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 <title>arranca! - Bad Kleinen</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/281/0</link>
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 <title>Zur Enttarnung von Klaus Steinmetz</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/2/zur-enttarnung-von-klaus-steinmetz</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Auf den folgenden Seiten haben wir versucht, Hintergründe zum Fall Bad Kleinen zusammenzutragen. Wesent­lich erschien uns vor allem herauszuar­beiten, warum sich ein V-Mann über ein Jahrzehnt in linksradikalen Struktu­ren halten konnte, ohne daß dies auf­fiel. Diese Fragen haben wir nicht gestellt, um uns voyeuristisch zu entset­zen oder Anklagen gegen vermeintli­che „Verantwortliche&quot; zu erheben. Es ging uns vielmehr darum, zu begrei­fen, wie Klaus Steinmetz seine Spitzeltätigkeit ausübte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem §129a kann heute so gut wie jede politische Aktivität illegalisiert werden. Jede noch so friedliche Antifa-Gruppe, die in Auseinanderset­zungen mit FaschistInnen verwickelt wird, muß sich mit Repression ausein­andersetzen. Bei der Betrachtung der Details läßt sich fragen, ob sich das gleiche im eigenen Umfeld wiederho­len könnte. Dabei nützt es nichts Hysterie, zu verbreiten und sich vom Mißtrauen packen zu lassen. Birgit Hogefeld hat recht, wenn sie in ihrem Brief schreibt, daß eine größere Offen­heit für neue Menschen immer Gefah­ren in sich birgt, aber daß diese Offenheit unverzichtbar für jede linke Politik ist. Um in diesem Sinne eine nach vorne weisende Diskussion über die V-Mann Affaire zu ermöglichen, haben wir im Rhein-Main-Gebiet mit P. (langjährige Bekanntschaft von Klaus) geredet. Dies vor allem, weil nach fast 2 Monaten immer noch keine Einzel­heiten bekannt sind, außer denen, die in den Massenmedien —zum Teil ver­fälscht— veröffentlicht wurden. Außer­dem dokumentieren wir noch einmal den 2.Brief von Birgit Hogefeld, in dem sie Klaus Steinmetz als Spitzel entlarvte. Verzichtet haben wir darauf, das Wiesbadener Flugblatt abzu­drucken, wo der Briefwechsel zwi­schen Klaus und Freundinnen nach Bad Kleinen wiedergegeben wurde. Wir glauben, daß der Inhalt inzwi­schen weitgehend bekannt sein dürfte.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;&lt;em&gt;Auf den folgenden Seiten haben wir versucht, Hintergründe zum Fall Bad Kleinen zusammenzutragen. Wesent­lich erschien uns vor allem herauszuar­beiten, warum sich ein V-Mann über ein Jahrzehnt in linksradikalen Struktu­ren halten konnte, ohne daß dies auf­fiel. Diese Fragen haben wir nicht gestellt, um uns voyeuristisch zu entset­zen oder Anklagen gegen vermeintli­che „Verantwortliche&quot; zu erheben. Es ging uns vielmehr darum, zu begrei­fen, wie Klaus Steinmetz seine Spitzeltätigkeit ausübte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Mit dem §129a kann heute so gut wie jede politische Aktivität illegalisiert werden. Jede noch so friedliche Antifa-Gruppe, die in Auseinanderset­zungen mit FaschistInnen verwickelt wird, muß sich mit Repression ausein­andersetzen. Bei der Betrachtung der Details läßt sich fragen, ob sich das gleiche im eigenen Umfeld wiederho­len könnte. Dabei nützt es nichts Hysterie, zu verbreiten und sich vom Mißtrauen packen zu lassen. Birgit Hogefeld hat recht, wenn sie in ihrem Brief schreibt, daß eine größere Offen­heit für neue Menschen immer