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 <title>arranca! - Landwirtschaft</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/139/0</link>
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 <title>Steigende Meere, sinkende Erträge</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/38/steigende-meere-sinkende-ertraege</link>
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                    &lt;p&gt;Der Klimawandel beherrscht die öffentliche Debatte: Schmelzende Gletscher, heimatlose Eisbären, der Beitrag des Menschen zur Veränderung der globalen Lebensgrundlage. Eine drastische Konsequenz der globalen Erwärmung bleibt jedoch in vielen politischen Kommentaren unterbelichtet: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen in Entwicklungsländern.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Der Klimawandel beherrscht die öffentliche Debatte: Schmelzende Gletscher, heimatlose Eisbären, der Beitrag des Menschen zur Veränderung der globalen Lebensgrundlage. Eine drastische Konsequenz der globalen Erwärmung bleibt jedoch in vielen politischen Kommentaren unterbelichtet: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen in Entwicklungsländern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 28. März 2008 gab der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen bekannt, dass die Folgen der Erderwärmung das Recht auf Leben in Küstenregionen, kleinen Inselstaaten und anderen Regionen gefährden. Diese Einschätzung beruht auf Untersuchungen des &lt;em&gt;International Panel on Climate Change (&lt;/em&gt;IPCC), besser bekannt unter dem Namen Weltklimarat. Demnach werden die Ernten der vom Regen abhängigen Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 um bis zu 50 Prozent sinken. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN sind 95 Prozent der Landwirtschaft in Afrika vom Regen abhängig. Es wird klar: Millionen Menschen droht infolge des Klimawandels der Verlust ihrer Ernährungsgrundlage. Das erste UN-Milleniumsziel, die Halbierung des Anteils der Hungernden in der Welt bis 2015, ist nicht zu erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Halbierung des Hungers wäre schon ohne den Klimawandel ein ehrgeiziges Ziel. Sinkende landwirtschaftliche Produktion, eine Zunahme von klimaabhängigen Naturkatastrophen (Wirbelstürme, Überschwemmungen) und Veränderungen beim Anbau der Nahrungsmittel (Beginn, Dauer, Häufigkeit) werden das Nahrungsangebot verringern und damit die weitere Verbreitung chronischen Hungers nach sich ziehen. Eine weitere Folge des Klimawandels: Aufgrund des steigenden Anteils von Kohlenstoff in der Luft wachsen Pflanzen zwar schneller, sind aber weniger proteinreich, so dass der Nährwert sinkt. Soziale Folgen von Nahrungsmittelknappheit nehmen bereits heute zu. In Ägypten, Senegal, Indonesien und vielen anderen Ländern kommt es zu Unruhen, da sich die arme Mehrheit der Bevölkerung ihr Essen nicht mehr leisten kann. Kasachstan hat ein Exportverbot auf Weizen erlassen, damit im Inland das Brot nicht knapp wird, Vietnam verbietet den Export von Reis, Liberia hat generell den Export von Nahrungsmitteln untersagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund mangelhafter sozioökonomischer Infrastruktur und ihrer geographischen Lage sind Länder wie Mosambik und Bangladesh in besonderer Weise betroffen. Die Böden sind meist nur in der Nähe der Küste oder von Flüssen fruchtbar, deshalb wohnt dort ein Großteil der Bevölkerung. In Mosambik sind circa 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft abhängig. Diese Menschen leben zum größten Teil in Subsistenz, das heißt, sie können gerade genug Lebensmittel anbauen, um sich selbst und ihre Familien zu ernähren. Und auch dafür reicht es nicht, wenn zu viel oder zu wenig Regen die Ernte beeinträchtigt. In Regionen wie dieser sind die Folgen des Klimawandels besonders zu spüren: Durch den Anstieg des Meeresspiegels könnten zukünftig