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 <title>arranca! - Interventionistische Linke</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/159/0</link>
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 <title>...denn das ist die Lehre aus der DDR</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/denn-das-ist-die-lehre-aus-der-ddr</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gespräch mit Tina und ihr Trupp, die 1989 zwischen 2 und 16  Jahre alt  waren, über Politisierungsprozesse, Organisierung in der IL,  Utopien und  darüber, was die Sozialisation im Osten mit dem Ganzen zu  tun hat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gespräch mit Tina und ihr Trupp, die 1989 zwischen 2 und 16  Jahre alt  waren, über Politisierungsprozesse, Organisierung in der IL,  Utopien und  darüber, was die Sozialisation im Osten mit dem Ganzen zu  tun hat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Gespräch begann im Oktober 2015 bei der Veranstaltung »Politische Utopien in der DDR – Große Transformation und Kapitalismuskritik heute«&amp;nbsp; in Berlin. Fortgesetzt wurde es im &lt;em&gt;telegraph&lt;/em&gt; 131/132 mit einem ersten Interview. In Anknüpfung daran soll es hier um die Frage der politischen Sozialisation und Organisierung gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿ Ihr seid alle im Osten aufgewachsen. Wie kam es dazu, dass ihr linke Politik gemacht habt und auch immer noch macht?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tina:&lt;/strong&gt; Nun ja, das kann man sich eben nicht aussuchen. Ich bin in &#039;nem Land geboren, das es auf der Landkarte nicht mehr gibt. In Maxim Leos &lt;em&gt;Haltet euer Herz bereit &lt;/em&gt;ist das sehr treffend beschrieben: Der Osten »hängt an mir dran, er begleitet mich. Er ist wie eine große Familie, die man nicht abschütteln kann«.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In meiner Jugend in Thüringen hab&#039; ich schnell gelernt, mich körperlich und geistig zu verteidigen, weil ich Nazis kacke fand. Neben meiner Antifa-Sozialisation gibt es aber noch einen anderen Punkt, der mir damals gar nicht so bedeutend vorkam wie heute. Es gibt in der eigenen Biographie so etwas wie eine »ostdeutsche Unsicherheit«, wie es André mal nannte. Die spielt eine starke Rolle für mein Leben heute. Die Stationen der eigenen Biographie, wie unsere Beziehungen zu unseren Müttern, deren Leben in der DDR und nach der »Wende«, sind da spannend zu hinterfragen. Ich hab dann oft das Gefühl, dass der westliche Wohlstand und die Freiheit das Träumen für viele kaputt gemacht haben. Heute sagt man mir, dass diese Freiheit bedeutet, alles erreichen zu können, wenn ich nur leistungsfähig, flexibel und selbstoptimiert bin. Auch vor dem Hintergrund einer Ost-Sozialisation trägt und treibt mich eine Sehnsucht nach der unerfüllten kollektiven Selbstorganisierung und Selbstverwaltung an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lars: &lt;/strong&gt;Ich war 1989 Thälmannpionier und bin erst mal zu meiner Pionierleiterin gegangen und habe meinen Ausweis zurückgeben. In diese Zeit fallen dann auch meine ersten politischen Demonstrationen. Neben den wöchentlichen Demos – bei uns waren die immer donnerstags – waren das vor allem Schüler*innendemos für die Abschaffung des Samstagsunterrichts. Das ist dann auch ganz schnell umgesetzt worden. Mich hat dann die explodierende linke Subkultur in dieser Zeit angezogen. Bei aller Vielfältigkeit – Punker, Grufties, Skinheads, Hippies – gehörten doch immer noch irgendwie alle zusammen. Das Ausdifferenzieren ging dann später los. In diese Zeit fiel bei uns auch die Bewegung zum Erhalt des Radiosenders DT64, die mich, wie viele in meinem Alter, politisiert hat. Am Ende stand dabei dann die Erfahrung: Es ist egal, was wir wollen. Der Sender wurde abgeschaltet, weil irgendwelche Westler aus Hamburg jetzt entscheiden, was wir zu hören haben und was nicht. Dies stand im krassen Gegensatz zur Wendeerfahrung kurz zuvor. Das Gefühl des Aufbruchs, des »Alles ist möglich«, wurde einfach weggewischt. Ein anderes Beispiel aus dieser Zeit ist die Gründung des &lt;em&gt;Deutsche Volksunion&lt;/em&gt;-Kreisverbandes (DVU) bei uns. Es gab massive Proteste, und wir haben den Tagungsort blockiert ; alles war fein. Dann kam das &lt;em&gt;Unterstützungskommando&lt;/em&gt; (USK) der bayerischen Polizei und hat uns buchstäblich durch die Stadt gejagt. Naja und so waren dann die 90er für mich vor allem durch die Antifa geprägt, wobei ich hier Antifa immer als konkrete Anti-Nazi-Arbeit verstanden habe, und dabei versucht habe, für Bewegung und Projekte darüber hinaus offen zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Erwin:&lt;/strong&gt; Ich war vor der Wende Punk und habe mich da schon als linksradikal verstanden. Stark geprägt hat mich in der Zeit die Solidarität mit nationalen Befreiungsbewegungen weltweit, mit Nicaragua, Südafrika, Palästina, El Salvador; das war ein positiver Bezugspunkt zur DDR, diese klare internationalistische Ausrichtung. Und natürlich die radikale Linke in Westeuropa – was immer ich davon auch wusste. Dazu kam so ein Gefühl von Gerechtigkeit, das ich immer hatte, auch wenn ich dem nicht immer entsprechend handelte. Die ersten Demos, 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin, dann in Leipzig, dann auch in meiner Heimatstadt, empfand ich als unglaubliche Befreiung – und als Erfahrung von Kollektivität, die ich vorher nicht kannte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damals, in den Diskussionsrunden, in den überall entstehenden Gruppen und Organisationen, hatte ich das Gefühl, Geschichte zu schreiben und daran teilhaben zu können, etwas vollkommen Neues zu schaffen. Das hatte ich danach in der Form nicht wieder. Einen Staat, ein System zu Fall zu bringen – so eine Erfahrung hat man ja nicht oft in seinem Leben. Natürlich war die Enttäuschung groß, als nach dem Mauerfall der dominierende Demoslogan »Wir sind ein Volk « wurde und im März 1990 die Bürgerrechtsorganisationen nur marginale Stimmenanteile bekamen. Trotzdem war das Bedürfnis, sich einzumischen, weiterzumachen, selbstverständlich. Häuser besetzen, alternative Jugendzentren gründen, Irak-Krieg, Auseinandersetzungen mit Nazis, Flüchtlingsheime schützen und ja, die DT64-Demos. Dieses Grundgefühl, Ungerechtigkeiten nicht hinnehmen zu wollen und zu können, das trägt auch heute noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;André: &lt;/strong&gt;Ich war zur Wendezeit zu jung, als dass ich die Zeit hätte bewusst politisch wahrnehmen können. Dennoch spielen für mich die Erfahrungen durch meine Ost-Sozialisation eine wesentliche Rolle. Denn zur Politik hat mich die permanente Auseinandersetzung mit Nazis ab Mitte der 90er Jahre gebracht. Das war keine » freiwillige « Entscheidung, sondern ergab sich aus der Situation in meiner Geburtsstadt, einem mittelgroßen Ort in Thüringen. Hier gab es eine rechte Dominanz und eine Vielzahl von »national befreiten Zonen« . Der »subversive«&amp;nbsp; Rest sammelte sich in einem Park, aber auch hier kamen immer wieder Nazis vorbei. Es bestand die ganze Zeit das Gefühl, dass die Nazis machen können, was sie wollen, und wenn Leute etwas gegen Nazis machen, dann bekommen sie Probleme. Es zeigte sich mir und meinen Freunden recht früh, dass die Nazis auf einen breiten Konsens in der Stadt aufbauen können und die große Mehrheit eher schweigt. Es war ein Ohnmachtsgefühl, gegen den Rest der Bevölkerung zu stehen. In dem Zusammenhang beschäftigte ich mich viel mit dem historischen Nationalsozialismus und ging auf Antifa-Demos; zum Großteil hingen wir aber eher im Park rum. Auch wenn wir viel »rumgammelten« , politisierte mich diese Zeit im Park stark und hielt mich am Gedanken an eine bessere, solidarische Welt fest. Ein Hass auf ostdeutsche Zustände ist geblieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿  Was motiviert euch heute in eurer politischen Arbeit? Habt ihr konkrete utopische Vorstellungen? Die Hoffnung auf die Revolution oder was? Und warum seid ihr in der IL?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;André: &lt;/strong&gt;Als erstes: Ohne die Hoffnung auf eine andere Gesellschaft, in der die » Herrschaft des Menschen über den Menschen« (Karl Marx) aufgehoben ist und auch die gesellschaftlichen Naturverhältnisse sich ändern, wäre mein politischer Alltag nicht so, wie er ist. Als zweites: Ohne die Beschäftigung mit historischen Utopien – ob kommunistisch, sozialistisch oder anarchistisch – wäre mein politischer Alltag nicht so, wie er ist. Aber als drittes: Konkrete Utopien spielen für mich dabei gar keine Rolle. Nicht, dass ich Utopien ablehne. Vielmehr geht es mir um ein Verständnis, dass Gesellschaften widersprüchlich sind und Ungleichheiten hervorrufen, die immer bekämpft werden müssen. In einer zukünftigen Gesellschaft hoffe ich, dass das schneller geht als jetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich möchte nie in einer Gesellschaft leben, die von sich selbst behauptet, dass sie » befreit« oder ähnliches ist. Denn das ist die Lehre aus der DDR: Nur weil du ein sozialistisches System hast, heißt das nicht, dass es nicht autoritär oder rassistisch ist. Generell treibt mich aber der permanente Glaube an die Veränderung an! Alles ist vom Menschen gemacht. Also kann es der Mensch auch wieder ändern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tina: &lt;/strong&gt;Bei dieser Frage ist mir zuerst der Gedanke des Sich-Organisierens gekommen : nicht alleine leben, lieben, kämpfen. Für mich waren nicht nur konkrete politische Projekte handlungsleitend, sondern auch die politische Reproduktionsarbeit nach innen in die IL, also der Versuch, eine lebendige Organisierung neuen Typs zu gestalten. Das ist ermüdend, aber häufig eben auch ein sehr konkretes, widerständiges Gefühl mit diesem Schwarm an tollen Menschen, der in der Lage sein kann, Zäune einzureißen und kollektive Dynamiken von Rebellion zu erzeugen. Das ist keine konkrete Utopie, vielmehr so etwas wie eine kollektive Fernzielbestimmung als Grundlage unserer Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der IL suchen wir nach Hebeln, um einen Bruch erzeugen zu können. Wir debattierten seit 2009/10 Vergesellschaftung, was wir als » roten Faden«in unseren Praxen begreifen: Kampf um Enteignung und Vergesellschaftung von Energiekonzernen, eine gesamtgesellschaftliche Organisierung von Gesundheitsversorgung, die Vergesellschaftung von Wohnraum und ein queer-feministischer Blick auf bedürfnisgerechte Verteilung. Die soziale Revolution, an der ich gerade wegen der linken Geschichte weiter festhalte, wird nicht punktgenau landen. Da bin ich voll bei André ; es kommt auf eine radikale Politik an, die uns im Effekt dem Bruch näher bringt. Also eher so etwas wie eine »revolutionäre Realpolitik « wie es Rosa Luxemburg beschrieb. Ich denke, auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der DDR, der Dreh- und Angelpunkt für progressive Gesellschaftsveränderung liegt in der Vergesellschaftung von Alltagssorgen, von Bedürfnissen und Notwendigkeiten, und eben nicht nur letzterem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgabe von sozialen Bewegungen ist die Strukturierung politischer und sozialer Milieus, das, was Parteien und Institutionen nicht leisten. Hier liegt eine große Herausforderung für uns, denn im Vergleich zu den Kollektiven beispielsweise in Südeuropa verfügen wir kaum über Verwaltungswissen von Orten oder sozialem Leben. Ich finde daher die Bewegungen gegen die Krise in anderen europäischen Ländern immer krass inspirierend. Das zeigt aber auch, wie phantasielos wir hierzulande meist sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Erwin:&lt;/strong&gt; Mal etwas einfacher formuliert: Ich hab ja früher viel internationalistische Arbeit gemacht, dabei Menschen kennen gelernt, die unter viel schlechteren und schwierigeren Bedingungen leben und kämpfen. Diese Selbstverständlichkeit, dieser Mut, den diese Menschen ausgestrahlt haben, das finde ich immer wieder ermutigend. Eine konkrete Utopie habe ich nicht. Ich will jetzt nicht sämtliche Bausteine von einer solidarischen Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Bedingungen für ein glückliches Leben haben, aufzählen. Das sagt ja nicht viel; die Frage ist eher der Weg dahin. Da halte ich es mit den Zapatist*innen: fragend voranschreiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und zur IL: Die mit 1989 verbundene Erfahrung, dass ein zunächst progressiver gesellschaftlicher Umbruch ganz schnell in eine Restauration münden kann, wenn es keinen hegemoniefähigen oder zumindest um die Hegemonie kämpfenden gesellschaftlichen Akteur gibt, macht natürlich die Frage auf, wie eine solche Konterrevolution verhindert werden kann. Vor dem Hintergrund, dass gesellschaftliche Umbrüche wohl eher nach dem Muster &#039;89 oder » arabischer Frühling «, also abrupt und in krisenhaften Situationen, ablaufen und nicht durch Wahlen oder einen Putsch einer vermeintlichen Avantgarde der Arbeiter*innenklasse, ist es unsere Aufgabe, uns auf so eine Situation vorzubereiten. Dies bedeutet gleichzeitig, schon jetzt eine gesellschaftliche Verankerung und eine Handlungsfähigkeit sicherzustellen. Das ist nur möglich, wenn wir eine gewisse gesellschaftliche Breite und Legitimität aufweisen können, gut aufgestellt sind, und wenn wir durch Kämpfe im Hier und Jetzt die Vorstellung und das Bedürfnis nach gesellschaftlichen Alternativen, die sich an Fragen der Teilhabe, der Gerechtigkeit, der Emanzipation und der Solidarität definieren, etabliert haben. So verstehe ich zumindest den Anspruch der IL und deswegen bin ich da organisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lars: &lt;/strong&gt;Dem bleibt nicht mehr viel hinzuzufügen. Vielleicht noch, dass sich gerade die integrativen Elemente unserer Politik in den 1990ern in der IL wiederfinden. Im Anti-Nazi-Kampf war es unabdingbar mit allen, die was gegen Nazis hatten, zusammenzuarbeiten und einen » Anti-Nazi-Konsens  in der Stadt zu etablieren. Diese prinzipielle Offenheit finde ich heute in der IL wieder.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/interventionistische-linke">Interventionistische Linke</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/organisierung">Organisierung</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 06:37:34 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Kommt ihr mit in den Alltag?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/kommt-ihr-mit-in-den-alltag</link>
