<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xml:base="https://arranca.org"  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
<channel>
 <title>arranca! - Geschlechterverhältnisse</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/26/0</link>
 <description></description>
 <language>de</language>
<item>
 <title>Verschwommene Grenzen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/verschwommene-grenzen</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Danach gefragt, wie sich Alltag und linke Politik in den letzten 20 Jahren verändert haben, fällt mir als erstes auf, dass mein eigener Alltag in linker Kultur vor 20 Jahren begann. Ich zog damals in die Großstadt, suchte mir eine Gruppe, in der ich gegen Atomkraftwerke und für energiepolitische Alternativen arbeitete. Ich nahm an Wendo-Kursen teil. Ich arbeitete daran mit, ein Haus instand zusetzen, das ein Wohn- und Arbeitsprojekt für FrauenLesben werden sollte.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Danach gefragt, wie sich Alltag und linke Politik in den letzten 20 Jahren verändert haben, fällt mir als erstes auf, dass mein eigener Alltag in linker Kultur vor 20 Jahren begann. Ich zog damals in die Großstadt, suchte mir eine Gruppe, in der ich gegen Atomkraftwerke und für energiepolitische Alternativen arbeitete. Ich nahm an Wendo-Kursen teil. Ich arbeitete daran mit, ein Haus instand zusetzen, das ein Wohn- und Arbeitsprojekt für FrauenLesben werden sollte. Insbesondere bei Letzterem war ich mir ganz sicher, dass ich mich in „einem Unten, einem Draußen und einem Dagegen“ bewegte: Vorgesehen war für Frauen ein Leben in ökonomischer und persönlicher Abhängigkeit von Männern. Daneben durften wir ein bisschen berufstätig und politisch aktiv sein – aber letztlich sollten wir nicht wirklich autonom handeln. Dagegen setzten wir mit unserem Projekt ein Zeichen, in mehrfacher Hinsicht. Wir organisierten die Instandsetzung als Frauenbaustelle – in Zeiten, in denen Frauen aus vielen Baugewerken noch gesetzlich ausgeschlossen waren oder eine marginale Bedeutung hatten. Wir führten den Begriff Lesbe im Projektnamen, um (unabhängig von unseren tatsächlichen sexuellen Vorlieben) eine von Männern autonome Sexualität sichtbar zu machen. Wir schufen einen Raum, in dem Frauen leben und als Kulturproduzentinnen arbeiten sollten, ohne sich mit Männern auseinandersetzen zu müssen. &lt;br /&gt;Als das Haus fertig war, zog ich (wie etliche andere Projektfrauen) aus dem Projekt aus. Unser gemeinsames Ziel war die Fertigstellung des Hauses gewesen. Darüber hinaus waren unsere Lebensweisen zu unterschiedlich, als dass wir ein Kollektiv werden wollten, in dem wir uns angenehm-solidarisch bei der Alltagsbewältigung halfen oder uns gemeinsam politisch positionierten. Ich begann, Sozialökonomie zu studieren, weil ich über Arbeit als politisches Feld diskutieren wollte, ihre Geschichte verstehen, in diesem Bereich Herrschaftskritik leisten wollte, die auch eingreifen sollte. Außerhalb der Uni stieß man damals in der Linken mit diesem Thema auf wenig Interesse. Arbeit und die Kritik an Erwerbsarbeit waren irgendwie out. Diskutierte man über Rassismus, ging es um die ideologische Konstruktion der Unterschiede zwischen „Rassen“, um Ausschlussmechanismen auch in den eigenen Kontexten, um repressive staatliche Migrations- und Grenzpolitik, aber nicht um Arbeit. In den Diskussionen über Geschlechterverhältnisse ging es zunehmend um eine Dekonstruktion heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit. Butlers Texte sehr schätzend, fand ich doch, dass sich die Debatten über die Konstruktion von Geschlecht, die sich in den 1990er Jahren in Deutschland vervielfältigten, immer mehr auf die (Re-)Produktion kultureller Bilder, Normen, Werte begrenzten und sich von ihrer Anbindung an gesellschaftliche Arbeitsteilung, aber auch an viele Alltagspraxen immer weiter entfernten. Zudem gab es darin wenig wertschätzende Auseinandersetzung damit, dass Frauenbewegungen auch schon vor Butlers Texten vielfältige Praxen und Theorien entwickelt hatte, in denen Frauen die (eigene verinnerlichte) Konstruktion von Weiblichkeit hinterfragten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Neoliberalismus und das begehrende Subjekt&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was mein Selbstverständnis, dass wir uns mit feministischer Politik gegen die Reduktion von Frauenleben auf das Hausfrauendasein richten müssen, grundsätzlich erschütterte, war das Erleben, was der Begriff Neoliberalismus bedeutete und mit welchem Menschenbild und welcher Alltagskultur diese neue kapitalistische Produktionsweise einherging und -geht. „Wir werden nicht mehr daran gehindert, zu sagen, was wir selber wollen, sondern wir sollen es jetzt immer und überall tun: während der Arbeit, um alles reibungslos laufen zu lassen, in unserer Freizeit, um viel zu konsumieren“ und darüber all jene Bedürfnisse zu vergessen, die im Widerspruch zu einer von Konkurrenz und Leistungsdruck geprägten Welt stehen, so schrieb ich damals. Neoliberalismus setzt auf das begehrende Subjekt und legt uns nahe, das Bedürfnis, anders als die Masse sein zu wollen in marktfähige Praxen umzusetzen. Sicherlich sprach ein Blick auf die durchschnittliche soziale Positionierung von Frauen immer noch eine deutliche Sprache: Die geringen Einkommen, die (real vorhandene oder ihnen nur zugedachte) Zuständigkeit für Kinder, häufig Teilzeitarbeitsplätze, ihr hoher Anteil an denen, die Sozialleistungen empfangen und gleichzeitig – aufgrund der Anrechnung des Partnereinkommens und Ähnlichem – ihr Ausschluss davon. All dieses führte nach wie vor massenhaft zur ökonomischen Abhängigkeit von Frauen von Männern und einem patriarchalen Sozialstaat. Doch parallel dazu wurde nun auch das Bild der ökonomisch erfolgreichen und sexuell unabhängigen Frau hegemonial.&lt;br /&gt;Passive Revolution nennt Gramsci diesen Vorgang, in dem die Forderungen von ehemals gesellschaftskritischen Gruppen in die Politik der führenden Klassen aufgenommen werden, ohne dass damit Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse ernsthaft in Frage gestellt wären. Diese tiefgreifenden Veränderungen sind u.a. ein Ausdruck dafür, dass soziale Bewegungen in konkreten Kämpfen eine Stärke entwickelt haben, die es für die führenden Gruppen notwendig macht, mit Kompromissen auf sie einzugehen. Aber sie verdeutlichen zugleich auch die Fähigkeit der herrschenden Klassen, immer neue Herrschafts- und Regulationsmodi zu entwickeln. In der Konsequenz sind Praxen, die in fordistischen Verhältnissen Gesellschaft radikal in Frage stellten, unter den heutigen Bedingungen ein Element von Modernisierungsprozessen geworden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Feministische Politik im Neoliberalismus&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Feministische Politik ist seither komplizierter geworden. Plakate von ökonomisch selbstständigen und erfolgreichen Frauen zierten in den letzten Jahren das Hamburger Stadtbild – finanziert von einem konservativen Senat, dessen erste Tat es nach seiner Regierungsübernahme gewesen war, fast allen Projekten, die den Begriff „Frau“ im Titel führten, die Gelder zu streichen. Letzteres führt dazu, dass der Kampf um Projekte, die Frauen unterstützen, fast wieder revolutionär ist. Zugleich reicht eine reine Politik „für Frauen“ in Anbetracht der Politik, die sich symbolisch in den Plakaten ausdrückt und durch eine Frauenförderung, die dem Wirtschaftsstandort dient, durchaus auch materiell wird, nicht mehr aus (vielleicht hat sie auch nie ausge-&lt;br /&gt;reicht). Stärker als früher müssen wir heute deutlich machen, dass es uns um Projekte geht, deren Ziel es ist, dass alle Frauen selbstbestimmt an Gesellschaft teilhaben und ein glückliches Leben führen, das heißt auch arme Frauen, Frauen mit geringer Bildung, Frauen ohne deutschen Pass, Frauen in Krisen, die sich niemals erfolgreich selbst vermarkten werden.&lt;br /&gt;Feministische Politik hatte in den letzten 20 Jahren Probleme, auf diese widersprüchliche Eingelassenheit der eigenen Forderungen in neoliberale Regulierung eine radikale Antwort zu finden. Irgendwie konnte man sich lange Zeit nur zwischen institutionalisierter Frauen- und Gleichstellungspolitik, die in ewiger Gleichförmigkeit auf die Benachteiligung von Frauen hinweisen musste und einer queeren Kritik entscheiden, die zurecht dekonstruierte, was als Frausein galt, sich damit aber weitgehend auf akademisierte und kulturelle Fragen begrenzte. Der Beschränkung auf diese zwei Alternativen entkam man auch nicht, indem man sich in der radikalen Linken verortete. Feministinnen wurde auch hier in der Regel die Rolle zugeschoben, doch bitte etwas über die spezifische Situation von Frauen und die Bedeutung von Geschlechterverhältnissen einzubringen – während dieses Thema ansonsten lediglich in Randbemerkungen auftauchte. Mittlerweile, so scheint mir, entsteht in ganz verschiedenen Kontexten wieder eine Lust daran, beides zusammenzuführen bzw. Feminismus neu zu denken.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Der Zwang zur (linken) Selbstvermarktung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Neoliberale Kräfte wie auch soziale Bewegungen der 1970er - und 1980er Jahren wirkten – trotz teilweise gegensätzlicher politischer Zielsetzungen – in ähnliche Richtungen auf die starren Formen der fordistischen Gesellschaft ein. Gerade an der Frage, welchen Anforderungen sich Menschen (und damit auch Linke) im Alltag bei der Sicherung ihres Lebensunterhalts gegenübersehen, lässt sich diese Nähe konkretisieren. Wir stehen alle sehr viel mehr unter Druck, beim Finden von Erwerbsquellen nicht so wählerisch zu sein. Wir sind oft gezwungen, alle Lebensbereiche den Kriterien von Effizienz und Konkurrenzdruck zu unterwerfen. Dies liegt an strukturellen Zwängen, sei es, dass sozialstaatliche Nischen durch Hartz IV verschwunden sind, seien es geringe Löhne oder die Befristung von Arbeitsverträgen. Dieser Zwang zur Aktivierung verbindet sich mit der Herausbildung einer neuen Kultur, in der sich Menschen (erzwungenermaßen, aber dennoch selbsttätig) permanent dazu anhalten, sich mit den eigenen Haltungen und Wünschen auseinanderzusetzen, um eine individuelle Antwort auf die eigene, problematische Lebenssituation zu finden. Auch die Formen, in denen die individuelle Reproduktion abgesichert wird, sollen nun ausgehandelt und an individuellen Bedürfnissen orientiert gestaltet werden. Ob man dies in einer Patchwork-Familie organisiert, ob sich das kinderlose heterosexuelle Paar die Putzfrau leistet oder ob man als Single außerhalb der Lohnarbeit sozial vereinsamt – solange man die eigene Leistungsbereitschaft am Bedarf des Auftrag- oder Arbeitgebers ausrichtet und somit Marktgängigkeit erreicht, ist es in gewisser Hinsicht relativ egal, welche Lebensweise dazu gewählt wird.&lt;br /&gt;Eine Kritik des SelbstunternehmerInnentums funktioniert nicht darüber, dass wir diese vollständig und vermeintlich radikal zurückweisen. Gesellschaftliche Verhältnisse sind tatsächlich zunehmend so reguliert, dass die Absicherung und Gestaltung der eigenen Lebensqualität, wenn überhaupt, zunehmend nur noch in der Form gelingen kann, dass man die beschworenen Tugenden in irgendeiner Weise für sich lebbar macht. Dies gilt auch und gerade für Linke, die sich durch und für linke Politik hohe soziale Kompetenzen und fachliche Kenntnisse aneignen und weiterentwickeln – zum Beispiel indem sie Gesellschaft analysieren, Kultur produzieren, Bildungsarbeit und andere soziale Prozesse moderieren und initiieren. Das bedeutet unter anderem, dass die festen Grenzen zwischen dem, was Linke aufgrund ihrer politischen Überzeugung tun, und dem, womit sie die eigene Existenz und die Existenz linker Projekt sichern, bisweilen verschwimmen. Dass ich Zeit, Muße und die Fähigkeit habe, Texte wie diesen zu produzieren, ist ein Privileg, auf das ich sehr gerne für einen Kontext wie die arranca! zurückgreife, weil ich weiß, dass diese Überlegungen in linke Praxen einfließen. Es sind zugleich ähnliche Inhalte, an denen ich arbeite, wenn ich versuche, in einer prekären Welt meine eigene Zukunftsplanung abzusichern. Für linke Projekte gehört es heute oft zu ihrem Alltag, regelmäßig auf den „freien“ Märkten der staatlichen oder privaten Finanzierungsquellen ihren (gesellschaftlichen) Nutzen hervorzustellen. Wenn sie dabei desöfteren erfolgreich sind, ist das nicht automatisch ein Zeichen für die Stärke linker Bewegungen oder Ideen. Neoliberale Vergesellschaftung setzt darauf, dass Menschen – in Zeiten fehlender gesellschaftlicher Absicherungen – eigenverantwortlich von unten ihre Praxen regelmäßig erneuern und kreative Antworten auf prekäre Situationen finden. Genau dies können wir als Linke gut.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Trotz allem linke Analysen und Praxen entwickeln&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Mit den Diskussionen über Prekarisierung, die ab Mitte des letzten Jahrzehnts linke Debatten prägten, wandte sich die Linke wieder dem Thema Arbeit und Konflikten um diese zu. Darin wurde diese eigene Verstrickung in die veränderten Herrschaftsverhältnisse teilweise zum Thema. Hieraus erwuchsen etliche neue Politikformen, deren gesellschaftliche Perspektive mir allerdings manchmal unklar ist. AnhängerInnen von Negri/Hardt würden mir auf die zuvor stehenden Überlegungen sicher erwidern, dass wir genau deshalb mit allem, was wir tun, Teil einer Multitude sind, die zwar recht diffus durch die Welt wabert, aber in der nichtsdestotrotz das Begehren für andere gesellschaftliche Verhältnisse wächst, das sich früher oder später in neue revolutionäre Formen ergießt. Ich bin da weniger euphorisch und denke, linker Alltag heißt, sich in den Widersprüchen des SelbstunternehmerInnentums zu bewegen. Das heißt zu lernen, sich selbst und die eigenen Projekte als witzig, erfolgversprechend oder in anderer Weise als etwas Einzigartiges zu präsentieren und zugleich den Bezug zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt, zu Ausbeutung, Profit, Unternehmensgewinnen, sozialer Ungleichheit theoretisch und praktisch herzustellen. Letzteres kann gelingen, aber auch scheitern. Dass linke Ansätze, Analysen und Projekte immer mal wieder dafür geeignet sind, in neoliberalen Projekten aufzugehen, dass wir darin oft auch unsere eigene – oft prekäre – Reproduktion absichern müssen, all dies führt meines Erachtens dazu, dass wir täglich relativ hart darum ringen, trotz allem linke Analysen und eingreifende Praxen zu entwickeln und uns nicht einfach an vorherrschenden Erwartungen zu orientieren. Wenn linke Alltagskultur in diesem Kontext eine spezifische Aufgabe hat, dann die, dass wir uns gegenseitig darin unterstützen, dieses Ringen nicht aufzugeben.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Unsere Krisen verallgemeinern?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Meiner Wahrnehmung nach gehört es zu den Widersprüchen dieser Kultur des SelbstunternehmerInnentums, dass in ihr ein paar ganz alte Hierarchien wirksam sind, beispielsweise, dass es öfter Frauen sind, die größere Probleme haben, ihre eigenen Projekte als gut und wichtig zu begreifen und entsprechend zu vertreten, die in Gruppen seltener und kürzer das Wort ergreifen. Ich komme mir ungeheuer altmodisch vor, wenn ich dies schreibe, und möchte selber diese dichotome Geschlechterkonstruktion sofort hinterfragen – und dennoch fallen mir auf Anhieb drei Diskussionsräume ein, in denen ich diese Form der Sprach- und Arbeitsteilung in letzter Zeit erlebte. Für mich folgt daraus, dass wir das Feld der Auseinandersetzung mit unseren persönlichen Barrieren, Krisen, Selbstzweifeln und Unfähigkeiten nicht neoliberalen Karriere-Seminaren überlassen sollten, sondern diese Praxen im Gegenteil verallgemeinern und es für alle Menschen brauchbar werden lassen. Dazu gehört dauerhafte Bündnis- und Übersetzungsarbeit. Berufliche Veränderungen haben bei mir dazu geführt, dass ich mich mit der Arbeits- und Lebenssituation von Frauen, die in Pflegeheimen arbeiten, beschäftige. Viele von ihnen schätzen diese Tätigkeit sehr, aber die taylorisierten Bedingungen, unter denen sie arbeiten, sind oft schlicht grauenhaft; politische Auseinandersetzungen um sie gibt es dennoch selten. Ich bin mir seither wieder sehr viel mehr bewusst, dass die Widersprüche, die ich hier aufgezeigt habe, vor allem mein eigenes Umfeld betreffen und nicht ohne weiteres verallgemeinerbar sind und dass meine eigene Lebensweise als Sozialwissenschaftlerin auch ein Privileg darstellt. Das heißt nicht, dass nicht auch ich mit der Prekarität meiner Situation ringe, für deren Bewältigung wir nur mühsam kollektive Antworten finden. Aber es heißt, dass wir als linke Intellektuelle gefordert sind, die unterschiedlichen Unterdrückungserfahrungen, Perspektiven von einem guten Leben und von möglicher Veränderung ineinander zu übersetzen, damit sich Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensweisen gegenseitig verstehen und damit auch die, die sich nicht ohnehin politisch äußern, eine Stimme entwickeln und gehört werden. Es wäre schön, wenn die vielen kleinen und großen Bündnisse eine politische Stärke entwickeln, mit der die Spielräume für linke Projekte weniger abhängig sind von schwer durchschaubaren Finanzierungsmöglichkeiten, sondern von öffentlich ausgetragenen politischen Auseinandersetzungen, in denen niemand mehr an bestimmten Forderungen vorbei kann.&lt;/p&gt;


&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/44/verschwommene-grenzen&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/44/verschwommene-grenzen&quot; dc:title=&quot;Verschwommene Grenzen&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/620&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/620  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/44/verschwommene-grenzen#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/feminismus">Feminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/neoliberalismus">Neoliberalismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/radikalelinke">RadikaleLinke</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/vereinnahmung">Vereinnahmung</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 16:42:42 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">620 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Getting Rid of the Straight Taste</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/getting-rid-of-the-straight-taste</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;In early 2010, a &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;queer  feminist work group&lt;/a&gt; formed  within FelS. No retreat of queer and feminist approaches to  niches, no  uninspired lingering in academia, no professional perishing  in gender  mainstreaming. Instead, we are preparing ourselves for a  vibrant,  broad, anti-capitalist queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our experience shows us that gender relations tend  to be considered as a transversal issue. However, in specific struggles they  are too often neglected. This is why we see  queer feminism as a  political field with its own practices that we want  to explore, rework  and reinvent. So we are at our beginning, but we  are not dealing with a  tabula rasa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This  collage is an attempt to get to know queer  feminism. We contacted queer  and feminist collectives in different  parts of the world in order to  hear about their struggles and political  practices, and to establish a  network between them and us. We sent a  questionnaire to collectives in  Istanbul, St. Petersburg, Jakarta,  Belgrade, Paris and Berlin. You can  read the full answers here. There  is also a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;go to the short version in German&quot;&gt;short&lt;/a&gt; and a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;go to the long version in German&quot;&gt;long&lt;/a&gt; version in German.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;In early 2010, a &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;queer  feminist work group&lt;/a&gt; formed  within FelS. No retreat of queer and feminist approaches to niches, no  uninspired lingering in academia, no professional perishing in gender  mainstreaming. Instead, we are preparing ourselves for a vibrant, broad,  anti-capitalist queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our experience shows us that gender relations tend  to be considered as a transversal issue. However, in specific struggles they are too often neglected. This is why we see  queer feminism as a political field with its own practices that we want  to explore, rework and reinvent. So we are at our beginning, but we are  not dealing with a tabula rasa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This collage is an attempt to get to know queer  feminism. We contacted queer and feminist collectives in different parts  of the world in order to hear about their struggles and political  practices, and to establish a network between them and us. We sent a  questionnaire to collectives in Istanbul, St. Petersburg, Jakarta,  Belgrade, Paris and Berlin. You can read the full answers here. There is  also a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;go to the short version in German&quot;&gt;short&lt;/a&gt; and a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;go to the long version in German&quot;&gt;long&lt;/a&gt; version in German.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;What are your roots?  Which social struggles is  your work based on?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; There is no struggle in my roots. There wasn’t  any opposition or social struggle in my family and in my past. When I  was 27, I joined a feminist organization for the first time, because I  wanted to. I’m still a member of that organization today, I question  patriarchy, and I try to build freedom for myself.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; The Panthères Roses formed in 2002, when &lt;em&gt;Le  Pen&lt;/em&gt; reached the second round of the presidential elections. A new  right-wing movement established itself, and they are still ruling – they  are rigorous, they push security politics and populism onto the agenda,  and they act very aggressively against individual freedoms and  progressive achievements in society. At that moment, we saw the need for  a collective that is located at the point of intersection between the  LGBT&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_qogdly3&quot; title=&quot;L = lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender /  transsexual, I = intersexual, Q = queer&quot; href=&quot;#footnote1_qogdly3&quot;&gt;1&lt;/a&gt; movement and social  movements. Even if we don’t claim roots (because that sounds biologistic  and monocausal to our ears), we can say that we didn’t come out of  nowhere. Our work can be inscribed into LGBT struggles, and we relate to  radical lesbian politics (Monique Wittig), feminist materialism,  anti-racism and anti-capitalism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; First and foremost, we are a radical queer  group fighting for a community that is based on self-definition and  inclusivity. We oppose the traditional heteronormative patriarchal  norms, which cannot be questioned without addressing different forms of  oppression and structures in society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The members of QueerBeograd come from different  (class/political/cultural) backgrounds, but we are all deeply rooted in a  feminist, anti-authoritarian, anti-capitalist movement, and being queer  is determining and influencing the way we work politically. Some of us  are artists and cultural activists, some have been engaged in  anti-fascist or anti-racist structures for a long time, and others are  part of local LGBT and feminist associations.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;On that basis, we connect our work to different  struggles and collaborate with groups who address these topics, such as  LGBT groups, feminist groups, no border groups, anti-racist,  anti-fascist or anti-capitalist collectives.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our work includes expressions of solidarity,  collaborations for campaigns or specific projects, exchanging and  mutually influencing our political views, and providing financial  support.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; I grew up in the USSR and was a teenager  during the Perestroika period. I saw my parents struggle, lose their  jobs, their identity, their friends and their position in society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; La Barbe’s approach is inspired by Wittig’s  and Delphy’s texts, by movements such as the &lt;em&gt;MLF&lt;/em&gt; [&lt;em&gt;Mouvement de la libération des femmes&lt;/em&gt;, Women’s Lib], of course, also by lesbian  collectives such as the &lt;em&gt;Lesbian  Avengers&lt;/em&gt;, political  collectives such as the &lt;em&gt;Billionaires  for Bush&lt;/em&gt;, artist groups such  as the &lt;em&gt;Guerilla Girls&lt;/em&gt;, and primarily, by political groups. &lt;em&gt;La  Barbe&lt;/em&gt;’s founders come from the &lt;em&gt;Act Up Paris&lt;/em&gt; collective. We link to a threefold heritage: feminist, lesbian and  artist. We see ourselves as positioned in the center of the scene, where  sometimes the ‚traditional’ feminists of the &lt;em&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/em&gt; are opposed to groups of the queer movement.  Plus: we like to claim that we symbolically have sprung from the womb of  Eric Zemmour – homophobic, sexist, racist, and proud of it all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; We build our work on the struggle for the  recognition of the inviolability of persons. The state should not be  allowed to regulate private issues, and to tell people what to do and  what not to do, as long as their actions do not violate other persons’  rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Lambda activists define themselves as  feminists and anti-militarists. The LGBT movement and the feminist  movement were very closely connected from the start. Concerning  anti-militarism, Lambda is in close contact with the conscientious  objection movement. We have a very active member who was a conscientious  objector, and who is gay. He spent a year in prison and was tortured.  Moreover, Lambda defines itself as a non-violent group, i.e. our  practices are non-violent. For example, we support the Kurdish movement,  but not the guerrilla. The Kurdish movement is the only movement that  supports LGBT politics and positions, just as the Kurdish party is the  only party in the parliament who does that.