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 <title>arranca! - Autonome Antifa</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/267/0</link>
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 <title>Es war einmal...</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/5/es-war-einmal</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Ein kritischer  Rückblick auf über zehn Jahre autonomer Politik lag Anfang der &#039;90er Jahre, aufgrund der desola­ten Situation linksradikaler Politik, für viele nahe. Die Autonome  Antifa (M) machte im August 1991 mit einem &quot;Diskussionspapier zur Autonomen Orgonisierung&quot; genauso darauf aufmerksam wie die Gruppe f.e.l.S., die die sogenannte Heinz-Schenk-Debatte entfachte.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ein kritischer  Rückblick auf über zehn Jahre autonomer Politik lag Anfang der &#039;90er Jahre, aufgrund der desola­ten Situation linksradikaler Politik,  für viele nahe. Die Autonome  Antifa (M) machte im August 1991 mit einem &quot;Diskussionspapier zur Autonomen Orgonisierung&quot; genauso darauf aufmerksam wie die Gruppe f.e.l.S., die die sogenannte Heinz-Schenk-Debatte entfachte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gemeinsam war  diesen  Diskussionspa­pieren  die Kritik um die fehlende  politi­sche Kontinuität und  Verbindlichkeit der  Autonomen, die  eine  langfristige Theorie und Praxis unmöglich machten. Große  Teile  der  autonomen Szene  arbeiteten nur  noch  um  den  Erhalt  der von ihnen  erkämpften Nischen in der sinnlosen Hoffnung  nach Auflösung von Herrschaftsstrukturen  in  vermeintlich selbstbestimmten  Räumen. Da  diese Hoffnung  sich ebensowenig erfüllte wie die,  mit  einer  unendlichen Reihe  von unverbindlichen  Plena zu  einzelnen Projekten Menschen einzubinden, stiegen  viele  aus  Enttäuschung, fehlender Lebensperspektive und  Frust  bald  wie­ der  aus.  Die Szenestruktur sprach   nur eine  bestimmte  Schicht  von  Leuten  an, meist  jüngere  Menschen  in der  Ausbil­dungsphase, die   in  der   Szene ihre Sturm-  und  Drang-Phase durchlebten und  sich  nach zwei,  drei Jahren  wieder aus  der  aktiven  Politik   zurückzogen. Arbeiter/innen,  Menschen mit Kindern etc.   wurden meist von   vorneherein nicht miteinbezogen. Das Ghetto schien unüberwindbar, eine  gesellschaftliche Auseinandersetzung mit  linksradikaler Politik  fand  aufgrund fehlender Aktionen  und  mangelnder Öffentlichkeitsarbeit  kaum  noch  statt.  Die  politische Isolation der  autonomen  Szene  war unübersehbar.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das  Papier  aus  Göttingen forderte  zu einer  Loslösung  von  autonomen Tradi­tionen wie  falschverstande nem  Spon­taneismus und  Unverbindlichkeit  auf, die  sich  zum  Teil aus  Abgrenzung zur K-Gruppen-Politik der 70er Jahre ent­wickelt  hatten   und  nur    in   einem bestimmten Kontext  sinnvoll  waren.  Es sollte weggegangen werden von einer Szenestruktur, die  oft   nur  Insidern durchschaubar war,  hin zu einer von Ansprechbarkeit und Verantwortlichkeit gekennzeichneten Organisation,  ohne die Fehler der K-Gruppen  mit ihren all­ zuoft   hierarchisch und  formalistisch geprägten Parteienstrukturen zu wieder­ holen - hin  zu  einer   kontinuierlichen Erarbeitung inhaltlicher Grundlagen, die eine praxisorientierte, bundesweite Zu­ sammenarbeit  ermöglichen. Ziel hierbei war und  ist, linksradikale  Politik gesell­schaftlich wahrnehmbar, perspektivisch kulturfähig zu machen,  um in die gesell­schaftliche Diskussion überhaupt ein­greifen  zu können.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Dissonanzen&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Reaktionen auf diese Kritiken waren heftig und sehr kontrovers. Auf einem bundesweiten Antifa-Treffen im Herbst 1991 in Frankfurt am Main wurde das Thema Organisierung aufgrund des &quot;Diskussionspapiers zur Autonomen Organisierung&quot; aufgegriffen. Im Laufe der folgenden Diskussio­nen kristallisierten sich sehr schnell unterschiedliche Vorstellungen über Sinn und Form der Organisierung her­ aus. Im Juli &#039;92 wurde als Ergebnis in Wuppertal die Antifaschistische Ak­tion/Bundesweite Organisation gegrün­det. Das unterschiedliche Verständnis von dem Begriff Organisation war der Grund für die schleppenden Fortschritte der zwar gegründeten , aber letztlich nicht existierenden AA/BO.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dogmen und Tabus aus zehn Jahren autonomer Politik, an denen nun gerüt­telt wurde, mußten jetzt aufgerollt wer­den. Der folgende Bruch, der das Aus­treten einiger Gruppen (ca. ein Drittel) nach sich zog, machte sich inhaltlich v. a. an zwei Punkten fest:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Der Sinn der AA/ BO sollte nicht in einem reinen Info-Austausch liegen, sondern gerade über die Formierung einer Organisation bundesweite, koordi­nierte und dadurch wahrnehmbare Politik möglich machen. Viele Kritikerinnen witterten hier schon eine neue bol­schwistische Partei, obwohl gerade mit dem Modell der Antifaschistischen Ak­tion/BO versucht wurde, die offen hier­archischen Strukturen der K-Gruppen­-Zeit und die verdeckten der autonomen Szene zu thematisteren und letztlich zu überwinden. Vermutlich spielte auch die Angst, in offenen, überschaubaren Strukturen Privilegien zu verlieren und Verantwortung übernehmen zu müssen, eine nicht geringe Rolle.