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                    &lt;p&gt;Zwei Genoss*innen fragten sich in der arranca!#48, »warum wir neben der Arbeit in Basisinitiativen noch eine IL brauchen« . Wir wussten es im Sommer 2014 auch nicht mehr – und sind deshalb nach sieben Jahren aus der Interventionistischen Linken (IL) ausgetreten. Klar, die IL ist stark darin, Demonstrationen zu organisieren, Bündnisse zu schmieden oder medienwirksame Aktionen durchzuführen. Beim Anbahnen und Führen sozialer Kämpfe rund um Wohnraum, Arbeit und Prekarität stand sie uns allerdings eher im Weg. Wir waren hauptsächlich damit beschäftigt, Gremien zu besetzen, Bündnistreffen zu besuchen, bei Demonstrationen und Kampagnenzu unterstützen, Projekte anderer Arbeits- und Ortsgruppen abzunicken und eigene Projekte im Plenum zu präsentieren. Soziale Kämpfe wurden zu einer Nebenbeschäftigung. Was dsan1 in der arranca! #48 vermutet, wurde für uns zur Gewissheit: Wir führen soziale Kämpfe nicht wegen, sondern trotz unserer Mitgliedschaft in der IL. Kosten und Nutzen standen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Zwei Genoss*innen fragten sich in der arranca!#48, »warum wir neben der Arbeit in Basisinitiativen noch eine IL brauchen« . Wir wussten es im Sommer 2014 auch nicht mehr – und sind deshalb nach sieben Jahren aus der Interventionistischen Linken (IL) ausgetreten. Klar, die IL ist stark darin, Demonstrationen zu organisieren, Bündnisse zu schmieden oder medienwirksame Aktionen durchzuführen. Beim Anbahnen und Führen sozialer Kämpfe rund um Wohnraum, Arbeit und Prekarität stand sie uns allerdings eher im Weg. Wir waren hauptsächlich damit beschäftigt, Gremien zu besetzen, Bündnistreffen zu besuchen, bei Demonstrationen und Kampagnenzu unterstützen, Projekte anderer Arbeits- und Ortsgruppen abzunicken und eigene Projekte im Plenum zu präsentieren. Soziale Kämpfe wurden zu einer Nebenbeschäftigung. Was dsan1 in der arranca! #48 vermutet, wurde für uns zur Gewissheit: Wir führen soziale Kämpfe nicht wegen, sondern trotz unserer Mitgliedschaft in der IL. Kosten und Nutzen standen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Raus aus dem Hamsterrad – Eine Organisierung gegen die Angst&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was wir eigentlich wollten, war eine Praxis, die Leistungszwang, Armut und Ausgrenzung angreift und solidarische Alternativen entwickelt. Eine Organisation, die durch Selbstorganisationund direkte Aktion die Probleme ihrer Mitstreiter*innen löst. Ein Projekt, in dem wir kontinuierlichunsere Konflikte diskutieren und analysieren können, um unsere Angst zu verlieren und das Kämpfen im Alltag zu erlernen. Wir begannen zu überlegen, welche Strukturenwir hierzu schaffen müssen. Was bedeutet es konkret den »Widerstand im Herzen der Bestie« zu organisieren? Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein und welche Denkweisen und Überzeugungen überprüft und eventuell abgelegt werden? Was hält uns davon ab, Widerstand zu leisten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir alle neigen dazu, Konflikte im Alltag nicht zusuchen, sondern zu umgehen. Das ist verständlich, schließlich besteht ein Risiko für diejenigen, die sich als erstes wehren. Der Kampf kann verloren werden. Die darauffolgenden Sanktionen– Verlust von Job, Wohnraum, Ersparnissen, sozialen Kontakten – können verheerend sein. Ist man in dieser Situation auf sich allein gestellt, überwiegt die Angst vor der Strafe, die uns an diebestehenden Verhältnisse bindet. Wir schließen uns der Analyse der Autor*innen von »Maulwurf statt Adler« in der arranca! #48 an, die den»strategischen Kern des neoliberalen Angriffs« in der »Universalisierung von Angst und Verunsicherung« ausmachen. Auch wenn sie die immer noch herrschende Disziplinierung unterschätzen, die zunimmt, je proletarisierter man ist, haben sie Recht: Angst verhindert effektiv Widerstand. Man muss sich nur den Unterschied zwischen dem Bild, das radikale Linke von sich selbst als rebellische Minderheit zeichnen und dem, was sie im eigenen Alltag tun, vor Augen führen. Wir kennen kaum Linke, die gegenüber ihrem Chef den Mund aufmachen oder an vorderster Stelle stehen, um sich zu wehren, wenn im eigenen Haus eine Mieterhöhung ansteht – also auch im Alltag das tun, was sich auf Demonstrationen schon heute viele trauen. Was unserem Erachten nach radikale Linke von radikalen Laberbacken unterscheidet, ist genau diese Fähigkeit. Bereit zu sein, als erstes den Kopf hinzuhalten, einen Kampf aufzunehmen und solidarisch zu sein. Denn es gibt genug Menschen, die sich wehren würden, wenn sie wüssten, dass sie nicht alleine sind. Es fehlt allerdings an materiellen Strukturen, die diese Kämpfe ermöglichen und eventuelle Rückschläge und Niederlagen abfedern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit sich die Angst davor, im Hamsterrad nicht mehr mithalten zu können, nicht nur in Empörung oder Wut ausdrückt, sondern in Widerstand verwandelt, muss die Welt als ungerecht und veränderbar wahrgenommen werden. Das geschieht aber nur zum allerkleinsten Teil durch Diskurse. Der klügste Text und die schönste Demonstration entlassen uns nach wenigen Stunden wieder in den Alltag, wo wir uns tagtäglich als Subjekte konstituieren und sich die herrschende Ideologie reproduziert. Wenn es aber der Alltag ist, der unsere Vorstellungen und Praxen prägt, muss es auch der Alltag sein, in dem wir andere Vorstellungen und Praxen entwickeln. Das passiert viel zu selten, was sich daran zeigt, dass es oft keine Ideen gibt, wie Kämpfe geführt werden könnten. Am frappierendsten haben wir das im Bereich der Lohnarbeit erlebt. Ein beträchtlicher Teil der Linken hat kaum Kenntnisse über die eigenen Rechte und keine Idee davon, wie jenseits avon »Ich rufe die Gewerkschaft, und die macht dann was« am Arbeitsplatz Organisierung stattfinden könnte. Das Wissen um Bummelstreiks, Sit-Ins und Überstundenverweigerung muss ebenso wieder verbreitet werden, wie die Erfahrung, dass diese Taktiken von Menschen wie dir und mir angewendet werden können. So kann das Repertoire an möglichen Antworten auf unsere alltäglichen Probleme wachsen. Dabei geht es nicht um sozialarbeiterische Befriedung von Konflikten, sondern um eine radikale Praxis, die uns durch Kollektivität in die Lage versetzt, uns frei verfügbare Zeit und Lebensqualität anzueignen. Das gelingt nur, wenn wir die Dinge, die uns betreffen, selbst entscheiden und auch selbst in die Hand nehmen wollen. Daraus folgt, dass wir in einem kontinuierlichen Dialog mit anderen Menschen stehen müssen, die bereit sind, sich zu wehren. Nicht nur, weil wir in den alltäglichen Konflikten die Vorstellung verankern müssen, dass sich niemand ein gutes Leben erst durch Lohnarbeit oder Kindererziehung verdienen muss – Leistungszwang also rundweg abgelehnt wird. Sondern auch, weil wir zur Entwicklung einer solchen Praxis viel von anderen zu lernen haben. Wir sind überzeugt davon, dass Befreiung nur so entsteht. IL-Politik setzt dagegen eher auf Agitation, als selbst Teil der sozialen Prozesse zu werden. Historisch gesehen ist das eines der größten Probleme der Linken, verfestigt man doch so die Trennungen zwischen denen, die die Ideen haben und denen, die sie umsetzen,zwischen Führenden und Geführten, zwischen Helfenden und Bedürftigen&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Unsere Erfahrungen mit solidarischen Alltagskämpfen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wir beteiligen uns seit über einem Jahr an Wilhelmsburg Solidarisch, einem Projekt, das versucht diese Trennungen zu überwinden. Zweimal im Monat gibt es einen offenen Anlaufpunkt für alle Menschen mit Fragen rund um Arbeit, Aufenthalt, Jobcenter und Wohnen. Wir beraten uns gegenseitig, bilden uns weiter, begleiten uns zu Ämtern, unterstützen uns im Alltag oder machen öffentlichkeitswirksame direkte Aktionen.&amp;nbsp;Unsere Organisierung basiert auf gemeinsamen Interessen und Bedürfnissen. So entwickelnwir Schritt für Schritt Strukturen, die es uns ermöglichen, Kämpfe zu führen. Wir reflektieren unterschiedliche Taktiken und Strategien am Arbeitsplatz oder auf den Ämtern. Wir bieten finanziellen und emotionalen Rückhalt, wenn sich jemand für unsere Ideen und Ideale einsetzt und dadurch Nachteile erleidet. Zehntausende Euro verpulvert die Linke alljährlich für schicke Mobiclips und Plakate irgendwelcher abstrakten Kampagnen. Brauchen wir nicht eher einen Fonds für Menschen, die sich gegen ihre Zwangsräumungwehren? Oder eine Solidaritätskasse für Erwerbslose, die Flugblätter mit Widerstandstechniken gegen ihre Bewerbungstrainings verteilen und dafür sanktioniert werden? Statt eine gemeinsame Identität als Mieter*innen, Nachbarschaft oder Arbeiter*innen eines bestimmten Sektors zu entwickeln, versuchen wir ein Gefühlumfassender Klassensolidarität zu erzeugen. So rücken proletarische Alltagserfahrungen in das Zentrum unserer politischen Praxis. Wilhelmsburg Solidarisch hat deshalb das Potenzial, zu einem Ort zu werden, an dem wir ein Leben lang immer wieder zusammenkommen. Denn Alltagskämpfe lassen sich zwar nicht auf Dauer stellen – eine Auseinandersetzung mit Chef*in, Vermieter*in oder Behörde kann sich über lange Zeit hinziehen, ist aber auch irgendwann beendet. Allerdings tauchen solche Konflikte ein Leben lang immer wieder auf und sind meistens ohnehin miteinander verwoben. Wenn das Amt nicht zahlt, kriegt auch mein*e Vermieter*in keine Kohle.&amp;nbsp;Hinzu kommen die Momente, in denen wir uns gemeinsam entschließen, den Konflikt zu suchen. Die Frage, was uns zum Kämpfen befähigt, steht im Zentrum unserer strategischen Überlegungen. Lasst uns das am Beispiel eines Arbeitskampfes verdeutlichen: Wir haben es geschafft, Verbesserungen im Betrieb zu erzielen. Der Preis war allerdings, dass diejenigen, die entschieden zum Erfolg beigetragen haben, wie so häufig entlassen wurden. Jetzt haben wir den Vorteil, ein Kollektiv zu sein, das weiß, wie man mit Arbeitsagentur und Jobcenter umgeht. Und zwar so, dass man Kohle, aber keinen Stress bekommt. Dadurch wird der Jobverlust weniger existenzbedrohend. Unsere Organisierung endet im Gegensatz zu einer rein gewerkschaftlichen nicht mit dem Konflikt oder am Werkstor. Dadurch können sich alle Beteiligten in Zukunft wieder trauen, sich für ihre Sache einzusetzen. Das meinen wir ganz praktisch, wenn wir von der Notwendigkeit einer Organisierung gegen die Angst sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um eine möglichst große Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Lebenslagen herzustellen, versuchen wir viele »Andockpunkte« zu schaffen. Dabei sollen unsere Strukturen wachsen können und leicht adaptierbar sein, um sich ausbreiten zu können. Neben dem Anlaufpunkt haben wir regelmäßig stattfindende Kneipenabende, die für einige Genoss*innen zu einem wichtigen Ort der Vernetzung geworden sind. Manche kommen ausschließlich zu Treffen, auf denen Aktionen oder Strategien besprochen werden. Und es gibt Menschen, die vorwiegend an Veranstaltungen und Workshops teilnehmen. Statt eines Plenums als Zentrum haben wir viele Punkte, an denen wir je nach Interesse und verfügbarer Zeit partizipieren – oder eben auch nicht. Wir versuchen uns gegenseitig zu vermitteln, dass wir auch dann Teil von Wilhelmsburg Solidarisch sind, wenn wir mal ein halbes Jahr nicht da sind. Phasen von Aktivität und Nicht-Aktivität zu thematisieren, ohne Rechtfertigungsdruck aufzubauen, ist wichtig, um darüber sprechen zu können, warum jemand keine Zeit oder Kraft hat. Erst so entsteht die Möglichkeit, die politische Dimension scheinbar individueller Entscheidungen – wie den legendären Rückzug ins Private und die Arbeit – offen zu legen. Das ist notwendig, weil politische Organisierung für uns kein Hobby ist, das wir uns leisten, sondern eine Selbstverteidigungsmaßnahme. Wir finden es zunehmend irritierend, wie in Flyern von »den Lohnabhängigen« oder »den Arbeitslosen« gesprochen wird, als ob die Verfasser*innen der Texte&amp;nbsp;mit ihnen nichts zu tun hätten und außerhalb der Gesellschaft stünden. Wir zumindest, als Menschen ohne großes Vermögen und Eigentum an Produktionsmitteln, haben ein Eigeninteresse an einem kämpferischen Kollektiv, in das wir unsere vermeintlich privaten Konflikte tragen können und das uns unterstützt. Die IL-Strukturen, in denen wir früher aktiv waren, konnten das nicht leisten. Und da viele Leute aus anderen Politgruppen zu uns kommen, ist dieses Problem offensichtlich in der Linken weit verbreitet. Aber auch Menschen, die bislang keinen Kontakt zu linken Inhalten und Strukturen hatten, weil sie durch Flugblätter und Demonstrationen nicht erreicht werden, kommen zu Wilhelmsburg Solidarisch. Das ist nicht verwunderlich, weil wir die gleichen Probleme teilen und ein materielles Interesse daran haben, uns gemeinsam zu organisieren. Unsere Radikalität bestimmt sich folglich durch die Art, wie wir Konflikte bearbeiten und welche Mittel wir in unseren Kämpfen wählen. So glauben wir, eine breite soziale Basis herstellen zu können, die für eine gesellschaftliche Transformation unabdingbar ist und unter vielen Menschen linke Praxen und Ideen bekannt zu machen – nicht alsTheorie oder Lifestyle, sondern als gelebte Renitenz. Weil wir eine Kultur etablieren, die jeden willkommen heißt und ernst nimmt, haben wir das Gefühl, zum ersten Mal in einer Organisation zu sein, in die wir jeden Interessierten einladen können, ohne Angst zu haben, dass unser Milieu und die Themen abschreckend wirken.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Sind politische Gruppen also überflüssig?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Natürlich nicht. Sie haben ihre Berechtigung als Assoziation der Gleichgesinnten. Hier sind nicht die Interessen, sondern die Ideen das Verbindende. Sie dienen als Ort der Entwicklung neuer Strategien sowie der Analyse und Interpretation sozialer Kämpfe. Ihr Maßstab ist nicht zuerst das Erzielen von Erfolgen, sondern die Frage, ob die Kämpfe uns dem Ziel einer revolutionären Veränderung der Verhältnisse näher bringen. Schließlich neigen alle erfolgreichen Organisationen, die für ihre Interessen kämpfen, ab einer bestimmten Größe dazu, konservativ zu werden, wie ein Blick in die Geschichte anarcho-syndikalistischer Gewerkschaften zeigt. Unsere Aufgabe als radikale Linke besteht demzufolge darin, Tendenzen zu bekämpfen in denen Partikular- über Allgemeininteressen gestellt werden. Mit dem Einfordern von Solidarität alleine kommt man da nicht weiter. Es gibt ja faktische Interessengegensätze zwischen Lohnabhängigen. Etwa wenn Festangestellte ihre Interessen auf Kosten von Leiharbeiter*innen durchsetzen wollen, oder dem alleinerziehenden Vater der Jobverlust droht, weil er sein Kind während des Kita-Streiks nicht alleine lassen kann. Wenn wir nicht wollen, dass diese Interessengegensätze zu Ungunsten der schwächeren Gruppe aufgelöst werden, müssen wir uns in diesen Kämpfen für eine umfassende Solidarität einsetzen, die auch das Zurückstellen eigener Privilegien notwendig macht. Das lässt sich dann aber nicht mehr mit kurzfristigen Interessen oder Bedürfnissen begründen, sondern nur durch unsere politische Perspektive. Wenn dieser Standpunkt eine Chance haben soll, geteilt zu werden, muss er da artikuliert werden, wo eine neue Gesellschaft erkämpft wird: im Handgemenge der sozialen Kämpfe. Unsere Erfahrung ist allerdings, dass viele IL Genoss*innen Basiskämpfe theoretisch super finden, dann aber schnell abwinken: »Können das nicht andere erledigen?« Sich mit den Problemen der Leute zu beschäftigen oder den ganzen trockenen Rechtskram zu lernen, sollen die Basisaktivist*innen übernehmen. Man selbst kümmert sich lieber um die Vernetzung, bündelt die Akteure, stellt Ressourcen zur Verfügung oder spitzt Forderungen zu. Dahinter steckt auch die Vorstellung, dass im vorpolitischen Klein-Klein der Alltagskonflikte der Blick für das große Ganze, die Theorie und die echte Politik verloren geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir beobachten es genau anders herum. Erst in der direkten Auseinandersetzung mit Herrschaft an den Orten ihrer Realisation – in den Arbeitsstätten, Amtsstuben, Gerichten, Wohnanlagen – im Interesse an ihren todlangweiligen bürokratischen Abläufen, im Dialog über die Gefühle, die Unterdrückung in uns erzeugt, kann Theorie wertvoll werden – für die Unterdrückten versteht sich. Das ist der Hintergrund, weshalb Linke, die sich das erste Mal in sozialen Kämpfen tummeln, sich mit einer »komplizierten Gemengelage« (IL Recht auf Stadt AG in arranca! #48) konfrontiert sehen und bemerken, dass der Großteil linker Theorie in der konkreten Praxis keinen Vorteil bringt. Aber nicht weil linke Theorie per se nutzlos wäre, oder Kämpfe am besten instinktiv und ohne theoretische Hintergedanken ablaufen, sondern weil sie heute hauptsächlich von Menschen produziert wird, die an der Seitenlinie der Kämpfe stehen. Als wir vor einem Jahr mit dem Versuch begannen, eine andere Praxis zu entwickeln, ist das aus dem Bedürfnis heraus entstanden, nicht weiter Politik vom Feldherrnhügel aus zu betreiben. Wir wollten mehr, als revolutionäre Prosa zu produzieren, die auch dann noch Zeugnis unserer eigenen Ohnmacht ist, wenn sie auf einer Großdemonstration verlesen wird. Dafür mussten wir unsere Komfortzone verlassen und uns dem Aufbau alltäglicher Gegenmacht widmen. Wir finden, es hat sich gelohnt.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 06:34:20 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Crew Love Is True Love</title>
