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 <title>arranca! - Ernährung</title>
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 <title>Mein Körper - mein veganer Tempel</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/mein-koerper-mein-veganer-tempel</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Wenn wir über politische Praxen sprechen macht es Sinn, nicht nur danach zu fragen, ob mit einer bestimmten Praxis das angestrebte Ziel erreicht werden kann, sondern auch, was nebenbei noch passiert, wenn wir uns diese Praxis zu eigen machen. In einer Militanzdebatte müssen wir nicht nur darüber sprechen, ob es den Staat schwächt, wenn Mülleimer brennen: wir müssen auch darüber nachdenken, wie sich Klandestinität auf Gruppenstrukturen und Geschlechterrollen auswirkt. Genauso sollten wir auch bei Veganismus über mögliche Nebeneffekte sprechen – zum Beispiel darüber, was vegane Ernährung  für den Umgang mit Essen und mit Essstörungen für Frauen* bedeuten kann.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir über politische Praxen sprechen macht es Sinn, nicht nur danach zu fragen, ob mit einer bestimmten Praxis das angestrebte Ziel erreicht werden kann, sondern auch, was nebenbei noch passiert, wenn wir uns diese Praxis zu eigen machen. In einer Militanzdebatte müssen wir nicht nur darüber sprechen, ob es den Staat schwächt, wenn Mülleimer brennen: wir müssen auch darüber nachdenken, wie sich Klandestinität auf Gruppenstrukturen und Geschlechterrollen auswirkt. Genauso sollten wir auch bei Veganismus über mögliche Nebeneffekte sprechen – zum Beispiel darüber, was vegane Ernährung&amp;nbsp; für den Umgang mit Essen und mit Essstörungen für Frauen*&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_q3tooxd&quot; title=&quot;Der * kennzeichnet sowohl die Konstruktion der Geschlechterkategorie als auch die Erweiterbarkeit als Sammelbegriff vielfältiger geschlechtlicher Existenzweisen. (Anmerkung der Redaktion)&quot; href=&quot;#footnote1_q3tooxd&quot;&gt;1&lt;/a&gt; bedeuten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier soll es keinesfalls darum gehen, den plumpen Vorwurf zu wiederholen, dass Fleischessen natürlich sei, und der Verzicht auf tierische &lt;br /&gt;Produkte deshalb automatisch einer Essstörung im Sinne einer ‚nicht-natürlichen‘ Lebensweise gleichkomme. Und es geht hier auch nicht darum, eine inhaltliche Position zum Thema Anti-Speziesismus einzunehmen. Vielmehr soll Nachdenken darüber ermöglicht werden, wie ein problematischer Umgang mit Essen aus privater Verschwiegenheit herausgeholt und in politische Diskurse integriert werden kann. Was sind die Risiken und Nebenwirkungen einer politischen Praxis für Frauen*, die so wesentlich über die Reglementierung von Nahrung funktioniert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Fokus liegt hier auf Frauen* und ihren Umgang mit veganer Ernährung. Wie immer, wenn nur Frauen in den Blick genommen werden, birgt dies das Risiko, dass Männer daneben als unkomplizierter oder selbstbestimmter erscheinen. Um diesem Eindruck entgegenzuwirken, wäre eine männlichkeitskritische Debatte zu Veganismus und anderen Politikformen notwendig. Frauen* und Mädchen* erlernen aber in „typisch weiblicher“ Sozialisation einen spezifischen und tendenziell selbstzerstörerischen Umgang mit dem eigenen Körper – und der Zusammenhang zwischen diesem und veganer Ernährung soll hier betrachtet werden. Es geht nicht darum, Frauen*, die sich mit Tierrechten befassen und beschlossen haben, sich vegan zu ernähren, ihre politische Entscheidung abzusprechen. Aber es soll danach gefragt werden, was diese Entscheidung noch mit sich bringen kann.