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Der zweite Punkt der Uneintgkeiten war die Frage, ob in einem Grundlagenpa­pier die Ausrichtung der Antifa-Gruppen deutlich auf Antiimperialismus festgeschrieben werden sollte. Gruppen, die entweder ihren Kampf als reinen Anti-Nazi-Kampf defi­nierten oder eine klare Stellungnahme zum Antiimperialismus nicht für sinnvoll hielten, da &quot;Ostgruppen&quot; angeblich ab­geschreckt würden, wenn &quot;Terminolo­gie aus der Ex-DDR&quot; verwendet würde, verließen die AA/BO.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Daraufhin entstand außerhalb der Organisation ein Antifa-Vernetzungstreffen, das Informationsaustausch und infor­melle Zusammenarbeit koordinieren sollte und auch heute noch existiert. Außerdem initiierten einige Ost-Grup­pen aufgrund ihrer spezifischen Situa­tion in der Ex-DDR ein eigenes Ost­ Vernetzungstreffen. Dieses hat sich mittlerweile aufgelöst.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir als Gruppe, die die Frage der Organisierung in den Mittelpunkt der Frage nach der Perspektive der Linken in der BRD gestellt hat, begrüßen demnach grundsätzlich Organisierungsversuche und erheben selbstverständlich keinen Alleinvertretungsanspruch für den Weg der Organisierung der AA/BO. Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu ande­ren Ansätzen, sondern stehen einer Zusammenarbeit positiv gegenüber. Obwohl diese diesen Anspruch eben­falls formulierten, riß die zum Teil diffa­mierende Kritik an der AA/BO gerade aus diesen Kreisen nicht ab.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Grundriss und Stand der Antifaschistischen Aktion/BO&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Politik der AA/BO wird von den regionalen Gruppen bestimmt. Diese stellen sich in der Öffentlichkeit in einen Zusammenhang mit der Organisa­tion und bringen dort Initiativen ein. Delegierte der Mitgliedsgruppen, möglichst viele Frauen wie Männer, nehmen an den bundesweiten Treffen teil. Diese Delegierten sollen die Diskussionen und Vorschläge ihrer Gruppen auf den bundesweiten Treffen einbringen. Wichtig dabei ist das Rotationsprinzip, damit alle Gruppenmitglieder sich zumindest ein Bild von den Diskussionen und der Arbeit machen können und um das Enstehen von Hierarchien zu vermeiden bzw. entgegenzuwirken.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ausgehend von den Erfahrungen der Gruppen wurden einige Mitgliedskriterien erstellt, um sowohl Neueinsteiger als auch die AA/BO vor falschen Erwartungen und Enttäuschungen zu bewah­ren. Ein grundlegendes Kriterium ist es., sich in den Zusammenhang einer Grup­pe zu stellen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Eine perspektivische Verankerung der Gruppen in der Region ist anzustreben und die ernsthafte kontinuierliche Teil­nahme am bundesweiten Prozeß sollte fur sie leistbar sein. So kann fur jüngere, sich noch in der Aufbauphase befin­dene Gruppen eine Einbindung in die regionalen Strukturen erst einmal der wichtigste Schritt sein.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Inhaltlich treffen sich die Gruppen beim Antifaschismus, der für die meisten Schwerpunkt der Politik ist und als wichtiger Hebelpunkt gesellschaftlicher Veränderungen angesehen wird. Es sol­len gemeinsame Standpunkte entwickelt und politisch sinnvolle Handlungsstrate­gien, immer praxisnah, erarbeitet wer­ den. Seinen Ausdruck finden soll dies in der Erstellung eines Programms, durch das diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Kritisch anzu­merken bleibt, daß sich die Diskussion um dieses Programm schwieriger gestal­tet als zuerst angenommen und der vor­gesehene Termin der Veröffentlichung bis zum Frühjahr &#039;95 fraglich bleibt. Mitglieder der AA/BO sind zur Zeit 14 Gruppen aus 11 Städten: Berlin, Bielefeld, Bonn, Braunschweig, Bünde, Göttingen, Köln, Mainz/Wiesbaden, Nürnberg, Passau, Plauen sowie ver­schiedene Gruppen aus Ost und West mit Beobachterstatus.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Die F.E.L.S.-Initiative&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ausgehend von einer Initiative der Gruppe f.e.l.S. schlossen sich Gruppen, die ihren Schwerpunkt nicht bei der Antifa-Arbeit sahen, zu einem linksradi­kalen Organisationsansatz zusammen. f.e.l.S. selbst und die Autonome Antifa (M) beteiligten sich an beiden Initiati­ven. Bei diesem Ansatz vollzog sich im Juni dieses Jahres ein Spaltungsprozeß. Die weitere Entwicklung läßt sich noch nicht beurteilen, grundlegende Diskus­sionen über die Zukunft des Organisati­onsansatzes werden geführt. Grundsätz­lich ist für uns eine Zusammenarbeit, die sich am ehesten an praktischer Un­terstützung und Vermittlung des Diskus­sionsstandes festmachen läßt, um Fehler nicht unnötigerweise zu wiederholen, sehr wichtig.