einige der fruchtbarsten Gebiete in Küstennähe wiederholt oder sogar dauerhaft überschwemmt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewohner der Küste am Golf von Bengalen in Bangladesh leiden bereits heute unter Überschwemmungen, wenn Wirbelstürme wie SIDR im November 2007 Wasser aus dem Meer auf das Land tragen. Eine der wahrscheinlichsten Folgen des Klimawandels, die Zunahme von Unwettern und Stürmen weltweit, hat hier besonders drastische Auswirkungen. Studien der &lt;em&gt;Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung&lt;/em&gt; (OECD) aus dem Jahr 2003 führen aus, dass der Anstieg des Meeresspiegels auch den Salzgehalt im Boden ansteigen lässt. Zehntausende Hektar Ackerland würden unbrauchbar. Nachdem SIDR mit den Sunderbarns den besten Schutzschild der Küstenbewohner Bangladeshs weitgehend zerstört hat, sickert jetzt immer mehr Salzwasser in diesen ehemals größten Mangrovenwald der Welt und die dahinter liegenden Reisfelder ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem schädigen Unwetter, Überschwemmungen und steigende Meeresspiegel die Infrastruktur. In Mosambik ist besonders die Umgebung der Hafenstadt Beira gefährdet. Beira liegt sehr tief und hat bereits jetzt mit klimabedingten Schäden zu kämpfen. Dies betrifft auch die im Inneren des Kontinents gelegenen Länder: Diese zweitgrößte Stadt Mosambiks ist der wichtigste Seehafen auch für Simbabwe und Malawi und einer der Hauptumschlagplätze für Nahrungsmittelimporte und -exporte an der afrikanischen Küste des Indischen Ozeans.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Südasien und dem südlichen Afrika werden Regenfälle seltener, was die Böden im Landesinneren austrocknet. Dürren treten daher immer häufiger auf. Fällt dann aber plötzlich viel Regen, können die Böden die Feuchtigkeit nicht schnell genug aufnehmen. Dann überschwemmen die großen Flüsse (Ganges, Brahmaputra und Meghna in Bangladesch, Sambesi in Mosambik) weite Regionen. Dabei wird gleichzeitig die oberste und fruchtbarste Schicht des Bodens abgetragen, wodurch sich die Qualität des Ackerlandes stetig verschlechtert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Sambesi-Hochwasser in der vergangenen Regenzeit zwang Tausende Menschen zur Flucht, Hunderttausende verloren ihre Lebensgrundlage. Dieses Mal lief die Überschwemmung noch vergleichsweise glimpflich ab, da Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm der UN ausreichende Mittel erhielten, um die notleidende Bevölkerung zu unterstützen. Doch wie lange wird das Geld reichen, wenn der Bedarf steigt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben dem Bedarf werden auch die Preise für Nahrungsmittel weiter anziehen. Der Preis von Reis hat in Bangladesh allein im Jahr 2007 um 70 Prozent zugelegt. Hilfsorganisationen müssen bereits heute ihre Zahlen nahezu monatlich anpassen, da sie mit gleichbleibenden Mitteln immer weniger Menschen in Not erreichen können. Ein Grund für die steigenden Preise ist die wachsende Nachfrage nach Getreide als Nahrungsmittel und für die Fleischproduktion. Deshalb müssen bedürftige Menschen auf billigere, nährstoffarme Nahrung ausweichen oder schlicht die Zahl der Mahlzeiten reduzieren. Das betrifft auch viele Bauern: Geschätzte zwei Drittel aller Bauern in Entwicklungsländern müssen Nahrungsmittel zukaufen, da sie nicht genügend Erträge für sich und ihre Familien produzieren können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wandel des Klimas stellt also vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Weltbevölkerung für die Nahrungsmittelsicherheit ein großes Problem dar. Hier müssen wichtige Aufgaben angegangen werden: Erstens muss sich die landwirtschaftliche Produktion in Regionen verlagern, in denen Nahrungsmittel dauerhaft und zuverlässig angebaut werden können. Bestehende Anbaugebiete müssen mit deutlich verbesserten, ökologisch verträglichen Bewässerungssystemen ausgestattet werden, andere