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We build our work on some (non-essentialist)  feminist, queer, anti-sexist, anti-racist, post-colonial,  anti-capitalist struggles.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; We are part of the queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;In what structural  conditions are you working? And how did neoliberalism and the global  crises affect these conditions?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; What? I don’t get the question.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan: &lt;/strong&gt;The context in which we are working is shaped  by the rise of islamic fundamentalism in Indonesia, though there are big  regional differences within the country. Queer and LGBT groups are not  illegal, but they are also not officially legitimized by the government.  Recently, there were open aggressions against different LGBT  minorities, for example during a conference that we organized in spring  2010. This had a huge impact on the work done by the organization, and  also on LGBT people, who don’t feel safe anymore. In 2008, the  Indonesian government enacted an anti-pornography law which stipulates,  among other things, that any publication about homosexuality is illegal,  because they consider homosexuality to be a bestiality, a form of  sexual deviance. Moreover, there are official local regulations in some  Indonesian provinces which are discriminatory against LGBT people. For  example in Palembang, South Sumatra, prostitution is illegal, and the  law says that LGBT people are prostitutes; so they are criminalized. At  the same time, it is important for us to be involved in  anti-islamophobic actions, and we support campaigns against  islamophobia, since we believe that it isn’t “the” Islam which is  responsible for the increasing aggression against queer people.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; Neoliberalism has a negative impact on us. It  leads to an inflation of concepts. The global crisis and neoliberalism  lead to a situation where we don’t make our projects a reality, where  our progress is very slow, and where a lot less people have to do a lot  more work. This makes us more and more tired.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; The Panthères  Roses are a registered  association, which means that we can announce demonstrations. We try to  function as horizontally as possible. We don’t have a president or a  board, but instead we take decisions as a collective in our weekly  public meetings. We are independent and don’t receive any financial  aids. We get the money that we need by selling stickers or t-shirts, or  by organizing solidarity fundraising events.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Concerning the effects of neoliberalism, many of us  have to work more and more, and are earning less and less. The rents are  totally overpriced. It is hard to find the time and the motivation for  political activism. Our context is a French neoliberalism that is  steered by a rather right-wing government who force their political  agenda on us. In Paris, there’s only a few of us who are organized, and  there are very few autonomous spaces. Homophobia, lesbophobia and  transphobia are strong here. Currently, the catholics are particularly  aggressive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; The group was founded in 2005, that is, in a  period when Serbia still hadn’t economically recovered from the  consequences of what happened in the 1990’s. The majority of the Serbian  population lives in precarious economic circumstances. That is also the  case with most of our members. This is a very decisive fact, because it  determines who can actually afford to be politically active. We are  continuously debating this. From our feminist perspective, we try to  create conditions where persons are paid for their work. We also try to  prevent exclusion based on economic reasons, which is why we give  financial support to the participants of our festival (traveling  expenses, accommodation).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A huge part of the work that LGBT and feminist  groups in Serbia are doing is funded by international donors. It’s very  important to have a financial support structure. Otherwise, a huge  amount of important political work would be impossible in the Balkan  region.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The crisis aggravated the already precarious social  situation of the country.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In our own practice, we apply for funds only  from sources that we deem  to be ethical – we check where such funds come from, and we are equally  grateful for any support by queer grassroots solidarity fundraising. All  of our members have been working as volunteers for years, which affects  our everyday life and adds to our precarious working and living  situation. We try to switch to a more sustainable form of action – for  personal reasons, but also in order to maintain our political activity  in the long run.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Having said this, our very independent form of  political practice means that we are pretty free to build our own  activity and politics agenda, and that we have the liberty to refuse the  influence of funding organisations so that we can maintain an  autonomous perspective.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; We live in a society that is strongly  dependent on our government’s despotism. The government’s administrative  decisions are unpredictable and intransparent. It’s often useless to  try to inform police and other state employees about the film festival  via negotiations and discussions, and to create an open debate. For  instance, the Archangelsk municipal authorities assured us that the  festival is OK, and that the government wouldn’t act against it. 30  minutes later, some festival venues cancelled – because police officers  had come to the clubs and threatened to impose administrative sanctions.  The media are controlled and censored, especially television. The  social majority is passive, intimidated and focused on consumption, and  doesn’t believe that change for the better is possible here. They aren’t  informed about the real situation and the violation of human rights in  this country. The increasing attempts of the orthodox church to gain  influence are another reason why it’s hard for us to do our work.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; I think a  lot of things are linked to the economic situation within a country.   Everyone has to keep their business going on. One example in Turkey is  the army. Turkey is the biggest buyer of guns made in Germany. This is  the reason why the war in Turkey between the Turkish army and the  Kurdish minorities has to go on. And this is what we have to see: It’s  the system that is violent. And under the conditions of neoliberalism,  this is not changing for the better at all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We work in the following structural  conditions: capitalism, racism, sexism, gender relations and  heteronormativity, homophobia, transphobia, nation state setting and  nationalism, postcolonialism, post-fascist Germany, anti-semitism,  ableism and other power structures that we consider to be very entangled  with each other. We continuously have to organize financial means to  keep the infoshop alive. As individuals, we are in the privileged  position to actually be able to do self-organized politics; however,  this position is constantly threatened, because of the necessity to sell  our own labor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; The answer to that question would absorb the  entire article.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;How do you use “We” when you  speak? For whom are you speaking?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; “We” are young queer and lesbian feminist women.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; For me, the word “we”  stands for all oppressed persons. I don’t only consider women to be a  subject of feminism. “We” is all the oppressed, the discriminated, the  victims of violence. “We” represents those who are against the ruling  powers. Identities are transformable, we have multiplex identities. Some  of these identities can also represent power, and at the same time we  can be oppressed with one of our other identities. Feminism, and  different feminisms, can be very enriching in many respects.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Identity politics are a complex field. I am  against any victimization of identity. For example, people from  countries in the so-called West often ask us how it is to be gay in a  muslim country. I ask back: “Well, how is it to be gay in a catholic  country?” Attempts to victimize our identity and to stabilize the  hierarchy between ‘western’ and muslim countries are colonial. But  sometimes, identity can be very important, especially when somebody  tells you that your identity doesn’t exist at all, or that it is sick.  Of course then I will speak up and say, “I am trans”, and I stand by my  identity. At the same time, we say, “We are Kurdish”, “We are Armenian”.  Many Kurdish LGBTs give up their LGBT identity because they fight for  their Kurdish identity. The domestic violence that many Kurdish women  experience within their families is another example. They don’t talk  about it – in light of the violence by the Turkish state that they  experience, they don’t see domestic violence as violence. For them, it’s  more important to fight for Kurdish independence and for their rights  as Kurdish persons. This is why it can be important to make identities  visible and to defend them, if they aren’t taken into account or  ignored. But at the same time, it’s very important to not exclude other  identities.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; There’s a queer theorist in Sidney called Linnell  Secomb, who says about  queer: “Queer is not an identity category, it’s a process of the  continuous disruption of any notion of there being a norm.” In this  sense, our „we“ includes not only LGBTIQ&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;, but people who question structures of  society, the categorization and the discrimination against people based  on the hierarchy of categories.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; The LGBT community, representants of the  Russian civil society and citizens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We use “we” only when we speak about the  infoshop’s organizing committee. We think it’s problematic to construct a  categorial “we”, because this means that some people will be included  into a collective “we” without being asked if they want to (“we the  women”, for example), while others will be excluded. We reject the  concept of paternalistically speaking for others, but of course, our  claims point to the transformation of the overall conditions in this  society (and other societies). In doing this, we try to be undogmatic  and self-reflexive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; We are a non-mixed lesbian, trans and gay  collective, and we don’t want to “speak in the name of x”. Our  identities as lesbians, trans* and gays are one of our starting points,  but not the only one. We don’t feel it’s our vocation to represent all  LGBTs. We don’t agree with a part of the LGBT community and of feminist  collectives in France, and in these contexts, our positions are  minoritarian. We oppose the instrumentalization of feminism for racist  aims. This became obvious in the debates around the law concerning the  burka and the headscarf, in the discussion regarding the French army’s  intervention in order to “liberate” Afghan women, and in the general  stigmatization of the poor project suburbs and the migrants who live  there, and who are said to be primarily responsible for sexism and  homophobia in France. Another point where we are different from other  collectives is our position regarding the struggles of sex workers. Some  mainstream feminists claim abolitionist positions, which leads to the  exclusion of feminist sex workers from demonstrations. Moreover, the  essentialist feminists don’t acknowledge trans* persons’ claims.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; Sometimes, “we” refers to my friends and me,  sometimes to all those who are fighting on our side of the barricades.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; We speak for the women – “the women” as a  category that was produced through the oppression by men, as a category  that will live on as long as its oppression, which is why we aspire for  it to disappear. Until then, we’ll speak for women – with beards. “We”  are those women who are willing to fight for the “people of the women”  and to make fun of women’s situation at the same time, just like we make  fun of the attributes of – male – power.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Where do you want to push  the boundaries of the political? Which struggles do you want to make  visible?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; I am intrigued by debates on identity  politics.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; To  abolish heterosexual taste? This year we participated in our own way in  the debate on national identity. We puked in front of Eric Besson,  Minister of &#039;Immigration, Integration, National Identity and  Mutually-Supportive Development.&#039; We disrupted events with Christine  Botin (a catholic homophobe who has been ranting and raving for years)  and demanded that she shut up and quit speaking on our behalf. We  participated in &lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the Existrans  website&quot;&gt;&lt;em&gt;Existrans&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, a demonstration by trans people and  their supporters. We marched on March 8, May 1, December 1 (World AIDS  Day), and at Sans-Papiers demonstrations. Usually we participate as part  of the pink block, thus gaining visibility as trans, lesbian, and gay  in social movements predominantly concerned with social cuts (retirement  pay, health care, education, etc). We want to bring pleasure to these  demonstrations, where there is usually way too much heterosexism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; I&#039;m not sure I understand the question. For  me, politics comprises the private and the public, the local and the  global domain, that is: everything. Thus, politics, as I see it, has no  limits. I engage in a collective struggle in several areas: I support  and unite with those who fight against capitalism, sexism, violence,  war, and heterosexism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Sexuality is political in a society that  distinguishes correct and legit sexuality from wrong, criminal or  perverse sexuality. As long as homosexuality and bisexuality are not  &#039;normal&#039; and not protected by the state, sexuality and gender identity  are political and will remain part of the struggle for equal rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi  Perempuan:&lt;/strong&gt; Our work builds on queer feminist ideas and  aims at the empowerment of young lesbian women. The first step was to  create a safe space for young lesbians in Jakarta. Due to the existing  norms, culture, and religion, lesbians in general are stigmatized as  sinners. Such conditions hinder them from coming out and sharing their  problems, feelings, and concerns. Our initiative started with a mailing  list, which gave young lesbians access to important information on  reproductive rights, psychological support, and their political and  social rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The work of the institute starts from the assumption  that young lesbians can and should be actively involved in the struggle  for the rights of sexual minorities. We think that young people are the  people of the future and because of that it is very important to  empower them for the future of activism. The Institute&#039;s approach is  EduFunTainment (education, fun and entertainment): We organize sport  events, such as boxing and dancing clubs. Members of the Institute  Pelangi Perempuan frequently have not been politically active before.  Therefore, a language aimed at young people is used since we think it is  important to present politics as cool in order to introduce young  people to it.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A special activity is the &lt;em&gt;lez skul&lt;/em&gt; on the  weekends, where young lesbian women learn about gender, feminism, and  LGBT issues. For this, we collaborate with the Gender and Sexuality  Department of the University of Indonesia, with some feminist activists,  and different transgender groups in Jakarta.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Our main aim is to denounce the dominance of  men over women in all aspects of society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our second aim is to claim some of the political,  artistic, media, and economic power – in the name of some absurd  principle of justice, and because power will simply go on doing what it  does until you grab hold of it.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our third aim is to question gender categories, which  are always repressive. Some facial hair and – Oops! – you&#039;re in  command? If that is so, we want to grow beards and join the club.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our fourth aim is to laugh about all this, about the  categories, the prominent men, and about their world. We want to make  visible &#039;man&#039; as a category, with all the clubs and privileges that  entails.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;We fight for women, but women are not our concern. We  aim our feminist gaze at men, at their privileges, their love of  co-optation, their reclusiveness, their perpetual self-appraisal, their  contempt for the rest of the world, and at their power, which must be  wrested from them. If as a result of this fight people realize that men –  white, rich, healthy men – rule the world, and if this realization in  turn unhinges the categories, that would be fantastic.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Everything is political!!!!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd: &lt;/strong&gt;Globally we can see that women, the poor, but  also queers are usually affected most by political conflicts and crises  (environmental, resources, education, etc). The struggles by minorities,  by the unheard and unwanted are always struggles for solidarity and an  inclusive society. We are part of these struggles and support them.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;We have a comprehensive view of human rights. We  try to respect all human rights without hierachizing them. However, what  often happens in activist work – and I really find this disturbing – is  that people come up with a list and define themselves as antiracist,  antisexist, anticapitalist, anti-this and anti-that, without having the  faintest clue as to what all this stands for. It&#039;s like a dresscode to  them. We rather try and put all these issues on our agenda, in our  everyday political work.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Which networks do you work  with?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok: &lt;/strong&gt;We work with local and international  LGBT networks, human rights networks, and film festival networks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Feminist, queer, and political  networks, as well as those created all around us through our various  repeated attacks. These days we no longer need to fish around for our  targets – women approach us and request our interventions in their  spaces.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi: &lt;/strong&gt;We are in contact with organized and  autonomous feminists, organized LGBTT&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&amp;nbsp; groups,  autonomous lesbian groups, anti-militarists, pro-feminist men, queer  groups, the Kurdish women&#039;s movement, environmental groups, human rights  groups, conscientious objectors, and similar networks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.: &lt;/strong&gt;For us, our info shop is a networking  space.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;We are mainly connected with queer,  feminist, and anti-sexist individuals, initiatives, information centers,  and alliances. Additionally, we work with non-commercial collectives.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi  Perempuan:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Locally, we work with various feminist  groups. We are also part of the Indonesian young feminist network and  the Indonesian LGBT forum. These organizations are in close contact with  different human rights groups and feminist groups in other Muslim  countries. IPP is also part of &lt;a href=&quot;http://www.iglyo.com&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the IGLYO  website&quot;&gt;IGLYO&lt;/a&gt; (International LGBTIQ youth organization) and &lt;a href=&quot;http://ilga.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the ILGA website&quot;&gt;ILGA&lt;/a&gt; (International LGBTIQ Association),  and the Executive Director of Institut Pelangi Perempuan is one of the  board members of ILGA Asia.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; &lt;a href=&quot;http://www.chtodelat.org&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the website  of Chto Delat&quot;&gt;Chto Delat&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://streetuniver.narod.ru&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the  website of Street University&quot;&gt;Street University&lt;/a&gt;, Blue Spot  Amsterdam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses: &lt;/strong&gt;Feminists, social movements, the  radical left, the anarchist movement, the &lt;a href=&quot;http://www.ueeh.net&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the UEEH website&quot;&gt;UEEH&lt;/a&gt; (the Euro-Mediterranean Summer University of Homosexualities, taking  place in Marseille each year), we don&#039;t like working alone! We regularly  participate in networks and collectives. Right now, we are part of &lt;a href=&quot;http://www.egalitedesdroits.fr&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the  website of Égalité des Droits&quot;&gt;&lt;em&gt;Égalité  des Droits&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, a network dedicated to legal  equality for lesbians, trans and gay people. In France, approximately 40  groups are&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;part of &lt;em&gt;Égalité des Droits.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;We have close ties to other social  movements. Lambda volunteers are usually engaged in further political  work: in anarchist groups, in women&#039;s collectives, in the environmental  movement… Our cultural center is used by other groups for meetings.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Queer Beograd: &lt;/strong&gt;We work with different feminist, LGBT,  anti-fascist, no-border, antiracist and artist networks, both  regionally and internationally. In general we consider alliances and  co-operations as crucial to emancipative work. In order not to stay in a  box, we try to keep an open mind for different groups and issues.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;What will have changed in  ten years concerning gender norms and hierarchies? What do you hope for?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi: &lt;/strong&gt;I hope that 10 years from now my  country will be less violent and that it will have come closer to  achieving peace. I hope that femicide and hate crimes will be reduced,  and that women and LGBTT people will have equal rights. I hope I will  live in a society that does not constantly remind me that I am  woman-lesbian-trans-kurdish-disabled-etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; The label &#039;feminist&#039; will be a sign of pride  once again. It will be cool to have hairy legs, to be a &#039;frustrated  lesbian&#039; and burn bras. Everyday sexism will decline and make room for  lesbians, gays, and all BTIs&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;. Women will be confident and pursue their aims  with determination while society respects them. Men will question their  privileges, and sex characteristics will lose their hallowed status.  Movements will spring from everywhere, protesting legal and factual  inequalities as well as the gender categories that perpetuate them.  Institutions and social and professional structures will change  drastically and open up new possibilities for women, trans people,  people of color, and for everyone who does not fit the norm, new modes  of being and interacting.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;I think, we won’t be able to stop homophobia  within the next ten or fifteen years. But what’s really important is to  find allies and to support each other.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Make love – make riots!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; That&#039;s a difficult question. Building  communities and networks is a long-term project and sometimes painfully  slow. Shifting gender norms and hierachies – changing the heterosexual  matrix – takes even longer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;But looking at changes in the Serbian discourse on  queer people and their rights since we started the group five years ago,  we can see how much impact grassroots work has. It&#039;s empowering to see  that groups or communities are very powerful when they stick to their  radical politics and direct action (in all their diversity).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;If in 10 years queer kids in the Balkans can come  out unafraid and without being considered sick by the majority of  society, that is something to fight and hope for.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This year, despite fascist threats, the first  Belgrade Pride since 2001 took place. Hopefully in 2020 we will  celebrate its 10th anniversary.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok: &lt;/strong&gt;We hope that homophobia and transphobia will  decline or even vanish – in Russian and globally; that women will have  equal rights; that people will be able to live their identities and  still be accepted; that the value of human life will be respected in  Russia and elsewhere; that there will be less violence and more  dialogue; that the state will serve the people and not the other way  around.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO: &lt;/strong&gt;I  hope that women will be more like sisters to each other. I hope that  they stop killing gay and lesbian people in my country. I hope that  queers, migrants, women, disabled people, and the unemployed will come  together and create a revolution against neoliberal, postindustrial,  postfordist capitalism. Stop artificial alienation from each other!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; It  is hard to say what will have changed in ten years, because the  situation in Indonesia constantly changes, and very rapidly so. Much  depends on what government Indonesia will have then. First of all, we  hope and fight for better protection for LGBT people. We hope for a  government that clearly commits to the protection of queer and LGBT  minorities. Our goal is to fight for a heterogeneous and pluralist  country, which condemns all forms of discrimination against LGBT and  other minorities.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; We would love to be able to say that by 2020  gender and male dominance have been abolished, but… &lt;em&gt;la panthère&lt;/em&gt; never dreams, she attacks!&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_qogdly3&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_qogdly3&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender /  transsexual, I = intersexual, Q = queer&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/getting-rid-of-the-straight-taste&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/getting-rid-of-the-straight-taste&quot; dc:title=&quot;Getting Rid of the Straight Taste&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/605&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/605  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/43/getting-rid-of-the-straight-taste#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/deutschland">Deutschland</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/frankreich">Frankreich</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/indonesien">Indonesien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/radikalelinke">RadikaleLinke</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/russland">Russland</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/serbien">Serbien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/tuerkei">Türkei</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/online-artikel">Online Artikel</category>