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Staatsschutz und Faschisten&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Mit ein Grund für die Notwendigkeit, die Kräfte zu bündeln, sind die Angriffe des Staatsschutzes auf Organisationsver­suche der Linken. Ihm ist die Bedrohung, die von einer organisierten links­radikalen Kraft auf ihn ausgehen wird, sehr wohl bewußt. Im August 1993, als die Berichterstattung über Bad Kleinen, die RAF und den vertuschten Mord an Wolfgang Grams auf Hochtouren lief, wurde gezielt versucht, eine Zusam­menarbeit der neuorganisierten &quot;Szene&quot; mit der RAF zu beschwören. Es wurde aus Leitfragen bundesweiter Treffen ziti­tert und dabei die Frage gestellt, ob hier nicht ähnlich der RAF &quot;eine Gegen­macht von unten&quot; aufgebaut werden solle. Dieser Versuch, Linke von vorneherein in das Licht der Illegalität zu rücken, indem man sie in die Nähe der RAF rückt, hat Tradition. Sie paßt in die Anti-Antifa-Politik des Staates. Antifa­schismus wird für kriminell erklärt. So wurde in Wiesbaden der autonome Antifaschist Gunther zu zweieinhalb Jahren Knast verurteilt. Auch der Prozeß gegen die kurdischen, türkischen und deutschen GenossInnen in Berlin fügt sich ein. Und in Göttingen, wo schon seit 1991 Ermittlungen nach §129a lau­fen, wird jetzt versucht, gegen 19 Perso­nen, zum großen Teil als angebliche Mitglieder der Autonomen Antifa (M), die Paragraphen 129 und 129a anzuwenden. Nach den Hausdurchsuchun­gen vom 7. Juli 1994 steht der Prozeß hier noch aus.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Diese Bedrohung durch organisierten antiimperialistischen Antifaschismus ver­spürt nicht nur der Staat, sondern auch die Faschisten. Sie ließen verlauten, daß die Antifas nichts Dümmeres tun könnten, als sich zu organisieren, da sie so viel angreifbarer seien. Doch Antifa­schismus, der das Ziel hat, sich gesell­schaftlich zu verankern, kann nicht auf dem Niveau anonymer Kleingruppenmi­litanz stehenbleiben, was nicht gleich­ bedeutend mit einer Verurteilung der­selben ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Öffentlichkeit&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ziel der Antifaschistischen Aktion/BO ist es, für möglichst viele Menschen zur politischen und kulturellen Orientierung zu werden. Dabei kommt mensch nicht an Massenmedien vorbei. Gerade auf regionaler Ebene sind Kontakte zur Presse neben dem Aufbau traditioneller Öffentlichkeitsarbeit durch Flugblätter, Plakate, Büchertische und der Nutzung alternativer Medien unerläßlich. Dies impliziert jedoch kein naives oder unvorsichtiges Umgehen und steht der grundsätzlichen Analyse herrschender Medien als herrschaftssicherndes Instru­ ment keineswegs entgegen. Natürlich muß in einem Zusammenhang mit den Medien ständig diskutiert werden (siehe &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/2&quot;&gt;Arranca! Nr. 2&lt;/a&gt;)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das Ziel, durch die Praxis der AA/BO bundesweit wahrnehmbar zu sein, hat sich bis jetzt erst teilweise erfüllt. Die Initiative von 1993 &quot;Gegen die faschisti­schen Zentren vorgehen&quot; fand vor allem statt mit den Demos in Mainz gegen die Gärtnerei Müller, in Bietefeld gegen das NF-Zentrum in Pievitsheide und in Göttingen gegen den Faschisten Fiedler. Trotz der großen Resonanz ließ sich das abgestimmte Vorgehen etwas vermis­sen. Am 9. November 1993 gab es in verschiedenen Mitgliedsstädten Demos, Aktionen und Veranstaltungen sowie ein gemeinsames Schulungswochen­ende, eine Broschüre und ein Plakat.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;In diesem Jahr fand eine Initiative unter dem Motto &quot;Dem organisierten Neofa­schismus entgegentreten&quot; statt, die von der AA/BO getragen wurde. Auch zwei große Demonstrationen in Berlin und Nürnberg und etliche kleinere machten es den Faschisten dieses Jahr schwer, ihren Rudolf-Heß-Gedenktag zu feiern. Die Aktion &#039;94, mitorganisiert von der AA/ BO, wird als Erfolg gewertet. Zu den Wahlen im Juni und Oktober dieses Jahres fanden bundesweite Aktivitäten statt. Es wurde ein gemeinsames Flug­blatt, zwei Plakate und eine gemein­same Demonstration am 15. Oktober in Bonn gestaltet unter dem Motto &quot;Ergreift Partei! Wählt den antifaschistischen Kampf!&quot;. Die gemeinsam von den Grup­pen der Antifaschistischen Aktion/BO erstellte Broschüre &quot;Einsatz&quot; kann einen noch detaillierteren Eindruck von der Antifaschistischen Aktion/BO geben.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;BETEILIGT EUCH!&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;KÄMPFT MIT IN DER ANTIFASCHISTISCHEN AKTION/BUNDESWEITE ORGANISATION!&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Oktober 1994 - Autonome Antifa (M)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/aabo">AA/BO</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/antifaschismus">Antifaschismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/autonome-antifa">Autonome Antifa</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/organisierung">Organisierung</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Thu, 22 May 2014 16:28:32 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Fight the Power</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/4/fight-the-power</link>
