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 <title>arranca! - HipHop</title>
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 <title>„Es ist die Systematik, es ist das System”</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/2/es-ist-die-systematik-es-ist-das-system</link>
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                    &lt;p&gt;Auszug aus einem Gespräch mit Anarchist Academy&lt;/p&gt;
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        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Auszug aus einem Gespräch mit Anarchist Academy&lt;/h4&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;... L.J.: Unser Anliegen war es, Hip Hop mit radikalen, deutschen Texten zu machen. Radikal im Sinne von an die Wurzel gehend, nicht das plumpe Phrasen­dreschen. Wir werden teil­weise die Slime des Rap genannt, das mag ich nicht so gerne, denn Slime haben, finde ich, teilweise sehr plumpe Parolen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Babak: Obwohl sich mit den Texten ergeben hat, daß wir sehr viel mit Har­dcore-Bands zusam­men spielen, sind dann aber auch Hip Hops im Publikum. Das geht ganz gut zusam­men.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: Es ist eigent lich schon er­freulich, wenn verschie­dene Leute ein Publikum sein können. Inzwischen haben wir uns aus dem Kopf geschlagen, daß es möglich ist, z.B. die Hip Hop-Szene zu politisieren, so einfach ist das alles nicht, da muß man erstmal respektiert werden, und das ist für uns &#039;ne schwierige Sache.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Dr. P.: Was meinst Du mit politisieren? Daß die Leute die Texte gut finden? Sich damit auseinandersetzen?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: Wenn wir genau den Schritt erzielen können, vom „gut finden&quot; zum auseinan­dersetzen, dann glaube ich, kann auch ein Prozeß der Politisierung eintreten. Das setzt aber auch voraus, daß man uns ernst nimmt, und in der Hip Hop-Szene meinen viele wir seien „einfach radikal&quot; - ganz nett aber ... In der Hip Hop-Szene ist ja `ne Tendenz zum Linksradikalis­mus vorhanden, aber eben nur &#039;ne Tendenz, so haben z.B. Advanced Chemistry einen antirassistischen Song gemacht - nicht antifaschi­stisch! Für uns ist es wichtig, daß wir in unserer politi­schen Ausdrucksweise und Kritik bleiben. Wenn jemand sagt, „Eure Texte erinnern mich an Ton, Steine, Scherben&quot;, dann sind wir darüber glücklich.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;dna: Welchen Anspruch habt ihr an eure Musik?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: Na, oft treten wir sowieso schon vor Gleich­gesinnten auf, böse Stimmen sagen, wir ließen uns abfeiern ... Wir denken, daß es trotzdem wichtig ist. Wir bringen damit eigene Kultur hervor und das schafft ja ein Stück Identität.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Babak: Es geht uns darum, Konsequenzen klar zu machen. Wenn du z.B. sagst, du bist bereit, ein AsyIbewerberheim zu schützen, dann mußt du auch bereit, sein Gewalt anzuwenden, sonst kannst du gleich heim­gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: Wir sagen ja nicht: „Geht auf die Straße und knallt alle Faschos ab...&quot; Wir wollen auf keinen Fall Aktionismus för­dern, denn Aktionismus ist, glaube ich, das weitverbreitetste negative Syndrom in der autonomen/links­radikalen Szene verbunden mit Alkoholismus und Dro­genkonsum.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;dna: Warum heißt ihr Anar­chist Academy?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: ... Na das hört sich irre gut an (alle lachen) - Also, „Anarchist&quot; steht mehr oder weniger für das Aufrühreri­sche und „Academy&quot; für&#039;s Denken ...&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Babak: Das alte System zer­stören und etwas Neues wieder aufbauen ...&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Lady M.: Wie sieht denn eure politische Praxis aus?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: Wir arbeiten in und mit Antifa-Gruppen; teilweise in linken Zeitungen ... es geht uns besonders darum aus­ländische Jugendliche zu politisieren ...&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Babak: Das Problem ist, daß wir nicht genügend organisiert sind. Es gibt zwar unter ausländischen Jugendlichen schon das Ding, „mal loszuge­hen und Skins zu klatschen&quot;, das kenne ich ja von mir von früher auch, das reicht aber nicht ...&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;L.J.: Es fehlt das Bewußt­sein. Der erste Schritt ist das Bewußtsein, dann kommt die Orga­nisierung, und schließlich - beides kombiniert - die politi­sche Aktion.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;dna: Ihr singt ja teilweise auch auf türkisch und per­sisch, wie kommt das, und über worüber singst du auf persisch, Babak?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Babak: Ich will einmal den Deutschen zeigen, daß es auch andere Sprachen gibt, die sich so und so anhören. Außerdem, um andere Ira­ner direkt in unserer Mutter­sprache anzusprechen. Ich singe kurz über mich und warum ich hier hin, und dann, was meiner Meinung nach unsere Ziele als Aus­länder sein sollten: Uns zu organisieren und gegen den Faschismus zu kämpfen.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/hiphop">HipHop</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/musik">Musik</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Sun, 14 Nov 2010 10:35:26 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Rapper reden lieber über Leben!</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/2/rapper-reden-lieber-ueber-leben</link>
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                    &lt;p&gt;In den ‚Schwarzenghettos‘ der USA entstanden, hat Hip Hop innerhalb weni­ger Jahre einen unglaubli­chen Siegeszug angetreten und eine musikalische Entwicklung mitgemacht, die zu einer großen Viel­falt geführt hat.&lt;/p&gt;

