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 <title>arranca! - Intersexualität</title>
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 <title>Queer-feministische Politik und Inter*-Bewegung </title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/queer-feministische-politik-und-inter-bewegung</link>
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                    &lt;p&gt;Trotz weltweit vehementer Proteste gibt es auch in Deutschland weiterhin  viele Kliniken, die geschlechtsverändernde bzw. kosmetische  Genitaloperationen und Sexualhormonbehandlungen an intergeschlechtlichen  Kindern und Jugendlichen durchführen – ohne deren Zustimmung oder auf  der Grundlage manipulativer Informationen (etwa, dass die Gonaden wegen  eines Krebsrisikos beseitigt werden müssten). In den letzten Jahren  bekunden immer mehr queer-feministische Zusammenhänge ihre Solidarität  mit den Forderungen von Inter*-Organisationen – endlich, so ist zu  hoffen, ist der Stein ins Rollen gekommen und die Proteste gegen die  menschenrechtsverletzende Praxis der Medizin weiten sich aus. Leider  zeichnen sich aber die solidarischen Aktivitäten nicht selten durch  politische Naivität aus.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Trotz weltweit vehementer Proteste gibt es auch in Deutschland weiterhin viele Kliniken, die geschlechtsverändernde bzw. kosmetische Genitaloperationen und Sexualhormonbehandlungen an intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen durchführen – ohne deren Zustimmung oder auf der Grundlage manipulativer Informationen (etwa, dass die Gonaden wegen eines Krebsrisikos beseitigt werden müssten). In den letzten Jahren bekunden immer mehr queer-feministische Zusammenhänge ihre Solidarität mit den Forderungen von Inter*-Organisationen – endlich, so ist zu hoffen, ist der Stein ins Rollen gekommen und die Proteste gegen die menschenrechtsverletzende Praxis der Medizin weiten sich aus. Leider zeichnen sich aber die solidarischen Aktivitäten nicht selten durch politische Naivität aus. Flugblätter, Artikel usw. lesen sich, als leisteten die Autor_Innen Pionierarbeit auf einem unerschlossenen Kontinent. Und oft gleicht der Stil der sensationslüsternen Tabubruch-Rhetorik in der Mainstream-Medienberichterstattung über Intersexualität. Tatsächlich gibt es aber nicht erst seit vorgestern Verbindungen zwischen queer-feministischer Politik und Inter*-Aktivismus. Welche Funktion hat es also, Intergeschlechtlichkeit (scheinbar) von Neuem zu entdecken, statt sich in die bestehenden Diskussionen einzuarbeiten und damit auseinanderzusetzen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein sprechendes Beispiel dafür ist ein Beitrag von &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/es-waren-zwei-koenigskinder&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Anja Gregor in der letzten arranca!&lt;/a&gt; Die grundlegende Intention des Artikels, auf die Situation intergeschlechtlicher Menschen und ihre Forderungen aufmerksam zu machen, ist anzuerkennen. Aber es müssen auch Probleme benannt werden, die nicht nur diesen Beitrag durchziehen. Zunächst einmal ignoriert der Artikel schlichtweg unterschiedliche Positionen in der Inter*-Bewegung. Organisationen wie &lt;em&gt;Intersexuelle Menschen e.V. (IM e.V.)&lt;/em&gt; und die Internationale &lt;em&gt;Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen (IVIM)&lt;/em&gt; kritisieren die Menschenrechtsverletzungen durch die Medizin und fordern ein sofortiges Ende chirurgischer und hormoneller Eingriffe ohne Zustimmung der Betroffenen. Aber von dieser Gemeinsamkeit abgesehen positionieren sich die beiden Organisationen deutlich unterschiedlich hinsichtlich der Radikalität ihrer Kritik. So fordert IVIM zuallererst einen Bruch mit der Definitionsmacht der Medizin, denn „Intergeschlechtlichkeit ist kein medizinisches Problem, sondern ein gesellschaftlich-politisches Thema.“ Die Organisation vertritt dabei deutlich Standpunkte, die von queerer Heteronormativitätskritik getragen sind und prangert die heterosexualisierte Zwei-Geschlechter-Ordnung an. Während IM e.V. die „Einarbeitung des Begriffes ‚Intersexualität’ in geltendes Recht“ erreichen möchte und für die Möglichkeit votiert, intergeschlechtliche Neugeborene als „zwischengeschlechtlich/intersexuell/zwittrig“ im standesamtlichen Geburtenregister zu melden, fordert IVIM die Abschaffung der Geschlechtsregistrierung. Ersteres ist eine Integrationsstrategie, zweiteres eine grundsätzliche Infragestellung der staatlichen Kontrolle über die Geschlechtszuordnung. Dies sowie die radikale Medizinkritik resultieren aus queer-politischen Überlegungen, die IVIM im Austausch mit der &lt;em&gt;AG 1-0-1 intersex&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;AG TransInterGenderSex&lt;/em&gt; und&lt;em&gt; TrIQ e.V.