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 <title>arranca! - Aneignung</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/151/0</link>
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 <title>Freie Stromversorgung in Südafrika</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/38/freie-stromversorgung-in-suedafrika</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Im Jahr 2000 versprach der regierende African National Congress (ANC) in seinem Wahlmanifest die kostenlose Grundversorgung aller armen SüdafrikanerInnen mit dem Programm einer Freien Elektrizitäts-Grundversorgung (FEG). Später wurde diese Grundversorgung mit 6000 Liter Wasser und 50 Kilowattstunden Strom monatlich für alle in Frage kommenden Haushalte spezifiziert. Was kann ein Haushalt aber konkret mit 50 Kilowattstunden im Monat anfangen?&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Im Jahr 2000 versprach der regierende African National Congress (ANC) in seinem Wahlmanifest die kostenlose Grundversorgung aller armen SüdafrikanerInnen mit dem Programm einer Freien Elektrizitäts-Grundversorgung (FEG). Später wurde diese Grundversorgung mit 6000 Liter Wasser und 50 Kilowattstunden Strom monatlich für alle in Frage kommenden Haushalte spezifiziert. Was kann ein Haushalt aber konkret mit 50 Kilowattstunden im Monat anfangen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein kleiner Kühlschrank allein verbraucht schon die gesamte Menge an zugewiesener FEG. Ein solch minimalistisches Programm läuft darauf hinaus, „die Armen“ in ihrer Armut zu belassen und zur Nutzung von weit gefährlicheren, weil nicht fachgerechten Formen der Energieversorgung zu zwingen. Es ist offensichtlich, dass der niedrige Verbrauch selbst ein Resultat des Apartheid-Erbes, hoher Arbeitslosigkeit und einer absichtlich erzeugten Konsum-Unfähigkeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zugleich muss dem ANC jedoch zugute gehalten werden, dass verglichen mit 1991, als nur 38 Prozent der Haushalte ans Stromnetz angeschlossen waren, diese Zahl bis 2005 auf 72 Prozent angestiegen ist. Allerdings bestehen Entwicklungsrückstände in ländlichen Gegenden fort. Nicht viel besser sieht es in den neu entstandenen urbanen Slums und informellen Siedlungen aus.&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Keeping the poor out&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In der Praxis gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten, wie der Zugang zu FEG geregelt wird. Bei „breiten“ bzw. „pauschalen“ Ansätzen kommen unterschiedslos alle in einem Gebiet Ansässigen in den Genuss von FEG, ohne dass hinsichtlich Einkommen oder konkreten Lebensverhältnissen differenziert wird, während eine „gezielte“ Versorgung die Festlegung bestimmter Kriterien, strikte Bedürftigkeitsprüfungen sowie das Führen einer Begünstigtenkartei impliziert. Eine weitere Variante ist der „Self-Targeting“-Ansatz, in dem AnwohnerInnen einer sehr niedrigen Versorgungsleistung zustimmen (10 Ampere mit häufigen Schwankungen) und dafür im Gegenzug FEG erhalten. Generelle Vorbedingung für alle Formen von FEG ist ein ordnungsgemäßer, mit Zähler versehener Zugang zum nationalen Stromnetz. Haushalte, die in der Vergangenheit bereits durch Zahlungsausfälle oder illegales Anzapfen aufgefallen sind, wird der Zugang zu FEG so lange verwehrt, bis diese Rechnungen beglichen wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die „gezielte“ Methode ist aus universalistischer Perspektive dafür kritisiert worden, dass sie Arme eher abhält als ermutigt, FEG in Anspruch zu nehmen. Dadurch, dass nur die wirklich „bedürftigen Armen“ als Begünstigte registriert werden, erhoffen sich die Kommunen, alle anderen angeblich Zahlungsfähigen moralisch zur Zahlung zu animieren. Der „breite“ bzw. „pauschale“ Ansatz gewährt zwar allen Haushalten das festgelegte Maß an FEG, schreibt aber gleichzeitig abgestufte, deutlich teurere Straftarife für dieses Maß überschreitenden Konsum fest. Wohlhabende Haushalte haben in der Regel kein Problem, diese höheren Tarife zu bezahlen. Hier werden also nicht „die Bedürftigen“ als Gruppe isoliert, sondern über Tarifstaffelungen und drohende Abschaltungen als KundInnen zu disziplinieren versucht. Als öffentlich bekannt wurde, dass die Unterbrechungen der Stromversorgung häufig RentnerInnen und Familien mit kranken Mitgliedern trafen, willigten die kommunalen Versorger in eine Härtefallregelung ein. Die Haushalte mit Prepaid-Anschlüssen, die einen immer größeren Teil der privaten NutzerInnen ausmachen, erhalten ihre kostenlosen Zuteilungen erst nachdem sie mindestens einmal bei einer kommunalen Verkaufsstelle Energie bezogen haben.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt; Schleppende Entwicklung&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Bis 2003 hatte der Energieversorger Eskom den Armen keinerlei FEG zur Verfügung gestellt. 2006 gab Eskom bekannt, dass bei 84 Prozent ihrer in Frage kommenden KundInnen die Stromzähler für den Zugang zu FEG umgestellt worden seien. Zentrale Fragen bleiben hier: Wie wird ein anspruchsberechtigter Haushalt definiert und wer damit ausgeschlossen? Und wie steht es um die anderen Millionen Bedürftiger, die laut Eskom im Februar 2006, also fünf Jahre nachdem das Programm beschlossen wurde, noch immer kein FEG beziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch die kommunale FEG-Versorgung verlief wenig gezielt, da ein Großteil der belieferten Haushalte nicht arm war. Der südafrikanische Präsident beklagte, dass „die Zuwendungen oft denen zufallen, die noch relativ gut dran sind“ und führte dieses und andere Defizite auf etwas zurück, was er als „technische Kapazitätsmängel in den Bereichen Wasser, Sanitär und anderen staatlichen Bauprojekten“ beschrieb. Folglich sei das Programm einer kostenlosen Elektrizitätsversorgung für alle armen Haushalte langsamer als erwartet vorangekommen.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt; Prepaid-Stromzähler: Herrschafts-Technik zur Armenverwaltung&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;FEG ist einerseits eine staatliche Wohlfahrtsmaßnahme, andererseits muss FEG aber auch als Ansatz verstanden werden, das Problem der Massenarmut in Südafrika einzugrenzen, zu isolieren und zu verwalten. Eines der staatlichen Hauptinteressen ist der Kampf gegen eine „Kultur des Nicht-Bezahlens“ und die Förderung akzeptablen, marktkonformen Verhaltens. Eine wichtige Rolle spielen dabei Technologien, die Konsum zwar ermöglichen, ihn gleichzeitig aber auch begrenzen sollen. Die potenzielle Verfügbarkeit von Dienstleistungen für „die Armen“ hat paradoxerweise einen neuen Industriezweig hervorgebracht, der sich damit beschäftigt, wie der Konsum der Armen klein gehalten werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vielen Fällen wurde die Installation von Prepaid-Stromzähler (PPZ) zur Voraussetzung für Umschuldungen, Schuldenerlass und die Wiederaufnahme der Lieferung von FEG gemacht. Für Millionen von Haushalten hat sich die Erfahrung von Elektrizitätsversorgung durch das Aufkommen der PPZ radikal verändert. Eskom und die Kommunen haben PPZ in annähernd die Hälfte aller elektrifizierten Häuser Südafrikas eingebaut. Zielgruppe war zunächst die Bevölkerung in den „schwarzen“ Townships, mittlerweile sind PPZ jedoch auch darüber hinaus verbreitet. Südafrika ist führend in der Herstellung und Installation von PPZ. Der ANC pries diese neue Industrie, in der sich „alte Kampfgefährten und Genossen“ als Investoren beteiligten. Ist in einem Haushalt ein PPZ installiert, so erfolgt der Bezug von FEG über den monatlichen Erhalt eines nicht austauschbaren Gutscheins, der die festgelegte Menge an Strom garantiert. Sind diese FEG-Einheiten aufgebraucht, müssen zusätzliche individuell gekauft werden. Sollte es ein Haushalt versäumen, FEG einzufordern, verfällt der Anspruch am Ende eines Monats.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Folgen eines PPZ können äußerst beschwerlich sein: wiederholte Wege zur Ausgabestelle, hohe Transportkosten, vergammelnde Nahrungsmittel oder Stress in den Haushalten. „Alles, was Prepaid-Zähler durch ihr automatisches Abschalten tun, ist, dass sie arme Haushalte zwingen, weniger zu konsumieren. Anstatt dass Mitarbeiter der Stadt selbst das Abschalten von Wasser oder Strom vornehmen, lassen sie die Technologie dies für sich machen. Sie bleiben der ‚strukturellen Gewalt’ der Kostendeckung einfach fern“, so David McDonald in Metroburger am 2. Mai 2002). PPZ können die Community-Solidarität brechen, da sich die atomisierten KonsumentInnen selbst die Schuld für schlechte Haushaltsführung geben.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Abschaltungen, illegale Verbindungen und Protest&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Politik der Kostendeckung wurde mit der Einführung von FEG intensiviert, da die Kommunen von den Armen Dankbarkeit und Unterwürfigkeit erwarteten. Stromabschaltungen sind durch Eskom und die Kommunen in großer Zahl durchgeführt worden, was die ohnehin dünnen FEG-Leistungen zusätzlich beeinträchtigt hat. Diejenigen ohne offiziellen Wiederanschluss nahmen die Dienste oft illegal in Anspruch. Obwohl es hier schwierig ist, genaue Zahlen zu bekommen, häufen sich Beweise für weit verbreitete illegale Praktiken, die von manipulierten Zählern und Zählerüberbrückungen über illegale Verlängerungen bis zum Anzapfen von Straßenlaternen reichen. Dies sind riskante, verzweifelte Strategien, die auf die Unbezahlbarkeit, politische Entfremdung und soziale Exklusion schließen lassen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Ambivalente FEG&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Obwohl gern als gewichtige Intervention zugunsten „der Armen“ hinausposaunt, macht FEG nur einen winzigen Bruchteil der gesamten in Südafrika produzierten Elektrizität aus. Um wirklich die durch FEG angestrebte Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen, ist diese Menge absolut unzureichend, insbesondere wenn die chronische Armut sowie das hohe Verschuldungs- und Abschaltungsniveau berücksichtigt werden.