Gebiete müssen besser vor Überschwemmungen geschützt werden. Zweitens muss die Verteilung der Nahrungsmittel viel besser organisiert werden. Wenn dauerhaft Millionen von Subsistenzbauern in Lateinamerika, Afrika und Asien aufgrund ausbleibender Regenfälle und fortschreitender Bodendegradation ihre Lebensgrundlage verlieren, wird humanitäre Hilfe alleine kaum gegen die zu erwartende Not ankommen. Hinzu kommen die Bewohner städtischer Gebiete, die sich ihr Essen aufgrund steigender Preise nicht mehr leisten können. Da Länder wie Bangladesh oder Mosambik bereits heute große Probleme mit der Ernährung, der Bildung und der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung haben, stellt sie der Klimawandel vor nahezu unlösbare Aufgaben.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/ernaehrung">Ernährung</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/klima">Klima</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/landwirtschaft">Landwirtschaft</category>
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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:52 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Tobias Bauer</dc:creator>
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 <title>Niemand steht außen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/38/niemand-steht-aussen</link>
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                    &lt;p&gt;Treibstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen haben in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Boom erlebt. Die weltweite Ethanol-Produktion wurde zwischen 2000 und 2005 mehr als verdoppelt; die Herstellung von Biodiesel im globalen Maßstab sogar vervierfacht. Die politischen Rahmenbedingungen dafür haben nicht zuletzt die EU und die USA auf den Weg gebracht.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias (gute Familienväter) den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“&lt;br /&gt;Karl Marx&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Treibstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen haben in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Boom erlebt. Die weltweite Ethanol-Produktion wurde zwischen 2000 und 2005 mehr als verdoppelt; die Herstellung von Biodiesel im globalen Maßstab sogar vervierfacht. Die politischen Rahmenbedingungen dafür haben nicht zuletzt die EU und die USA auf den Weg gebracht. So haben die USA die ehrgeizige Zielmarke von 15 Prozent Beimischquote für Agrotreibstoffe bis 2017 ausgegeben. Die steigenden Energiekosten und der dynamische Markt für Rohölpreise tragen ihren Teil dazu bei, dass die Energiegewinnung aus pflanzlichen Rohstoffen laut UN das landwirtschaftliche Segment ist, das auf dem Weltagrarmarkt die höchsten Zuwachsraten der letzten Jahre aufweist. Darüber hinaus wird der Pflanzensprit als saubere Alternative gepriesen, die den Ausstoß schädlicher Klimagase beträchtlich verringere und zur Erfüllung der Ziele des Kyoto-Protokolls beitrage. Agrotreibstoffe sind also kein Projekt einer neuen Ökologiebewegung, sondern ein industriepolitisches Programm einer politischen und ökonomischen Elite in den Industrie- und aufsteigenden Schwellenländern.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Mogelpackung Agrosprit&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Studien zu Energiebilanz sowie ökologischen Langzeitfolgen der Agrotreibstoffe zeigen, dass die angebliche Alternative unter momentanen Produktionsbedingungen keinen Beitrag zur Verringerung des Schadstoffausstoßes oder zur Reduktion von Treibhausgasen leistet. Der Löwenanteil der Energie, die für die Herstellung des Agrosprits benötigt wird, fällt während der landwirtschaftlichen Biomasseerzeugung und der Umwandlung der Pflanzenbestandteile in Treibstoff an. Der Boden wird mit schweren Maschinen bearbeitet, unter intensivem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, deren Bereitstellung