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Hunger hat Geschichte&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Für die meisten Frauen* ist Essen ein Thema. Kaum eine, die nie eine Diät gehalten hat, sich nicht schon mal gefragt hat, ob sie sich noch ein Stück Torte nehmen soll, sich beobachtet gefühlt hat beim Pommes essen. Kaum eine, die nie auf Kummer mit nichts mehr essen oder mit umso mehr essen reagiert hat. Kaum eine, die nicht phasenweise gehungert, gekotzt, geschlungen oder zumindest daran gedacht hat. Kaum eine, deren Verhältnis zu Essen vollkommen frei von Schuldgefühlen und ausschließlich von Lust und Kalorienaufnahme bestimmt ist. Kaum eine Frau, deren Hunger keine Geschichte hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Essstörungen sind nicht auf herrschende Schönheitsideale zu reduzieren. Dünn oder dick zu sein ist weniger eine Frage der Attraktivität als der, wie viel Raum eine Frau einnimmt – und dass Raum für Frauen* begrenzt ist, ist kein Geheimnis. Hunger handelt von Begehren, davon, was ich will von der Welt – und davon, wie viel mir zusteht. Wie hungrig darf ich sein, wie viel kann ich erwarten, was darf ich verlangen? Das sind bittere Fragen, vor allem für Frauen*, denen dabei ganz besonders oft der Appetit vergeht.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Distinktionsgewinn&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn Menschen, die sich vegan ernähren, oft auf Unverständnis oder Widerstand stoßen, so lässt sich doch behaupten, dass Vegansein innerhalb einer queer-fem-linksradikalen Szene als politisch korrektes Verhalten gewertet wird. Allerdings weist schon die Formulierung ‚vegan sein‘ – im Gegensatz zu ‚vegan essen‘ – darauf hin, dass der dadurch mögliche Distinktionsgewinn nicht zu unterschätzen ist. Diät zu halten ist da schon weniger cool. In einer Szene, in der von jeder Frau erwartet wird, das Patriarchat zumindest im Kopf bereits überwunden zu haben, ist es kaum möglich, zuzugeben, dass das eigene Wohlbefinden auch vom Gewicht abhängig gemacht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Essstörungen sind immer auch ein Versuch, System in die eigene Ernährung zu bringen. Wenn das Gefühl für sich selbst so wenig vorhanden ist, dass ein simples „ich habe Hunger – ich esse“ nicht mehr funktionieren kann, dann bietet eine Essstörung eine alternative Orientierung. Das können gezählte Kalorien sein, das Herauskotzen der Nahrung oder der Versuch einfach jeden Tag das gleiche zu essen. Vegane Ernährung erfüllt dieselben Kriterien, auch sie bietet Halt und Orientierung, weil klar ist, welche Nahrungsmittel gegessen werden dürfen und welche nicht.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Vegane Diät&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Es geht hier weder darum, Veganismus und Essstörungen gleichzusetzen, noch darum, eine Kausalität zwischen beiden herzustellen. Es geht darum, feministische Auseinandersetzungen mit Körperbildern und Ernährung auch in vegane Diskussionen einfließen zu lassen.&lt;br /&gt;Veganismus kann die Funktion einer Essstörung einnehmen. Dabei entstehen Dynamiken, die viel mit Diät halten, abnehmen oder exzessiver Auseinandersetzung mit Nahrung zu tun haben – und die nicht mit Tierrechten schöngeredet werden sollten. Wer in veganen Foren unter ‚vegan + Essstörung‘ sucht, findet viele Einträge in denen Frauen* von ihrer persönlichen Geschichte berichten: von der 15jährigen, die denkt, dass sie sich, wenn sie vegan essen würde, vielleicht auch ohne Erbrechen ‚rein‘ fühlen könnte, bis hin zu anderen Frauen*, die davon erzählen, wie Veganismus zur Ersatzdroge für ihre Essstörung wurde. Auch in sogenannten Pro-Ana-Foren – die sich positiv auf Essstörungen beziehen – wird Veganismus als Methode zum Abnehmen empfohlen. Auffallend ist auch, dass Veganismus immer wieder mit offen sexistischen Bildern beworben wird, in denen das Versprechen auf patriarchale Körpernormen von veganer Ernährung überzeugen soll&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_gsjumtu&quot; title=&quot;So zum Beispiel die Rezension von &amp;quot;Skinny Bitch. Die Wahrheit über schlechtes Essen, fette Frauen und gutes Aussehen&amp;quot; in vegan.at, der Zeitung der veganen Gesellschaft Österreich (www.vegan.at/newsundinfo/zeitung/2009_veganat12.pdf).&quot; href=&quot;#footnote2_gsjumtu&quot;&gt;2&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Reinheit, der Ekel und der Stolz darauf&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Grad zwischen selbstzerstörerischem und verantwortungsvollem Umgang bei Fragen der Ernährung ist oft sehr schmal. Gerade Frauen*, die Erfahrung mit Essstörungen haben, können bei der Umstellung auf vegane Ernährung &#039;getriggert&#039; werden und wieder in alte Muster rutschen.