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                    &lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ein Erfahrungsbericht über die Grenzerfahrung innerhalb des eigenen Organisationshorizonts oder aber die Begründung, warum mensch plötzlich alles stehen und liegen lassen sollte.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Was das alles bringen soll? Diese Frage ist mir nicht nur in den letzten Monaten immer wieder begegnet, sondern auch in all den Jahren meiner Organisationserfahrung. Eine theoretische Antwort zu geben, fiel mir nie schwer, doch über den wirklichen praktischen Nutzen berichten konnte ich bisher nicht. All dies änderte sich mit dem 9. September 2015. An diesem Tag änderte sich für die Interventionistische Linke Lübeck fast alles, als die ersten Transit-Geflüchteten den Lübecker Bahnhof erreichten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Ein Erfahrungsbericht über die Grenzerfahrung innerhalb des eigenen Organisationshorizonts oder aber die Begründung, warum mensch plötzlich alles stehen und liegen lassen sollte.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Was das alles bringen soll? Diese Frage ist mir nicht nur in den letzten Monaten immer wieder begegnet, sondern auch in all den Jahren meiner Organisationserfahrung. Eine theoretische Antwort zu geben, fiel mir nie schwer, doch über den wirklichen praktischen Nutzen berichten konnte ich bisher nicht. All dies änderte sich mit dem 9. September 2015. An diesem Tag änderte sich für die Interventionistische Linke Lübeck fast alles, als die ersten Transit-Geflüchteten den Lübecker Bahnhof erreichten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Zur Lage vor Ort&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Mehrere hundert Geflüchtete kamen innerhalb weniger Stunden von Hamburg am Lübecker Bahnhof an. Ihnen wurde die Weiterreise nach Schweden über Dänemark verwehrt. Das Lübecker Flüchtlingsforum und die IL Lübeck organisierten gemeinsam mit dutzenden antirassistischen Aktivist*innen die praktische Hilfe für Geflüchtete, die über Lübeck nach Skandinavien, insbesondere nach Schweden weiterreisen wollten. Da dies mit dem Zug nicht möglich war, wurden die Geflüchteten kurzum mit zum ortsansässigen autonomen linken Zentrum Walli begleitet. Innerhalb weniger Stunden entstand dort ein Solidaritätszentrum für Geflüchtete im Transit. Ich bekam zu dem zeitpunkt nur zufällig über Facebook mit, was die IL Lübeck zur Lösung der Bahnhofssituation beigetragen hatte. Als&amp;nbsp; ich die Walli am 10. September betrat, standen auf dem Hof etwa 80 Geflüchtete. Zwei Busse des Lübecker Stadtverkehrs warteten vor den Toren und sollten in wenigen Minuten mit den Geflüchteten zum Fährterminal fahren. Überall wuselten Genoss*innen um mich herum. Die Atmosphäre bewegte sich zwischen einer Riesenüberforderung und der Begeisterung über die ersten Schritte des revolutionären Umbruchs. Ja, es herrschte das Gefühl, dass auch wir ein Teil der Bewegung sind, die Mutter Staat und der Festung Europa mal so richtig in den Arsch tritt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb weniger Stunden und Tage bildete sich ein Netzwerk auf der Walli, das unglaubliche Größen erreichte. Es entstand ein Solidaritätszentrum mit diversen Ebenen. Ein Organisationsbüro, welches die Fährtickets nach Schweden für die Geflüchteten organisierte. Eine Bahnhofscrew, welche die ankommenden Geflüchteten abholte, sie zum Zentrum begleitete und in die dortigen Strukturen einführte. In den ersten Monaten erreichten uns am Tag zwischen 200 und 400 Geflüchtete. Es entstanden Strukturen von Dolmetscher*innen, Koch- und Küchencrew, Kleiderkammer, Schlafplatzorganisation, medizinische Versorgung, logistische Organisation der Lebensmittelspenden, Betreuung der Geflüchteten und vieles mehr. Und all diese Strukturen bestanden größtenteils aus Menschen, die die Walli nie zuvor besucht oder gar wahrgenommen hatten und nun hier mit uns ein Zentrum aufbauten und miteinander zusammenarbeiteten, als ob es immer so gewesen wäre.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser Hauptkommunikationsorgan war von Anfang an Facebook. Es erschien uns wie ein Zauberstab. Kaum tippte mensch kurz ein, was wir benötigten, war es auch schon da. Lebensmittelspenden, Sachspenden, Autofahrer* innen, Stockbetten (die kamen aus der JVA Fuhlsbüttel) oder Menschen für eine Demo. Wir machten fast alles öffentlich und sprangen von einem Pressetermin zum anderen. Dies führte dazu, dass wir einen Riesenrückhalt in der Bevölkerung erfuhren, der uns viele Türen öffnete&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Das ist unser Haus!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Schon Ende September war klar, dass unsere räumlichen Kapazitäten auf der Walli in den Wintermonaten auf keinen Fall ausreichen würden. Der Hansestadt Lübeck hatten wir, um ehrlich zu sein, schon seit Anfang September den Arsch gerettet. Sie war gnadenlos überfordert mit der Situation der Transit-Geflüchteten und froh darüber, dass die »Aktivisten der Walli« sich darum kümmerten. Dies bescherte uns von Anfang an eine »privilegierte Position« in den Verhandlungen um alles. Sei es bei der Finanzierung der Bustransfers durch die Stadt oder bei der durchgeführten Hausbesetzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, ihr habt richtig gelesen, Hausbesetzung. Am 17. Oktober haben wir die Inbetriebnahme der neuen Gebäude gefeiert. Zuvor hatten wir wochenlang mit der Stadt darüber verhandelt, dass wir unbedingt weitere Räumlichkeiten brauchen und die nebenan stehenden städtischen Gebäude sich perfekt dafür eignen würden. Nach einem lang Hin und Her bekamen wir schlussendlich eine Absage, die wir nicht duldeten. Da wir bis dato eh unsere gesamte Arbeit öffentlich gemacht hatten, taten wir es mit der geplanten »Inbetriebnahme der neuen Häuser« gleich. Wir luden alle Lübecker*innen dazu ein, mit uns bei einem schönen Fest mit Kaffee und Kuchen an einem regnerischen Samstag die Inbetriebnahme zu feiern.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Titel der Lokalzeitung lautete am nächsten Tag »Walli-Aktivisten planen Hausbesetzung.« Ja, immer diese bösen Lokalzeitungen. Obwohl wir für die Aufmerksamkeit sehr dankbar waren, da all dies ohne den öffentlichen Druck der Medien in der Form nicht möglich gewesen wäre. Immerhin ließen sich nicht alle eingeladenen Gäste durch die Lokalpresse abschrecken. Ganz entspannt wurden in der Anwesenheit von etwa 60 Personen wie geplant die Toren und Türen der neuen Gebäude geöffnet. Alles erschien wie in einem Film. Alle warteten nur darauf, dass endlich der Staatsapparat eingreifen würde. Die einzige Polizei, die an diesem Tag vorbei schaute, waren zwei Streifenpolizist*innen, die sich sorgten, dass ein Verkehrsunfall passieren könnte.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Bildet Banden! Und dann?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Knapp fünf Monate später arbeiten wir immer noch. Über 15 000 Geflüchtete haben über unser Zentrum den Weg nach Schweden, Finnland und Norwegen gefunden. Über 50 0000 Euro wurden für die Fährtickets bezahlt. Finanziert zur Hälfte aus Spenden und von den Geflüchteten selbst. Wir haben ein Haus besetzt und haben inzwischen sogar einen offiziellen Mietvertrag, über den wir noch verhandeln. Wir sind inzwischen ein Zentrum und ein Zuhause nicht nur für Geflüchtete im Transit, sondern auch für diejenigen, die in Lübeck bleiben. Wir haben uns nächtelang auf Plena rumgeschlagen und wochenlange Debatten geführt. Debatten um alles. Sei es die Organisation einer Demo, als Schweden die Grenzschließung androhte, die Gestaltung der neuen Gebäude, Ticketpreise, Streitereien untereinander oder aber ob der Hund, den die Familie aus dem Irak mitgebracht hatte, auch bei uns im Familienschlafsaal übernachten dürfte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das alles bringen soll? Die Frage haben wir uns immer wieder gestellt. Gar nichts, haben einige gesagt. Alles, sagten die anderen. Eine Antwort haben wir nicht gefunden. Es sind Genoss*innen gegangen und neue werden kommen. Wir alle sind seit Monaten am Limit. Emotional und kräftemäßig. Die Politarbeit außerhalb des Zentrums haben wir lange Zeit vernachlässigt. Und trotzdem weiß ich, was es mir gebracht hat. Ich habe erfahren, was es heißt Genoss*innen zu haben. Und ich muss diese vorab nicht kennen und weiß trotzdem, dass ich mich auf sie verlassen kann. In Krisenzeiten gibt es politische Grundsätze, über die wir nicht zu diskutieren brauchen. Ich habe erfahren, dass ich überall Genoss*innen auch außerhalb meiner Organisation finde, und das hat mir Mut gemacht. Ich weiß, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Und ich weiß, dass ich hier Worte niederschreibe, die nach einer Lobeshymne klingen. Das soll auch so sein, denn das ist eine Sache, die innerhalb des Organisationsprozesses oft missachtet wird. Sich einfach mal gegenseitig auf die Schulter zu klopfen!&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Einen Abschluss bitte&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ja, es hätte hier ein ausgetüftelter, politisch wertvoller Text zur Organisierung erwartet werden können. Mit Absicht habe ich mich dagegen entschieden. Die letzten Monate haben mir einen Ansatz der Organisierung verdeutlicht, der bei mir oft aus dem Blickfeld gerät. Es muss sich nicht immer auf die politischen Diskurse gestützt werden. Es muss nicht immer theoretischer Konsens gebildet werden. Es muss nicht immer die Vergrößerung der eigenen Organisation im Blickfeld stehen. Denn in Zeiten des Umbruchs, und das waren meine erlebten letzten fünf Monate, heißt Organisierung eben auch einfach mal Zusammenhalt und der Kampf für ein gemeinsames Ziel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn: crew love is true love!&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Für Spenden:&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Lübecker Flüchtlingsforum e.V.&lt;br /&gt;Bankverbindung: Sparkasse zu Lübeck&lt;br /&gt;IBAN: DE23 2305 0101 0160 2777 52&lt;br /&gt;BIC: NOLADE21SPL&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 06:27:05 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Form Follows Function. Eine Frage der Organisierung II</title>
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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 05:52:19 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Interventionistische Politik im Osten</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/48/interventionistische-politik-im-osten</link>
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                    &lt;p&gt;In der radikalen Linken wird – anders als im Rest der Gesellschaft – wenig über das Ost-West-Verhältnis in der BRD diskutiert. Wenn überhaupt, begegnet man der Diskussion über „rassistische Verhältnisse im Osten“. Hierbei werden gerade von der interventionistischen Strömung die Fehler der ostdeutschen linksradikalen Strukturen beziehungsweise das Fehlen dieser Strukturen beklagt. Eine Auseinandersetzung über die Bedingungen interventionistischer linksradikaler Politik im „Osten“ 25 Jahre nach der Wende steht aber aus. Dies drückt sich auch im Mangel an Gruppen der Interventionistischen Linken (IL) aus. Andere linksradikale Strömungen sind da in der Diskussion ein wenig weiter, wie etwa der Artikel Vorwärts und nicht vergessen von David Schweiger aus der Phase 2 #48 zeigt. Dieser erläutert vieles zur Sozialisierung und Geschichte der ostdeutschen linksradikalen Politik ausführlicher, als es uns hier möglich sein wird. Seine Absage an interventionistische Politik teilen wir aber natürlich nicht. Wir wollen in diesem Artikel die Bedingungen und Möglichkeiten einer interventionistischen Linken im Osten anhand unserer Erfahrungen in Sachsen und Thüringen näher betrachten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;In der radikalen Linken wird – anders als im Rest der Gesellschaft – wenig über das Ost-West-Verhältnis in der BRD diskutiert. Wenn überhaupt, begegnet man der Diskussion über „rassistische Verhältnisse im Osten“. Hierbei werden gerade von der interventionistischen Strömung die Fehler der ostdeutschen linksradikalen Strukturen beziehungsweise das Fehlen dieser Strukturen beklagt. Eine Auseinandersetzung über die Bedingungen interventionistischer linksradikaler Politik im „Osten“ 25 Jahre nach der Wende steht aber aus. Dies drückt sich auch im Mangel an Gruppen der Interventionistischen Linken (IL) aus. Andere linksradikale Strömungen sind da in der Diskussion ein wenig weiter, wie etwa der Artikel Vorwärts und nicht vergessen von David Schweiger aus der Phase 2 #48 zeigt. Dieser erläutert vieles zur Sozialisierung und Geschichte der ostdeutschen linksradikalen Politik ausführlicher, als es uns hier möglich sein wird. Seine Absage an interventionistische Politik teilen wir aber natürlich nicht. Wir wollen in diesem Artikel die Bedingungen und Möglichkeiten einer interventionistischen Linken im Osten anhand unserer Erfahrungen in Sachsen und Thüringen näher betrachten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Eine andere Lebenswelt: Radikale Linke in Ostdeutschland&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die radikale Linke in unserem Umfeld kommt sozial wesentlich pluraler daher, als wir es im Westen erleben. Während dort Aktivist_innen aus Mittelschichtselternhäusern mit akademischem Hintergrund dominieren, die sich zumeist auch noch in den Groß- und Universitätsstädten konzentrieren, ist die soziale Realität ostdeutscher Linksradikaler eher proletarischer und provinzieller. Darüber hinaus existiert das aus Westdeutschland bekannte &amp;nbsp;Milieu der alternativlinken Elternhäuser in Ostdeutschland nicht, da hier gewisse konstituierende Entwicklungen wie die &#039;68er und die Neuen Sozialen Bewegungen ausgeblieben sind. Stattdessen gibt es in Ostdeutschland allenfalls Elternhäuser, die, aus einer ehemals staatssozialistischen Haltung oder aus der DDR-Opposition stammend, beispielsweise antifaschistischen und feministischen Positionen zustimmen und entsprechende Aktivitäten ihrer Kinder unterstützen.Neben diesen Unterschied in der sozialen Realität tritt eine spezifische Politisierungserfahrung. Während im Westen häufig linke (Bewegungs-)Traditionen weitergegeben werden und eine bestimmte moralische Empörung über den Umgang mit den Unterdrückten vorherrscht, speist sich die ostdeutsche Politisierung stark aus der eigenen Betroffenheit. Als Subkulturangehörige_r oder durch die Erfahrung Dritter ist man gerade in der Provinz früh mit Ausgrenzung bis zu offener Gewalt konfrontiert. Diese zumeist von Nazis ausgehenden Angriffe, die durch große Teile der Gesellschaft toleriert werden, schaffen eine Erfahrung der Marginalität. Aus dieser persönlichen Betroffenheit geht oftmals eine politische Auseinandersetzung mit Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus hervor. Es wird klar, dass es sich um Herrschaftsverhältnisse handelt, die sich auf die gesamte Gesellschaft erstrecken. Dies zu begreifen, verstärkt dabei die Wahrnehmung der Marginalisierung. Linksradikale aus Westdeutschland irren sich, wenn sie meinen, dass es diese Marginalisierung doch auch im Westen gebe. Denn sie blenden hierbei einen entscheidenden Unterschied aus: Die ostdeutsche linke Marginalität bezieht sich nicht allein auf das politische Koordinatensystem, sondern drückt sich auch in Alltagsbereichen wie Familie oder Beruf aus, in denen rechte Positionen allgegenwärtig sind.Die Folge dessen ist ein Rückzug in eine Radikalkritik angesichts radikal beschissener Verhältnisse. Die Themenfelder der linken Szene beschränken sich oftmals auf Antifaschismus und Antirassismus. Interventionistische Politik als Versuch, gesellschaftliche Verhältnisse gemeinsam mit vielen Menschen zu verändern, erscheint den Aktivist_innen häufig als Zumutung. Es kommt hinzu, dass die hohe Zahl an Nazi-Aktivitäten in Ostdeutschland, wie Demonstrationen und Konzerte, die gefühlte Priorität senken, in Feldern jenseits von Antifaschismus und Antirassismus zu intervenieren.