&lt;/em&gt; erarbeitet hat. Inhaltliche Überschneidungen bzw. ein produktiver Austausch zwischen Inter*-Organisationen und queer-feministischen Zusammenhängen existieren also. &lt;br /&gt;Zwar ist nicht zu übersehen, dass sich einzelne intergeschlechtliche Menschen von der queer-feministischen Szene lautstark distanzieren (und dabei auch nicht vor haltlosen Diffamierungen und homo- sowie transphoben Äußerungen zurückschrecken). Diese sind jedoch nicht repräsentativ für die Inter*-Bewegung im Ganzen. Nichtsdestotrotz scheint in Gregors Beitrag die ablehnende Hal-tung einzelner Inter*-Aktivist_innen die Wahrnehmung der Inter*-Bewegung allgemein zu bestimmen. Aber selbst wenn das stimmen würde, bliebe es fraglich, ob es „Aufgabe der Queers“ sein müsse, „an ‚Intersex’-Aktivist_innen mit dem Wunsch nach Zusammenarbeit heranzutreten und die Möglichkeit des Zutritts zu ‚intersexuellen Räumen’ zu erfragen (…), anstatt wohlgemeinte Einladungen in spezifisch privilegierte queere Räume auszusprechen: ‚Intersex’-Aktivist_innen wären in diesen Räumen gezwungen, sich als De-Privilegierte zu unterwerfen und also ihre Politik – wie bisher – den Queer-Politiken nachzuordnen.“ Was für ein verdrehter Akt des &lt;em&gt;othering&lt;/em&gt;! Diese Menschen vom anderen Planeten könnten ja empfindlich sein, dabei brauchen sie doch „unsere“ Hilfe! Der Appell offenbart aber auch einmal mehr, dass in der queer-feministischen Szene nicht wenige weiterhin davon ausgehen, in „queeren Räumen“ „unter sich“ zu sein – intergeschlechtliche Menschen halten sich ja schließlich nur in „intersexuellen Räumen“ auf?! Die affirmative Abgrenzung von „intersexuellen“ und „queeren Räumen“ ist undifferenziert und geschichtslos. Dabei findet die homogenisierende Darstellung der Positionen von Inter*-Organisationen ihr Gegenstück in der reduktiven Schilderung queer-feministischer Auseinandersetzungen mit der Inter*-Bewegung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Aktivitäten werden bislang immer nur von wenigen Menschen getragen, weshalb die politische Arbeit häufig stagniert. Zweifel entstehen daher an der Ernsthaftigkeit so mancher Solidaritätsbekundungen, die sich durch Aktionismus statt kontinuierliche Auseinandersetzung auszeichnen. Es drängt sich die Frage auf: Ist Intergeschlechtlichkeit immer nur so interessant, wie sie als angebliche terra incognita eine Neuentdeckung verheißt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1993 gründete sich in den USA die Intersex Society of North America (bestand bis 2008). In Deutschland entstand 1996 die Arbeitsgemeinschaft gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (inzwischen aufgelöst). 1998 organisierte sich die Selbsthilfegruppe XY-Frauen; aus ihr ging 2004 Intersexuelle Menschen e.V. hervor. 2003 entstand das weltweite Netzwerk Organisation Intersex International. Seit 2008 ist auch eine deutsche Sektion aktiv, die Internationale Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erstmals veröffentlichten 1990 Suzanne Kessler, Julia Epstein und 1993 Anne Fausto-Sterling feministisch-queere Kritiken der Intersex-Medizin; es folgten viele weitere Publikationen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Deutschland begann die politische Zusammenarbeit 1996 mit der Gründung der AGGPG. Es gab zum Beispiel gemeinsame Proteste anlässlich von Mediziner-Kongressen sowie öffentliche Veranstaltungen. Beteiligt an solchen Aktionen waren unter anderem die AG Polymorph, AG Gender killer, AG TransInterGenderSex, AG 1-0-1 intersex (2005 mit der Ausstellung 1-0-1 intersex. Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung) und TransInterQueer e.V.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 18:59:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Es waren zwei Königskinder</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/es-waren-zwei-koenigskinder</link>
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                    &lt;p&gt;Wenn es um queere Politiken geht, dreht es sich um Lesben, um Schwule, um Trans*-, manchmal sogar um Polyamorie, es geht um die Kritik an zweigeschlechtlicher Norm und deren sexuelle Zwänge. Queer ist wild, aufmüpfig und vielseitig und muss als Kritik am hegemonialen Identitätskonzept insgesamt verstanden werden. Gudrun Perko bezeichnet dieses Verständnis von Queer als plural-queeren Ansatz. Folge ich diesem Ansatz, sind Geschlechterkonstruktionen flüssig, veränderbar – deshalb werden in diesem Artikel Geschlechtsbezeichnungen in Anführungszeichen gesetzt. Dem Ansatz zu folgen bedeutet meines Erachtens außerdem, sich Gedanken zu machen, wie die Auseinandersetzung mit spezifisch ‚intersexuellen‘ Forderungen aussehen könnte, ohne in die Falle der Vereinnahmung zu tappen: ‚Intersex‘-Personen können für plural-queere Politiken eine willkommene Blaupause sein, um der biologischen Zweigeschlechtlichkeit als Machtkonzept ein Schnippchen zu schlagen. Die Forderungen der ‚Intersex‘-Aktivist_innen sind da jedoch häufig anders gelagert. &lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;Wenn es um queere Politiken geht, dreht es sich um Lesben, um Schwule, um Trans*-, manchmal sogar um Polyamorie, es geht um die Kritik an zweigeschlechtlicher Norm und deren sexuelle Zwänge. Queer ist wild, aufmüpfig und vielseitig und muss als Kritik am hegemonialen Identitätskonzept insgesamt verstanden werden. Gudrun Perko bezeichnet dieses Verständnis von Queer als plural-queeren Ansatz. Folge ich diesem Ansatz, sind Geschlechterkonstruktionen flüssig, veränderbar – deshalb werden in diesem Artikel Geschlechtsbezeichnungen in Anführungszeichen gesetzt. Dem Ansatz zu folgen bedeutet meines Erachtens außerdem, sich Gedanken zu machen, wie die Auseinandersetzung mit spezifisch ‚intersexuellen‘ Forderungen aussehen könnte, ohne in die Falle der Vereinnahmung zu tappen: ‚Intersex‘-Personen können für plural-queere Politiken eine willkommene Blaupause sein, um der biologischen Zweigeschlechtlichkeit als  Machtkonzept ein Schnippchen zu schlagen. Die Forderungen der ‚Intersex‘-Aktivist_innen sind da jedoch häufig anders gelagert.