im Juni und Oktober dieses Jahres fanden bundesweite Aktivitäten statt. Es wurde ein gemeinsames Flug­blatt, zwei Plakate und eine gemein­same Demonstration am 15. Oktober in Bonn gestaltet unter dem Motto &quot;Ergreift Partei! Wählt den antifaschistischen Kampf!&quot;. Die gemeinsam von den Grup­pen der Antifaschistischen Aktion/BO erstellte Broschüre &quot;Einsatz&quot; kann einen noch detaillierteren Eindruck von der Antifaschistischen Aktion/BO geben.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;BETEILIGT EUCH!&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;KÄMPFT MIT IN DER ANTIFASCHISTISCHEN AKTION/BUNDESWEITE ORGANISATION!&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Oktober 1994 - Autonome Antifa (M)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 22 May 2014 16:28:32 +0000</pubDate>
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