 <pubDate>Sat, 25 Dec 2010 14:10:05 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">605 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? (Langversion)</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in   Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder   des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir   Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische   queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar    häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der    konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.    Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen    Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu    erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren    Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit    queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in    Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken    zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander   zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,   St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt. &lt;span&gt;Die Antworten könnt ihr hier in voller Länge lesen!&lt;/span&gt; Die &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;zur Kurzversion&quot;&gt;gekürzte Druck-Version&lt;/a&gt; sowie eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in   Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder   des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir   Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische   queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar    häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der    konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.    Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen    Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu    erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren    Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit    queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in    Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken    zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander   zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,   St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt. &lt;span&gt;Die Antworten könnt ihr hier in voller Länge lesen!&lt;/span&gt; Die &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;zur Kurzversion&quot;&gt;gekürzte Druck-Version&lt;/a&gt; sowie eine&amp;nbsp;&lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Was sind eure Wurzeln? An welche sozialen Kämpfe knüpft ihr an?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; In meinen Wurzeln gibt es keinen Kampf. In meiner Familie und in meiner Vergangenheit gab es weder eine Opposition noch einen sozialen Kampf. Mit 27 bin ich zum ersten Mal aus eigenem Willen einer feministischen Organisation beigetreten. Ich befinde mich heute immer noch in derselben Organisation, hinterfrage das Patriarchat und versuche, mir meine Freiheit aufzubauen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Panthères Roses sind 2002 gegründet worden. Le Pen ist damals in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen gelangt. Eine neue Rechte tauchte auf, die uns bis heute regiert – hart, mit Sicherheitspolitik und Populismus auf dem Programm und sehr offensiv gegen persönliche Freiheiten und soziale Errungenschaften agierend. Zu diesem Zeitpunkt sahen wir die Notwendigkeit, eine Gruppe zu gründen, die sich an der Schnittstelle von LGBT&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_33ieals&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer&quot; href=&quot;#footnote1_33ieals&quot;&gt;1&lt;/a&gt;-Bewegung und sozialen Bewegungen befindet. Auch wenn wir keine Wurzeln einfordern (Wurzeln hören sich ein bisschen zu biologistisch und monokausal an): Wir kommen nicht von nirgendwo her, unsere Aktionen schreiben sich in die Kämpfe von LGBT ein, wir beziehen uns auf radikalen Lesbianismus (Monique Wittig), feministischen Materialismus, Antirassismus und Antikapitalismus. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;In erster Linie sind wir eine radikale Queer-Gruppe, die für ein Zusammenleben auf Grundlage von Selbstdefinition und Einschluss kämpft. Wir richten uns gegen die traditionellen heteronormativen und patriarchalen Normen, was voraussetzt, dass auch andere Unterdrückungsformen und Strukturen der Gesellschaft thematisiert werden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Mitglieder von QueerBeograd haben unterschiedliche (politische/kulturelle/Klassen-) Hintergründe, aber wir sind alle tief in der feministischen antiautoritären antikapitalistischen Bewegung verwurzelt; dass wir queer sind, bestimmt/beeinflusst die Weise, wie wir Politik machen. Einige von uns sind Künstler_innen oder kulturell tätig, einige sind seit langem in antifaschistischen oder antirassistischen Strukturen aktiv und andere sind in lokalen feministischen und LBGT-Gruppen organisiert.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dadurch sind wir mit verschiedenen anderen Kämpfen verbunden und arbeiten mit LGBT-Gruppen, feministischen Gruppen, No-Border-Gruppen, antirassistischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Gruppen zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Unsere Zusammenarbeit reicht vom Solidarisieren über gemeinsame Kampagnen oder Projekte bis zum Austausch über unsere politischen Ansichten und finanzielle Unterstützung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich bin in der UdSSR aufgewachsen und habe meine Jugend während der Zeit der Perestroika verbracht. Ich habe erlebt, wie meine Eltern kämpfen mussten, ihre Jobs, Identität, Freunde und gesellschaftliche Stellung verloren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;La Barbe&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; hat sich für ihren Ansatz inspirieren lassen durch die Texte von Delphy und Wittig, durch Bewegungen wie das MLF (&lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Mouvement de libération des femmes&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, &#039;Befreiungsbewegung der Frauen&#039;), natürlich durch lesbische Gruppen wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Lesbian Avengers&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, politische wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Billionaires for Bush&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, künstlerische wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Guerilla Girls&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und vor allem aktivistische - die Gründerinnen stammen aus der Gruppe &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Act Up Paris&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;. Wir berufen uns auf ein dreifaches Erbe: feministisch, lesbisch und künstlerisch. Wir verorten uns in der Mitte des Schießplatzes, auf dem sich mitunter die &#039;klassischen&#039; Feministinnen des &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und Gruppen aus der Queer-Bewegung gegenüber stehen. Im Übrigen legen wir Wert darauf, dass wir symbolisch dem Schoß von Eric Zemmour – homophob, sexistisch, rassistisch und stolz darauf – entsprungen sind. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir knüpfen an den Kampf für die Anerkennung der Unantastbarkeit des Menschen an: Der Staat darf nicht das Private reglementieren, dem Menschen diktieren, was er machen darf und soll und was nicht, solange sein Handeln die Rechte der anderen nicht verletzt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Bei Lambda definieren wir uns als Feminist_innen und Antimilitarist_innen. Die LGBT-Bewegung und die feministische Bewegung hatten von Anfang an sehr enge Verbindungen. Im Sinne des Antimilitarismus ist Lambda in engem Kontakt mit dem &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Conscientious Objection Movement&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; (Bewegung von Kriegsdienstverweigerern): Wir haben selbst ein sehr aktives Mitglied, das Kriegsdienstverweigerer war und schwul ist. Er war ein Jahr im Knast und wurde gefoltert. Außerdem definiert sich Lambda als gewaltlose Gruppe, das bedeutet Gewaltlosigkeit in der Praxis. Wir unterstützen zum Beispiel die kurdische Bewegung, aber nicht die Guerilla. Die kurdische Bewegung ist die einzige – wie auch die kurdische Partei im Parlament die einzige Partei ist –, die die Politik und Positionen der LGBT unterstützt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir knüpfen an einige (nicht-differenz-)feministische, queere, anti-sexistische, anti-rassistische, post-koloniale, anti-kapitalistische Kämpfe an. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir sind Teil der queer-feministischen Bewegung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeitet ihr? Und wie haben sich Neoliberalismus und die globalen Krisen auf diese ausgewirkt?&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Häh? Verstehe die Frage nicht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind aktuell von den aufstrebenden islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Indonesien geprägt, wobei es diesbezüglich starke regionale Unterschiede gibt. Seit einiger Zeit gibt es immer wieder offene Aggressionen und Angriffe auf LGBT-Gruppen, zum Beispiel auf einer Konferenz, die wir im März 2010 organisiert haben. Diese Vorfälle haben uns und unsere Arbeit sehr beeinflusst, weil wir uns nicht mehr sicher fühlen. Homosexualität gilt als sexuelle Störung und wird in vielen Regionen Indonesiens zunehmend kriminalisiert – und nicht nur von islamistischen Organisationen. Auch die indonesische Regierung erkennt queere Lebensformen und LGBT-Gruppen nicht offiziell an und diskriminiert sie in der Gesetzgebung. Im Jahr 2008 hat die indonesische Regierung ein Anti-Pornografie-Gesetz verabschiedet, das unter anderem die strafrechtliche Verfolgung jeglicher Veröffentlichungen zu queeren Themen und Homosexualität vorsieht.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gleichzeitig ist es uns wichtig, uns gegen Islamfeindlichkeit zu engagieren und entsprechende Kampagnen zu unterstützen, weil wir meinen, dass nicht „der“ Islam für die zunehmende Aggression gegen queere Menschen verantwortlich ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Der Neoliberalismus beeinflusst uns negativ, indem er die Begriffe inflationiert. Globale Krise und Neoliberalismus führen dazu, dass wir unsere Projekte nicht verwirklichen, dass wir sehr langsam vorankommen und dass wir mit sehr wenigen Menschen viel mehr Arbeit leisten müssten, so dass wir noch mehr ermüden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Panthères Roses&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; sind ein eingetragener Verein, dadurch können wir Demonstrationen anmelden. Wir versuchen, so horizontal wie möglich zu funktionieren, wir haben keine Vorsitzende oder keinen Vorstand, sondern entscheiden kollektiv in unseren öffentlichen wöchentlich stattfindenden Vollversammlungen. Wir sind unabhängig und erhalten keine Subventionen, wir beschaffen uns selbst die Kohle, die wir brauchen, indem wir Sticker oder T-Shirts verkaufen oder Soli-Events organisieren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Was die Effekte des Neoliberalismus betrifft: Viele von uns müssen immer mehr arbeiten und verdienen immer weniger, die Mieten sind völlig überteuert, es ist schwierig, die Zeit und den Willen für politischen Aktivismus zu finden. Der Kontext ist ein französischer Neoliberalismus, der von einer ziemlich extremen Rechten geführt wird, die uns ihre politische Agenda vorschreibt. In Paris sind wir nicht viele, die organisiert sind, und es gibt sehr wenige selbstbestimmte Orte. Homophobie, Lesbophobie und Transphobie sind ausgeprägt (momentan sind die Katholiken besonders aggressiv). &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Gruppe wurde 2005 gegründet, als sich Serbien infolge der 1990er Jahre immer noch in einer schwierigen ökonomischen Situation befand. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in prekären Verhältnissen, und das gilt auch für die meisten unserer Gruppenmitglieder. Das ist wichtig, weil von der finanziellen Situation abhängt, wer es sich überhaupt leisten kann, politisch aktiv zu sein. Das ist eine fortlaufende Diskussion. Von einem feministischen Standpunkt aus versuchen wir, Strukturen zu schaffen, in denen Arbeit bezahlt wird und Teilnehmer_innen unserer Festivals bei den Reisekosten und der Unterbringung unterstützt werden, weil sie sich die Teilnahme ohne finanzielle Unterstützung kaum leisten können.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein großer Teil der feministischen und LGBT-Gruppen in Serbien wird von internationalen Geldgebern finanziert. Ohne diese Unterstützung wäre ein großer Teil der politischen Arbeit auf dem Balkan nicht möglich. Die Krise hat die sowieso schon prekäre soziale Situation im Land noch verschärft.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir selbst beantragen Unterstützung nur bei Geldgebern, die wir als ethisch einschätzen. In gleichem Maße erhalten wir dankenswerte Unterstützung durch solidarische Graswurzel-Spendenaktionen. Unsere Mitglieder arbeiten seit Jahren ohne Bezahlung, was Auswirkungen auf unser alltägliches Leben mit der prekären Arbeits- und Wohnsituation hat. Wir bemühen uns, eine beständigere Praxis zu finden, aus persönlichen Gründen, aber auch, damit unsere Politik langfristig aufrecht erhalten werden kann.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dennoch sind wir durch unsere ziemlich unabhängige Praxis in der Lage gewesen, unsere eigene Aktivität und Politik zu entwickeln, den Einfluss von Geldgebern abzuwehren und eine autonome Perspektive zu bewahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir leben in einer Gesellschaft, die stark von der Willkür unserer Regierung abhängig ist. Die &lt;/span&gt;&lt;span&gt;administrativen Entscheidungen der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Regierung sind &lt;/span&gt;&lt;span&gt;unberechenbar und intransparent. So ist der Versuch oft müßig, Beamte in Verhandlungen und Gesprächen über das Filmfestival zu informieren und einen offenen Dialog zu schaffen. Zum Beispiel wurde uns in Archangelsk von der Stadtverwaltung versichert, dass das Festival ok sei und die Regierung nichts dagegen unternehmen werde. Eine halbe Stunde nach diesem Gespräch haben uns Spielorte abgesagt – weil Polizisten in die Clubs gekommen waren und ihnen mit administrativen Sanktionen gedroht haben. Die Medien werden kontrolliert und zensiert, besonders das Fernsehen. Es gibt eine &lt;/span&gt;&lt;span&gt;passive, konsumierende eingeschüchterte Mehrheit in der Gesellschaft, die nicht an die Möglichkeit positiver Veränderungen glaubt und nicht über die reale Situation und die Missachtung der Menschenrechte im Land informiert ist. Auch die zunehmenden Versuche der orthodoxen Kirche, Einfluss zu nehmen, tragen dazu bei, dass es nicht einfach für uns ist, unsere Arbeit zu machen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Vieles hängt mit der ökonomischen Situation eines Landes zusammen. Jedes Land muss die eigene Wirtschaft am Laufen halten. Ein Beispiel in der Türkei ist die Armee. Die Türkei ist der größte Abnehmer deutscher Waffen. Das ist ein Grund, weshalb der Krieg zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Minderheit weitergehen muss. Wir müssen einsehen, dass es das System ist, das gewalttätig ist. Und unter dem Neoliberalismus ist es nicht gerade besser geworden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir arbeiten unter folgenden strukturellen Bedingungen: Kapitalismus, Rassismus, Sexismus, Geschlechterverhältnis und Heteronormativität, Homophobie, Transphobie, Nationalstaatlichkeit und Nationalismus, Post-Kolonialismus, post-faschistisches Deutschland, Antisemitismus, Ableism, und andere Machtstrukturen, die unserer Ansicht nach eng miteinander verwoben sind. Für die Erhaltung des Infoladens müssen wir ständig finanzielle Mittel auftreiben. Als Individuen sind wir zwar in der privilegierten Position, selbstorganisierte Politik machen zu können, diese Position ist allerdings ständig durch den Zwang, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen, etc. bedroht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Zur Beantwortung dieser Frage wäre ein ganzer Artikel nötig …&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Wie benutzt ihr das &lt;/span&gt;‚&lt;span&gt;Wir&lt;/span&gt;‘&lt;span&gt;, wenn ihr sprecht? Für wen sprecht ihr?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;„Wir“ sind junge queere und lesbische feministische Frauen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Das Wort „Wir“ steht für mich für alle Unterdrückten. Ich sehe nicht nur die Frauen als ein Subjekt des Feminismus. „Wir“, das sind alle Unterdrückten, die Diskriminierten, die Gewaltopfer. Wer gegen die Macht ist, wird durch das „Wir“ symbolisiert … Identitäten sind veränderbar, wir haben multiplexe Identitäten. Einige von diesen Identitäten können auch die Macht symbolisieren und zugleich können wir mit einer anderen Identität aber auch unterdrückt werden. Feminismus und die verschiedenen Feminismen können in vieler Hinsicht eine Bereicherung darstellen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Identitätspolitik ist ein komplexes Feld. Ich bin gegen jegliche Viktimisierung von Identität: Beispielsweise werden wir oft von Leuten aus so genannten westlichen Ländern gefragt, wie es ist, in einem muslimischen Land schwul zu sein. Ich frage dann zurück: „Hm, wie ist es denn, in einem katholischen Land schwul zu sein?“ Versuche, unsere Identität zu viktimisieren und die Hierarchie zwischen &#039;westlichen&#039; und muslimischen Ländern zu stabilisieren, sind koloniale Verhaltensweisen. Aber manchmal kann Identität sehr wichtig sein, besonders wenn jemand dir erzählt, dass deine Identität gar nicht existiert oder krank ist. Da gehe ich natürlich hin und sage „ich bin trans“, und ich stehe zu dieser Identität. Gleichzeitig sagen wir „wir sind kurdisch“, „wir sind armenisch“. Viele kurdische LGBT-Menschen geben ihre LGBT-Identität auf, weil sie für ihre kurdische Identität kämpfen. Ein anderes Beispiel ist die häusliche Gewalt, die viele kurdische Frauen in ihren Familien erleben. Sie sprechen nicht darüber – sie betrachten sie nicht als Gewalt angesichts der Gewalt, die sie durch den türkischen Staat erfahren. Es ist für sie wichtiger, für die kurdische Unabhängigkeit zu kämpfen und für ihre Rechte als kurdische Menschen. Daher kann es, wenn Identitäten nicht gesehen oder ignoriert werden, wichtig sein, Identitäten sichtbar zu machen und zu verteidigen. Aber es ist sehr wichtig, gleichzeitig keine anderen Identitäten auszuschließen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Es gibt eine queere Theoretiker_in in Sydney, Linnell Secomb, die &#039;queer&#039; folgendermaßen definiert: „Queer ist keine Identitätskategorie, sondern das kontinuierliche Stören jeglicher Form von Normativität“. In diesem Sinne schließt unser &#039;Wir&#039; nicht nur LGBTIQ&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt; ein, sondern alle Menschen, die die hegemonialen Strukturen unserer Gesellschaft sowie die auf Hierarchien basierende Kategorisierung und Diskriminierung von Menschen in Frage stellen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Die LGBT-Community, Vertreter_innen der russischen Zivilgesellschaft und Bürger_innen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir benutzen das &#039;Wir&#039; nur für uns als Orga-Gruppe des Infoladens. Ein kategoriales &#039;Wir&#039; zu konstruieren finden wir problematisch, weil dadurch manche Menschen, ohne gefragt zu werden, in ein kollektives &#039;Wir&#039; (wie beispielsweise &#039;Wir Frauen&#039;) eingeschlossen werden, andere wiederum daraus ausgeschlossen werden. Ein paternalistisches Sprechen für andere lehnen wir ab, jedoch zielen unsere Forderungen selbstverständlich auf die Veränderung gesamtgesellschaftlicher Zustände. Dabei versuchen wir, undogmatisch und reflektiert zu bleiben. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir sind eine nicht-gemischte Lesben-, Trans- und Schwulen-Gruppe, und wir wollen nicht „im Namen von … sprechen“. Wir gehen von unseren Identitäten als Lesben, Trans und Schwule aus, aber nicht nur. Wir fühlen uns nicht berufen, alle LGBT zu repräsentieren. Wir sind mit einem Teil der LGBT-Community und feministischen Gruppen in Frankreich uneins, und unsere Positionen sind in diesen Zusammenhängen Minderheitenpositionen. Wir wenden uns gegen eine Instrumentalisierung des Feminismus für rassistische Ziele. Das hat sich bei den Debatten um die Gesetze zum Kopftuch und zur Burka gezeigt, bei der Diskussion über die Intervention der französischen Armee zur „Befreiung“ der afghanischen Frauen und bei der generalisierenden Stigmatisierung der Vororte und der dort lebenden Migrant_innen als diejenigen, die in erster Linie für Sexismus und Homophobie in Frankreich verantwortlich seien. Ein anderer Punkt, der uns von anderen Gruppen unterscheidet, ist unsere Position zu den Kämpfen von Huren. Einige &#039;Mainstream&#039;-Feminist_innen vertreten eine abolitionistische Position, die dazu führt, dass feministische Huren aus Demos ausgeschlossen werden. Die essentialistischen Feminist_innen erkennen außerdem die Forderungen von Trans nicht an. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Manchmal sind „wir“ meine Freund_innen und ich, manchmal alle, die auf unserer Seite der Barrikade kämpfen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir sprechen für die Frauen. Die Frauen als eine Kategorie, die der Unterdrückung durch die Männer entsprungen ist, eine Kategorie, die so lange fortbestehen wird wie ihre Unterdrückung und deren Verschwinden wir also anstreben … bis dahin sprechen wir durchaus für die Frauen … mit Bart. &#039;Wir&#039; sind jene Frauen, die bereit sind, für das &#039;Volk der Frauen&#039; zu kämpfen und sich zugleich über die Lage der Frauen (&lt;/span&gt;&lt;span&gt;la condition féminine&lt;/span&gt;&lt;span&gt;) lustig zu machen, so wie über die Attribute der – männlichen – Macht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Wo wollt ihr die Grenzen des Politischen verschieben? Welche Kämpfe wollt ihr sichtbar machen?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ich finde die Debatten über Identitätspolitik spannend.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? Dieses Jahr haben wir auf unsere Art an der Debatte zur „nationalen Identität“ teilgenommen, indem wir vor Eric Besson, Minister für „Immigration, Integration, nationale Identität und solidarische Entwicklung“, gekotzt haben. Wir haben eine Diskussionsveranstaltung mit Christine Botin (homophobe Katholikin, die seit Jahren wütet) gestört und sie aufgefordert zu schweigen und nicht mehr an unserer Stelle zu sprechen, wir waren bei &lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Existrans-Webseite&quot;&gt;Existrans&lt;/a&gt;&lt;span&gt; dabei, der Demo der Trans und derer, die sie unterstützen. Wir waren zum 8. März auf der Straße, am 1. Mai und am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, und bei Sans-Papiers-Demos. Wir gehen oft als Pink Block, was uns als Trans, Lesben und Schwule innerhalb großer Demos der sozialen Bewegungen sichtbar macht, die momentan besonders aktiv gegen die Angriffe auf das Sozialsystem (Renten, Gesundheitssystem, Bildung etc.) sind. Wir wollen es uns auch gut gehen lassen bei diesen Demos, in denen es oft zu viel heterosexistisches Verhalten gibt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ganz klar ist mir die Frage nicht. Politik beinhaltet für mich jedenfalls den privaten &lt;/span&gt;&lt;span&gt;und&lt;/span&gt;&lt;span&gt; den öffentlichen, den lokalen &lt;/span&gt;&lt;span&gt;und&lt;/span&gt;&lt;span&gt; den globalen Bereich, also alles. Daher hat die Politik, die ich mache, keine Grenzen. Ich führe einen kollektiven Kampf auf mehreren Plattformen: Ich solidarisiere und vereinige mich mit denjenigen, die gegen Kapitalismus, Sexismus, Gewalt, Krieg, Heterosexismus sind.