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&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;In den ‚Schwarzenghettos‘ der USA entstanden, hat Hip Hop innerhalb weni­ger Jahre einen unglaubli­chen Siegeszug angetreten und eine musikalische Entwicklung mitgemacht, die zu einer großen Viel­falt geführt hat - ob nun die Heavy-Rocker von Anthrax zusammen mit Public Enemy einen Song aufnehmen, der mit einer gehörgangstrapazieren­den Soundwand aufwar­tet, oder Guru von Gang­starr mit den Jazzlegenden Roy Ayers und Donald Byrd eine Platte produ­ziert, Miles Davis dem Hip Hop eine Scheibe wid­met... Dennoch war unter ‚Linksradikalen‘ in der brd Hip Hop lange als „Disco-Scheiß” verpönt, bis die revolutionskompa­tiblen Parolen in einigen Texten von Public Enemy Hip Hop Szene-fähig machten; auf einmal war Rap „die Musik aus den Schwarzenghettos, Sound­tracks zum Kampf ...”. So wird auf jeder ‚Szene-Disco‘ seit etwa zwei Jah­ren zu jedem Rap-Song die Faust gereckt, auch wenn es aus den Boxen “Fuck-you-motherfucker- pimp-pussy-bitch-lick- dick” tönt. Medienereig­nisse wie etwa Ice-T, dessen Platten überwie­gend von weißen Mittel­klasse-Kids gekauft wer­den, präsentierten zum richtigen Zeitpunkt die gewünschte Sex &amp;amp; Crime­Mischung und avancierten mit ihren Gewaltphanta­sien und frauenverachten­den Inhalten zu Mega­stars ...&lt;br /&gt; Hip Hop ist nicht per se revolutionär, bietet jedoch die Möglichkeit, sich kul­turelle Ausdrucksformen anzueignen und mit gerin­gen Mitteln selbst zu pro­duzieren. Die langen Sprechtexte bieten die Chance, progressive und revolutionäre Inhalte zu verbreiten, und die Musik bringt Menschen zum tan­zen - gemeinsam. Den meisten Rappern aus den USA liegt es fern, über etwas anderes zu rappen als Knarren, Frauen, schwarzen Nationalismus oder Islam. Die Strömung des bewußten, nennen wir es ‚aufklärerischen‘ Hip Hop mit politischen und pädagogischen Ansprüchen ist klein aber bedeutsam. In vielen Län­dern hat sich mittlerweile eine eigene Hip Hop-Szene entwickelt: Eng­land, Frankreich, Schweiz, Italien, brd ...&lt;br /&gt; In der letzten arranca! hat ein Interview mit vier italienischen Hip Hoppern einen Einblick in die itali­enische Szene gegeben ... Doch was ist in Deutsch­land los? Entsteht unab­hängig, unbemerkt und unbeachtet von der schla­fenden, altbackenen und kulturlosen „politischen Linken” eine „kulturelle Linke”? Die Hip Hop-Szene in Deutschland wächst in einem rasenden Tempo, und hat sie auch nicht ihren Ursprung in linksradikalen Zusammen­hängen wie in Italien, so ist ihre Ausrichtung ganz klar antirassistisch und antifaschistisch. Die Band­breite geht von sozialde­mokratisch-naivem wirwollenjaallezusammenleben-Geseier über sozialkri­tische bis zu linksradika­len Texten, manchmal gekonnt, manchmal unbe­holfen. Hier soll eine Aus­wahl der in den letzten Monaten erschienenen Hip Hop-Produk­tionen aus der brd vorgestellt werden, dabei geht es nicht um die Kommerz­Idioten-Rapper von den Fantastischen Vier oder irgendwelchem aus kultureller Ignoranz entstandenem Blödel-Rap von der Ersten Allgemeine Verunsicherung bis Frank Zander. Es geht um die Dj&#039;s, Rapper und Musiker, die sich im weite­sten Sinne dem Hip Hop verbunden fühlen, die meinen was zu sagen zu haben, gegen Sellout antreten und Groove haben ... the world is yours! Im Spätsommer 1992 erscheint der deutsche Polit-Hip-Hop „80.000.000 Hooligans” von der ehemaligen Polit-Fun-Punk­Combo Die Goldenen Zitronen, gemein­sam aufgenommen mit IQ und Easy Business - die „Szene” spitzt die Ohren, etwa zeitgleich wird „The Vinyl Call” von dem nun in Hamburg ansässigen New Yorker IQ Gray veröffentlicht. Daß der ex-”Poor righteous teacher”-Rapper nicht auf Deutsch rappt ist erstmal logisch, doch seine Songs legen dennoch einen Schwerpunkt auf die politische Situation in der brd und musikalisch hält die Scheibe dem internationalen Vergleich stand. Der Anfang ist gemacht (auch wenn es nicht wirklich „der Anfang” war, so kam doch deut­scher Hip Hop erstmals aus den Underground-Kreisen raus ...). Dann erscheint ,,Fremd im eignen Land” von Advanced Chemistry (über Erfahrungen v,on Afro­Deutschen und Ausländern in der brd) und landet für deutsche Hip Hop-Dimensionen einen kleinen Hit.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Die neue Maxi „der letzte Waltzer” der auf Kölsch rappenden RUDE POETS arbeitet sich gerade die Indie-Charts hoch, zu hören sind 3 Songs und zwei instru­mental-Versionen (die sind übrigens oft dabei, damit jeder/jede auch selbst rappen kann). Die RUDE POETS bewegen sich zwischen schnellem Raggamuffin und Rap und sind eindeutig von der bri­tischen Hip Hop-Szene beeinflußt (obwohl sich UK-Hip Hop nicht so gut verkauft hierzulande, sind britische Ein­flüße in der Szene sehr stark). Ihre Texte sollen „sozial engagiert” sein - was immer das sein mag, ich hoffe die des Kölsch mächtigen wissen es ihnen zu danken. Mit „Amazoon Chainsaw Massacre” sind die RUDE POETS auch auf „JOINING FORCES VOLUME 1” zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Das Projekt (sie wollen kein Sampler sein) stellt fünf Gruppen mit schnellen Beats und Rhymes vor. Leider sind kaum deutsche Texte zu hören, denn die mei­sten MC&#039;s der brd-Hip-Hop-Szene rappen auf Englisch - nicht daß ich die deut­sche Sprache besonders musikalisch fände, doch Hip Hop ist ein Medium, und so sollte jeder, der etwas zu sagen hat, es am besten in seiner Sprache tun. Von den weiteren auf dem Sampler ver­tretenen Gruppen ist noch erwähnenswert, weil wunderschön, der Raggamuffingutelaunecalipso „Mr Brown” von FEWD und No Remorze aus Bremerhaven (kurdisch-deutsch-us-amerikanisch-nordirisch) mit schnellem aggressivem Hard­Core Polit-Hip Hop. Mit „Complaint to those who sold out Hip Hop” wenden sie sich gegen die Kommerzialisierung des Hip Hop. Über No Remorze kom­men wir zu einem anderen Sampler:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;“KILL THE NATION WITH A GROOVE” – auf dem No REMORZE mit „Killa Squad”, zu hören sind: hart und gut. Sonst sind noch HIGH mit einem stilistisch gut gerappten, aber sonst eher langweiligem Song, ABSOLUTE BEGINNERS mit einem deutschsprachigen anti-Bullen-Song (textlich klingen sie wie autonome Oberschüler ...), READYKILL harter Britcore) und AJ BIG TALKS and the DJ vertreten.