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 <title>arranca! - Lernen</title>
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 <title>Lärnen leicht gemacht? </title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/1/laernen-leicht-gemacht</link>
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                    &lt;p&gt;Gibt es Verstärker oder umgekehrt Bedingungen, die ein Lernen fast unmöglich machen? Wenn ja , können wir diese beeinflussen oder stoßen wir zwangsläufig und automatisch auf unsere „natürlichen Grenzen&quot;? Solche Fragen stellte ich mir zu Beginn: Nach dem Einarbei-ten in das Thema ergaben sich jedoch zwei Schwierigkeiten:&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;lob des lernens&lt;/h4&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;lerne das einfachste! Für die deren zeit gekommen ist ist es nie zu spät! lerne das abc, es genügt nicht, aber lerne es! laß es dich nicht verdrießen! fang an! du mußt alles wissen! du mußt die führung übernehmen!&lt;br /&gt;lerne, mann im asyl! lerne, mann im gefängnis! lerne, frau in der küche! lerne, sechzigjährige! du mußt die führung übernehmen.&lt;br /&gt;suche die schule auf, obdachloser! verschaffe dir wissen, frierender! hungriger, greif nach dem buch: es ist eine waffe. du mußt die Führung übernehmen.&lt;br /&gt;scheue dich nicht zu fragen, genosse! laß dir nichts einreden, sieh selber nach! was du nicht selber weißt, weißt du nicht. prüfe die rechnung du mußt sie bezahlen. lege den finger auf jeden posten frage: wie kommt er hierher? du mußt die führung übernehmen.&lt;br /&gt;was hilft zweifeln können dem, der sich nicht entschließen kann! falsch mag handeln, der sich mit zu wenigen gründen begnügt, aber untätig bleibt in der gefahr, der zu viele braucht.&lt;br /&gt;der, der du ein führer bist, vergiß nicht, daß du es bist, weil du an führern gezweifelt hast! so gestatte den geführten zu zweifeln.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;b.brecht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;em&gt;Gibt es Verstärker oder umgekehrt Bedingungen, die ein Lernen fast unmöglich machen? Wenn ja , können wir diese beeinflussen oder stoßen wir zwangsläufig und automatisch auf unsere „natürlichen Grenzen&quot;? Solche Fragen stellte ich mir zu Beginn: Nach dem Einarbeiten in das Thema ergaben sich jedoch zwei Schwierigkeiten:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Streng naturwissenschaftliche Experimente und Messungen vermögen bis jetzt maximal einzelne Sinneseindrücke wie Sehen, Hören ,Tasten oder Riechen von ihrer Reizentstehung über Aufnahme, Weiterleitung, Verschaltung und eventuell Speicherung zu erklären. Ein Beispiel hierfür soll versuchen aufzuzeigen, was genau beim Lesen dieser Zeilen im menschlichen Kopf passiert.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einen komplexen Vorgang wie Lernen zu versuchen physiologisch aufzuschlüsseln erweist sich jedoch schlichtweg als unmöglich: sind doch beim Lernen verschiedene Sinneseindrücke stets gekoppelt mit unterschiedlichen Erfahrungen und Vorlieben , das ganze dann noch in einer spezifischen Situation.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Um Mißverständnisse zu vermeiden, möchte ich das Wort „Lernen“ noch etwas genauer erklären, besser gesagt einschränken:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;education sentimental, also die Erziehung oder das Lernen von sozialem Verhalten wie zum Beispiel die Bereitschaft zur Solidarität oder vielleicht auch nur zu einem hohen Grad an gegenseitigem Vertrauen oder Offenheit, aber auch erlernte Verhaltensweisen wie Wut oder Trauer und die Projektion dieser Gefühle in Gegenstände oder Personen sind zum allergrößten Teil erlernte Verhaltensweisen - allerdings in einer viel komplexeren Art und Weise.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Wort „Lernen“ möchte ich in diesem Artikel vor allem auf die Aneignung von Wissen solcherart verstehen, wie zum Beispiel das (bloße?) Erlernen von Fakten, Zahlen oder Vokabeln ..., gleich ob jetzt aus einem Buch, in einem Seminar oder aus einem Film. Die kritische Auseinandersetzung mit einigen Tips hierzu soll den zweiten Teil dieses Artikels bilden.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;Laut verschiedener medizinischer Bücher nehmen wir 1.000.000.000 unterschiedliche Informationen pro Sekunde aus der Umwelt auf - egal ob als Licht Schall, Berührungen oder Gerüche. Nur etwa l00 davon erleben wir allerdings bewußt. Gleichzeitig geben wir rund 1.000.000 Informationen pro Sekunde an unsere Umgebung ab, als Worte, Mimik, Bewegungen, Körperhaltungen, Temperatur...