&lt;br /&gt; Bedenkt man den schleppenden Beginn, ist die zunehmende Verbreitung von FEG seit 2003 zwar durchaus beachtlich. Allerdings sind auch die Probleme mit FEG nicht zu übersehen: Das monatliche Kontingent an FEG ist zu niedrig angesetzt, um Haushalte real aus der Armut zu heben - Armut wird daher eher fortgesetzt als zurückgedrängt; durch die Zuteilung auf Haushaltsbasis werden große Haushalte strukturell benachteiligt; der Versuch, mit 50 Kilowattstunden Strom im Monat auszukommen macht das tägliche Leben besonders der Frauen nicht wirklich einfacher; Bedürftigkeitsprüfungen erschweren den Zugang zu FEG massiv. So erreicht FEG „die Armen“ oftmals wegen der administrativen Hürden gar nicht erst. FEG hat die erklärten Ziele – die Bereitstellung normaler Stromanschlüsse, die Entlastung der Frauen von harter Plackerei und damit die Verringerung von Sicherheits- und Gesundheitsrisiken – deutlich verfehlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl FEG zeitweise durchaus eine Entlastung für sehr arme Haushalte ist, schreibt sie die soziale Exklusion fest und schreckt Arme durch stigmatisierende Bedürftigkeitsprüfungen vom Zugriff ab. Die Regierung hat durch ihr Beharren auf einer für arme Haushalte angeblich ausreichenden Menge von 50 Kilowattstunden Strom pro Monat dem Ganzen ihren eigenen elitären und implizit rassistischen Stempel aufgedrückt. In Anbetracht des schweren Erbes von „weißer“ Privilegierung, extremer Armut und hoher Arbeitslosigkeit in Südafrika wären ein Überdenken der bisherigen FEG-Strategie und eine deutlich spürbare Erhöhung der Zuweisungen vonnöten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Staatlicherseits wurde viel Energie in die Propagierung allgemeiner öffentlicher Werte wie „Zahlungsmoral“ und „Arbeitsethik“ unter den Armen investiert, die auf ein breiteres Bewusstsein für die Marktpflichten der BürgerInnen abzielen. Öffentliche Dienste spielen in diesem disziplinierenden Sozialisationsprozess eine wichtige Rolle, indem dem Markt durch den Staat Zugriff auf das tägliche Leben der BürgerInnen gewährt wird. Die staatlichen Institutionen waren, was Rekonfiguration, Formalisierung und Management der kostenlosen Dienstleistungen angeht, die Schlüsselakteurinnen, die durch und im Laufe dieser Prozesse versuchten, arme Communities als politische Bedrohung zu neutralisieren und den ökonomischen beziehungsweise den Warenwert der Dienste gegenüber sozialen Werten und Solidarität in Stellung zu bringen.&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Welche Wege führen aus der unterwürfigen Anerkennung?&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Jede politische Alternative sollte sowohl auf die Fragen sozialer Gerechtigkeit als auch den offensichtlichen, vielfachen sozialen nd ökonomischen Nutzen einer adäquaten wie freien, nichtstigmatisierenden und empowernden Stromversorgung hinweisen. Vermieden werden sollte hingegen, was der Soziologe Claus Offe einmal die in staatlichen Zugeständnissen von den Subjekten abverlangte „unterwürfige Anerkennung“ der überlegenen Moral des kapitalistischen Systems nannte. Die erst nach 2000 verspätet und widerwillig vom ANC initiierte Wohlfahrtspolitik spiegelt dessen eigenes ambivalentes Verhältnis zur Bevölkerung und sein andauerndes Bekenntnis zu neoliberaler Wohlfahrt und kapitalistischer Entwicklung in Südafrika wider.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So sehr staatliche Konzessionen zwar der ideologischen und administrativen Stärkung staatlicher Macht dienen, so sehr bilden diese dennoch wichtige Ansatzpunkte und Hebel für soziale Bewegungen, um den Forderungen nach wirklicher sozialer Gerechtigkeit Ausdruck zu verleihen und Basisbewegungen zu stärken. Dadurch können „die Armen“ Vertrauen schöpfen, um für ihre eigenen Forderungen zu kämpfen und sicher zu stellen, dass diese in einer Weise erfüllt werden, die ihre kollektive Macht und sozialen Werte nicht untergräbt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Greg Ruiters</dc:creator>
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 <title>Umsonst! – und sonst?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/35/umsonst-und-sonst</link>
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                    &lt;p&gt;Im Luxusrestaurant den Reichen die Häppchen vom Teller wegnaschen, anschließend eine Flasche Schampus klauen und ab ins Schwimmbad mit dem Liebsten – ohne zu bezahlen natürlich. So sah sie aus, die schöne neue Welt des Sozialprotests, jedenfalls fast... Warum nur ist vorbei, was so viel Spaß gemacht hat?&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;Im Luxusrestaurant den Reichen die Häppchen vom Teller wegnaschen, anschließend eine Flasche Schampus klauen und ab ins Schwimmbad mit dem Liebsten – ohne zu bezahlen natürlich. So sah sie aus, die schöne neue Welt des Sozialprotests, jedenfalls fast... Warum nur ist vorbei, was so viel Spaß gemacht hat?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen Herbst 2003 und Spätsommer 2004 hat es im sozialen Bereich Bewegung gegeben, von denen in den Jahren zuvor kaum jemand zu träumen wagte. Zwar ist es nach diesem... na ja Tischfeuerwerk des Protests erstmal wieder ruhiger geworden, aber Unzufriedenheit und Protestpotential sind nach wie vor vorhanden, wie zahlreiche Konflikte auf betrieblicher Ebene und die anständig besuchte Demonstration gegen Sozialabbau am 3. Juni 2006 in Berlin belegen. Bevor es also in die nächste Runde geht, bleibt gerade etwas Zeit, um einen Rückblick auf die in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen zu wagen. Wir wollen an dieser Stelle einige der Versuche unter die Lupe nehmen, mit denen wir in den vergangenen Jahren versucht haben, in Sachen soziale Kämpfe aus dem Quark zu kommen: Es geht um &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt;, den Pinken Punkt und die Überflüssigen. In einem weiteren Artikel beschäftigen wir uns mit dem – etwas aktuelleren – Euromayday-Experiment.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Berlin umsonst&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Planungen für die Kampagne &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; begannen Anfang 2003. Im Jahr zuvor hatten wir mit der Sozial-AG (von FelS) erste stadtpolitische Gehversuche unternommen. Hintergrund war der Berliner Bankenskandal und der daraufhin vom rot-roten Senat verordnete strikte Sparkurs für Berlin. Wir glaubten, dass es notwendig sei, neue offensive Aktionsformen auszuprobieren. Diese sollten sowohl die Betroffenen der Sparpolitik ansprechen (und Handlungsmöglichkeiten im Alltag aufzeigen) als auch linke Gruppe inspirieren, denen Demonstrationen gegen den Haushalt zu langweilig waren. Unser Ziel war es, die Verzichtsideologie anzugreifen, die als Begleitmusik zu Sozialabbau und Sparpolitik auf Bundesebene und in Berlin erklang. Wir wollten dagegen halten und auf dem legitimen Bedürfnis nach einem schönen Leben bestehen, uns kollektiv nehmen, was uns zusteht: gemeinsam schwarz mit der Bahn fahren, umsonst ins Schwimmbad gehen oder gutes Essen kostenlos beschaffen und gemeinsam verzehren. Diese Haltung haben wir „Aneignung“ genannt (siehe auch &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt; Nummer &lt;a href=&quot;https://arranca.org/ausgabe/28&quot; title=&quot;zu arranca! #28&quot;&gt;28&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;https://arranca.org/ausgabe/29&quot; title=&quot;zu arranca! #29&quot;&gt;29&lt;/a&gt;). Wichtig war uns, dass unsere Aktionen soziale Widerstandsformen aufgriffen, die auch sonst weit verbreitet waren (Schwarzfahren, Klauen, über-Zäune-klettern) – auch wenn sie ohne das Bewusstsein unternommen werden, dass es versteckte Formen des Widerstands sind. Wir erklärten sie für legitim und inszenierten sie als bunte, öffentliche Regelverletzung. So wollten wir den Alltagsverstand unserer Zielgruppe ansprechen und eine der grundlegenden Spielregeln des Kapitalismus in Frage stellen: Produkte gibt’s nur gegen Geld. Erfolgreiche Aneignungsaktionen sollten zeigen, dass man diese Spielregeln außer Kraft setzen kann und dass gemeinsame Organisierung etwas bringt. Wir hofften auf das weit verbreitete schlummernde Wissen, dass mit dem Kapitalismus etwas faul ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei den Aktionen haben wir darauf geachtet, sie möglichst bunt und freundlich zu gestalten, um zum Mitmachen zu animieren. Den Angestellten, auf die wir getroffen sind (BVG-Personal, VerkäuferInnen etc.), sollte das zeigen, dass sich der Protest nicht gegen sie richtet und dass sie keine Angst zu haben brauchen. Beliebte Mittel waren Blumensträuße oder Pralinen für Angestellte, die mit uns konfrontiert waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben eine ganze Menge probiert: kostenlose Bahnfahrten und (U-Bahn-)Partys, eine Fahraddemo zu Berliner Freibädern, gemeinsame Schwimmbad- und Ausstellungsbesuche zum Nulltarif, der versuchte Sturm aufs Buffet des Arbeitgebertages oder ein kostenloser Weihnachtsbummel durch ein großes Kaufhaus am Kudamm sind Beispiele.