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Sexualität wird politisch, wenn es in der Gesellschaft einerseits „richtige“ und „geschützte“ Sexualität gibt und andererseits „falsche“, „verbrecherische“, „perverse“ Sexualität. Solange Homo- und Bisexualität nicht „normal“ sind und vom Staat nicht geschützt werden, bleibt das Thema der Sexualität und der Gender-Identität politisch und ein Teil des Kampfes für gleiche Rechte und für den Schutz vor Diskriminierung. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unsere Arbeit orientiert sich an queer-feministischen Ideen und hat das Empowerment junger lesbischer Frauen zum Ziel. Der erste Schritt unserer Politik bestand darin, einen sicheren Raum für junge lesbische Frauen in Jakarta zu gründen, denn nach den geltenden Normen und auf Grund von Kultur und Religion werden Lesben als Sünderinnen stigmatisiert. Diese Bedingungen hindern sie an ihrem Coming Out und daran, über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen. Unsere Initiative startete mit einer Mailingliste, die jungen lesbischen Frauen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffte, zum Beispiel über ihre sexuellen, sozialen und politischen Rechte sowie über psychologische Unterstützung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die grundlegende Annahme für unsere Arbeit lautet, dass junge Lesben aktiv in die Kämpfe um die Rechte sexueller Minderheiten involviert sein können und sollten. Und wir meinen, dass die jungen Leute die Menschen der Zukunft sind und es deshalb sehr wichtig ist, sie zu befähigen, politisch aktiv zu werden. Unser Ansatz ist &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;EduFunTainment&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; (Education, fun and entertainment): Wir organisieren Sport wie zum Beispiel Boxen, Tanzclubs und andere Veranstaltungen. Die Mitglieder des Instituts müssen vorher nicht politische aktiv gewesen sein, daher benutzen wir eine für Jugendliche zugängliche Sprache. Wir meinen, Politik muss cool sein, wenn junge Leute damit etwas anfangen können sollen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Eine besondere Aktivität ist die &lt;em&gt;lez skul&lt;/em&gt; an den Wochenenden. Dabei erfahren junge lesbische Frauen einiges über Feminismus und Gender- und LGBT-Themen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit der Fakultät Gender und Sexualität der Universität von Indonesien, einigen feministischen Aktivistinnen und verschiedenen Transgender-Gruppen in Jakarta zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unser Hauptziel lautet, ganz einfach die Herrschaft der Männer über die Frauen in allen Bereichen des Handelns anzuprangern. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das zweite Ziel besteht darin, nebenbei einen Teil der politischen, künstlerischen, medialen, finanziellen etc. Macht einzufordern – im Namen eines albernen Gerechtigkeitsprinzip, und weil die Macht so lange klarkommt, wie man sie nicht ergreift. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das dritte besteht darin, die Geschlechterkategorien und ihren grundlegend repressiven Charakter in Frage zu stellen. Ein paar Haare am Kinn und – hopp! – machst Du die anderen alle? Wenn das so aussieht, dann wollen wir uns gerne Bärte wachsen lassen und Teil des Clubs werden. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das vierte Ziel besteht darin, über all dies zu lachen, über die Kategorien, über die mächtigen Männer und über die Welten, die sie unter sich erschaffen haben. Die Kategorie &#039;Mann&#039; sichtbar zu machen mit ihren Clubs und ihrer Kultur des Prestiges etc. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir kämpfen für die Frauen, aber die Frauen und ihre Lage sind nicht unser Thema. Wir wollen den feministischen Blick auf die Männer lenken, auf ihre Privilegien, ihre Vorliebe für die Kooptation, ihr Unter-sich-Bleiben, ihre Fähigkeit sich selbst zu gratulieren, ihre Verachtung für den Rest der Welt und ihre Macht, die ihnen entrissen werden muss. Wenn die Menschen sich im Zuge dessen darüber klar werden, dass es Männer – weiße – reiche – gesunde – sind, die ihre Welt lenken, und daraus die Überwindung der entgegengesetzten Kategorien resultiert – um so besser.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Everything is political!!!!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Überall auf der Welt sehen wir, dass meist die Armen, Frauen und ebenso queere Menschen am stärksten von Konflikten und Krisen (der Umwelt, Ressourcen, Bildung...) betroffen sind. Die Kämpfe der Minderheiten, der nicht Gehörten und Unerwünschten sind immer Kämpfe für eine solidarische und einschließende Gesellschaft. Auch wir gehören dazu und unterstützen diese Kämpfe.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir haben ein sehr umfassendes Verständnis der Menschenrechte, wir versuchen alle Menschenrechte zu berücksichtigen und sie nicht unterschiedlich zu gewichten. Was wir in der Politik häufig beobachten können – ich finde das wirklich verstörend –, ist, dass Leute eine Liste erstellen und sich als antirassistisch, antisexistisch, antikapitalistisch und viele andere &#039;Anti&#039;s beschreiben, aber in Wirklichkeit keine Idee davon haben, was all diese &#039;Anti&#039;s bedeuten. Es ist eine Art Dresscode. Wir versuchen, diese Themen wirklich auf unsere Agenda zu setzen, in unserer täglichen politischen Arbeit.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Welche Netzwerke nutzt ihr?&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Wir nutzen lokale und internationale Netzwerke der LGBT-Community, von Menschenrechtsorganisationen und von Filmfestivals.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Feministische, queere, politische Netzwerke sowie diejenigen, die um uns herum durch unsere wiederholten Angriffe auf den gleichen Sektor entstehen. Heute müssen wir uns unsere Ziele nicht mehr selber suchen – die Frauen kommen selbst zu uns, um uns zu bitten, in ihrem Bereich zu intervenieren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir haben Kontakt zu organisierten Feministinnen, autonomen Feministinnen, organisierten LGBTT&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt;, autonomen lesbischen Gruppen, Anti-Militarist_innen, pro-feministischen Männern, queeren Gruppen, der kurdischen Frauenbewegung, der Umwelt-Bewegung, Menschenrechtsvertreter_innen, Kriegsdienstverweigerern und ähnlichen Netzwerken.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir verstehen den Infoladen als Ort der Vernetzung. Wir sind hauptsächlich mit queeren, feministischen, antisexistischen Einzelpersonen, Initiativen und Beratungsstellen vernetzt und in Bündnissen organisiert. Darüber hinaus arbeiten wir mit kollektiven und nicht-kommerziellen Gruppen zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Lokal arbeiten wir mit verschiedenen anderen feministischen Gruppen zusammen, außerdem sind wir Teil des Indonesischen Netzwerks junger Feministinnen und des Indonesischen LGBT-Forums. Sie stehen in engem Kontakt mit verschiedenen Menschenrechtsgruppen und feministischen Gruppen in anderen muslimischen Ländern. Institut Pelangi Perempuan ist auch Mitglied in der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.iglyo.com/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur IGLYO-Webseite&quot;&gt;IGLYO&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (Internationale LGBTIQ-Jugendorganisation) und der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://ilga.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur ILGA-Webseite&quot;&gt;ILGA&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (Internationale LGBTIQ-Vereinigung), und unser Institutsdirektor sitzt im Gremium der asiatischen Sektion der ILGA.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt; &lt;a href=&quot;http://www.chtodelat.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite von Chto Delat&quot;&gt;Chto Delat&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;, &lt;a href=&quot;http://streetuniver.narod.ru/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der Street University&quot;&gt;Street University&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;, Blue Spot Amsterdam.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Feminist_innen, soziale Bewegungen, die Linke der Linken, die anarchistische Bewegung, die &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.ueeh.net/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur UEEH-Webseite&quot;&gt;UEEH&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (euro-mediterrane Sommeruni der Homosexualitäten, die jeden Sommer in Marseille stattfindet) – wir arbeiten nicht gerne allein! Wir tun uns oft in Netzwerken oder Kollektiven mit anderen Gruppen zusammen. Momentan sind wir Teil des Netzwerks &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.egalitedesdroits.fr/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite von Égalité des Droits&quot;&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Égalité des Droits&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;span&gt; für Rechtsgleichheit von Lesben, Trans und Schwulen, darin organisieren sich etwa 40 Gruppen in Frankreich. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir haben enge Verbindungen zu anderen sozialen Bewegungen. Unsere Mitglieder sind meist auch noch in anderen politischen Gruppen aktiv, in anarchistischen Gruppen, in Frauenkollektiven, in der Umweltbewegung&lt;/span&gt;…&lt;span&gt; Andere Gruppen nutzen unser Kulturzentrum für ihre Treffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir arbeiten mit verschiedenen regionalen und internationalen feministischen Netzwerken, LGBT-Netzwerken, antifaschistischen und No-Border-Netzwerken sowie antirassistischen und Künstler-Netzwerken zusammen. Wir sehen Bündnisse und Kooperation als wesentlich für emanzipatorische Arbeit an. Um nicht in unseren Problemen verhaftet zu bleiben, versuchen wir, uns Offenheit für andere Gruppen und Themen zu bewahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Was sind eure Hoffnungen? Was wird sich in den nächsten zehn Jahren verändert haben?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ich wünsche mir, dass man sich in den kommenden 10 Jahren in meinem Land dem Frieden noch etwas nähert und sich von Gewalt entfernt, dass die Frauenmorde, Hassmorde abnehmen, dass die Frauen und LGBTT ihre Rechte erlangen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ich nicht mehr daran erinnert werde, dass ich Frau-Lesbe-Trans-Kurd_in-behindert etc. bin. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Dass die Bezeichnung &#039;Feministin&#039; wieder Anlass für Stolz wird, dass es wieder hip wird, Haare an den Beinen zu haben, &#039;frustrierte Lesbe&#039; zu sein und BHs zu verbrennen, und dass der ganz normale Sexismus zurückgeht, um Platz zu machen für die Lesben, die Schwulen und all die BTI&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt;. Dass Frauen selbstsicher werden und ihre eigenen Ziele verfolgen, dass die Gesellschaft sie respektiert und ihnen Raum lässt. Dass die Männer ihre Privilegien in Frage stellen und dass die Geschlechtsattribute ihren Heiligenstatus verlieren. Dass überall Bewegungen entstehen, die gegen die rechtlichen und faktischen Ungleichheiten protestieren sowie gegen die Geschlechterkategorien, die diese fortbestehen lassen. Dass sich die Zusammensetzung der Institutionen, der sozialen und beruflichen Strukturen massiv verändert und damit für Frauen, für Trans-Menschen, für &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Persons of Color&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und für alle, die nicht in die Norm passen, neue Möglichkeiten entstehen, neue Weisen des Seins und des Miteinander-Umgehens. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich denke, wir werden nicht in der Lage sein, Homophobie innerhalb der nächsten zehn oder fünfzehn Jahren zu stoppen. Aber es ist sehr wichtig, sich zusammen zu schließen und sich gegenseitig zu unterstützen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Make love - make riots!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Das ist eine schwierige Frage. &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Communities&lt;/span&gt;&lt;span&gt; und Netzwerke aufzubauen dauert lange. Gendernormen und -hierarchien zu verschieben – die heterosexuelle Matrix zu verändern – dauert noch länger.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Doch der Diskurs in der serbischen Gesellschaft über queere Menschen und ihre Rechte hat sich deutlich gewandelt, seit wir die Gruppe vor fünf Jahren gegründet haben. Dies zeigt, wie wirkungsvoll Graswurzelarbeit sein kann. Es ist vielversprechend und macht Mut, dass Gruppen oder &lt;/span&gt;&lt;span&gt;communities&lt;/span&gt;&lt;span&gt; sehr machtvoll sein können, wenn sie ihre radikale Politik und direkten Aktionen (in aller Vielfalt) weiterverfolgen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wenn in zehn Jahren queere Kinder auf dem Balkan ohne Angst ihr Coming-out haben können, ohne von der Mehrheit der Bevölkerung als krank angesehen zu werden, dann ist es das wert, dafür zu kämpfen und darauf zu hoffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;In diesem Jahr findet die erste Pride-Parade in Belgrad seit 2001 statt, ohne dass sie wegen faschistischer Drohungen abgesagt werden muss. Vielleicht können wir 2020 den zehnten Geburtstag feiern.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unsere Hoffnungen sind, dass Homophobie und Transphobie nachlassen oder gar verschwinden – in Russland und international. Dass Frauen die gleichen Möglichkeiten und Rechte genießen können. Dass Menschen ihre Identitäten frei ausleben können und alle Identitäten akzeptiert werden. Dass in Russland und international der Wert des menschlichen Lebens größer wird. Dass es weniger Gewalt gibt und Menschen es schaffen, sich durch Worte zu verständigen. Dass der Staat der Gesellschaft dient und nicht andersherum.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich hoffe, dass Frauen mehr wie Schwestern zueinander sind. Ich hoffe, dass sie in meinem Land aufhören, schwule und lesbische Menschen umzubringen. Ich hoffe, dass Queers, Migrant_innen, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Angestellte, die ihren Job verloren haben, zusammenkommen, um eine Revolution gegen den neoliberalen, postindustriellen, postfordistischen Kapitalismus zu erschaffen. Stoppt die künstliche Entfremdung voneinander!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Schwer zu sagen, was sich in zehn Jahren verändern haben wird. Die Situation in Indonesien ändert sich in der letzten Zeit immer sehr schnell. Es hängt davon ab, wie die indonesische Regierung dann aussehen wird. In erster Linie hoffen und kämpfen wir für besseren Schutz von LGBT-Menschen. Wir hoffen auf eine Regierung, die sich klar zum Schutz und zur Legalisierung von Queer- und LGBT-Minderheiten bekennt. Unser Ziel ist ein vielfältiges und pluralistischen Land, das alle Formen der Kriminalisierung und Diskriminierung von LGBT- und anderer Minderheiten in Indonesien verurteilt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir würden gerne sagen können, dass bis 2020 Gender und männliche Dominanz abgeschafft sind, aber … die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;panthère&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; attackiert, sie träumt nicht!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_33ieals&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_33ieals&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; dc:title=&quot;Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? (Langversion)&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/604&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/604  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/deutschland">Deutschland</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/frankreich">Frankreich</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/indonesien">Indonesien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/radikalelinke">RadikaleLinke</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/russland">Russland</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/serbien">Serbien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/tuerkei">Türkei</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/online-artikel">Online Artikel</category>
 <pubDate>Sat, 25 Dec 2010 14:06:59 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">604 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Den heterosexuellen Geschmack abschaffen?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar  häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der  konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.  Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen  Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu  erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren  Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit  queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in  Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken  zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul, St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt und servieren  euch an dieser Stelle eine Kostprobe der Antworten. Eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;zur Langversion&quot;&gt;ausführlichere Version&lt;/a&gt; und deren &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt   eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in Nischen, anstelle   des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder des professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir Anlauf   für eine lebendige, breite, antikapitalistische queerfeministische   Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar   häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der   konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.   Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen   Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu   erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren   Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit   queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in   Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken   zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander  zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,  St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt und  servieren  euch an dieser Stelle eine Kostprobe der Antworten. Eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;zur Langversion&quot;&gt;ausführlichere Version&lt;/a&gt; und deren &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Was sind eure Wurzeln? An welche sozialen Kämpfe knüpft ihr an?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; In meinen Wurzeln gibt es keinen Kampf. In  meiner Familie und in meiner Vergangenheit gab es weder eine Opposition  noch einen sozialen Kampf. Mit 27 bin ich zum ersten Mal aus eigenem  Willen einer feministischen Organisation beigetreten. Ich befinde mich  heute immer noch in derselben Organisation, hinterfrage das Patriarchat  und versuche, mir meine Freiheit aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Die Panthères Roses sind 2002  gegründet worden. Le Pen ist damals in die zweite Runde der  Präsidentschaftswahlen gelangt. Eine neue Rechte tauchte auf, die uns  bis heute regiert – hart, mit Sicherheitspolitik und Populismus auf dem  Programm und sehr offensiv gegen persönliche Freiheiten und soziale  Errungenschaften agierend. Zu diesem Zeitpunkt sahen wir die  Notwendigkeit, eine Gruppe zu gründen, die sich an der Schnittstelle von &lt;span&gt;&lt;span&gt;LGBT&lt;/span&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_oqalgcj&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot; href=&quot;#footnote1_oqalgcj&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;-Bewegung und sozialen Bewegungen befindet. Auch wenn wir keine  Wurzeln einfordern (Wurzeln hören sich ein bisschen zu biologistisch und  monokausal an): Wir kommen nicht von nirgendwo her, unsere Aktionen  schreiben sich in die Kämpfe von LGBT ein, wir beziehen uns auf  radikalen Lesbianismus (Monique Wittig), feministischen Materialismus,  Antirassismus und Antikapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir berufen uns auf ein dreifaches Erbe:  feministisch, lesbisch und künstlerisch. Wir verorten uns in der Mitte  des Schießplatzes, auf dem sich mitunter die &#039;klassischen&#039; Feministinnen  des &lt;em&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/em&gt; und Gruppen aus der Queer-Bewegung gegenüber stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Wir knüpfen an den Kampf für die Anerkennung  der Unantastbarkeit des Menschen an: Der Staat darf nicht das Private  reglementieren, dem Menschen diktieren, was er machen darf und soll und  was nicht, solange sein Handeln die Rechte der anderen nicht verletzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Bei Lambda definieren wir uns als  Feminist_innen und Antimilitarist_innen. Die LGBT-Bewegung und die  feministische Bewegung hatten von Anfang an sehr nahe Verbindungen. Im  Sinne des Antimilitarismus ist Lambda in engem Kontakt mit dem &lt;em&gt;Conscientious Objection Movement&lt;/em&gt; (Bewegung von Kriegsdienstverweigerern): Wir haben selbst ein sehr  aktives Mitglied, das Kriegsdienstverweigerer war und schwul ist. Er war  ein Jahr im Knast und wurde gefoltert. Außerdem definiert sich Lambda  als gewaltlose Gruppe, das bedeutet Gewaltlosigkeit in der Praxis. Wir  unterstützen zum Beispiel die kurdische Bewegung, aber nicht die  Guerilla. Die kurdische Bewegung ist die einzige – wie auch die  kurdische Partei im Parlament die einzige Partei ist –, die die Politik  und Positionen der LGBT unterstützt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Wir knüpfen an einige  (nicht-differenz-)feministische, queere, anti-sexistische,  anti-rassistische, post-koloniale, anti-kapitalistische Kämpfe an&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeitet ihr? Und  wie haben sich Neoliberalismus und die globalen Krisen auf diese  ausgewirkt?&amp;nbsp;&lt;/h4&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt; Die Bedingungen, unter denen wir  arbeiten, sind aktuell von den aufstrebenden  islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Indonesien beeinflusst,  wobei es diesbezüglich starke regionale Unterschiede gibt. Seit einiger  Zeit gibt es immer wieder offene Aggressionen und Angriffe auf  LGBT-Gruppen, zum Beispiel auf einer Konferenz im Frühjahr 2010. Diese  Vorfälle haben uns und unsere Arbeit sehr beeinflusst, weil wir uns  nicht mehr sicher fühlen. Homosexualität gilt als sexuelle Störung und  wird in vielen Regionen Indonesiens zunehmend kriminalisiert – und nicht  nur von islamistischen Organisationen. Auch die indonesische Regierung  erkennt queere Lebensformen und LGBT-Gruppen nicht offiziell an und  diskriminiert diese in der Gesetzgebung. Im Jahr 2008 hat die  indonesische Regierung ein Anti-Pornografie-Gesetz verabschiedet, das  unter anderem die strafrechtliche Verfolgung jeglicher  Veröffentlichungen zu queeren Themen und Homosexualität vorsieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Die &lt;em&gt;Panthères Roses&lt;/em&gt; sind  ein eingetragener Verein, dadurch können wir Demonstrationen anmelden.  Wir versuchen, so horizontal wie möglich zu funktionieren, wir haben  keine Vorsitzende oder keinen Vorstand, sondern entscheiden kollektiv in  unseren öffentlichen wöchentlich stattfindenden Vollversammlungen. Wir  sind unabhängig und erhalten keine Subventionen, wir beschaffen uns  selbst die Kohle, die wir brauchen, indem wir Sticker oder T-Shirts  verkaufen oder Soli-Events organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Effekte des Neoliberalismus betrifft: Viele von uns müssen immer  mehr arbeiten und verdienen immer weniger, die Mieten sind völlig  überteuert, es ist schwierig, die Zeit und den Willen für politischen  Aktivismus zu finden. Der Kontext ist ein französischer Neoliberalismus,  der von einer ziemlich extremen Rechten geführt wird, die uns ihre  politische Agenda vorschreibt. In Paris sind wir nicht viele, die  organisiert sind, und es gibt sehr wenige selbstbestimmte Orte.  Homophobie, Lesbophobie und Transphobie sind ausgeprägt (momentan sind  die Katholiken besonders aggressiv).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Die Mehrheit der serbischen Bevölkerung  lebt in ökonomisch prekären Verhältnissen, so wie auch die meisten  unserer Gruppenmitglieder. Dieser Umstand ist wichtig, weil er sich  darauf auswirkt, wer es sich überhaupt leisten kann, politisch aktiv zu  sein. Das ist eine andauernde Diskussion. Aus einer feministischen  Perspektive versuchen wir, Bedingungen zu schaffen, in denen Personen  für ihre Arbeit bezahlt werden, und durch finanzielle Unterstützung  (Reisekosten, Unterkunft) der Teilnehmer_innen unserer Festivals dem  Ausschluss aufgrund ökonomischer Verhältnisse entgegenzuwirken.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Wie benutzt ihr das &#039;Wir&#039;, wenn ihr sprecht? Für wen sprecht ihr?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Identitätspolitik ist ein komplexes  Feld. Ich bin gegen jegliche Viktimisierung von Identität:  Beispielsweise werden wir oft von Leuten aus so genannten westlichen  Ländern gefragt, wie es ist, in einem muslimischen Land schwul zu sein.  Ich frage dann zurück: „Hm, wie ist es denn, in einem katholischen Land  schwul zu sein?“ Versuche, unsere Identität zu viktimisieren und die  Hierarchie zwischen &#039;westlichen&#039; und muslimischen Ländern zu  stabilisieren, ist eine koloniale Verhaltensweise. Aber manchmal kann  Identität sehr wichtig sein, besonders wenn jemand dir erzählt, dass  deine Identität gar nicht existiert oder krank ist oder etwas anderes.  