&lt;br /&gt;‚Rein‘ zu bleiben ist ein wiederkehrendes Motiv nachdem sehr viele Frauen*leben. In einer Welt, die oft nicht freundlich ist, in der selbstbestimmtes Leben auch bedeutet, gegen die Mauern im eigenen Kopf anzurennen, scheint die Kontrolle über den eigenen Körper oft der einzige Weg auf sich selbst aufzupassen. Wenn ich mich vor sexualisierter Gewalt, Zukunftsängsten oder Einsamkeit nicht schützen kann, dann kann ich mich doch immerhin davor schützen, die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren, kann darauf achten, mir nur gesunde gute Produkte zuzuführen, kann aufpassen, dass nichts schlechtes in mich eindringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vegane, die bis auf die letzte E-Nummer kontrollieren, dass ihnen nur ja kein tierisches Spurenelement zu nahe kommt, erinnern manchmal an diese Vorsicht. Der Körper muss vor schlechten tierischen Produkten beschützt werden.&lt;br /&gt;„Aber ich finde Fleisch und Milch einfach eklig“: auch hier lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen essgestörtem Verhalten und mancher veganer Lebensweise finden: Auch anorektische Frauen* finden Fett grausig. Sie ekeln sich vor dicken Kuchenglasuren, Fettaugen auf der Suppe und cremigen Desserts und sind gleichzeitig fasziniert davon. Niemand kennt so viele tierische Produkte wie Vegane, niemand kann so gut Kalorientabellen erstellen wie essgestörte Frauen*. Es ist nicht ungesund, manche Lebensmittel nicht essen zu wollen – aber es ist problematisch, viele Lebensmittel nicht essen zu dürfen. Wenn aus einem „das mag ich nicht essen“ ein „das kann ich nicht essen“ wird, dann wird aus einer selbst gewählten Entscheidung ein Zwang.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Ekel und der Faszination kalorienreichen Nahrungsmitteln gegenüber kommt auch der Stolz, diese nicht zu essen, stärker zu sein, sich unter Kontrolle zu haben. Missgünstige Kommentare und kontrollierenden Blicke, welche wie viel isst, verstärken diesen. Für eine dicke Frau gehört viel Mut dazu öffentlich Eis zu essen. Kleine, leichte, dünne Frauen* haben es leichter: ihnen wird ihr Hunger aufs Leben eher verziehen. Frauen*, die sich &#039;zu viel&#039; nehmen, werden dafür bestraft – egal ob es ums Essen, um Sex, Aufmerksamkeit oder Erfolg geht. Viele Frauen* kennen den Stolz des Verzichts. Kein sehr gesunder Stolz allerdings, weil er nicht stark und groß, sondern bloß bescheiden und unbefleckt zurück lässt.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Kontrolle&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Frauen*, die Erfahrungen mit Essstörungen haben, wissen, wie es ist, wenn die ganze Aufmerksamkeit nur mehr ums Essen kreist; wenn die erste und die letzte Frage an jedem Tag die ist, was heute zu sich genommen werden darf; wenn in all dem Nebel kein Platz ist für größere Fragen. Die, die diesem Nebel entkommen sind, haben oft ein feines Gespür dafür, wenn die Frage nach dem Essen in ihrem Leben wieder zu viel Platz einnimmt. Frauen*, die Erfahrungen mit Essstörungen gemacht haben und jetzt vegan essen, gehen ein hohes Risiko ein, Essen wieder zum Zentrum ihres Selbst zu machen – wenn auch unter anderen, politisch höher bewerteten Spielregeln. Manchmal kann vegane Ernährung auch dazu beitragen, eine Essstörung unter Kontrolle zu halten: etwa wenn durch den Verzicht auf tierische Produkte die Grenzen klar genug abgesteckt sind und es dadurch wieder möglich wird, sich darum zu kümmern, dass der Körper genug Nahrung bekommt. Daran ist nichts auszusetzen. Im Gegenteil: jede Praxis, die Frauen* hilft, besser für sich zu sorgen, ist begrüßenswert. Schwierig wird es, wenn wieder der Stolz ins Spiel kommt, wenn Frauen*, die sich zutrauen, alles und noch viel mehr zu essen, mit scheelen Blicken angeschaut werden. „Du bist aber hungrig heute?!“ lautet ein Imperativ, der in fast jeder Mädchen-Sozialisation eine Rolle gespielt hat. Zwar kann vegane Ernährung helfen, die Essstörung in den Griff zu bekommen, &lt;br /&gt;gleichzeitig macht sie es aber komplizierter, diese zu thematisieren. Frauen* mit Essstörungen werden mit ihrer Krankheit oft allein gelassen und Verwandte oder Freund_innen spielen beim Versteckspiel mit. Als Veganismus ausgelebte Essstörungen machen es für betroffene Frauen* noch schwieriger, Hilfe zu bekommen: Jedes Gespräch über den Schmerz der betroffenen Frau muss erst den Umweg über den Schmerz der Tiere nehmen, der offenbar leichter als politisch erfahren werden kann als die eigene Depression.