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 <title>arranca! - Israel</title>
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 <title>Sichtbarkeit zwischen allen Stühlen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/42/sichtbarkeit-zwischen-allen-stuehlen</link>
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                    &lt;p&gt;Im Jahr 2002 trafen sich einige palästinensische Lesben in einem  Internetforum. Den Raum, in dem sie miteinander zu diskutieren und sich  auszutauschen begannen, nannten sie „Safe Space“. Etwa ein Jahr später  beschlossen sie, sich persönlich zu treffen. Bei diesem ersten Treffen  entstand die Idee, auch in der realen Welt einen solchen Safe Space für  palästinensische Frauen und Transgender zu schaffen. Neben Austausch und  Diskussionen sollte dort auch Raum sein, Bedürfnisse dieser  spezifischen Gruppe auszuloten und dazu dann auch politisch in Projekten  zu arbeiten. Die Gruppe nennt sich ASWAT – das arabische Wort Aswat  bedeutet soviel wie ‚Stimmen‘. Damit spielt sie darauf an, dass die  eigenen Stimmen hörbar gemacht und die eigenen Geschichten erzählt  werden sollen.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Im Jahr 2002 trafen sich einige palästinensische Lesben in einem Internetforum. Den Raum, in dem sie miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen begannen, nannten sie „Safe Space“. Etwa ein Jahr später beschlossen sie, sich persönlich zu treffen. Bei diesem ersten Treffen entstand die Idee, auch in der realen Welt einen solchen Safe Space für palästinensische Frauen und Transgender zu schaffen. Neben Austausch und Diskussionen sollte dort auch Raum sein, Bedürfnisse dieser spezifischen Gruppe auszuloten und dazu dann auch politisch in Projekten zu arbeiten. Die Gruppe nennt sich ASWAT – das arabische Wort Aswat bedeutet soviel wie ‚Stimmen‘. Damit spielt sie darauf an, dass die eigenen Stimmen hörbar gemacht und die eigenen Geschichten erzählt werden sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Kannst Du die spezifische Situation palästinensischer Lesben in Israel und den besetzten Gebieten ein wenig näher beschreiben?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ghadir: Wir sind mit einer Menge von Herausforderungen konfrontiert, die auch für andere LGBTIQ-Gruppen rund um die Welt gelten. Besonders an unserer Situation ist jedoch, dass wir als palästinensische Minderheit in Israel ohne Minderheitenrechte multiplen Formen von Unterdrückung ausgesetzt sind. Die meisten LGBTIQ-Organisationen &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_ax0ctji&quot; title=&quot;LGBTIQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer&quot; href=&quot;#footnote1_ax0ctji&quot;&gt;1&lt;/a&gt; in Israel sind jüdisch. Wir können zwar punktuell mit ihnen kooperieren, im Grunde sind ihre Forderungen und Ziele jedoch andere als die unseren.&lt;br /&gt;Als palästinensische Minderheit in Israel kämpfen wir für gleiche Bürger- und Menschenrechte, und als Frauen in einer sehr konservativen, patriarchalen palästinensischen Gesellschaft kämpfen wir für gleiche Rechte als Frauen. Jeglicher Ausdruck weiblicher Sexualität ist dort tabu, von nicht-heterosexueller Orientierung gar nicht erst zu reden. Diese mehrschichtige Form der Unterdrückung wollen wir in unseren Projekten thematisieren. In den letzten sechs Jahren hat ASWAT unablässig daran gearbeitet, LGBTIQ-Rechte in unserer palästinensischen Gesellschaft zu pushen. Das an sich ist schon eine große Herausforderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Wie sieht Eure Arbeit konkret aus?