Da gehe ich natürlich hin und sage „ich bin trans“, und ich stehe zu  dieser Identität. Gleichzeitig sagen wir „wir sind kurdisch“, „wir sind  armenisch“. Viele kurdische LGBT-Menschen geben ihre LGBT-Identität auf,  weil sie für ihre kurdische Identität kämpfen. Ein anderes Beispiel ist  die häusliche Gewalt, die viele kurdische Frauen zu Hause erleben. Sie  sprechen nicht darüber – sie betrachten sie nicht als Gewalt angesichts  der Gewalt, die sie durch den türkischen Staat erfahren. Es ist für sie  wichtiger, für die kurdische Unabhängigkeit zu kämpfen und für ihre  Rechte als kurdische Menschen. Daher kann es, wenn Identitäten nicht  gesehen oder ignoriert werden, wichtig sein, Identitäten sichtbar zu  machen und zu verteidigen. Aber es ist sehr wichtig, gleichzeitig keine  anderen Identitäten auszuschließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Es gibt eine queere Theoretiker_in in  Sydney, Linnell Secomb, die &#039;queer&#039; folgendermaßen definiert: Queer ist  keine Identitätskategorie, sondern das kontinuierliche Stören jeglicher  Form von Normativität“. In diesem Sinne schließt unser &#039;Wir&#039; nicht nur  LGBTIQ&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt; ein, sondern alle Menschen, die die hegemonialen Strukturen  unserer Gesellschaft sowie die auf Hierarchien basierenden  Kategorisierungen und Diskriminierung von Minderheiten in Frage stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Wir benutzen das &#039;Wir&#039; nur für uns als  Orga-Gruppe des Infoladens. Ein kategoriales &#039;Wir&#039; zu konstruieren  finden wir problematisch, weil dadurch manche Menschen, ohne gefragt zu  werden, in ein kollektives &#039;Wir&#039; (wie beispielsweise &#039;Wir Frauen&#039;)  eingeschlossen werden, andere wiederum daraus ausgeschlossen werden. Ein  paternalistisches Sprechen für andere lehnen wir ab, jedoch zielen  unsere Forderungen selbstverständlich auf die Veränderung  gesamtgesellschaftlicher Zustände. Dabei versuchen wir, undogmatisch und  reflektiert zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Wir sind eine nicht-gemischte  Lesben-, Trans- und Schwulen-Gruppe und wir wollen nicht „im Namen von …  sprechen“. Wir gehen von unseren Identitäten als Lesben, Trans und  Schwule aus, aber nicht nur. Wir fühlen uns nicht berufen, alle LGBT zu  repräsentieren. Wir sind mit einem Teil der LGBT-Community und  feministischen Gruppen in Frankreich uneins, und unsere Positionen sind  in diesen Zusammenhängen Minderheitenpositionen. Wir wenden uns gegen  eine Instrumentalisierung des Feminismus für rassistische Ziele. Das hat  sich bei den Debatten um die Gesetze zum Kopftuch und zur Burka  gezeigt, bei der Diskussion über die Intervention der französischen  Armee zur „Befreiung“ der afghanischen Frauen und bei der  generalisierenden Stigmatisierung der Vororte und der dort lebenden  Migrant_innen als diejenigen, die in erster Linie für Sexismus und  Homophobie in Frankreich verantwortlich seien. Ein anderer Punkt, der  uns von anderen Gruppen unterscheidet, ist unsere Position zu den  Kämpfen von Huren. Einige &#039;Mainstream&#039;-Feminist_innen vertreten eine  abolitionistische Position, die dazu führt, dass feministische Huren aus  Demos ausgeschlossen werden. Die essentialistischen Feminist_innen  erkennen außerdem die Forderungen von Trans nicht an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir sprechen für die Frauen. Die Frauen als  eine Kategorie, die der Unterdrückung durch die Männer entsprungen ist,  eine Kategorie, die so lange fortbestehen wird wie ihre Unterdrückung  und deren Verschwinden wir also anstreben … bis dahin sprechen wir  durchaus für die Frauen … mit Bart.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Wo wollt ihr die Grenzen des Politischen verschieben? Welche Kämpfe wollt ihr sichtbar machen?&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Den heterosexuellen Geschmack  abschaffen? Dieses Jahr haben wir auf unsere Art an der Debatte zur  „nationalen Identität“ teilgenommen, indem wir vor Eric Besson, Minister  für „Immigration, Integration, nationale Identität und solidarische  Entwicklung“, gekotzt haben. Wir haben eine Diskussionsveranstaltung mit  Christine Botin (homophobe Katholikin, die seit Jahren wütet) gestört  und sie aufgefordert zu schweigen und nicht mehr an unserer Stelle zu  sprechen, wir waren bei &lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Existrans-Webseite&quot;&gt;Existrans&lt;/a&gt; dabei, der Demo der Trans und derer,  die sie unterstützen. Wir waren zum 8. März auf der Straße, am 1. Mai  und am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, und bei Sans-Papiers-Demos. Wir  gehen oft als Pink Block, was uns als Trans, Lesben und Schwule  innerhalb großer Demos der sozialen Bewegungen sichtbar macht, die  momentan besonders aktiv gegen die Angriffe auf das Sozialsystem  (Renten, Gesundheitssystem, Bildung etc.) sind. Wir wollen es uns auch  gut gehen lassen bei diesen Demos, in denen es oft zu viel  heterosexistisches Verhalten gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir wollen den feministischen Blick auf die  Männer lenken, auf ihre Privilegien, ihre Vorliebe für die Kooptation,  ihr Unter-sich-Bleiben, ihre Fähigkeit sich selbst zu gratulieren, ihre  Verachtung für den Rest der Welt und ihre Macht, die ihnen entrissen  werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Die Sexualität wird politisch, wenn es in  der Gesellschaft „richtige“ und „geschützte“ Sexualität gibt und  „falsche“, „verbrecherische“ „perverse“ Sexualität. Solange Homo- und  Bisexualität nicht „normal“ sind und vom Staat nicht geschützt werden,  bleibt das Thema der Sexualität und der Gender-Identität politisch und  ein Teil des Kampfes für die gleichen Rechte und den Schutz vor  Diskriminierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; Der erste Schritt unserer Politik  bestand darin, einen sicheren Raum für junge lesbische Frauen in Jakarta  zu gründen, denn nach den geltenden Normen und auf Grund von Kultur und  Religion werden Lesben als Sünderinnen stigmatisiert. Diese Bedingungen  hindern sie an ihrem coming out und daran, ihre Gefühle und Probleme zu  teilen. Unserer Initiative startete mit einer Mailingliste, die jungen  lesbischen Frauen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffte wie über  reproduktive und politische Rechte sowie über psychologische  Unterstützung. Die grundlegende Annahme für unsere Arbeit lautet, dass  junge Lesben aktiv in die Kämpfe um die Rechte sexueller Minderheiten  involviert sein können und sollten. Unser Ansatz ist &lt;em&gt;EduFunTainment&lt;/em&gt; (Education, fun and entertainment): Sport wie zum Beispiel Boxen, Tanzclubs und andere Veranstaltungen organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Was sind eure Hoffnungen? Was wird sich in den nächsten zehn Jahren verändert haben?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Ich denke, wir werden nicht in der  Lage sein, Homophobie innerhalb der nächsten 10 oder 15 Jahre zu  stoppen. Aber es ist sehr wichtig, sich zusammen zu schließen und sich  gegenseitig zu unterstützen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; Ich wünsche mir, dass man sich in den kommenden  10 Jahren in meinem Land dem Frieden noch etwas nähert und sich von  Gewalt entfernt, dass die Frauenmorde, Hassmorde abnehmen, dass die  Frauen und LGBTT&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt; ihre Rechte erlangen. Ich wünsche mir eine  Gesellschaft, in der ich nicht mehr daran erinnert werde, dass ich  Frau-Lesbe-Trans-Kurd_in-behindert etc. bin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Dass die Bezeichnung &#039;Feministin&#039; wieder  Anlass für Stolz wird, dass es wieder hip wird, Haare an den Beinen zu  haben, &#039;frustrierte Lesbe&#039; zu sein und BHs zu verbrennen, und dass der  ganz normale Sexismus zurückgeht, um Platz zu machen für die Lesben, die  Schwulen und all die BTI&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;. Dass Frauen selbstsicher werden und ihre  eigenen Ziele verfolgen, dass die Gesellschaft sie respektiert und ihnen  Raum lässt. Dass die Männer ihre Privilegien in Frage stellen und dass  die Geschlechtsattribute ihren Heiligenstatus verlieren. Dass überall  Bewegungen entstehen, die gegen die rechtlichen und faktischen  Ungleichheiten protestieren sowie gegen die Geschlechterkategorien, die  diese fortbestehen lassen. Dass sich die Zusammensetzung der  Institutionen, der sozialen und beruflichen Strukturen massiv verändert  und damit für Frauen, für Trans-Menschen, für &lt;em&gt;Persons of Color&lt;/em&gt; und für alle, die nicht in die Norm passen, neue Möglichkeiten entstehen, neue Weisen des Seins und des Miteinander-Umgehens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Der Diskurs in der serbischen  Gesellschaft über queere Menschen und ihre Rechte hat sich deutlich  gewandelt, seitdem wir die Gruppe vor fünf Jahren gegründet haben. Dies  zeigt, wie wirkungsvoll Graswurzelarbeit sein kann. Es ist  vielversprechend und macht Mut, dass Gruppen oder communities sehr  machtvoll sein können, wenn sie ihre radikale Politik und direkten  Aktionen (in aller Vielfalt) weiterverfolgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Wir würden gerne sagen können, dass bis 2020 Gender und männliche Dominanz abgeschafft sind, aber … die &lt;em&gt;panthère&lt;/em&gt; attackiert, sie träumt nicht!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_oqalgcj&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_oqalgcj&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; dc:title=&quot;Den heterosexuellen Geschmack abschaffen?&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/601&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/601  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/deutschland">Deutschland</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/frankreich">Frankreich</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/indonesien">Indonesien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/radikalelinke">RadikaleLinke</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/russland">Russland</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/serbien">Serbien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/tuerkei">Türkei</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 16:20:37 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">601 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Ich möchte Teil einer Risikogruppe sein</title>
 <link>https://arranca.org/43/ich-moechte-teil-einer-risikogruppe-sein</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Männer sterben früher als Frauen, betreiben zu wenig Prävention, leiden unter Wechseljahren-für-den-Mann – die Presse ist voll solcher Diagnosen. Das interessante und widersprüchliche Politikfeld Gesundheit wird durch die Geschlechterbrille noch interessanter und widersprüchlicher, zumal wenn diejenigen in den Blick geraten, die bisher gerade nicht als „Geschlechtswesen“ galten. Willkommen in der Debatte um Männergesundheit.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Männer sterben früher als Frauen, betreiben zu wenig Prävention, leiden unter Wechseljahren-für-den-Mann – die Presse ist voll solcher Diagnosen. Das interessante und widersprüchliche Politikfeld Gesundheit wird durch die Geschlechterbrille noch interessanter und widersprüchlicher, zumal wenn diejenigen in den Blick geraten, die bisher gerade nicht als „Geschlechtswesen“ galten. Willkommen in der Debatte um Männergesundheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Thema Männergesundheit wird auf verschiedene Arten mit geschlechterpolitischen Zielen und (anti)feministischen Argumenten verknüpft. Die einen sehen im Thema Männergesundheit einen „Türöffner“, ein Thema, das Männern Gleichstellungspolitik näher bringen kann: es soll ihnen anschaulich machen, inwiefern „Geschlecht“ sie direkt betrifft und ihnen eine Beschäftigung damit etwas bringen kann. Die anderen verweisen auf Problemfelder der Männergesundheit und sehen darin Belege für die Benachteiligung von Männern. Dass nicht genug unternommen werde, diese Probleme zu beheben, rechnen manche mit den Benachteiligungen von Frauen auf – in Wahrheit seien Männer das diskriminierte Geschlecht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Spannungsfeld stellt Männergesundheit ein zentrales Thema von Männerpolitik dar, weshalb eine Analyse politisch wichtig ist. In den letzten Jahren sind die Auseinandersetzungen um Gleichstellungspolitik und den Status von Männerpolitik generell intensiver geworden: So finden sich regelmäßig antifeministische Polemiken in der Mainstream-Presse. Die Gleichstellungsministerin Schröder entfernt sich noch weiter von jeglicher systematischer Gleichstellungsstrategie als ihre Vorgängerin von der Leyen und versucht sich gleichzeitig über eine angeblich neue „Jungen- und Männerpolitik“ zu profilieren. Um die Debatte um Männergesundheit besser verstehen zu können, lohnt es sich, einen Schritt zurück in die Geschichte der Verknüpfung von Geschlecht und Gesundheit zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Das geschlechtslose männliche bürgerliche Subjekt&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft wird die Gesundheit der Bevölkerung zur politischen Größe – sie wird statistisch erfasst und beispielsweise durch Hygiene zu beeinflussen versucht. Diese Biopolitik ist zum einen ökonomisch funktional, zum anderen entsteht in diesem gesundheitszentrierten Bezug auf den eigenen Körper ein bestimmtes Subjekt: das bürgerliche Subjekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bislang ist in diesem historischen Abriss Geschlecht nicht explizit genannt worden; das ist nicht zufällig so. Denn die zeitgenössischen Vorstellungen von Bürgern sowie Menschen waren androzentrisch, das heißt: Mensch bedeutete Mann und Mann bedeutete Mensch, und daneben gibt es noch Geschlechtswesen – Frauen. Die argumentativen Bemühungen, mit denen Frauen von den „Menschenrechten“ ausgeschlossen wurden oder ihnen aufgrund biologischer Merkmale bestimmte Eigenschaften zugeschrieben wurden, fasst die Soziologin Claudia Honegger als „weibliche Sonderanthropologie“ zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Frau als wandelndes Risiko mit 150 Jahren Vorsprung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Während der bürgerliche Mann die Norm eines geschlechtlich unmarkierten autonomen Subjekts mit einem rationalen, funktionalen Körperbezug darstellt, gelten Frauen als irrational, schwach, abhängig, unfähig zu diesem und jenem etc. pp. Sie seien determiniert durch ihren Körper; ja Krankheit und Körperlichkeit generell wurde mit Weiblichkeit, das heißt Unmännlichkeit verbunden. Dieser Androzentrismus ist nicht allein patriarchal gegen Frauen gerichtet, wie die Philosophin Andrea Maihofer betont, sondern diszipliniert gleichzeitig den bürgerlichen Mann und dient der Abgrenzung gegenüber Männern aus Adel, Arbeiterklasse und Bauernschaft. Die Disability Studies betonen zudem, dass diese bürgerlichen Autonomienormen massiv Menschen und Erfahrungen ausschließen. Abhängigkeit wird abgewertet und tabuisiert, obwohl sie – nicht nur im Fall von Kindern und alten Menschen – zutiefst menschlich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für die Betreuung der Körper ist die Medizin zuständig – und der bürgerliche Männerkörper galt als quasi geschlechtslose Norm, während der Frauenkörper zum Objekt der Medizin gemacht wurde. Durch diese „asymmetrische Medikalisierung“, wie es der Soziologe Torsten Wöllmann nennt, ist das gesamte Themenfeld Gesundheit bis heute stark vergeschlechtlicht. Doch es gab auch Widerstand.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Soziale Bewegungen rund um Gesundheit und Geschlecht&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In den Sozialen Bewegungen seit den 1960er Jahren wurde aus verschiedenen Perspektiven Kritik am Medizinsystem geäußert. Die Gesundheitsbewegung kritisierte Fremdbestimmung durch eine bürokratische, kontrollierende, ökonomisierte Medizin. Sie setzte dem klassisch biomedizinischen Gesundheitsverständnis als „Abwesenheit von Krankheit“ ein ganzheitlicheres Verständnis von Gesundheit entgegen, das Selbstbestimmung und Partizipation einschloss. Im Rahmen der feministischen Bewegungen skandalisierte die Frauengesundheitsbewegung die androzentrischen Traditionen der Biomedizin. Sie setzte dem pathologisierenden Blick des Experten eine auf Selbsterfahrung und Selbstbestimmung basierende Wiederaneignung des weiblichen Körpers entgegen. Sie baute Unterstützungsstrukturen wie Frauengesundheitszentren auf, die sich über die Jahre professionalisierten und ausdifferenzierten. Die Frauengesundheitsforschung untersuchte beispielsweise geschlechtsspezifische Krankheitsverläufe wie frauenspezifische Symptome bei Herzinfarkt, die häufig unerkannt geblieben waren. Auf diesem Weg gelang es, Geschlechterfragen in Medizin und Gesundheitswissenschaften einzubringen, bis hin in die staatliche Gesundheitsberichterstattung, so dass seit Ende der 1990er Jahre Frauengesundheitsberichte erarbeitet wurden. Dadurch öffneten sie zudem Türen, auch die gesundheitliche Lage von Männern durch die Geschlechterbrille zu betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Jetzt neu: Männer als Geschlechtswesen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In den 1970ern entstanden Männerbewegung(en) und Männergruppen als Reaktion auf die Frauenbewegungen, die Fragen des Geschlechterverhältnisses politisiert und dabei auch Kritik und Forderungen an Männer artikuliert hatten, sowie auf die Schwulenbewegung, die besonders die unhinterfragte Heterosexualität und Homophobie als Element von Männlichkeit kritisiert hatte. Manche Teile dieser Männerbewegungen verstanden sich als antisexistisch und (pro)feministisch, während andere sich unter dem Label „Maskulinismus“ gegen Feminismus verwehrten. Unterstützt und über den kleinen Kreis von Männergruppen hinaus verbreitet wurde dieser Diskurs durch das Genre der „Männerverständigungsliteratur“, wie es der Soziologe Michael Meuser nennt. Diese teils sehr erfolgreichen Bücher boten den Betroffenen Orientierungshilfe und Rat. Betroffene waren diejenigen Männer, denen „Fraglosigkeiten zumindest tendenziell abhanden“ kamen, und die sich deshalb darüber verständigen, was es heißt, nun Geschlechtswesen Mann zu sein. Dabei ging es zentral auch um Unzufriedenheit über Aspekte der traditionellen Männerrolle“. Dieser rollentheoretische Rahmen und die oft vereinheitlichenden Vorstellungen von Männern sind aus heutiger Sicht wenig überzeugend. Die Soziologin Raewyn Connell, eine der global bekanntesten Männerforscher_innen, betont dennoch den Einfluss dieser Bücher: „Einer der wenigen überzeugenden Aspekte der Männerrollenliteratur [...] ist die Auflistung der Probleme mit dem männlichen Körper, von Impotenz und Altern bis zu beruflichen Gesundheitsrisiken, Verletzungen durch Gewalttätigkeit, dem Verlust sportlichen Könnens und frühem Tod. Warnung: Die männliche Geschlechtsrolle kann Ihre Gesundheit gefährden.“ Auch diese Quelle speist also die Debatte um Männergesundheit.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Nachholende Medikalisierung der Männer&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Hinzu tritt eines der beliebtesten Spiele im Spätkapitalismus der gesättigten Märkte: die Zielgruppenausdifferenzierung. Warum nicht das gleiche Auto, das gleiche Telefon, das gleiche kalorienreduzierte Colagetränk nochmal rausbringen für eine geschlechtlich bestimmte Zielgruppe? Das klappt besonders überzeugend dort, wo an das alte Argument der aufgrund der Anatomie grundlegend unterschiedlichen Geschlechter angeknüpft werden kann, also besonders mit den Produkten, die irgendwie körpernah sind, wie Pflege- und Pharmaprodukte. Der Erfolg von Viagra hat es vorgemacht, und weitere Produkte wie Hormonersatztherapien für die männlichen Wechseljahre oder Anti-Aging-Präparate streben auf diesen Markt. In den Gesundheitswissenschaften wird bereits vor der Kommerzialisierung des Themas Männergesundheit gewarnt, und Wöllmann bilanziert: „Mit gut 150jähriger Verzögerung und unter gründlich gewandelten Bedingungen erobert die Biomedizin nach dem Frauenkörper nun den Männerkörper.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Männergesundheitsbewegte sollten entsprechenden Markterschließungsstrategien kritisch gegenüberstehen, statt die Versorgung auf diesem „Stand der Medizin“ zu fordern. Auffällig ist, wie diese Strategien an bestimmten Männlichkeitsnormen anknüpfen; sie schlagen Profit aus der Angst, ihnen nicht zu genügen. So geht es oft um das Altern, Nachlassen von Kräften, Potenzverlust, Autonomieverlust, bzw. das Versprechen, all dies medizinisch verhindern zu können. Hier wird genau die Medikalisierung von Prozessen des Lebens nachgeholt, der Frauen in der androzentrischen Medizin unterworfen waren.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Amalgam aus Biopolitik, (Anti)Feminismus und Selbstsorge&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Lage der Männergesundheit ist also von unterschiedlichsten politischen Entwicklungen beeinflusst: jahrhundertealte Androzentrismen, biopolitische Interessen, feministische Politisierung von Geschlechterfragen, Männerbewegungen verschiedener Couleur, kommerzielle Markterschließung. Entsprechend finden sich in den Bestandsaufnahmen und der Debatte die interessantesten Mischformen von Argumentationen. Die Überschneidungen dieser verschiedenen historischen und politischen Prozesse müssen für eine Kritik auf der Höhe der Zeit mitbedacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet, die historischen Hintergründe des Androzentrismus und seine heutigen Auswirkungen ernst zu nehmen. Sollten sich beispielsweise Männer am häufigeren Arztbesuch, an der niedrigeren „Arztschwelle“ von Frauen orientieren, oder ist diese nicht eher eine Folge von Medikalisierungen? Ist für die Ignoranz gegenüber bestimmten Problemen der Männergesundheit tatsächlich der Feminismus verantwortlich zu machen – oder nicht eher das Fortbestehen der dargestellten Männlichkeitsnormen, die die Thematisierung von Krankheit, Verletzlichkeit, Schwäche, Abhängigkeit verhindern? Diese Männlichkeitsnormen sind direkt mit Normen von Klasse, Behinderung/ Befähigung, Heterosexualität verbunden. Essentialisierende Diagnosen über „die Männer“ sind deshalb kaum überzeugend. Die geringere Lebenserwartung von Männern beispielsweise ist extrem stark durch ihre Klassenzugehörigkeit beeinflusst. In einem binären Verständnishorizont, in dem Benachteiligung nur als Nullsummenspiel zwischen zwei biologisch definierten Hälften der Bevölkerung gedacht werden kann, können solche Probleme weder benannt noch angegangen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kritische Perspektive auf das neoliberale Aufgreifen der gesundheitsbewegten Forderungen nach Selbstbestimmung darf auch nicht vergessen werden. Die Gesundheits-Unternehmer ihrer selbst unterstehen teils neuen, teils aus der Tradition bürgerlicher Subjektivität bekannten Normen der Eigenverantwortlichkeit, Rationalität und Autonomie. Dass Selbstsorge durchaus emanzipativ sein kann, sollte uns nicht über unser Misstrauen hinweggehen lassen, wenn sie von uns gefordert wird.&lt;/p&gt;


&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/43/ich-moechte-teil-einer-risikogruppe-sein&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/43/ich-moechte-teil-einer-risikogruppe-sein&quot; dc:title=&quot;Ich möchte Teil einer Risikogruppe sein&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/596&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/596  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/43/ich-moechte-teil-einer-risikogruppe-sein#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/gesundheit">Gesundheit</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/koerper">Körper</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/maennergesundheit">Männergesundheit</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 16:09:39 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">596 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Es waren zwei Königskinder</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/es-waren-zwei-koenigskinder</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Wenn es um queere Politiken geht, dreht es sich um Lesben, um Schwule, um Trans*-, manchmal sogar um Polyamorie, es geht um die Kritik an zweigeschlechtlicher Norm und deren sexuelle Zwänge. Queer ist wild, aufmüpfig und vielseitig und muss als Kritik am hegemonialen Identitätskonzept insgesamt verstanden werden. Gudrun Perko bezeichnet dieses Verständnis von Queer als plural-queeren Ansatz. Folge ich diesem Ansatz, sind Geschlechterkonstruktionen flüssig, veränderbar – deshalb werden in diesem Artikel Geschlechtsbezeichnungen in Anführungszeichen gesetzt. Dem Ansatz zu folgen bedeutet meines Erachtens außerdem, sich Gedanken zu machen, wie die Auseinandersetzung mit spezifisch ‚intersexuellen‘ Forderungen aussehen könnte, ohne in die Falle der Vereinnahmung zu tappen: ‚Intersex‘-Personen können für plural-queere Politiken eine willkommene Blaupause sein, um der biologischen Zweigeschlechtlichkeit als Machtkonzept ein Schnippchen zu schlagen. Die Forderungen der ‚Intersex‘-Aktivist_innen sind da jedoch häufig anders gelagert. &lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wenn es um queere Politiken geht, dreht es sich um Lesben, um Schwule, um Trans*-, manchmal sogar um Polyamorie, es geht um die Kritik an zweigeschlechtlicher Norm und deren sexuelle Zwänge. Queer ist wild, aufmüpfig und vielseitig und muss als Kritik am hegemonialen Identitätskonzept insgesamt verstanden werden. Gudrun Perko bezeichnet dieses Verständnis von Queer als plural-queeren Ansatz. Folge ich diesem Ansatz, sind Geschlechterkonstruktionen flüssig, veränderbar – deshalb werden in diesem Artikel Geschlechtsbezeichnungen in Anführungszeichen gesetzt. Dem Ansatz zu folgen bedeutet meines Erachtens außerdem, sich Gedanken zu machen, wie die Auseinandersetzung mit spezifisch ‚intersexuellen‘ Forderungen aussehen könnte, ohne in die Falle der Vereinnahmung zu tappen: ‚Intersex‘-Personen können für plural-queere Politiken eine willkommene Blaupause sein, um der biologischen Zweigeschlechtlichkeit als  Machtkonzept ein Schnippchen zu schlagen. Die Forderungen der ‚Intersex‘-Aktivist_innen sind da jedoch häufig anders gelagert.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Tacheles: Worum geht´s eigentlich?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Michel Reiter beschreibt die gesellschaftliche Wahrnehmung von ‚Intersexuellen‘ mit den Worten:&lt;br /&gt; „Unser verstümmeltes Geschlecht ist ein medizinisches Konstrukt, also  Theorie. So schob man uns von einem Nichts in das andere Nichts: Unser  Geschlecht, wie es uns angeboren wurde, hat keine gesellschaftliche Existenz.