&lt;br /&gt;Das Grundmuster von Wahrnehmung ist für alle Sinne gleich: Ein Reiz wird aufgenommen, in kleine elektrische Ströme umgewandelt und so zum Gehirn zur Verarbeitung geschickt. Die Lichtwellen dieser Buchstaben gehen also folgenden Weg: Zuerst werden sie durch die Hornhaut und die Linse gebrochen (die Linse macht hierbei nur rund ein Fünftel der Brechkraft aus. Dadurch daß die Linse ihre Form verändern kann können wir sowohl das Buch vor uns, als auch den Wald im Hintergrund scharf sehen). Nach dem Durchtritt durch die Pupille, das Sehloch, erreichen die Quanten (kleinste Energieeinheiten des Lichts) die Netzhaut - nur ein einziges Lichtquant vermag die Schleusen für verschiedene Ionen (geladene Stoffe wie sie in Salzen vorkommen) zu beeinflussen - ein elektrischer Strom beginnt zu fließen. Im Unterschied zum skotopischen (Dunkelheits)-Sehen vermag das Auge beim photopischen (Farb-) Sehen unterschiedliche Mengen Sehfarbstoff zu bilden und die Zellen variiert zu verschalten und zu hemmen, um auf so unterschiedliche Reize wie das Betrachten des Sternenhimmels oder das Blinzeln in die gleißende Sonne adäquat zu verarbeiten. Diese nur einige Minivolt betragenden Ströme werden dann in regelrechten Kabeln, den Nerven, weitergeleitet. Dicke Fettschichten, die Myelinhüllen, isolieren diese. So kann der Strom mit einer Geschwindigkeit von bis zu 110 Metern pro Sekunde, das sind knapp. 400 Kilometer pro Stunde(!), fließen - schnell genug, damit wir zum Beispiel blitzschnell die Hand von der heißen Herdplatte ziehen können oder, um beim Auge zu bleiben, eine Tasse schon greifen bevor sie aus dem Schrank auf den Boden gefallen ist. Bei etwa 500.000 Kilometer verlegten Nerven pro Mensch ist leicht vorstellbar, daß eine genaue Verschaltung über Synapsen lebenswichtig ist. &lt;br /&gt;Im Sehzentrum , das im Hinterkopf des Menschen liegt, angekommen, ordnet das Gehirn verschiedenen elektrischen Strömen Farben und Sinnesinhalte zu ein langweilige Lektüre läßt uns gähnen, ein Krimi hingegen läßt das Herz schneller schlagen und die Hände werden feucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die moderne Gehirn-und Gedächtnisforschung unterscheidet grob zwei verschiedene Merkformen: Das (Ultra)-Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. Ersteres speichert wie eine Batterie für Sekunden(Bruchteile) den elektrischen Strom. Kreisen diese Ströme mehrmals und länger, oder werden wiederholt abgerufen, werden Eiweißmoleküle aufgebaut ,die dann manchmal jahrzehntelang irgendwo lagern um so länger sie in der Ecke verstauben, ums länger braucht mensch um sie wiederzufinden oder wir vergessen sie ganz. Diese Eiweißherstellung, die Proteieinsynthese läßt mit zunehmendem Alter oft nach - was gestern geschah wissen alte Menschen oft schwieriger als das vor 20 Jahren Erlebte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;Generell steigt die Anzahl der gespeicherten Informationen mit dem Grad der Wiederholungen, allerdings soll emotional gefärbtes viel einfacher zu behalten sein als sachliches und neutrales - aber darüber streiten die Geister der Lernforschung. Erfahrungsgemäß können wir wahrscheinlich alle sagen, daß ein besonders „schönes“ Erlebnis besser im Gedächtnis bleibt - an etwas unangenehmes erinnern wir uns allerdings nicht so gerne - aber deswegen nicht so oft? Was auf jeden Fall zutrifft ist, daß wenn Erfahrungen aus dem persönlichen Leben mit dem neu zu erlernenden verknüpft werden können - also zum Beispiel bei einenm Ökonomieseminar auch über den Geldfluß im eigenen Geldbeutel reden , besser verstanden und besser behalten werden.&lt;br /&gt;Anatomisch kann mensch das Gehirn unter verschiedenen Gesichtspunkten aufteilen:&lt;br /&gt;Funktionell wird zum Beispiel dem Kleinhirn hauptsächlich die feinmotorische Bewegungskoordination zugeordnet.&lt;br /&gt;Auf das Großhirn läßt sich sowohl motorisch, also für die aktive Bewegung ,als auch sensorisch , also für den Tastsinn ein je nach Wichtigkeit vergrößertes oder verkleinertes Abbild auf den Cortex, die Gehirnrinde, projizieren.&lt;br /&gt;Herausgefunden wurde so etwas sowohl durch Ausfallbilder (nach Unfällen sich ergebende eingeschränkte Leistungen des Gehirns) als auch durch gezielte Versuche.&lt;br /&gt;Entwicklungsgeschichtlich unterscheiden sich sehr junge Gehirnteile wie das Großhirn, das in der Evolution erst jüngst, das heißt erst seit einigen Millionen Jahren solch zentrale Bedeutung erlangt hat, von wesentlich älteren Gehirnregionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;strong&gt;limbische System&lt;/strong&gt; wird gemeinhin für den ältesten Teil des Gehirns gehalten - ist von zentraler Bedeutung. Diesem aus mehreren Teilen bestehenden Zentralkern des Gehirns werden sehr wesentliche Funktionen zugeschrieben: Sowohl eine Art Gefühlszentrum soll es in sich beherbergen, als auch der Ausgangspunkt für Gedanken und Handlungen soll es sein. Nur wenn das Limbische System grünes Licht gibt, ist umgekehrt eine intensivere Speicherung vor