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Latente Organisationsfeindlichkeit&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Zur lebensweltlichen Erfahrung ostdeutscher Aktivist_innen kommt eine starke Organisierungsfeindlichkeit. Allzu häufig vergessen westdeutsche Linke, dass ihre eigenen Vorstellungen immer auf der Folie negativer und positive Organisierungserfahrungen der Vergangenheit beruhen und über die engere Szene hinaus die Erfahrungen weiterer Milieus adressieren. Das Spektrum im Westen reicht dabei von Linkssozialist_innen in DGB&amp;nbsp; Gewerkschaften und Sozialistischer Deutscher Studentenbund, über „K-Gruppen“ bis zu Alt-Autonomen und Überbleibseln der RAF -Solidarität. Gerade die IL baut auf diesen Erfahrungen auf und profitiert von den Verbindungen ihrer Aktivist_innen in die Reste dieser Milieus. In Ostdeutschland gab es jedoch nur eine prägende und länger währende Organisierungserfahrung – die SED und ihr angeschlossene Organisationen. Deren Erbe sind linksreformerisch die Linkspartei oder im scheinbar antikapitalistischen Sinne die KPD-Sekten (auch die Ost-DKP), in denen sich ehemalige Stasi- und NVA-Offizier_innen mit anderen Funktionär_innen des bürokratischen Apparats treffen. Die ostdeutsche linksradikale Szene, die Subkultur und das schmale alternativ-linke Milieu kommen dagegen aus der Tradition der DDR-Opposition. Von der offenen Arbeit, den unabhängigen Friedens- und Umweltgruppen oder der Vereinigten Linken ist zwar heute wenig bekannt und noch weniger zu sehen, ihre Ablehnung der SED und ihrer Nachfolger aber überdauert. Daraus folgend lehnen viele radikale Linke Organisierung jenseits konkreter Projekte oder Freiräume weitestgehend ab. Zum Teil entwickelt gerade das alternative Milieu dabei – aus ihrer Geschichte verständlich – sogar antikommunistische Reflexe, die etwa parteiförmig bei den kirchennahen Ost-Grünen repräsentiert sind und, anders als im Westen, eine wichtige Schnittstelle zu Konservativen darstellen.Hinzu kommt die Diskontinuität von Gruppen und Strukturen. Ostdeutschland ist mit wenigen Ausnahmen Provinz, die zudem weiter verödet. Daher streben die meisten Aktivist_ innen schon allein aus Ausbildungs- und Jobgründen den Wegzug in eine der wenigen ostdeutschen Großstädte an. Die Thüringer Kolonie in Leipzig ist dafür ein gutes Beispiel. Dort ist die persönliche Belastung geringer, und es gibt subkulturelle Nischen. Auf dem Land gehen so regelmäßig Erfahrungen und Kontakte verloren. Dazu kommt, dass auf den Umzug in die Stadt häufig auch das Ende des eigenen politischen Engagements folgt. Nach anfänglicher Intervention aus der Metropole in der Provinz erscheint Antifa-Politik irgendwann persönlich nicht mehr notwendig. Diese individuelle Erfahrung hat sich durch die – erfreulicherweise – in den Städten abnehmende Nazigewalt gegen Linke in eine politische Erfahrung übersetzt. Ohne Nazigewalt erscheint die Restgesellschaft als das größte Problem. Was daher verbleibt, ist allein die radikale Kritik. Dies hat gerade in den letzten Jahren zu einer starken Krise der Strukturen radikaler Linker im Osten geführt. Der konstante Nachwuchstransfer aus der Provinz hat nachgelassen und mit der radikalen Kritik kommt man auch nicht weiter. Die verbliebenen Aktiven sind mit Antifa-Politik ausgelastet. Die antifaschistischen Aktivitäten sind dabei in Ostdeutschland häufig erfolgreicher, als es von außen den Anschein hat. Zahllose Nazistrukturen wurden seit der Wende durch konsequentes Vorgehen und Straßenmilitanz, aber auch Recherche und Öffentlichkeitsarbeit zerschlagen. Hinzu kommt die starke Thematisierung von Antifaschismus in der hiesigen Linkspartei und der in Teilen vorhandenen Zivilgesellschaft, die ohne die linksradikale Antifa-Politik nicht denkbar wäre. Eine interventionistische Strömung muss hingegen akzeptieren, dass ihr in Ostdeutschland der Resonanzraum linksliberaler oder alternativer Kreise weitgehend fehlt. Hierüber können auch die Erfolge von Dresden nazifrei nicht hinwegtäuschen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ostalgie als Chance?!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Dabei unterscheidet sich die radikale Linke in Ostdeutschland in ihrer Selbstwahrnehmung als marginaler Teil der Gesellschaft gar nicht so sehr vom Rest der ostdeutschen Bevölkerung. Deren Erfahrung ist nämlich ebenfalls die einer Randstellung in der Bundesrepublik – die „Ossis“ werden von den „Wessis“ bevormundet. Die eigene Ausgrenzungserfahrung verhinderte jedoch einen politischen Anschluss an diese Gemeinsamkeit. Dennoch ist die ostdeutsche Mehrheits-Empfindung keineswegs unberechtigt, wie von linker Seite häufig vermutet. Bis heute prägen die gesellschaftlichen Prozesse des Anschlusses der DDR diese Erfahrung. Die Treuhand- und Aufbau-Ost-Politik sowie später Hartz IV führen in großen Teilen Ostdeutschlands flächendeckend zu prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen, gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit und letztlich zu Abwanderungsprozessen. Die Befindlichkeit, durch „die Westdeutschen“ benachteiligt worden zu sein, stützt sich darauf, dass bis heute westdeutsche Eliten in vielen Bereichen bestimmend sind. Während in der Wirtschaft westdeutsche Unternehmen mit Hilfe der Treuhand die Kontrolle übernahmen, sorgten die Partnerschaftsabkommen zwischen Bundesländern dafür, dass auch der Staatsapparat mit Westdeutschen besetzt ist. So wurden Polizei und Verfassungsschutz in Thüringen mit Personal aus Hessen und Bayern besetzt und die Justiz in Sachsen mit Beamten aus Baden-Württemberg. Symbolisch wurde vor allem den ostdeutschen Arbeiter_innen zweimal eine Niederlage beigebracht und die Bevölkerung politisch passiviert. Beispielhaft für die erste Niederlage ist die Auseinandersetzung um das Kalibergwerk in Bischofferode. Dort fielen die westdeutschen Kolleg_innen und die IG Chemie den ostdeutschen Bergleuten in den Rücken und hießen die Liquidation des Bergwerks durch den Kali und Salz-Konzern gut. Die zweite Niederlage ist das Scheitern der Montagsdemos gegen Hartz IV – getragen von den inzwischen erwerbslosen Arbeiter_innen. Hier zeigte sich deutlich, dass die BR D anders als die DDR Massendemonstrationen einfach aussitzen kann. Die Neoliberalisierung führt zu einem oft beklagten Verlust von Gemeinschaftlichkeit. So erklärt sich auch die Anziehungskraft verschiedenster Montagsdemonstrationen, bei denen es wirkt, als käme es einigen Beteiligten eher auf das Zusammenkommen als auf die teilweise beliebigen Inhalte an. Auf den Erfahrungen der Vereinzelung bauen zwei dominante Verarbeitungsmuster auf. Während das rechte Muster die Integration über die Identität als „Deutsche“ sucht, konserviert das ostalgische Muster Momente, die aus unserer Sicht für interventionistische Politik anschlussfähig sein könnten. Dabei ist klar, dass das Anknüpfen an Traditionen des autoritären Polizeistaats DDR immer einen Spagat darstellt. Aber gewisse Traditionen der Arbeiter_innenbewegung haben bis heute eine höhere Bedeutung. Etwa erscheint Frauenerwerbstätigkeit in Ostdeutschland normal und konservative Diskurse über Frauenrolle und Familie treffen in großen Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis. Diese Traditionen sind sicher nicht im Sinne neuerer Genderdebatten up to date, aber immerhin für Diskurse rund um Reproduktionsfragen anschlussfähig. Zudem sind Überbleibsel der oppositionellen DDR-Frauenbewegung zumindest in den Städten präsent. Auch Vorstellungen über die gesellschaftliche Verantwortung für öffentliche Aufgaben wie Wohnraum, Verkehr, Energieversorgung etc. haben überlebt. Interventionistische Politik muss hier allerdings beweisen, dass sie sich auch jenseits der Kommunalpolitik der Linkspartei erfolgreich artikulieren kann. Eine Vergesellschaftungsperspektive ist hier notwendig und zu erproben.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Unsere Praxis&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In dieser Gemengelage versuchen PRISMA und JURI , auf unterschiedliche Art interventionistische Politik zu machen. PRISMA macht als offene Gruppe in erster Linie ein Angebot an Interessierte, politisch aktiv zu werden, die sonst an den Hürden einer exklusiven Szene wie Klandestinität und subkulturellen Codes scheitern würden. Unser interventionistischer Ansatz zeigt sich bisher also weniger im Erreichen breiter Bevölkerungsschichten, als darin, dass sich bei uns viele zum ersten Mal in einer linken Gruppe organisieren. Auch wenn die Hintergründe und das Alter der Aktivist_innen zunehmend vielfältiger werden, geschieht dies typischerweise am Beginn eines Studiums in Leipzig. Die Offenheit für Einsteiger_innen macht viel interne Diskussionen und Skill-Sharing nötig, dennoch liegt der Fokus auf öffentlichen Aktionen in den AG -Bereichen Antirassismus, Queer-Feminismus, Soziale Kämpfe und Klima. In Leipzig klappt dieses Konzept ziemlich gut, wie wir an einem großen Zulauf an neuen Leuten bemerken. Inwieweit dieses Konzept aber außerhalb von Universitätsstädten wie Leipzig oder Jena anwendbar ist, muss sich erst noch zeigen.&lt;br /&gt;JURI dagegen versammelt neben einigen Wessis vor allem ältere in der ostdeutschen Antifa sozialisierte Aktivist_innen, die sehen, dass es mit der bisherigen radikalkritischen Praxis nicht weiter geht, beziehungsweise jenseits von Antifa zu wenig passiert, um gesellschaftliche Verhältnisse einmal grundlegend ändern zu können. Der lockere Austausch, die strategische Debatte und die gegenseitige Unterstützung bei politischen Projekten stehen im Vordergrund. Gemeinsam als JURI zu intervenieren ist quasi das Paket plus, das allzu häufig neben Lohnarbeit und politisch Notwendigem nicht mehr möglich ist. Dennoch findet vor allem im Bereich Antifa eine gemeinsame Arbeit unter dem Gruppenlabel statt. In diesem Feld versucht JURI, Notwendigkeit mit dem strategischen Anschluss an die ostdeutsche radikale Linke zu verbinden. Dennoch sucht die Gruppe weiter nach Interventionsfeldern außerhalb von Antifa. Derzeit scheinen dafür Auseinandersetzungen um Stadt und Raum in Jena und Erfurt am Besten geeignet. Aber auch bei Streikunterstützungen und anderen betrieblichen Auseinandersetzungen waren Aktivist_innen von uns beteiligt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:36:07 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Knackpunkte</title>
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                    &lt;p&gt;Der fortschreitende Organisierungsprozess der Interventionistischen  Linken (IL) ist für manche Gruppen erst Anlass gewesen, sich zu  gründen, während sich andere im Laufe des Prozesses verabschiedeten.  Wir sprachen mit ehemaligen, neuen, sowie neuen-alten Mitgliedern über  Perspektiven auf jene Fragen zum IL-Prozess, die der Artikel &lt;em&gt;Teil einer Jugendbewegung&lt;/em&gt; sein von dsan1 und die antwort darauf Von &lt;em&gt;Spatzen und Tauben, Dächern und Händen&lt;/em&gt; aufwerfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesprächsteilnehmer_innen Maik Kowalski ist organisiert bei &lt;em&gt;JURI – Linke Gruppe&lt;/em&gt;, die im Sommer 2014 aus der IL austrat, Jonas ist organisiert bei der &lt;em&gt;IL Wien&lt;/em&gt;, die sich erst vor kurzem gründete, ebenfalls wie die &lt;em&gt;IL Frankfurt am Main&lt;/em&gt;, bei der sich Katja organisiert. Lea war bei der Gruppe &lt;em&gt;FelS&lt;/em&gt; organisiert, verließ diese und ist bis heute beim &lt;em&gt;AK Reproduktion Berlin&lt;/em&gt;, Mitglied in der &lt;em&gt;Emanzipatorische Linke – Strömung innerhalb der Partei Die Linke &lt;/em&gt;(ema.Li.-Berlin) und ist aktiv im Netzwerk &lt;em&gt;Care-Revolution&lt;/em&gt;. Mark war bei der &lt;em&gt;Antifaschistischen Linken Berlin &lt;/em&gt;(ALB), die sich im Sommer 2014 auflöste, wobei einige Mitglieder mittlerweile in der neu konstituierten &lt;em&gt;IL Berlin&lt;/em&gt; organisiert sind.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Der fortschreitende Organisierungsprozess der Interventionistischen Linken (IL) ist für manche Gruppen erst Anlass gewesen, sich zu gründen, während sich andere im Laufe des Prozesses verabschiedeten. Wir sprachen mit ehemaligen, neuen, sowie neuen-alten Mitgliedern über Perspektiven auf jene Fragen zum IL-Prozess, die der Artikel &lt;em&gt;Teil einer Jugendbewegung&lt;/em&gt; sein von dsan1 und die antwort darauf Von &lt;em&gt;Spatzen und Tauben, Dächern und Händen&lt;/em&gt; aufwerfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesprächsteilnehmer_innen Maik Kowalski ist organisiert bei &lt;em&gt;JURI – Linke Gruppe&lt;/em&gt;, die im Sommer 2014 aus der IL austrat, Jonas ist organisiert bei der &lt;em&gt;IL Wien&lt;/em&gt;, die sich erst vor kurzem gründete, ebenfalls wie die &lt;em&gt;IL Frankfurt am Main&lt;/em&gt;, bei der sich Katja organisiert. Lea war bei der Gruppe &lt;em&gt;FelS&lt;/em&gt; organisiert, verließ diese und ist bis heute beim &lt;em&gt;AK Reproduktion Berlin&lt;/em&gt;, Mitglied in der &lt;em&gt;Emanzipatorische Linke – Strömung innerhalb der Partei Die Linke &lt;/em&gt;(ema.Li.-Berlin) und ist aktiv im Netzwerk &lt;em&gt;Care-Revolution&lt;/em&gt;. Mark war bei der &lt;em&gt;Antifaschistischen Linken Berlin &lt;/em&gt;(ALB), die sich im Sommer 2014 auflöste, wobei einige Mitglieder mittlerweile in der neu konstituierten &lt;em&gt;IL Berlin&lt;/em&gt; organisiert sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie verändern sich die „Basiseinheiten“ durch die IL?Hat sich die Form der Organisierung verändert?Wird sie sich verändern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maik:&lt;/strong&gt; Der Begriff Basiseinheit ist gleich ein guter Beginn. In unserem Abschiedstext von der IL sind wir darauf ja auch schon kurz zu sprechen gekommen. Für mich ist die „Basisein­ heit“ einer Organisierung der einzelne Mensch, nicht irgend­ eine Gruppe oder ein anderes Kollektiv. Dieser kleine Unter­schied ist sehr entscheidend. Wie wir uns organisieren, ist gar nicht so leicht zu beantworten und um es zu verstehen, sollte man wissen, dass JURI nicht gerade der Prototyp der klassi­schen, studentisch geprägten Politgruppe ist, aber auch kei­ne maoistische Kaderorganisation. Wir haben einen höheren Altersdurchschnitt als die meisten linken Gruppen und viele bei uns arbeiten auch beruflich in politischen, kulturellen oder antifaschistischen Initiativen. Bei uns gibt es keine festgeschrie­benen Formalien, kein festes inhaltliches oder theoretisches Programm, welches den Rahmen vorgibt. Das Interesse an interventionistischer Politik bringt uns zusammen. Wir haben keine Arbeitsgruppen und sind zudem keine offene Gruppe, so wie man sie aktuell ja immer öfter antrifft. Einerseits aus Grün­den der Sicherheit und auf der anderen Seite ist dies der Zu­sammensetzung unserer Gruppe geschuldet. Wir können mit dem Tempo studentisch geprägter Gruppen einfach nicht mit­halten und wollen dies auch nicht. Deshalb war auch während der IL-Organisierungs-­Debatte eine Öffnung unserer Gruppe nie ein Thema für uns. Wir haben natürlich ein Interesse, auch unsere Gruppe zu vergrößern aber nicht um jeden Preis. Wir erarbeiten und besprechen sehr viele Dinge immer wieder ge­meinsam. Das entschleunigt natürlich so manchen Prozess. Viel mehr können wir aber derzeit nicht leisten – und wollen uns weder in ein Burnout manövrieren noch uns vom Tempo anderer Gruppen abgehängt fühlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jonas:&lt;/strong&gt; Wir sind erst 2013 direkt in Auseinandersetzung mit der IL in der BRD entstanden, weshalb ich nicht von Verän­derung durch die IL sprechen würde. Das Bild, das die meisten von uns in Wien von der IL hatten, war das einer linksradikalen Organisierung, die handlungsfähig, bündnisfähig und bewusst nicht szenig sein will. Das deckte sich stark mit unseren Be­dürfnissen. Bei unserer Selbstverständnisdiskussion hatten wir Texte von anderen IL­-Gruppen als Grundlage. Wir sind bisher noch nicht sehr groß und noch nicht so stark in die IL­-Struktu­ren eingebunden, wie wir es uns vorstellen – dies ist aber eins unserer mittelfristigen Ziele.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Ich bin ja nicht (mehr) in der IL organisiert und dement­sprechend in keiner „Basiseinheit“ Mitglied. Ich wüsste auch nicht, dass wir die Berliner Queer-Feminismus­-AG, meine alte AG bei FelS/Avanti, mal als Basiseinheit bezeichnet hätten. Durch die IL wird sich weder im AK Reproduktion Berlin noch im Care­-Revolution­-Netzwerk etwas verändern, zumindest im Moment. Allerdings habe ich die Diskussion um linksradikale Organisierung, die unter anderem das Zwischenstandspapier der IL ausgelöst hat, verfolgt und das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, sich für verbindliche Großgruppen­-Strukturen und Organisierung der radikalen Linken auszusprechen. Ich selbst bin zwar aus der IL ausgetreten, aber nicht weil ich verbindliche Großgruppen-­Organisierung kritisiere – im Gegenteil, ich finde es gut, dass das Projekt IL und Fusionierung weiterläuft.