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;2 BIAS aus dem Karoviertel rappen auf Deutsch gegen die Drogen in ihrem Viertel und kritisieren die Hausbesetzerszene, aus der sie anscheinend selbst kommen, 2LO tönt großspurig „How to kill a sucka” - die Musik ist gut, die Sam­ples auch, nur die Stimme ist etwas schwach und öde. Der absolute High­light auf dem Sampler ist ganz klar CORA E — Kieler Female-Rapp — und eine der Knüller der deutschen Hip Hop-Szene! Ihr „Swift” handelt von einem Freund, der zum Bund muß ... (Holidays in Somalia).&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Weiterhin sind zu hören Advanced Chemistry mit „Fremd im eigenen Land“, IQ mit einem Remix von „Sensimilla“ und EASY BUSINESS mit einem Remix von „Save the Kids”. KILL THE NATION WITH A GROOVE gehört auf jeden Fall zu denabsolut empfehlenswerten deutschen Hip Hop-Scheiben.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Solches will ich von einem anderen Sampler, „THAT&#039;S REAL UNDERGROUND”, nicht unbedingt behaupten. Herausra­gend sind nur die zwei Songs von NO REMORZE (sie scheinen auf jedem Samp­ler vertreten zu sein) - doch dafür wer­den die Ohren von den „COOLEN SÄUEN”, einem kläglichen Fantastische Vier-Ver­schnitt aus Köln, arg strapaziert. Eine kleine Textprobe:&lt;br /&gt; „Vorsicht, der Ausbruch der DCS - Die Coolen Säue - also mach keinen Stress. Die vier Typen aus Köln - die DCS-Posse‑ versuch&#039; nicht dich mit uns zu messen sonst liegst du in der Gosse, denn wir sind was wir sind, nein wir werden nicht schwindeln. Piss&#039; du dich jetzt an, hau ab und kauf dir Windeln. Zu viert reimen wir als Coole Säue vereint: über uns und alles was uns reimenswert erscheint.”&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Na denn Gute Nacht! State of Depart­mentz stellt 3 Songs vor, „Auf der Jagd nach dritter Oktober” ist ganz gut, sonst manchmal schlechte, machmal gute Pas­sagen. Außerdem zu hören: Such a Surge, ein relativ schlechter Heavy Metall-Rap-Crossover (doch das Vorab­tape der nächsten Maxi „Gegen den Strom” ist besser) und 2 LO - auch auf Kill the nation with a groove vertreten, und die Kritik bleibt die gleiche, obwohl es sich um andere Songs handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Vorwurf von allen Seiten an das Labe:l „ THAT&#039;S REAL UNDERGROUND“ ist nur auf CD erschienen und das, obwohl die Vinyl-Scheibe eine wichtige Grundlage der Rap-Musik ist und die Musikindustrie versucht, sie zu töten (dann wird es Platten nur noch teuer und für DJ&#039;s geben -alle müssen sich CD-Player kaufen – der CD-Preis soll auf 40-50 DM angehoben werden; kein Scratchen mehr, kein Üben zu Hause für jede/n ...).&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Die gesamte Hip Hop Szene startet „SAVE THE VINYL“-Kampagnen und den vermeintlichen Underground-Sampler gibt es nur auf CD?&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;MIC FORCE aus Wiesbaden (Roots: Türkei, Portugal und Sri Lanka) haben mit „Fuck You Skin“ ihre erste Maxi vorgelegt. Außer dem Titel-Track ist auch noch der türkisch-englische Rap „Buda Benden“ zu hören. Beide Songs arbeiten mit harten Beats und Samples, „Buda Benden“ hat durch Samples aus einem Ibrahim Tatlises Song einen orientalischen Klang.&lt;br /&gt; Das Cover ziert ein Foto auf dem ein Skinhead mit Hilfe eines Baseballschlä­gers und einer Knarre in einen ange­brachten Zustand versetzt wird - auf einer Wand im Hintergrund ist „Nazis raus” zu lesen. „Selbstverteidigung ist keine Gewalt sondern Intelligenz”, so MIC FORCE, die zusammen mit deutschen antifaschistischen Gruppen gegen Faschismus kämpfen wollen. Offen bleibt allerdings dann, warum sie gleich zweimal einen „ blueeyed devil”-Spruch in ihren Text übernehmen (Hey ich habe blaue Augen, bin auch Nicht-Deut­scher, kämpfe gegen Faschismus und für eine befreite Gesellschaft!); alles in allem trotzdem eine der besten in der brd pro­duzierten Rap-Scheiben (vor allem „Buda Benden”) !&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Aus Nürnberg kommen KING SIZE TER­ROR; KST sind hauptsächlich der Türke INCREDIBLE AL und der Halbperuaner CHILL FRESH. Sie hatten bereits Mitte &#039;91 eine LP (THE WORD IS SUBVERSION) vorgelegt, ihr Stil ist Hardcore, doch keine US- Kopie, sondern Auseinandersetzung mit deutschen Themen. Während auf der LP gute Songs mit guten Texten (z.B. „Re­unifuckation”), aber auch eher blödsin­niger Pseudo-Kram zu hören war, ist ihr neues Programm nicht mehr so sucker­fuck-off-blabla-durchsetzt. Auf der Maxi „Defol Dazlak” sind eben dieser türki­sche Anti-Nazi-Rap und ein englisch­sprachiger Hardcore-Song zu hören, die mir immer besser gefallen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ANARCHIST ACADEMY, aus Lüdenscheid und Iserlohn, legen mit „Am Rande des Abgrunds” 20 Stücke, linksradikalen Hip-Hop mit Groove, vor. Auch wenn die Beats besser sein könnten, sind ihre Texte sicherlich No. 1 in der deutsch­sprachigen Hip-Hop-Szene.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;(Education + Entertainment = Edutainment).&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Dies führte zu einem Auftrittsverbot in allen „städtischen und öffentlichen Ein­richtungen der Stadt Lüdenscheid”. Die Platte ist trotz einiger schwacher Titel empfehlenswert. `Nuff respect für Nihat Irken und I3abak Soltani für den tür­kisch-persischen Rap „Wir sind Brüder”. Zur Gewaltfrage? „ Wir lassen uns von denen keinen Vorwurf machen, die den Artikel 16 verändern wollen und sich weigern, Armut als Ausdruck politischer Repression anzuerkennen, an deren Zustandekommen die heutigen Wohl­standsstaaten eine Hauptschuld tragen.