allem von Reizen möglich. Also nur, wenn wir uns wohl fühlen, was ganz unterschiedlich erreicht werden kann, können wir erfolgreich lernen. Das bedeutet zum Beispiel auch, daß ein längeres Vorstellen und damit auch Abbau der gegenseitigen „Angst“ zu Beginn eines Seminars erst eine fruchtbare Atmosphäre zum Lernen, sich Austauschen und in Fragestellen schaffen. Mit gutem Willen allein können wir unsere Gefühle nicht austricksen und auf Knopfdruck funktionieren. Und so banal es klingt: Wer wird nicht gerne gelobt, statt das Wort kritisieren immer nur negativ zu sehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;PHPTO LERNEN UNTERSCGIEDLICH&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben wahrscheinlich alle schon gemerkt daß manchmal eine Information aus dem Radio nur so an uns vorbeirauscht. Die gleiche Sache jedoch in der Zeitung gelesen, vielleicht noch mit einer erklärenden Grafik und einem einführenden Text der zusammenfaßt und die wichtigsten Sachen vorbenennt („Skelett vor Detail“) - ohne bewußt daran zu denken wieso - prägen wir uns diese Information schneller und einfacher ein. Es gibt also unterschiedliche Kanäle für Informationen. Je nach Mensch können wir eben besser alleine/mit Freundinnen/in der Badewanne/mit klassischer Musik lernen. Ausprobieren!&lt;br /&gt;Das Buch von F. Vester Denken, Lernen, Vergessen (dtv Verlag) beinhaltet hierzu einen guten Test - leider zu ausführlich um ihn hier abzudrucken.&lt;br /&gt;Verknüpfungen, Assoziationen, Eselsbrücken - wir alle haben eine mehr oder weniger spezielle Mixtur um gut zu lernen. Oft ist sinnvoll viele Kanäle anzusprechen (auf ein Seminar gemünzt heißt das zumindest, wichtige Sachen nicht nur zu erzählen sondern auch anzuschreiben oder anzumalen ...). Überreizen wir jedoch unser Gehirn, überfordern wir es gleichzeitig: Wir schalten ab oder werden gestreßt - nix geht mehr in punkto Lernen.&lt;br /&gt;Asata Shakur fragt sich in einem Interview, warum die Linke glaubt, die Menschheit oft so langweilen zu können. Umgekehrt heißt das auf lernphysiologisch: Gute Vorbereitung und Spaß führen zu einer lernpositiven Jemütslage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;lob der vergeßlichkeit&lt;/h4&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;gut ist die vergeßlichkeit&lt;br /&gt;wie sollte sonst&lt;br /&gt;der sohn von der mutter gehen, die ihn gesäugt hat?&lt;br /&gt; die ihm die kraft seiner glieder verlieh und&lt;br /&gt; die ihn zurückhält, sie zu erproben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;oder wie sollte der schüler den Lehrer verlassen&lt;br /&gt; der ihm wissen verlieh?&lt;br /&gt; wenn das wissen verliehen ist&lt;br /&gt; muß der schüler sich auf den weg machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;in das alte haus&lt;br /&gt; ziehen die neuen bewohner ein.&lt;br /&gt; wenn die, die es gebaut haben noch da wären&lt;br /&gt;wäre das haus zu klein.&lt;br /&gt;der ofen heizt.den hafner&lt;br /&gt;kennt man&#039; nicht mehr.der pflüger erkennt den leib brot nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wie erhöbe sich ohne das vergessen der spurenverwischenden nacht der mensch am morgen? wie sollte der sechsmal zu boden geschlagene&lt;br /&gt;zum siebtenmal aufstehen&lt;br /&gt;umzupflügen den steinigen boden,anzufliegen den gefährlichen himmel?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;die schwäche des gedächtnisses verleiht dem menschen stärke.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;b. brecht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <pubDate>Wed, 29 Sep 2010 10:02:12 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>OstWest</title>
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                    &lt;p&gt;Sechs Menschen setzten sich zusammen, um Erfahrungen über ihre Schulzeit auszutauschen. Das Interesse an diesem Gespräch ergab sich daraus, daß zwei davon die DDR-Schule besucht hatten, die anderen vier das hinter sich hatten, was jetzt in diesem Land alle Kinder und Jugendlichen mehr oder weniger lange vor sich haben. Aus einer erwarteten Differenz der Erlebnisse wurde ein Gespräch, dessen unterschiedliche Erfahrungswelten sich kaum an den unterschiedlichen Bil¬dungssysthemen festmachen lassen, wohl aber an den Gesellschaftssystemen, deren Repräsentan¬ten und Hervorbringungen jene sind.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Sechs Menschen setzten sich zusammen, um Erfahrungen über ihre Schulzeit auszutauschen. Das Interesse an diesem Gespräch ergab sich daraus, daß zwei davon die DDR-Schule besucht hatten, die anderen vier das hinter sich hatten, was jetzt in diesem Land alle Kinder und Jugendlichen mehr oder weniger lange vor sich haben. Aus einer erwarteten Differenz der Erlebnisse wurde ein Gespräch, dessen unterschiedliche Erfahrungswelten sich kaum an den unterschiedlichen Bil­dungssysthemen festmachen lassen, wohl aber an den Gesellschaftssystemen, deren Repräsentan­ten und Hervorbringungen jene sind.