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; sollte neue Aktionsformen für die Linke entwickeln und ein Motto schaffen, das linke Gruppen nutzen könnten, um eigene Aktionen zu machen. Unsere Zielgruppe waren einerseits alle Betroffenen von Sozialabbau und Sparpolitik, die wir erreichen konnten. Andererseits waren die Aktionen so angelegt, dass sie vor allem junge Leute ansprechen sollten. Letzteres hat einigermaßen geklappt, am besten während der Studentenproteste in Berlin im Winter 2003/04. So sind nach dem versuchten Sturm aufs Arbeitgeberbuffet mehrere hundert begeisterte Protestierende durch die Innenstadt getobt und haben die Polizei einen ganzen Abend lang an der Nase herum geführt. Auch bei einigen anderen Berlin-umsonst-Aktionen hatten wir ein junges „Stammpublikum“ von 50 bis 150 Leuten. Unsere dritte Zielgruppe war die radikale Linke. Sie sollte zur Beteiligung an Sozialprotesten aufgefordert, in der linken Diskussion eine Position der Aneignung verankert werden. Auch das hat teilweise funktioniert. Natürlich hätten sich viele Linke 2004 auch ohne uns an den aufkommenden Sozialprotesten beteiligt, doch haben wir mit dem Thema Aneignung frühzeitig Orientierungspunkte gesetzt, auf die sich dann viele bezogen haben. Auch heute noch ist „Alles für alle – und zwar umsonst“ die meistgerufene sozialpolitische Parole auf linken Demos. Und es gab in mehreren Städten Aktionen unter dem Umsonst-Motto sowie Umsonst-Gruppengründungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Berlin hat sich der Ansatz entgegen unseren anfänglichen Erwartungen nicht verselbständigt. Allerdings hat es eine halbe Handvoll Beispiele gegeben, wo kleine Grüppchen oder Freundeskreise unter Zuhilfenahme der Parole &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; kostenlose Konzertbesuche gewagt haben (sowas hatten wir uns ungefähr unter Verselbständigung vorgestellt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Überraschung war für uns die große Beachtung, die die umsonst-Idee in anderen Städten gefunden hat. Diese hat sich sowohl in Gruppengründungen und Umsonst-Aktionen gezeigt als auch an der breiten thematischen Bezugnahme auf die Kampagne. Offenbar bestand Bedarf an Orientierung, was Handlungsmöglichkeiten in Sozialprotesten oder an sozialen Themen angeht; in diesem Sinne hatte &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; eine wichtige Funktion als Impulsgeber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Problem, das Berlin umsonst von Anfang an begleitet hat, war die Unklarheit bezüglich der Zielsetzung. Ein wesentliches Spannungsfeld war immer wieder die Frage, ob wir in erster Linie tatsächlich erfolgreiche Aneignungsaktionen machen wollten (d.h. das Aneigungsziel wird erreicht), die dann nachgeahmt werden können, oder ob es v. a. um öffentliche Wahrnehmbarkeit geht. Man kann dieses Problem auch an der Frage diskutieren, ob eine Aktion alltagstauglich sein muss oder ob der Happeningcharakter wichtig ist, ob es um (Selbst-)Organisierung geht oder um Sichtbarkeit von Protest. Diese Unklarheit über die Aktionsziele hat sich praktisch ausgewirkt, wenn zum Beispiel entschieden werden musste, ob wir eine Aktion vorher öffentlich ankündigen (wie beim Besuch der MoMA-Ausstellung, der Fahrraddemo von Schwimmbad zu Schwimmbad oder dem Sturm aufs Arbeitgeberbuffet) oder nicht (wie beim erfolgreichen Weihnachtsspaziergang durch ein Kaufhaus am Kudamm, zahlreichen Umsonstfahrten mit der BVG oder der Enteraktion des Badeschiffs in der Spree). Im ersten Fall konnten sich Interessierte beteiligen und es stand am nächsten Tag etwas in der Zeitung, dafür konnten wir die Aktionsziele nicht erreichen. Im zweiten Fall konnten wir zwar erfolgreiche Aktionen machen, aber die öffentliche Resonanz war gering und die Mobilisierungs– und damit auch die Beteiligungsmöglichkeiten waren eingeschränkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; lebte davon, dass wir immer wieder Aktionen machten, die Sache am Laufen hielten. Das hat uns zwar in die Lage versetzt, auch in ruhigen Zeiten Handlungsfähigkeit zu bewahren. Als im Sommer 2004 dann aber die Erwerbslosen in Bewegung kamen, haben wir viel zu schwerfällig reagiert. Bereits geplante Aktionen durchzuziehen, war uns wichtiger als spontan auf die Protestdynamik reagieren zu können. Dadurch haben wir die Sozialproteste fast völlig verschlafen, die Reaktionsfähigkeit von FelS herab gesetzt (wo wir ja quasi für das Thema zuständig waren). Auch im Rahmen von ACT!, das sich um ein Eingreifen in die Sozialproteste bemühte (etwa in Form von Demoblöcken und Aufrufen etc.), waren wir kaum präsent.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sozialproteste haben unseren Ansatz dem ersten richtigen Realitätstest ausgesetzt, und den haben wir schlecht bestanden. Auf den Montagsdemos stießen unsere Transparente und Parolen größtenteils auf Unverständnis; auch im Gespräch waren wir selten in der Lage, unsere Kampagne zu vermitteln, obwohl auf den Demos ein breites Interesse dafür da war. Hier kam einerseits eine weit und auch bei uns verbreitete linke Kommunikationsunfähigkeit zum Tragen; andererseits bot unser Ansatz tatsächlich kaum Anknüpfungspunkte für den Hausgebrauch: Um bei &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; mit zu machen, ist ein Maß an Organisierung voraus gesetzt, das kaum jemand mitbringt. Und außer den Verweis auf die Machbarkeit von umsonst-Aktionen hatten wir nicht viel anzubieten, keine heißen Tips für den Alltag, keinen Treffpunkt, zu dem man hätte hinkommen können etc.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Pinker Punkt&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Um Berlin umsonst weiter zu entwickeln, haben wir den Pinken Punkt ins Leben gerufen &lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;#fussnote1&quot; title=&quot;Der Pinke Punkt ist ein Importgut aus Hamburg. Dort war bei einer Hamburg-umsonst-Stadtrundfahrt unter dem Motto „Ich fahr pink“ mit falschen DB-Flyern zur Gratis-Nutzung der HVV aufgerufen worden. Das hat uns gleich gefallen!&quot;&gt;(1)&lt;/a&gt;. Das war im Winter/Frühjahr 2005. Gerade waren die Sozialproteste abgeebbt, &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; wusste nicht weiter, die anderen sozialpolitischen Bündnisse der Stadt ebenso wenig. In unserer Diskussion spielte der Gedanke eine große Rolle, dass die Linke in den Sozialprotesten nicht nur Parolen und Aktionen mit Happening-Charakter einbringen könnte, sondern dass nach Methoden für soziale Gegenwehr im Alltag gesucht werden müsse. Da Hartz IV die Verarmung der unteren Schichten zur Folge haben würde, gerade in Berlin bzw. im gesamten Osten, müssten linke Aktionen, um glaubwürdig zu sein, den Betroffenen materielle Vorteile verschaffen können. Nur so wäre eine Organisierung im Alltag und auch jenseits von Politik-Events erreichbar. Das war unsere Überlegung. Die Aufgabe bestand darin, diese Überlegung in einem Bereich für den Alltagsgebrauch umzusetzen. In unserem Fall sollte es der öffentliche Nahverkehr sein. Es sollte ein Modellversuch werden, den wir bei bestandener Tauglichkeitsprüfung anderen anbieten bzw. auf andere Bereich übertragen wollten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anlass für den Pinken Punkt war die Abschaffung des Semestertickets an der FU für das Sommersemester 2005 &lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;#fussnote2&quot; title=&quot;Berlin hat drei große Universitäten. Eine davon, die Freie Universität, liegt im Südwesten Berlins, im Stadtteil Zehlendorf. Man fährt vom Stadtzentrum zwischen einer halben und dreiviertel Stund mit der U-Bahn dorthin.&quot;&gt;(2)&lt;/a&gt;. Dieses Problem wollten wir zum Aufhänger zu nehmen, um eine Verbreiterung unserer Aktionen zu versuchen und Selbstorganisierungsprozesse anzustoßen. Die Idee bestach durch Einfachheit: Ein Semester lang haben die FU-Studierenden kein U-Bahnticket, um raus nach Dahlem zu fahren. Also versuchen wir, gemeinsame Umsonstfahrten mit breiter Beteiligung zu initiieren. Auch hier hatten wir die Hoffnung auf Verselbstständigung der Initiative, aber dieses Mal wollten wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das auch gelingen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser Konzept sah vor, potentielle UmsonstfahrerInnen mit einem Erkennungszeichen auszurüsten (dem Pinken Punkt), das ihnen – gut sichtbar getragen – ermöglichen sollte, auf dem Bahnsteig/in der Bahn Gleichgesinnte ausfindig zu machen und so in Gruppen ohne zu bezahlen an die Uni zu kommen. Sobald sich eine Gruppe gefunden hat, die groß genug ist, sollte sie in die Bahn einsteigen (in den ersten Wagen) und Mitreisende darüber informieren, dass sie umsonst fährt und man sich ihr anschließen kann. Da die PinkfahrerInnen immer im ersten Wagen unterwegs sind, können auf der Fahrt weitere zahlungsunwillige Fahrgäste zusteigen. Wenn Kontrolleure den Wagen betreten, wird ihnen erklärt was los ist, und die Gruppe verweigert kollektiv die Kontrolle. Entweder müssten die Kontrolleure ergebnislos weiter ziehen, oder die Gruppe würde gemeinsam den Ort des Geschehens verlassen und die Reise mit einem späteren Zug fortsetzen. Unsere Hoffnung war, dass mit der Zeit einige dieser pinken Fahrgruppen mehr oder weniger regelmäßig unterwegs sind und es den Kontrolleuren nicht gelingt, das wirkungsvoll zu unterbinden (weil man zu mehreren eigentlich immer davon kommt). Wenn sich das rumspräche, könnten sich abenteuerlustige Studenten anschließen und umsonst zur Uni gelangen, und wir können darauf verweisen, dass Selbstorganisierung was bringt, dass es auch im Konflikt mit der BVG funktioniert. Mit dieser Erfahrung im Rücken könnten wir allgemein für das Projekt&lt;em&gt; Berlin umsonst&lt;/em&gt; bzw. für selbstorganisierten Widerstand im Alltag werben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit massenhaft Material und äußerst dünner Personaldecke zogen wir Anfang April 2005 in die Schlacht gegen die BVG. Eine Veranstaltung an der Uni und eine weitere in der Stadt bildeten den Auftakt, eine Ubahnparty, mehrere öffentliche Umsonstfahrten (unter anderem eine Pinker-Punkt-Stadtrundfahrt quer durch Berlin mit zahlreichen Zwischenstops) und schließlich eine bestens besuchte Party für den Pinken Punkt gehörten ebenfalls zum Programm. So ist es uns gelungen, eine relativ große Aufmerksamkeit an der Uni (etwa zwei Wochen lang hatten wir täglich mehrere hundert Zugriffe auf die Webseite) und eine kleinere in den Medien zu erzielen. Leider hatten wir nicht genug Aktivisten, um in der gleichen Intensität weiter zu machen; die Beteiligung der anderen am Bündnis beteiligten Gruppen hielt sich ebenfalls sehr in Grenzen, und so stand uns die Energie, die wir zum Anschieben der Aktion brauchten, nicht mehr zur Verfügung, als es ans Organisieren der täglichen Fahrten ging. Unsere wenigen beteiligten FU-StudentInnen waren ausgebrannt, die übrige Studentenschaft wunderte sich (wenn überhaupt), dass es