“&lt;br /&gt; Von Teilen der Hip Hop-Szene werden sie gedissed (nicht akzeptiert, mit abfälli­gen Bemerkungen versehen), da sie auf Jams nicht zu hören waren und mit Har­dcore-Bands zusammenarbeiten... mei­ner Meinung nach blödes Puristen-Gefa­sel.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;CPS und JAMBALAYA TRIBE aus Berlin-Kreuzberg teilen sich eine Maxi; auf der einen Seite sind gleich drei Versionen des CPS-Song „2 Gather” und auf der anderen zwei Versionen von JAMBALAYA TRIBE „Provocation”. Die Mitglieder bei­der Crews überschneiden sich teilweise und alle zusammen und noch viele mehr sind P-PACK ...&lt;br /&gt; ,.Das P-Pack ist eine Crew von MC&#039;s, Musikern, Drs, Technikern, Programmie­rern, Plattenhändlern eine Crew von 28 Leuten aus verschiedenen Altersgruppen, mit verschiedenem Background, ver­schiedener Nationalität, aber mit ähnli­chen Ideen und Gefühlen. Alles, was wir wollen ist, ein bißchen mehr Kontrolle darüber zu haben, was mit unserer Musik passiert. ...daß nicht nur Leute an dieser Musik Geld verdienen, die eh schon genug haben. ...daß ihr euch diese Platte anhört. Dies ist keine Lösung... aber ein Anfang!” Es stehen auch noch viel mehr gute Sachen im der Platte bei­gelegten Infoblatt ... „Provocation” finde ich trotzdem eher langweilig, aber der CPS-Song ist gut! Vor allem live sind die Kreuzberger Lokalstars empfehlenswert; wesentlich härter als auf Platte und mit Horden von Musikern auf der Bühne (zumindest für &#039;nen Rap-Act...). Schade, daß auch sie auf Englisch rappen, wo sie doch sooo viel zu sagen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;WEEP NOT CHILD haben mit „Hoyers­werda to Rostock” eine EP mit 6 Stücken vorgelegt, die bis auf den Title­track in die jazzige Richtung geht. Sehr schön sind die beiden Songs „introduc­tion to Jazz” und „You know how to get down”. Die Texte handeln meist vorn Leben in Deutschland, Rassismus und Faschismus sind allerdings eher Durch- schnittssozialkritischuswrassismusechtnichtguthey. Für Leute, die jazzigen Hip Hop Crossover mögen, ist die Scheibe musikalisch zu empfehlen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Das deutsche Hip Hop-Pionier-Label Bi.yrz VINYL veröffentlichte mit „Blitz Mob” einen musikalisch durchweg guten Sampler, auf dem neben KAos und SBG auch drei Crews aus der brd - LSD, C.U.S. und ÄI-TIEM, alle aus Kölle zu hören sind.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;LSD, die bereits eine mit Lorbeeren überschüttete LP veröffentlichten, sind auf ein Duo geschrumpft (der Rest nennt sich auch LSD und macht weiter ...) und bringen mit „Ohne Warnung” ein gutes Hardcore-orientiertes Stück mit teilweise blödem Text: „wie Willy Brandt versetz&#039; ich Dich in den Ruhestand”. Nice, groovy &amp;amp; funky „Das Gesetz des Dschungels” von C.U.S.; „Konsumieren und sonst nix” vom Äi-Tiem rapt heavy­funkig durch die Landschaft der Werbe­parolen ... wobei es erstaunlich ist, daß das ÄI-TIEM solche Texte hinkriegt, bis­her waren sie als Pubertär-Rapper durch ihre schwachsinnigen Texte aufgefallen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Die ABSOLUTE BEGINNER aus Hamburg haben eine EP, „Gotting”, vorgelegt (4 Stücke + Instrumental-Version) die sich hören lassen kann! Textlich und musika­lisch sind sie gereift, und haben ihre Unbeholfenheit, die auf „KILL THE NATION WITH A GROOVE” zu hören war, überwunden.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Mit „Dies ist nicht Amerika” wenden sie sich gegen das Kopieren des Gang­ster-Gehabe und jeden Mode-Trends aus den USA, auch die restlichen Songs sind textlich und musikalisch (bis auf ein paar Schnitzer) gut. Die Hamburger zei­gen sich auch sonst engagiert (in den Wohlfahrtsausschüssen ... schönen Gruß!) - auf jeden Fall empfehlenswert. Sie sind wie WEEP NOT CHILD und „KILL THE NATION WITH A GROOVE” auf BUBACK RECORDS, einem Hamburger Label an dem die Goldenen Zitronen beteiligt sind, erschienen (Gruß an Ale, viel Erfolg), was ich unbedingt erwähnen will, da ihr ein Ohr für ihre Neuveröf­fentlichungen haben solltet ...&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;So z.B. für MARIUS No.1 und CORA E „Könnt ihr mich hören”, CORA E rapt jetzt auf Deutsch, was sie mir gleich noch viel sympathischer macht. Drei verschiedene Songs (+3 instr. bzw. a capella-Versionen) sind auf der Maxi und bestätigen meinen Eindruck von „Swift”: CORA E ist die kommende Stimme im deutschen Rap!&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Kurz vor Redaktionsschluß trudelte noch „HIP-HOP HURRA”, Rap gegen Rechts/ein Prinz(!!!)-Sampler ein.&lt;br /&gt; 25 Gruppen mit 26 Songs sind zu hören, außer ein paar Altbekannten auch viele neue Crews. DCS haben sich musikalisch deutlich verbessert, FRESH FAMILEE sind mit einem älteren, recht holprigen Track vertreten. Mit RHEINREIME und DAS DUALE SYSTEM sind zwei Gruppen zu hören, in denen (Ex-??)RUDE POETS-Mitglieder ihre Finger (respektive Stimmen) drin haben; RHEINREIME sind auch die freudige Überraschung auf dem Sampler (kölsch-türkisch-italienischer Rap), zusammen mit TCA (Microphone Mafia) + einem schönen langsamen Stück von ERIC XL SINGLETON. Zwar ist der Sampler insgesamt weniger span­nend als erwartet; (einige Stücke sind auch kein Hip Hop, sondern Hardcore mit Sprechgesang), aber dennoch ein ganz netter Überblick.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Tja, alles war das nicht, Sorry an ISLAMIC FORCE, N-FACTOR, VIBE TRIBE, und all&#039; die anderen, deren Platten ich nicht bekommen habe, und die hier nicht auftauchen.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/rap">Rap</category>
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 <pubDate>Sun, 14 Nov 2010 10:28:36 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>„wir imitieren nicht den radikalen Amikram!“</title>
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                    Ein Interview mit Nefa Beat - Isola Posse Allstars (Bologna), Lele und Fumo - Lion Horse Posse (Mailand), Nando Popu - Salento Posse (Lette). Geführt Ende März in Berlin.