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Yes, it&#039;s fucking political&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Essen ist ein politisches Thema – darauf haben sowohl Feministinnen, als auch Tierrechtler_innen aufmerksam gemacht, wenn auch aus verschiedenen Richtungen. Möglicherweise ist vegan essen eine Praxis, die sich häufig an feministischen Grundsätzen stößt: nämlich denen, die sagen, dass Politik Frauen* stärker, größer und hungriger – im Sinne von neugieriger auf sich selbst, auf das Leben, auf die Welt und alles was sie zu bieten hat – machen soll. Feministische Politik muss über den Hunger und über den Verzicht von Frauen* sprechen. Es ist schwierig, die ganze Bäckerei zu wollen, wenn schon das kleinste Stück vom Kuchen zu viele Kalorien hat. Wenn wir uns zu viel damit befassen, was wir essen, verlieren wir zu leicht aus den Augen, was wir wollen, was wir brauchen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Essstörungen sind in eine Antwort auf eine Frauen*verachtende Gesellschaft. Sie können als Widerstand gegen Sexismus gelesen werden, in dem Frauen* Normierung ad absurdum führen. „Ich soll abnehmen? Dann nehme ich so viel ab, dass ich verhungere!“ oder „frau kann gar nicht so viel essen wie sie kotzen möchte“ oder sie können als Krankheiten interpretiert werden, die Frauen* in lebensgefährliche Sackgassen drängen. Vermutlich sind sie beides – sowohl ein Widerstand als auch ein Brechen unter der Norm.&lt;br /&gt;Vegane Ernährung und feministische Forderungen stehen häufig in einem Widerspruch zueinander – ein Widerspruch der nicht unbedingt aufgelöst werden muss, der aber auch nicht ignoriert werden darf. Eine politische Praxis, die Nahrung so sehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt, muss sich auch fragen, ob hier Frauen* auf sich selbst und die Frage „was darf ich heute essen“ reduziert werden.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_q3tooxd&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_q3tooxd&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; Der * kennzeichnet sowohl die Konstruktion der Geschlechterkategorie als auch die Erweiterbarkeit als Sammelbegriff vielfältiger geschlechtlicher Existenzweisen. (Anmerkung der Redaktion)&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_gsjumtu&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_gsjumtu&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; So zum Beispiel die Rezension von &quot;Skinny Bitch. Die Wahrheit über schlechtes Essen, fette Frauen und gutes Aussehen&quot; in vegan.at, der Zeitung der veganen Gesellschaft Österreich (www.vegan.at/newsundinfo/zeitung/2009_veganat12.pdf).&lt;/li&gt;
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 <category domain="https://arranca.org/tag/ernaehrung">Ernährung</category>
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 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 15:47:02 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Steigende Meere, sinkende Erträge</title>
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                    &lt;p&gt;Der Klimawandel beherrscht die öffentliche Debatte: Schmelzende Gletscher, heimatlose Eisbären, der Beitrag des Menschen zur Veränderung der globalen Lebensgrundlage. Eine drastische Konsequenz der globalen Erwärmung bleibt jedoch in vielen politischen Kommentaren unterbelichtet: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen in Entwicklungsländern.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Der Klimawandel beherrscht die öffentliche Debatte: Schmelzende Gletscher, heimatlose Eisbären, der Beitrag des Menschen zur Veränderung der globalen Lebensgrundlage. Eine drastische Konsequenz der globalen Erwärmung bleibt jedoch in vielen politischen Kommentaren unterbelichtet: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen in Entwicklungsländern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 28. März 2008 gab der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen bekannt, dass die Folgen der Erderwärmung das Recht auf Leben in Küstenregionen, kleinen Inselstaaten und anderen Regionen gefährden. Diese Einschätzung beruht auf Untersuchungen des &lt;em&gt;International Panel on Climate Change (&lt;/em&gt;IPCC), besser bekannt unter dem Namen Weltklimarat. Demnach werden die Ernten der vom Regen abhängigen Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 um bis zu 50 Prozent sinken. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN sind 95 Prozent der Landwirtschaft in Afrika vom Regen abhängig. Es wird klar: Millionen Menschen droht infolge des Klimawandels der Verlust ihrer Ernährungsgrundlage. Das erste UN-Milleniumsziel, die Halbierung des Anteils der Hungernden in der Welt bis 2015, ist nicht zu erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Halbierung des Hungers wäre schon ohne den Klimawandel ein ehrgeiziges Ziel. Sinkende landwirtschaftliche Produktion, eine Zunahme von klimaabhängigen Naturkatastrophen (Wirbelstürme, Überschwemmungen) und Veränderungen beim Anbau der Nahrungsmittel (Beginn, Dauer, Häufigkeit) werden das Nahrungsangebot verringern und damit die weitere Verbreitung chronischen Hungers nach sich ziehen. Eine weitere Folge des Klimawandels: Aufgrund des steigenden Anteils von Kohlenstoff in der Luft wachsen Pflanzen zwar schneller, sind aber weniger proteinreich, so dass der Nährwert sinkt. Soziale Folgen von Nahrungsmittelknappheit nehmen bereits heute zu. In Ägypten, Senegal, Indonesien und vielen anderen Ländern kommt es zu Unruhen, da sich die arme Mehrheit der Bevölkerung ihr Essen nicht mehr leisten kann. Kasachstan hat ein Exportverbot auf Weizen erlassen, damit im Inland das Brot nicht knapp wird, Vietnam verbietet den Export von Reis, Liberia hat generell den Export von Nahrungsmitteln untersagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund mangelhafter sozioökonomischer Infrastruktur und ihrer geographischen Lage sind Länder wie Mosambik und Bangladesh in besonderer Weise betroffen. Die Böden sind meist nur in der Nähe der Küste oder von Flüssen fruchtbar, deshalb wohnt dort ein Großteil der Bevölkerung. In Mosambik sind circa 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft abhängig. Diese Menschen leben zum größten Teil in Subsistenz, das heißt, sie können gerade genug Lebensmittel anbauen, um sich selbst und ihre Familien zu ernähren. Und auch dafür reicht es nicht, wenn zu viel oder zu wenig Regen die Ernte beeinträchtigt. In Regionen wie dieser sind die Folgen des Klimawandels besonders zu spüren: Durch den Anstieg des Meeresspiegels könnten zukünftig einige der fruchtbarsten Gebiete in Küstennähe wiederholt oder sogar dauerhaft überschwemmt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewohner der Küste am Golf von Bengalen in Bangladesh leiden bereits heute unter Überschwemmungen, wenn Wirbelstürme wie SIDR im November 2007 Wasser aus dem Meer auf das Land tragen. Eine der wahrscheinlichsten Folgen des Klimawandels, die Zunahme von Unwettern und Stürmen weltweit, hat hier besonders drastische Auswirkungen. Studien der &lt;em&gt;Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung&lt;/em&gt; (OECD) aus dem Jahr 2003 führen aus, dass der Anstieg des Meeresspiegels auch den Salzgehalt im Boden ansteigen lässt. Zehntausende Hektar Ackerland würden unbrauchbar. Nachdem SIDR mit den Sunderbarns den besten Schutzschild der Küstenbewohner Bangladeshs weitgehend zerstört hat, sickert jetzt immer mehr Salzwasser in diesen ehemals größten Mangrovenwald der Welt und die dahinter liegenden Reisfelder ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem schädigen Unwetter, Überschwemmungen und steigende Meeresspiegel die Infrastruktur. In Mosambik ist besonders die Umgebung der Hafenstadt Beira gefährdet. Beira liegt sehr tief und hat bereits jetzt mit klimabedingten Schäden zu kämpfen. Dies betrifft auch die im Inneren des Kontinents gelegenen Länder: Diese zweitgrößte Stadt Mosambiks ist der wichtigste Seehafen auch für Simbabwe und Malawi und einer der Hauptumschlagplätze für Nahrungsmittelimporte und -exporte an der afrikanischen Küste des Indischen Ozeans.