Gefah­ren in sich birgt, aber daß diese Offenheit unverzichtbar für jede linke Politik ist. Um in diesem Sinne eine nach vorne weisende Diskussion über die V-Mann Affaire zu ermöglichen, haben wir im Rhein-Main-Gebiet mit P. (langjährige Bekanntschaft von Klaus) geredet. Dies vor allem, weil nach fast 2 Monaten immer noch keine Einzel­heiten bekannt sind, außer denen, die in den Massenmedien —zum Teil ver­fälscht— veröffentlicht wurden. Außer­dem dokumentieren wir noch einmal den 2.Brief von Birgit Hogefeld, in dem sie Klaus Steinmetz als Spitzel entlarvte. Verzichtet haben wir darauf, das Wiesbadener Flugblatt abzu­drucken, wo der Briefwechsel zwi­schen Klaus und Freundinnen nach Bad Kleinen wiedergegeben wurde. Wir glauben, daß der Inhalt inzwi­schen weitgehend bekannt sein dürfte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Redaktion Arranca&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Klaus Steinmetz ist ein Polizeispitzel, er hat die Geheimdienste auf  unsere Spur gebracht und damit den Einsatz dieser Killertruppe in Bad  Kleinen möglich gemacht. Ohne seine Spitzeldienste würde Wolfgang heute  noch leben und wir wären beide in Freiheit.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Mit der Entscheidung der RAF, der Gefangenen und  Teilen der revolutionären Widerstandsbewegung Ende der 80er Jahre für  eine politische Öffnung zu allen fortschrittlichen Tei­len der  Gesellschaft hin war eine Gefahr verbun­den, die uns allen bewußt war.  Ich kann mich an viele Gespräche in unter­schiedlichsten Zusammen­hängen  erinnern, wo wir darüber geredet haben, daß der angepeilte Neuaufbau  einer breiten Bewegung für die Umwäl­zung der menschenfeind­lichen  Lebensbedingun­gen hier und weltweit, der Gegenseite ganz neue  Möglichkeiten für den Einsatz von V-Leuten oder sonstigen Spitzeln  bietet und natürlich, du kannst nicht einerseits sagen, daß du offen auf  die verschie­densten Menschen und Gruppen zugehen willst, um  rauszufinden, was zusammen möglich ist für den Aufbau einer &quot;Gegenmacht  von unten&quot;, und gleichzeitig jedem Men­schen, den du neu ken­nenlernst,  zuallererst mit Mißtrauen begegnen. Trotzdem war in diesen Gesprächen  das Ergebnis immer dasselbe, nämlich daß es bei menschlicher Nähe,  Intensität und Genauigkeit in Beziehun­gen unter denen, die sich für  diesen Kampf zusam­menfinden, möglich sein muß, sich gegenseitig so gut  kennenzulernen und andere in ihrer ganzen Komplexität, also auch in  ihrer Widersprüchlichkeit zu verstehen, daß man der oder dem anderen mit  absoluter Sicherheit ver­trauen kann.&lt;br /&gt; Und trotz der wirklich  bitteren Erfahrung mit Klaus Steinmetz, die zu Wolfgangs Ermordung und  meiner Verhaftung geführt hat, bin ich auch in den letzten Wochen davon  nicht abgekom­men: Vertrauen zwischen Menschen ist möglich. Es kann  überall da wachsen, wo Menschen das für ihr gemeinsames Leben wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Was ist bei der Verbin­dung zu uns in der Illegalität  mit Klaus Steinmetz falsch gelaufen, wo liegen die Ungenauigkeiten und  Fehler, die zu der schlim­men Fehleinschätzung über ihn geführt haben?  