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Tacheles: Worum geht´s eigentlich?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Michel Reiter beschreibt die gesellschaftliche Wahrnehmung von ‚Intersexuellen‘ mit den Worten:&lt;br /&gt; „Unser verstümmeltes Geschlecht ist ein medizinisches Konstrukt, also  Theorie. So schob man uns von einem Nichts in das andere Nichts: Unser  Geschlecht, wie es uns angeboren wurde, hat keine gesellschaftliche Existenz.“&lt;br /&gt; Während Gynäkolog_innen die Verschreibung von Östrogenen bei ‚Frauen‘ – seien es beispielsweise die Pille oder Medikamente zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden – genauestens abwägen,  wird ‚intersexuellen‘ Menschen die lebenslange Einnahme von Hormonen  oft arglos zugemutet, wenn die körpereigenen Hormonproduzenten –  Hoden oder Eierstöcke – zur Herstellung eines eindeutigen Geschlechts-körpers entfernt werden und anschließend der Hormonverlust kom- pensiert werden muss. Auf diese Weise wird in die Körper ‚intersexueller‘ Personen massiv eingegriffen – nicht selten ohne die Einwilligung der Patient_innen selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit den 1990er Jahren werden Stimmen von ‚Intersex‘-Aktivist_innen zunehmend lauter. Was mit ersten Veröffentlichungen US-amerikanischer Selbsthilfegruppen 1993 beginnt, schwappt bald auch in den deutschsprachigen Raum. Initiativen wie die Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG) oder die XY-Frauen entstehen, letztere gründen 2004 &lt;a href=&quot;http://www.intersexuelle-menschen.net&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Intersexuelle Menschen e.V.&lt;/a&gt; Im Forderungskatalog des Vereins steht an erster Stelle der Punkt „Keine nicht lebens- oder gesundheits- notwendigen Eingriffe ohne informierte Einwilligung der betroffenen Menschen.“ Es folgen Forderungen nach „verbindlichen ‚Standards of Care‘ im Gesundheitswesen“, die „Einbeziehung des Themas ‚Intersexualität‘ in Lehrpläne von Schulen und Ausbildungsstätten für medizinisches Personal“ und die „Einbindung des Begriffs Intersexualität in geltendes Recht“. Für ‚Intersexuelle‘ steht damit das Recht auf körperliche Unversehrtheit an erster Stelle, anhand der verschiedenen Forderungen wird außerdem deutlich, dass die Existenz ‚intersexueller‘ Personen auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens verschleiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um sich mit weitergehenden Problematiken wie der Gewalt des kulturel- len Zweigeschlechtersystems überhaupt auseinandersetzen zu können,  ist somit die bedingungslose Anerkennung der Körperkategorie ‚intersex‘ als lebenswerte notwendig. Die medizinische Diagnose ‚intersexuell‘ bedeutet gegenwärtig, dass der diagnostizierten Person genitale Operationen bevorstehen und mit deren Durchführung der ‚intersexuelle‘  Körper so verändert wird, dass er in eine Norm passt: Der ‚intersexuelle‘ Körper wird als nicht existenzberechtigt klassifiziert und zerstört. Die medizinische Klassifikation ‚intersexuell‘ ist also untrennbar mit der Durchführung genitaler Operationen verbunden. Der Begriff ‚Intersexu-alität‘ als politischer, nicht medizinischer, beinhaltet also immer die  Kritik an der Gewalt gegen den ‚intersexuellen‘ Körper, nicht nur – und  nicht zwingend – den Aspekt der Verunsicherung hegemonialer Geschlechtskonzepte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;‚Intersexualität‘ als politisches Moment steht damit zunächst für die Auseinandersetzung mit der Verhinderung von Operationen im Genitalbereich, die die Betroffenen als Verstümmelung ihrer gesunden Körper ansehen. Weiter gedacht steht er damit für die Aufklärung von Eltern ‚intersexueller‘ Kinder und Mediziner_innen sowie für die Krisenintervention bei Betroffenen. Außerdem beinhaltet es die Aufrechterhaltung des Diskurses um genitale Operationen, denn seit der Einführung des Begriffes DSD (Disorders of Sex Development) 2006 wird es der Medizin noch leichter gemacht, ‚Intersexualität‘ als Krankheit zu diagnostizieren und ‚intersexuelle‘ Neugeborene einer der  zwei gültigen Geschlechtskategorien zuzuordnen oder gar bei pränatal diagnostizierter ‚Intersexualität‘ die Abtreibung des Ungeborenen vorzuschlagen. Last not least ist die ausschließende Zweigeschlechtlichkeit des Grundgesetzes zu kritisieren (Art. 3, Abs. 2 GG), die Basis diverser staatlicher Argumentationen gegen ‚intersex‘-Rechte ist. Daraus folgt die Kritik konkreter Umsetzungen des GG (bspw. PStG §§ 18 und 21, LPartG), um überhaupt die Bedingung der Möglichkeit für die Anerkennung ‚intersexueller‘ Rechte zu schaffen. &lt;br /&gt;Es muss also zunächst die Existenzberechtigung ‚intersexueller‘ Körper  gesichert werden. ‚Intersex‘-Politiken beinhalten nicht zwingend auch gleich die Auseinandersetzung mit der Kritik des kulturellen Systems der Zweigeschlechtlichkeit im Allgemeinen. Und damit wären wir bei den Reibungspunkten mit Queer-Aktivist_innen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wo ist der Haken?