        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Ein Interview mit:&lt;br /&gt;Nefa Beat - Isola Posse Allstars (Bologna)&lt;br /&gt;Lele und Fumo - Lion Horse Posse (Mailand)&lt;br /&gt;Nando Popu - Salento Posse (Lette)&lt;br /&gt;Geführt Ende März in Berlin&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;dna: &lt;/strong&gt;Warum macht ihr Hip-Hop?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B:&lt;/strong&gt; Letztes Jahr wurde in Italien Musikern, die italienische Popmusik machen vorgeworfen, sie würden sich eine Kultur aneignen, die nicht ihre ist, sondern die der schwarzen Ghettos in den USA. Der Vorwurf kam vor allem auf einem Treffen einiger Independent- Labels, an dem wir nicht teilgenommen haben, auf. Ich glaube, um zu rechtferti­gen, daß ihre eigenen Musiker weiterhin englischsprachigen Brei produzieren um die Leute in den Discos zum hüpfen zu bringen. Wir haben uns in Italien, und ich denke in Deutschland ist es genauso, nicht eine Kultur sondern ein Mittel angeeignet. Hip-Hop wird als Gedan­ken- und Kommunikationsbewegung von unten nach oben benutzt. Sein Vor­teil ist, daß es ein sehr direktes und schnelles Kommunikationsmittel ist. Leute, die sich bereits durch das System „sozial besiegt” sahen und kaum Mög­lichkeiten hatten, sich frei auszudrücken -da sie entweder der Mainstreamkultur oder der Mainstreamgegenkultur folgen mußten- fanden sich auf einmal mit einem Mikro in der Hand direkt vor einem Haufen Leute und konnten sagen, was sie wollten. Am Anfang war das ziemlich bunt gemischt. Einige hatten den Menschen etwas wichtiges zu sagen, andere sprachen einfach von positiven und negativen Gefühlen im Alltag, und wie­der andere erzählten nur Scheiße. Mit der Zeit ist da glücklicherweise gefiltert worden und jetzt gibt es in Italien Kon­takte zwischen verschiedenen Gruppen aus verschiedenen Städten. Das umfasst Bands, aber auch andere Gruppen, teil­weise aus Centri Sociali (Jugendzentren, oft besetzte Häuser).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hip-Hop und Raggamuffin bringen diese Menschen zusammen, das betrifft auch mich, daß sie sich auf halbem Wege zwischen der mehr oder weniger organisierten und mehr oder weniger kranken Linken sowie dem Alltag in der Stadt, d.h. Repression, Paranoia, Lange­weile, Schweigen usw. bewegen. Es handelt sich um Leute die einen anderen Weg nach draußen suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Wir haben nicht den radikalen Amikram imitiert. Wir haben einfach das gesungen, was wir jeden Tag erleben, und das hatte Ähnlichkeit mit den Pro­blemen der Leute in den Ghettos von Los Angeles. Die Probleme des Proletariats – um das ganze mal etwas großspurig auszudrücken – sind international.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Wir machen Hip-Hop weil es voll cheap ist, mit äußerst wenigen Mit­teln zu realisieren eben. Wir haben unsere beiden Platten zu Hause aufge­nommen, diese Möglichkeit bietet keine andere Art von Musik. Noch leichter ist es einfach &#039;ne Baseline auf Platte zu nehmen und drauf zu singen, so haben wir im Leoncavallo (Seit über 15 Jahren besetztes Zentrum in Mailand) angefan­gen. Lele legte immer mehr Bands die &#039;ne bestimmte message hatten, wie etwa Public Enemy, auf und spielte sie auf Dancehall-Nächten, bei Volxsdiscos wie wir sie nennen, wo Du zwischen 0 und 2,50 DM bezahlst und die ganze Nacht tanzen kannst (Discos sind in Italien sehr teuer, ca. 20-40 DM). Dabei haben wir festgestellt, daß es wirklich super­leicht ist zu kommunizieren, in den Anfangszeiten hat im Leoncavallo jeder das Mikro in die Hand genommen, mitt­lerweile ist das leider zurückgegangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Warum hat sich das verändert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fumo: Na es ist wie bei allen anderen Musikarten geworden; da ist einerseits die Band und andererseits das Publi­kum. Wir versuchen es, besonders im Leo, immer noch und echt schon fast mit Arschtritten, den Leuten das Mikro in die Hand zu drücken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Vorteil der Volxdisco ist auch, daß sie viele Leute zusammenbringt, sie ist ein Moment der Begegnung in der Lin­ken. Viele Leute hatten die Schnauze voll vom Hard-Core, ultraschnellen Sounds, tierischem Chaos und Noise bei dem Tanzen oder Kommunizieren ein­fach unmöglich wurde. Mit diesen Volxsdisco-Abenden kamen und kom­men viele Leute, die wenig oder über­haupt nichts mit Centri Sociali zu tun hatten, und wenn die Dance-Hall vorbei war, blieben sie, und zwar nicht nur um ein Bierchen zu trinken, sondern auch um den Ort mit zu verteidigen und sich über andere Besetzungen zu informie­ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando Popu:&lt;/strong&gt; Ich kannte, bevor ich mit Hip-Hop etwas zu tun hatte, gar nicht die Realität der Centri Sociali, da es sie bei mir unten (Synonym für den Süden Italiens) nicht gibt. Für uns im Süden bedeutet der Raggamuffin&#039; mehr, der hat Tradition... die Sonne..., das fühlst Du im Blut, also diese Musik hat uns ermöglicht soviele Menschen zusam­menzubringen, die sonst oft außen vor standen und sich für viele Probleme nicht interessierten und nie angingen obwohl sie täglich mit ihnen konfrontiert waren. Dank der Texte hat es da eine große Sensibilisierung gegeben. Du weißt wie italienische Lieder sonst sind - „amore... paparapa... trara..&quot; Hip-Hop ist vielleicht die erste musikalische Bewegung, die sich in Italien ausbreitet und nicht mehr von irgendwelchem sen­timentalen Kram oder Liebesdramen singt. Oder wenn es in der italienischen Musik etwas sozialkritisch wurde, dann blieb es immer sehr vage. Hip-Hop wächst auch Dank der ganzen politisch- kulturellen Meetings, die es gibt, oder der gemeinsamen Konzerte, z.B. unsere Band hier ist keine homogene Band, wir kommen aus Mailand, Bologna und Lecce.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Habt ihr mit einem derartigen „Erfolg&quot; gerechnet, als ihr angefangen habt Hip-Hop zu machen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle lachen: „Welchen Erfolg?&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Du meinst wohl den Platz, den uns die Medien auf einmal geben...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Nein, es ist doch schon so, daß Eure Platten gehört werden und die „Szene&quot; recht groß ist...