“&lt;br /&gt; Während Gynäkolog_innen die Verschreibung von Östrogenen bei ‚Frauen‘ – seien es beispielsweise die Pille oder Medikamente zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden – genauestens abwägen,  wird ‚intersexuellen‘ Menschen die lebenslange Einnahme von Hormonen  oft arglos zugemutet, wenn die körpereigenen Hormonproduzenten –  Hoden oder Eierstöcke – zur Herstellung eines eindeutigen Geschlechts-körpers entfernt werden und anschließend der Hormonverlust kom- pensiert werden muss. Auf diese Weise wird in die Körper ‚intersexueller‘ Personen massiv eingegriffen – nicht selten ohne die Einwilligung der Patient_innen selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit den 1990er Jahren werden Stimmen von ‚Intersex‘-Aktivist_innen zunehmend lauter. Was mit ersten Veröffentlichungen US-amerikanischer Selbsthilfegruppen 1993 beginnt, schwappt bald auch in den deutschsprachigen Raum. Initiativen wie die Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG) oder die XY-Frauen entstehen, letztere gründen 2004 &lt;a href=&quot;http://www.intersexuelle-menschen.net&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Intersexuelle Menschen e.V.&lt;/a&gt; Im Forderungskatalog des Vereins steht an erster Stelle der Punkt „Keine nicht lebens- oder gesundheits- notwendigen Eingriffe ohne informierte Einwilligung der betroffenen Menschen.“ Es folgen Forderungen nach „verbindlichen ‚Standards of Care‘ im Gesundheitswesen“, die „Einbeziehung des Themas ‚Intersexualität‘ in Lehrpläne von Schulen und Ausbildungsstätten für medizinisches Personal“ und die „Einbindung des Begriffs Intersexualität in geltendes Recht“. Für ‚Intersexuelle‘ steht damit das Recht auf körperliche Unversehrtheit an erster Stelle, anhand der verschiedenen Forderungen wird außerdem deutlich, dass die Existenz ‚intersexueller‘ Personen auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens verschleiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um sich mit weitergehenden Problematiken wie der Gewalt des kulturel- len Zweigeschlechtersystems überhaupt auseinandersetzen zu können,  ist somit die bedingungslose Anerkennung der Körperkategorie ‚intersex‘ als lebenswerte notwendig. Die medizinische Diagnose ‚intersexuell‘ bedeutet gegenwärtig, dass der diagnostizierten Person genitale Operationen bevorstehen und mit deren Durchführung der ‚intersexuelle‘  Körper so verändert wird, dass er in eine Norm passt: Der ‚intersexuelle‘ Körper wird als nicht existenzberechtigt klassifiziert und zerstört. Die medizinische Klassifikation ‚intersexuell‘ ist also untrennbar mit der Durchführung genitaler Operationen verbunden. Der Begriff ‚Intersexu-alität‘ als politischer, nicht medizinischer, beinhaltet also immer die  Kritik an der Gewalt gegen den ‚intersexuellen‘ Körper, nicht nur – und  nicht zwingend – den Aspekt der Verunsicherung hegemonialer Geschlechtskonzepte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;‚Intersexualität‘ als politisches Moment steht damit zunächst für die Auseinandersetzung mit der Verhinderung von Operationen im Genitalbereich, die die Betroffenen als Verstümmelung ihrer gesunden Körper ansehen. Weiter gedacht steht er damit für die Aufklärung von Eltern ‚intersexueller‘ Kinder und Mediziner_innen sowie für die Krisenintervention bei Betroffenen. Außerdem beinhaltet es die Aufrechterhaltung des Diskurses um genitale Operationen, denn seit der Einführung des Begriffes DSD (Disorders of Sex Development) 2006 wird es der Medizin noch leichter gemacht, ‚Intersexualität‘ als Krankheit zu diagnostizieren und ‚intersexuelle‘ Neugeborene einer der  zwei gültigen Geschlechtskategorien zuzuordnen oder gar bei pränatal diagnostizierter ‚Intersexualität‘ die Abtreibung des Ungeborenen vorzuschlagen. Last not least ist die ausschließende Zweigeschlechtlichkeit des Grundgesetzes zu kritisieren (Art. 3, Abs. 2 GG), die Basis diverser staatlicher Argumentationen gegen ‚intersex‘-Rechte ist. Daraus folgt die Kritik konkreter Umsetzungen des GG (bspw. PStG §§ 18 und 21, LPartG), um überhaupt die Bedingung der Möglichkeit für die Anerkennung ‚intersexueller‘ Rechte zu schaffen. &lt;br /&gt;Es muss also zunächst die Existenzberechtigung ‚intersexueller‘ Körper  gesichert werden. ‚Intersex‘-Politiken beinhalten nicht zwingend auch gleich die Auseinandersetzung mit der Kritik des kulturellen Systems der Zweigeschlechtlichkeit im Allgemeinen. Und damit wären wir bei den Reibungspunkten mit Queer-Aktivist_innen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wo ist der Haken?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Haken ist zunächst eigentlich ganz einfach zu beschreiben: Queere Politiken (im Sinne des plural-queeren Ansatzes) berücksichtigen ‚intersex‘-Personen, die sich als zwischengeschlechtlich identifizieren. Sie berücksichtigen, dass sich gegen eine kongruente Geschlechtsidentität im Sinne der hegemonialen Gesellschaft gestellt wird. In Flyern oder Texten zur Kritik der Zweigeschlechtlichkeit wird des Öfteren sogar die chirurgische Gewalt gegen ‚Intersexuelle‘ angerissen und  damit die Gewalt des zweigeschlechtlichen Systems untermauert. Selten  wird dagegen in queeren Texten auf die Forderungen von ‚Intersex‘ eingegangen. ‚Intersexuellen‘ geht es aber zunächst einmal unabhängig von ihrem Verständnis als geschlechtliche Wesen, also unabhängig davon, ob sie sich als geschlechtlich ein- oder mehrdeutig oder als nicht verortbar verstehen, um die Beendigung der Gewalt gegen ihre Körper und ein Aufwachsen ohne traumatisierende Gewalterfahrungen. So kann beim Lesen queerer Texte schon einmal der Eindruck entstehen, ‚Intersexuelle‘ werden lediglich als Beweis der gewaltvollen Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit angebracht aber nicht als Mitstreiter_innen mit eigenen Forderungen gesehen. Tatsächlich sucht mensch die oben genannten Dreh- und Angelpunkte ‚intersexueller‘ Politiken in den Veröffentlichungen oft vergeblich. Dass es richtig und gut ist, die Gewalt des Geschlechterverhältnisses zu kritisieren, soll an  dieser Stelle nicht in Frage gestellt werden. In Veröffentlichungen zu queeren  Politiken fehlt jedoch meist der explizite Hinweis auf die Gewalt an ‚intersexuellen‘ Körpern durch die gängige medizinische Praxis.&lt;br /&gt; Dabei gibt es verschiedene Stellen, wo sich die queere Argumentations-logik mit dem ‚Intersex‘-Aktivismus solidarisch verbinden ließe; nur leider wird das – gerade für die Aktivist_innen selbst – nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Für Queer-Aktivist_innen, die umfassend mit dem Konzept Queer vertraut sind und einem plural-queeren Ansatz folgen, liegt die Solidarität mit ‚Intersex‘-Personen auf der Hand. Wie lässt sich nun die angekündigte geschwisterliche Zusammenarbeit konzipieren?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Es waren zwei Königskinder … die konnten zusammen nicht kommen … oder doch?!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Queer-politische Solidarität mit ‚Intersex‘-Problematiken bedeutet  immer wieder die kritische Betrachtung eigener Handlungsstrategien aus einer privilegierten Position heraus – dies ist Queer-Aktivist_innen  innerhalb anderer Machtverhältnissen wie z. B. Weiß-Sein oder Klassen-zugehörigkeit bereits vertraut. Es muss ein Reden mit, nicht über ‚Intersex‘ stattfinden, damit die Politiken den nicht-privilegierten Positionen gerecht werden. Als im geschilderten Verhältnis privilegierte Position ist es folglich Aufgabe der Queers, an ‚Intersex‘-Aktivist_innen mit dem  Wunsch nach Zusammenarbeit heranzutreten und die Möglichkeit des  Zutritts zu ‚intersexuellen‘ Räumen zu erfragen (Foren, Veranstaltungen,  Stammtische etc.), statt darauf zu warten, dass vom Gegenüber die Initiative ergriffen wird, oder anstatt wohlgemeinte Einladungen in  spezifisch privilegierte queere Räume auszusprechen: ‚Intersex‘-Aktivist_innen wären in diesen Räumen gezwungen, sich als De-Privi- legierte zu unterwerfen und also ihre Politik – wie bisher – den Queer-Politiken nachzuordnen. Angemessene Herangehensweise ist somit eine Bitte um Zutritt zum ‚intersexuellen‘ Raum, die Bitte um Information über ‚Intersexualität‘ aus ihrer Perspektive und die Diskussion darüber, wie sich eine solidarische Zusammenarbeit gewünscht wird. Nur so ist es möglich, aus den bisherigen Begrenzungen herauszukommen und  eine angemessene Verbündetenpolitik zu entwickeln und zu praktizieren. Die Sichtbarmachung traumatisierender medizinischer Behandlungspraxen gegen ‚intersexuelle‘ Menschen und die konkrete Forderung  der Beendigung genitaler Operationen im Kleinkind- und Jugendalter muss selbstverständlichen Eingang in Queer-Politiken finden, und zwar  unabhängig vom Gender-Verständnis der Betroffenen. Sich als ‚weiblich‘ oder ‚männlich‘ verortende ‚Intersexuelle‘ sind ebenso Teil der Forderungen wie etwa ‚Zwitter‘, ‚Hermaphroditen‘ oder ‚Zwischen-geschlechter‘. Die bereits entwickelten antisexistischen Praxen queerfeministischer Politiken bieten Anknüpfungspunkte, zukünftig auch ‚Intersex‘-Personen als Betroffene sexualisierter Gewalt mitzudenken und sie zu beraten und zu unterstützen. Notwendig wäre meines Erachtens auch die Erarbeitung eines Konzeptes für den Umgang mit Betroffenen (kinder)chirurgischer sexualisierter Gewalt unter Zusammenarbeit mit ‚Intersex‘-Aktivist_innen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;‚Intersexualität‘ queer einzubeziehen heißt, die spezifischen Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen als eigenständige Dimension der (queeren) Identitätskritik. Die plural-queere Kritik an hegemonialen Identitätsentwürfen beinhaltet diese Dimension bereits indirekt, indem machtvolle Ausschlüsse und damit die gewaltvolle Verwerfung un-normierter Identitätsentwürfe angegriffen werden. Es fehlt bisher der explizite Verweis, dass im Namen einer normgerechten Geschlechts-identitätsentwicklung, die festgelegt wird von Medizin, Biologie und Psychologie, gewaltvoll in ‚intersexuelle‘ Körper eingegriffen wird –  eine solche Formulierung scheint mir präziser als der recht globale Verweis auf die Gewalt des Geschlechterverhältnisses.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sich die eigene privilegierte Position bewusst zu machen und das entsprechende Handeln folgen zu lassen, das Bewusstsein von der Normierungspraxis der Medizin an ‚intersexuellen‘ Körpern und ihren  intrinsischen Begründungslogiken, die Suche nach einer gemeinsamen  Sprache aufgrund von ähnlichen (jedoch nicht ohne weiteres ver-gleichbaren) Erfahrungen, indem von Seiten der Queers aktiv der Dialog mit Instanzen des ‚Intersex‘-Aktivismus gesucht wird, können Schritte einer geschwisterlichen Zusammenarbeit sein.&lt;/p&gt;


&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/es-waren-zwei-koenigskinder&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/43/es-waren-zwei-koenigskinder&quot; dc:title=&quot;Es waren zwei Königskinder&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/584&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/584  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/43/es-waren-zwei-koenigskinder#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/intersektionalitaet">Intersektionalität</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/intersexualitaet">Intersexualität</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/koerper">Körper</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queer">Queer</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/radikalelinke">RadikaleLinke</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 15:51:14 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">584 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Bodycheck und linker Haken</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-filefield field-field-cover&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;img src=&quot;https://arranca.org/files/arranca/imagecache/ausgabe_cover_teaser/cover43.jpg&quot; alt=&quot;&quot; title=&quot;&quot; width=&quot;195&quot; height=&quot;257&quot; class=&quot;imagecache imagecache-ausgabe_cover_teaser imagecache-default imagecache-ausgabe_cover_teaser_default&quot;/&gt;        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;


</description>
 <category domain="https://arranca.org/tag/alter">Alter</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/behinderung">Behinderung</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/intersektionalitaet">Intersektionalität</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/intersexualitaet">Intersexualität</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/koerper">Körper</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/krankheit">Krankheit</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/privatpolitisch">Privat&amp;Politisch</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queer">Queer</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/subjekt-gesellschaft">Subjekt &amp; Gesellschaft</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/transgender">Transgender</category>
 <pubDate>Thu, 09 Dec 2010 15:49:27 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">574 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Sichtbarkeit zwischen allen Stühlen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/42/sichtbarkeit-zwischen-allen-stuehlen</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Im Jahr 2002 trafen sich einige palästinensische Lesben in einem  Internetforum. Den Raum, in dem sie miteinander zu diskutieren und sich  auszutauschen begannen, nannten sie „Safe Space“. Etwa ein Jahr später  beschlossen sie, sich persönlich zu treffen. Bei diesem ersten Treffen  entstand die Idee, auch in der realen Welt einen solchen Safe Space für  palästinensische Frauen und Transgender zu schaffen. Neben Austausch und  Diskussionen sollte dort auch Raum sein, Bedürfnisse dieser  spezifischen Gruppe auszuloten und dazu dann auch politisch in Projekten  zu arbeiten. Die Gruppe nennt sich ASWAT – das arabische Wort Aswat  bedeutet soviel wie ‚Stimmen‘. Damit spielt sie darauf an, dass die  eigenen Stimmen hörbar gemacht und die eigenen Geschichten erzählt  werden sollen.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im Jahr 2002 trafen sich einige palästinensische Lesben in einem Internetforum. Den Raum, in dem sie miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen begannen, nannten sie „Safe Space“. Etwa ein Jahr später beschlossen sie, sich persönlich zu treffen. Bei diesem ersten Treffen entstand die Idee, auch in der realen Welt einen solchen Safe Space für palästinensische Frauen und Transgender zu schaffen. Neben Austausch und Diskussionen sollte dort auch Raum sein, Bedürfnisse dieser spezifischen Gruppe auszuloten und dazu dann auch politisch in Projekten zu arbeiten. Die Gruppe nennt sich ASWAT – das arabische Wort Aswat bedeutet soviel wie ‚Stimmen‘. Damit spielt sie darauf an, dass die eigenen Stimmen hörbar gemacht und die eigenen Geschichten erzählt werden sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Kannst Du die spezifische Situation palästinensischer Lesben in Israel und den besetzten Gebieten ein wenig näher beschreiben?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ghadir: Wir sind mit einer Menge von Herausforderungen konfrontiert, die auch für andere LGBTIQ-Gruppen rund um die Welt gelten. Besonders an unserer Situation ist jedoch, dass wir als palästinensische Minderheit in Israel ohne Minderheitenrechte multiplen Formen von Unterdrückung ausgesetzt sind. Die meisten LGBTIQ-Organisationen &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_ax0ctji&quot; title=&quot;LGBTIQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer&quot; href=&quot;#footnote1_ax0ctji&quot;&gt;1&lt;/a&gt; in Israel sind jüdisch. Wir können zwar punktuell mit ihnen kooperieren, im Grunde sind ihre Forderungen und Ziele jedoch andere als die unseren.&lt;br /&gt;Als palästinensische Minderheit in Israel kämpfen wir für gleiche Bürger- und Menschenrechte, und als Frauen in einer sehr konservativen, patriarchalen palästinensischen Gesellschaft kämpfen wir für gleiche Rechte als Frauen. Jeglicher Ausdruck weiblicher Sexualität ist dort tabu, von nicht-heterosexueller Orientierung gar nicht erst zu reden. Diese mehrschichtige Form der Unterdrückung wollen wir in unseren Projekten thematisieren. In den letzten sechs Jahren hat ASWAT unablässig daran gearbeitet, LGBTIQ-Rechte in unserer palästinensischen Gesellschaft zu pushen. Das an sich ist schon eine große Herausforderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Wie sieht Eure Arbeit konkret aus?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauptsächlich bieten wir verschiedene Empowerment-Gruppen an. Daneben geben wir regelmäßig Publikationen heraus, wir haben eine Webseite, auf der all diese Informationen auch abrufbar sind. Und wir haben eine arabischsprachige Hotline. Eine Menge Frauen in der arabisch-palästinensischen Community sind nicht mobil, sie können ihre Häuser nicht ohne Erlaubnis verlassen. Nun können sie zumindest die Hotline anrufen, wenn sie Hilfe oder Unterstützung brauchen. Oder sie können sich Informationen über das Internet besorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Was genau ist das Ziel der Empowerment-Gruppen, die Ihr anbietet?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Idee dieser Empowerment-Gruppen war es, Frauen in einem geschützten Raum zusammenzubringen, in dem sie sich kennen lernen und über Ängste und Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, sprechen können. Die Hintergründe, aus denen die Frauen kommen, sind dabei oft sehr unterschiedlich und somit auch ihre individuellen Situationen. Manche Frauen etwa kommen aus der Stadt, andere wohnen in Dörfern. Manche leben noch bei den Eltern und sind abhängig von deren Unterstützung und der Erlaubnis, das Haus verlassen zu dürfen. Andere leben unabhängig. Manche Frauen sind Christinnen, andere Musliminnen oder Jüdinnen. Ein Teil lebt in Israel, ein anderer in den besetzten Gebieten.&lt;br /&gt;Aus all diesen Differenzen gilt es zunächst, Grade an Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Das nächste Ziel ist, dass die Frauen über ihre Sexualität und ihre Identitäten sprechen und darüber, wie diese verschiedenen Identitäten sie repräsentieren. &lt;br /&gt;In einem dritten Schritt bilden wir dann Multiplikator_innen aus, die nach draußen gehen und für ihre Werte und Rechte auch anderen gegenüber eintreten. Im Moment besteht zum Beispiel ein großer Teil unserer öffentlichen Arbeit darin, dass diese Frauen zu Konferenzen und Workshops gehen – auf lokaler wie internationaler Ebene - und ihre Geschichte erzählen. Bei einer feministischen Konferenz in Nazareth im November 2008 bin ich beispielsweise erstmals auch innerhalb des Landes öffentlich als Teil von ASWAT aufgetreten. Diese Erfahrung hat mich sehr gestärkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Was für Publikationen bringt Ihr heraus? &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis vor wenigen Jahren gab es überhaupt kein Material zu lesbischen Lebensweisen oder Homosexualität in arabischer Sprache. Sehr wenig in der Literatur, keine Untersuchungen, kein Datenmaterial, keine persönlichen Geschichten oder sonstige Referenzen. Es war eine komplette Leerstelle. Diese Lücke wollten wir füllen. Also begannen wir, Newsletter, Informationsblätter und auch Bücher herauszugeben. &lt;br /&gt;Unsere erste Publikation war ein Glossar mit Begriffen wie lesbisch, schwul, transgender oder intersexuell. Zum Teil gab es dafür im Arabischen keine Worte oder sie waren sehr abwertend. Wir wollten dem neutralere Begriffe entgegensetzen, die nicht verletzen. Ein Wort etwa, dass übersetzt soviel wie „Schlampe“ bedeutet und zur Bezeichnung von Lesben benutzt wird, haben wir durch einen Begriff ersetzt, der „Frauen, die Frauen lieben“ meint.&lt;br /&gt;Danach hatten wir Veröffentlichungen mit Coming-Out-Geschichten, bei denen Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Erfahrungen weitergeben. Manche dieser Publikationen richten sich an bestimmte Altersgruppen, an Teenager zum Beispiel, die gerade beginnen, sich Fragen zu ihrer Sexualität zu stellen oder an Frauen zwischen 30 und 40, die entdecken, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlen, unter Umständen aber schon verheiratet sind und Kinder haben. Ich denke, diese Geschichten sind sehr interessant, und es lässt sich viel davon lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;?Warum war es so wichtig, diese Geschichten zu veröffentlichen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du weißt ja, Leute denken, es ist das Ende der Welt, wenn sie sich ihren Eltern, der Familie oder Kindern gegenüber outen. Wir stellen dem andere Geschichten gegenüber und zeigen: Diese Frauen haben sich geoutet und leben trotzdem weiter. Und für die, die die Geschichten lesen, wird damit die Frage aufgeworfen, ob das vielleicht auch etwas über sie aussagt. &lt;br /&gt;Es geht aber auch darum, die Herausforder-ungen zu teilen, mit denen die Frauen konfrontiert sind. So können andere mehr Empathie entwickeln und auch ihre Sichtweisen verändern. Dann sagen sie vielleicht nicht mehr: „Mit dir stimmt etwas nicht“, sondern stattdessen vielleicht: „Du wurdest so geboren und versuchst, mit den Herausforderungen, die das mit sich bringt, umzugehen.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Welche Effekte aus Eurer Arbeit in den vergangenen Jahren seht Ihr? &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich denke, eine der größten Veränderungen besteht darin, dass wir diesen Safe Space geschaffen haben. Darüber hinaus gelingt es uns heute, mehr Leute von LGBTIQ- und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzubringen. Wir haben begonnen, Partnerschaften und Allianzen sowohl mit palästinensisch-arabischen als auch mit jüdischen Organisationen zu schließen. Es hat fünf Jahre gedauert, bis wir an diesen Punkt gekommen sind. Ich denke, wir mussten als Organisation erst reifen und uns mit vielen Themen zunächst selbst auseinandersetzen. &lt;br /&gt;Zu Beginn waren wir vor allem auf lokaler und israelweiter Ebene aktiv. Jetzt haben wir auch Kooperationen in der Region aufgenommen, beispielsweise mit einer Organisation im Libanon, die einen ähnlichen Ansatz hat wie wir.&lt;br /&gt;Unsere Forderungen werden jetzt stärker auch von anderen Gruppen aufgenommen. Beispielsweise sind wir ein Teil der Women‘s Coalition. &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_uauc9ay&quot; title=&quot;Breites Netzwerk verschiedener feministischer Organisationen in Israel&quot; href=&quot;#footnote2_uauc9ay&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Lange Jahre waren wir von den politischen Agenden vieler palästinensisch-arabischer Organisationen ausgeschlossen. Es gab starke Vorbehalte, und andere Gruppen befürchteten, dass es ihre eigene Legitimität und Akzeptanz gefährden würde, wenn sie die Forderungen von ASWAT auch als eigene Forderungen deklarieren würden. &lt;br /&gt;Eine Menge Organisationen hier arbeiten für Minderheitenrechte von Palästinenser_innen, aber sie sehen die Gruppe der LGBTIQ darin nicht als eigene Minderheit. Andererseits fielen wir bisher auch aus dem Profil vieler feministischer Organisationen heraus. Dort waren wir willkommen, wenn wir für feministische Ziele eintraten. Legten wir jedoch unsere eigene Agenda vor, in der sich diese Themen überkreuzen, waren wir oft isoliert. Langsam, sehr langsam, ändert sich das. &lt;br /&gt;Auf eine Art schaffen wir dadurch eine soziale Bewegung, die unsere Sichtbarkeit und ein Bewusstsein für unsere Situation erhöht. Wir brechen mit Stereotypen und mit dem riesigen Tabu, dass Frauen über ihre Sexualität nicht reden. Dazu sind es dann auch noch lesbische Frauen. Ich denke, in diesem Zusammenhang macht es einen riesigen Unterschied, dass ASWAT existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Was sind Eure Ziele für die Zukunft?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines unserer hauptsächlichen Ziele für die nächsten Jahre ist es, weiter den Boden für eine Bewegung zu schaffen, die zu einem sozialen Wandel führt. Wir wollen daran arbeiten, dass ASWAT tatsächlich ein Teil der LGBTIQ-Community wird, dass also andere Organisationen nicht nur ihre Haltungen, sondern auch konsequent ihre Forderungen und Ansätze verändern. &lt;br /&gt;Wir wollen eine Community schaffen, die uns nicht nur Sichtbarkeit als Lesben ermöglicht, sondern die uns auch als eine gleichwertige Minderheit einschließt. Wir kämpfen quasi als eine Minderheitengruppe von LGBTIQ-Frauen um gleichen Zugang zu Rechten in der Community. &lt;br /&gt;In unserer Realität ist das eine große Herausforderung, denn die politische Situation beeinflusst so ziemlich alles hier – speziell die Netanjahu-Regierung, die jetzt an der Macht ist, ruft sogar nach noch strengeren Restriktionen gegenüber der palästinensischen Minderheit. Dadurch werden wir als Palästinenser_innen noch stärker ausgeschlossen und das wiederum führt dazu, dass der Kampf um Gleichberechtigung auf dieser Ebene wieder stärker ins Zentrum rückt, nicht der um unser Lesbisch-Sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Interview führte Atlanta Athens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_ax0ctji&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_ax0ctji&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; LGBTIQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_uauc9ay&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_uauc9ay&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; Breites Netzwerk verschiedener feministischer Organisationen in Israel&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/42/sichtbarkeit-zwischen-allen-stuehlen&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/42/sichtbarkeit-zwischen-allen-stuehlen&quot; dc:title=&quot;Sichtbarkeit zwischen allen Stühlen&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/540&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/540  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/42/sichtbarkeit-zwischen-allen-stuehlen#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/israel">Israel</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/palaestina">Palästina</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queer">Queer</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/transgender">Transgender</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Mon, 05 Jul 2010 09:34:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">540 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Bestandsaufnahme</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/1/bestandsaufnahme</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Yasar K.. war in den 70er Jahren in einer Kleinstadt der Türkei an der ägäischen Küste mit 200.000 Einwohnern in der TEKP (türkische Kommunistische Partei der Werktätigen, die sich 1974 gründete und im Mai 1980verboten wurde), aktiv. Die TEKP, wie auch Devrimci Militan (Militante Linke) bilden mit der MDD, die man als deren Dachorganisation verstehen kann, eine Einheit. Alle drei gründeten sich aus ehemaligen Mitgliedern der TKP (Türkische Kommunistische Partei) die verboten wurde. Aus der MDD sind alle bewaffneten Gruppen entstanden.