selbst wieder Energie kostet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Industrielle Landwirtschaft auf großflächigen Monokulturen ist energieaufwendig. Zudem wird die Agroindustrie von einem transnational agierenden Komplex aus Chemie-, Automobil-, Gentech- und Ölkonzernen dominiert. Das in Freiberg (Sachsen) ansässige Unternehmen Choren Industries beispielsweise forscht an neuen Verfahren zur Gewinnung von synthetischem Agrotreibstoff aus Restholz. Die Unternehmensvision, die „Sonne in den Tank zu holen“, hat anscheinend Wirkung gezeigt: Die Konzerne Shell, Daimler und Volkswagen haben bereits Interesse bekundet und gehören zu den Kooperationspartnern der Sachsen. Dieselben Konzerne haben an der energetischen Ressourcenverschwendung und den Treibhausgasemissionen einen wesentlichen Anteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Menge an Prozessenergie bei der Umwandlung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Treibstoff schwankt je nach Pflanzenart, Treibstoffoption (Ethanol, Gas oder Diesel) und Produktionsmethode. Insgesamt schätzt selbst der Direktor für Handel und Landwirtschaft der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit OECD, Stefan Tangermann, den Energiegewinn durch Biomassenutzung als relativ gering ein. Er erklärte, dass „unterm Strich in Europa oft rund 80 Prozent der gewonnenen Bioenergie vorher in Form fossiler Energie investiert werden“. &lt;br /&gt;Und das ist noch eine recht positive Kalkulation! Sie verkehrt sich in eine negative Bilanz, sobald dynamische Zusammenhänge zwischen der gesellschaftlichen Form der Aneignung von Natur und den natürlichen Produktionsbedingungen in die Betrachtung einbezogen werden. Chemische und technische Hilfsmittel steigern die Produktivität in der Landwirtschaft enorm, mindern aber die Bodenqualität, was langfristig niedrigere Erträge verursacht. Dem wirken die Landwirte wiederum durch einen noch intensiveren Chemikalieneinsatz entgegen – ein Teufelskreis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Darüber hinaus werden die ökologischen Gefahren auf die Länder des Südens abgewälzt. Denn die steigende Nachfrage nach Energiepflanzen bedingt auf Dauer eine Expansion an Nutzflächen. Je weiter die Preise steigen, desto mehr vormals funktionierende und für das Weltklima enorm bedeutende Ökosysteme werden urbar gemacht. Schon weil die Biosprit-Quoten der EU und der USA nicht allein mit dem existierenden Flächenpotenzial der Industrieländer erfüllt werden können, kommen die Länder des Südens ins Spiel. Sie verfügen über beträchtliche Nutzflächen und können Agrotreibstoffe insgesamt billiger produzieren. Immer intensivere Bodennutzung und die Abholzung von Regenwäldern sind in Ländern wie Kolumbien, Indonesien, Malaysia, Argentinien oder Brasilien bereits Realität. Allein deshalb verursacht die Agrotreibstoffproduktion mehr Klimagase als sie einspart. Regenwälder zählen wegen ihrer hohen Feuchtigkeit und ihrer Jahrtausende alten Humus- oder Torfschicht zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. Indem der Boden entwässert und durch Brände ausgetrocknet wird, werden derart große Mengen an Kohlenstoffdioxid freigesetzt, dass es Jahrzehnte brauchen würde, um diese durch die Nutzung von Agrosprit zu amortisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Anreiz für die Entwicklungs- und Schwellenländer werden die alten Versprechen der Modernisierungstheoretiker hervorgeholt: Stabile Exporteinnahmen und der Transfer moderner Technologien, wirtschaftliche Entwicklung und neue Arbeitsplätze würden den Lebensstandard dort anheben. Tatsächlich werden klassische Dependenzverhältnisse verfestigt. Die Entwicklungsländer bleiben von einigen wenigen landwirtschaftlichen Exportprodukten abhängig und können die eigene Ernährung auch künftig kaum sicherstellen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Sprit statt Tortillas&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die starke Nachfrage nach Energiepflanzen, die teilweise als Nahrungsmittel dienen, führt außerdem zu einer Verknappung wertvoller Güter und treibt die Weltmarktpreise für Agrotreibstoffe wie für Nahrungsmittel in die Höhe. Am Beispiel von Brasilien zeigt sich, wie stark die Preise für Zucker und für Ethanol aneinander gekoppelt sind. Genauso machte die Tortillakrise in Mexiko deutlich, dass sich die Weltmarktpreise für Mais unmittelbar auf die Märkte in Mexiko niederschlagen. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sind von steigenden Lebensmittelpreisen besonders betroffen, weil die ärmere Bevölkerung einen Großteil ihrer Haushaltsausgaben für Nahrung aufwendet. So verschärft die Agrotreibstoffproduktion, die primär auf die Energieversorgung der Industrieländer abzielt, die prekäre Ernährungssituation der armen Weltbevölkerung zusätzlich.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Brasilien: Kleinbäuerliche Agrosprit-Produktion als Ausweg?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;So weit, so schlecht. Aber könnte nicht eine kleinbäuerliche und nachhaltig produzierende Landwirtschaft, die sich dem agroökologischen Ansatz verpflichtet fühlt und einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität leistet, eine Alternative zu den verheerenden Konsequenzen des Agrobusiness darstellen? In Brasilien versucht die Siegelinitiative für Biodiesel seit 2005, Kleinbauern in die Produktion von Biodiesel einzubinden. Den Abnehmerfirmen des Pflanzenöls werden entsprechende Vergünstigungen garantiert, damit die Zusammenarbeit mit kleinbäuerlichen Strukturen attraktiver wird. Das Projekt zeigt, dass Ölpflanzen wie Rizinus durchaus mit Nahrungsmittelpflanzen (zum Beispiel Bohnen) kombiniert werden können und in aufeinander abgestimmten Mischkulturen gedeihen. Die brasilianischen Landarbeitergewerkschaften Contag und Fetraf begrüßen die Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen und können sich eine Zusammenarbeit mit der Regierung und dem staatlichen Ölkonzern Petrobras durchaus vorstellen. Und auch das Kleinbauernnetzwerk Via Campesina, das ansonsten der agroindustriellen Exportlandwirtschaft den Kampf ansagt, gibt sich gesprächsbereit. Doch derartige Produktionsketten allein können den riesigen Bedarf an Rohstoffen für Agrosprit nicht decken. Denn die durch die Industrieländer angeheizte Nachfrage bedingt eben auch die industrialisierte und chemisierte Agrarwirtschaft von Großproduzenten. Eine Produktion von Biosprit, der diesen Namen verdient, könnte deshalb zwar einen gewissen Anteil des lokal gebundenen Energiebedarfs decken und zur lokalen Wertschöpfung beitragen, aber wohl kaum die Industrie­länder mit bedienen. Insofern macht die Energieoption bei gleichzeitiger Nahrungsmittelsicherheit nur dort Sinn, wo eine Durchkapitalisierung der Landwirtschaft noch nicht eingesetzt hat.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Es geht ums Ganze&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Eine Romantisierung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft bietet keinen Ausweg. Stattdessen bleibt die Frage zu beantworten: Was ist ein angemessener Umgang mit der Natur, der den größtmöglichen Lebensstandard für alle auf dem Stand momentaner Produktivität gestattet? Eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsweise unter gegebenen Produktionsverhältnissen würde weder die Expansionskräfte noch das Streben nach Profit begrenzen und damit die bestehenden Probleme fortschreiben. Hier setzt eine radikale Kapitalismuskritik an, welche die Klimakatastrophe unmittelbar auf ein gestörtes Mensch-Natur-Verhältnis bezieht. Christoph Görg hat die „höchst selektive Bearbeitung ökologischer Probleme“ unter den Bedingungen kapitalistischer Vergesellschaftung untersucht. Wenn er von Ökologie und Naturschutz spricht, meint er nicht nur die Natur an sich, sondern die Gesellschaft in ihrer konkreten