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauptsächlich bieten wir verschiedene Empowerment-Gruppen an. Daneben geben wir regelmäßig Publikationen heraus, wir haben eine Webseite, auf der all diese Informationen auch abrufbar sind. Und wir haben eine arabischsprachige Hotline. Eine Menge Frauen in der arabisch-palästinensischen Community sind nicht mobil, sie können ihre Häuser nicht ohne Erlaubnis verlassen. Nun können sie zumindest die Hotline anrufen, wenn sie Hilfe oder Unterstützung brauchen. Oder sie können sich Informationen über das Internet besorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Was genau ist das Ziel der Empowerment-Gruppen, die Ihr anbietet?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Idee dieser Empowerment-Gruppen war es, Frauen in einem geschützten Raum zusammenzubringen, in dem sie sich kennen lernen und über Ängste und Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, sprechen können. Die Hintergründe, aus denen die Frauen kommen, sind dabei oft sehr unterschiedlich und somit auch ihre individuellen Situationen. Manche Frauen etwa kommen aus der Stadt, andere wohnen in Dörfern. Manche leben noch bei den Eltern und sind abhängig von deren Unterstützung und der Erlaubnis, das Haus verlassen zu dürfen. Andere leben unabhängig. Manche Frauen sind Christinnen, andere Musliminnen oder Jüdinnen. Ein Teil lebt in Israel, ein anderer in den besetzten Gebieten.&lt;br /&gt;Aus all diesen Differenzen gilt es zunächst, Grade an Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Das nächste Ziel ist, dass die Frauen über ihre Sexualität und ihre Identitäten sprechen und darüber, wie diese verschiedenen Identitäten sie repräsentieren. &lt;br /&gt;In einem dritten Schritt bilden wir dann Multiplikator_innen aus, die nach draußen gehen und für ihre Werte und Rechte auch anderen gegenüber eintreten. Im Moment besteht zum Beispiel ein großer Teil unserer öffentlichen Arbeit darin, dass diese Frauen zu Konferenzen und Workshops gehen – auf lokaler wie internationaler Ebene - und ihre Geschichte erzählen. Bei einer feministischen Konferenz in Nazareth im November 2008 bin ich beispielsweise erstmals auch innerhalb des Landes öffentlich als Teil von ASWAT aufgetreten. Diese Erfahrung hat mich sehr gestärkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Was für Publikationen bringt Ihr heraus? &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis vor wenigen Jahren gab es überhaupt kein Material zu lesbischen Lebensweisen oder Homosexualität in arabischer Sprache. Sehr wenig in der Literatur, keine Untersuchungen, kein Datenmaterial, keine persönlichen Geschichten oder sonstige Referenzen. Es war eine komplette Leerstelle. Diese Lücke wollten wir füllen. Also begannen wir, Newsletter, Informationsblätter und auch Bücher herauszugeben. &lt;br /&gt;Unsere erste Publikation war ein Glossar mit Begriffen wie lesbisch, schwul, transgender oder intersexuell. Zum Teil gab es dafür im Arabischen keine Worte oder sie waren sehr abwertend. Wir wollten dem neutralere Begriffe entgegensetzen, die nicht verletzen. Ein Wort etwa, dass übersetzt soviel wie „Schlampe“ bedeutet und zur Bezeichnung von Lesben benutzt wird, haben wir durch einen Begriff ersetzt, der „Frauen, die Frauen lieben“ meint.&lt;br /&gt;Danach hatten wir Veröffentlichungen mit Coming-Out-Geschichten, bei denen Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Erfahrungen weitergeben. Manche dieser Publikationen richten sich an bestimmte Altersgruppen, an Teenager zum Beispiel, die gerade beginnen, sich Fragen zu ihrer Sexualität zu stellen oder an Frauen zwischen 30 und 40, die entdecken, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlen, unter Umständen aber schon verheiratet sind und Kinder haben. Ich denke, diese Geschichten sind sehr interessant, und es lässt sich viel davon lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;?Warum war es so wichtig, diese Geschichten zu veröffentlichen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du weißt ja, Leute denken, es ist das Ende der