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mark:&lt;/strong&gt; Meine Gruppe, die ALB, hat sich vor kurzem aufgelöst, ich bin jetzt in einer Arbeitsgruppe der IL, die, wenn man das so nennen will, meine Basiseinheit ist. Die Form hat sich nicht so sehr geändert, also die AG als Teil einer größeren Struk­tur. Was sich durch die IL geändert hat, ist die Einbindung in eine überregionale Struktur. Bislang war es für mich eine be­reichernde Erfahrung, mitzubekommen, wie sich im IL-­Prozess viele Leute, die sich als radikale Linke verstehen, über inhaltli­che und strategische Fragen austauschen und dabei an ver­schiedenen Orten aktiv sind – in den Gewerkschaften, bei attac, in lokalen Projekten, Gruppen und Initiativen. Und dann zu sehen, welche Möglichkeiten diese Zusammensetzung in den Kämpfen eröffnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja:&lt;/strong&gt; Für einige bei uns in Frankfurt war &lt;em&gt;Blockupy&lt;/em&gt; 2012 und 2013 der Anstoß, sich politisch zu organisieren. Wir sind al­tersmäßig – Mitte zwanzig bis ca. sechzig – und vom politi­schen Hintergrund her sehr heterogen. Letzteres empfinden alle als Bereicherung, es macht Diskussionen aber manchmal auch zäh und führt zu Unzufriedenheit. Immer wieder schwierig ist das Einbringen von Gesamt­-IL­-Themen. Meist ist dafür zu wenig Zeit. Die Leute sind sehr unterschiedlich nah dran, auch weil wir einige dabei haben, die schon lange, in anderen Grup­pen, IL­-Arbeit gemacht haben und viele, die ganz neu sind. Alle auf einen Stand zu bringen, fällt zeitmäßig oft hinten rüber, aber es ist für viele auch einfach nicht so wichtig wie die Prozesse vor Ort.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Von Befürworter*innen der IL wird ja oft gesagt, dass die darin aufgehenden Gruppen handlungsfähiger werden. Trifft das für eure Gruppe zu? Wie steht der Aufbau der IL-Struktur im Verhältnis zu eurer lokalen Praxis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jonas:&lt;/strong&gt; Die Genoss*innen von uns, die bisher auf die überregionalen Treffen gefahren sind, berichten, dass es ein extrem gutes Gefühl ist, zu sehen, dass man mit so vielen Leuten organisiert ist. Das ist für viele eine neue Erfahrung. Allein der Erfahrungsaustausch macht uns handlungsfähiger. Das impli­ziert auch den problemlosen Wechsel von einer IL­-Gruppe in die andere nach einem Umzug. Dass wir in Wien unter anderen Rahmenbedingungen Politik machen und die IL bis jetzt ja vor allem als bundesdeutsche Organisierung wahrgenommen wird, ist aber ein Diskussionsthema bei uns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja:&lt;/strong&gt; Dass uns die Gesamtstruktur handlungsfähiger macht, haben wir in Frankfurt sehr eindrucksvoll am 22.November 2014 gespürt: Die Blockupy­Demo beziehungsweise vor allem einige Akti­onen am Eingang und Zaun hatten wir in Frankfurt vorüberlegt, und dann ziemlich kurzfristig mit anderen IL­-Gruppen vorberei­tet und umgesetzt – und es hat super geklappt. Diese Erfah­rung hat unsere junge Frankfurter IL-­Gruppe mehr zusammen gebracht, aber es war auch wichtig, den größeren Zusammen­hang der Gesamt­-IL als Stärke wahrzunehmen, der sonst im Alltag eher „lästig“ ist.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mark:&lt;/strong&gt; Ich würde auch sagen, dass man handlungsfähiger wird. Aktionen wie &lt;em&gt;Block G8, Castor schottern, Dresden nazi­frei&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Blockupy&lt;/em&gt; wären für uns ohne IL in der Form, in der sie stattgefunden haben, nicht möglich gewesen. Aus Berliner Sicht könnte man es sich natürlich einfach machen: Für die lokale Arbeit bringt uns eine IL-­Gruppe in Tübingen oder Nürn­berg erstmal nicht unmittelbar etwas, sondern die Organisie­rung schluckt Ressourcen. Wenn man das so betrachtet, bleibt man aber im eigenen Mikrokosmos gefangen. Der Mehrwert wäre, eine Organisierung zu schaffen, die an verschiedenen Orten gleichzeitig handlungsfähig ist und sich nicht in Vereins­meierei zu verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maik: &lt;/strong&gt;Das Argument, einzelne Gruppen wären dann hand­lungsfähiger, kann ich so nicht nachvollziehen. Wir haben eher gegenteilige Erfahrungen gemacht. Das, was man zum Beispiel in Ber­lin für richtig und wichtig hält, muss noch lange nicht relevant für unsere Arbeit und die Verhältnisse in der Thüringer Provinz sein und kam uns auch schon bei Projekten in die Quere, statt für uns einen politischen Mehrwert oder willkommene Ergän­zung zu bedeuten (vgl. &lt;em&gt;Interventionistische Politik im Osten&lt;/em&gt;, S. 48).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dsan1&#039; Artikel kritisiert, dass ein Großteil der Arbeit in Großgruppen sich nur noch auf sich selbst beziehe, für die „praktische“ Arbeit bleibe so kaum noch Zeit. Das sei insbesondere für diejenigen frustrierend, die nur wenig Zeit für das Politikmachen aufbringen könnten, würden sie doch von der Strukturarbeit erschlagen. Was haltet ihr von dieser Kritik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maik:&lt;/strong&gt; Dass sich ein Großteil der Arbeit auf die eigene Struk­tur bezieht, kann man doch gut am Organisierungsprozess beobachten. Wichtige inhaltliche Debatten, Beispiel Montags­wahnmachen, wurden schnell in formalistische „Wer darf in wessen Namen unterschreiben“-Diskussionen transformiert. Allein die Strukturarbeit ist ein riesiger Aufwand für kleinere Gruppen. Wenn dann zum Beispiel viele berufstätige, selbstständige Genoss*innen in einer Gruppe sind, die sich an x AG­-Treffen und y Telefonkonferenzen beteiligen, sind kleinere Strukturen und ihre Genoss*innen überfordert – die lokale Arbeit findet dann quasi nicht mehr statt. Aus meiner persönlichen Erfah­rung können und wollen diesen Aufwand meist nur Studieren­de oder aber Menschen, die sich nur noch in linksradikalen Kreisen bewegen, bewältigen. Einen Pluralismus, wie in der IL gewünscht, erreicht man so meiner Meinung nach nicht. Ich behaupte einfach mal, so wird man auch weiterhin mehrheitlich weiße, deutsche, Akademiker*innen ansprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Ich habe eine umgekehrte Perspektive auf das Problem, das dsan1 formuliert: Ich kritisiere zwar auch die fehlende He­terogenität innerhalb der IL, kann jedoch nicht Selbstbeschäfti­gung beziehungsweise Struktur­-Überfluss als Ursache für die gesellschaftliche Isolierung der IL ausmachen. Im Gegenteil: Strukturarbeit innerhalb nicht-parteilich organisierten Polit­-Kollektiven ohne Vorsitzenden ist zwar aufwendig, aber notwendig und verant­wortungsbewusst. Das Problem sehe ich vielmehr darin, dass die konkreten Kämpfe als Hauptkampffeld innerhalb der IL feh­len, daher gibt ́s eben zum Teil „nur“ Studis und Szene­-Leute in der IL, die einen Sinn in einer quasi „abstrakten“ Organisierung sehen. Wer sich über Event­-Politik einen Namen machen möchte, darf sich nicht über Mangel an Verschiedenheit in der Gruppe beschweren. Wird der Großgruppe Handlungsunfä­higkeit vorgeworfen, frage ich mich, inwiefern Kleingruppen irgendwann handlungsfähiger gewesen sind und inwiefern sie zu einer Veränderung zum Kommunismus hin beitrugen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja:&lt;/strong&gt; In der IL Frankfurt sind ein paar wenige Nicht­-Akademiker*innen und einige Vollzeit­Erwerbstätige aktiv. Klar ist das eine Schwierigkeit – Strukturarbeit ist lästig und zeit­raubend, und sie hängt meist an den Leuten, die schon länger Beziehungen in der IL­-Gesamtstruktur haben. Aber mal anders: Gerade wenn es auch darum gehen soll, nicht nur Eventpolitik zu machen, sondern uns in Kämpfe einzumischen: Wie klas­se wäre das, wenn mensch sich IL-weit darauf einigen könnte, dass alle Gruppen zu &lt;em&gt;Recht auf Stadt&lt;/em&gt; und einer global agierenden Immobilienfirma was machen oder alle den kommenden Kita-­Streik oder Organisierung im Pflege-­Sektor unterstützen würden! Aber dafür bräuchte es mehr politisch-strategische Diskussionen und Entscheidungen im Gesamt­-IL­-Zusammen­hang – davon sind wir aber meilenweit entfernt.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jonas:&lt;/strong&gt; Ich sehe das Problem auf jeden Fall auch. Gerade für kleinere Gruppen wie uns hat die Mitarbeit in überregionalen Strukturen zunächst nicht die höchste Priorität und ist nicht einfach zu leisten. Trotzdem sollten wir diesen Anspruch nicht aufgeben. Gerade für kleinere Gruppen ist es ja wichtig, in der IL sichtbar zu sein, sodass Städte wie Berlin nicht zu sehr dominieren. Ich kann mit der Diskussion Inhalte versus Struk­tur nicht viel anfangen, denn eine vernünftige und vereinbarte Struktur ist eine notwendige Grundlage, um ergebnisorientiert diskutieren zu können und verbindliche Entscheidungen zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ihr habt immer wieder über Heterogenität gesprochen: Wie viel kann die IL davon vertragen, schließlich wird ihr ja auch vorgeworfen, dass durch eine große Organisierung Inhalte aufgeweicht werden? Wie kann mehr Heterogenität bewerkstelligt werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jonas:&lt;/strong&gt; Ich glaube, die IL könnte sehr viele verschiedene Le­bensstile aushalten. Die Verantwortung, in der Hinsicht offen zu sein, liegt bei den Basiseinheiten. Wir versuchen zum Beispiel möglichst nicht szenig zu sein. Zu der Frage, wie stark Inhalte aufgeweicht werden, kann ich nichts sagen. Ich glaube, die IL ist bisher tatsächlich nicht dafür bekannt, besonders ausgefeil­te Statements zu veröffentlichen. Ich möchte auch nicht zu jedem politischen Ereignis ein gemeinsames Positionspapier der IL lesen, geschweige denn schreiben müssen. Sich darüber zu verständigen, wozu man sich als Gesamt­-IL äußern muss oder kann, wäre aber sicher gut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja:&lt;/strong&gt; Heterogenität in der IL und auch in der Frankfurter Gruppe betrifft Lebensstile genauso wie Generationen und Politikstile. Leute, die seit 1968 Politik machen, in antiimperialistischen Bewegungen, in Häuserkämpfen, bei der Start­bahn West, versuchen Politik zu machen mit Leuten, die sich bei Blockupy oder an der Uni politisiert haben. Bei Blockupy und Recht auf Stadt funktioniert das auch ganz gut. Für die Diskussion der inhaltlichen Heterogenität fehlt es aber oft an Kapazitäten – es gibt bei uns einige Leute, die über ihre Er­werbsarbeit in Arbeitskämpfen involviert sind und die das gern kontinuierlicher in die IL­-Arbeit einbringen würden.&lt;br /&gt;Heterogenität in der Gesamt­-IL muss natürlich auch heißen, dass weiterhin verschiedene Ortsgruppen zu verschiedenen Kampffeldern arbeiten, auch wenn mehr Gemeinsamkeit schön wäre. Es muss möglich sein, dass manche mehr antimilitaris­tisch arbeiten und andere Antifa­, Antira­ oder Arbeitskämpfe­ Politik machen. Gemeinsam Kämpfe zu führen haben wir ja mit der Kampagnenpolitik in den letzten Jahren geschafft, wobei Blockupy inzwischen deutlich über eine Kampagne hinausgeht, vor allem in der internationalistischen Zusammenarbeit. Ich hab im Moment keine Lösung dafür, dass angesichts so eines Anspruchs sowohl das Ressourcenproblem als auch die Gefahr sich zu verzetteln bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Ich stimme Jonas in seinem ersten Argument zu – ich denke, die IL könnte viel mehr von Leuten vertragen, die links eingestellt, aber nicht unbedingt in der linken Szene unterwegs sind. Die Homogenität der IL entsteht auf der einen Seite durch Event­-Politik, die dazu führt, dass Alltagskämpfe nicht der zen­trale Fokus der IL sind. Und auf der anderen Seite sehe ich die Identitätspolitik der IL als Grund: Die IL blendet zu gerne ihre politische Marginalität aus, und versucht diese mit Verbalradi­kalismus à la: „Wir sind revolutionär und die anderen sind refor­mistisch“ zu kompensieren, vielleicht, um sich selbst bei Laune zu halten. Ein strategisches Verhältnis zum Parlamentarismus und anderen gesellschaftlichen Institutionen, wie Gewerk­schaften bleibt dabei aus. Es wäre wichtiger und nachhaltiger, sich die tatsächlichen gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse an­zuschauen und die Involviertheit darin zu thematisieren: Jobs, Familienformen, Ausbildung oder Uni, Wohnverhältnisse, Gesundheit, Altersabsicherung, Aufenthaltsstatus etc. In welchen Widersprüchen stecken wir? Wogegen oder wofür positionie­ren wir uns strategisch? Gut finde ich aber, dass sich die IL im Zwischenstandspapier nicht als Teil einer Bewegung betrach­tet, das ist vielleicht der erste Schritt hin zu einer strategischen Positionierung. Denn eine soziale Bewegung repräsentiert die IL nicht.&lt;/p&gt;
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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:26:39 +0000</pubDate>
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                    &lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„Wie können die Bewegungen also gerade ein zugleich globalisiertes und radikal vereinzeltes Alltagsleben zum Möglichkeitsspielraum ihrer Autonomie machen, ein Alltagsleben, das nicht nur in seiner Arbeits-, sondern auch in seiner ,Freizeit‘ dem Kapitalkommando unterworfen ist?“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Thomas Seibert: „The People of Genova, Plädoyer für eine post-avantgardistische Linke“, 2003&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;„Wie können die Bewegungen also gerade ein zugleich globalisiertes und radikal vereinzeltes Alltagsleben zum Möglichkeitsspielraum ihrer Autonomie machen, ein Alltagsleben, das nicht nur in seiner Arbeits-, sondern auch in seiner ,Freizeit‘ dem Kapitalkommando unterworfen ist?“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thomas Seibert: „The People of Genova, Plädoyer für eine post-avantgardistische Linke“, 2003&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die &lt;em&gt;Interventionistische Linke&lt;/em&gt; (IL ) macht Ernst. Rund zehn Jahre nach den ersten IL -Treffen sind die beteiligten Gruppen wild entschlossen, zu einer Großgruppe zu fusionieren. Ab 2015 sollen wir „vor Ort nicht mehr mit […] alten Gruppennamen und Gruppenidentitäten auftreten, sondern als lokale Basiseinheiten der Interventionistischen Linken“. So will es das im Oktober 2014 veröffentlichte&lt;a href=&quot;http://www.interventionistische-linke.org/positionen/il-im-aufbruch-ein-zwischenstandspapier&quot;&gt; Zwischenstandspapier &lt;/a&gt;der IL, das die geplante Transformation vom Bündnis zur Organisation auf über zwölf Seiten beschreibt. Was die Frage nach unserem konkreten Organisationsmodell in der neuen IL betrifft, so bestätigen die im Zwischenstandspapier getroffenen Festlegungen den Trend der letzten Jahre: Am Ende des Fusionsprozesses soll ein Vereinsapparat mit einheitlichem Logo, „Aufnahmekriterien“ für Mitglieder, Ortsgruppen („Basiseinheiten“) und einem „Koordinierenden Gremium“ als Leitungsstruktur stehen. So lässt sich unschwer erkennen, dass die in den ersten Jahren des IL -Prozesses durchaus lebhaft geführte Diskussion um die Frage „(feste) Organisation oder (loses) Netzwerk?