historischen Gestalt und ihrem Verhältnis zur Natur. Er kommt zu dem Schluss: Mit einer vernünftig angelegten Gesellschaft hat die existierende gesellschaftliche Praxis nichts gemein. Das herrschende Produktionsmodell unterwirft Mensch und Natur den Wertverhältnissen der Kapitalakkumulation. Den Menschen tritt es als ein selbstständiger Prozess entgegen, der von ihnen nicht mehr durchschaut wird. Dieses Naturverhältnis befreit zwar den Menschen von den Zwängen der Natur, leugnet aber zugleich dessen Vermitteltheit als natürliches Wesen. Die Naturaneignung unter kapitalistischen Bedingungen wird mit der Entfremdung des Menschen von der Natur erkauft. Die Menschen glauben, sie stünden außerhalb der Natur und damit außerhalb der ökologischen Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sind diese Zusammenhänge durchschaut, kommt die Kritik an den Konsequenzen der Agrotreibstoffproduktion nicht mehr ohne eine Kritik an der gesellschaftlichen Form der Naturaneignung aus. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, im Dialog mit fortschrittlichen Kräften aus Nord und Süd ein alternatives Projekt zu entwerfen, das ganz anders ist als die existierende destruktive Gesellschaftsformation. Das Forum Widerstand gegen das Agrobusiness aus Argentinien formuliert es so: „Die Zentralität der Energiekrise für den Kapitalakkumulationsprozess vermag eine weltweite Debatte über andere Produktionsweisen des Lebens im Rahmen eines radikal anderen Projekts in Gang zu setzen.“&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <category domain="https://arranca.org/tag/brasilien">Brasilien</category>
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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:51 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Andreas Hetzer</dc:creator>
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 <title>Deutsche Küche</title>
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                    &lt;p&gt;Der Grund waren nicht die Hungeraufstände in Tahiti und nicht der für Geringverdienende schmerzhafte Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland. Es war weder die zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen, noch dass deutlich wurde, wie mit „Bio“-Ethanol der Regenwald samt Orang-Utan in den Tank gespritzt wird. Nein, allein an der Sorge des ADAC um drei Millionen gefährdete Autos scheiterte das Gesetz zur Beimischungspflicht für Agrosprit in Deutschland. Der politische Wille, die weltweite Ernährungslage zu verbessern, ist weiterhin nicht in Sicht, obwohl die Notwendigkeit immer erdrückender wird. Laut Weltbank können inzwischen in über 30 Staaten die Ärmsten kein Geld mehr für Nahrung aufbringen.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Der Grund waren nicht die Hungeraufstände in Tahiti und nicht der für Geringverdienende schmerzhafte Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland. Es war weder die zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen, noch dass deutlich wurde, wie mit „Bio“-Ethanol der Regenwald samt Orang-Utan in den Tank gespritzt wird. Nein, allein an der Sorge des ADAC um drei Millionen gefährdete Autos scheiterte das Gesetz zur Beimischungspflicht für Agrosprit in Deutschland. Der politische Wille, die weltweite Ernährungslage zu verbessern, ist weiterhin nicht in Sicht, obwohl die Notwendigkeit immer erdrückender wird. Laut Weltbank können inzwischen in über 30 Staaten die Ärmsten kein Geld mehr für Nahrung aufbringen. Und das dicke Ende kommt noch: Das landwirtschaftliche System zur Befriedigung der Ernährungsgewohnheiten der Industrieländer zehrt an der Substanz unseres Planeten in einer Totalität, die fortschreitend die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört. Dabei böte der Ernährungssektor ein großes Potenzial, Umweltprobleme zu tragbaren Kosten zu lösen.Zu den wenig sinnvollen Lösungsvorschlägen zählt die Forderung, die