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Südasien und dem südlichen Afrika werden Regenfälle seltener, was die Böden im Landesinneren austrocknet. Dürren treten daher immer häufiger auf. Fällt dann aber plötzlich viel Regen, können die Böden die Feuchtigkeit nicht schnell genug aufnehmen. Dann überschwemmen die großen Flüsse (Ganges, Brahmaputra und Meghna in Bangladesch, Sambesi in Mosambik) weite Regionen. Dabei wird gleichzeitig die oberste und fruchtbarste Schicht des Bodens abgetragen, wodurch sich die Qualität des Ackerlandes stetig verschlechtert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Sambesi-Hochwasser in der vergangenen Regenzeit zwang Tausende Menschen zur Flucht, Hunderttausende verloren ihre Lebensgrundlage. Dieses Mal lief die Überschwemmung noch vergleichsweise glimpflich ab, da Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm der UN ausreichende Mittel erhielten, um die notleidende Bevölkerung zu unterstützen. Doch wie lange wird das Geld reichen, wenn der Bedarf steigt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben dem Bedarf werden auch die Preise für Nahrungsmittel weiter anziehen. Der Preis von Reis hat in Bangladesh allein im Jahr 2007 um 70 Prozent zugelegt. Hilfsorganisationen müssen bereits heute ihre Zahlen nahezu monatlich anpassen, da sie mit gleichbleibenden Mitteln immer weniger Menschen in Not erreichen können. Ein Grund für die steigenden Preise ist die wachsende Nachfrage nach Getreide als Nahrungsmittel und für die Fleischproduktion. Deshalb müssen bedürftige Menschen auf billigere, nährstoffarme Nahrung ausweichen oder schlicht die Zahl der Mahlzeiten reduzieren. Das betrifft auch viele Bauern: Geschätzte zwei Drittel aller Bauern in Entwicklungsländern müssen Nahrungsmittel zukaufen, da sie nicht genügend Erträge für sich und ihre Familien produzieren können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wandel des Klimas stellt also vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Weltbevölkerung für die Nahrungsmittelsicherheit ein großes Problem dar. Hier müssen wichtige Aufgaben angegangen werden: Erstens muss sich die landwirtschaftliche Produktion in Regionen verlagern, in denen Nahrungsmittel dauerhaft und zuverlässig angebaut werden können. Bestehende Anbaugebiete müssen mit deutlich verbesserten, ökologisch verträglichen Bewässerungssystemen ausgestattet werden, andere Gebiete müssen besser vor Überschwemmungen geschützt werden. Zweitens muss die Verteilung der Nahrungsmittel viel besser organisiert werden. Wenn dauerhaft Millionen von Subsistenzbauern in Lateinamerika, Afrika und Asien aufgrund ausbleibender Regenfälle und fortschreitender Bodendegradation ihre Lebensgrundlage verlieren, wird humanitäre Hilfe alleine kaum gegen die zu erwartende Not ankommen. Hinzu kommen die Bewohner städtischer Gebiete, die sich ihr Essen aufgrund steigender Preise nicht mehr leisten können. Da Länder wie Bangladesh oder Mosambik bereits heute große Probleme mit der Ernährung, der Bildung und der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung haben, stellt sie der Klimawandel vor nahezu unlösbare Aufgaben.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:52 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Tobias Bauer</dc:creator>
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 <title>Deutsche Küche</title>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Der Grund waren nicht die Hungeraufstände in Tahiti und nicht der für Geringverdienende schmerzhafte Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland. Es war weder die zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen, noch dass deutlich wurde, wie mit „Bio“-Ethanol der Regenwald samt Orang-Utan in den Tank gespritzt wird. Nein, allein an der Sorge des ADAC um drei Millionen gefährdete Autos scheiterte das Gesetz zur Beimischungspflicht für Agrosprit in Deutschland. Der politische Wille, die weltweite Ernährungslage zu verbessern, ist weiterhin nicht in Sicht, obwohl die Notwendigkeit immer erdrückender wird. Laut Weltbank können inzwischen in über 30 Staaten die Ärmsten kein Geld mehr für Nahrung aufbringen.