“ damit nun endgültig entschieden ist: Mit der neuen IL soll das klassische avantgardistische Parteimodell der kommunistischen Bewegung eine weitere Chance erhalten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ein Blick zurück&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Dass damit nun ein Rückfall in die allenfalls formaldemokratischen Organisationsstrukturen der K-Gruppen der 1970er Jahre droht, steht eher nicht zu befürchten. Immerhin soll all das Vereinsbrimborium nicht zuletzt auch dem Zweck dienen, die neue IL „von unten nach oben“ zu denken und zentralistische Entscheidungen so weit wie möglich zu unterbinden. Informelle Hierarchien sollen abgebaut und durch einen transparenten Organisationsaufbau ersetzt werden. Für demokratische Entscheidungsprozesse sollte also gesorgt sein. Applaus hat die Fantasielosigkeit, die in der Wahl dieses Parteimodells zum Ausdruck kommt, aber trotzdem nicht verdient. Schließlich hatte es seinerzeit auch abgesehen vom notorischen Demokratiedefizit kommunistischer Gruppen einige gute Gründe dafür gegeben, der „revolutionären Partei“ eine endgültige Absage zu erteilen (vgl.: &lt;a href=&quot;https://arranca.org/ausgabe/48/maoismus-als-organisierungsmodell-der-westdeutschen-radikalen-linken&quot;&gt;Maoismus als Organisierungsmodell der westdeutschenradikalen Linken&lt;/a&gt;). Dies betrifft nicht zuletzt auch die anachronistischen Vorstellungen von linkem Aktivismus, die hierbei Pate stehen. Das Aktivist*innenbild, das einer solchen Organisationsvision zu Grunde liegt, stammt im Kern immer noch aus dem Mai 1968. Es ist das Bild von leidenschaftlichen jungen Menschen, die Tag für Tag wütend ihre Fäuste über brusthohe Transparente recken und Lieder von internationaler Solidarität singen. Von Menschen, die bereit sind, ihr gesamtes Student*innenleben in den Dienst der revolutionären Sache zu stellen, weil die Uni warten kann und sich ihr Freizeitbedürfnis beschränkt auf ein paar Biere nach dem Gruppenplenum und einige eilig ausgetauschte Zärtlichkeiten in der gemeinsamen Polit-WG. Menschen, die keine Elternsorgen, keine Vollzeitarbeit und keine Bandscheibenvorfälle kennen. Der enorme Aufwand, den der laufende Betrieb einer Großorganisation wie der neuen IL mit sich bringt, ficht solche Menschen nicht an. Dass da wöchentliche AG-Treffen und monatliche Vollversammlungen ebenso besucht werden wollen wie mindestens quartalsweise auch überregionale Zusammenkünfte mit stundenlanger An- und Abreise, ist für solche Vollzeitaktivist*innen ebenso selbstverständlich wie der darüber hinaus für die eigentliche politische Arbeit nötige Zeitaufwand, den zum Beispiel Bündnistreffen und Demonstrationsvorbereitungen oder die zu alledem gehörende Werbung und Textarbeit Woche für Woche beanspruchen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ein Blick in die Gegenwart&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Gibt es solche Menschen noch? Gewiss. Allzu viele dürften es aber nicht mehr sein. Die Bologna- und Hartz-Reformen haben dafür Sorge getragen, dass eine materielle Grundlage für ein Leben als Vollzeitaktivist*in nur noch für wenige Jahre zur Verfügung steht. Die neuprotestantischen Diskurse, die diese Reformen flankieren, verleiden es den meisten linken Aktivist*innen zunehmend, die ohnehin engen Grenzen eines solchen Lebenswandels überhaupt auszureizen. Dass viele Genoss*innen heute bereits lange vor ihrem 30. Geburtstag ihr Studium abschließen und sich in ein mehr oder weniger prekäres Erwerbsleben stürzen, ist daher nur ein weiterer Beleg für die eigentlich ja recht banale Weisheit, dass auch linke Kader*innen nicht nur von Luft und Leidenschaftleben, sondern ebenso den herrschenden Verhältnissen unterworfen sind, wie fast alle anderen Menschen auch.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;Nun ist es auch in der Interventionistischen Linken keine neue Erkenntnis, dass es mit der Vollzeiterwerbs-arbeit, der Kleinfamiliengründung und den ersten gesundheitlichen Einschränkungen immer schwerer wird, den oben beschriebenen Anforderungen an unsere Mitstreiter*innen gerecht zu werden. Schließlich sind in der IL derzeit fast alle Altersgruppen vertreten. Die „Ausschlüsse“, die mit unserer Arbeits- und Organisations-weise einhergehen, werden daher oft beklagt. Leider verharrt diese Debatte bislang aber meist auf einer rein moralischen Ebene. In Ermangelung zeitgemäßer linker Ikonen wird die Lebenssituation der meisten Genoss*innen über 30 nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als eine Unzulänglichkeit, als eine Art Handicap behandelt. Zwar wird den betroffenen Genoss*innen in der IL heute nur noch selten mit Vorwürfen („Rückzug ins Private“), sondern eher mit Mitgefühl begegnet, die grundsätzliche Frage nach der Daseins-berechtigung eines Organisationsansatzes, der langfristig nicht einmal den Arbeits- und Lebensbedingungen der meisten eigenen Mitglieder gerecht zu werden vermag, wird aber nicht gestellt.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Ein Blick nach vorn&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Wir brauchen kein Mitleid. Wir brauchen ein Update unserer überkommenen (Selbst-)Bilder von linkem Aktivismus. Wir dürfen nicht länger so tun, als sei die Sorbonne noch besetzt. Wenn unsere „postautonomen“ Theorie- und Praxisansätze nicht einfach eine Negierung, sondern eine Weiterentwicklung autonomer Politik sein sollen, dürfen wir dem Jahr 2015 nicht einfach eine demokratische Version der Organisationsformen der 1970er Jahre überstülpen. Wir müssen einen modus operandi finden, der all die Wut über die schmerzhaften Widersprüche unseres Alltags im neoliberalen Kapitalismus für linke Politik fruchtbar macht, statt unsere Sorgen über unbezahlte Überstunden, teure Kitaplätze und leere Krankenhausflure einfach zur Privatsache zu erklären und als Hindernis bei der Vorbereitung der nächsten Großkampagne zu behandeln. Statt uns als Avantgarde („rebellische und widerständige Minderheit“) zu gerieren, müssen wir die früher bei einigen IL -Gruppen so beliebte alte operaistische Frage nach der Klassenzusammensetzung neu stellen und untersuchen, welche moderne „Rebellionsweise“ unsere zeitgenössische „Produktionsweise“ (heute eher: die Gesamtheit unserer Arbeits- und Lebensbedingungen) nach sich zieht. Erst dann können wir auch die Organisationsfrage beantworten und Strukturen schaffen, die nicht nur für am Reißbrett entworfene Stellvertreterpolitik-kampagnen taugen, sondern auch für die tagtäglichen Kämpfe um bezahlbaren Wohnraum in der Innenstadt, um ungehinderte Migration, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen oder um die Vergesellschaftung der Pflegearbeit. Dafür müssen wir aber endlich akzeptieren, dass wir nicht neben der Gesellschaft stehen und beginnen, die isolierten Kämpfe unseres eigenen prekären Alltags im kapitalistischen Wahnsinn zu unseren gemeinsamen Kämpfen zu machen, statt stets nur verschämt im Namen anderer die Stimme zu erheben. Wir müssen die Stadt als unsere Fabrik und uns selbst als die Subjekte der Rebellion begreifen, die die herrschenden Verhältnisse in Frage stellen soll.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Fragwürdige Vorteile einer bundesweiten Struktur&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Der avantgardistische Stellvertreterpolitikansatz klassischer kommunistischer Organisationen hilft uns dabei ebenso wenig weiter wie die im IL Zwischenstandspapier vorgesehene Vereinsmeierei. Die „bundesweite Handlungsfähigkeit“, die die geplante Strukturstraffung verspricht, wird sich nur da positiv bemerkbar machen, wo die IL als „gut geölte Kampagnenmaschine“ ohnehin bereits bestens funktioniert – bei der Vorbereitung der zunehmend megalomanischen IL-Großkampftage. Hier wird sich freilich auch die enorme Größe positiv bemerkbar machen, die die IL durch die Fusion ihrer Vorgängergruppen nun erreicht hat. Nachdem die Sachwalter*innen der europäischen Austeritätspolitik in den vergangenen Jahren aber mehr als einmal gezeigt haben, dass es ihnen völlig egal ist, ob 4 000 oder 40 0000 menschen auf Europas Straßen demonstrieren, sollte spätestens jetzt auch klar sein, dass zahlenmäßige Größe alleine heute kein Qualitätsmerkmal für erfolgreiche linke Politik mehr ist. Diese Art von „Handlungsfähigkeit“ ist daher nur ein schwacher Trost.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;Vor Ort in Berlin erweist sich der bereits in den letzten Jahren enorm gestiegene Arbeitsaufwand, der mit der Pflege einer bundesweiten Struktur und der damit korrelierenden Bauchnabelschau einhergeht, schon jetzt eher als Bremse für interventionistische Politik. Hier war es zuletzt auch den engagiertesten IL-Genoss*innen nur unter großen Anstrengungen möglich, beispielsweise bei der Unterstützung des Oranienplatzcamps, bei der Verteidigung der besetzten &lt;em&gt;Gerhardt-Hauptmann-Schule&lt;/em&gt; oder beim Widerstand gegen die Zwangsräumung der Familie Gülböl eine aktive Rolle zu spielen – weil dafür neben all den bundesweiten Kampagnentreffen schlicht und einfach kaum Zeit bleibt.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Und auch was die positiven Berliner Gegenbeispiele hierzu betrifft – zu nennen wäre hier etwa die kontinuierliche Stadtteilpolitik der hiesigen Avanti-Gruppe gegen die allgegenwärtige Gentrifzierung – so fragt man sich manchmal, ob diese Erfolge eigentlich wegen oder nicht vielmehr trotz der Zugehörigkeit der Genoss*innen zur Interventionistischen Linken möglich wurden. Zwar haben wir nicht in allen lokalen Bündnissen mit unserem schlechten Ruf als kurzweilige „Protestmanager*innen“ ohne langfristiges Interesse an der Vor-Ort-Arbeit zu kämpfen, der Mehrwert der Zusammenarbeit mit einer bundesweit aktiven linksradikalen Organisation erklärt sich aber auch ohne einen solchen Argwohn keineswegs von selbst – manchmal auch gar nicht. Auf viele Außenstehende dürfte die im Zwischenstandspapier zum Ausdruck kommende Exklusivität der Mitgliedschaft in der neuen IL sogar eher abschreckend wirken. Angesichts all dieser Widrigkeiten muss die Frage erlaubt sein, worin eigentlich der Sinn dieser strengen Organisationsform liegen soll. Die zahlreichen Allgemeinplätze und Formelkompromisse im programmatischen Teil des Zwischenstandspapiers lassen schließlich auch außenstehenden Leser*innen leicht erkennen, dass wir in analytischer und stilistischer Hinsicht bis heute ein ziemlich heterogener Haufen geblieben sind und uns eine Einigung auf zugespitzte politische Aussagen oft sehr schwer fällt. Wozu eine so bunte Truppe eine so verbindliche Vereinsstruktur braucht, bleibt unklar. Hierbei scheint die fragwürdige Hoffnung zum Ausdruck zu kommen, dass sich mit der einheitlichen Organisationsform mittelfristig auch ein geschlossenes Weltbild und eine einheitliche politische Praxis vor Ort einstellen werden. Das Risiko, dass in der IL künftig nur noch Texte formuliert und Aktionen geplant werden, „mit denen alle beteiligten leben können“ und dass das politische Profil der Organisation vor lauter Kompromissbedürfnis so immer weiter verflacht, wird dabei offenbar in Kauf&amp;nbsp;genommen. es gibt also viele gute Gründe, die starre Struktur der neuen IL noch einmal grundlegend zu überdenken. Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass niemand die im Zwischenstandspapier getroffenen Festlegungen zum Organisationsmodell allzu ernst nimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:23:20 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/48/von-spatzen-und-tauben-daechern-und-haenden</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Vier Freund_innen auf einer Terrasse in den Bergen. Alle kommen ursprünglich aus derselben Stadt. Nur eine ist wieder dort, die anderen hat es in andere Orte verschlagen. Alle sind (noch oder wieder) in der IL aktiv. Eine hat ein einjähriges Kind, zwei studieren, eine lohnarbeitet mehr als 40 Stunden pro Woche, eine war viele Jahre nicht organisiert und hat jetzt den Wiedereinstieg gewagt. Was haben wir an der Zwischenstands-IL?&lt;/p&gt;

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        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Vier Freund_innen auf einer Terrasse in den Bergen. Alle kommen ursprünglich aus derselben Stadt. Nur eine ist wieder dort, die anderen hat es in andere Orte verschlagen. Alle sind (noch oder wieder) in der IL aktiv. Eine hat ein einjähriges Kind, zwei studieren, eine lohnarbeitet mehr als 40 Stunden pro Woche, eine war viele Jahre nicht organisiert und hat jetzt den Wiedereinstieg gewagt. Was haben wir an der Zwischenstands-IL?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Strukturen für einen langen Atem&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Lässt man auf IL-Treffen den Blick schweifen, ist Tocotronics Jugendbewegungs-Hit nicht die Melodie, die in den Ohren klingelt. Nicht Jugendliche, sondern jugendlich gekleidete „Mid-Ager“, dazwischen Genoss_innen mit grauen Haaren oder gar grauen Bärten. Linksradikale Politik ist nicht bloß eine Phase auf manchem Weg zum Erwachsensein, könnte die Bildunterschrift lauten. Man kann – man muss! – das machen, bis die Scheiße aufhört,und das dauert dieser Tage wahrscheinlich das ganze Leben. Aber wie kriegen wir sie in den Griff, diese Lebensaufgabe? Kann es eine Balance geben mit dem was wir sonst noch begehren, unserem individuellen Möglichst-Gücklich-Sein und den Zwängen, denen wir uns – noch – mehr oder weniger fügen? Die Realität der linken Szene in der BRD schreit: Nein, es gibt keine Balance. Den meisten Leuten bleibt der Zugang zu ihr von vorne herein verschlossen und die anderen treten scharenweise zwischen 25 und 35 den mehr oder weniger geordneten Rückzug an. Manche bleiben, oft berufsmäßig, im linken Milieu, in Teilbereichsprojekten oder als kritische Journalist_innen, Gewerkschafter_innen, Lehrer_innen und ringen dort um Hegemonien. Einen gemeinsamen Ort ihrer Erfahrungen linksradikaler Praxis aber gibt es nicht mehr. Diese Erfahrungen verschwinden. Die ursprüngliche Verbindung dieser Leute, das antagonistische Projekt, existiert nicht mehr. Frisch Hinein- und längst Hinausgewachsene der Szene erfahren nichts voneinander, sie sind sich fremd, wenn sie sich doch einmal begegnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Zustand, den es Anfang der 1990er Jahre genauso zu beklagen gab wie heute, ist einer der Ausgangspunkte unseres „postautonomen“ Ansatzes. Dass es der IL ein wenig gelingt, mit dieser „Tradition“ zu brechen, ist nicht nur die offenkundige Notwendigkeit auf dem Weg zu einer besseren, ganz anderen Gesellschaft. Es ist auch angenehm. Es (be)stärkt, beruhigt, motiviert, es macht Organisation und Einzelne schlauer und stärker.  Wir glauben, dass das nur mit genau der „Vereinsmeierei“ geht, der dsan1 die ausschließende Wirkung zuschreibt. Wollen wir Entscheidungen und Teilhabe nicht dem Zufall überlassen, sie zu Abstimmungen mit den Füßen degradieren, in denen sich diejenigen durchsetzen, die aufgrund ihrer zeitlichen und kulturellen Ressourcen omnipräsent sein können, dann müssen wir über schnöde Fragen der praktischen Organisierung reden. Mehr Demokratie (ihr wisst, wie wir das meinen ...) gibt’s nicht als einzigen erfreulichen Punkt zur Vereinsmeierei dazu, sondern nur durch sie. Sonst regieren die informellen Hierarchien, bei denen diejenigen bestimmen, die laut und gut vernetzt sind. „Den“ Autonomen haben wir das immer entgegen gehalten: Wenn wir wollen, dass unsere politische Arbeit nicht nur von wenigen Unersetzlichen abhängt, müssen wir über die Verteilung von Wissen, Fähigkeiten und Arbeit sprechen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir nicht nur ein paar Jahre, sondern unser ganzes Leben politisch arbeiten werden, dann wird die Gestalt dieser Arbeit sich wandeln. Dann gibt es Jahre, in denen Verpflichtungen oder andere Bedürfnisse mehr Raum einnehmen und andere, in denen der politische Aktivismus an erster Stelle stehen kann. Das geht aber nur, wenn der Faden der politischen Arbeit nicht abreißt, sobald man einen Schritt zurücktritt. Wenn nicht alle Erfahrungen, all das Wissen verpufft. Wenn die Zusammenhänge, die den Rahmen der politischen Arbeit bilden, nicht verschwinden. Wenn nicht die kulturelle Kluft so tief ist, dass der Weg zurück undenkbar wird. Wenn man nicht das Gefühl hat, der kleine Beitrag den man leisten kann, sei angesichts der anstehenden Aufgaben ein sinnloser Tropfen auf den heißen Stein. All das geht nur mit verbindlichen, dauerhaften und arbeitsteiligen Strukturen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Organisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Experiment&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Aber, um Missverständnissen vorzubeugen: Ein Organisierungsprozess steht und fällt mit der Frage, ob es gelingt, ihn zu beschränken, ihn flexibel zu halten und ihn nur als Mittel zum eigentlichen Zweck zu begreifen. Konkreter: Zu glauben, wir könnten für alle möglichen Situationen auf dem Reißbrett formale Lösungen aushecken, ist der Anfang vom Ende. Zu meinen, es gäbe auf die Organisierungsfrage eine abschließende, ultimativ richtige Antwort, missachtet die Dynamiken in der Gesellschaft und tut so, als hätten wir die Weisheit mit Löffeln gefressen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wollen wir nicht nur über ferne Zukünfte reden, brauchen wir jetzt eine unfertige, wandelbare, fragmentarische, aber dennoch verbindliche Struktur, die uns handlungsfähig macht. Handlungsfähig zu sein heißt, Kapazitäten und Energie dafür zu haben, das zu machen, was uns verbindet: in der Gesellschaft für eine bessere, menschliche Form des Zusammenlebens zu kämpfen. So verstehen wir das Zwischenstandspapier. Es enthält einige wenige, aber wichtige Festlegungen, von denen wir hoffen, dass alle sie ernst nehmen werden. Alles andere würde dem kollektiven Prozess spotten, in dem dieses Papier entstanden ist und einer Kultur Vorschub leisten, in der es sich nicht lohnt, politische Dispute auszutragen, weil das Ergebnis ohnehin einerlei ist.