landwirtschaftliche Produktion weiter auszudehnen. Bereits jetzt besteht über ein Viertel der Landmasse der Erde aus Viehweiden, etwa ein Drittel aller globalen Anbauflächen sind Futterpflanzen vorbehalten. Nutzvieh besetzt damit Flächen, auf denen einst wild lebende Arten existierten. So hinterlässt insbesondere der hohe Stellenwert, den Fleisch und Tierprodukte auf unserer Speisekarte haben, einen riesigen ökologischen Fuß­ab­druck. Laut Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist Tier­haltung der Hauptgrund für die drängendsten Umwelt­probleme: Klimawandel, fortschreitender Verlust fruchtbaren Landes, Luft- und Wasserverschmutzung, Verlust der Artenvielfalt.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Lachgas und Melkjahre&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Da mensch beim Sparen von Energie vermutlich zuerst an die elektrische denkt, bleibt Ernährung bisher als wesentlicher Faktor in der Klimadebatte ebenso außen vor wie die ökologischen Auswirkungen unserer Essgewohnheiten in der Ernährungsdiskussion. In Deutschland verursacht dieses Bedürfnisfeld 20 Prozent des Gesamtenergie­verbrauchs. Weltweit gehen laut Greenpeace mehr Treibhausgasemissionen auf das Konto der Ernährung als durch den Transportsektor entstehen. Die Menschen holzen Wälder ab, legen Moorgebiete trocken, wandeln Grün- in Ackerland um und zerstören damit natürliche Kohlenstoffsenken, was das Klima weiter belastet.&lt;br /&gt;Die Herstellung von Tierprodukten ist deutlich energieaufwendiger als die Erzeugung von Obst und Gemüse, denn die Umsetzung pflanzlicher Futtermittel ist sehr ineffizient. Durch sogenannte „Veredelungsverluste“ gehen zwischen 65 und 90 Prozent der im Futter enthaltenen Nahrungsenergie verloren. Besonders hohe CO2-Emissionen verursachen Futtermittel, für deren Anbau sehr energieintensiv hergestellte, mineralische Düngemittel eingesetzt werden. Daneben entweichen in der Landwirtschaft Methan und Lachgas in die Luft. Das klingt lustig, ist aber zwanzig bis dreihundert Mal klimaschädlicher als CO2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tatsächlich ist der Konsum von Milchprodukten in Deutschland gefährlicher für das Klima als der von Fleisch. Allgemein gilt: Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet wird, desto mehr belastet es das Klima. Käse, Sahne oder Wurst sind also klimaschädlicher als Milch, Eier und rohes Fleisch. Angesichts der Hungersituation auf der Welt bedeutet es eine verantwortungslose Verschwendung von Ressourcen, Futtermittel für Kühe zu importieren, die landwirtschaftlich nur zwei Jahre lang genutzt, das heißt gemolken werden können.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Zwischen Saumagen und Daimler – jetzt wird’s eng!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Festhalten lässt sich, dass es auf die Energieeffizienz ankommt: Der Tofubratling verhält sich zum Schnitzel wie die Energiesparlampe zur konventionellen Glühbirne. 40 Prozent der in Deutschland pro Kopf und Tag verzehrten Kalorien stammen jedoch aus tierischen Lebensmitteln – in Südeuropa sind es (noch) weniger als ein Viertel. Und der Fleischhunger wird immer größer: Der Verzehr in Deutschland stieg im letzten Jahr von 86,5 auf 88 kg pro Person und Jahr an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit steigenden Ölpreisen wird die Produktion von Treibstoffen aus Zuckerrohr, Soja, Mais oder Weizen immer lukrativer – und damit die Anbaufläche für Nahrungsmittel immer kleiner. Dieses Konkurrenzverhältnis führt dazu, dass die Nahrungsmittelpreise steigen. Davon sind besonders die Menschen in armen Ländern betroffen. Laut FAO leben 80 Prozent von ihnen in ländlichen Gebieten, größtenteils als Kleinbauern und -bäuerinnen. Sie tragen mit zunehmender Ernährungsunsicherheit, Pestizidvergiftungen und massenhaftem Arbeitsplatzverlust die sozialen und ökologischen Kosten unserer industrialisierten Landwirtschaft. Denn obwohl