so wenig bekannte Treffpunkte gab bzw. dass sie auf so wenig Pinkfahrgruppen traf – und blieb bei den bekannten Rezepten: Ticket kaufen oder mit dem Fahrrad zur Uni fahren. Immerhin hat sich heraus gestellt, dass das gemeinsame Umsonstfahren schon zu fünft gut funktioniert, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet (siehe unsere Webseite). Trotzdem ist der Funke nicht übergesprungen – aus mehreren Gründen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum einen haben wir unser Klientel und unsere eigenen Möglichkeiten falsch eingeschätzt. Man könnte auch überschätzt sagen. Täglich praktizierte Umsonstfahrten setzen viel Disziplin voraus. Es müssen Treffpunkte bekannt gegeben werden; feste Fahrgruppen müssen sich finden, ohne die eine Kontinuität nicht gewährleistet werden kann. Die Beteiligten müssen mit der gleichen Bahnlinie unterwegs sein, pünktlich zu den Treffpunkten erscheinen, sich gegenseitig informieren, wenn sie nicht können usw. usf. Diesem Aufwand steht das Bedürfnis der meisten Studenten entgegen, in Ruhe und ohne Verzögerung ihre Strecke zur Uni und zurück zu absolvieren. Hinzu kommt, dass keine Beständigkeit garantiert war. Vielleicht findet sich tatsächlich eine Gruppe für die Hinfahrt, aber keine für die Rückfahrt. Dann muss eine Umsonstfahrt durch den Kauf einer Fahrkarte für die zweite Fahrt subventioniert werden. Und schließlich ist die Kontrolletti-Dichte in Berlin enorm, die Wahrscheinlichkeit, bei zwei langen Fahrten einmal kontrolliert zu werden, ist hoch. Auch beim Pinken Punkt bedeuten Kontrollen ja Stress, möglicherweise Verspätungen etc. Das Ausmaß der zu erwartenden Konfrontation und der möglichen Repression war für die AktionsteilnehmerInnen schwer kalkulierbar &lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;#fussnote3&quot; title=&quot;So haben Kontrolleure einmal den Zug angehalten und die Polizei gerufen, die anschließend mit mehreren Streifenwagen Jagd auf flüchtige PinkfahrerInnen gemacht hat.&quot;&gt;(3)&lt;/a&gt;, die Bereitschaft, solche Risiken einzugehen, ist gering.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwar ist es einfach und relativ sicher, als Gruppe umsonst zu fahren, aber um für den Pinken Punkt hätte es einer massenhaften Umsonst-Fahrpraxis bedurft. So etwas kann gelingen, wenn ohnehin viel in Bewegung ist. So aber war der organisatorische Aufwand zu groß für unsere schmalen Schultern. An dieser Stelle hätten wir abspecken, das Vorhaben der täglichen Fahrten aufgeben und uns auf das öffentlichkeitswirksame Inszenieren exemplarischer Umsonstfahrten beschränken müssen. Aber bei dem ganzen Aufwand, den wir betrieben haben, um endlich eine alltagstaugliche Form der Aneignung zu entwickeln, fiel uns der Abschied von unserem Plan schwer...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nichtsdestotrotz haben wir gesehen, dass es technisch klappt, das Pinkfahren, dass die Studies mit gut gemachten Flyern zu einem Klick auf die Webseite zu bewegen sind, und sowieso wäre im Winter alles anders geworden: Keine Fahrradsaison = Studirevolte in der U-Bahn!&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Die Überflüssigen&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu den beiden oben genannten Initiativen ging es bei den Überflüssigen in erster Linie darum, durch spektakuläre Aktionen ein Maximum an öffentlicher Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Aktionsidee ist im Bündnis der an den Sozialprotesten beteiligten linken Gruppen Berlins „Ende der Bescheidenheit“ entstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Hintergrund für die Initiative bildeten die Montagsdemos und Proteste gegen die Hartz-Gesetze. In dieser Situation wurde nach Möglichkeiten gesucht, in den Sozialprotesten linke Schlaglichter zu setzen. Das gelang mit den Überflüssigen ganz gut. Im Oktober 2004 besetzten zwei dutzend Überflüssige in roten Pullis und mit weißen Theatermasken vermummt die Berliner Landeszentrale der Arbeiterwohlfahrt, um gegen die Einrichtung von 1-Euro-Jobs durch die AWO zu protestieren. Im Dezember besuchten etwa 30 Überflüssige das Nobelrestaurant Borchardt, verteilten selbstgedruckte Menüs, auf denen die Preise der Borchardt-Speisekarte den monatlichen Mitteln von Hartz-IV-EmpfängerInnen gegenüber gestellt wurden. Sie bedienten sich von den Tellern der Restaurant-Gäste, bis sie vom Personal vor die Tür gesetzt wurden. Diese Aktion schaffte es sogar auf die Titelseite der Berliner Boulevardblätter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Überflüssigen hatten ein klares Aktionskonzept: Mit punktuellen spektakulären Aktionen sollte ein Höchstmaß an Medienaufmerksamkeit erreicht werden. Das verbindende Thema waren die Sozialproteste, in denen linke Positionen öffentlich sichtbar gemacht werden sollte. Die Verantwortlichen und Profiteure von Kapitalismus und Sozialabbau wurden offensiv angegangen, es ging darum, die Hartz-Reformen und die verschärfte gesellschaftliche Ungleichheit zu skandalisieren. Das optisch einheitliche Auftreten sorgte für Wiedererkennbarkeit, die weißen Masken stellten die Verbindung zu sozialen Kämpfen weltweit her &lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;#fussnote4&quot; title=&quot; Die Ausgegrenzten verhüllen ihr Gesicht, um ein kollektives öffentliches Gesicht zu erhalten.&quot;&gt;(4)&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch im weiteren Verlauf der Sozialproteste meldeten sich die Überflüssigen zu Wort: Ob als rotweißer Block beim Agenturschluss, des Nachts vor dem Wohnhaus des Berliner AWO-Chefs oder bei der Kürung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft „Reformer-des-Jahres“ durch den Unternehmerverband Gesamtmetall. Und zunehmend wurden Überflüssige an anderen Orten aktiv. Im brandenburgischen Jüterborg, in Luckenwalde, aber auch in Darmstadt, Dortmund, Lüchow, Lüneburg, Wittenberg und Wuppertal zogen sich SozialprotestlerInnen die Roten Pullis über und besuchten unangemeldet Arbeitsämter oder einzelne besonders schikanöse Sachbearbeiter, deren Büros „zwangsgeräumt“ wurden, oder trugen ihren Protest auf andere Art vor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielen von uns hat das Überflüssigen-Konzept zunächst nicht gefallen. Das fing schon beim Namen an: Einen Namen zu wählen, der Verzweiflung und Handlungsunfähigkeit ausdrückt – auch wenn dieser Eindruck in den Aktionen relativiert wird – schien uns die falsche Haltung zu sein. Wir fanden es sinnvoller, selbstbewusst die eigene Daseinsberechtigung und die eigenen Fähigkeiten zu betonen, die Befriedigung unserer Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und so mit dem Entmündigungsdiskurs zu brechen, mit dem Arbeitslose und „Überflüssige“ von Politik und Medien permanent angesprochen und diskriminiert werden. Wir wollten unsere eigene Lebenssituation zum Ausgangspunkt nehmen und mit unseren Bedürfnissen offensiv umgehen. So war das bei &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; gedacht, eine ähnliche Haltung haben übrigens auch die Hamburger Superhelden angenommen. Die Überflüssigen haben sich dafür entschieden, die öffentliche Stigmatisierung von Arbeitslosen als Opfer zum Ausgangspunkt ihres Handelns zu machen. Das fanden wir eine schlechte Botschaft, denn es leistete der Darstellung von Arbeitslosen als Loser Vorschub, wie sie in Politik und Medien ständig betrieben wird, fanden wir.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir müssen aber einräumen, dass die Überflüssigen-Symbolik von der Zielgruppe, den Betroffenen von Sozialabbau, um einiges besser aufgenommen wurde als die &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt;-Rhetorik. Das mag an der Wahl der Aktionsorte und an der Aktionsdurchführung liegen, die oft sehr gut waren &lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;#fussnote5&quot; title=&quot;Insbesondere der Restaurantbesuch hat bei Hartz-IV-Betroffenen zu echter Begeisterung geführt und wurde als Mutmacher empfunden.&quot;&gt;(5)&lt;/a&gt;. Auch das Prinzip, dass „wir hier unten“ den Protest zu „denen da oben“ tragen, wurde besser verstanden als &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt;, wo sich der Protest an Orten des Alltags abspielte. Auch wenn die Argumentation moralisch und das Auftreten ein klassischer Fall von Stellvertreterpolitik war. Der deutliche Bezug auf die Hartz-Reformen und 1-Euro-Jobs erleichterte die Kommunikation der Überflüssigen. Sie reihten sich zumindest in der Anfangszeit auf besonders effektvolle Weise in die damals laufenden Sozialproteste ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letztlich glauben wir, dass es gerade die Verlierer-Symbolik war, die wesentlich zum Erfolg der Überflüssigen (bei der Zielgruppe) beigetragen hat. Die Hartz-IV-Betroffenen haben sich im Namen der Überflüssigen besser wieder gefunden als in offensiveren Selbstbezeichnungen. Die Überflüssigen klingen nach dem letzten Aufstand der Verzweifelten – das traf möglicherweise das Empfinden vieler. Jedenfalls eher als studentisch angehauchte Selbstverwirklichungs-Visionen à la &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Fazit:&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;So. Was haben wir nun aus all dem gelernt? Zunächst mal wollen wir ein paar Fähnchen hochhalten: Wir finden es nach wie vor richtig, dass wir mit &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; unter dem Motto Aneignung einen subjektiven und offensiven Zugang gewählt haben. Es war richtig, den Wunsch nach einem schönen Leben in den Mittelpunkt bzw. an den Anfang unserer Aktivitäten zu stellen. Das hat uns in die Lage versetzt, soziale Widersprüche in alltäglichen Situationen anzugehen, anstatt nur auf sozialpolitische Verschärfungen reagieren zu können – auch das ist ein Aspekt der Selbstermächtigung, der in der &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt;-Kampagne lag.