Die Voraussetzung, nach der der Kontakt mit Klaus Steinmetz zustande  kam, war, daß GenossInnen (denen ich mich auch heute verbunden fühle)  für ihn &quot;die Hand ins Feuer legen&quot; wollten, sie fühlten sich also  sicher, ihm vertrauen zu können. An diese GenossInnen habe ich jetzt  natürlich viele Fragen, die meisten davon werden sie sich sicher selbst  stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Ich hatte mich am Don­nerstag (24.6.) nachmit­tags mit  Klaus Steinmetz in Bad Kleinen getroffen, danach sind wir zusam­men nach  Wismar gefah­ren, um uns um eine Übernachtungsmöglichkeit zu kümmern.  In den Medien kam: ich hätte in den Tagen davor öfter mit Klaus  Steinmetz telefoniert und ihn auch zu Hause angerufen, um mit ihm über  Weiterstadt zu reden - das ist alles erfundener Unsinn. Wir hatten uns  im April mit Klaus Steinmetz getroffen und damals das Treffen in Bad  Kleinen ver­einbart. Am Donnerstag war die Stimmung fast von Anfang an  ziemlich gespannt. Klaus Steinmetz war offensichtlich zum ersten Mal in  der Ex- DDR und er hatte an allem was auszusetzen. Er hat alles an  West-Maßstäben gemessen und selbst die Schließfächer vorn Bahnhof waren  ihm zu klapprig. Den Menschen, mit denen wir zu tun hatten, ist er zum  Teil mit Überheblichkeit begegnet. Ich habe ihn gefragt. warum er das so  macht, alles mit diesem Blick anzuschauen und warum ihn überhaupt  nichts interessiert, was hier los ist und wie die Leute sind. Er sagte  natürlich dann, daß ihn das alles inter­essiert. Ich habe angefangen,  ihm zu erzählen. daß ich z.B. 1990/91 mit jemand einfach ziellos in der  Ex-DDR rumge­rannt bin, weil das in der Zeit dort normal war, und eine  gute Möglichkeit, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch zu  kommen. Ich fand das damals sehr span­nend und interessant, denn die  meisten Menschen waren anderen gegenüber noch auf­geschlossen, haben  über sich und ihre Situation geredet und wollten was über das Leben im  Westen wissen. Heute trifft man diese Offen­heit nur noch sehr selten  an, eigentlich vor allem noch bei ziemlich alten Leuten. Das Gespräch  mit Klaus Steinmetz ging daran aber nicht weiter, ich habe es  abgebrochen, weil ich gemerkt habe, daß es ihm völlig gleichgültig ist,  was ich erzähle und denke.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Bei dem vorherigen Treffen mit ihm hatten wir vor allem  zum Ende hin das Gefühl, daß er jeder inhaltlichen Dis­kussion  ausweicht, und daß er froh ist, wenn die äußeren Bedingungen ein  politisches Gespräch nicht zulassen. Ich hatte ihn am Freitag auf  die­sen Eindruck von uns ange­sprochen und auf eine gemeinsame  Diskussion über die Fehler der KPD in den 20er Jahren, bei der wir sehr  unterschiedliche Positionen hatten - an beides konnte er sich angeblich  nicht mehr erinnern. Ich war ziemlich ratlos. Überhaupt kam am Freitag  jedes Gespräch nur auf meine Initiative hin zustande, von ihm gingen  keine eigenen Überlegungen aus und er hat mir öfter gesagt, daß andere  GenossInnen inhaltliche Diskussionen verhindern, die er für drin­gend  notwendig hält.&lt;br /&gt; Mit mir hat er eine solche Diskussion jedenfalls nicht angefangen und auch keinen Gedanken von mir aufgegriffen.&lt;br /&gt; Nach eineinhalb Tagen hatte ich ein stark distanziertes Gefühl zu Klaus Steinmetz und das hatte noch einen anderen Grund.