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                    &lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Es gibt mittlerweile einen bundesweiten Antifa  Jugend(Front)-Organisierungsansatz, die Antifa-Jugend/Bundesweiter  Zusammenschluß (AJ/BZ). Könnt ihr kurz beschreiben, wie es zur Gründung  kam?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Die ersten Ansätze gab es vor drei Jahren, damals haben sich  bundesweit sehr viele Antifa-Jugendgruppen gegründet. Es kam zu einigen  Treffen, die jedoch keine konkreten Ziele hatten. Es gab aber schon die  Diskussion darüber, was für Ziele wir haben und wie wir uns organisieren  können...&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Es gibt mittlerweile einen bundesweiten Antifa Jugend(Front)-Organisierungsansatz, die Antifa-Jugend/Bundesweiter Zusammenschluß (AJ/BZ). Könnt ihr kurz beschreiben, wie es zur Gründung kam?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Die ersten Ansätze gab es vor drei Jahren, damals haben sich bundesweit sehr viele Antifa-Jugendgruppen gegründet. Es kam zu einigen Treffen, die jedoch keine konkreten Ziele hatten. Es gab aber schon die Diskussion darüber, was für Ziele wir haben und wie wir uns organisieren können...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Das waren damals 10-12 Gruppen, die sich weitgehend in der Anfangsphase befanden. Es war alles ziemlich unverbindlich. Es wurde mehr zusammengetragen, was es für Gruppen gibt und was sie machen... Alles dümpelte so vor sich hin. Dann haben wir aus Göttingen uns Gedanken gemacht über eine bundesweite Struktur, haben begonnen sie auszuarbeiten und sie schließlich vor etwa einem Jahr auf einem bundesweiten Treffen vorgestellt, dann konnten sich die Leute Gedanken darüber machen, Verbesserungsvorschläge anbringen usw. Letztes Jahr Pfingsten wurde das Konzept dann schließlich von acht Gruppen in einer ausgereifteren Fassung verabschiedet. Das &quot;offizielle&quot; Gründungstreffen hat erst am 28. November letzten Jahres in Hamburg stattgefunden, wo sich 12 Gruppen in der AJ/BZ zusammenschlossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Wo kommen die Gruppen her? &lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Aus der gesamten BRD, hauptsächlich aber aus Norddeutschland. Nur eine ist aus dem Osten. Das liegt wohl daran, daß die Gruppen dort andere Probleme haben als wir im Westen, bzw. ihre Schwerpunkte anders setzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Unser Organisationsansatz entstand nicht dadurch, daß sich Leute theoretisch unheimliche Gedanken gemacht haben. Die Verhältnisse, wie sie waren, haben einfach gezeigt, daß eine Organisation - oder eine Organisierung, es gibt auch Leute, die das Wort Organisation nicht hören wollen, die sagen lieber &quot;Zusammenschluß&quot; - vor allem eine pragmatische Sache ist. Daß es eine erhöhte Effizienz gibt innerhalb des &quot;Zusammenschlusses&quot;. Und daß dieser bundesweite Zusammenschluß vor allem innerhalb der Tagespolitik Vorteile bringt für die Gruppen, daß sie eine bessere Vernetzung haben, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsame Aktionen laufen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Was ist die Notwendigkeit und welches sind genau die Vorteile?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Die Notwendigkeit ist darin zu sehen, daß wir auf regionaler Ebene nur begrenzt Erfolge erzielen können. D.h., daß wir uns schon auf regionaler Ebene organisieren müssen und daß wir diesen Erfolg auch erhöhen können, indem wir bundesweit mit anderen Gruppen zusammenarbeiten. Eine einzelne Gruppe ist in der Öffentlichkeit und in den Medien weniger wahrnehmbar. Wir meinen, daß wir durch die bundesweite Organisierung zu mehr gesellschaftlicher Relevanz gelangen. Beim Gründungstag am 28. 