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch die Argumentation war in Ordnung: Es ist legitim und notwendig, die Verhältnisse von den eigenen Bedürfnissen ausgehend zu kritisieren. Das hat man früher einmal einen sozialrevolutionären Ansatz genannt. Ob das in der Umsetzung in jedem Fall gut geglückt ist, ist eine andere Frage; da kann man sicherlich viel Kritisches finden (haben wir ja auch, s.o.). Aber letztlich haben wir den Versuch unternommen, nicht nur politische, sondern auch soziale und kulturelle Antworten auf verschärfte Lebensbedingungen zu finden &lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;#fussnote6&quot; title=&quot;Es ist merkwürdig, dass die radikale Linke zuerst über Aneignung diskutiert und diesen Zugang dann zugunsten der Prekarisierungsdebatte fallen gelassen hat. Dabei könnte man doch Aneignung gerade als eine mögliche politische Antwort auf Prekarisierungsprozesse verstehen.&quot;&gt;(6)&lt;/a&gt;. Ein solcher Versuch war Anfang 2003 in Berlin (und darüber hinaus) auch dringend nötig. Unsere Aktivitäten haben in dieser Situation dazu beigetragen, der radikalen Linken Handlungsmöglichkeiten zu verschaffen. Das war wichtig, und dafür war das Experimentieren mit neuen Aktionsformen, Forderungen und Ausdrucksmöglichkeiten notwendig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem nehmen in dem stark subjektiven Ausgangspunkt auch ein Großteil der Schwierigkeiten der Kampagnen &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; und Pinker Punkt ihren Anfang. Bei beiden war nicht klar, ob wir uns in erster Linie politisch Gehör verschaffen, oder Selbstorganisierung anstoßen wollten. Diese Unklarheit hat dazu geführt, dass wir den politischen Zusammenhang der Kampagnen vernachlässigt haben. So schön es ist, sich mal gemeinsam zu nehmen, was man gerne haben möchte, aber allein nicht bekommen kann – dass es am Ende um antikapitalistische Bewegung, um Klassenkampf von unten geht, erklärt sich eben trotzdem nicht von allein. Das ging in der strikten Spaßorientierung von &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; manchmal unter. Den Überflüssigen ist es etwas besser gelungen, weil sie ernsthafter aufgetreten sind. Doch auch bei ihnen war der Gesamtzusammenhang nicht immer klar, weil die Auseinandersetzung mit konkreten Verschärfungen im Vordergrund stand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch auch wenn es in der Durchführung und Vermittlung einiger Aktionen gehakt hat, soll war deshalb noch nicht der Ansatz falsch. &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; ist mehrfach der Vorwurf gemacht worden, die Kampagne sei nicht – oder wie es immer so hübsch hieß: verkürzt – antikapitalistisch. Sie greife den Kapitalismus nur in der Zirkulationssphäre an, die Produktion aber bleibe ausgeklammert. Abgesehen davon, dass die Rechnung je-dichter-an-der-Produktionssphäre-desto-antikapitalistischer ohnehin nicht aufgeht, weil Produktion nur dann einen Sinn hat, wenn die Produkte erfolgreich in die Zirkulation geworfen werden können, wenn sie als Waren am Markt den Besitzer wechseln, trifft der Vorwurf aus mehreren Gründen völlig am Ziel vorbei. 1. ging es uns mit &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; nie darum, eine theoretisch lupenreine Kapitalismuskritik in eine politische Praxis umzusetzen. Maßstab für politische Praxis ist nicht die Reinheit ihrer theoretischen Grundlage sondern die Frage, ob es gelingt, etwas gegen die herrschenden Verhältnisse in Bewegung zu setzen. 2. haben wir nie behauptet oder auch nur den Eindruck erweckt, den Dreh- und Angelpunkt zur Bekämpfung des Kapitalismus gefunden zu haben. Uns ist schon klar, dass &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; nicht the one and only way ist, keine Kämpfe am Arbeitsplatz ersetzt oder unwichtig macht. 3. findet auch der Klassenkampf, den sich die KritikerInnen hoffentlich herbei gewünscht haben, nicht nur am Arbeitsplatz statt. LohnabhängigeR bleibt man auch, wenn sich die Fabriktore hinter einem geschlossen haben, der Staub von der Arbeit abgeduscht und die Zähnchen geputzt sind: beim Einkaufen, beim Ausgehen, beim Fernsehen oder beim Schlafen. Jemand ist ProletrarierIn, weil er oder sie gezwungen ist, seine/ihre Arbeitskraft zu verkaufen, nicht nur in dem Moment, wo die verkaufte Arbeitskraft gerade in Anspruch genommen wird. Und selbst wenn der Einwand aus taktischen Gründen gemacht worden ist (von wegen am Arbeitsplatz hat der/die ProletarierIn die größte Macht), so läuft er leer. Die italienischen Operaisten z.B. haben schon in den Kämpfen der 60er und 70er Jahre erkannt, dass sie nicht gewinnen können, wenn sie auf die Fabrik beschränkt sind. Sie haben also die Kampfzone über die Fabrik hinaus ausgeweitet in die Wohnviertel, indem sie proletarisch einkaufen gingen, Miet- und Stromzahlungen selbstständig herabsetzten („Autoriduzzione“) etc. An der Richtigkeit dieser Einsicht hat sich in Zeiten von Globalisierung, erhöhter Kapitalmobilität, Massenarbeitslosigkeit und Deregulierung sicher nichts geändert. Nach wie vor muss nach Möglichkeiten des Klassenkampfs gesucht werden, die sich nicht allein auf die Position am Arbeitsplatz stützen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von einem weiteren Fallstrick des Aneignungsansatzes haben wir oben bereits ausführlich berichtet: Wir sind nicht zurecht gekommen mit dem Widerspruch zwischen öffentlichen/politischen Aktionen und dem Wunsch danach, soziale Organisierungsprozesse entlang alltäglicher Lebensverhältnisse anzustoßen. Nun macht es keinen Sinn, das Entstehen oder Ausbleiben solcher Organisierungsprozesse zum Maßstab für die Bewertung von Aktionen mit Event-Charakter zu machen (so geschehen im Falle &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt; und beim Pinken Punkt). Wenn man wirklich Gegenmacht im Alltag organisieren will, dann muss man gewerkschaftliche bzw. gewerkschaftsähnliche Arbeit oder Stadtteilpolitik etc. machen, aber das ist etwas anderes als eine Kampagne à la &lt;em&gt;Berlin umsonst&lt;/em&gt;. Wir sind mehrfach mit dem Versuch gescheitert, eine Bewegung anzustoßen oder zu simulieren, wo keine war. Das Paradebeispiel war der Pinke Punkt. Umgekehrt waren unsere Aktionen am wirkungsvollsten, wenn sie von einer Bewegung aufgegriffen wurden (der Sturm auf das Arbeitgeberbuffet, an dem sich die protestierenden Studies beteiligt haben etwa). Da der Einfluss auf das Entstehen von Bewegungsdynamiken äußerst gering ist, lautet die Schlussfolgerung: In bewegungsarmen Zeiten ist es sinnvoll, punktuelle Aktionen zu machen, die Aufsehen erregen, über die berichtet und geredet wird. Umgekehrt ist die Bereitschaft erforderlich, das eigene Projekt ruhen zu lassen, wenn spontan relevante Bewegungen entstehen. Das haben wir (hoffentlich) aus der verpassten Chance im Protestsommer 2004 gelernt: Man muss dort aktiv sein, wo sich gerade etwas tut, sonst wurschtelt man an den eigentlichen Ereignissen vorbei (und verhält sich derbe unmaterialistisch!). Nach wie vor steht das Experiment mit Aktions- und Organisierungsformen auf der Tagesordnung. Bei der weiteren Suche sind die Erfahrungen der bisherigen Ansätze hoffentlich von Nutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soweit unser Beitrag zum Thema „Aus Erfahrung lernen – Fehler vermeiden“. Ob sich diese späten Einsichten für aktuelle(re) Projekte nutzen lassen – wie den Euromayday – wird dann die Zukunft zeigen. Oder der &lt;a href=&quot;https://arranca.org/ausgabe/35/oefter-mal-alarm-schlagen&quot; title=&quot;zum zweiten  Artikel&quot;&gt;Artikel Nummer zwei&lt;/a&gt;, der sich mit diesem hochinteressanten Ereignis befasst. Wir sagen: Bis zum nächsten Mal, tschüß und hat Spaß gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eure FelS Sozial AG!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;FelS ist eine offene Gruppe, wer Lust hat bei FelS, oder bei der AG Soziale Kämpfe mitzumachen die/der melde sich bei &lt;a href=&quot;mailto:fels@nadir.org&quot;&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;fels[-at-]nadir.org&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:45 +0000</pubDate>
 <dc:creator>FelS AG Soziale Kämpfe</dc:creator>
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                    &lt;p&gt;Um die Illusion zweier sauber geschiedener Geschlechter aufrecht zu erhalten, kennt unsere Sprache nur die zwei Artikel „sie“ und „er“ sowie die zwei darauf bezogenen Wortendungen, zumeist das weibliche „...in“ und das männliche „...er“. Alles, was außerhalb dieser Ordnung liegt, wird fortwährend verleugnet, denn der Vorstellungshorizont unserer Sprache ist auf eine binäre Struktur eingegrenzt. Dagegen möchte ich einen anderen Ort von Geschlechtlichkeit setzen, einen Ort, den es zu erforschen gilt und um den wir kämpfen sollten, er sieht so aus: _.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;Um die Illusion zweier sauber geschiedener Geschlechter aufrecht zu erhalten, kennt unsere Sprache nur die zwei Artikel „sie“ und „er“ sowie die zwei darauf bezogenen Wortendungen, zumeist das weibliche „...in“ und das männliche „...er“. Alles, was außerhalb dieser Ordnung liegt, wird fortwährend verleugnet, denn der Vorstellungshorizont unserer Sprache ist auf eine binäre Struktur eingegrenzt. Dagegen möchte ich einen anderen Ort von Geschlechtlichkeit setzen, einen Ort, den es zu erforschen gilt und um den wir kämpfen sollten, er sieht so aus: _.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit ist der Platz markiert, den unsere Sprache nicht zulässt, ein Raum spielerischer und erotisch-lüsterner Geschlechtlichkeit, den es in unserer Geschlechterordnung nicht geben darf&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_rtyc9x2&quot; title=&quot;Vgl. z.B. den Film Das verordnete Geschlecht von Oliver Tolmein. Eine weitere Auswahl zu diesem Thema und regelmäßiges Screening bietet A.G. Gender-Killer.&quot; href=&quot;#footnote1_rtyc9x2&quot;&gt;1&lt;/a&gt;. Genderbending&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_k0nct7n&quot; title=&quot;To bend (engl.): beugen, verbiegen.