&lt;br /&gt;Es geht nicht darum, abzuwägen. Diese Entscheidung haben uns andere abgenommen. Es geht darum, einzuordnen, Erscheinungen auf ihr Wesen zu überprüfen. Und es geht natürlich darum, zu lernen. Sowohl von einem System als auch gegen ein System. Immer aber in der Auseinanderset­zung mit dem zu Bekämpfenden. Anders geht‘s nicht. Wir alle haben unsere Erfahrungen. Die kann uns keiner nehmen. Andere haben andere Erfahrungen. Manchmal sind die wichtiger als eigene. Wir müssen das herausfinden. Wir müssen einander zuhören, auch wenn unsere Sprache manchmal eine andere ist. Auch das hängt mit Erfahrung zusammen.&lt;br /&gt;Und oft auch mit Wissen. Nie sollten wir dieses verhöhnen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erich: Die erste für mich wesentliche Unterscheidung ist erstmal eine, die sich nicht auf das Bildungssystem allein bezieht, sondern eigentlich auf das gesamte Staatswesen DDR, von dem das Schulsystem ja ein ganz wichtiger Teil war.&lt;br /&gt;Mit Schule meine ich jetzt diese ganze Organisation von der Krippenerziehung bis zur Weiterbildung im Berufsleben und noch darüber hinaus. Ich will auf den Organisierungsgrad hinaus, der viel höher war, als ich mir das im bundes­deutschen System der verschiedenen Länder vorstellen kann. Und darauf warn die bei uns auch die ganzen Jahre angewiesen. Organisation aus einem Zwang heraus, sich und das, was sie „führende Rolle&quot; nannten, legitimieren zu müssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rita: Aber das bezog sich doch in der Schule nur auf die gesellschaftswissen­schaftlichen Fächer. Also Staatsbürger­kunde und Geschichte vor allem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Helmut: Warn das zwei verschiedene Fächer in der DDR?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rita: Das lief zwar gerade bezogen auf die aktuelle Geschichte oder die dazu vorgeschriebene Geschichtsschrei­bung dieser Etappe immer mehr zusam­men, aber getrennte Gebiete warn das schon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erich: Der Legitimationsdruck wurde nach hinten heraus immer größer. Und das wurde dann zunehmend mit Ideolo­gie durchsetzt. Die Aneignung von Marx war wichtiger als die von Spartakus und die von Lenin wieder wichtiger als die von Marx. Aneignung meine ich jetzt als Inbesitznahme. Je näher du dem Heute kamst, desto schwerer warn Geschichtsbeugung und pure Ideologie auseinanderzuhalten. Die historischen Ereignisse, die zeitlich näher dran lagen, wurden also ideologisch mehr durchsetzt. „Ideo­logisch&quot; im übelsten Sinne verstanden, denn als taktische Maßnahme kann Ideologie vielleicht manchmal ganz sinn­voll sein, gegenüber einer Bevölkerung, die aus einer anderen Zeit kommt. Damit meine ich jetzt den Nationalsozia­lismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hannelore: Wie wirkte sich denn das, was du „Durchsetzung mit Ideolo­gie&quot; nennst, und ich gehe jetzt mal davon aus, daß das eine Erscheinung war, die sich da überall durchzog, wie wirkte sich das auf die Bewertung aus. Denn das ist ja immer ein Mittel der sehr zeitigen Klassifikation und Aussonde­rung von Leuten, die sich nicht der Norm entsprechend verhalten. Das System hat mit diesem ideologischen Wertmaßstab, ich nenn das jetzt mal so, ein zusätzliches Selektionsprinzip geschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Björn: Ob zusätzlich, ist für mich wirk­lich die Frage. Jedes Gesellschaftssystem, das auf Unterdrückung beruht, legt großen Wert darauf, sich die Untertanen zu züchten, die es braucht. Ideologie spielt da immer eine Rolle. Nur in der Bundesrepublik eben eine andere. Unter dieser Voraussetzung würde ich das, was du über die DDR gesagt hast, mit der Einschränkung eben der anderen Ideologie, schon unterschreiben, auch für die BRD. Letztendlich lief alles auf dasselbe hinaus, wie bei euch. Ich meine, den Imperialismus, oder wie du das immer nennen willst, als den Endzweck aller Entwicklung hinzustellen. Wie bei euch das, was die Sozialismus nannten, als das Ende aller Wünsche zu verkaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hannelore: Ich habe den Eindruck, daß das gar nicht so kontrovers, also immer Ost gegen West, diskutiert wer­den muß. Die Kriterien nach denen bewertet wurde, waren andere. Aber Ideologie wurde eben abgefragt, und wenn du das nicht gebracht hast, dann warst du auf die Dauer eben auch raus. Die brauchten im Westen andere Leute, und so haben sie anders ausgelesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Helmut: Ich hatte Fascholehrer. Und die brauchten das auch nicht zu ver­stecken. Die waren bei den Nazis schon Lehrer und in der