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Haken ist zunächst eigentlich ganz einfach zu beschreiben: Queere Politiken (im Sinne des plural-queeren Ansatzes) berücksichtigen ‚intersex‘-Personen, die sich als zwischengeschlechtlich identifizieren. Sie berücksichtigen, dass sich gegen eine kongruente Geschlechtsidentität im Sinne der hegemonialen Gesellschaft gestellt wird. In Flyern oder Texten zur Kritik der Zweigeschlechtlichkeit wird des Öfteren sogar die chirurgische Gewalt gegen ‚Intersexuelle‘ angerissen und  damit die Gewalt des zweigeschlechtlichen Systems untermauert. Selten  wird dagegen in queeren Texten auf die Forderungen von ‚Intersex‘ eingegangen. ‚Intersexuellen‘ geht es aber zunächst einmal unabhängig von ihrem Verständnis als geschlechtliche Wesen, also unabhängig davon, ob sie sich als geschlechtlich ein- oder mehrdeutig oder als nicht verortbar verstehen, um die Beendigung der Gewalt gegen ihre Körper und ein Aufwachsen ohne traumatisierende Gewalterfahrungen. So kann beim Lesen queerer Texte schon einmal der Eindruck entstehen, ‚Intersexuelle‘ werden lediglich als Beweis der gewaltvollen Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit angebracht aber nicht als Mitstreiter_innen mit eigenen Forderungen gesehen. Tatsächlich sucht mensch die oben genannten Dreh- und Angelpunkte ‚intersexueller‘ Politiken in den Veröffentlichungen oft vergeblich. Dass es richtig und gut ist, die Gewalt des Geschlechterverhältnisses zu kritisieren, soll an  dieser Stelle nicht in Frage gestellt werden. In Veröffentlichungen zu queeren  Politiken fehlt jedoch meist der explizite Hinweis auf die Gewalt an ‚intersexuellen‘ Körpern durch die gängige medizinische Praxis.&lt;br /&gt; Dabei gibt es verschiedene Stellen, wo sich die queere Argumentations-logik mit dem ‚Intersex‘-Aktivismus solidarisch verbinden ließe; nur leider wird das – gerade für die Aktivist_innen selbst – nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Für Queer-Aktivist_innen, die umfassend mit dem Konzept Queer vertraut sind und einem plural-queeren Ansatz folgen, liegt die Solidarität mit ‚Intersex‘-Personen auf der Hand. Wie lässt sich nun die angekündigte geschwisterliche Zusammenarbeit konzipieren?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Es waren zwei Königskinder … die konnten zusammen nicht kommen … oder doch?!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Queer-politische Solidarität mit ‚Intersex‘-Problematiken bedeutet  immer wieder die kritische Betrachtung eigener Handlungsstrategien aus einer privilegierten Position heraus – dies ist Queer-Aktivist_innen  innerhalb anderer Machtverhältnissen wie z. B. Weiß-Sein oder Klassen-zugehörigkeit bereits vertraut. Es muss ein Reden mit, nicht über ‚Intersex‘ stattfinden, damit die Politiken den nicht-privilegierten Positionen gerecht werden. Als im geschilderten Verhältnis privilegierte Position ist es folglich Aufgabe der Queers, an ‚Intersex‘-Aktivist_innen mit dem  Wunsch nach Zusammenarbeit heranzutreten und die Möglichkeit des  Zutritts zu ‚intersexuellen‘ Räumen zu erfragen (Foren, Veranstaltungen,  Stammtische etc.), statt darauf zu warten, dass vom Gegenüber die Initiative ergriffen wird, oder anstatt wohlgemeinte Einladungen in  spezifisch privilegierte queere Räume auszusprechen: ‚Intersex‘-Aktivist_innen wären in diesen Räumen gezwungen, sich als De-Privi- legierte zu unterwerfen und also ihre Politik – wie bisher – den Queer-Politiken nachzuordnen. Angemessene Herangehensweise ist somit eine Bitte um Zutritt zum ‚intersexuellen‘ Raum, die Bitte um Information über ‚Intersexualität‘ aus ihrer Perspektive und die Diskussion darüber, wie sich eine solidarische Zusammenarbeit gewünscht wird. Nur so ist es möglich, aus den bisherigen Begrenzungen herauszukommen und  eine angemessene Verbündetenpolitik zu entwickeln und zu praktizieren. Die Sichtbarmachung traumatisierender medizinischer Behandlungspraxen gegen ‚intersexuelle‘ Menschen und die konkrete Forderung  der Beendigung genitaler Operationen im Kleinkind- und Jugendalter muss selbstverständlichen Eingang in Queer-Politiken finden, und zwar  unabhängig vom Gender-Verständnis der Betroffenen. Sich als ‚weiblich‘ oder ‚männlich‘ verortende ‚Intersexuelle‘ sind ebenso Teil der Forderungen wie etwa ‚Zwitter‘, ‚Hermaphroditen‘ oder ‚Zwischen-geschlechter‘. Die bereits entwickelten antisexistischen Praxen queerfeministischer Politiken bieten Anknüpfungspunkte, zukünftig auch ‚Intersex‘-Personen als Betroffene sexualisierter Gewalt mitzudenken und sie zu beraten und