Welt, wenn sie sich ihren Eltern, der Familie oder Kindern gegenüber outen. Wir stellen dem andere Geschichten gegenüber und zeigen: Diese Frauen haben sich geoutet und leben trotzdem weiter. Und für die, die die Geschichten lesen, wird damit die Frage aufgeworfen, ob das vielleicht auch etwas über sie aussagt. &lt;br /&gt;Es geht aber auch darum, die Herausforder-ungen zu teilen, mit denen die Frauen konfrontiert sind. So können andere mehr Empathie entwickeln und auch ihre Sichtweisen verändern. Dann sagen sie vielleicht nicht mehr: „Mit dir stimmt etwas nicht“, sondern stattdessen vielleicht: „Du wurdest so geboren und versuchst, mit den Herausforderungen, die das mit sich bringt, umzugehen.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Welche Effekte aus Eurer Arbeit in den vergangenen Jahren seht Ihr? &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich denke, eine der größten Veränderungen besteht darin, dass wir diesen Safe Space geschaffen haben. Darüber hinaus gelingt es uns heute, mehr Leute von LGBTIQ- und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzubringen. Wir haben begonnen, Partnerschaften und Allianzen sowohl mit palästinensisch-arabischen als auch mit jüdischen Organisationen zu schließen. Es hat fünf Jahre gedauert, bis wir an diesen Punkt gekommen sind. Ich denke, wir mussten als Organisation erst reifen und uns mit vielen Themen zunächst selbst auseinandersetzen. &lt;br /&gt;Zu Beginn waren wir vor allem auf lokaler und israelweiter Ebene aktiv. Jetzt haben wir auch Kooperationen in der Region aufgenommen, beispielsweise mit einer Organisation im Libanon, die einen ähnlichen Ansatz hat wie wir.&lt;br /&gt;Unsere Forderungen werden jetzt stärker auch von anderen Gruppen aufgenommen. Beispielsweise sind wir ein Teil der Women‘s Coalition. &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_uauc9ay&quot; title=&quot;Breites Netzwerk verschiedener feministischer Organisationen in Israel&quot; href=&quot;#footnote2_uauc9ay&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Lange Jahre waren wir von den politischen Agenden vieler palästinensisch-arabischer Organisationen ausgeschlossen. Es gab starke Vorbehalte, und andere Gruppen befürchteten, dass es ihre eigene Legitimität und Akzeptanz gefährden würde, wenn sie die Forderungen von ASWAT auch als eigene Forderungen deklarieren würden. &lt;br /&gt;Eine Menge Organisationen hier arbeiten für Minderheitenrechte von Palästinenser_innen, aber sie sehen die Gruppe der LGBTIQ darin nicht als eigene Minderheit. Andererseits fielen wir bisher auch aus dem Profil vieler feministischer Organisationen heraus. Dort waren wir willkommen, wenn wir für feministische Ziele eintraten. Legten wir jedoch unsere eigene Agenda vor, in der sich diese Themen überkreuzen, waren wir oft isoliert. Langsam, sehr langsam, ändert sich das. &lt;br /&gt;Auf eine Art schaffen wir dadurch eine soziale Bewegung, die unsere Sichtbarkeit und ein Bewusstsein für unsere Situation erhöht. Wir brechen mit Stereotypen und mit dem riesigen Tabu, dass Frauen über ihre Sexualität nicht reden. Dazu sind es dann auch noch lesbische Frauen. Ich denke, in diesem Zusammenhang macht es einen riesigen Unterschied, dass ASWAT existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Was sind Eure Ziele für die Zukunft?