Bundesrepublik dann wieder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rita: So etwas war in der DDR eigent­lich ein Tabu. Also im Staatsdienst war das sicher nur in Ausnahmefällen mög­lich, daß da ein Nazi reinkam. Für Lehrer würde ich das auch annehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erich: Das hatte mit der Legitimation dieses Staates aus dem Antifaschismus zu tun. Der war eigentlich Staatsdoktrin oder zumindest ein Teil der offiziellen Doktrin. Durch Lebendiges war kaum noch Legitimation möglich mit den Jah­ren. Da blieb dann irgendwann nur noch die Rechtfertigung durch die Opfer eines vor langer Zeit geführten Kampfes und durch die Erhaltung des Friedens, was vielleicht noch wirksamer war, und eigentlich meinte diese Flo­skel neben dem durch die Stasi und andere gesicherten inneren Frieden vor allem den wirtschaft­lichen Frieden mit dem Welt­markt, und das hat sich dann als verhängnisvolle Illusion heraus­gestellt Aber noch mal kurz zu der „Legitimation durch den Antifaschis­mus&quot;. Einige Ereignisse scheinen auf den ersten Blick dagegen zu sprechen. Zum Beispiel, daß die Uniformen der Volks­armee nach dem Muster der Wehrmacht­suniformen gemacht waren, hatte den einfachen Grund, bestimmte militaristi­sche Überbleibsel aus der Nazizeit für die Landesverteidigung zu gewinnen. Oder, was auf dasselbe abzielt, daß es irgendwann in den Fünfzigern eine Amnestie für SS-Angehörige gab. Wenn ihnen nicht Kriegsverbrechen nachge­wiesen werden konnten, was ja ein Unterschied zur Bundesrepublik war, die ja sonst einfach einen Teil der wesentlichsten Staatsbediensteten verlo­ren hätte, wenn man die vor Gericht gestellt hätte. Schleyer war da, nach dem was ich gehört habe, ein gutes Beispiel für einen nachweislichen Kriegsverbre­cher in höchster Position der Wirtschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hannelore: Eine andere Sache, die mich interessiert: wie die Vermittler der Staatsdoktrin, die die Lehrer unter ande­rem ja warn, auf die manchmal doch sehr rasanten Wechsel in der Sichtweise auf Gegenwart und Vergangenheit, rea­gierten. In der BRD war das schon inso­fern kein Problem, als einerseits der stockreaktionäre Lehrinhalt im großen und ganzen derselbe blieb, es anderer­seits kaum eine Chance für engagierte Lehrkräfte gab, in den Schuldienst zu gelangen. Aber bei Leuten, deren freie Entscheidung es irgendwann mal war, gesellschaftswissenschaftliche Fächer zu unterrichten, und die auch ungefähr wußten, was da auf sie zukommt, finde ich es schon erstaunlich, daß die diese ganzen Schwenks mitmachten. Und davon gab&#039;s ja nun nicht gerade wenige.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rita: Du mußt dabei immer sehen, daß diese Leute auch durch eine „sozialistische&quot; Schule gegan­gen sind. Ob nun Universität oder Arbeiterbildungsfakultät oder was auch immer. Entweder wurde ihnen frühzeitig das Kreuz gebrochen, was sicher in der DDR bei mehr Leuten und frühzeitiger nötig war als in-der BRD - jedenfalls in den Anfangsjahren, als noch größere Ideale bei einem großen Teil der Leute da waren und Hoffnungen in das Projekt „erster soziali­stischer Staat auf deutschem Boden&quot;. Oder - und das trifft vor allem für die älteren Jahrgänge zu - die hatten einfach ein schlechtes Gewissen ob ihres ange­paßten Verhaltens in der Nazizeit, und waren froh, daß sie in Ruhe gelassen wurden. Und wenn man oder frau etwas konnte in diesem Land, dann war es, in Ruhe alt zu werden. Es war ja im großen und ganzen alles sehr erträglich, wenn sie sich ruhig verhielten Und das Wis­sen, selbst als IM etwas gegen den Sieg des Kapitalismus zu tun, war immerhin was. Und die Geschichte hat den Leuten ja Recht gegeben. Wenn du die Geschichte etwas unscharf und nur ein historisches Detail betrachtest.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hannelore: Sie kokettierten also mit ihrem Parteisoldatentum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erich: Die meisten Leute legten sich irgendwann neben ihrer privaten eine öffentliche Meinung zu. Das nahm dann bei Lehrern oftmals recht obskure For­men an. Sie sagten, wenn sie „mutig&quot; waren, ihre private Meinung und zusätz­lich das, was gewußt werden mußte für eine gute Note. Für die meisten war die ständige Neubetrachtung der Geschichte aber ein rein evolutionäres Problem. Das war eben Entwicklung. Alles entwickelte sich, warum nicht auch ein Geschichts­bild. Wohin, wer wußte das schon. Da war dann Luther zu irgendeinem Jahres­tag seines Todes von heute auf morgen fast ein Revolutionär, und seine Wegbereiterrolle als Kapitalismusideologe war schnell in den Hintergrund gedrängt. Die Staatshistoriker hatten ein Jahr Zeit, den Luther nach den neuesten Erfordernissen hinzubiegen. Das wurde dann das Lutherjahr genannt. Da gab&#039;s wahr­scheinlich gerade eine