zu unterstützen. Notwendig wäre meines Erachtens auch die Erarbeitung eines Konzeptes für den Umgang mit Betroffenen (kinder)chirurgischer sexualisierter Gewalt unter Zusammenarbeit mit ‚Intersex‘-Aktivist_innen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;‚Intersexualität‘ queer einzubeziehen heißt, die spezifischen Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen als eigenständige Dimension der (queeren) Identitätskritik. Die plural-queere Kritik an hegemonialen Identitätsentwürfen beinhaltet diese Dimension bereits indirekt, indem machtvolle Ausschlüsse und damit die gewaltvolle Verwerfung un-normierter Identitätsentwürfe angegriffen werden. Es fehlt bisher der explizite Verweis, dass im Namen einer normgerechten Geschlechts-identitätsentwicklung, die festgelegt wird von Medizin, Biologie und Psychologie, gewaltvoll in ‚intersexuelle‘ Körper eingegriffen wird –  eine solche Formulierung scheint mir präziser als der recht globale Verweis auf die Gewalt des Geschlechterverhältnisses.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sich die eigene privilegierte Position bewusst zu machen und das entsprechende Handeln folgen zu lassen, das Bewusstsein von der Normierungspraxis der Medizin an ‚intersexuellen‘ Körpern und ihren  intrinsischen Begründungslogiken, die Suche nach einer gemeinsamen  Sprache aufgrund von ähnlichen (jedoch nicht ohne weiteres ver-gleichbaren) Erfahrungen, indem von Seiten der Queers aktiv der Dialog mit Instanzen des ‚Intersex‘-Aktivismus gesucht wird, können Schritte einer geschwisterlichen Zusammenarbeit sein.&lt;/p&gt;


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 <title>Bodycheck und linker Haken</title>
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 <pubDate>Thu, 09 Dec 2010 15:49:27 +0000</pubDate>
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 <title>&quot;Was hätten Sie denn gerne, einen Jungen oder ein Mädchen?&quot;</title>
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                    &lt;p&gt;Wer geht nicht wie selbstverständlich davon aus, daß nur zwei biologische Geschlechter existieren: Mann und Frau. Dementsprechend ordnen wir auch alle uns tagtäglich umgebenden Menschen in eine dieser Kategorien ein, ohne uns die Frage nach der Existenz vielleicht vieler Geschlechter zu stellen oder gar eine Einteilung an sich in Frage zu stellen. Durch diese Sichtweise werden die Menschen ausgeschlossen, die mit nichteindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;em&gt;Wer geht nicht wie selbstverständlich davon aus, daß nur zwei biologische Geschlechter existieren: Mann und Frau. Dementsprechend ordnen wir auch alle uns tagtäglich umgebenden Menschen in eine dieser Kategorien ein, ohne uns die Frage nach der Existenz vielleicht vieler Geschlechter zu stellen oder gar eine Einteilung an sich in Frage zu stellen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Durch diese Sichtweise werden die Menschen ausgeschlossen, die mit nichteindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Intersexuellen und pathologisiert sie in Syndromen, um diese anschließend zu &quot;therapieren&quot;. Dies geschieht im gesellschaftlichen Kontext, Intersexuelle werden tabuisiert und durch den Gesetzgeber negiert&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_1u959du&quot; title=&quot;&amp;quot;Soweit in den rechtlichen Regelungen des bundesdeutschen Rechts der Begriff des &#039;Geschlechts&#039; gebraucht wird, ist dieser immer eindeutig den alternativen Kategorien &#039;männlich&#039; und &#039;weiblich&#039; zugeordnet. Da die rechtlichen Regelungen nicht aussagen, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist, müssen diese Begriffe nicht juristisch, sondern medizinisch-naturwissenschaftlich bestimmt werden.&amp;quot; (aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage &amp;quot;Genitalanpassung in der BRD&amp;quot;)&quot; href=&quot;#footnote1_1u959du&quot;&gt;1&lt;/a&gt;.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Um diese Thematik öffentlich zu machen und um gleichzeitig ein Forum für die Geschädigten zu bieten, gründete sich die Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG), mit deren Sprecher, Michel Reiter, folgendes Gespräch entstanden ist.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Von Michel zu Birgit und von Birgit-Michel zu Michel. Der Zusammenhang von Zwangszuweisung und Namensgebung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich ist es egal, ob ihr mich mit Michel oder Birgit ansprecht, da beides falsch ist. Im Zweifelsfall sage ich natürlich lieber Michel, weil Birgit, zu der ich gemacht wurde, will ich nicht sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In meiner Geburtsurkunde wurde Michel, männlich, eingetragen und nach vier Monaten haben sich die Mediziner anders entschieden und haben gesagt, dieses Kind ist weiblich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu meinem ersten Namen Michel hatte ich ein sehr authentisches Gefühl, ich dachte, dieses Kind ist bestimmt gern auf die Welt gekommen. Ich kann das schwer erklären, auf jeden Fall hatte ich den Eindruck, ja