in den letzten zwanzig Jahren der Einsatz von chemischen Mitteln gestiegen ist, nimmt die Getreideproduktion immer weiter ab. Ein Paradoxon: Es gäbe zwar genügend Nahrung für alle, aber 850 Millionen Menschen hungern. Der &lt;em&gt;Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland &lt;/em&gt;(BUND) fordert deshalb einen Importstopp für Ethanol und Agrodiesel, stärkere Investitionen in den öffentlichen Verkehr und sparsamere Fahrzeuge. Zusätzlich muss der Viehbestand in Europa um ein Viertel reduziert werden, um die Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen zu entschärfen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ökolandbau auf dem Boden der Tatsachen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Ökolandbau könnte tatsächlich eine nachhaltige Entwicklung auf den Weg bringen. Zum einen können ökologisch bewirtete Böden doppelt soviel Kohlenstoff speichern wie konventionell bewirtschaftete. Mit einer vollständigen, weltweiten Umstellung könnte die in den vergangenen Jahrzehnten freigesetzte Menge an CO2 binnen 30 Jahren wieder gebunden werden. Zum anderen entstehen durch den Verzicht auf synthetische Dünger viel weniger Klimagase. Mit maximal einem Viertel tierischer Kalorien im Nahrungsmittelkonsum wäre laut BUND die Agrarwende in Deutschland zu schaffen. Auch in globalem Maßstab ist dies der FAO zu Folge möglich: Es könnten 2.640 bis 4.380 kcal pro Mensch und Tag erzeugt werden – ohne die Nutzung von Brachflächen, Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik. Da weltweit bei der Umstellung auf Ökolandbau Ertragssteigerungen zu beobachten sind, könnte außerdem die Unabhängigkeit der BäuerInnen von externen Betriebsmitteln gestärkt, könnten Wasser und Boden geschont werden. Denn ökologisch bewirtschaftete Böden haben eine höhere Wasserhaltekapazität und sind weniger anfällig für Trockenheit, Überschwem­mungen und Erosion.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Individueller Konsum: großer Teil des Problems, kleiner Teil der Lösung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wer aus ökologischen Gründen Fleisch und anderen Tierprodukten zumindest größtenteils entsagt und lieber Bio sowie saisonale Produkte aus der Region konsumiert, schont Ressourcen und Klima. Bisher subventionieren die Menschen in ärmeren Ländern unsere günstigen Supermarkteinkäufe und den Döner zum Dumping-Preis. Während wir auf dem Kassenzettel nur die Spitze des Eisbergs der wirklichen Kosten sehen, zahlen andere den Löwenanteil der Lidl-Erdbeere aus Übersee, die wir ganzjährig preisgünstig vernaschen möchten. Radikale Veränderungen bedeuten auch, sich den Fleischkonsum in der derzeitigen Form nicht mehr leisten zu können. Qualitativ hochwertige Tierprodukte, umwelt- und sozialgerecht produziert, können wohl kaum zu dem Preis angeboten werden, zu dem ihr Massenersatz heute verschleudert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Formel „Gut leben statt viel haben“ bringt auf den Punkt, was für alle Konsumbereiche sinnfällig ist. Tatsächlich entdecken immer mehr Menschen einen nachhaltigen Lebensstil als persönliche Entwicklungsaufgabe für sich. Dieser Suffizienz­hedonis­mus mag den unauflöslich geglaubten Wider­spruch von Spaßgesellschaft und Verteilungs­gerechtigkeit versöhnen. Nur hilft die radikalste Selbstbeschränkung und edelste (Ablass-)Zahlungsbereitschaft Einzelner wenig, so lange die öffentliche Auseinander­setzung über unsere Ernährung und ihre Folgen fehlt. Über eine Revolution der Esskultur in Deutschland hinaus ist eine Energie- und Agrarwende gefordert, die als gesamt­gesellschaftlicher Umbau alternative Lebensweisen für alle möglich macht und nicht nur für die, die sich ein Leben in einer grünen Blase leisten können. &lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:51 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Christian Noll</dc:creator>
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