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Der Grund waren nicht die Hungeraufstände in Tahiti und nicht der für Geringverdienende schmerzhafte Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland. Es war weder die zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen, noch dass deutlich wurde, wie mit „Bio“-Ethanol der Regenwald samt Orang-Utan in den Tank gespritzt wird. Nein, allein an der Sorge des ADAC um drei Millionen gefährdete Autos scheiterte das Gesetz zur Beimischungspflicht für Agrosprit in Deutschland. Der politische Wille, die weltweite Ernährungslage zu verbessern, ist weiterhin nicht in Sicht, obwohl die Notwendigkeit immer erdrückender wird. Laut Weltbank können inzwischen in über 30 Staaten die Ärmsten kein Geld mehr für Nahrung aufbringen. Und das dicke Ende kommt noch: Das landwirtschaftliche System zur Befriedigung der Ernährungsgewohnheiten der Industrieländer zehrt an der Substanz unseres Planeten in einer Totalität, die fortschreitend die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört. Dabei böte der Ernährungssektor ein großes Potenzial, Umweltprobleme zu tragbaren Kosten zu lösen.Zu den wenig sinnvollen Lösungsvorschlägen zählt die Forderung, die landwirtschaftliche Produktion weiter auszudehnen. Bereits jetzt besteht über ein Viertel der Landmasse der Erde aus Viehweiden, etwa ein Drittel aller globalen Anbauflächen sind Futterpflanzen vorbehalten. Nutzvieh besetzt damit Flächen, auf denen einst wild lebende Arten existierten. So hinterlässt insbesondere der hohe Stellenwert, den Fleisch und Tierprodukte auf unserer Speisekarte haben, einen riesigen ökologischen Fuß­ab­druck. Laut Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist Tier­haltung der Hauptgrund für die drängendsten Umwelt­probleme: Klimawandel, fortschreitender Verlust fruchtbaren Landes, Luft- und Wasserverschmutzung, Verlust der Artenvielfalt.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Lachgas und Melkjahre&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Da mensch beim Sparen von Energie vermutlich zuerst an die elektrische denkt, bleibt Ernährung bisher als wesentlicher Faktor in der Klimadebatte ebenso außen vor wie die ökologischen Auswirkungen unserer Essgewohnheiten in der Ernährungsdiskussion. In Deutschland verursacht dieses Bedürfnisfeld 20 Prozent des Gesamtenergie­verbrauchs. Weltweit gehen laut Greenpeace mehr Treibhausgasemissionen auf das Konto der Ernährung als durch den Transportsektor entstehen. Die Menschen holzen Wälder ab, legen Moorgebiete trocken, wandeln Grün- in Ackerland um und zerstören damit natürliche Kohlenstoffsenken, was das Klima weiter belastet.&lt;br /&gt;Die Herstellung von Tierprodukten ist deutlich energieaufwendiger als die Erzeugung von Obst und Gemüse, denn die Umsetzung pflanzlicher Futtermittel ist sehr ineffizient. Durch sogenannte „Veredelungsverluste“ gehen zwischen 65 und 90 Prozent der im Futter enthaltenen Nahrungsenergie verloren. Besonders hohe CO2-Emissionen verursachen Futtermittel, für deren Anbau sehr energieintensiv hergestellte, mineralische Düngemittel eingesetzt werden. Daneben entweichen in der Landwirtschaft Methan und Lachgas in die Luft. Das klingt lustig, ist aber zwanzig bis dreihundert Mal klimaschädlicher als CO2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tatsächlich ist der Konsum von Milchprodukten in Deutschland gefährlicher für das Klima als der von Fleisch. Allgemein gilt: Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet wird, desto mehr belastet es das Klima. Käse, Sahne oder Wurst sind also klimaschädlicher als Milch, Eier und rohes Fleisch. Angesichts der Hungersituation auf der Welt bedeutet es eine verantwortungslose Verschwendung von Ressourcen, Futtermittel für Kühe zu importieren, die landwirtschaftlich nur zwei Jahre lang genutzt, das heißt gemolken werden können.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Zwischen Saumagen und Daimler – jetzt wird’s eng!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Festhalten lässt sich, dass es auf die Energieeffizienz ankommt: Der Tofubratling verhält sich zum Schnitzel wie die Energiesparlampe zur konventionellen Glühbirne. 