&lt;br /&gt;Auf welche Art und Weise, mit welchen individuellen Lebenslagen und Arbeitsschwerpunkten es möglich ist, Teil unserer politischen Strukturen zu sein, ist auch in unseren Augen ein wesentlicher Punkt. Die bisher verbreitete Dichotomie von Ortsgruppen und thematischen Arbeitsgruppen mit ein bis zwei wöchentlichen Treffen ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Im Zwischenstandspapier wird deshalb zu Recht nicht mehr von Ortsgruppen, sondern von Basiseinheiten gesprochen. Es ist der zaghafte Abschied von der Selbstbeschränkung auf die wenigen Formen politischer Organisierung, die wir kennen, und das dringend nötige Einfallstor für Experimente: wie können sich Leute in der IL organisieren, die auf dem Land wohnen, ohne Genoss_innen weit und breit? Kann es virtuelle Basiseinheiten geben? Welchen Raum haben berufliche Erfahrungen und die damit verbundenen politischen Auseinandersetzungen in der IL? Brauchen wir Lehrer_innen-Basiseinheiten? Wie können Genoss_innen Teil der IL sein, deren politischer Aktivismus hauptsächlich außerhalb der IL stattfindet, in einer Stadtteilinitiative, einem Ärzt_innen-Kollektiv, einem sozialen Zentrum? Wie sieht es mit Künstler_innen oder Zeitungskollektiven aus, die kein Zentralorgan sein wollen? Lasst uns experimentieren!&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Diversität und Konzentration&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die von dsan1 im Zusammenhang mit dem (Selbst-)Bild der_s linksradikalen Aktivist_in skizzierten Gefahren avantgardistischer Stellvertreter_innenpolitik und einer sozialen wie biografischen Homogenisierung linker Strukturen sind unbestritten real. Sie bestehen noch viel stärker in einer subkulturellen linken Szene. Und sie existieren in vielerlei Hinsicht weniger stark bei linkssozialdemokratischen (Volks-)parteiprojekten, deren Mitgliederstatistik gegenüber dem linksradikalen Szenedünkel mit großer Diversität glänzt. Anders formuliert: Die IL, egal ob Netzwerk oder Organisation, muss ihr Verhältnis zu sozialen Kämpfen in der Gesellschaft und die Positionierung der einzelnen darin unter die Lupe nehmen (vgl. &lt;a href=&quot;https://arranca.org/ausgabe/48/was-ist-interventionistische-basisarbeit&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Was ist interventionistische Basisarbeit&lt;/a&gt;). Sie muss sich fragen, welchen Aktivist_innentypus sie zum Ideal erhebt und was das für ihre Diversität bedeutet. Das gilt aber für alle anderen uns bekannten linksradikalen Zusammenhänge auch. Gegenüber deren Mehrzahl hat die IL den Vorteil, dass sie transparente Strukturen schafft, in denen derartige Debatten überhaupt geführt werden und vor allem auch Folgen haben können. Bei aller Einsicht in die Notwendigkeit, unterschiedliche Lebensrealitäten anzuerkennen, wollen wir uns dennoch nicht von der Idee verabschieden, dass die politische Arbeit zumindest für einen gewissen Zeitraum biografisch im Mittelpunkt steht. Ohne dies wird es nicht gehen. Kein Kampf wird gewonnen werden, wenn wir alle mal hier und mal da eine halbe Stunde aufzubringen bereit sind. Wir brauchen die Leidenschaft und eine gewisse Portion Aufopferung und Größenwahn. Nicht von allen gleichzeitig und immer, gerade das ist ein Mehrwert einer Organisation.Defätistisch festzustellen, dass die gesellschaftlichen Freiräume, die hierzulande eine materielle Basis für den Aktivismus eines bestimmten gesellschaftlichen Milieus darstellten, in den letzten Jahrzehnten drastisch geschrumpft wurden (Bologna, Hartz etc.) und wir deswegen unsere Ansprüche an linksradikale Arbeit entsprechend zurecht stutzen müssen, ist nicht die Lösung. Immerhin ist die radikale linke der BRD in den letzten Jahren keineswegs kleiner geworden. Wenn auch langsam, sie wächst. Wir sollten angesichts dieser widersprüchlichen Lage unsere Strukturen nicht versehentlich auf der unreflektierten Annahme aufbauen, dass früher oder später jede_n von uns Vollzeitarbeit und Kleinfamilie, einem Naturereignis gleich, ereilten. Es ist das eine, den Zwangscharakter kapitalistischer Ausbeutung anzuerkennen und zur Kenntnis zu nehmen, dass auch in linksradikalen Zusammenhängen viele sich irgendwann in recht konventionellen Lebensformen wiederfinden. Natürlich gilt zu verhindern, dass ein (stummer) Zwang zum biografischen Nonkonformismus Genoss_innen der radikalen Linken entfremdet und so befördert, dass der Linksradikalismus eine kurze biografische Episode bleibt. Auch gesellschaftsanalytisch wäre es absurd, unser eigenes Verwobensein in Strukturen und Ideologien dieser Gesellschaft zu unterschätzen, indem man von den eigenen Genoss_innen erwartet, dass sie das richtige Leben im falschen führen. Die Widersprüchlichkeit von Kritik und Lebensform, von revolutionären Zielen und konkreten Bedürfnissen anzuerkennen darf aber nicht zur Verkehrung führen: linksradikale Organisierung muss auch Räume eröffnen, es im falschen richtiger zu machen. Solidarische Lebensformen jenseits von Kleinfamilie, Vollzeitlohn und unsichtbar gemachter Care-Arbeit zu finden und zu erpr ben. Sie muss so oft es geht Vorgeschmack sein auf das, was jenseits kapitalistischer Verwertung möglich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kurzum: Der IL entgegen zu halten, der mit einer Organisation verbundene Aufwand übersteige die Möglichkeiten, die Aktivist_innen heutzutage angesichts von Verwertungsdruck und Familiengründung hätten, verengt den Blick auf diejenigen, die – im Moment – wenig Zeit und Kraft für politische Arbeit haben. Gerade denen wird aber nur eine verbindliche Struktur ermöglichen, sich jetzt wenig und vielleicht eines Tages wieder stärker in ein Projekt einzubringen, dessen Ziel nicht nur ist, in einem Teilbereichskampf Boden gut zu machen, sondern die Gesamtscheiße in Frage zu stellen.&lt;br /&gt;Der auch in der IL vorherrschenden Einfallslosigkeit beim Erfinden neuer Formen des politischen Aktivismus wohlklingende linksradikale Allgemeinplätze entgegenzuhalten, hilft nicht. Die vollständige Revolutionierung unseres Alltags verspricht uns schon jede neue Smartphonegeneration, ohne es je einzuhalten. Das Zwischenstandspapier jedenfalls hindert mit seinen wenigen Festlegungen niemanden daran, vereinsmeierische Langweiler_innen wie uns mit einer Praxis herauszufordern, die weder vereinsmeierisch ist, noch das linksradikale Szeneunwesen repetiert, das zu überwinden einer unserer Minimalkonsense ist. Oder war?&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:23:17 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Maulwurf statt Adler</title>
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                    &lt;p&gt;Es sieht düster aus für gesellschaftsverändernde Praxis in Deutschland! Zumindest, wenn man dem Zwischenstandspapier der Interventionistischen Linken (IL ) glauben soll: So heißt es dort, dass „der Kapitalismus in Deutschland ökonomisch und ideologisch scheinbar fest im Sattel sitzt“, weil „die Mehrheit der Lohnabhängigen und Prekarisierten hofft, an der Seite der Mächtigen besser durch die Krise und die gegenwärtigen und zukünftigen Unsicherheiten zu kommen, als mit Widerstand und Solidarität“. Während die globale und europäische Peripherie von sozialen Auseinandersetzungen erschüttert werde, herrsche in Deutschland soziale Friedhofsruhe.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;Diese Perspektive ist nicht nur verkürzt. Sie birgt vor allem die Gefahr, wichtige Eingriffspunkte für gesellschaftliche Auseinandersetzungen zugunsten einer eingeschliffenen Kampagnenroutine zu übersehen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

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&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Es sieht düster aus für gesellschaftsverändernde Praxis in Deutschland! Zumindest, wenn man dem Zwischenstandspapier der &lt;em&gt;Interventionistischen Linken&lt;/em&gt; (IL ) glauben soll: So heißt es dort, dass „der Kapitalismus in Deutschland ökonomisch und ideologisch scheinbar fest im Sattel sitzt“, weil „die Mehrheit der Lohnabhängigen und Prekarisierten hofft, an der Seite der Mächtigen besser durch die Krise und die gegenwärtigen und zukünftigen Unsicherheiten zu kommen, als mit Widerstand und Solidarität“. Während die globale und europäische Peripherie von sozialen Auseinandersetzungen erschüttert wer- de, herrsche in Deutschland soziale Friedhofsruhe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Perspektive ist nicht nur verkürzt. Sie birgt vor allem die Gefahr, wichtige Eingriffspunkte für gesellschaftliche Auseinandersetzungen zugunsten einer eingeschliffenen Kampagnenroutine zu übersehen. In diese Falle tappt das Papier auch prompt, wenn es die Suche nach einer gesellschaftsverändernden Auseinandersetzungen zugunsten einer eingeschliffenen Kampagnenroutine zu übersehen. In diese Falle tappt das Papier auch prompt,wenn es die Suche nach einer gesellschaftsverändernden Perspektive bereits mit einer falschen Frontstellung beginnt: „einer rebellischen und widerständigen Minderheit [...], der eine Mehrheit gegenübersteht, die noch glaubt, ihre verbliebenen Privilegien oder zumindest ihre prekäre Existenz im Kapitalismus verteidigen zu können“. Diese Perspektive ist von einer erschütternden Ignoranz gegenüber den vielfältigen Krisenprozessen im prekären Alltag geprägt. Der Kurzschluss, mit dem von einem Mangel an großen gesellschaftlichen Mobilisierungen auf einen aktiven Konsens geschlossen wird, ist frappierend. Eine solche Einschätzung lädt zu einer Event-orientierten Praxis ein und befördert die selbstverschuldete gesellschaftliche Isolation der antikapitalistischen Linken. Eine interventionistische Praxis, die ihren Anspruch ernst nimmt, müsste ihr Hauptaugenmerk stattdessen auf jene Widersprüche des Alltags legen, denen in besagtem Zwischenstands-papier lediglich einige verschämte Halbsätze gewidmet sind. Real delegitimiert diese Perspektive stattdessen die zahlreichen politischen Projekte innerhalb der IL, die sich an einem konkreten Eingreifen in Widersprüchen des Alltags versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Alltag in prekären Verhältnissen&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;In der Tat ist Deutschland nicht geprägt von eruptiven sozialen Auseinandersetzungen, wie die Länder, in denen die Krise brachialer auf die Lebensverhältnisse der Menschen durchgeschlagen ist. Den politischen Eliten gelingt es (noch?) die vielfältigen Krisenprozesse voneinander zu trennen, sie nicht in ihren Zusammenhängen erkennbar und wirksam werden zu lassen und sie so zu bearbeiten. Doch die relative Stabilität der neoliberalen Herrschaft hat auch in Deutschland Risse bekommen, die auf vielfältigen und zunehmenden Krisenprozessen im Alltag beruhen. Prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse haben sich in einem langen Prozess neoliberaler Umstrukturierung verallgemeinert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der strategische Kern des neoliberalen Angriffs auf die Lebensverhältnisse ist die Universalisierung von Angst und Verunsicherung als Treibstoff für die rastlose Selbstoptimierung, um in einer immer schärferen Konkurrenz bestehen zu können. Sie ist gepaart mit der verlockenden „Einladung“ sich selbst einzubringen. Nicht Disziplinierung, sondern hemmungslose Verausgabung für den wirtschaftlichen Erfolg ist gefragt.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;In den Arbeitsverhältnissen werden kontinuierliche Arbeitsbiographien inklusive beruflichem Aufstieg zunehmend zu einem randständigen Phänomen. Leiharbeit und Befristung sorgen für eine Unterschichtung der Beschäftigten, von denen sich immer weniger auf betriebsbezogene Rechte und Ansprüche, wie Tarifverträge oder Kündigungsschutz, berufen können. Immer mehr Menschen hecheln (schein-) selbstständig von Projekt zu Projekt mit der Hoffnung auf Festanstellung. Der „effektivste Niedriglohnsektor Europas“ (Gerhard Schröder) beherbergt immer größere Teile der Bevölkerung. Die Betroffenen kratzen oft nur durch aufstockende Sozialleistungen, Zweit- oder Drittjobs knapp am Existenzminimum.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;Doch auch in den verbliebenen betrieblichen Kernen fordert der Zwang zur permanenten Selbstmobilisierung seinen Tribut. Seit Jahren erleben auch Belegschaften mit relativ stabilen Einkommensentwicklungen, dass sie in Form zunehmender Arbeitsüberlastung einen immer höheren subjektiven Preis für den wirtschaftlichen Erfolg der „deutschen Wirtschaft“ zahlen müssen. Moderne Managementkonzepte zielen darauf ab, bei systematischer personeller Unterbesetzung die Beschäftigten zur Überschreitung ihrer körperlichen und psychischen Grenzen anzutreiben. Burnout und (arbeits-)stressinduzierte Krankheiten entwickeln sich vor diesem Hintergrund zu manifesten Volkskrankheiten. Gewerk-schaften und Betriebsräte konnten diesem systematischen Angriff bisher keine kohärenten Strategien entgegensetzen und werden in den Belegschaften deshalb zunehmend als nicht mehr handlungsfähig wahrgenommen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit diesen Arbeitsverhältnissen verschränkt sich der Abbau staatlicher Zuwendungen und verstärkt so die Verunsicherung. Die schrittweise Inwertsetzung oder Privatisierung von vielen Bereichen der Sorgearbeit reißt Löcher in die Versorgung mit sozialer Infrastruktur und führt zu abnehmender Qualität. In den Krankenhäusern steigen die Infektionsraten; in Alten- und Pflegeheimen müssen die Gepflegten ihr Essen im Minutentakt verschlingen; Bildungspläne frühkindlicher Förderung existieren nur auf dem Papier. Diese Mängel privat zu kompensieren, ist vielen Menschen nicht möglich. Ihr prekärer, zeitlich entgrenzter Alltag lässt nicht genügend Spielräume. Qualifikations-anforderungen aus dem Job, das Kind, die pflegebedürftige Mutter, der Müllberg in der Küche und der Wunsch nach Ruhe und Entspannung wollen vereinbart werden, während gleichzeitig vielleicht schon das nächste Projekt, die nächste Bewerbung oder das nächste Praktikum um die Ecke lugt. Die Delegation von Hausarbeit, Pflege oder Kindererziehung wäre ein Ausweg. Doch die Bezahlung von Pflege- und Altenheimen, steigenden KiTa-Gebühren oder explodierenden Mieten ist finanziell kaum zu bewältigen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Gesellschaftliche Spaltungslinien und Klassenkonstitution&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Prozesse der Prekarisierung treffen alle, aber sie treffen sie in unterschiedlicher Weise und ausgehend von unterschiedlichen Niveaus. Eine migrantische – oft auch illegalisierte – Haushaltsarbeiterin, die Haushalt, Pflege, Alten- oder Kinderbetreuung in einem privaten mittelständischen Haushalt übernimmt, ist anders betroffen als eine alleinerziehende Mutter in Teilzeit und mit gesichertem Aufenthaltsstatus. Beide erleben andere Unsicherheiten als der vom Abstieg bedrohte Familienernährer in Normalarbeit mit flexibilisierten und entgrenzten Arbeitsverhältnissen. Darin zeigt sich die Vielfältigkeit von Verunsicherung, aber auch Spaltungslinien entlang von Klassen, geschlechtlichen, rassistischen oder anderen Zuschreibungen. Jeder spürt den Druck der Prekarisierung, viele wissen von der Möglichkeit, dass es sie treffen kann – dieses Wissen wird aber noch lange nicht zu einem Verständnis einer allgemeinen, gemeinsamen Lage. Deshalb ist, trotz konvergierender sozialer Lagen, die Entstehung einer sozialen Klasse alles andere als selbstverständlich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
Gepaart mit dem neoliberalen Credo der Eigenverantwortung, den Spaltungen der Belegschaften und dem Zurückdrängen der Gewerkschaften, der Zerstörung von Kollektivität durch verschärfte Konkurrenz, werden die Verunsicherungen individualisiert und als individuelles Scheitern erlebt. Das Ausbleiben von Massenprotesten sollte also nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier Verunsicherungen, Erschöpfungen und Unzufriedenheit Alltag geworden sind. Der Prozess der Verallgemeinerung von prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen ist die Geschichte der Durchsetzung des Neoliberalismus hinter der Maske des Freiheitsversprechens. Das Bild vom sozial befriedeten Deutschland verdeckt die Brüche, die die Prozesse der sozialen Entsicherung mit sich gebracht haben. Es verdeckt die bereits jetzt zutiefst konfliktive Alltagspraxis und verdoppelt damit lediglich den herrschenden Diskurs vom sozial erfolgreichen Modell Deutschland.