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Ich habe das schon erwartet, viel­leicht nicht gerade von LHP, auch wegen der begrenzten Mittel, aber italie­nischer Hip-Hop und Raggamuffin mußte früher oder später Erfolg haben.... Leider haben wir vorher nicht alle daran gedacht, sonst hätten wir das lockerer angehen können, weniger chaotisch und ohne die ganze Eifersucht und den Neid, der jetzt zu Tage kommt. Einige machen sich zur Stimme der „Auto­nomia&quot;, andere zu der des Hip-Hop der ganzen Welt und da gibt&#039;s häu­fig Probleme...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa Beat&lt;/strong&gt;: Zum Teil sind die Texte sogar abgeschrie­ben...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Das ist alles bloß Rauch... es gab dieses pushen der Medien, Kommerzschienen und du hast Bands gefun­den, die Konzerte gegeben haben, obwohl sie nur zwei Stücke hatten. Die italienische Hip-Hop-Szene ist aber ins­gesamt eher klein geblieben...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele und Nefa B&lt;/strong&gt;: He He! Wart&#039; mal....&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B&lt;/strong&gt;: Sagen wir mal, daß die Szene die so Anfang der 90er rausgekommen ist, positive und negative Früchte getra­gen hat. Was mir gefällt, ist, daß es 15jährige Kids gibt, die sich die Texte durchlesen und für sich akzeptieren und nicht weil sie einfach gegen etwas sind. Ich glaube das wird noch Früchte tra­gen, Bands wie wir alle hier oder Sud Sound System, Onda Rossa usw. sind Leute, die versuchen eine Mauer einzu­drücken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Ich bin mir sicher, daß Hip­Hop einen größeren Durchbruch erle­ben wird. Bedenken müssen wir, welche Qualität wir ihm geben sollen. Wir ste­hen auf einmal Major-Labels gegenüber, und wir müssen das angehen, denn viele interessieren sich für Major-Labels und die jungen Hip-Hop-Kids schiessen wie die Pilze aus dem Boden. Wir müssen einerseits unser Image „pflegen&quot; gegenü­ber all&#039; dem Mist der noch rauskommen wird und es wird noch einiges kommen, das kommt auch in Ländern wie Deutschland rüber, wo es einen -sagen wir- Underground-HipHop aus Centri Sociali nicht gibt, hier in Deutschland wird das ja als US-Phänomen gesehen; Baseballmütze etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Ihr spielt sehr viel in verschiede­nen Orten, auf was für ein Publikum trefft ihr dabei und wie gestaltet sich die Kommunikation mit dem Publikum?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Ich hab&#039; schon in fast ganz Italien gespielt, aber am schönsten ist es immer noch in Lecce, wo ich her­komme, das ist ein ganz anderes Gefühl, denn das Publikum ist viel heterogener, du findest 70-80jährige, Jugendliche und Familien mit Kleinkindern, die nicht mal richtig laufen können. Es ist echt was breites und nicht so wie an anderen Orten, wo du nur Leute hast, die schon was mit Hip-Hop zu tun haben, Jugend­liche bis höchstens 25.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Du singst ja auch in deinem Dia­lekt...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Ich singe ausschließlich in meinem Dialekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Über was singst du denn?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Über das Leben eines „gewöhnlichen&quot; Jugendlichen, der in Lecce lebt und mit der Mafia konfrontiert ist, sich mit den Leuten auseinandersetzen muß, denen es gut geht, für die alles OK ist, solange sie fressen und saufen können. Über Jugendliche, die eigentlich genauso sind wie du, dir aber Stöcke zwischen die Speichen schieben weil sie ihre individuellen Scheißinteres­sen haben. Das Leben da unten besteht aus zur Schule gehen und heiraten, und dann bist du ein „anständiger&quot; Mensch, bürgerlich eben. Das Hauptproblem meines Landes (das meint den Süden) ist dieses „anständig sein&quot; und die fatalisti­sche Lebenseinstellung der meisten, sie machen einfach nichts. Bei uns geht es dem Hip-Hop darum, die Leute .aufzu­fordern, nicht alles als gegeben hinzu­nehmen und was eigenes beizusteuern, selbst eigene Aktionen und Initiativen vorzuschlagen. In. meiner Gegend z.B. gab es bis vor 5 Jahren noch keine Pro­bleme mit der Mafia und innerhalb von 5 Jahren hat sich alles ins Gegenteil ver­kehrt, du siehst Leute mit Wummen rumlaufen und sie zeigen sie dir auch, das Spielchen im Auto und an der Ampel dann Line und Kavaliersstart, echt Wild-West-mäßig. Niemand macht etwas dagegen, im Gegenteil immer mehr Leute hauen ab, früher sind auch Leute emigriert, aber es ist extremer geworden, früher sind die Leute gegan­gen, weil es keine Arbeit gab, einige haben versucht zu bleiben und sich durchzuschlagen, aber selbst die gehen jetzt, weil sie sich das ganze Chaos und&#039; die Gewalt nicht mehr reinziehen wol­len. Wir von der Salento Posse themati­sieren das, denn wenn alle weggehen, und es sind ja immer die besten, die gehen, die die arbeiten, studieren oder was aufbauen wollen, dann bleiben am Schluß nur noch die Vollidioten, die sich gegenseitig abknallen. Das ist natürlich schwer, ich kann nicht einem Typen der jetzt in Mailand lebt erzählen er soll wie­der hierher kommen, wo es keine Arbeit und nix gibt... der spuckt mir doch ins Auge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Wie reagieren denn die Leute auf deine Texte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Die Leute reagieren sehr positiv, negativ reagieren nur wie immer als eine genauere Überlegung, die Politiker, wir haben Druck und sogar Drohun­gen seitens einiger Politi­ker bekommen, denn unsere primären Angriffsziele sind die lokalen Politiker, da hat es einige Probleme gegeben, wir sind aber auf ihre Feste, haben ihnen die Sachen ins Gesicht gesagt, sind wieder gegangen und im Endeffekt haben wir sie immer gearscht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Und die Familien, älteren Leute, wie reagieren die?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Du siehst, daß die Leute echt glücklich sind, weil du auf Dialekt singst, das ist etwas sehr wichtiges. Im Süden hat der Staat große Anstrengun­gen unternommen, um die Menschen zu homogenisieren. Da Dialekt bei uns sehr lebendig war und diese Tradition auch gespürt wurde, wurde das Bild aufge­baut, daß wer Dialekt redet, dumm ist, und wer einigen Traditionen noch nach­geht, die zu einer alten Mentalität gehören, auch ein Idiot ist. Die meisten Menschen haben sich angepasst. Wir versuchen deutlich zu machen, daß Tra­ditionen zu deinem Leben gehören, das hat uns mal den Vorwurf eingehandelt wir seien Faschisten, weil die auch für Traditionen sind. Das ist echt Schwach­sinn, Traditionen und Kultur sind Sachen, die du mit ins Leben bekommst und du kannst sie nicht einfach verleug­nen, und wenn, wirst du es später bereuen. Kultur ist etwas, das du in dir trägst und du mußt lernen, sie schätzen und nutzen zu können. Das versuchen wir.