neue Linie bezüg­lich Kirchenpolitik und das hieß auch immer besseren Zugriff auf die bürgerli­che Opposition, die ja meist in die Kir­chen kroch. Da hatte man sie dann unter Kontrolle, es waren allerdings ab und an ein paar Zugeständnisse nötig. Und dazu konnte auch gehören, daß man Luther nachträglich in die Ahnenta­feln der SED aufnahm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rita: Eine Ausnahme bildete nach mei­ner Erfahrung der Literaturunterricht. Literatur oder Kunst allgemein wurde auch in der Lehre eine relative Subversivität zugestanden. So war unsere Schule der bürgerlichen Kunst doch erstaunlich fundiert, sofern sie sich nicht mit den Problemen der nachrevolutionären Gesellschaft kritisch auseinandersetzte. Aber selbst da gab es phasenweise Ent­wicklungen die zumindest das Zeigen von „Widersprüchen im Sozialismus&quot; im Kunstwerk zuließen. Kunst war eben ein eigenes Reich, und ihre Auslegung ein weites Feld.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erich: Da bot sich dann die bürgerli­che Kunst - und ich gehe da mal bis zu Brecht oder Seghers - besonders an, sofern sie eine vor der DDR liegende Epoche behandelte. Davon konnte gesagt werden: Schaut euch an, wie schlimm das alles war, und wie gut geht&#039;s uns heute, mit Sozialpolitik und Wohnungsbauprogramm und führender Rolle der Partei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Björn: Das mit der zugestandenen Subversivitätsfunktion von Literatur war im Westen ähnlich. Es konnte dir passie­ren, einen Deutschlehrer zu haben, der einige Monate nichts weiter behandelte, als „Die Ästhetik des Widerstandes&quot; von Peter Weiss. Solange das im theoreti­schen Rahmen blieb, hatte das auf die Rezeption keinen Einfluß. Es durfte bloß keine Aktion daraus entstehen. Zur bür­gerlichen Literaturtradition gab&#039;s schon ein sehr gebrochenes Verhältnis, und das ist auch verständlich.&lt;br /&gt;So viel hatte sich ja an den Verhältnis­sen seit der Weimarer Republik nicht geändert, zumindest was den Bereich angeht, der von guter Kunst aufs Korn genommen wird. Nicht mal in der Phrase konnte man sich absetzen von den Verhältnissen, die bei Brecht und anderen in ihren Grundlagen in Frage gestellt wurden. Es blieb dann meist eine rein enzyklopädische Betrachtungs­weise, also Abfragen des Inhalts, oder die Leute wurden hoffnungslos ver­fälscht oder eben verschwiegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erich: Das scheint mir aber doch alles nicht so konzeptionell durchorganisiert gewesen zu sein, wie wir das erlebt haben und zwar in allen Bereichen der Gesellschaft. Allein die Einheitlichkeit der Lehrpläne DDR-weit war ein Garant synchronen Vorgehens. Und zwar nicht erst mit dem Beginn der Schulzeit, son­dern das ging schon fast im Säuglingsal­ter los. Ein wesentlicher Unterschied war die relative Vollbeschäftigung der Bevöl­kerung verglichen mit der Bundesrepu­blik. Dadurch wurde in der Organisie­rung der Kinderbetreuung ein viel lückenloseres Netz geschaffen, als es jemals unter „demokratischen&quot; Verhält­nissen möglich wäre. Der Zugriff auf die Gehirne war damit, jedenfalls potentiell, ein früherer und konstanterer. Immer unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Einflußnahme zweier möglicher­weise im Produktionsprozeß stehender Eltern gering war. Ich weiß nicht, ob die These zu gewagt ist, daß ein fast völliges Fehlen jeglicher linker Opposition neben dem lückenlosen Repressionsap­parat auch eine Menge mit dem lücken­losen Betreuungsnetz zu tun hat.&lt;br /&gt;Meine Polemik geht dabei nicht gegen das soziale Gerüst der DDR als solches, sondern vor allem gegen die Art des Einbaus in ein wohlorganisiertes Beob­achtungs- und Erziehungssystem. Selbst die Massenorganisationen von Pionieren bis FDJ oder GST hatten ja auch ihre positiven Seiten für die Mitglieder. Die Entwicklung einer gewissen Normalität von Solidarität mit den Unterdrückten der Welt, mit einem Großteil von ihnen besonders in Afrika und Lateinamerika, war schon in manchmal sehr nachhalti­ger Weise prägend, besonders für Kin­der und solange sie das waren. Was dann kam, in der weiteren Biographie, steht auf einem anderen Blatt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rita: Das hatte dann oft etwas mit dem Empfinden oder der Erfahrung des Zwangs zu tun, der immer vorhanden war. Ob bei der Mitgliedschaft in Masse­norganisationen oder selbst bei der obli­gaten Solidaritätsabgabe. Du warst aus­ geschlossen, nur weil du nicht Pionier warst oder du warst ausgeschlossen, weil du Beiträge nicht bezahlt hast. Das war zwar unterschiedlich von Schule zu Schule und auch von Lehrer zu Lehrer, aber konnte schon zu einem frühen Trauma werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hannelore: Die Ausschließung funk­tionierte in der BRD anders. Besonders soziale „Ausnahmesituationen&quot; waren häufig ein Grund gehänselt zu werden. Ohne Vater aufzuwachsen oder in einer Wohngemeinschaft waren schon Gründe des Andersseins oder des dazu gemacht werdens. Es gab aber vielleicht mehr Möglichkeiten, aus diesem Ausgeschlossenwerden eine Protesthaltung zu ent­wickeln, mit der du dann auch nicht allein dastandest.