&lt;br /&gt; Am Donnerstag liefen ja in vielen europäischen Ländern die  Besetzungsaktionen der kurdischen Genossen. um den eskalierten Krieg  gegen ihr Volk zu stoppen. Die Reaktionen von Klaus Stein­metz auf diese  Initiative waren ziemlich exakt die Reaktionen rechter Zeitungen und  des Kommentators des Bayerischen Rundfunks in dem Stil &amp;gt;Sinnlose  Kami­kaze&amp;lt;, sie verspielen ihre Sympathie, jetzt werden sie natürlich  verboten und ausge­wiesen - ich war ziemlich wütend, weil seine ganze  Haltung total distanziert und unsolidarisch war. Außerdem hat&#039;s mir noch  mal gezeigt, daß er überhaupt keinen Begriff der politischen  Situa­tion, in der wir uns alle heute bewegen und Initiativen bestimmen  müssen, hat. Er hat überhaupt nicht verstan­den, daß die kurdischen  GenossInnen wenige Alterna­tiven zu diesen Besetzungen gehabt haben, um  hier breite Öffentlichkeit und politischen Druck gegen diesen  Völker­mord herzustellen. Ich fand es konsequent und richtig, daß sie  sich dabei gegen eine militärische Eskalation und für diese Besetzungen  ent­schieden haben, sie haben alle dafür viel gegeben, ihre Freiheit.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Am Freitag abend hatte ich mir überlegt, daß ich so mit  Klaus Steinmetz nicht weiter­machen kann, immer wieder fange ich  Gespräche mit ihm an und habe dabei Gefühl, es interessiert und betrifft  ihn überhaupt nicht. Die Folge davon war, daß wir den ganz Samstag über  sehr wenig mit­einander geredet haben.&lt;br /&gt; Ich habe jetzt natürlich die  Frage an GenossInnen, vor allem in Wiesbaden, die ihn lange kannten, ob  sie ganz andere Erfahrungen mit Klaus Steinmetz gemacht haben als die,  die ich hier kurz geschil­dert habe. Sicher, das Treffen mit uns in Bad  Kleinen war auch für ihn nicht die Normalität. Er hat ja die ganze Zeit  über gewußt, daß er Wolfgang und mich den Mördern ausliefert, also, wie  war das für Euch mit ihm? Worauf basiert Euer Vertrauen, wenn Ihr ihn  noch am 9.7.1993 in einem Infola­den-Flugblatt vor angeblicher  Denunziation schützen wollt? &lt;br /&gt; Ist eigentlich seine ganze  Rahmengeschichte wahr? Der Bauernhof der Eltern in der Pfalz? Der  Selbstmord des Vaters? Seit wann hat er seine Spitzeldienste geleistet -  hat das schon während seiner Zeit in Kaiserslautern ange­fangen? War er  durch die dro­hende Haftstrafe bei dem Ein­bruch weiter erpreßbar  geworden, sein Spitzellohn die Umwandlung des Urteils in Bewährung? Oder  hat er tatsächlich nur das Geld gewollt?&lt;br /&gt; Ich finde, es liegt ganz  ent­scheidend bei Euch die Feh­ler, die zu Klaus Steinmetz gelaufen  sind, so aufzuarbei­ten und öffentlich zu machen, daß es mit den übrigen  Geheimdienstspitzeln. die in linken Zusammenhängen Fuß fassen konnten -  ich gehe davon aus, daß es sie gibt - nicht zu weiteren schmerzhaf­ten  Erfahrungen kommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Als nach diesem Sonntag in Bad Kleinen der erste  Ver­dacht aufkam. daß Klaus Steinmetz uns verraten hat, ist mir rein  gefühlsmäßig nichts zu ihm eingefallen, was für mich Verrat  ausgeschlossen hätte - das geht mir zu ande­ren Menschen, die ich kenne  und zu allen, die ich besser kenne, anders. Gegen den Verdacht, daß  Klaus Stein­metz uns verraten hat, hat für mich in erster Linie  gespro­chen, daß mir aus der Sicht polizeitaktischer Überlegung keine  Begründung für einen Zugriff zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort  eingefal­len ist - aber da habe ich sie zum Glück überschätzt. Es muß so  gewesen sein, daß hei BKA (Bundeskriminal­amt), BAW  (Bundesanwalt­schaft) usw. am Donnerstag große Enttäuschung darüber  geherrscht hat, daß ich allein zu dem Treffen gekommen war, das war  nicht unbedingt üblich. Ich vermute, daß Klaus Steinmetz sie am  Don­nerstag oder Freitag darüber informiert hat, daß Wolfgang am Sonntag  kommen wird; falls meine Verhaftung zu einem früheren Zeitpunkt  (Freitag/ Samstag) geplant war, dann ist sie aus diesem Grund verschoben  worden.