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Yasar K.. war in den 70er Jahren in einer Kleinstadt der Türkei an der ägäischen Küste mit 200.000 Einwohnern in der TEKP (türkische Kommunistische Partei der Werktätigen, die sich 1974 gründete und im Mai 1980verboten wurde), aktiv. Die TEKP, wie auch Devrimci Militan (Militante Linke) bilden mit der MDD, die man als deren Dachorganisation verstehen kann, eine Einheit. Alle drei gründeten sich aus ehemaligen Mitgliedern der TKP (Türkische Kommunistische Partei) die verboten wurde. Aus der MDD sind alle bewaffneten Gruppen entstanden. Die sich abwechselnden Regierungen von Ecevit (sozialistisch) und Demirel (VP) in Koalition mit den Grauen Wölfen (und dessen Vorsitzender Alparsan Türkes) und Erbakan (religiöse Fundamentalisten) bringen das Land in eine immer verheerendere wirtschaftliche Krise. Innerhalb der Bevölkerung entsteht eine Polarisierung in rechts und links. In den 70er Jahren erreicht der faschistische Terror gegenüber der Linken und der breiten Schicht von SymphatisantInnen seinen Höhepunkt; Kriegsrecht, Ausgangssperren, Menschenjagden sind an der Tagesordnung. Yasar K. verläßt die Türkei noch vor dem Militärputsch am 12. 9.1980 und kehrt 1992, 12 Jahre nachdem er die Türkei verlassen mußte, das erste Mal wieder in seine Heimat zurück. Dieses Interview ist durch einen persönlichen Kontakt entstanden, Yasar K. spricht in erster Linie für sich. Mit diesem Interview vertreten wir nicht den Anspruch, objektiv und vollständig wiederzugeben, wie die Situation in der Türkei konkret war und wie sie sich heute darstellt; vielmehr ist dies ein Versuch, die gemachten Erfahrungen und deren Verarbeitung anschaubar zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;arranca! (a!):&lt;/strong&gt; Die 70er Jahre in der Türkei waren geprägt von Klassenkämp­fen; eine für unsere Verhältnisse nur schwer vorstellbare Anzahl von Men­schen hat sich an Aktionen der Linken beteiligt. Du warst damals zwischen 16 bis 20 Jahren alt und in der Linken aktiv. Wie hast du diese Zeit erlebt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Die Zeit von 1974 bis 1980 war nicht so sehr eine Zeit des Klassenkamp­fes, sondern vielmehr des Kampfes gegen die faschistische Bewegung, die Verteidigung gegen Angriffe der Faschi­sten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die damaligen Massenproteste richte­ten sich nicht in erster Linie gegen die Bourgeoisie, sondern gegen türkische Faschisten wie die MHP(nationalistische Bewegungspartei), die Grauen Wölfe und die Konterguerilla, die zu der Zeit aktiv gegen die Linke vorgegangen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ideen des Klassenkampfes oder des Antiimperialismus&#039; existierten zwar in den Köpfen und Zeitungen der Linken, sind jedoch nie realisiert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir waren aktive Antifaschistinnen und haben von &#039;74 bis &#039;80 nicht gemerkt, daß die türkische Bourgeoisie die Faschisten vorgeschickt hat um sich vor der linken Bewegung zu schützen; die Rechnung ging auf, denn die Linke steckte ihre gesamte Kraft in die Vertei­digung gegen die Faschisten und schaffte es darüberhinaus nicht, der Bewegung Inhalte zu geben obwohl ein sehr großes Potential vorhanden war. Zum 1. Mai 1977 waren in Istanbul 500.000 bis 1 Million Menschen auf der Straße. Bei dieser Demonstration kam es zu einem Massaker; 33 Menschen wur­den ermordet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Einfluß der Linken in der Bevölke­rung war sehr groß, durch den Mut, den viele Linke besaßen, gab es viele SympathisantInnen. Wir waren in vielen Bereichen aktiv vertreten, in Grundschu­len, Gymnasien und Universitäten, und haben dort eine Bewegung aufgebaut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Einfluß ging z.T.so weit, daß es eigene linke Städte und Stadtteile gab; aber auf der anderen Seite bildeten sich auch rechte Stadtteile heraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Zeit entwickelte sich ebenfalls die Kurdenbewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Probleme und darausfolgend ihr Ziel waren jedoch andere. Ehr Kampf richtete sich nicht gegen türkische Faschisten, sondern gegen den türki­schen Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Welche Position nahm die türkische Linke bezüglich der Kurden ein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Wir haben darüber diskutiert, ob sie einen eigenen Staat gründen sollten, ob Türken und Kurden zusammen in einem Staat leben können und ob Kurdi­stan Teil der Türkei ist. Bezüglich dieser Frage z.B. merken wir heute, daß wir damals Kemalisten&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_i9d1emp&quot; title=&quot;Kemalismus: Das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete für das Osmanische Reich den Niedergang durch erheblichen Verlust an Menschen, die Besetzung weiter Teile des Landes durch die Alliierten, und die Zersetzung des zentralen Staatsapparates . Hatte bislang die Staatsbürokratie die Macht im Land, kam es nach 1919 zu einem politischen Klassenbündnis von traditioneller osmanischer Bürokratie und der besitzenden Klasse. Die Führung innerhalb dieses Bündnisses errang allerdings nach wie vor die Bürokratie, mit ihrem Repräsentanten Mustafa Kemal (1934 legt er sich den Beinamen Atatürk=Vater der Türken zu.). Im Zuge einer Einladung zur Friedenskonferenz im Oktober 1922 erzwang Kemal auf der Versammlung des Bündnisses die Abschaffung des Sultans; das Osmanische Reich findet damit sein endgültiges Ende und wird vom Regime Kemals abgelöst. Diese Zeit von 1919 bis zur Gründung der Republik Türkei am 29.10.1923 wird als Nationaler Kampf bezeichnet. Die auf der Friedenskonferenz anerkannte Souveränität der Türkei und die weitgehende Annullierung der Kapitulation (rechtlich, finanziell und ökonomisch) bilden die Grundlage für den Aufbau der türkischen Republik; der Republikanischen Volkspartei (CHP) unter Kemal gehören alle bürgerlichen Abge-ordnete an, Ankara wird zur Hauptstadt erklärt und Kemal wird Präsident der Republik. Seine Politik, der Kemalismus, bedeutete grundlegende politische, wirtschaftliche, und kulturell-religiöse Veränderungen für die Türkei. Grob umrissen machen den Kemalismus folgende Punkte aus: -Es wurde versucht, den Entwicklungsstand der Türkei möglichst schnell an den von mitteleuropäischen Industrieländern anzugleichen. Private Investitionen und Kredite wurden gefördert, um das Entstehen von Unternehmertum und einer Handelsbourgeoisie zu fördern; diese liberale Wirtschaftspolitik hatte keinen großen Erfolg, so daß ab 1930 ein Weg zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft eingeschlagen wurde. -Trennung von Staat und Religion. Das Kalifat wurde abgeschafft, ebenso geistliche Schulen, klerikale Besitze wurden eingezogen und es wurden weltliche Gerichte eingeführt. -Populismus; Bestehende Klassengegensätze (die politische Macht befand sich in den Händen des Bündnisses von bürgerlicher Intelligenz und Großgrundbesitzern, die unteren sozialen Schichten waren nicht repräsentiert, obwohl die Struktur des Landes von überwiegend im Agrar-Sektor arbeitenden Menschen geprägt war) wurden zugunsten der Betonung gleicher nationaler Interessen aller Bevölkerungsteile geleugnet. &quot; href=&quot;#footnote1_i9d1emp&quot;&gt;1&lt;/a&gt; waren. Denn wir haben selbst als Linke die Grenzen, wie sie nach dem ersten Weltkrieg gezogen wurden, anerkannt und nahmen damit eine sehr nationalistische Position ein. Wir waren anfangs weder Marxisten noch Leninisten, sondern haben - und zwar nicht nur was die Kurdenfrage anbelangt - Positionen von Kemal Atatürk vertreten und unsere Ideen von dort ausgehend entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Widerspruch, daß der türkische Staat bzw. die türkische Bourgeoisie sich zwar einerseits vom Imperialismus, also von den Briten, den Franzosen befreite, andererseits jedoch damals 10 - 15 Mil­lionen Kurden gefangennahm und bis heute in seinen Grenzen behält, haben wir nicht gesehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab nur sehr wenige Gruppierun­gen, die sich tatsächlich ernsthafter mit der Situation der KurdInnen auseinan­dergesetzt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch gegenüber der Islamischen Bewegung haben wir unsere Augen verschlossen, und sie - wieder sehr kemalistisch - unterschätzt und ignoriert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Du glaubst also, es war ein Fehler, sich nur auf den antifaschistischen Kampf beschränkt und dabei die Ent­wicklung von eigenen Perspektiven ver­nachlässigt zu haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Der antifaschistische Kampf als solcher war natürlich kein Fehler, bleibt es jedoch das Einzige, womit sich eine Linke beschäftigt, dann ist es ein Fehler. Wenn wir es geschafft hätten, die antifa­schistische Bewegung zu einer antiim­perialistischen, antikapitalistischen Bewegung weiterzuentwickeln, dann hätten wir die Ideen, die in unseren Köpfen waren mit der Menge von Men­schen umsetzen können und die Linke in der Türkei wäre heute nicht in dieser Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser größter Fehler aber war es, den Kemalismus nicht hinterfragt zu haben, weder als Element unserer eigenen Poli­tik, noch in seiner gesellschaftlichen Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Im August 1980, also noch vor dem Putsch am 12. September 1980, entsch­ließt du dich, die Türkei zu verlassen, du flüchtest mit anderen Genossen vor­erst in den Libanon...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es wurden in der Türkei täglich an die 30 Menschen umgebracht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben mit anderen Genossen gese­hen, daß es so nicht weitergehen kann und beschlossen, bestimmte Leute ins Ausland zu bringen, damit sie sich dort auszubilden und weiterdiskutieren, um danach wieder zurückzukehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind dann über Syrien in den Liba­non geflüchtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort haben wir begonnen zu diskutie­ren. Der Blick von außerhalb hat es uns ermöglicht, ein besseres Bild von dem zu bekommen, was sich in der Türkei abspielte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erkannten, daß die Zeit bis zu unserer Flucht zur Vorbereitung der Junta gedient hatte. Die Bourgeoisie schuf eine Situation, die letztendlich die Machtübernahme der Junta am 12. Sep­tember 1980 rechtfertigen sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch hatten wir zum ersten Mal die Möglichkeit, Fehler, die wir gemacht haben, zu benennen: Wir haben zwar kleine Faschisten und deren Sympathisanten abgeschossen, aber nicht die, die an der Spitze diese Bewegung steuerten, ‚obgleich wir sehr wohl die Möglichkei­ten dazu gehabt hätten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach der Machtübernahme der Junta sind viele Menschen in den Libanon geflüchtet und schilderten uns die Situa­tion; die Repression war nach dem 12.September nochmal härter, es wur­den Menschen auf offener Straße gejagt, verhaftet und umgebracht, linke Zusam­menhänge wurden dadurch völlig zer­schlagen. Unser Vorhaben in die Türkei zurückzugehen und dort zu intervenie­ren war unmöglich geworden. Durch die ständigen Niederlagen und Verluste war der Mut bei vielen Menschen nicht mehr vorhanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach einem Jahr scheiterte die Diskus­sion zwischen den verschiedenen Orga­nisationen im Ausland darüber, was wie zu machen sei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir alle wissen, daß die PKK ab 1984 die einzigen waren, die in Kurdistan alleine Aktionen gegen die türkische Armee unternahmen, denn die türkische Linke gab es in der Türkei so nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:.&lt;/strong&gt; Aus welchen Gründen ist die Diskus­sion und damit ein Versuch, die Junta zu bekämpfen, gescheitert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Heute können wir feststellen, daß vieles, was die Gruppierungen im Ausland versprochen hatten zu tun, nicht wirklich umgesetzt wurde, also nichts als große Worte waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich war geplant, daß 1983 Leute in die Türkei hätten zurückkehren sol­len; sattdessen drehte sich die Diskus­sion immer noch darum, ob mit den Kurden zusammengearbeitet werden sollte oder nicht. Aber ich glaube, das war nicht nur durch die türkische Linke bedingt, sondern auch durch die Konterguerilla.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende 1983 entschied sich dann ein wichtiger Vertreter von Dev Yol, nach Europa zu gehen und von dort aus weiterzumachen. Dev Yol (Revolutionärer Weg) war anfangs eine Jugendorganisation, später die größte Organisation der unabhängigen revolutionären Linken, und ihr Rückzug hatte verheerende Auswirkungen für den gesamten Diskussionszusammenhang. Es kam zu Streitereien zwischen den verschiedenen Gruppierungen, und viele haben aus diesen Erfahrungen dann ihre Konsequenzen gezogen und das Projekt, in die Türkei zurück­zukehren, auf Eis gelegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Im März 1982 gehst du nach Deutsch­land; was habt ihr für Erwartun­gen oder Hoffnungen damit verbunden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Zuerst einmal muß man bedenken, daß wir selbst die zwei Jahre im Libanon in permanentem Kriegszustand gelebt haben, mit dem Unterschied allerdings, daß wir passiv dasaßen und nichts machen konnten; das zehrte an den Nerven. Hinzu kam die Art der Kriegsführung. Du hast den Feind nicht gesehen; ent­weder die Menschen wurden von Hub­schraubern aus abgeschossen, von Flug­zeugen Bomben abgeworfen oder es wurde von offener See aus angegriffen. Du mußtest zusehen, wie Kinder umge­bracht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben mitbekommen, daß es in Deutschland eine Bewegung gegen die Junta in der Türkei gibt, wir hörten von Demonstrationen und hatten die Hoffnung, von Deutschland aus mehr machen zu können, zumal wir im Liba­non einfach schon zu lange Gast waren. Die Leute dort haben uns dann geholfen, nach Deutschland zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir hatten sehr positive Vorstellungen von der deutschen Linken, von der Frie­densbewegung, von den Gewerkschaf­ten, linken Parteien; das alles war für unsere Verhältnisse sehr fortschrittlich. Auch von der Sozialdemokratie hörten wir, daß sie sich gegen die Junta aus­sprachen, und glaubten, daß, wenn wir es schafften, alle diese Bewegungen zusammenzubringen, es für die Junta nicht mehr länger möglich gewesen wäre, an der Macht zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie sah dann die Realität in Berlin aus? Ihr habt zuerst Kontakt zu türki­schen Linken aufgenommen...,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Ja, um unsere bisherigen Diskus­sionen mit den eigenen Leuten hier wei­terzuführen, suchten wir zuerst diesen Kontakt. Mit den Kräften, die es hier gab, haben wir dann versucht, gemein­same Sachen zu organisieren, doch das war problematisch: Die Gruppierungen hier haben generell getrennt voneinan­der agiert. Im Laufe der Zeit sind dann auch Gruppen wie Dev Yol hier ausein­andergebrochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Waren wir anfangs noch davon ausge­gangen, daß es hier eine gemeinsame linke Bewegung gegen die Geschehnisse in der Türkei gab, stellte sich bald her­aus, daß nur wenige türkische Linke Aktionen organisierten, an denen sich andere Gruppierungen dann allenfalls beteiligten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auch bei der deutschen „Linken&quot; wurde bald offensichtlich, daß sie nicht das waren, was wir uns in der Türkei vorgestellt hatten. Es gab z.B. Kontakte zu den Grünen und Gewerkschaften, die die türkische Linke unterstützt haben. Diese bewegten sich jedoch nur in einem gemäßigten, demokratischen Rah­men, sobald es um militantere Positio­nen ging, wurden, versagten sie uns ihre Unterstützung, und wir standen alleine da.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Ansätze von politischer Arbeit boten keine großen Perspektiven. Ein weiterer Versuch einiger türkischer Lin­ken, mit der militanten Linken der Häu­serbewegung ins Gespräch zu kommen, schlug fehl, denn zum einen waren die kulturellen Unterschiede sehr groß und zum anderen existierte keine Bereit­schaft, sich gegenseitig in seiner Unter­schiedlichkeit zu akzeptieren. Die türki­schen Linken fanden die Art der Hausbesetzerinnen zu leben, sich anzu­ziehen usw. abstoßend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1983 habe ich mich vom Großteil die­ser türkischen Linken zurückgezogen und versucht, mit einigen von ihnen ein Forum zu schaffen, um mit der deut­schen linksradikalen Szene Kontakt zu bekommen. Allerdings habe ich mir den Anfang lange nicht so schwer vorgestellt! Wir bekamen einen gemeinsamen Laden zur Verfügung gestellt bekommen, um uns überhaupt erst einmal kennenzuler­nen; doch sie hatten ihre Vorurteile, und ich meine, sie haben mich nicht verstan­den und ich sie nicht. So scheiterte Ende 1983 auch dieser Versuch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Woran glaubst du, hat es gelegen, daß eine gegenseitige Akzeptanz nicht vorhanden war?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Die deutsche Hausbesetzerinnen- Linke hat sich damals nicht mit Fragen, die Gastarbeiterinnen - wie sie früher hießen, heute nenne ich sie Immigran­tinnen - betreffen, beschäftigt. Sie haben keine Politik mit oder für Immigrantin­nen gemacht. Für sie war der Kontakt mit Ausländerinnen etwas Neues und die Idee, daß Immigrantinnen und Deut­sche zusammen gemeinsame Interessen durchsetzen —was unser Ansatz ab 1983 war— gab es so erst einmal nicht, auf diesen Schritt waren sie auch nicht vor­bereitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wiederum haben uns .zu wenig Gedanken darüber gemacht, wie und an welcher Stelle eine Zusammenarbeit mit deutschen Linken möglich sein konnte. Dazu kommt, daß du, wenn du aus einem Land, wie der Türkei nach Deutschland kommst, sozusagen einen Kulturschock erlebst, den du erst einmal verarbeiten mußt. Kulturschock sage ich deshalb, weil die türkische Kultur im Vergleich zur Deutschen sehr viel mora­lischer ist. Daraus folgen zwei völlig ver­schiedene Lebenseinstellungen. Am deutlichsten wurde das für mich in Bezug auf die Mann-Frau-Beziehung: Sexuelle Befreiung, offene Beziehungen, hat es in der Form in der Türkei natür­lich nie gegeben. Die türkische Moral baut auf völlig veralteten Normen auf, Schwule und Lesben z.B. waren für mich Kranke, bis ich sie kennenlernte und merkte, daß sie völlig normale Men­schen waren; ich war es überhaupt nicht gewöhnt, mich so frei, wie Deutsche es tun, zu bewegen, frei zu denken und einen eigenen Willen zu entwickeln. Innerhalb der deutschen Gesellschaft mußt du dich vor niemandem rechtferti­gen, du kannst also so ziemlich alles machen, was dir gefällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mag ulkig klingen, aber ich habe alleine drei Monate gebraucht, bis ich alleine U-Bahn fahren konnte...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; In den folgenden Jahren bemüht ihr euch, ein anderes Spektrum von Men­schen zu erreichen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Ja, wir haben angefangen, uns mit den Jugendlichen, die auf der Straße waren und mit der türkischen Linken erst einmal nichts zu tun hatten, auseinanderzusetzen, zusammen mit einigen deutschen Linken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Jugendliche waren alleine, woll­ten aber sinnvolle Sachen machen, so daß sie in Kontakt mit uns kamen. Diese daraus entstandene antifaschistische Gruppe hat sich zusammen mit Deut­schen gegen deutsche Faschisten zur Wehr gesetzt. Die Gruppe hat aber nur sechs, sieben Monate existiert, denn einige haben sich herausgezogen, da ihnen die Aktionen zu militant waren. Ich denke, es ist nur schwer möglich, eine militante und eine nicht-militante Ebene in einer Gruppe zu vereinen, und wir haben sicher auch Fehler gemacht, was das anbelangt. Doch ist es nicht so, daß diese Leute nicht mehr politisch interessiert oder aktiv sind, sie machen weiterhin ihre Art von politischer Arbeit und das ist wichtig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Kommen wir zurück zur Türkei. Im Sommer 1992 bist du das erste Mal seit 12 Jahren wieder hingefahren,. Das war begleitet von einer Reihe von Ängsten, z.B., verhaftet zu werden...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber auch mit dem Gefühl - so stelle ich es mir vor - nicht zu wissen, was auf einen zukommt, was sich verändert hat und nicht mehr so ist, wie es in der Ver­gangenheit und in deinen Vorstellungen einmal war. Wie hast du diese Reise für dich erlebt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Natürlich habe ich auch von anderen mitgekriegt, wie die Situation in der Türkei heute ist, aber es ist etwas völlig anderes, wenn man dann selber dorthin zurückgeht, denn vieles wollte man vielleicht nicht wahrhaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe meine Genossinnen und meine Familie vermisst, die ich seitdem nicht mehr gesehen habe - zumal ich die Türkei eigentlich in dem Glauben verlas­sen habe, bald zurückzukehren und nicht nach Europa emigrieren zu müs­sen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe die Stadt, in der ich groß geworden bin, vermisst und das Leben dort; die politische Atmosphäre und das Gefühl, total aktiv zu sein und viel zu machen, was das Leben trotz allem sehr schön gemacht hat. Dieses Gefühl ver­stärkt sich - habe ich gemerkt - nochmals dadurch, daß mir durch die große Distanz, die ich zur Türkei hatte, eigentlich marginale Dinge ins Bewußt­sein rückten und ungeheuer wichtig wurden, z.B. solche Kleinigkeiten wie das Teetrinken und Teilen mit Genossin­nen, und das prägt die Erinnerung sehr. An all das denkst du, wenn du zurück­herst, doch die Realität holt dich schnell ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe diese Reise 2 Jahre vorberei­tet und es existierten in der Tat die Äng­ste, verhaftet,. gefoltert oder ermordet zu werden, und dies hat mich sicherlich auch davon abgehalten, früher in die Türkei zu fahren. Auf der anderen Seite wurde die Notwendigkeit, doch hin­zufahren auch immer größer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie hast du die Genossin­nen, die du in der Türkei zurückgelassen hast, vorge­funden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Ich hatte geglaubt, sie seien noch wie früher, hatte geglaubt, sie hätten sich nicht verändert. Aber die Realität sieht so aus, daß sie den Ideen, die wir damals im Kopf hatten, den Rücken gekehrt haben. Viele ihrer Äußerun­gen sind rassistisch. Sie sind sehr resigniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Beispiel habe ich mit einem Genossen, mit dem ich damals viel zu tun hatte, und der in seinem Bereich wich­tige Funktionen innehatte, in einem Cafe gesessen, und es tanzten dort ein paar Jugendliche. Daraufhin sagte er: „Die erleben ihre Jugend; wir haben unsere nicht erlebt.&quot; Aber ich bin der Meinung, wir haben sehr wohl eine Jugend erlebt und bestimmt eine sehr viel sinnvollere, als diese herum- wackelnden Jugendlichen, die sich um gesellschaftliche Probleme schätzungs­weise noch keinen Kopf gemacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir waren uns unserer Sache bewußt, wir sind mit einem Lächeln zu den Demos oder Aktionen gegangen, und es war keiner der Meinung, wir verlieren unsere Jugend, und das, was wir machen sei Scheiße. Auch er hat nicht gesagt, alles war Scheiße, aber er glaubte, er habe seine Jugend ver­schwendet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer, dem ich damals sehr ver­traut habe, ist sehr unsolidarisch gewor­den, er denkt nur noch an sich; um Leute, die aus dem Knast gekommen sind, wurde sich nicht gekümmert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele sind in völliges Prestigedenken verfallen, wollen konsumieren, obgleich sie es sich gar nicht leisten können...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A.:&lt;/strong&gt; Geht diese Resignation denn so weit, daß sich die Menschen als Linke negie­ren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Nein, viele sagen immer noch von sich, sie seien Linke, aber ihr Ver­halten und ihre Äußerungen sind es oft nicht mehr. Über politische Themen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;wird nicht mehr diskutiert, die Leute ste­hen morgens auf, gehen ins Cafe, spie­len Tavla und gehen abends wieder nach Hause; sie haben sich in einem einigermaßen sicheren Leben eingerich­tet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wenn du mit ihnen über neue Möglichkeiten, wieder etwas aufzubauen redest, sagen sie dir, du kommst jetzt- mit neuen Ideen, wir kämpfen zehn Jahre und zehn Jahre später haben wir den Kampf wieder verloren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele haben keine Hoffnung mehr, daß die Linke irgendwelche Änderungen in der Gesellschaft erringen kann&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Was für ein Gefühl ist das für dich persönlich; sie haben die Jahre nach dem Putsch erlebt, du nicht, und sie haben sich derart verändert…&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Die ersten drei Jahre der Junta waren sicher hart, sie haben Ängste durchgestanden, viele Genossinnen sind verhaftet worden, wieder freigekommen, wieder verhaftet&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser schwierigen Zeit haben sie nicht an die Zukunft gedacht, sondern die gegenwärtige Zeit gelebt, und das kann schnell zur Gewohnheit werden. Aber mit der Zeit haben viele nur noch gejammert, nicht daß man sie alleine gelassen hat, aber sie haben die Hoff­nung in die Organisationen verloren, und vor allem ihren eigenen Glauben. Sie führten seitdem keine politischen Diskussionen mehr geführt. Heute lesen sie irgendwelche türkische Zeitungen, und über das, was irgendein Staatsmann erzählt, wird geredet, nur in einer linken Sprache; eigene Ideen oder Ansätze haben sie nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über die Kurdenbewegung z.B. ist die Meinung total negativ. Sie gehen sogar so weit, daß sie die Kurdenbewegung dafür verantwortlich machen, daß sich der türkische Staat so lange halten konnte, und die Unterdrückung der lin­ken Szene wegen der Kurdenbewegung anhält.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich erinnere mich sehr gut, daß wir da früher schon einmal etwas weiter waren...