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Jugendliche sprechen heute ihren Dialekt nicht mehr. Wir finden das falsch, denn er erklärt am besten ihr Umfeld, ihre Kultur. Es geht uns nicht darum zu sagen „redet Dialekt wohin ihr geht&quot; das wäre idiotisch. Aber Dialekt ist wie ein Krug und enthält viele Sachen, die du nicht ins italienische übersetzen kannst, nicht sprachlich sondern kon­zeptuell, die gehören zu einer Gegend zu dem Land. Ich weiß, daß ich einige Werte besitze, die ich jemand anderem kaum erklären kann, da er/sie in eine andere Mentalität hineingeboren wurde. Es ist sicherlich nicht angebracht, daraus unüberwindbare Unterschiede zu kon­struieren, aber jeder hat halt seine „Last&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Verschieden aber Gemeinsam!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B&lt;/strong&gt;.: Der Faschismus, Rassismus und die ganzen Vorurteile erwachsen ja aus der Angst vor der Verschiedenheit, vor Veränderungen und der Angst vor dem Kontakt mit etwas, daß dem, was du im Kopf hast, nicht entspricht. Einige Leute erkennen die Unterschiede an und können zusammenleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Das nur als Ergänzung, weil einige Leute uns als Leghisten bezeich­net hatten (Anhänger der Leghen,. rechtspopulistische bis faschistoide regionalistische Gruppen die sich zur Wahl stellen). Auf einem Kongreß kam mal einer auf mich zu und sagte „Du singst auf Dialekt, du förderst den Separatismus”. Da konnte ich nur noch „Halt!&quot; sagen, da mußt du ja alles von vorne dis­kutieren. Daß wir auf Dialekt singen, hat nichts mit Separatis­mus zu tun, sondern damit, die eigene Kultur kennen zu wollen und sie anderen Menschen nahe zu bringen. Bis jetzt wurde sie nämlich immer mit dem Hammer traktiert, und es ist nur richtig, daß sie ihre adäquate Stellung bekommt. Basta!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Oft, wenn wir im Ausland&#039; spiel­ten, kamen Leute auf die Bühne und haben beispielsweise auf spanisch gerapt, und einmal in Barracaldo hat &#039;ne Frau sogar auf Euskera gerapt, das war die Hölle, echt super, alle haben getanzt und die Texte verstanden, vor allem haben sie verstanden welches Instru­ment Hip-Hop darstellt. Wir werden sehen, wie im Ausland radikaler, militan­ter italienischer Hip-Hop, nenne es wie du willst, aufgenommen werden wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Was bedeutet für euch Kultur, was ist Politik und wie geht das zusammen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Politik ist für mich der Alltag. Da ich in einem besetzten Haus lebe, ist das die ständige Auseinandersetzung mit den Realitäten um mich rum, der Ver­such, so viele Leute wie möglich auf meine Seite zu ziehen. -Auch wenn ich nicht weiß, ob ich die Wahrheit gefres­sen habe. Das mache ich vor allem indem ich aufzeige, daß meine Lebens­art möglich, und vor allem menschlich ist. Das Fehlen von Solidarität und Inter­esse in Bezug auf die Menschen, die um uns herum sind, kann ich nicht akzeptie­ren. So wie ich lebe, ist die einzige Lebensweise, die es mir erlaubt, noch menschliche Beziehungen aufrechtzuer­halten. Außer in einem besetzten Haus zu leben und Politik in einem Centro Sociale zu machen, gibt&#039;s da die Musik! Ich gestehe ich bin „erleuchtet&quot; worden durch ein Interview mit KRS One, BDP (Boogie Down Production), in dem es um Pädagogik gin, und das ist für mich immer ein Schlüsselwort geblieben. Ich singe nicht, um Scheiße zu erzählen, ich respektiere Unterhaltungsmusik, die nur zum tanzen ist, es geht mir am Arsch vorbei, ob jemand 6 Stunden lang singt, wie geil seine Kappe ist, is&#039;OK, ist sein Job, aber ich muß was sagen, ich brauche es, sonst steig&#039; ich auf keine Bühne. Hier in Deutschland habe ich echt Probleme, aber ich versuche vor den Stücken zu erklären, wer ich bin und was ich sagen werde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber für mich gibt es einen ganz kla­ren Unterschied zwischen Unterhaltung und einer Person, die etwas mitzuteilen versucht, zu lehren, ich schäme mich nicht, das so auszudrücken, ich akzep­tiere auch das Lernen von anderen und bringe meinen Teil an Erfahrungen ein, mit dem ich jemand anderes, etwas bei­bringen kann. Ich bin auch sehr glück­lich über unsere neuste Scheibe, die um das Thema Knast geht, eine Sache, der sich echt niemand annimmt. Die Platte wird sogar von Sony vertrieben werden und vielleicht, ich sage vielleicht, wird es gelingen, daß die Kids, die Hip-Hop hören, anfangen, sich eine andere Vor­stellung von Knast zu machen als die, die ihnen täglich von Zeitungen, Fernse­hen und sonstigen Medien präsentiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Die Scheibe wird zwar von Sony vertrieben, aber wir müssen ergänzen unter was für Bedingungen, denn ich glaube es ist die erste-Scheibe, die von Major-Labels vertrieben wird und einen festgelegten Preis hat. Den Verkaufspreis haben wir festgelegt, und die Scheibe ist in Eigenproduktion entstanden. Ich glaube mittlerweile, zumindest in Italien, nicht mehr an Indie-Vertriebe und den ganzen Kram, denn die, die es gibt, müßen entweder höllische Anstrengun­gen unternehmen, um zu promoten und konzentrieren sich daher meist nur auf eine Band, oder sie reden von Eigenver­trieb und verkaufen dann 1.000 Stück an Virgin und du findest dann deine Scheibe mit dem Aufdruck „zahle nicht mehr als...&quot; in irgendeinem Laden wie­der und sie kostet viel mehr. Du hast keine Kontrolle mehr über den Preis deines Produktes, wenn du was produ­zierst, mußt du damit auf den kapitalisti­schen Markt und das mußt du dann in einer bestimmten Art und Weise versu­chen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Unser Interesse ist dabei immer gewesen den „Verbraucher&quot; zu bevorzu­gen. Die Platte ist Ware und den Markt für Tonträger haben die Major-Labels geschaffen, du kannst da nicht den Durchbruch von unten schaffen, die Indie-Vertriebe sind Sklaven der Major- Vertriebe, sie sind ihnen unterworfen und können ihre Regeln nicht durchset­zen. Das ist ein Bereich, in dem die - sagen wir mal -„Linke&quot; erst viel zu kurz drin ist. Das Kapital hingegen hat jahr­zehntelange Erfahrungen. Ich glaube, daß die einzige Lösung darin liegt, es so aufzuziehen wie wir das gemacht haben: einen Vertrag abzuschliessen, mit dem Du einerseits die Käufer bevorzugen kannst, damit sie für ein verdammtes Stück Vinyl nicht übermäßig viel ausgeben müssen, und andererseits ein multinatio­naler Konzern nichts dran ver­dient.