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Der Ablauf am Sonntag vor Wolfgangs Erschießung und  meiner Verhaftung war fol­gender: wir waren zu dritt in dieser  Bahnhofskneipe und wir haben diese Kneipe gegen 15.15 Uhr alle drei  zusammen verlassen und sind nebeneinander Richtung Unterführung und die  Treppe runter gegangen. Ich hin dabei ganz links gewesen, wer in der  Mitte war und wer rechts, weiß ich nicht mehr. Als wir unten in der  Unter­führung angekommen waren und nach rechts Richtung Ausgang gebogen  sind, hat mich ziemlich sofort dieser Bulle angesprungen - das habe ich  ja schon gesagt. Klaus Steinmetz ist fast zeit­gleich (also Sekunden  später) einige Meter weiter „festge­nommen“ worden. Er lag in derselben  Haltung wie ich flach auf dem Boden, hinter ihm stand ein Typ mit einer  Pistole im Anschlag, die auf Klaus Steinmetz gerichtet war. Ich habe ihn  die ganze Zeit, bis mir diese schwarze Kapuze über den Kopf gezo­gen  worden ist, dort in ca. 15 Meter Entfernung von mir gesehen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Daß der Verfassungsschutz ihn jetzt diese  Lügenkonstruk­tion hat schreiben lassen, um ihn wieder in seine alte  Spit­zelposition zu hieven, fand ich schon dreist.&lt;br /&gt; Aber entsetzt hat  mich die Reaktion der Leute vom Wies­badener Komitee auf diesen Brief.  Es muß so sein, daß Ihr das nicht merkt, aber Ihr seid mitten dabei,  dieselben Feh­ler, die dazu geführt haben, daß dieser Spitzel uns  auslie­fern konnte, zu wiederholen. Wie könnt Ihr heute nach allem, was  passiert ist, die Frage, ob Ihr in Klaus Stein­metz den Freund und  Genos­sen, oder ob Ihr in ihm den Spitzel und Handlager der Mörder seht,  davon abhängig machen, ob er „konkret erklären (kann), wie er dort  weggekommen ist&quot;? (so jedenfalls habe ich das in der Zeitung gelesen).  Und wenn er das „erklären“ könnte und wenn ich das Gegenteil nicht  gesehen hätte, was wäre dann?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Es war vorauszusehen, und es kommt sehr massiv in den  Medien &quot;erstmals V-Mann in der Kommandoebene der RAF&quot;,&quot;V-Mann an der  Spren­gung in Weiterstadt beteiligt&quot; und ähnliches - daß das nicht  stimmt, weiß ich genau. Mit der Behauptung Klaus Stein­metz sei an der  Sprengung dieses Knastes beteiligt gewe­sen, soll zum x-ten Mal die  Kriminalisierung von GenossInnen, die in legalen Zusam­menhingen leben,  vorbereitet werden. Es gibt seit Jahren immer wieder Erklärungen gegen  diese Kriminalisie­rungslügen, in denen die RAF schreibt, wie sie  organisiert ist. Aber klar, die BAW pro­biert es immer wieder.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Ich selber habe lange in der Illegalität gelebt und kann  sagen, daß einer wie der Klaus Steinmetz, den ich getroffen haben,  niemals in die Lebenszusammenhänge dort eingeschleust werden kann. Mir  liegt nichts daran, die Beziehungen, die ich in dieser Zeit gelebt und  ken­nengelernt habe, zu idealisie­ren - manche Beziehungen sind sehr  nahe und intensiv, zu anderen GenossInnen gibt es diese besondere Nähe  und Wärme nicht - es ist so unterschiedlich, wie das die mei­sten aus  ihren eigenen Lebenszusammenhängen ken­nen werden. Aber es gibt doch  immer wieder Momente, wo du alles über jede und jeden weißt, ich meine  damit die Grundeinstellung zum Leben, die Träume, Ängste, Hoffnungen.