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch 12 Jahre Manipulation durch die Medien haben viele ihre linke Identität verloren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Aus was für Leuten setzt sich dann die heutige Linke in der Türkei zusam­men&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es sind Leute, die entweder im Knast oder im Ausland waren und zurückgekehrt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber ich habe auch Jugendliche getrof­fen, die wirklich gut drauf waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie handeln noch nicht unbedingt bewußt, sondern eher aus dem Gefühl heraus, daß ihnen die Situation, so wie sie ist, nicht paßt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie stellen sich gegen diesen gesell­schaftlichen Rassismus gegen Alevi­ten&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_qf0p9pi&quot; title=&quot;Aleviten: In Unterscheidung zu den Suniten. Ca. 640 n.u.Z. wurde in der Moschee Ali, der Cousin des obersten Propheten Mohammed, von den Sunniten umgebracht, woraufhin. die Aleviten, deren Bezugsperson Ali war, nicht mehr in die Moschee gingen, da sie für die Aleviten keinheiliger Ort mehr war. Im Gegensatz zu den Sunniten üben die Aleviten ihre Religion nicht so streng aus, ihr Weltbild ist freier. Das brachte, und bringt, den Aleviten gegenüber den Vorwurf ein, sie seien keine richtigen Moslems, worauf sich rassistisches Verhalten ihnen gegenüber begründet.&quot; href=&quot;#footnote2_qf0p9pi&quot;&gt;2&lt;/a&gt;, Zigeuner, Kurden und versu­chen, mit diesen Gruppen zusammen etwas zu machen, in der Idee ähnlich wie Jugendbanden eine Bewegung gegen faschistische Jugendbanden auf­zubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie haben mit der Linken keinen Kon­takt, aber das liegt nicht unbedingt an ihnen. Im Gegenteil, sie sind sehr inter­essiert und du merkst, daß sie zwar Respekt haben vor dem, was die Linke damals gemacht hat, aber sehr genau wissen, daß sie das so nicht erleben wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der anderen Seite kümmert sich die Linke nicht darum, Kontakt zu den Jugendlichen zu bekommen; sie unter­nehmen nichts, ihre Anziehungskraft zu erhöhen. Z.B. was die Sprache der Lin­ken betrifft: Diskussionen, Geschriebe­nes ist nur verständlich, wenn du schon länger in linken Diskussionen steckst, der Rest wird ausgegrenzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allgemein ist die Öffentlichkeitsarbeit der Linken falsch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Inwiefern ist sie falsch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es gibt in der Türkei bewaffnete Gruppen, die Attentate etc. verüben. Aus deren Umfeld existieren ein paar legale Gruppen, doch ihre einzige Arbeit besteht darin, die Aktionen der bewaff­neten Gruppen hochzujubeln, egal, ob sie sinnvoll waren oder nicht, ohne daß diese Aktionen irgendwie begründet und somit verständlich für die Bevölke­rung werden und Sympathien bringen würden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der legale Bereich beschränkt sich also nur auf die Legitimierung der illegalen Aktionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hat zur Folge, daß die Leute, die politisch eher links sind, Angst haben, irgendetwas mit diesen Leuten zu tun zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie müßte eine sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit denn deiner Meinung nach aussehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es muß versucht werden, wieder das Vertrauen der Menschen in eine Linke aufzubauen; dieses Vertrauen war schließlich einmal da, und es war - anders als hier in der BRD - eine Masse von Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das muß auf zwei Ebenen laufen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum einen könnte man durch die Gründung von Vereinen, z.B. für Men­schenrechte oder durch Sportvereine eine Möglichkeit schaffen, daß sich dort z.B. die Jugendlichen an die linke Szene annähern und Vertrauen gewinnen kön­nen, und hierdurch die 12 Jahre lang durch die Medien aufgebauten Vorur­teile gegenüber der Linken, daß sie die Menschen ausnutzen, funktionalisieren würde, abbauen können. Die Linke wurde zum Sündenbock für alles gemacht und das muß sich ändern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum anderen muß dies auch über andere Arten von illegalen Aktionen lau­fen, mit denen du die Sympathie der Menschen gewinnst; ansonsten kannst du Vereine gründen wie du willst, du wirst sie nicht vollkriegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zum Beispiel sinnlos, irgendei­nen Polizeibeamten, der auf dem Weg nach Hause ist, vielleicht erst ein paar Jahre im Amt ist und noch keinen Lin­ken ermordet hat - es wahrscheinlich noch tun wird, o.k. - , erschießt. Es wird keiner sagen, toll, das war eine gute Aktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder du bombardierst irgendeine Poli­zeikaserne, ein paar Beamte gehen drauf - Unbekannte. Solange die Bevölkerung den Staat akzeptiert, wirst du mit sol­chen Aktionen keinerlei Erfolg haben. Wenn du aber öffentlich machst, daß jemand nachweislich in Knästen gefol­tert hat, dies also eine Zeitlang in der Presse erscheint und ihn daraufhin liqui­dierst, wird es sehr viel verständlicher sein und du setzt Signale, nämlich, daß dies jedem passieren kann, der das Glei­che getan hat oder noch tun wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sei es, daß du Mülltransporte in die Türkei, die dort im Schwarzen Meer lan­den, bekannt machst und danach den Verantwortlichen umbringst, dafür wirst du Sympathien kriegen; oder du greifst einen Arbeitgeber an, der in seinem&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betrieb 500 Arbeiterinnen entläßt: auch dafür bekommst du Unterstützung, denn das alles sind Dinge, die die Menschen betreffen und die sie nachvollziehen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das dauert ein, zwei Jahre, du mußt auf der Straße vertreten sein, aber es ist zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur ist es heute so, daß selbst, wenn in Kurdistan etwas passiert, in Istanbul oder Ankara Kurden eine Demo machen, die türkische Linke diese aber unterstützt, obwohl sie als Linke die Ver­antwortung gegenüber der kurdischen Bewegung in ihrem Kampf gegen den türkischen Staat hat, aber dieser Verant­wortung ist sie sich nicht bewußt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Linke hat aus den Niederlagen der 80er Jahre nichts gelernt, diese Zeit ist nicht verarbeitet worden, das ist erschreckend, die Aktionen sind die gleichen wie vor 12 Jahren&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie hat sich die heutige Linke im Vergleich zu früher in gesellschaftlichen und kulturellen Fragen verändert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Sie ist heute extrem moralisch, so moralisch wie die türkische Gesellschaft. Für diese Gesellschaft ist es nicht akzep­tabel, daß ein Mann und eine Frau auf der Straße Hand in Hand laufen, geschweige denn, sich auf der Straße küssen - die Linke akzeptiert das ebensowenig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Aber in den 80er Jahren war das doch anders, denn die Frauenbewegung der 70er Jahre in Europa hatte auch Aus­wirkungen auf die türkische Linke.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Ja, in der Zeit war es tatsächlich anders, da gab es solche Freiheiten; zwar waren nicht &#039;alle politischen Orga­nisationen so, bei vielen gab es das auch nicht. Deine GenossInnen waren für dich Brüder oder Schwestern und mit denen durftest du natürlich keine sexu­ellen Beziehungen haben, aber im Großen und Ganzen war es akzeptiert. Das Problem in Bezug auf die Frauen­bewegung in Europa war aber, daß vie­les einfach übernommen wurde. Das hieß also, daß Entwicklungen, die von europäischen Normen ausgingen, auf die türkische Gesellschaft, die völlig andere Normen hat, übertragen wurden. Aber die Voraussetzungen sowohl für Frauen, als auch für Männer sind auf­grund der türkischen Gesellschaft zwangsläufig andere, und das ist ein Grund, warum vieles nicht greifen konnte. Nimm z.B. die Forderung, daß Frauen gleichberechtigt im industriellen Sektor arbeiten dürfen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Türkei war lange nicht so durchka­pitalisiert, wie europäische Länder, zu 70% arbeiteten die Frauen im landwirt­schaftlichen Sektor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allgemein war es nicht die Regel, daß Frauen überhaupt Lohnarbeit verrichte­ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rollenaufteilung ist sehr viel strik­ter, aber die mußt du erst einmal aufbre­chen und zwar auf beiden Seiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Frauen in der Türkei waren immer zu Hause und am öffentlichen Leben, wie Cafés, Kino, Disko, oder ein­fach nur alleine auf der Straße zu sein, nicht beteiligt, und diese Situation stellte sich ihnen als Ausgangspunkt. Ein Groß­teil der Arbeit, die Frauen verrichten, ist Hausarbeit. Es muß also erst einmal durchgesetzt werden, daß z.B. nicht mehr nur die Frauen die Hausarbeit machen, sondern auch Männer und das heißt, du knackst zwei feststehende Bil­der: Das der Frau, die sich selbst erst in Frage stellen und vertreten muß, daß der Mann zum Hausmann wird —in der Tür­kei ist es eines der übelsten Schimpf­wörter für einen Mann, ihn Hausmann zu nennen, denn das heißt, er ist kein richtiger Mann— und das des Mannes, der seine alte, sehr viel patriarchalere Rolle in Frage stellen muß, was er aber nicht tut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn nun aber die Normen der europäischen Frauenbewegung über­nommen werden, wie es gemacht wurde, ohne erst einmal die Grundvor­aussetzungen dafür durchgesetzt zu haben, kommt es zu einer zweifelhaften Doppelmoral.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen nehmen am gesellschaftli­chen Leben teil, aber zu Hause sind es nach wie vor sie - und zwar sehr viel extremer als in Europa -, die den Haus­halt schmeißen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der 8. März ist zwar bis zu den Män­nern durchgedrungen, aber das sah dann so aus, daß am 8. März die Männer über die Frauenfrage diskutiert haben und die Frauen nichts zu sagen hatten. Die Frauenbewegung hat zwar ein Bewußtsein geschaffen, daß es wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen, aber es ist falsch, etwas zu übernehmen; damit sich etwas durchsetzt, müssen die Ausgangsbedingungen genannt werden und von da aus muß sich etwas ent­wickeln, und da muß in der türkischen Gesellschaft sehr viel weiter unten ange­setzt werden, als in Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie siehst du die Frage der Emanzi­pation bei türkischen Mädchen und Frauen und die Rolle der türkischen Jun­gen und Männer der verschiedenen Generationen hier in der BRD?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es ist erschreckend, viele Män­ner oder Jungen, die ich heute auf der Straße sehe, sind noch schlimmer, als die Männer in der Türkei, sie sind nicht nur typische Männer, sondern Machos. Auf der Straße spielen sie den freien Mann und zu Hause herrscht die islami­sche Moral.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen kämpfen hier viel authentischer, weil Schritte heraus aus ihrer Kul­tur für Frauen, obgleich es immer noch Wege zurück gibt, sehr viel mehr Konse­quenzen haben, als für Männer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mann lebt eine zeitlang, wie es ihm gefällt, er erlebt hier alles und er darf es auch, mit der Freiheit, Freundinnen zu haben, die er aber nicht gleich heiraten muß. Er hat jederzeit und einfacher die Möglichkeit, eine Jungfrau aus der Tür­kei zu heiraten und eine heilige Familie zu gründen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Frauen stehen sehr viel mehr in einem Kulturkonflikt, denn wenn sie ein Leben, wie deutsche Frauen führen, bedeutet das größere Brüche mit ihrer eigenen Kultur. Sie stehen dazwischen, sie wer­den nicht mehr von der türkischen Kul­tur akzeptiert, sind aber in deutsche Lebensformen ebenfalls nicht integriert. Solche Schritte erfordern sehr viel Mut und ihnen gebührt eine Menge Respekt.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_i9d1emp&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_i9d1emp&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; Kemalismus: Das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete für das Osmanische Reich den Niedergang durch erheblichen Verlust an Menschen, die Besetzung weiter Teile des Landes durch die Alliierten, und die Zersetzung des zentralen Staatsapparates . Hatte bislang die Staatsbürokratie die Macht im Land, kam es nach 1919 zu einem politischen Klassenbündnis von traditioneller osmanischer Bürokratie und der besitzenden Klasse. Die Führung innerhalb dieses Bündnisses errang allerdings nach wie vor die Bürokratie, mit ihrem Repräsentanten Mustafa Kemal (1934 legt er sich den Beinamen Atatürk=Vater der Türken zu.). Im Zuge einer Einladung zur Friedenskonferenz im Oktober 1922 erzwang Kemal auf der Versammlung des Bündnisses die Abschaffung des Sultans; das Osmanische Reich findet damit sein endgültiges Ende und wird vom Regime Kemals abgelöst. Diese Zeit von 1919 bis zur Gründung der Republik Türkei am 29.10.1923 wird als Nationaler Kampf bezeichnet. Die auf der Friedenskonferenz anerkannte Souveränität der Türkei und die weitgehende Annullierung der Kapitulation (rechtlich, finanziell und ökonomisch) bilden die Grundlage für den Aufbau der türkischen Republik; der Republikanischen Volkspartei (CHP) unter Kemal gehören alle bürgerlichen Abge-ordnete an, Ankara wird zur Hauptstadt erklärt und Kemal wird Präsident der Republik. Seine Politik, der Kemalismus, bedeutete grundlegende politische, wirtschaftliche, und kulturell-religiöse Veränderungen für die Türkei. Grob umrissen machen den Kemalismus folgende Punkte aus: -Es wurde versucht, den Entwicklungsstand der Türkei möglichst schnell an den von mitteleuropäischen Industrieländern anzugleichen. Private Investitionen und Kredite wurden gefördert, um das Entstehen von Unternehmertum und einer Handelsbourgeoisie zu fördern; diese liberale Wirtschaftspolitik hatte keinen großen Erfolg, so daß ab 1930 ein Weg zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft eingeschlagen wurde. -Trennung von Staat und Religion. Das Kalifat wurde abgeschafft, ebenso geistliche Schulen, klerikale Besitze wurden eingezogen und es wurden weltliche Gerichte eingeführt. -Populismus; Bestehende Klassengegensätze (die politische Macht befand sich in den Händen des Bündnisses von bürgerlicher Intelligenz und Großgrundbesitzern, die unteren sozialen Schichten waren nicht repräsentiert, obwohl die Struktur des Landes von überwiegend im Agrar-Sektor arbeitenden Menschen geprägt war) wurden zugunsten der Betonung gleicher nationaler Interessen aller Bevölkerungsteile geleugnet. &lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_qf0p9pi&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_qf0p9pi&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; Aleviten: In Unterscheidung zu den Suniten. Ca. 640 n.u.Z. wurde in der Moschee Ali, der Cousin des obersten Propheten Mohammed, von den Sunniten umgebracht, woraufhin. die Aleviten, deren Bezugsperson Ali war, nicht mehr in die Moschee gingen, da sie für die Aleviten keinheiliger Ort mehr war. Im Gegensatz zu den Sunniten üben die Aleviten ihre Religion nicht so streng aus, ihr Weltbild ist freier. Das brachte, und bringt, den Aleviten gegenüber den Vorwurf ein, sie seien keine richtigen Moslems, worauf sich rassistisches Verhalten ihnen gegenüber begründet.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/1/bestandsaufnahme&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/1/bestandsaufnahme&quot; dc:title=&quot;Bestandsaufnahme&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/524&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/524  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/1/bestandsaufnahme#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/antifaschismus">Antifaschismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/bewaffneter-kampf">Bewaffneter Kampf</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/internationalismus">Internationalismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/tuerkei">Türkei</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Sat, 06 Mar 2010 11:49:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">524 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Gender, Klimawandel und Biodiversität</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/38/gender-klimawandel-und-biodiversitaet</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;„Biodiversität“, die Vielfalt der natürlichen Ressourcen, wird als Begriff auch in Deutschland zunehmend bekannter – auch weil Ökosysteme durch den Klimawandel immer stärker unter Druck geraten. Was dabei oft übersehen wird, sind die Zusammenhänge von Biodiversität und Geschlechterverhältnissen. Aktuelle internationale Bemühungen um den Schutz der Biodiversität nehmen oftmals eine rein ökonomische Sichtweise ein, welche die Belange und die Rolle von Frauen ignoriert.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;„Biodiversität“, die Vielfalt der natürlichen Ressourcen, wird als Begriff auch in Deutschland zunehmend bekannter – auch weil Ökosysteme durch den Klimawandel immer stärker unter Druck geraten. Was dabei oft übersehen wird, sind die Zusammenhänge von Biodiversität und Geschlechterverhältnissen. Aktuelle internationale Bemühungen um den Schutz der Biodiversität nehmen oftmals eine rein ökonomische Sichtweise ein, welche die Belange und die Rolle von Frauen ignoriert.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Biodiversität und Klimawandel&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Verändern sich klimatische Begebenheiten, übt das Druck auf Ökosysteme und die darin lebenden Menschen aus. Dürren, Wüstenbildung, Überschwemmungen und Erosionen betreffen Menschen direkt und führen zum Verlust von biologischer Vielfalt. Gehen Wälder verloren, bedeutet das nicht nur weniger Sauerstoff und -senken, sondern auch den Verlust des jeweils vorhandenen genetischen Reichtums. Tritt dann extensive Viehwirtschaft an die Stelle der Wälder, werden also Bäume und biologische Vielfalt gegen Rinder ausgetauscht, entsteht ein Kreislauf, der den Klimawandel beschleunigt – denn gerade Rinder stoßen viel Methangas aus, welches zusätzlich zum Treibhauseffekt beiträgt. Ähnliche Auswirkungen hat die Schaffung von Anbauflächen für Agrobrennstoffe. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO ist damit zu rechnen, dass in wenigen Jahrzehnten bis zu 75 Prozent nutzpflanzengenetische Diversität für die Menschheit verloren sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Ökonomie und biologische Vielfalt&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Das Leben auf der Erde braucht Vielfalt. Wenn Ernten etwa aufgrund eines Käferbefalls komplett ausfallen und es keine alternative, resistente Saat mehr gibt, werden wir nur schwer überleben. Innerhalb einer Welt, deren oberster Maßstab der ökonomische Profit ist, wird etwas erst dann als schützenswert angesehen, wenn es einen monetären Wert zugesprochen bekommt. Diese Ansicht ist nicht vereinbar mit einem Lebensgedanken, der über das Ende der eigenen Marktteilhabe hinaus denkt, der Generations-, Umwelt- und Ressourcengerechtigkeit höher setzt als kurzfristige Profitmaximierung. Und selbst das Argument, die Kosten des Verlustes werden um ein Vielfaches höher sein als die Kosten zum Erhalt der Biodiversität, bleibt einer ökonomischen Sicht verhaftet. Dass der Verlust von biologischer Vielfalt ökologisch und ökonomisch eine Bedrohung bedeutet, ist unumstritten. Biodiversität ist jedoch mehr als ihr zu errechnender Marktwert. Biodiversität nicht anzuerkennen, bedeutet den Lebensgemeinschaften, die in ihren Lebensformen auf Vielfalt angewiesen sind, ihre Existenzgrundlage zu entziehen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Biodiversität und Gender &lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die meisten Konzepte, die den Wert der Biodiversität messen wollen, entbehren jeglicher sozialen Dimension. Fragen nach Geschlechtergerechtigkeit werden meist ganz ausgelassen. Die von Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen durchdrungene Beziehung zwischen den Geschlechtern und ihr Einfluss auf die Nutzung, den Zugang und die Kontrolle über natürliche Ressourcen wird kaum analysiert. In vielen Regionen dieser Erde wird das Überleben durch Subsistenzwirtschaft und die Produktion für lokale Märkte gesichert. Es sind hauptsächlich Frauen, die für die Versorgung ihrer Familien mit Grundnahrungsmitteln verantwortlich sind. In Gesellschaften, in denen der Alltag durch eine geschlechtsspezifische Trennung von Arbeit, Zuständigkeiten und Räumen gekennzeichnet ist, ist auch das Wissen unterschiedlich verteilt. Damit geht häufig eine unterschiedliche, geschlechtsspezifische Bewertung dieses Wissens einher.&lt;br /&gt; Deutlich wird dies etwa am Beispiel der Hausgärten. Während meiner Forschung in Bomboiza, Ecuador konnte ich sehen, dass Hausgärten, aus denen Familien Grundnahrungsmittel und Medizinalpflanzen beziehen, oft alleinige Aufgabe von Frauen sind. Die Frauen entscheiden, was angepflanzt wird und was mit den Ernteerträgen passiert. Entscheiden sich jedoch die Männer für den gewinnbringenden Anbau von Monokulturen, sind mit diesen Frauen-Bereichen auch Räume von biologischer Vielfalt und dem Wissen um sie bedroht. Denn die Hausgärten liefern nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungs- und Existenzsicherung der Familie, sondern dienen auch als Aufbewahrungsort für Biodiversität. Wie Frauen aus dem Süden immer wieder berichten, sind Männer eher bereit, die Subsistenzproduktion zugunsten einer globalen marktorientierten Produktion einzuschränken oder sogar aufzugeben.&lt;br /&gt; Ein weiterer Bereich, der Aufschluss über den Zusammenhang von Biodiversität und Gender gibt, ist das Kunsthandwerk. Die Shuars in Ecuador stellen ihren traditionellen Schmuck aus Samen und Pflanzen her. Das Wissen über die Vielfalt der verwendeten Pflanzen haben vor allem ältere Frauen. Sie pflegen die benötigten Samen, pflanzen Bäume und Sträucher. Die Frauen bewahren dieses Wissen, geben es an die nächste Frauengeneration weiter und sorgen so für den Erhalt der vorhandenen biologischen Vielfalt. Solange Hausgärten und Kunsthandwerk ihre Bedeutung behalten, sichert das wiederum den Frauen eine starke soziale Stellung innerhalb ihrer Gemeinschaft. Wird der natürlichen Vielfalt ihre Bedeutung zur Lebenssicherung jedoch abgesprochen, verliert das spezifische Wissen der Frauen an Bedeutung. Auf diese Weise verschwindet die Biodiversität sowohl konkret durch Monokulturen als auch im Bewusstsein der Menschen. Biodiversität, traditionelles Wissen und Gender sind also in einem Kreislauf verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Biodiversität, Gender und Macht&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Armut manifestiert sich durch die eingeschränkte Teilhabe an finanziellen, ökonomischen sowie natürlichen Ressourcen. Ganz grundsätzlich drängt der verweigerte Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen Frauen in Abhängigkeit von ihren Männern. Besonders deutlich wird dies, wenn der Begriff Armut auch auf Dimensionen wie mangelnde soziale Handlungsspielräume, fehlende Rechte und nicht vorhandene gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten bezogen wird. Verfügen Frauen auf der einen Seite über Wissen um Biodiversität und schützen diese, haben sie auf der anderen Seite eingeschränkte beziehungsweise kaum vorhandene Möglichkeiten, ihr Wissen und ihre Interessen politisch einzubringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Zeiten, in denen Biodiversität zur Handelsware erklärt und das Recht auf Nahrung durch Patente geregelt wird, ist politische Teilhabe bestimmend. Die Konvention über die Biologische Vielfalt fordert zwar die Beteiligung von Frauen bei ihrer Umsetzung, doch dazu fehlen ihnen häufig die politischen und ökonomischen Handlungsräume. Indigene Frauen besitzen großes Wissen über Biodiversität, wenn es aber um den Verkauf dieses Wissens geht, etwa beim Handel mit Heilpflanzen, werden die Verhandlungen von Männern geführt. Frauen dürfen oft kein Land besitzen und sind auch deshalb finanziell an ihre Männer gebunden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Genderpolitik statt Romantik&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Nicht selten stößt man auf ein romantisierendes Bild der „naturschützenden Indianerin“, indem eine natürliche Verbindung von indigenen Frauen und nachhaltiger Nutzung von Ressourcen gemalt wird. Diese „Feminisierung der Umweltverantwortung“, wie die entwicklungspolitische Gutachterin Christa Wichterich solche Zuschreibungen nennt, verbessert weder die Lebenssituation von Frauen noch erweitert sie weibliche Mitgestaltungsmöglichkeiten. Sie überträgt den Frauen die Verantwortung für den Schutz der biologischen Vielfalt und ignoriert dabei, dass die Frauen vom Verlust der Biodiversität und den Folgen des Klimawandels in besonderem Maße betroffen sind. Für den Schutz der Biodiversität sind Fragen der Geschlechtergerechtigkeit entscheidend. Wer entscheidet in einer Dorfgemeinde darüber, was auf den Feldern angebaut wird? Wer verhandelt auf den großen internationalen Konferenzen? Wer hat die Möglichkeit, Biodiversität zu verkaufen und daraus Gewinn zu machen? Wer kann überhaupt von der gerechten Verteilung aller aus ihrem Nutzen entstandenen Vorteile profitieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

&lt;h4&gt;Zum Weiterlesen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.gendercc.net/action/biodiversity.html&quot; title=&quot;www.gendercc.net/action/biodiversity.html&quot;&gt;www.gendercc.net/action/biodiversity.html&lt;/a&gt;&lt;br /&gt; &lt;a href=&quot;http://www.iucn.org/&quot; title=&quot;www.iucn.org&quot;&gt;www.iucn.org&lt;/a&gt;&lt;br /&gt; &lt;a href=&quot;http://www.cbd.int/&quot; title=&quot;www.cbd.int&quot;&gt;www.cbd.int&lt;br /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;



&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/38/gender-klimawandel-und-biodiversitaet&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/38/gender-klimawandel-und-biodiversitaet&quot; dc:title=&quot;Gender, Klimawandel und Biodiversität&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/413&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/413  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <category domain="https://arranca.org/tag/biodiversitaet">Biodiversität</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/ecuador">Ecuador</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/geschlechterverhaeltnisse">Geschlechterverhältnisse</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/klima">Klima</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Julika Schmitz</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">413 at https://arranca.org</guid>
</item>
</channel>
</rss>