&quot; href=&quot;#footnote2_k0nct7n&quot;&gt;2&lt;/a&gt; wird nicht allein in unserer alltäglichen Praxis immer wieder zensiert und gewaltsam unterdrückt, darüber hinaus bildet auch seine sprachliche Repräsentation eine Unmöglichkeit. Alle, die sich nicht unter die beiden Pole hegemonialer Geschlechtlichkeit subsumieren lassen wollen und können, werden entweder aus diesem Repräsentationssystem ausgeschlossen oder von ihm vereinnahmt - ein eigener Ort bleibt uns verwehrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist der _ in Leser_In, Freund_In, Liebhaber_In, der genau diesen Raum bilden soll. Zwischen die Grenzen einer rigiden Geschlechterordnung gesetzt, ist er die Verräumlichung des Unsichtbaren, die permanente Möglichkeit des Unmöglichen. Mit dieser Sichtbarmachung wird die Achse des zweigeschlechtlichen Imaginären auf jenen Punkt hin dezentriert, der ihr das sichere Gefühl der Normalität versagt: auf den Ort abweichender, perverser Geschlechtlichkeit. Transgender-People und Gender-Outlaws stellen jene „Abweichungen“ von Geschlecht dar, durch die sich unsere Geschlechterordnung ihrer Normalität versichert. Diese Konstruktion verliert ein gutes Stück ihrer Schlüssigkeit in jenem Moment, in dem wir diesen Ort in die Sprache eintreten lassen: _. Die Grenze mit ihrer unsichtbaren Bevölkerung wird zum Ort, indem die beengenden Schranken der Zweigeschlechtlichkeit - du Leser auf der einen, und du Leserin auf der anderen – auseinander geschoben werden, um dem verleugneten Anderen Platz zu machen: du Leser_In nimmst diesen Platz ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesetzte Marke eröffnet so einen erotischen Raum, in dem sich Gendermigrant_Innen aller Couleur tummeln können. Dabei handelt es sich natürlich nicht nur darum, allein einen Raum für Intersexuelle, also Leute mit zwei Geschlechtsmerkmalen, zu öffnen. Damit wäre der Raum wieder auf eine Ableitung reduziert, die Ableitung der Geschlechtsidentität aus einem scheinbar determinierenden Körper. Auch handelt es sich nicht ausschließlich um einen Raum für diejenigen von uns, die sich von „innen“ heraus „anders“ fühlen; damit wäre die Geschlechtsidentität wieder auf einen Raum dubioser Innerlichkeit reduziert, den der postmoderne Feminismus zur Genüge dekonstruiert hat. Beides würde den politischen Charakter von queer nicht einholen, denn mit der gesetzten Marke _ ist auch ein politischer Raum widerständiger Praktiken eröffnet, der keine Voraussetzungen macht. Queer kann nicht echt sein, es gibt nichts, was die Authentizität von queer legitimiert. Queer heißt einzig und allein „performing the gap“, den _ zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit soll nicht der queere Körper per se zum Politikum gemacht werden&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref3_72r5aoq&quot; title=&quot;Für eine entsprechende Kritik siehe Von hier nach queer: Feminismus, Identität, Nation, in: Kossek, Brigitte, Gegen-Rassismen, Hamburg/Berlin 1999.&quot; href=&quot;#footnote3_72r5aoq&quot;&gt;3&lt;/a&gt;. Die Aneignung queerer Lebensweisen muss weiterhin mit einer linksradikalen Position verknüpft bleiben, wenn sie eine radikale Gesellschaftskritik sein möchte. Doch zunächst muss klar sein, was es überhaupt bedeutet, sich ein queere Position zu eigen zu machen. Ich kehre daher zur Frage zurück: Was kann es heißen, sich diesen _ anzueignen?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Trans ...?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Überblick im Park neuer Subjektivitäten kann einem schnell verloren gehen, denn Attribute wie transsexuell, transidentitär oder transgender werden gerne und oft als wechselseitig austauschbare Begriffe benutzt. Mir geht es nicht darum, dieses Spiel still zu stellen oder durch Definitionen einzugrenzen. Ich möchte lediglich die hegemoniale Konstruktion transsexueller Positionen etwas näher betrachten. Transsexuelle haben in Frage gestellt, dass unser Körper auf ewig einem Geschlecht angehören muss. Körper sind für sie nicht länger jene festen und immergleichen Materialitäten, mit denen wir geboren werden, sondern form- und dehnbare Einheiten, die durch Crossdressing, Hormone und Operationen angeeignet werden können. Statt jedoch die daraus entstehenden Geschlechtlichkeiten zuzulassen, zwingen medizinische und juristische Standards zu binärer Eindeutigkeit&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref4_7xg658u&quot; title=&quot;Vgl. auch den Artikel von Ulle Jäger und Christian Sälzer: entweder oder und der rest, in: diskus 3/99.&quot; href=&quot;#footnote4_7xg658u&quot;&gt;4&lt;/a&gt;, gegen den Willen vieler Transsexueller, die gerne darauf verzichten würden, ihren Körper dem je gewünschten Geschlecht anzupassen. Als transsexuell gelten nach herrschender Definition aber nur diejenigen, die eine vollkommene Umwandlung von female to male (ftm) oder male to female (mtf) vornehmen. Der Signifikant dieser Vollkommenheit kann in einer heteronormativen Gesellschaft natürlich nur das Genital sein. Vagina und Penis werden einmal mehr als jene Merkmale aufgeladen, die Frau- oder Mann-Sein ausmachen. Warum eine mtf-Transsexuelle, die schon längst als Frau durchgeht, erst nach dem operativen Eingriff eine amtlich „echte“ Frau ist, bleibt dabei hinter einem Berg bürokratischer Maßnahmen und Regelungen verborgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das widerständige Potenzial dieser Aneignungsform ist daher sehr begrenzt. Sie führt zwar einen Bruch in die Logik natürlicher Körper ein, indem sie die lebenslange Zugehörigkeit zu einem Geschlecht hinterfragt, vermag deren Strukturierung aber nicht zu überwinden. Der Raum, den wir oben versucht haben einzuführen, existiert für Transsexuelle nur als ein Transitraum. Es ist für sie nicht möglich, sich zwischen den Grenzen hegemonialer Geschlechtlichkeit niederzulassen. Stattdessen geht es gezwungenermaßen darum, diese Grenzen möglichst sauber und unauffällig zu überwinden. Die konstruierte Transsexuelle ist eine TransITsexuelle. Sie durchquert oder kreuzt den _ zwischen den Polen hegemonialer Geschlechtlichkeit, ohne die Möglichkeit zu haben, diesen Raum dauerhaft zu besetzen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Cyborg-Szenarien und queere Lüste&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In einer queeren Perspektive geht es aber genau darum, in diesen Raum zu floaten und dort zu verweilen, sich die dort liegenden Geschlechtsmöglichkeiten zu Eigen zu machen und sich darin zu räkeln und auszutoben. Aneignung bedeutet hier: Einen Raum der Lust, des Unbekannten und des experimentellen Spiels zu durchstreifen; sich einer Veränderung hinzugeben, deren Ende unbestimmt ist. Queer oder transig zu sein heißt, nicht mehr in die traditionellen Konzepte von Körper, Geschlecht und Begehren zu passen; es heißt, traditionelle Bilder zu entgrenzen. Eine Vorstellung, die Donna Haraway mit der berühmten Metapher der Cyborg belegt hat. Die Cyborg ist das Geschöpf einer Post-Gender-Welt, Hybrid aus Mensch und Maschine, welche die Grenzen zwischen natürlich/künstlich, innen/außen, normal/pervers oder männlich/weiblich zusammenbrechen lässt. Als Grenzgängerin verwischt die Cyborg diese scheinbaren Gegensätze, denn sie befindet sich in einem Zustand, der jenseits dieser Gegensätze liegt. Sie ist damit die Paradefigur des oben eröffneten _, denn anstatt „nur“ eine Störung der gegebenen Ordnung zu sein, kündigt die Cyborg das Heraufziehen von neuen Körpersubjektivitäten an. An den Anfang setzt Haraway dann auch die Frage: „Warum sollte unser Körper an unserer Haut enden?“&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref5_zl3g7qi&quot; title=&quot;Donna Haraway, Manifest für Cyborgs, Frankfurt/M. 1995, S. 68. Ähnliche Fragen und Figuren werden auch immer wieder in der feministischen Science Fiction-Literatur entworfen. Für einen hervorragenden Überblick siehe www.feministische-sf.de.&quot; href=&quot;#footnote5_zl3g7qi&quot;&gt;5&lt;/a&gt; Ich will mich auf die Spur dieser Frage begeben und drei verschiedene Cyborg-Szenarien rund um Körper, Geschlecht und Sexualität betrachten:&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;‹Alles was wahr ist...›&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Warum sollten nur die Praxen, die wie das Einnehmen von Hormonen oder kosmetisch-operative Eingriffe „unter die Haut“ gehen, unseren Geschlechtskörper verändern? Eine solche Position würde gänzlich den gesellschaftlich-phantasmatischen Anteil an unserem Körper verkennen. Denken wir beispielsweise an die Gummischwänze und Gummibrüste, wie sie von Crossdresser_Innen gerne getragen werden. Warum sollten sie nicht Teil des Körpers sein? Weil sie sich nicht echt anfühlen? Aber was soll denn bitte „echt anfühlen“ heißen? Fühlen sich die abgebundenen Brüste einer butch etwa echter an als meine Gummititten? Ich fühle sie sehr wohl, ich spüre sie als Teil meines Körpers, es erregt mich, wenn meine Freund_In daran herumfummelt. Und dass sie nicht Teil meines Körpers sein sollten, auf diese Idee würde ich nicht kommen. Ich kann vielleicht keinen Brustkrebs bekommen, noch kann ich mein Baby stillen, aber sollen das etwas die Merkmale sein, die darüber entscheiden, ob meine Brüste ein Teil meines Körpers sind oder nicht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Begriff des Geschlechtskörpers gänzlich davon abzukoppeln, wie er auf der einen Seite von den Einzelnen gefühlt und auf der anderen Seite von anderen rezipiert wird, heißt die Vorstellung davon, was ein Körper ist und sein kann, auf eine seltsame Weise zu versperren. Und indem wir diese gesellschaftlich-phantasmatische Dimension unseres Körpers anerkennen, eröffnen sich uns neben den altbekannten Möglichkeiten eine Reihe neuer Körpersubjektivitäten, die auszuprobieren wir eingeladen sind. Die Trennung von sex und gender hält diesem Spiel nur insofern stand, als sie die „unhintergehbare Faktizität“ unseres sex hinter sich lässt und anerkennt, dass unser Biogeschlecht immer auch ein soziales ist. Eines, dem wir uns auf verschiedenste Weise bemächtigen können und das wir de- und rekonfigurieren können, um neue Kombinationen zwischen den verschiedenen „Geschlechtsmerkmalen“ herzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Diskurs „primärer“, „sekundärer“ und „phantasmatischer“ Körpermerkmale ist jedoch selbst wieder zu hinterfragen. Die Aneignung verqueerer Geschlechtspositionen besteht längst nicht ausschließlich darin, körperliche Kohärenzvorstellungen zwischen Vagina, Brüsten und Penis neu zu ordnen - auch wenn darin lustvolle und verführerische Möglichkeiten liegen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;‹...ist das was war...