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Helmut: Überhaupt war es, glaube ich, leichter, im Westen gegen alles zu sein. Du merktest schnell, da gab es fast nichts zu verteidigen. Der Zwiespalt war vielleicht nicht so groß, in dem du dich dann befandest. Es gab die beschissene Alternative Kapitalismus nicht. Den hat­ten wir ja. Aus dieser Anti-Haltung konnte später allerdings auch alles wer­den, vom Fascho bis zu Linksradikalen. Das hing dann von vielem ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Margot: Diese totale Protesthaltung war schon ein Problem. Die gab&#039;s in der DDR eigentlich fast ausschließlich bei Skins. In dieser radikalen Leugnung des antifaschistischen Staates. Dieser Protest war kaum zu ertragen von Seiten der Organe und wurde auch, wo es möglich war, verschwiegen. Das wurde dann als kriminelles Delikt wie Randalieren oder staatsfeindliche Hetze ohne politisch klar erkennbare Motivation abgetan. Es durfte sowas nicht geben. Also das war schon sehr verbreitet, sogar bei Leuten, die ich nie zur rechten Szene rechnen würde, und die sich wahrscheinlich auch nach dem Ende der DDR nicht in diese politische Richtung entwickelt haben. Ich kenne welche, die harte Faschoparolen gebrüllt haben und sol­che Schmierereien fabriziert haben, die sind heute eher links. Der Kontext ist heute ganz klar ein anderer. Das gab vor der Wende einfach keine politischen Konsequenzen, die sich möglicherweise ergeben konnten aus rechtsradikalem politischem Gebaren, zumal es auch sehr wenig orga­nisiert auftrat ver­glichen mit heute.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 25 Sep 2010 10:01:15 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Vorwort</title>
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                    &lt;p&gt;...Algebra, Kapital, Chemie manche dacht, daß lern ich nie doch ein &#039;manche, die das dachte später Revolution noch machte&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Der Schwerpunkt dieser Ausgabe heißt Selbstschulung/Lernprozesse/Bildung, ein etwas unüblich klingendes Thema, zumindest in der heutigen Linken. Warum wir ausgerechnet diesen Bereich gewählt haben, erklärt sich aus dem in unserem letzten Vorwort formulierten Ziel, verloren gegangene Ansätze wiederzuentdecken. Wobei wir schon länger der Meinung sind, daß das Bewußtsein über Lernprozesse einer der Punkte ist, den wir als Linke am nötigsten hätten; in der realsozialistischen Geschichte war Bildung vor allem Agitation, Weitergabe von Ideologie, ohne eigene Entwicklung. Aus unserer Praxis dagegen kennen wir das Phänomen, daß überhaupt nichts mehr weitergegeben wird, aus Angst zu bevormunden. Jede Generation soll sich politische Erfahrungen wieder neu aneignen, jede und jeder ist auf sich selbst angewiesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beides kann keine Lösung sein. Eine revolutionäre Veränderung braucht Menschen, die selbständig handeln und denken können, aber sie braucht auch keinen modernen Individualismus. Im Gegenteil, nur im gemeinsamen Bewußtsein der Umwälzung wird sich auch wirklich etwas verändern lassen. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen. Klar stellen müssen wir noch, daß wir beim Thema „Bildung&quot; selbst blutige Laien sind. Die wenigen Erfahrungen, die wir im letzten Jahr mit Lernprozessen an Hand unserer Seminare und Veranstaltungen gemacht haben, sind nicht besonders vorhergeplant gewesen. Das meiste haben wir ausprobiert und dabei immer wieder festgestellt, daß wir bestimmte Ziele zwar Klasse allgemein ausdrücken, aber sie dann so gut wie gar nicht praktisch umsetzen können. Diejenigen, die in dem Bereich mehr Erfahrungen haben, sollen sich nicht ärgern, zu viele Allgemeinplätze bei uns zu finden, sondern uns lieber ihre Erfahrungen schreiben. Der Schwerpunkt muß ja keineswegs das letzte Wort in Arranca zum Thema sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben dem Schwerpunkt haben wir es diesmal geschafft, den Reportagen/Interviewteil etwas länger zu machen als das letzte Mal. Zwei Interviews, eines mit dem italienischen Schriftsteller Nanni Balestrini und ein zweites mit einem türkischen Linken, der vor wenigen Wochen nach 12 Jahren zum ersten Mal wieder in der Türkei war, werdet Ihr finden. Außerdem ein Bericht einer antirassistisch aktiven Frau, die seit längerer Zeit eine peruanische Mula, eine in der BRD wegen Drogenimports verurteilte Frau, besucht. Der Bericht beschreibt die Repression des deutschen