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Selbstorganisierung, verbindende Perspektive und ReOrganisierung der Linken&lt;/h4&gt;
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&lt;div&gt;Die Herausforderung für eine gesellschaftsverändernde Linke besteht also zunächst darin, sich von allzu einfachen Krisendeutungen zu lösen. Es bedeutet, ernst zu nehmen, dass die gegenwärtigen Krisenprozesse in Europa unterschiedlich verlaufen und verschiedene Widersprüche hervorrufen. Daraus folgen auch unterschiedliche Reaktionen auf die Krisen: Die jahrzehntelangen Verschlechterungen in Deutschland haben eine Fülle sozialer Konflikte hervorgebracht. Sie haben sich jedoch als schrittweise Prozesse vollzogen und dadurch zu Normalisierungen geführt. Unter den beschriebenen Verhältnissen ist es unsere Aufgabe als gesellschaftliche, antikapitalistische Linke, das untergründige Brodeln im Alltag aufzugreifen, Verbindungen zwischen getrennt erscheinenden Konflikten herzustellen und die Widersprüche zu einer kollektiven Praxis des Widerstandes zu bündeln. Die gesellschaftliche antikapitalistische Linke muss ihren Beitrag dazu leisten, gesellschaftliche Kollektivität überhaupt erst wieder herzustellen und zu einem organisierenden Teil einer umfassend verstandenen Klassenbildung werden. Radikale Praxis bedeutet also zuerst, die kollektive Wortergreifung der Prekarisierten und Individualisierten zu organisieren. Unter den beschriebenen Verhältnissen der Individualisierung und Vereinzelung geht es auch darum, die postautonome Tradition weiterzuentwickeln: Eine Politik autonomer Freiräume und bewusster Abspaltung von Gesellschaft hatte in Zeiten einer totalisierenden Kollektivität im Fordismus – der Lebensläufe festgelegt und Abweichungen verunmöglicht hat – ein radikales Potential. Vor dem Hintergrund veränderter, flexibilisierter und individualisierter Lebensverhältnisse ist dieses Potential verloren gegangen. Diese Erkenntnis postautonomer Politik und ihre Öffnung und Suche nach gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit hat dazu beigetragen, wichtige Lernprozesse und Erfahrungen zu machen. Nun ist es an der Zeit, diese Politik weiterzuentwickeln!&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Wir brauchen eine Haltung, die jenseits des alten Avantgardismus darum weiß, dass wir als politische Subjekte die Kämpfe um den Alltag führen, aber in diesen Kämpfen erst noch lernen müssen, was Krise wirklich bedeutet; die jedoch andererseits die Herausforderung annimmt, sich an dem Aufbau gesellschaftlicher Kollektivität aktiv zu beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Mut zum Experiment und eine Politik der Begegnungen&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Ein tieferes Verständnis über die Bedeutung und den Verlauf der Krise für die Lebensweisen der Menschen ist dafür die Voraussetzung. Für das tiefere Verständnis der Krisenprozesse im Alltag müssen wir als Linke zuallererst lernen zuzuhören. Dafür brauchen wir Orte der Begegnung, an denen eine Verständigung über kollektive Probleme stattfindet, gemeinsame Handlungsperspektiven entwickelt werden können und Menschen die Möglichkeit bekommen, aus ihren Verhaltensmustern herauszutreten, andere Entscheidungen zu treffen und veränderte Beziehungen einzugehen. Die Wahrheiten hinter vielen erfolgreichen Mobilisierungen, die wir von Kairo über Gezi bis Madrid erlebt haben, liegen in diesen molekularen Orten der Begegnung, in denen die individualisierten Erfahrungen des Scheiterns als kollektive Probleme sichtbar gemacht werden konnten. So waren beispielsweise die Vorläufer der breiten Proteste gegen Zwangsräumungen in Spanien Stadtteilversammlungen, in denen Geräumte oder von Räumung Bedrohte zusammengekommen sind, um über ihre Erfahrungen und Probleme zu sprechen. Auch die Erfahrungen der sogenannten Mareas (Wellen), die systematisch von den Plätzen in die Stadtteile und Betriebe gegangen sind, um dem Prozess, der mit den Platzbesetzungen begonnen hat, Kontinuität zu verleihen, waren dafür wichtig. Wichtige Erfahrungen gibt es auch im Care-Bereich für die Organisierung von häuslicher Pflege in den USA: Um die Isolation und Vereinzelung der häuslichen Pflegekräfte zu überwinden, haben Aktivist_innen von&amp;nbsp;&lt;em&gt;Caring Across Generations&lt;/em&gt;&amp;nbsp;sogenannte „Care-Councils“ organisiert, bei denen sie Pflegekräfte mit unterschiedlichen Geschichten und persönlichen Hintergründen mit Gepflegten und Angehörigen aus ihren jeweiligen Perspektiven miteinander über ihre Erfahrungen haben sprechen lassen (vgl.&amp;nbsp;&lt;em&gt;Was&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;wir wollen, ist kein Witz … Organisierungsansätze&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;im Feld sozialer Reproduktion&lt;/em&gt;, S. 36).&lt;/p&gt;
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&lt;h4&gt;Beginn einer ReOrganisierung&lt;/h4&gt;
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&lt;p&gt;Diese Orte der Begegnung entstehen jedoch nicht von allein. Sie zu schaffen ist eine wesentliche Herausforderung, vor der die organisierte Linke steht. Um diese Orte zu schaffen, brauchen wir jedoch auch das Selbstbewusstsein, dass linke Traditionen und Perspektiven etwas zu den Auseinandersetzungen der Menschen beitragen können. Und wir brauchen den Mut, solche Situationen herzustellen. In Berlin haben Initiativen wie&lt;em&gt;Zwangsräumung verhindern&lt;/em&gt;&amp;nbsp;gezeigt, dass linke Praxiskonzepte, wie Blockaden und ziviler Ungehorsam genutzt werden können, um den sozialen Konflikt um Zwangsräumungen zuzuspitzen. Die Initiative&amp;nbsp;&lt;em&gt;Kotti &amp;amp; Co&lt;/em&gt;&amp;nbsp;zeigt, dass linke Organisierungs- und Kampagnenerfahrungen eine wichtige Rolle in der Selbstorganisation von Nachbarschaften haben können, wenn sie sich mit der nötigen Offenheit einbringen. Es geht dabei jedoch nicht nur um Praxiskonzepte oder Infrastrukturen. Es geht darum, in den Begegnungen ein gemeinsames Verständnis der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Widersprüche ausgehend von den ganz konkreten Problemen zu entwickeln. Linke Theorie sollte dabei den Stoff liefern, aus dem eine alternative Erzählung von unten entwickelt werden kann, die die eigene Praxis als Teil eines gesellschaftlichen Kampfes erzählt, der dadurch überhaupt erst wirksam wird. Eine zentrale Herausforderung dabei ist, konkret danach zu suchen, wie sich unterschiedliche, zum Teil auch widersprüchliche Interessen in einer gemeinsamen Perspektive vereinbaren lassen und worin bzw. wie ein transformatorisches, gesellschaftsveränderndes Potential in den Auseinandersetzungen entwickelt werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wir stehen hier auch vor einer Herausforderung für die Art und Weise unserer eigenen Organisierung. In der Suche nach einer Politik aus dem prekären Alltag geht es auch um eine Suche nach der notwendigen Haltung, die jenseits von Sozialarbeit und Avantgardismus ein vertrauensvolles, wechselseitig lernendes Verhältnis ermöglicht. Das stellt zugleich die Frage nach unseren Organisationsstrukturen, denn diese Praxis erfordert ein hohes Maß an Verbindlichkeit und Kontinuität. Das bedeutet, dass wir darüber nachdenken müssen, wie es gelingen kann, Wissen weiterzugeben. Es bedeutet aber auch, Abstand zu nehmen von einem Hopping von Konflikt zu Konflikt und sich stattdessen festzulegen. Wenn wir diese Art der verbindlichen Arbeit anfangen wollen, brauchen wir eine gewisse Offenheit unserer Strukturen.&lt;/p&gt;
Eine interventionistische Linke, die ihren Anspruch ernst nimmt, müsste ihre Anstrengungen also auf das „konkrete Handgemenge sozialer Auseinandersetzungen“ (&lt;a href=&quot;http://www.interventionistische-linke.org/positionen/il-im-aufbruch-ein-zwischenstandspapier&quot;&gt;IL-Zwischenstandspapier&lt;/a&gt;) fokussieren – jene Widersprüche des Alltags, die nicht aufgehen in einer herrschaftsförmigen Einbindung in die bestehenden Verhältnisse. Nicht die Fahne des Dissenses als reine Symbolpolitik, sondern die Müh(l)en der Alltagspraxis gilt es als Ebene der Intervention zu verstehen. Mit dieser Form interventionistischer Politik setzen wir auf das Schaffen von Orten der Begegnung, auf Zuhören und Lernen im Alltag, auf die bewusste Herstellung von Kollektivität, die verschiedene Interessen und Akteure verbindet, und auf eine Bündelung der unterschiedlichen – auch europaweiten – Kämpfe. Konkret bedeutet es, die Symbolpolitik zu ersetzen durch eine gesellschaftliche Verankerung der IL. Das heißt, die verantwortungsvolle Rolle, die uns in Bündnissen zugesprochen wird, auszuweiten und jenseits von Aktivist_innen und politischen Organisationen auf Menschen zuzugehen.
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
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 <category domain="https://arranca.org/tag/interventionistische-linke">Interventionistische Linke</category>
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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:18:26 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Editorial</title>
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                    &lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Das Schnabeltier, das Schnabeltier&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Es spricht nicht mehr nur noch von sich,&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;es sagt nicht mehr: „Dies Bier will ich!“&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Es sagt: „Dies Bier,&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;das wollen wir!“.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Wir wollen es, das Schnabeltier.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;(Robert Gernhart)&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Liebe Leser*innen und von Organisierung Betroffene,&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;wir sind fusioniert. Als wir anfingen, an dieser Ausgabe zu arbeiten, waren wir noch Teil von FelS – Für eine linke Strömung. Inzwischen schreiben und denken wir als Berliner Ortsgruppe der Interventionistischen Linken (IL Berlin).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um dieses Zusammenwachsen zu reflektieren, haben wir im vorliegenden Heft Beiträge versammelt, die sich aus verschiedensten Perspektiven mit politischer Organisierung auseinandersetzen. Das ist ein relativ zeitloses Thema innerhalb der radikalen Linken – für manche geradezu abschreckend, müffelt es doch nach grauer Vereinsmeierei und den ewig-gleichen Grabenkämpfen über allgemeingültige Lösungen und Patentrezepte. Doch es zeigt sich, dass die Facetten, Probleme und Fragen politischer Organisierung&amp;nbsp; höchst lebendig, bunt und spannend sind, wenn wir sie uns nur im konkreten Hier und Jetzt stellen.&lt;/p&gt;

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&lt;h3&gt;Liebe Leser*innen und von Organisierung Betroffene,&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;wir sind fusioniert. Als wir anfingen, an dieser Ausgabe zu arbeiten, waren wir noch Teil von FelS – Für eine linke Strömung. Inzwischen schreiben und denken wir als Berliner Ortsgruppe der Interventionistischen Linken (IL Berlin).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um dieses Zusammenwachsen zu reflektieren, haben wir im vorliegenden Heft Beiträge versammelt, die sich aus verschiedensten Perspektiven mit politischer Organisierung auseinandersetzen. Das ist ein relativ zeitloses Thema innerhalb der radikalen Linken – für manche geradezu abschreckend, müffelt es doch nach grauer Vereinsmeierei und den ewig-gleichen Grabenkämpfen über allgemeingültige Lösungen und Patentrezepte. Doch es zeigt sich, dass die Facetten, Probleme und Fragen politischer Organisierung&amp;nbsp; höchst lebendig, bunt und spannend sind, wenn wir sie uns nur im konkreten Hier und Jetzt stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Hauptaugenmerk dieser Ausgabe liegt auf dem erwähnten Zusammenschluss verschiedener postautonomer Gruppen der radikalen Linken&amp;nbsp; zur Interventionistischen Linken (IL). Diese Gruppen haben in den letzten zehn Jahren in bundesweiten Bündnissen wie Dresden nazifrei, Castor schottern oder den G8-Protesten in Heiligendamm erfolgreich gemeinsam Politik gemacht. Der Wunsch nach einer stärkeren, verbindlicheren Kooperation im politischen Alltag führte und führt zu einem Fusionsprozess. Dieser hat in den letzten drei Jahren immer mehr an Fahrt aufgenommen und in Berlin seinen vorläufigen Höhepunkt in der Verschmelzung von Avanti, FelS und Teilen der ALB gefunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die bisherige gemeinsame Verständigung über den Organisierungsprozess im deutschssprachigen Raum wurde im Oktober 2014 in einem &lt;a href=&quot;http://www.interventionistische-linke.org/positionen/il-im-aufbruch-ein-zwischenstandspapier&quot;&gt;„Zwischenstandspapier“&lt;/a&gt; veröffentlicht. Einige der Beiträge beziehen sich darauf und folgen der im Papier geäußerten Einladung zur Debatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch auch wenn Politgruppen eine Welt für sich sind, ist die Welt deshalb noch lange keine Politgruppe. In the bigger picture gewinnt das Thema seine Aktualität durch die jüngsten Entwicklungen in Griechenland und Spanien, quasi den Epizentren der emanzipatorischen europäischen Krisenproteste, wo linke Parteien neueren Typs die Bühne der parlamentarischen Demokratie betreten haben. Die horizontalen Kräfte der Platzbesetzungen und basisdemokratischen Initiativen vor Ort haben sich transformiert, institutionalisiert oder um vertikalere Strukturen erweitert. Über ihr Potential und die Bewertung der Situation lässt sich wunderbar streiten. Relativ unbestritten ist dagegen, dass Syriza und Podemos linken Positionen eine Sichtbarkeit und Popularität verliehen haben, von der vor einigen Jahren kaum jemand zu träumen gewagt hätte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Inmitten all dieser rasanten Veränderungen – und um Sinn und Zweck von Organisierung nicht aus den Augen zu verlieren – wollen wir mit dieser Ausgabe einen Moment innehalten und grundsätzlichen Fragen, konkreten Berichten, begeisterten und entgeisterten Stimmen Raum geben. Ohne uns von Zweifeln oder Sorgen lähmen zu lassen und ohne Angst vor Dissens und Kontroverse, fragen wir voran.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beiträge in diesem Heft zeigen deutlich, wie facettenreich das Thema Organisierung ist.&amp;nbsp; Dennoch fanden wir es spannend zu sehen, dass neben den vielen Tiermetaphern einige Themenstränge in den verschiedenen Beiträgen immer wieder auftauchen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für einige Autor*innen steht die Frage im Vordergrund, wie und inwiefern linksradikale Organisierung eine Antwort auf die Bedürfnisse und Lebensbedingungen derer geben soll, die mitmachen oder mitmachen wollen. Was habe ich eigentlich davon organisiert zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Autor*innen beschäftigen sich damit, wie sich linke Organisierung in real stattfindenden sozialen Auseinandersetzungen verhalten soll. Dabei geht es darum, vom hohen linksradikalen Pferd hinab- in Lernprozesse einzusteigen und dabei die Perspektive einer radikalen gesellschaftlichen Veränderung zu stärken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schließlich thematisieren einige Texte den Umgang mit Unterschiedlichkeiten innerhalb der eigenen Gruppe. Erfahrungen, Positionen, oftmals nicht sichtbare strukturelle Machtverhältnisse und Ausschlüsse prägen die politische Praxis. Sie sichtbar zu machen und zu bearbeiten ist notwendiger Teil von Organisierungsprozessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wir als Zeitschriftenprojekt innerhalb einer sich verändernden Gruppe müssen unsere Rolle nun überdenken. Ein Beitrag aus den Reihen der Redaktion nimmt dies zum Anlass und fragt nach dem Zusammenhang von Zeitung und Organisation. Was ist ein Organ? Sind wir ein Organ, und wenn ja, wie viele?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem ersten Teil unserer geplanten Doppelausgabe zu diesem Schwerpunkt haben wir unterschiedliche Beiträge zu ebendiesen Fragen und darüber hinaus versammelt. Für das nachfolgende Heft warten wir daher auch gespannt auf Antworten und Beiträge eurerseits!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor wir jetzt viel Spaß beim Lesen wünschen, bedanken wir uns herzlich bei den Autor*innen und Saskia Rudies für die Illustrationen und Mirjana für das Layout!&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eure arranca!-Redaktion&lt;/p&gt;


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