11. hatten wir z. B. gleich ein Fernsehinterview. Dann ist auch sehr wichtig, daß der bundesweite Zusammenschluß den einzelnen Gruppen sowohl Motivation bietet als auch Unterstützung und Hilfe. Bundesweite Kampagnen können damit von dem Zusammenschluß getragen werden, was viel einfacher ist als für eine Gruppe allein. So kommt es zu einer Ballu ng von einzelnen Kräften, zur Weitergabe von Information und auch zur Erleichterung für die Einzelnen durch Arbeitsteilung zwischen den Gruppen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Wenn in der regionalen Arbeit als Schwerpunkt der einzelnen Gruppen Veranstaltungen, Vorträge, Filme usw.. erarbeitet werden, so werden diese Produkte auch den anderen beteiligten Gruppen zugänglich gemacht. So können alle Gruppen von der regionalen Arbeit einer anderen Gruppe profitieren. Damit können auch Gruppen, die noch in der Anfangsphase sind, unterstützt werden. Das gilt gerade für die neuen Gruppen, die sich in Kleinstädten bilden, wo es kaum andere Strukturen gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Ein zentraler Faktor für die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist ja, daß man gemeinsam Diskussionen führt und sich dann z.B. auch auf Forderungen einigt. Gibt es eine gemeinsame Diskussion?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Es steckt alles noch in Kinderschuhen. Es ist erstmal ein pragmatischer Ansatz gewesen, um mit logistischen Dingen besser klarzukommen. D.h., daß momentan nicht in erster Linie grundsätzlich diskutiert wird, sondern anband eines Projekts wie z.B. einer Kampagne die Forderungen diskutiert werden und in der AJ/BZ Konsens sein müssen, wie z.B. aus Anlaß der Demo gegen das Schulungszentrum der NF in Detmold/Pivitsheide, die von der AJ/BZ mitunterstützt wurde. Es ist also vorwiegend so, daß wir von der konkreten Aktion mit der Zeit zu einem ausgefeilteren Hintergrund kommen. Wir haben vor zwei Jahren begonnen, inhaltliche Fragen in AGs zu diskutieren. Geplant ist, schrittweise ein grundsätzliches Selbstverständnis der AJ/BZ zu entwickeln, das natürlich inhaltliche Fragen miteinschließt. Die AJ/BZ bietet die Möglichkeit, diese inhaltlichen Diskussionen zu veröffentlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Warum seid ihr nicht als Antifa Jugendgruppen in die AA/BO gegangen oder ind das Vernetzungstreffen vom Antifa Infoblatt? Warum ein eigener Organisationsansatz?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Schwerpunkt ist für alle Antifa-Jugendgruppen die Jugend- und Schülerinnenarbeit. Das ist bei der AA/BO und beim Vernetzungstreffen ganz anders. Sie setzen andere Prioritäten. Klar kann diese Unterschiedlichkeit auch zum Verhängnis werden. Aber es ist z.B. bei einzelnen Jugendgruppen so, daß ihre Politik in erster Linie im Anti-Nazi-Kampf Ausdruck findet. Wir sagen hingegen, daß Antifapolitik ein viel größeres 	Gebiet 	umfaßt	wie z.B. Internationalismus und Ökologie. Außerdem machen wir Aktionen an Schulen. Wir haben auch gesagt, daß wir nicht alle in inhaltlichen Fragen übereinstimmen müssen, wobei wir natürlich den bisher erlangten Grundkonsens auch weiter ausbauen. Wir befürworten es ausdrücklich, daß Diskussionspapiere mit unterschiedlichen Standpunkten herauskommen und damit auch die Unterschiedlichkeit offen dargestellt wird. Das betrachten wir nicht als Manko einer bundesweiten Jugendorganisation - das unterscheidet uns auch beispielsweise von der AA/BO.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Ist das bei der AA/BO der Fall?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Da gibt es natürlich auch Auseinandersetzungen und Differenzen, aber unser Ziel ist nicht so hoch gesteckt. Wir geben uns mit dem Grundkonsens erstmal zufrieden, weil es für uns wichtiger ist, daß sich Jugendliche bundesweit organisieren, daß jede Gruppe an Stärke gewinnt und daß auch andere Jugendliche motiviert werden. Die inhaltlichen Defizite unserer Organisierung können auch auf die einzelnen Gruppen zurückgeführt werden. Viele Jugendgruppen zerbrechen und gründen sich schnell wieder, neue und jüngere Leute kommen dazu und insofern gibt es weniger Kontinuität als bei Mitgliedsgruppen der AA/BO. In den Jugendgruppen gibt es teilweise inhaltlich auch nicht so ein hohes Niveau wie in den Gruppen von Erwachsenen. Das ist in der bundesweiten Organisierung auch so, was aber nicht heißt, daß wir es nicht anstreben, inhaltlich weiterzukommen. Schwerpunkt der Treffen der AJ/BZ ist die inhaltliche Arbeit in AGs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Was habt ihr euch für die nächste Zeit an Zielen für die inhaltliche Arbeit gesteckt?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Hauptsächlich wollen wir den Begriff von Antifaschismus klären, d.h. also, daß für die Praxis zwischen reinem Anti-Nazi-Kampf und einem weitergehenden Antifaschismus unterschieden werden soll. Zielsetzung ist, daß wir das System und die Verhältnisse begreifen, weil für uns alle klar ist, daß Faschismus nicht ein Phänomen ist, das auf ein paar durchgeknallte Jugendliche beschränkt werden kann. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Wir versuchen, die Ursachen für solche Entwicklungen zu ermitteln und zum Konsens zu kommen. Aufgrund der Analyse der Verhältnisse wollen wir dann eine gemeinsame Praxis entwickeln. An manchen Orten ist Anti-Nazi-Kampf einfach das einzige, was die Leute leisten können. Das ist auch im Sinne der AJ/BZ und kann kein Vorwurf sein, weil es für uns nicht im Widerspruch steht zu umfassender Antifapolitik. Das kann gut nebeneinander stehen. Es soll aber trotzdem in den nächsten Monaten versucht werden, zu einer inhaltlichen Fundierung zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Es ist also schon das Interesse da, mit diesem Zusammenschluß eine nicht auf Antifa beschränkte allgemeinpolitische Herangehensweise zu finden?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Auf jeden Fall. Zuerst werden viele Jugendliche durch Antifa politisiert, weil sie z.B. in Kleinstädten und im Osten damit konfrontiert werden. Denn es ist gerade da so, daß Leute, die ein bißchen auffallen, schnell mit Faschos Ärger bekommen und sich darum organisieren müssen, um damit fertig zu werden. Die Bestrebung ist es, das Phänomen Faschismus gesamtgesellschaftlich zu erklären und dann die Ursachen in den Verhältnissen zu bekämpfen, so daß nicht als einzige Möglichkeit bleibt, die Faschos wegzukloppen, sondern die Ursachen dafür, daß Faschos da sind, angegangen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Du, Hanna, hast vorhin gesagt, daß die Organisierung Attraktivität für Medien bedeutet, aber auch für Jugendliche. Wo soll die Attraktivität für Jugendliche herkommen?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Für die einzelne Gruppe ist es natürlich immer wichtig, präsent zu sein. Das wollen wir an den Schulen mit Flugblättern, unserer Zeitschrift Fight the Power und Aktionen zu bestimmten Daten, wie z.B. dem 9. 11. und 30. 1., erreichen. Auf Demonstrationen sind wir auch mit einem Jugendblock präsent, um zu betonen, daß es auch Jugendliche gibt, die sich organisieren und nicht nur 25jährige. Diese Arbeit wird durch unsere Pressegruppe unterstützt. D.h. , alles was wir machen, kommentieren wir. Wir konnten im letzten Jahr durch mehrere Artikel im Göttinger Tageblatt, in denen auch unser Name genannt wurde, feststellen, daß wir mit der Medienarbeit Erfolge erzielt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Was heißt denn Erfolg? Das Erscheinen in der Zeitung allein ist ja noch kein Erfolg, wenn es keine Folgen hat.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Es ist schwer, direkte Folgen festzustellten, doch konnten wir sehen, daß unser Bekanntheitsgrad dadurch gestiegen ist. Einen Erfolg der gesamten Arbeit konnten wir z.B. bei einer Veranstaltung am 10.3. zu den 129a-Ermittlungen, die hier in Göttingen und auch bundesweit laufen, sehen, da hier sehr viele Jugendliche kamen, von denen wir eigentlich geglaubt hatten, daß sie an solchen Themen erstmal kein Interesse haben . Das ist schon ein Erfolg der Arbeit an den Schulen. Ein weiterer Teil unserer Arbeit ist die Bündnisarbeit mit anderen Jugendgruppen und auch Erwachsenengruppen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Uns ist aufgefallen, daß wir gerade durch die Zeitschrift, die wir relativ regelmäßig herausbringen, bekannter geworden sind. Am Anfang waren die Schüler und Schülerinnen etwas skeptisch, mittlerweile freuen sich vor allem jüngere: &quot;Klasse, mal wieder die Fight the power!&quot;. Und das auch an Schulen, wo wir es bisher nicht erwartet haben, z.B. an konservativen Gymnasien. Wir sind dadurch einfach im Gespräch. Wir glauben, daß es wichtig ist, in möglichst viele Bereiche, die Jugendliche betreffen, hineinzuwirken. D.h., daß wir nicht nur politische Themen ansprechen, sondern auch die persönlichen Erfahrungen der Jugendlichen. Wir versuchen, vom Kleinen zum Großen zu kommen. Wir bieten auch mehr oder weniger kontinuierlich &quot;Freizeitmöglichkeiten&quot; an, wie z.B. unser Mittwochscafe, sowie Veranstaltungen, Vorträge und Filme. Es geht darum, möglichst viel e gesellschaftliche Bereiche, in denen Jugendliche betroffen sind, anzusprechen. Genau das soll auf bundesweiter Ebene auch gemacht werden: also mit verschiedenen Themen verschiedene Bereiche anschneiden, mit Kampagnen vor allen Dingen deutlich machen, daß es Jugendliche gibt, die sich bundesweit organisieren, und damit die Jugendlichen motivieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Die gesellschaftliche Relevanz einer Gruppe dü ckt sich auch durch das Auftreten in den Medien aus. Ich denke, daß Leute, wenn sie merken , daß sie etwas stört, denn so fängt man ja an, sich zu politisieren, oft den Eindruck haben, daß es kaum einen Anlaufpunkt gibt, wie z.B. eine Gruppe, die diese Themen anspricht. D.h., daß da eine Lücke ist, in der keine weitere Politisierung mehr stattfindet. An diesem Punkt muß mit Jugendpolitik angesetzt werden, um das &quot;Unbehagen&quot; aufzugreifen und den Menschen zu politisieren. Damit die Leute sehen, daß es Gruppen gibt, die Jugendpolitik machen, daß es sogar eine bundesweite Organisierung gibt, versuchen wir auch in den Medien als relevante Kraft in Erscheinung zu treten. Dadurch fühlen sich die Leute auch bestärkt, sich einzumischen. Das bedingt einander gegenseitig. Es wird also damit eine Relevanz ausgedrückt und gleichzeitig wird die Gruppe auch stärker, wenn mehr Leute dazukommen. Das hat sich auch konkret in unserer Arbeit gezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Hat die Attraktivität der AJF für Jugendliche auch Ursachen in einer zu den Autonomen unterschiedlichen Herangehensweise an Politik?