›&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Unser Geschlecht ist noch auf eine ganz andere Weise in unseren Körper verstrickt. Insofern unser Körper auch immer ein wissender Körper ist, Speicher einer Unzahl von gesellschaftlich normierten Handlungs- und Verhaltensweisen, kann die Aneignung des _ auch etwas ganz anderes bedeuten als die Aneignung von „primären“ oder „sekundären“ Geschlechtsmerkmalen. Einen Körper zu haben heißt aus dieser Perspektive, ein Set an Inszenierungspraktiken zu beherrschen, das jederzeit abrufbar und einsetzbar ist. Praktiken, die wir nicht bewusst ausführen oder ausüben, sondern die vielmehr in unseren Körper auf scheinbar „natürliche“ Weise eingelagert sind. Wir kennen es zur Genüge: Jungs sitzen gern breitbeinig und spielen gern mit Autos, wohingegen Mädels mehr auf &#039;Backe backe Kuchen&#039; und die keusch verkreuzten Beinchen stehen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was unseren Körper zu einem geschlechtlich bestimmbaren macht, ist eine spezifische Art des Seins, sein Habitus. Dieser besteht aus einem Bündel von Alltagspraxen, das vom wohl geschulten Augenaufschlag bis zum gekonnten Hüftschwung, vom lässigen Gang bis zum selbstsicheren Ton in der Stimme reicht. Ein Knäuel aus kosmetischen, gestischen und sprachlichen Verhaltensweisen verdichtet sich hier zu dem, was unserem Körper sein Geschlecht erteilt. Was aber, wenn diese Codes neu zugeordnet werden, wenn boyz beginnen sich aufzutakeln und ihren body sexy durch die Straßen schwingen, oder wenn grrrls breit und rotzig daherstampfen? Dann verändert sich nicht nur einfach eine Repräsentation oder Inszenierung, sondern ein Verhältnis zum eigenen Körper, ein Gefühl, was es heißt, dieser Körper zu sein und er sein zu wollen. Was nun, wenn diese Neucodierung subtiler und vielachsiger verläuft? Wenn sie sich nicht einfach an den gängigen Geschlechtergrenzen orientiert, um deren Stereotype auszutauschen? Welche Körper werden wir dann sein? Der Punkt ist, dass unsere Verhaltensweisen nicht auf unseren Körper aufgesetzt sind, sondern ihn erst zu einem Körper machen, der sich auf eine bestimmte Weise anfühlt und der auf eine bestimmte Weise wahrgenommen wird, kurz: der ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beispielhaft möchte ich hier die maskuline Lesbe, die butch, anführen. In ihrer Geschlechterinszenierung eignet sie sich verschiedene Codes von Maskulinität an&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref6_6dafdoi&quot; title=&quot;Auch diskutiert bei Antke Engel, Wider die Eindeutigkeit, Frankfurt/M. 2002.&quot; href=&quot;#footnote6_6dafdoi&quot;&gt;6&lt;/a&gt;, die es ihr jenen souveränen Status anzunehmen erlauben, der sonst dem männlichen Subjekt vorbehalten bleibt. Dieser Prozess der Selbstermächtigung ist das Einsetzen eines neuen Geschlechtskörpers. Die durch Umarbeitung hinterlassenen, überstehenden Ränder und Überlappungen machen aus der butch nicht einfach einen Mann - der sie auch gar nicht sein will. Vielmehr machen sie ihre Aneignungsbewegungen zu jener erotischen Gestalt, die sich im _ zwischen den Geschlechter eingerichtet hat.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;‹...nicht mehr wahr ist.›&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;„Queer sex is great!“ ist an Kreuzberger Häuserwänden zu lesen – und es stimmt, queere Sexualität ist sexy. Dass sich hier neue und aufregende Konfigurationen verbergen, das hat auch die Pornobranche für sich entdeckt. So dürfen nun auch Trans-People - oder besser gesagt „big dicked shemales“ - für die Kamera blasen, ficken und abspritzen. Was damit in Frage gestellt wird, ist die Vorstellung einer ausschließlich heterosexuellen Lust, denn die traditionellen Begriffe greifen hier längst nicht mehr. An was ergötzt sich denn der/die Zuschauer_In, wenn Frau oder Mann mit Trans_mann oder Trans_frau fickt und bläst? Schwul ist das nicht, lesbisch auch nicht und hetero schon gar nicht, aber was dann? Diese Art der Irritationen ist jedoch auch schon alles, was uns der Queer-Porno an „subversivem Potential“ zu bieten hat. Denn unangetastet wird hier das Primat genitaler Lust mitsamt seines patriarchal-sexistischen Gehalts übernommen. Übergangen wird so, dass Voyeurismus, Fetischismus und S/M auch auf andere Art und Weise als in einer aggressiv-männlichen Sexualität in unsere Sexspiele eingehen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Queere Sexualität lässt den genital-patriarchalen Sex zugunsten eines &#039;perversen Begehrens&#039; hinter sich, das haben verschiedene Queertheoretiker_Innen zu zeigen versucht. Perverses Begehren, das gemeinhin ab dem Moment als pervers gilt, wo es von seiner reproduktiven Funktion abgekoppelt ist, ist für sie Teil einer postgenitalen Erotik, die sich am Fetisch orientiert. Damit ist eine Erotik gemeint, die sich nicht mehr über die Härte des männlichen Sex definiert, sondern die eine neue Sprache des Körpers entdeckt. Die Phantasie spielt bei dieser Neubesetzung eine entscheidende Rolle. Die Zonen der Lust und des Begehrens werden über sie an Fetischobjekte vermittelt, die nicht mehr an jene Zonen traditioneller Heteroerotik gebunden sind. Die so zugelassenen vielfältigen repräsentationalen Besetzungen erlauben eine Re-/Erotisierung von Bereichen, die unter dem Primat heterosexueller Lust unzugänglich waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Teresa de Lauretis, eine der bekanntesten Queertheoretikerinnen, sieht das perverse Begehren in der lesbischen Beziehung zwischen butch und femme am Werk. Zentrales Element des gegenseitigen Begehrens bilden hier nicht einfach die traditionell erotisierten Gebiete des Körpers, sondern einzelne, phantasmatisch durchsetzte Elemente der Erscheinung oder Selbstdarstellung sowie die Präsentation physischer, intellektueller oder emotionaler Eigenschaften. Gerade weil sich die Erotik auf solche Zeichen verschiebt, die an eine begehrliche Phantasie gebunden sind, spielt die Maskerade in den butch/femme-Beziehungen eine so wichtige Rolle. Gegenseitiges Begehren ist hier vor allem ein gegenseitig geteiltes Phantasieszenarium. Entscheidend ist dabei die eröffnete Abkehr von einer genital fixierten Körperlichkeit zugunsten einer Hingabe an Codes und Zeichen, welche die Gesamtheit des Körpers neu zu besetzen vermögen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Aneignung revisited&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die angeführten Szenarien zeigen, welche neuen Konfigurationen von Körper und Geschlecht uns offen stehen. Die Aneignung eines Raumes „in between“, des _, verändert, was als Erfahrung von Geschlecht und Körper möglich ist und war. Die Aneignungsbewegungen, die wir betrachtet haben, erlauben uns nun den Begriff „geschlechtliche Aneignung“ etwas genauer zu fassen. Zunächst einmal zeigt sich, dass Aneignung immer eine praktische Tätigkeit im Verhältnis zur Welt bedeutet, eine Tätigkeit, die mehr ist als einfaches Besitzergreifen&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref7_xkwtbdo&quot; title=&quot;Vgl. auch den Aufsatz von Rahel Jaeggi, Aneignung braucht Fremdheit, in: Texte zur Kunst, Heft 46&quot; href=&quot;#footnote7_xkwtbdo&quot;&gt;7&lt;/a&gt;. Sich etwas zu Eigen machen ist mehr als nur etwas äußerlich zu &#039;haben&#039;. Aneignung ist vielmehr mit Durchdringung und Hingabe verbunden. Anders als beim &#039;Kaufen&#039; oder &#039;in Besitz nehmen&#039; ist das &#039;zu eigen machen&#039; ein offener Prozess, dessen Ende nicht klar zu bestimmen ist. Hier handelt es sich nicht um das einfache Ablaufen eines vorkalkulierbaren Prozesses oder das souverän-überschauende Handeln eines männlichen Subjektes. Vielmehr geht es darum, sich auf etwas einzulassen, oder besser: sich von etwas verführen zu lassen, von dem wir nicht im Vorhinein wissen, was es ist. Geschlechtliche Aneignung ist eine Praxis. Eine Praxis, welche durch Offenheit gekennzeichnet ist. Damit ist sie eine Praxis für neugierige, nicht-souveräne und antipatriarchale Subjekte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf diese Weise ist auch ein grundlegender Unterschied zu einem marxistischen Aneignungsbegriff benannt: Es gilt nicht, etwas Verlorenes, ursprünglich Eigenes wieder anzugeignen. Hier wird nicht aus der Perspektive der Entfremdung gesprochen, sondern aus der Perspektive lustvoller und ungewisser Neugierde. Aneignung bedeutet hier keine Rückkehr, kein Zurück zu einem Zustand, der jetzt schon zu benennen wäre. Vielmehr ist dieser Prozess durch seine Ungewissheit gekennzeichnet, wie sie eine undogmatisch-emanzipatorisch Linke besitzen sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Politik der Aneignung zeichnet sich durch ihren positiven und ermöglichenden Charakter aus. Grenzen, Schranken und Barrieren werden nicht dadurch sichtbar gemacht, dass sie zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von aufklärerischen Aktionen gemacht werden. Attackiert werden sie vielmehr dadurch, dass sie überschritten werden und dass eine Bandbreite an verlockenden Möglichkeiten aufgezeigt wird, die wir uns nehmen können und sollten. Diese Politik ist nicht mehr durch jene defensive Haltung gekennzeichnet, wie sie viele von uns kennen, sondern durch eine offensive Politik der Überschreitung und der Leidenschaft. Das hat auch die Betrachtung verschiedener geschlechtlicher Aneignungsformen gezeigt, ohne Zweifel eine Praxis, die auf Hindernisse trifft und die mit schmerzlichen Erfahrungen verbunden ist, da, wo sie auf Widerstände, die scharfen Kanten und stumpfen Grenzen des Systems trifft, die jedoch einen grundlegend positiven und lustvollen Charakter hat. Im Gegensatz zum frustrierenden „Aufklärungsalltag“ liegt hier ein Potential linker Praxis, das mit Spaß, Lust und Erotik verbunden ist.