das hat gestimmt. Diese Stimmigkeit gab es nach der Behandlung jedoch nicht mehr. So daß ich nach und nach meinen ursprünglichen Namen (Michel) integriert habe. Auch das kippte mit dem Gefühl, daß Birgit nur konstruiert wurde, um eine geschlechtliche Zuweisung machen zu können. Erst mit 29 Jahren habe ich festgestellt, daß das, was mir suggeriert wurde, nämlich ich sei eine Frau, nicht stimmte, und daß ich mich mit Birgit nie identifizieren konnte. Deshalb habe ich entschieden, daß Birgit rausfliegt. Das heißt nicht, daß ich jetzt männlich bin. Und das heißt auch nicht, daß Birgit weiblich war. Das heißt nur, daß ich für mich eine Ära der Zuweisung versuche abzuschließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Meine Namensänderung ist natürlich auch ein Schritt nach außen, denn wer mich auf der Straße sieht, wird wahrscheinlich denken, ich sei eine Frau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zeit, als ich noch Birgit-Michel hieß oder mich so nannte, da haben die Leute entweder den Michel weggekürzt oder sie haben mich für verheiratet erklärt, also Birgit Michel-Reiter gesagt. Das scheint auf den ersten Blick trivial, aber beim hundertsten Mal fängt es massiv an zu nerven. Das ist dann die Seite der Ignoranz, die mir mit Birgit-Michel permanent passiert ist und die mir jetzt mit Michel Reiter auf dem Papier nicht mehr passieren wird. Jetzt schreiben sie &quot;Herr Michel Reiter&quot;. Das ist aber genauso falsch.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Intersexuelle, Hermaphroditen: was bedeuten diese Begriffe und wann werden Menschen als Intersexuelle oder Hermaphroditen bezeichnet?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Intersexuelle und Hermaphroditen sind Begriffe, die davon abhängig sind, wer sie geschaffen hat bzw. wer sagt, wann Frau oder Mann aufhört und wann Intersexen und Hermaphroditen anfangen? Es handelt sich damit um variable Begriffe. Allgemein wird angenommen, daß ausschließlich zwei, eindeutig unterschiedliche Geschlechter existieren: Mann und Frau. Diese &quot;biologische Gewißheit&quot; wird nicht näher reflektiert. Doch 1-4% der Geburten zeigen geschlechtliche Unklarheiten auf und eine von 2000 ist geschlechtlich ausreichend atypisch, um die Frage zu stellen: &quot;Ist es ein Mädchen oder ein Junge?&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Personengruppe bezeichnet der moderne medizinische Diskurs als Intersexuelle oder Hermaphroditen, dem Volksmund sind sie auch als Zwitter bekannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Medizin ist auch von Mißbildungen die Rede, und die entsprechenden Abweichungen werden Syndrome genannt, von denen es 13 verschiedene gibt. Das bedeutet, daß die Medizin zu Außenstehenden auch nicht von Hermaphroditen oder Zwittern spricht, sondern immer nur von Syndromen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Witz bei diesen Aufteilungen ist, daß, wenn man alle Menschen nackt nebeneinander aufstellen würde, die verschiedensten Variationen von Genitalausprägung, von Brustausprägung, von inneren Genitalien, und von Chromosomen usw. existieren würden, und daß damit diese Einteilung in Frauen, Männer, Zwitter, mißgebildete Männer, mißgebildete Frauen usw. eigentlich eine willkürliche Grenzziehung ist. Bei einer Recherche in der medizinischen Literatur lassen sich diesbezüglich auch immer wieder Unstimmigkeiten finden. Die Medizin versucht auf etwas, was nicht eindeutig ist, eine Polarität draufzusetzen und das kann sie nur, indem sie willkürliche Grenzen setzt.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Medizinische Eingriffe - Im Sinne des Kindes, gewollt durch die Eltern oder ärztliche Willkür?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Zunächst stellt sich die Frage, wer ist schuld, oder wer zwingt wen. Von Ärzten wird gern behauptet, daß Eltern die Ärzte zwingen, und historisch läßt sich ableiten, daß die Ärzte schon selbst gute Arbeit geleistet haben. Eltern, die diese Zuweisung bei ihrem Kind nicht machen lassen, müssen sich nicht selten von Ärzten sagen lassen, daß ihr Kind lebensgefährlich bedroht ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da die Operationen und Untersuchungen in der Regel von hochbezahlten Spezialisten durchgeführt werden, spielt hier eine gewisse Autorität auch eine Rolle. Der Arzt sagt natürlich, dieses Kind ist mißgebildet und dem kann man helfen. Ärzte können sehr aggressiv werden, wenn ihre Hilfe nicht in Anspruch genommen wird, und es gibt Ärzte, die sich von Eltern unter Druck gesetzt fühlen, nicht nur diese Zuweisung generell zu machen, sondern sie möglichst schnell zu machen. Dann entsteht für Ärzte das Problem, daß sie unter Umständen, besonders nach der Geburt, Diagnosen geben müssen, derer sie sich selbst nicht sicher sind. Andererseits wird den Eltern in Deutschland auch keine Alternative angeboten. Es gibt keine unabhängigen Beratungsstellen für Eltern, die sagen, diesen Scheiß machen wir nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir zu der Frage, wann nach welchem Geschlecht zugewiesen wird. Das ist ganz einfach, befindet sich ein &#039;Y&#039; im Chromosomensatz, gibt es einen Peniswachstumstest und wenn der versagt, wird sich in der Regel für eine Feminisierung entschieden und wenn kein &#039;Y&#039; im Chromosomensatz ist, wird immer feminisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Perfide daran ist, daß es sich beim Peniswachstumstest nur um eine Prognose handelt, die unter Umständen auch mal falsch sein kann. Das hätte zur Folge, daß das Kind vielleicht im Alter von 14 Jahren noch feminisiert wird, was ziemlich traumatisierend ist, da das Kind bereits eine eindeutige Rolle übernommen hat, die sich plötzlich ändern soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei der Feminisierung ist besonders der Fall interessant, wenn gesagt wird, daß dieses Kind schwanger werden kann, weil Gebärmutter und Eierstöcke vorhanden sind. Das ist aber nicht empirisch belegt, es gibt sogar Hinweise, daß diese Schwangerschaften äusserst schlecht gehalten werden. Und in einem anderen Fall kommt es vor, daß diese Leute keine Vagina und keinen Uterus haben, dennoch wird ihnen eine Vagina eingesetzt. Es gibt ein Zitat, das heißt: &quot;Das Ziel ist, eine sexuell funktionierende Person zu erschaffen.&quot; Und was &quot;sexuell funktionierend&quot; ist, das steht dann an anderer Stelle, das hat aber mit sexuellem Lustempfinden nichts zu tun. Hauptsache, penetriert werden zu können, das ist die weibliche Zuweisung. Und das ist alles, was für die Ärzte zählt: Kinderkriegen und Bumsen. Wobei Bumsen wichtiger ist als Kinder. In den Medizinbüchern läßt sich diese eigenwillige Logik nachlesen, das ist Heterosexismus in Reinstform.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei der Maskulinisierung spielt das zukünftige Lustempfinden auch keine Rolle, weil dabei im Stehen pissen zu können das erste Kriterium ist. Und um das zu erreichen, werden z.B. Harnröhren verlegt. Ich kenne einen Fall von 21 Operationen, danach war der Penis völlig vernarbt und nicht mehr erektionsfähig, aber im Stehen pissen war möglich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ergebnisse der Operationen bei einer Feminisierung wie bei einer Maskulinisierung sind katastrophal, wobei sich Ärzte natürlich rühmen, daß sie diese Operationen mit Hilfe der Mikrochirurgie jetzt besser durchführen können. In 15 Jahren werden wir wieder hören, daß sie damals, 1997, leider Fehler gemacht haben, so wie wir das heute auch hören, daß sie damals - 1960 - Fehler gemacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Medizin kennt auch noch Mißbildungen der Genitalien, da wird das Geschlecht nicht in Frage gestellt, aber das Genital. Diese Genitalfehl- und -mißbildungen werden bei Frauen doppelt so hoch registriert, wobei nicht davon ausgegangen werden kann, daß Frauen stärker mißgebildet sind, sondern daß an ihnen mehr geforscht wird. Im männlichen Bereich ist noch nicht so viel entdeckt worden, oder sie wollten auch nicht so viel pathologisieren, da es sich meist um männliche forschende Ärzte handelt. Krumme Penisse sind zum Beispiel noch nicht pathologisiert worden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Traumatische Folgeschäden durch gewaltsame Herstellung medizinischer Eindeutigkeit&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich kann für mich sprechen, für meinen Jahrgang und ich kann für die sprechen, die sich offen dazu äußern, das sind in den USA etwa 150 und in Deutschland zwei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei uns wurden die Traumata durch verschiedene Faktoren ausgelöst, wobei der operative Eingriff das stärkste Schockerlebnis verursacht. Hinzu kommen eine Reihe von Nachfolgeuntersuchungen, die auch bei einer sensibilitätserhaltenden Operation nicht ausbleiben, bei denen der Arzt ständig die Auswirkungen der Hormonbehandlung begutachtet. Auch die Hormonbehandlung als solche stellt natürlich einen Faktor dar. Wir sprechen bei all dem von Folter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich für meinen Fall habe in 14 Jahren 200 gynäkologische Untersuchungen und 300 Hormonbehandlungen erlebt. Außerdem wurde ich bougiert, d.h. mir wurde eine Vagina eingesetzt, die auch ständig gedehnt werden mußte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es handelt sich dabei nicht nur um Massenvergewaltigungen, sondern hinzu kommt diese Systematik, mit niemanden darüber sprechen zu dürfen, auch nicht mit den eigenen Eltern, keine Informationen zu bekommen, warum das eigentlich gemacht wird. Ich denke, wenn dem Kind so etwas wie eine Mitentscheidungsmöglichkeit und entsprechende Informationen gegeben werden, wäre ein Eingriff wesentlich weniger traumatisierend.