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Wir haben gesehen, daß - simpel ausgedrückt - die autonome Szene für Jugendliche nicht viel Möglichkeiten bietet, sich zu organisieren, weil viel über Emotionen abläuft, über Cliquen und veraltete Erfahrungen und weil von der Szene teilweise überhaupt keine Jugendpolitik gemacht wird. Vor drei Jahren war es noch so, daß sich viele Jugendliche unserer Gruppe angeschlossen haben, weil es die Konfrontation mit Nazis in der Innenstadt gab. Heute ist es in Göttingen anders, denn die Nazis tauchen nicht mehr in der Innenstadt auf, sondern eher auf den Dörfern. Deshalb habe n sich die Gründe, zu uns zu kommen, verändert. Es ist jetzt eher das Interesse an den Verhältnissen in der Bundesrepublik, also z.B. die Frage nach den Ursachen für die zahlreichen Überfälle im Jahr 1993 durch Nazis. Die autonome Szene setzt voraus, daß neue Leute zu ihr stoßen und sich dann in ihre kleine Nische begeben. Das heißt, oft nur in dieser Nische zu leben und für ihren Erhalt zu kämpfen. Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir uns entschlos¬  sen, rauszugehen, an die Schulen usw., und uns dann auch zu organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Ein weiterer Grund ist, daß weite Teile der Bevölkerung, darunter auch Jugendliche, die Autonomen als sowas wie einen großen Schwamm begreifen und damit nichts anfangen können. Es gibt für sie kaum Möglichkeiten zu diffe renzieren. Um den Leuten eine/n klare/n Ansprechpartner/in zu bieten, haben wir uns zu einer klaren Formulierung unserer Vorstellungen und zum Aufbau von eindeutigen Strukturen entschlossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Die Situation in Göttingen zeigt deutlich, daß die autonomen Politikmuster, die ja aus den 80er Jahren stammen, nicht mehr greifen: Straßenmilitanz, die Befreiung in der Schlacht mit den Bullen. Die Konfrontation mit dem Polizeistaat , mit dem System findet heute auf einer ganz anderen Ebene starr: in Göttingen z.B. gibt es die Deeskalationsstrategie von den Bullen, so daß die Stärke der Autonomen auf der Straße ins Leere läuft und sie damit auch nicht mehr relevant sind. Das Negativimage der Autonomen in den Medien, in denen sie vorwiegend durch die Konfrontation auf der Straße aufgetaucht sind, schreckt viele Leute ab, überhaupt in irgendwelche autonomen Zusammenhänge zu kommen, wobei das wiederum eine sehr komplizierte Sache ist. Du mußt ja erst regelmäßig auf irgendwelchen Partys gesehen werden, damit die Leute dich auf irgendeinem Plenum für voll nehmen. Sonst haben sie &quot;ja irgendwie gar keinen Bock und so&quot; ... In Göttingen fällt auf, daß die Punkerszene wächst, die Leute sich in die Ecke hängen und sich zukippen, weil sie sich nicht mit dem auseinandersetzen, was sie stört und wo sie anecken. Sie resignieren, anstatt tatsächlich zu agieren. Daß ist ein Nebeneffekt davon, daß autonome Gruppen keine Basis mehr haben und so immer weniger Nachwuchs finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Ist es wirklich so, daß Jugendliche sich nicht politisieren, weil z.B. die autonome Szene kaum Jugendpolitik macht? Ich denke, daß viele Jugendliche gar nicht das Bedürfnis haben, Jugendpolitik zu machen, sondern sich eigentlich möglichst als Erwachsene entdecken wollen unbd damit auch eher Erwachsenenpolitik machen wollen. Das entspricht zumindest meiner Erfahrung. Das zweite ist, daß es zwischen den Politisierungsprozesses in den 80ern und heute einen Unterschied gibt. Denn in den 80ern war es gesellschaftlich vorgegeben, Verantwortung zu übernehmen und die Gegenreaktion bei vielen sich als linksradikal begreifenden Jugendlichen war es, Verantwortung völlig abzulehnen. Das paßte wunderbar in die diffusen autonomen Strukturen, wo keiner Verantwortung zu übernehmen brauchte, weil alles abgelehnt wurde. Ich glaube, daß die Haltung heute eine andere ist. Könnt ihr meinen Eindruck bestätigen, daß die Jugendlichen in den letzten Jahren viel eher dazu bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Dinge zu verändern, weil sie diese Gesellschaft und damit die Notwendigkeit von klar strukturierter politischer Arbeit viel klarer sehen?