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines unserer hauptsächlichen Ziele für die nächsten Jahre ist es, weiter den Boden für eine Bewegung zu schaffen, die zu einem sozialen Wandel führt. Wir wollen daran arbeiten, dass ASWAT tatsächlich ein Teil der LGBTIQ-Community wird, dass also andere Organisationen nicht nur ihre Haltungen, sondern auch konsequent ihre Forderungen und Ansätze verändern. &lt;br /&gt;Wir wollen eine Community schaffen, die uns nicht nur Sichtbarkeit als Lesben ermöglicht, sondern die uns auch als eine gleichwertige Minderheit einschließt. Wir kämpfen quasi als eine Minderheitengruppe von LGBTIQ-Frauen um gleichen Zugang zu Rechten in der Community. &lt;br /&gt;In unserer Realität ist das eine große Herausforderung, denn die politische Situation beeinflusst so ziemlich alles hier – speziell die Netanjahu-Regierung, die jetzt an der Macht ist, ruft sogar nach noch strengeren Restriktionen gegenüber der palästinensischen Minderheit. Dadurch werden wir als Palästinenser_innen noch stärker ausgeschlossen und das wiederum führt dazu, dass der Kampf um Gleichberechtigung auf dieser Ebene wieder stärker ins Zentrum rückt, nicht der um unser Lesbisch-Sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Interview führte Atlanta Athens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_ax0ctji&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_ax0ctji&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; LGBTIQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_uauc9ay&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_uauc9ay&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; Breites Netzwerk verschiedener feministischer Organisationen in Israel&lt;/li&gt;
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 <pubDate>Mon, 05 Jul 2010 09:34:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>&quot;Kampf der Geschlechter&quot; in den Israel Defence Forces</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/39/kampf-der-geschlechter-in-den-israel-defence-forces</link>
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                    &lt;p&gt;Aufgrund seiner spezifisch egalitären Komponente setzte sich das von der modernen zionistischen Bewegung getragene Projekt der Etablierung eines eigenen jüdischen Staates gegenüber dem europäisch- nationalistischen Denken ab. Mit der gesetzlichen Verankerung des Militärdienstes für Männer und Frauen im Zuge der Ausrufung des Staates Israel fand dieser charakteristische Wesenszug Eingang in den offiziellen Gründungsethos. Ungeachtet dessen charakterisierte von Anfang an jene für das Militär als traditionell männerbündischer Organisation typische binäre Aufteilung der Geschlechterrollen auch die Israel Defense Forces (IDF).&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Aufgrund seiner spezifisch egalitären Komponente setzte sich das von der modernen zionistischen Bewegung getragene Projekt der Etablierung eines eigenen jüdischen Staates gegenüber dem europäisch- nationalistischen Denken ab. Mit der gesetzlichen Verankerung des Militärdienstes für Männer und Frauen im Zuge der Ausrufung des Staates Israel fand dieser charakteristische Wesenszug Eingang in den offiziellen Gründungsethos. Ungeachtet dessen charakterisierte von Anfang an jene für das Militär als traditionell männerbündischer Organisation typische binäre Aufteilung der Geschlechterrollen auch die Israel Defense Forces (IDF). Der Ausschluss von Frauen aus Kampfpositionen bildete dabei lange Zeit eines der wesentlichen Prinzipien des mit dem Defense Service Law von 1949 geschaffenen rechtlichen Rahmens. Beruhend auf der den Frauen zugewiesenen primären Mutter-Rolle, blieben die Tätigkeitsfelder von Soldatinnen trotz kontinuierlicher Erweiterung stets deren eigentlichem Zweck untergeordnet: männliche Soldaten für den Kampf freizustellen. Entsprechend unterschiedlich gestalteten sich daher die Dauer und Bedingungen des Militärdienstes weiblicher und männlicher Wehrdienstleistender sowie - als Konsequenz dessen - die Chance, hochrangige militärische wie gesellschaftliche Positionen zu besetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obgleich Frauen mit der Abschaffung des Kampftruppenverbots im Jahr 2000 theoretisch in allen Funktionen außer der Infanterie eingesetzt werden können, sind sie in Bereichen mit höheren Kampfkomponenten