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Der Mensch bleibt auf der Strecke, ein Wesen ohne das Gefühl von physischer und psychischer Integrität&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Für mich stellt sich nicht unbedingt die Geschlechterfrage. Ich habe einmal gesagt: &quot;Gender können nur die für sich formulieren, die ihren Sex kennen&quot;. Ohne Sex gibt es kein Gender. Das ist der Bereich, den ich manchmal versuche zu erklären, eine geschlechtliche Zwangszuweisung kann kein Geschlechtsempfinden erzeugen. Insofern kann von einer Zuweisung nur abgeraten werden, es funktioniert nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, daß ein neugeborenes Kind zwar noch keine Identität, aber bereits ein Gefühl von physischer und psychischer Integrität besitzt. Ein operativer Eingriff zerstört jedoch das Gefühl für Integrität und Intaktheit, besonders wenn er in so frühen Wochen und Monaten vorgenommen wird, wie das in dem Hermaphroditenbereich oft der Fall ist. Und ich bin mir nicht sicher, ob diese Integritätszerstörung jemals wieder aufhebbar ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich hatte ich kein Geschlecht, sondern eine Zuweisung. Andere Menschen sind mit einem authentischen Körpergefühl groß geworden, auch wenn sie es vielleicht gehaßt haben, aber es war etwas da.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben das einmal mit Frankenstein verglichen, daß hier aus einem ehemals intakten Wesen ein neues zusammengebaut wurde: Frankensteins Monster. Und dieses &quot;Neue&quot; ergibt in sich keine Stimmigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe schon früher, bevor ich wußte, daß ich umgebaut wurde, gespürt, daß sie mir Lebensenergie geraubt haben - irreversibel. Es gibt ein abgrundtiefes Gefühl, auf einer zutiefst denkbaren Ebene zerstört worden zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das sagen aber auch Leute, die gefoltert wurden. Ich weiß nicht, ob man das allein an den Genitalien festmachen kann, oder ob es einfach nur um die Massivität der Eingriffe geht.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Staat und Gesellschaft ignorieren Intersexualität - Menschen, die in unserer Wirklichkeit nicht vorkommen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Gesetzgeber kennt natürlich nur zwei Geschlechter, genauso wie er nur zwei Klos und nur zwei Möglichkeiten der Beantwortung der Frage nach Mann oder Frau kennt. Und wenn das falsche Feld angekreuzt wurde, dann bessert das der/die SachbearbeiterIn gern nach. Sprich, man kann ankreuzen, was man will, sie machen daraus, was sie wollen. Und diese Einschränkungen sind natürlich in dem Moment gegeben, wo sozialer Kontakt in öffentlichen Räumen stattfindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Privat interessiert mich weniger, was der Gesetzgeber sagt. Aber es interessiert mich für meinen Namen Michel. Ich habe jetzt die Möglichkeit, eine Berichtigung durchzuführen, also die Streichung des Randvermerkes &quot;Birgit&quot;, was bedeutet, daß ein Fehler eingesehen werden muß. Jetzt tragen sie in die Geburtsurkunde &quot;männlich&quot; ein, was genauso verkehrt ist. Das Namensrecht in Bezug auf Eindeutigkeit ist mit Sicherheit eine Angelegenheit, die vor das Bundesverfassungsgericht gehört.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Einschränkungen sind immer dann zu merken, wenn es z.B. um juristische Geschäfte geht, wenn irgendwo eine verbindliche Unterschrift gesetzt werden soll, und das ist schon bei einer Hausarbeit an der Uni der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt die Abwägung, was schlimmer ist, das Wissen der eigenen &quot;Abnormität&quot; oder die Folgen des chirurgischen Eingriffs, um nach außen hin &quot;normal&quot; zu wirken. Meines Erachtens nach sollte dem Kind vermittelt werden, daß es dem gängigen Bild von Männlein und Weiblein nicht hundertprozentig entspricht und daher einen selbstbestimmten Weg der Zuweisung erfahren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin der Ansicht, daß das Geld, welches für die vielen Verstümmelungen ausgegeben wird, eher in die gesellschaftliche Infrastruktur investiert werden sollte, um das Kind halbwegs stabil aufwachsen zu lassen. Es hat natürlich keinen Sinn, daß Eltern diese Abweichungen tabuisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich befürchte zukünftig den gefährlichen Trend, daß mit einer zunehmenden Veröffentlichung dieser Thematik der Ruf nach Abtreibung von nicht eindeutig geschlechtlich zuzuordnenden Föten stärker wird. Zwitter können nach der medizinischen Indikation bis zum neunten Monat abgetrieben werden, wenn sie für die Eltern als nicht zumutbar gelten.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_1u959du&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_1u959du&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; &quot;Soweit in den rechtlichen Regelungen des bundesdeutschen Rechts der Begriff des &#039;Geschlechts&#039; gebraucht wird, ist dieser immer eindeutig den alternativen Kategorien &#039;männlich&#039; und &#039;weiblich&#039; zugeordnet. Da die rechtlichen Regelungen nicht aussagen, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist, müssen diese Begriffe nicht juristisch, sondern medizinisch-naturwissenschaftlich bestimmt werden.&quot; (aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage &quot;Genitalanpassung in der BRD&quot;)&lt;/li&gt;
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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:18:44 +0000</pubDate>
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