(Das glaubst du ja wohl selber nicht! Anm.d.Setzer) -Wir verdienen dann auch nichts dran, aber das ist kein Problem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Du unterschreibst ja auch nichts bei ihnen, es läuft so, daß du sagst, ihr kriegt das zu dem Preis und müßt es zu dem und dem Preis verkaufen. Wenn Sony das als Major-Label macht, wird das auch respektiert, während die Indie-Vertriebe keine Kontrolle über ihre Sachen haben. Das Problem mit den Major-Labels ist die Produktion von Musik. Wenn du &#039;ne Platte mit Sony auf­nimmst weißt du nicht was dabei raus­kommst...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa Beat&lt;/strong&gt;: Das Thema stellt im Moment die wichtigste Diskussion in der italienischen Hip-Hop-Szene dar, des­halb&#039; sind wir hier gelandet, obwohl du &#039;ne ganz andere Frage gestellt hast.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B&lt;/strong&gt;: Ich will noch ergänzen, was ich bekämpfe. Meine Vision von Kultur und Politik ist Kultur und Politik der Straße. Heute wird unter Kultur vor allem der verbitterte Intelektuelle verstanden, der mit einem total schwierigen Vokabular redet und zu verstehen gibt, daß er mehr Bücher gelesen hat als jemand anders. Wenn sie sich von dieser menschlichen Krankheit leiten lassen, die ersten sein zu wollen, immer im Mit­telpunkt zu stehen, dann ist ihr Konzept von Grund auf falsch. Was ist Politik heutzutage? Mich interessiert eigentlich nicht, was dir jemand wie ich dazu erzählt, denn das weiß ich schon. Mich interessiert was z.B. der Typ in der Kneipe dazu meint, und der meint, daß das &#039;ne Reihe Politiker sind, die das Geld verpulvern, sich im Wahl­kampf prostituieren, um deine Stimme zu bekommen und dann Tschüß! Und genau hier mußt du kämpfen. Das Kon­zept von Kultur und Politik darf nicht in Büchern gelesenes und nicht angewand­tes ranziges Wissen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Entschuldige, es stimmt zwar was du sagst, aber es kommt auch darauf an, was du unter ranzig verstehst. Denn Politik ist auch Gedächtnis, Erinnerung. Erinnerung bedeutet eine eigene Geschichte zu haben und diese erkennt der Staat, der auf jeden Fall eine Macht darstellt, nicht an, er tendiert dazu sie auszulöschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B&lt;/strong&gt;: Stimmt. Und ich denke nicht, daß Politik Neuigkeiten bedeutet, Politik bedeutet historisches Gedächtnis und Korrektur nicht funktionierender Kon­zepte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: All&#039; das worüber wir reden erinnert mich an eine Sache: Wenn ich was schreibe habe ich ziemlich klar im Kopf auch provozierend zu sein. Ich finde in der Kultur, und ich bin überzeugt, daß ich Kultur mache, schon angefangen von der Sprache die ranzig ist, muß man manchmal auch Mechanismen in Gang setzen, die hart, stark und radikal sind, um die Leute zum Nachdenken zu zwingen. In Italien ist das ein Problem, ich hab&#039; s0000 viele Posse gesehen, und einen Namen will ich nennen, die Radical Sunshine Posse, die mir echt die Kotze hochkommen lassen. Die steigen auf die Bühne uns singen dann „Vergewaltigung ist zu verurteilen&quot;. Ja, OK, kein Zweifel, völlig einverstan­den, aber zum Nachden­ken regt das nicht an, oder „Abtreibung muß legalisiert werden&quot; OK, das weiß ich auch seit Jahren...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B&lt;/strong&gt;.: ... oder „Pfarrer zum Teufel jagen...&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Das ist doch keine Kultur, völlig öde...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nando&lt;/strong&gt;: Das ist echt zu leicht und stumpf irgendwelche Demosprüche aneinander zu reihen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nefa B.:&lt;/strong&gt; Das ist Gegenkultur die genausoviel wert ist wie die Kultur, die sie vorgibt zu bekämpfen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fumo&lt;/strong&gt;: Ich ziehe es vor, mir was von Nefa anzuhören, was ich unter Umstän­den nicht teile, worüber ich aber nach­denke, mir meine Überlegungen dazu mache, mit Nefa oder jemand anderem darüber rede... Die Provokation ist aus dieser Sicht sehr wichtig. Im Hip-Hop gibt es auch Wettbewerb, OK, aber bitte nicht wer ist die Nummer 1, wer ist der schnellste, sondern wer schießt die Kugel, die die Hirne bewegt. Vielleicht haben wir auch oft übertrieben, haben über ein gewisses Maß hinausgeschos­sen, wer weiß, vielleicht war es die Punk-Einstellung von der Provokation um jeden Preis, aber ich weiß noch, daß bei unseren ersten Konzerten, später haben uns die Leute dann geschluckt und verdaut, kamen die Leute und haben von uns Stellungnamen gefordert zu Songs wie „Polenpapst&quot; oder &quot;Ent­führungen&quot; (in dem Song werden auf satirische Weise Entführungen von den Kindern der im Mailänder Hinterland lebenden Großindustriellen gutgeheißen) und das hat mir bestens gepaßt. Ich kann mich daran erinnern, daß ich nie über den Text von „Entführungen&quot; nach­gedacht hatte bis ich einmal eine Woche in Cosenza (Süditalien) festhing, weil uns auf einer Tour das Auto explodiert war, und die Genossen aus Cosenza haben mich zur Seite gezogen und gesagt „Sag mal Fumo weißt du eigentlich was die Mafia ist? Weißt du, wie es ist mit der Mafia leben zu müssen?&quot; Ich wohne in Mailand, da ist Mafia fast was romantisches, die Mafiosi respektieren uns, weil wir in besetzten Häusern wohnen und „Outlaws&quot; sind wie sie. Im Süden aber ist das was anderes, das habe ich auch erst mit der Zeit gelernt. Jetzt singe ich den Text nicht mehr. Der Song hat vielleicht einigen Leuten genützt, die mir zugehört haben, weil es eine Provokation war, aber vor allem hat er mir genützt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;dna&lt;/strong&gt;: Ihr habt vorhin schon angedeutet, daß euch Sexismus vorgeworfen wurde, wie kam das, was steckt dahinter?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lele&lt;/strong&gt;: Da gab es einige Mißverständnisse, die wir noch klären müssen. Wir benutzen sicherlich eine vulgäre Spra­che, denn wir singen so wie wir auf der Straße reden. Ich glaube, daß in Italien die Umgangssprache viel härter ist als in Deutschland. Es sollte jedoch klar unter­schieden werden zwischen Sexismus und vulgärer Sprache. Manchmal wird alles in einen Topf geworfen und alles ist sexistisch. Eigentlich fehlt die tatsäch­liche Auseinandersetzung darum und es wird in der Linken oft mechanisch die „Sexismus-Schablone&quot; angewandt.&lt;/p&gt;


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