nach wie vor kaum präsent. Insbesondere mediale Inszenierungen israelischer Soldatinnen als ‚echte Kämpferinnen’ tragen jedoch dazu bei, dass sich der mit der Staatsgründung institutionalisierte Mythos der IDF als ‚integrated army’ bis heute aufrecht hält. Zwar sind die sich seit Mitte der 1990er Jahre vollziehenden rechtlichen und strukturellen Veränderungen, die die vollständige Integration von Frauen in die israelische Armee zum Ziel haben, Ergebnis feministischer Bestrebungen zugunsten geschlechtergerechter Verhältnisse. Die Annahme, dass es angesichts der wesentlichen Bedeutung der israelischen Streitkräfte für die Existenz des gesellschaftlichen Kollektivs dazu notwendig der gleichen Beteiligung von Frauen am Militär bedarf, erweist sich dabei jedoch selbst innerhalb der israelisch-feministischen Debatte als „heiß umkämpftes Terrain“.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Idee der israelischen ‚People’s Army’&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Gemäß dem israelischen Verteidigungsgesetz von 1949 werden sowohl jüdische Männer als auch jüdische Frauen im Alter von 18 Jahren wehrpflichtig. Von den nichtjüdischen Bevölkerungsgruppen sind (männliche) Drusen ebenfalls verpflichtet, im Militär zu dienen, während arabischen Beduinen und Christen die Entscheidung freigestellt bleibt. Die große Mehrheit der arabischen, nämlich moslemisch-palästinensischen Bevölkerung ist vom Wehrdienst ausgeschlossen. Aktuell beträgt die Wehrdienstzeit 24 Monate für Frauen und 32 Monate für Männer. Frauen sind bis zum 24. Lebensjahr – in einigen wenigen Tätigkeitsbereichen bis zum 34. Lebensjahr – oder bis zur Geburt des ersten Kindes zum Reservedienst verpflichtet, werden jedoch kaum dazu herangezogen. Männer unterliegen der Reservedienstpflicht je nach Einheit bis zu einem Alter von etwa 45 Jahren. Verheiratete Frauen, Mütter, schwangere Frauen und Frauen, die eine christliche oder muslimische Religionszugehörigkeit besitzen, werden nicht zum Wehrdienst einberufen. Religiöse jüdische Frauen können sich auf Antrag von der Wehrpflicht befreien lassen, wobei das alleinige Bekenntnis der Religiosität ausreicht. Jüdisch-orthodoxe Männer hingegen müssen an einer Jeshiva (Thora-Schule) eingeschrieben sein, um nicht zum Wehrdienst herangezogen zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entscheidung der provisorischen Regierung des 1948 neu ausgerufenen Staates, auch Frauen in die Armee aufzunehmen, wurde neben jener säkularen Auffassung von der Frau als gleichberechtigter Staatsbürgerin nicht zuletzt durch die damaligen historischen Gegebenheiten beeinflusst. Für den Charakter und das Selbstverständnis der Zahal (Armee zur Verteidigung Israels) war nicht unwesentlich, dass sich Israel mit seinen arabischen Nachbarn – die die Existenz Israels nicht akzeptierten - lediglich im Waffenstillstand befand. Im Hinblick auf den zu erwartenden langwierigen Kampf zugunsten der Verteidigung des Landes kam dem Einzug von Männern und Frauen gleichermaßen umfassende symbolische Bedeutung zu. In der Konstituierung – und bis heute andauernden Propagierung der IDF als ‚people’s army’ fand die Idee Ausdruck, dass militärische Erfordernisse und die Gewährleistung der Sicherheit des Landes alle betreffen. Zum anderen sprach der damalige Mangel an Ressourcen für einen für alle verpflichtenden Wehrdienst sowie eine kleine Berufsarmee, zu deren Unterstützung im Verteidigungsfall Reserveeinheiten herangezogen werden konnten. Über die Form der Integration von Frauen in die israelische Armee herrschten jedoch von Anfang an unterschiedliche Vorstellungen. Die politische Entscheidung, jüdische Frauen ungeachtet ihres aktiven Beitrags während des Unabhängigkeitskrieges aus Kampfeinheiten auszuschließen, sie aber dennoch an der Waffe und für Kampfeinsätze auszubilden, fiel als