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Der Vergleich ist nicht einfach,`denn damals war die Bewegung viel breiter als heute und damit auch diffuser. Aber ich sehe schon, daß es heute andere Leute sind, die was machen. Es sind vielleicht hauptsächlich Leute, die politische Arbeit auch als solche begreifen und Widerstand nicht nur als Freizeitbeschäftigung sehen. Wir haben nicht unbedingt den Eindruck, daß das Interesse bei den Jugendlichen größer geworden ist. Die Politikverdrossenheit ist immer noch oder schon wieder da. Wir müssen auch immer wieder erstaunt feststellen, daß selbst 18- bis 19jährige über wichtige Fragen keine Vorstellungen haben. Ich glaube dennoch, daß vor allem der Anspruch an die eigene Arbeit und an deren inhaltliche Vermittlung bei vielen Jugendgruppen gestiegen ist. Früher ging es eher um direkte Aktionen und weniger um inhaltliche Diskussionen, die heute erwünscht sind. Das führen wir vor allem auf die Diskussionen über bundesweite Strukturen und die Forderung nach neuen Konzepten, die das überdenken von überholten Vorstellungen miteinschließt, zurück. Wir können auch bei vielen Jugendlichen die Tendenz feststellen, sich zusammenzuschließen und Einheiten zu bilden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Ich halte gerade die inhaltliche Auseinandersetzung unter Jugendlichen für eine positive Entwicklung, denn damit wird es weniger wahrscheinlich, daß linksradikale Politik sich als autonome Aktionismus einer Übergangszeit von 16 bis 20 ausdrückt, in der man sich austoben kann, um dann eine Banklehre zu machen. Wie seht ihr das?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Erst Scheiben bei der Bank ein dreschen und dann hinterher hinterm Schalter stehen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿So ganze extrem ist es vielleicht nicht, aber viele kehren ja in geordnete Bahnen zurück.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Unser Interesse ist es natürlich schon, daß die Jugendlichen, auch wenn sie älter geworden sind, politisch weiterarbeiten. Ein Grund für die Bildung von Jugendgruppen ist auch, daß es Jugendlichen, die was machen wollen, leichter fällt, einzusteigen. Denn der Wissensunterschied über z.B. geschichtliche Zusammenhänge ist zwischen den Mitgliedern der Jugendgruppe und neuen Leuten weniger gravierend als zwischen Jugendlichen und einer Gruppe von Erwachsenen . In Jugendgruppen spielt der soziale Zusammenhang auch noch eine größere Rolle. Es ist für uns auch wichtig, den Kontakt mit Gruppen von Erwachsenen zu haben, um zu sehen, welche Erfahrungen sie machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt; ¿Wie alt seit ihr eigentlich, bzw. die Leute in der AJF? &lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Zwischen 13 und 19. Wir drei sind alle 18.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Wie lange wollt ihr als Jugendliche organisiert sein? Der Jugendsprecher des DGB ist zum Beispiel 32, also ein „Berufsjugendlicher“. Wie lange ist man bei euch Jugendlicher?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Es gibt bei uns natürlich keine Grenze. Aber ich denke sowieso, es ist im Interesse von jedem oder jeder bei uns in der Gruppe, nicht sein Leben lang drin zu bleiben. Ich möchte natürlich meine bis jetzt gemachten Erfahrungen noch erweitern und deshalb irgendwann in eine sogenannte &quot;Erwachsenengruppe&quot; gehen, weil die inhaltlichen Diskussionen da einen anderen Charakter haben als in einer Jugendgruppe. Es ist in gewissem Sinne schon eine Frage von Niveau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Bei mir ist das ähnlich. Ich habe auch vor, irgendwann in eine andere Gruppe zu gehen, nicht immer in einer Jugendgruppe zu bleiben und mich auf Jugendpolitik zu beschränken, obwohl ich mir trotzdem vorstellen kann, auch in einer anderen Gruppe schwerpunktmäßig Jugendpolitik zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Aber es wird nicht so sein, daß die Sprecherin der AJF Göttingen in 23 Jahren Lisa heißt?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;HANNA: Auf gar keinen Fall!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: Nein, das haben wir auch nicht vor, denn es ist schon jetzt so, daß wir dara n arbeiten, daß die Älteren unter uns Erfahrungen langsam und schrittweise an die Jüngeren weitergeben. So wird das also von &quot;Generation zu Generation&quot; weitergeschoben. Unser Ziel ist es auch, daß die Leute eine bestimmte Zeit in der AJF Politik machen und sich erstmal auf Jugendpolitk beschränken, dann aber soviel Erfahrungen gesammelt haben, daß sie in anderen Gruppen weiterarbeiten können. Wir sehen auch den bundesweiten Zusammenschluß als Erfahrungsmöglichkeit für die Jugendlichen, die dann später in einer Organisation, also z.B. der AA/BO, weitermachen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARTHUR: Genau. Organisation bedeutet Kontinuität und Kontinuität bedeutet, in einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung eine Rolle spielen zu können. Und diese Rolle wollen wir spielen und uns deshalb weiterorganisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LISA: FIGHT THE POWER!&lt;/p&gt;


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