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_rtyc9x2&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_rtyc9x2&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; Vgl. z.B. den Film &lt;em&gt;Das verordnete Geschlecht&lt;/em&gt; von Oliver Tolmein. Eine weitere Auswahl zu diesem Thema und regelmäßiges Screening bietet &lt;a href=&quot;http://www.gender-killer.de&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur A.G. Gender-Killer&quot;&gt;A.G. Gender-Killer&lt;/a&gt;.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_k0nct7n&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_k0nct7n&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; To bend (engl.): beugen, verbiegen.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote3_72r5aoq&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref3_72r5aoq&quot;&gt;3.&lt;/a&gt; Für eine entsprechende Kritik siehe &lt;em&gt;Von hier nach queer: Feminismus, Identität, Nation&lt;/em&gt;, in: Kossek, Brigitte, &lt;em&gt;Gegen-Rassismen&lt;/em&gt;, Hamburg/Berlin 1999.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote4_7xg658u&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref4_7xg658u&quot;&gt;4.&lt;/a&gt; Vgl. auch den Artikel von Ulle Jäger und Christian Sälzer: &lt;em&gt;entweder oder und der rest&lt;/em&gt;, in: &lt;a href=&quot;http://www.copyriot.com/diskus/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur diskus-Webseite&quot;&gt;diskus&lt;/a&gt; 3/99.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote5_zl3g7qi&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref5_zl3g7qi&quot;&gt;5.&lt;/a&gt; Donna Haraway, &lt;em&gt;Manifest für Cyborgs&lt;/em&gt;, Frankfurt/M. 1995, S. 68. Ähnliche Fragen und Figuren werden auch immer wieder in der feministischen Science Fiction-Literatur entworfen. Für einen hervorragenden Überblick siehe &lt;a href=&quot;http://www.feministische-sf.de&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Seite www.feministische-sf.de&quot;&gt;www.feministische-sf.de&lt;/a&gt;.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote6_6dafdoi&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref6_6dafdoi&quot;&gt;6.&lt;/a&gt; Auch diskutiert bei Antke Engel, &lt;em&gt;Wider die Eindeutigkeit&lt;/em&gt;, Frankfurt/M. 2002.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote7_xkwtbdo&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref7_xkwtbdo&quot;&gt;7.&lt;/a&gt; Vgl. auch den Aufsatz von Rahel Jaeggi, &lt;em&gt;&lt;a href=&quot;http://www.textezurkunst.de/46/aneignung-braucht-fremdheit/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;Rahel Jaeggis Aufsatz online&quot;&gt;Aneignung braucht Fremdheit&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;, in: &lt;em&gt;Texte zur Kunst&lt;/em&gt;, Heft 46&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:20 +0000</pubDate>
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                    &lt;p&gt;Willkommen, bienvenid@s, welcome zur 28. Ausgabe der &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt;. Der erste Satz unserer Hausmitteilung beginnt sonst meist mit „Eigentlich wollten wir ….“ Das war natürlich auch dieses Mal so. Diesmal verraten wir aber zur Abwechslung nicht, was wir eigentlich wollten, sondern was nun tatsächlich auf euch zukommt: nämlich gleich zwei Nummern rund um das Thema Aneignung.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Willkommen, bienvenid@s, welcome zur 28. Ausgabe der &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt;. Der erste Satz unserer Hausmitteilung beginnt sonst meist mit „Eigentlich wollten wir ….“ Das war natürlich auch dieses Mal so. Diesmal verraten wir aber zur Abwechslung nicht, was wir eigentlich wollten, sondern was nun tatsächlich auf euch zukommt: nämlich gleich zwei Nummern rund um das Thema Aneignung. Wir möchten damit unter anderem die im Frühjahr gestartete Kampagne &lt;em&gt;Berlin Umsonst&lt;/em&gt;, an der FelS beteiligt ist, unterstützen, sprich eine breitere Diskussion um die Frage in Gang setzen, wie wir angesichts der zunehmenden Privatisierung und Kommerzialisierung von öffentlichen Räumen und Gütern, ja sogar von Ideen, politisch handlungsfähig bleiben können. Oder noch offensiver ausgedrückt: welche Praxen wir gegen die aufgezählten Miesheiten entwickeln können. Gleichzeitig haben wir die konkreten Erfahrungen mit &lt;em&gt;Berlin Umsonst&lt;/em&gt; in der Redaktion zum Ausgangspunkt unserer Debatten um Aneignung genommen. Während der Planung für den Schwerpunkt merkten wir jedoch schnell, dass sich auch andere politische Zusammenhänge genau mit diesem Thema beschäftigen – so beispielsweise der Arbeitsschwerpunkt Weltwirtschaft (ASWW) der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) in der Vorbereitung auf die nächste, im Juni stattfindende Konferenz in Kassel. An der inhaltlichen Planung der Konferenz sind wir nun auch beteiligt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lange Rede kurzer Sinn: die beiden folgenden Ausgaben heißen ganz ungeschminkt Aneignung 1 und Aneignung 2. Die erste, vor euch liegende beginnt mit einem Text des a!-Teams, der für erhitzte Debatten innerhalb der Redaktion und der ganzen Gruppe gesorgt hat, aber ursprünglich nur zwei ganz simpel erscheinende Fragen beantworten sollte: Was ist eigentlich Aneignung und wie kann der Begriff für eine linke politische Praxis produktiv gemacht werden? Unzählige Personen verfassten unzählige Versionen. Monatelang wurde geschrieben, diskutiert, erweitert, verworfen und neu geschrieben. Nach dem Motto „Mut zur Lücke, denn jemand muss den Anfang machen“, haben wir schließlich eine Fassung abgedruckt, die als Annäherung an das Thema zu verstehen ist. Sie basiert auf einer Reflektion unserer eigenen Kampagnen und Projekte der vergangenen Jahre.&lt;br /&gt;Der Text ist also als Aufforderung an unsere LeserInnen, EinzelkämpferInnen wie Gruppen zu verstehen, sich von der angestoßenen Debatte über Aneignung mitreißen zu lassen, die wir in der nächsten Ausgabe weiterführen und vertiefen wollen. Denn das Politbarometer sagt: Beleidigt am Zaun stehen und über die Verhältnisse meckern: Out - Sich nehmen, was uns sowieso zusteht: In.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verglichen mit dem Ringen um den Aufmacher, lief die weitere Gestaltung der Ausgabe hingegen fast von selbst. Zunächst gibt es einen Überblick über die &lt;em&gt;Berlin Umsonst&lt;/em&gt;-Kampagne. Anschließend stellen wir (Wieder-)Aneignungspraxen aus verschiedenen Ländern vor. Wir haben dabei aus der Not eine Tugend gemacht. Die Redaktionsmitglieder streiten nämlich nicht nur leidenschaftlich gerne miteinander, sondern fliegen auch leidenschaftlich gerne kreuz und quer durch die Welt, bevorzugt auf den amerikanischen Kontinent. Zeitweise hieß die wöchentliche Redaktionssitzung deshalb der „virtuelle Montag.“ Die meisten sind mit einem Artikel im Gepäck wieder angereist, andere haben sich für das Überwintern an der US-Westküste entschieden – by the way: Greetings to dash.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auslandsaufenthalten von RedakteurInnen und AutorInnen sind die Texte über kulturelle Aneignung in Kanada, Obdachloseninitiativen in New York sowie über Kämpfe gegen die Privatisierung des Wassers in Bolivien und der Ideen in Venezuela zu verdanken. Ein Artikel über Biopiraterie ergänzt die venezolanische Debatte um intellektuelles Eigentum. Die Dagebliebenen waren in der Zwischenzeit selbstverständlich nicht untätig, sondern haben es sich in Berlin mit appropriation in the hood gemütlich gemacht oder Formen von Aneignung beleuchtet, die (auch) hier relevant sind: Medien, die Agenda 2010 und queere Praxen von Körperpolitik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerhalb des Schwerpunktes findet ihr das angekündigte Diskussionspapier von K&amp;amp;P. Remember: die zweite aus der Spaltung der Antifaschistischen Aktion Berlin hervorgegangene Gruppe. Außerdem gibt es Reportagen, Interviews und Berichte zu Stadtteilinitiativen in Venezuela und Südafrika, zur Unterstützungskampagne für die Coca Cola-GewerkschafterInnen in Kolumbien sowie zum Radio der EZLN in Chiapas. Apropos EZLN: In der Nacht zum 1. Januar 2004 feiern die Aufständischen im Süden Mexikos ihr zehntes Jubiläum. FelS lädt deshalb Mitte Januar zu einer intergalaktischen Party in Berlin. Wo ist noch nicht klar. Achtet auf Plakate. Ein dickes Dankeschön auch an unsere langjährige Layouterin, die eine Runde aussetzt, und an die Gruppe Bugpapier, die diese Ausgabe ausnahmsweise gestaltet hat! Die Gruppe versteht die Illustrationen im Schwerpunktteil als einen eigenen Beitrag zum Thema Aneignung – jeweils losgelöst vom Inhalt der Artikel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aneignung 2 wird im Frühjahr 2004 begleitend zum und in Kooperation mit der BUKO erscheinen. Geplant ist, die in der ersten Ausgabe aufgeworfenen Widersprüche und Probleme zum Aneignungsbegriff mit theoretischen Überlegungen und einem Blick in die Geschichte anzugehen. Was ist Eigentum, wie verhalten wir uns zum Staat, wie sehen wir das Verhältnis von Kollektivität und Aneignung und andere spannende Fragen sollen über den Winter debattiert werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Waschkörbe für Fanpost, Meckerbriefe, inhaltliche Beiträge und natürlich wie immer auch für Abobestellungen, Anzeigenvorlagen und Spenden stehen bereit. Die arranca-Redaktion ist unter arranca@lists.nadir.org permanent erreichbar. Und wem studieren, Lohnarbeiten, fernsehen und/ oder Bier trinken nicht ausreichen: FelS ist eine offene Gruppe und kann unter fels@lists.nadir.org ebenfalls Tag und Nacht kontaktiert werden. Ein besonderer Gruß geht an Tata Boki und Vicky in Belgrad: Welcome Jana.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;


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