Zugeständnis an die religiösen Parteien, die für eine völlige Schließung des Militärs für Frauen votiert hatten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Institutionalisierung von Geschlechterungleichheit durch die IDF&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Somit wies auch die israelische Armee seit Anbeginn ihres Bestehens klar definierte Strukturen geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung auf, welche die überwiegende Mehrheit der Soldatinnen auf sogenannte pink collar-Positionen wie Lehrtätigkeiten, Kommunikation, Büroarbeit und paramedizinische Arbeiten begrenzte. 1998 dienten Frauen in 330 von 551 ihnen zugänglichen Positionen. 187 Funktionen waren ihnen aufgrund deren Nähe zu Kampftätigkeiten oder religiösen Diensteinheiten verwehrt. 1976 noch beschränkte sich der Wehrdienst von Frauen auf lediglich 210 von insgesamt 709 existierenden Positionen, 70 Prozent kamen damals in Verwaltungstätigkeiten zum Einsatz. Heute verbringt ‚nur’ noch jede vierte Soldatin ihren Dienst mit administrativen Aufgaben. Dennoch wurden 2005 gerade mal 2,5 Prozent der kampfbezogenen Rollen von weiblichen Wehrdienstleistenden eingenommen. Die IDF gestalten sich damit bis heute als „gendered structure of power“ (Ben-Ari/ Levy-Schreiber), da für den Zugang zu leitenden militärischen Positionen ungeachtet der technologischen Entwicklungen auf dem Gebiet der Kriegsführung weiterhin das Ausmaß der Kampferfahrung und weniger die tatsächliche Eignung und Kompetenz der BewerberInnen ausschlaggebend sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem andauernden Ausschluss von Frauen aus Kampfpositionen wird somit zum einen deren Machtpotential und folglich ihr Einwirken auf die Situation von Frauen in der israelischen Armee begrenzt und gleichzeitig gerechtfertigt. Zum anderen hat das Bild des männlichen Kämpfers und damit die zentrale Vorstellung vom Mann als Beschützer auf diese Weise weiterhin Bestand. Somit erklärt sich auch die Prestigeträchtigkeit israelischer militärischer Eliteeinheiten, die mit jener Stilisierung des Kampfes als dem eigentlichen Sinn einer militärischen Organisation zu tun hat. Der Beweis ein guter Soldat zu sein, kann angesichts der kontinuierlich von Krieg und Konflikt geprägten gesellschaftlichen Verhältnisse nur im Kampf erbracht werden. Der Soldat in Gestalt des männlichen Kampfsoldaten wird dabei nicht nur zum absoluten militärischen Ideal erhoben, sondern repräsentiert aufgrund dem von ihm qua seiner Position symbolisierten höchsten Maß an Loyalität gegenüber der Gesellschaft zugleich den idealen israelischen Staatsbürger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angesichts der zentralen Bedeutung der Wehrhaftigkeit für die israelische Gesellschaft bestimmt der Eintritt in die israelische Armee aber nicht nur über den Ein- oder Ausschluss ins nationale Kollektiv, sondern verschafft seinen Mitgliedern darüber hinaus bedeutendes soziales und symbolisches Kapital, das eine wesentliche Bedingung für den Zugang zu zahlreichen politischen und ökonomischen Funktionen darstellt. Aufgrund ihrer kürzeren Wehrdienstzeit sowie den mangels Kampferfahrung eingeschränkten Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der militärischen Hierarchie sind Frauen hinsichtlich des Aufbaus eines entsprechenden sozialen Netzwerkes benachteiligt. Zudem wird dem Militärdienst von Frauen auch von Seiten der Gesellschaft sowie durch das Militär selbst weniger Bedeutung beigemessen. Gerade 15 Prozent der Frauen absolvieren die gesetzlich vorgeschriebene Wehrdienstzeit, die meisten werden vorzeitig entlassen. Bei den Männern beträgt der Anteil der ordnungsgemäßen Absolventen 80 Prozent.