40 Prozent der in Deutschland pro Kopf und Tag verzehrten Kalorien stammen jedoch aus tierischen Lebensmitteln – in Südeuropa sind es (noch) weniger als ein Viertel. Und der Fleischhunger wird immer größer: Der Verzehr in Deutschland stieg im letzten Jahr von 86,5 auf 88 kg pro Person und Jahr an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit steigenden Ölpreisen wird die Produktion von Treibstoffen aus Zuckerrohr, Soja, Mais oder Weizen immer lukrativer – und damit die Anbaufläche für Nahrungsmittel immer kleiner. Dieses Konkurrenzverhältnis führt dazu, dass die Nahrungsmittelpreise steigen. Davon sind besonders die Menschen in armen Ländern betroffen. Laut FAO leben 80 Prozent von ihnen in ländlichen Gebieten, größtenteils als Kleinbauern und -bäuerinnen. Sie tragen mit zunehmender Ernährungsunsicherheit, Pestizidvergiftungen und massenhaftem Arbeitsplatzverlust die sozialen und ökologischen Kosten unserer industrialisierten Landwirtschaft. Denn obwohl in den letzten zwanzig Jahren der Einsatz von chemischen Mitteln gestiegen ist, nimmt die Getreideproduktion immer weiter ab. Ein Paradoxon: Es gäbe zwar genügend Nahrung für alle, aber 850 Millionen Menschen hungern. Der &lt;em&gt;Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland &lt;/em&gt;(BUND) fordert deshalb einen Importstopp für Ethanol und Agrodiesel, stärkere Investitionen in den öffentlichen Verkehr und sparsamere Fahrzeuge. Zusätzlich muss der Viehbestand in Europa um ein Viertel reduziert werden, um die Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen zu entschärfen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ökolandbau auf dem Boden der Tatsachen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Ökolandbau könnte tatsächlich eine nachhaltige Entwicklung auf den Weg bringen. Zum einen können ökologisch bewirtete Böden doppelt soviel Kohlenstoff speichern wie konventionell bewirtschaftete. Mit einer vollständigen, weltweiten Umstellung könnte die in den vergangenen Jahrzehnten freigesetzte Menge an CO2 binnen 30 Jahren wieder gebunden werden. Zum anderen entstehen durch den Verzicht auf synthetische Dünger viel weniger Klimagase. Mit maximal einem Viertel tierischer Kalorien im Nahrungsmittelkonsum wäre laut BUND die Agrarwende in Deutschland zu schaffen. Auch in globalem Maßstab ist dies der FAO zu Folge möglich: Es könnten 2.640 bis 4.380 kcal pro Mensch und Tag erzeugt werden – ohne die Nutzung von Brachflächen, Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik. Da weltweit bei der Umstellung auf Ökolandbau Ertragssteigerungen zu beobachten sind, könnte außerdem die Unabhängigkeit der BäuerInnen von externen Betriebsmitteln gestärkt, könnten Wasser und Boden geschont werden. Denn ökologisch bewirtschaftete Böden haben eine höhere Wasserhaltekapazität und sind weniger anfällig für Trockenheit, Überschwem­mungen und Erosion.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Individueller Konsum: großer Teil des Problems, kleiner Teil der Lösung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wer aus ökologischen Gründen Fleisch und anderen Tierprodukten zumindest größtenteils entsagt und lieber Bio sowie saisonale Produkte aus der Region konsumiert, schont Ressourcen und Klima. Bisher subventionieren die Menschen in ärmeren Ländern unsere günstigen Supermarkteinkäufe und den Döner zum Dumping-Preis. Während wir auf dem Kassenzettel nur die Spitze des Eisbergs der wirklichen Kosten sehen, zahlen andere den Löwenanteil der Lidl-Erdbeere aus Übersee, die wir ganzjährig preisgünstig vernaschen möchten. Radikale Veränderungen bedeuten auch, sich den Fleischkonsum in der derzeitigen Form nicht mehr leisten zu können. Qualitativ hochwertige Tierprodukte, umwelt- und sozialgerecht produziert, können wohl kaum zu dem Preis angeboten werden, zu dem ihr Massenersatz heute verschleudert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Formel „Gut leben statt viel haben“ bringt auf den Punkt, was für alle Konsumbereiche sinnfällig ist. Tatsächlich entdecken immer mehr Menschen einen nachhaltigen Lebensstil als persönliche Entwicklungsaufgabe für sich. Dieser Suffizienz­hedonis­mus mag den unauflöslich geglaubten Wider­spruch von Spaßgesellschaft und Verteilungs­gerechtigkeit versöhnen. Nur hilft die radikalste Selbstbeschränkung und edelste (Ablass-)Zahlungsbereitschaft Einzelner wenig, so lange die öffentliche Auseinander­setzung über unsere Ernährung und ihre Folgen fehlt. Über eine Revolution der Esskultur in Deutschland hinaus ist eine Energie- und Agrarwende gefordert, die als gesamt­gesellschaftlicher Umbau alternative Lebensweisen für alle möglich macht und nicht nur für die, die sich ein Leben in einer grünen Blase leisten können. &lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:51 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Christian Noll</dc:creator>
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