&lt;br /&gt; Darüber hinaus entsteht unter diesen speziellen Lebensbedingungen  zwischen allen eine besondere Verbun­denheit, die daraus kommt, daß jede  und jeder die Ent­scheidung getroffen hat, die anderen unter allen  Umstän­den zu schützen, selbst wenn das mit dem eigenen Leben bezahlt  werden muß. In Bezug darauf besteht gren­zenloses gegenseitiges  Ver­trauen; du legst, ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde zu  zögern, dein Leben in die Hände deiner GenossInnen und du bist Dir  jederzeit sicher, daß es dort gut aufgehoben ist. Das zu wissen und zu  fühlen, war mir immer sehr wertvoll.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Jetzt kurz zu meiner eigenen Biographie:&lt;br /&gt; zu dem, was  mich vor vielen Jahren erschüttert und betrof­fen gemacht hat und  meinen Lebensweg mit beeinflußt hat, gehören auf jeden Fall der Bericht  eines vietnamesischen Gefangenen über die Folter in dem Gefangenenlager  Poulo Condor- und die letzten Noti­zen des sterbenden Siegfried Hausner  (Siegfried war schwerstverletzt nach Stamm­heim gebracht worden, er  wollte mit einem Rechtsan­walt sprechen und sie müssen ihn immer wieder  gezwungen haben, Namen und Adressen von Anwälten aufzuschrei­ben. Er hat  es mehrmals gemacht, und seine Schrift wird immer zittriger -  ver­schwimmt - Siegfried muß kurz darauf gestorben sein.) Es war für  mich beruhigend zu erfahren, daß Wolfgang nach dem Kopfschuß nicht noch  mal bei Bewußtsein gewesen ist, so konnten sie ihn nicht mehr quälen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Irmgard Möller ist jetzt im 22.Jahr ihrer Haft, Ali  Jansen wird trotz schweren Asthmas nicht freigelassen, die neue  Prozeß-Welle soll gegen viele GenossInnen lebenslange Gefangenschaft  zementieren, ich bin selber in Totalisola­tion.&lt;br /&gt; In der  Unmenschlichkeit und Brutalität dieses Staates gegen die politischen  Gefan­genen habe ich immer eine besondere Schärfe der allge­meinen  Entwürdigung und Verachtung gesehen, die sich hier gegen die Menschen  richtet, und ich konnte daran den Charakter dieses Systems, seinen  unbedingten Vernich­tungswillen gegen alle, die ihm feindlich  gegenüberste­hen, früh erfassen und begreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Der Tod von Holger Meins - ich war damals 17 Jahre alt -  war ein tiefgreifender Einschnitt in meinem Leben und hat meine  Richtung mitbestimmt - genauso wie heute der Tod von Wolfgang und die  Umstände seiner Tötung im weiteren Leben einiger junger Menschen eine  Rolle spielen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;„WIR FÜHREN IN VIELEN SPRA­CHEN DEN GLEICHEN HARTEN,  ERBARMUNGSLOSEN UND OPFER­REICHEN KAMPF UND DIESER KAMPF IST NOCH NICHT  ZU ENDE. DIE VERNICHTUNG DES NAZISMUS UND SEINER WURZELN IST UNSERE  LOSUNG. DER AUF­BAU EINER NEUEN WELT DES FRIEDENS UND FREIHEIT IST UNSER  ZIEL.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Das ist der Anfang des Schwurs der KZ-Häftlinge von  Buchenwald - in dieser Tradi­tion habe ich mich, meine  Lebensentscheidung und unseren Kampf immer gese­hen.&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <pubDate>Tue, 30 Nov 2010 09:56:31 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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