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Frauen im Militär – ein Konflikt im Konflikt&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Sechzig Jahre nach Staatsgründung sind offiziell nahezu alle militärischen Positionen auch Frauen zugänglich. Dennoch bietet die Frage, ob und in welcher Weise Frauen ihren nationalen Beitrag auch als Soldatinnen leisten sollten, immer wieder Anlass für Diskussionen. Betont wird in diesem Zusammenhang stets die besondere gesellschaftliche Rolle weiblicher Mutterschaft, die aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für den Fortbestand des gesellschaftlichen Kollektivs im Rahmen der nationalen Verteidigung eines besonderen Schutzes bedarf. Begründet mit der drohenden Vergewaltigung durch den Feind, bleibt IDF-Soldatinnen, die während ihres Wehrdienstes in Kampfpositionen ausgebildet wurden, bis heute der Einsatz im aktuellen Kriegsfall verwehrt. Von anderer Seite untermauert wird diese ‚Schutzargumentation’ dadurch, dass Soldatinnen, die im Krieg sterben oder in Gefangenschaft geraten und dort der Misshandlung durch den Feind ausgeliefert wären, zur Demoralisierung der gesamten Gesellschaft führen und somit als Druckmittel vom Gegner instrumentalisiert werden könnten. Daneben tauchen die israelischen Soldatinnen in der gesellschaftlichen Debatte immer wieder als Statussymbole (es ist ein offenes Geheimnis, dass die hübschesten Soldatinnen den ranghöchsten Generälen zur Seite gestellt oder besonders prestigeträchtigen Einheiten zugewiesen werden) und moralische Instanz auf, die als personifizierte kollektive Ehefrau/ Mutter einen „Hauch von Zuhause“ in den harten, kalten Armeealltag bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb der feministischen Diskussion stehen sich im Wesentlichen zwei widerstreitende Argumentationen gegenüber. Die gleichstellungspolitisch motivierte, liberalfeministische Strömung kritisiert dabei in erster Linie die mit den verschiedenen militärischen Rollen verbundenen ungleichen gesellschaftlichen Partizipationschancen von Frauen und Männern. Ein weiterer Teil des die Integration von Frauen in die israelische Armee befürwortenden feministischen Flügels widmet sich vor allem der Frage der Geschlechtergleichheit. Exemplarisch dafür steht die anhaltende Debatte um die Beteiligung und den Einsatz israelischer Soldatinnen in Kampfeinheiten. Demgegenüber betonen radikal-feministisch dekonstruktivistisch orientierte Ansätze die durch die bloße Beteiligung von Frauen an männerdominierten Organisationen wie dem Militär eingegangene ‚Komplizenschaft’ an der dort stattfindenden Konstruktion und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Geschlechterarrangements und der damit verbundenen Unterdrückungsmechanismen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Soldat-Sein heißt männlich sein&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Aktuelle Untersuchungen, die subjektive Erfahrungen israelischer Soldatinnen während ihres Militärdienstes berücksichtigen, bestätigen in der Tat die ungeachtet der innerhalb der IDF vonstatten gehenden vermeintlichen Gender-Reform anhaltende unterschiedliche Bewertung der männlichen und weiblichen Rolle für die Verteidigung der israelischen Nation. Dass sich auch in Israel der Militärdienst weiterhin als ‚rite-de-passage’ zur Männlichkeit erweist, zeigt sich in negativer Konsequenz insbesondere an der unter Soldatinnen in jenen bislang Männern vorbehaltenen kampfbezogenen Positionen ausgeprägten androzentrischen bzw. misogynen Haltung. Derartige abwertende Einstellungen anderen weiblichen Soldatinnen gegenüber erweisen sich als Konsequenz des Bemühens, dem mit diesen Positionen assoziierten Männlichkeitsideal so gut wie möglich zu entsprechen. Dies bedeutet zugleich, sich von jeglichen tradierten Vorstellungen von Weiblichkeit zu distanzieren.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Wed, 20 Jan 2010 13:50:21 +0000</pubDate>
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