Staates gegen die „Kleinen&quot; im Drogenhandel, die materiellen Verhältnisse, die Menschen in Lateinamerika dazu zwingen, als Mulas zu arbeiten und die verschärfte Haftsituation als Ausländerin und Frau im Knast. Vervollständigt wird der Teil durch eine kurze Belfast-Reportage, die Bilder einer Reise wiedergeben will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kulturteil gibt es diesmal ebenfalls 4 Themen: die Fortsetzung der Notizen zum Kulturbegriff, ein Interview mit italienischen Hip-Hoppern, die im März 1993 in Berlin waren, eine Buchbesprechung zu Ludwig Lugmeiers „Wo der Hund begraben ist&quot;, und ein Artikel zum Thema Alkohol/Drogen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir hoffen, daß Ihr die Zeitung wieder einigermaßen bunt findet. Daß wir in dieser Ausgabe so viele Interviews haben, nämlich fünf Stück, ist nicht geplant gewesen. Wir finden Dialogformen zwar nicht schlecht, aber daß es so viele geworden sind, hat dann doch mehr mit einem Zufall zu tun: mehrere Themen fanden wir schließlich als Gespräch anschaulicher geschildert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interview, das ein Freund mit uns über die „Bildungsarbeit&quot; bei Fels, d.h. mit einigen aus der Redaktion geführt hat (special thanks, you&#039;re pc, pi), ist das klassische Beispiel dafür. Wir haben das nicht gemacht, weil wir uns selbst so wichtig finden, sondern weil sich niemand zugetraut hat, das Thema als Text niederzuschreiben, wir es aber trotzdem nötig fanden, neben theoretischen Allgemeinforderungen auch etwas zu unserer Praxis von Seminaren und unseren Erfahrungen damit zu sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum wir keinen Artikel zum Anschlag der RAF in Weiterstadt geschrieben haben, hat nichts damit zu tun, daß wir diesem keine Bedeutung beimessen. Die Veränderungen der RAF sind unserer Meinung nach eines der wichtigsten Anzeichen für eine Neuzusammensetzung der Linken. Die Ausstrahlung, die von einem Projekt so großen moralischen Gewichts (wie es die RAF darstellt) auf die ganze Linke ausgeht, schätzen wir sehr hoch ein, und hoffen, daß das auch die GenossInnen selbst so sehen. Ihre moralische Integrität, ihr langer Atem und die Tatsache, daß sie seit über 20 Jahren immer wieder den Staat anzugreifen vermochten, verleiht ihnen eine besondere Rolle in einer linken Neuorientierung. Das sagen wir nicht, um den Mythos wieder aufzuwärmen. Eine besondere Rolle zu besitzen, bedeutet schließlich nicht „über den Dingen zu stehen&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eher empfinden wir die Art des Anschlags und den Grundtenor der Erklärung als einen Schritt hin zu einem organischen, gleichberechtigteren Verhältnis von bewaffneter und politischer Linke. Die entscheidenden drei Punkte sind für uns folgende: Erstens die spürbare Bemühung, bisherige Ansätze grundsätzlich zu überdenken und dabei mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen; zweitens die Tatsache, daß sich sowohl die Erklärung als auch die Aktion an mehr richtet, als nur an die politische Linke. Vor allem für die „sozialen&quot; Knackis, die bei der Forderung „die politischen Gefangenen müssen raus&quot; immer unter den Tisch fallen, sind diesmal direkt angesprochen worden. Und drittens schließlich - und das ist das wichtigste - hat der Anschlag gezeigt, daß bewaffnete Politik mehr als symbolisch sein kann. Sie kann tatsächlich etwas durchsetzen, nämlich daß dieser HIGH-TECH Knast nicht bezogen werden kann!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abschließend noch einige Worte zu unserem Zeitungsprojekt: natürlich wollen wir weiterhin die Mitarbeit von anderen Leuten. Unsere Adresse steht vornedrin. Eine Tour durch ein paar Städte in Westdeutschland, die wir diese Tage machen, hat außerdem zum Ziel, das Projekt breiter vorzustellen und eventuell Leute für eine Mitarbeit zu gewinnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auch unsere zweite Initiative, der Aufruf zur Zusammenarbeit verschiedenster linker Gruppen und Zusammenhänge in Richtung einer Organisation, steht weiterhin. Vielleicht sind wir in dieser Frage etwas anachronistisch, zumindest müssen wir zugeben, daß die Telefone nicht heiß laufen bei uns, aber: Hartnäckigkeit ist die Tugend dieser Tage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Insofern sind wir weiterhin ansprechbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die redaktion&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ARRANCA, &lt;em&gt;(span.):&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;losmachen oder starten, anfangen, d.h eigentlich im Imperativ: &lt;strong&gt;&lt;em&gt;„leg endlich los&quot;. &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;Wir legen los, weil wir es notwendig finden, für die Organisationsdiskussion jen­seits der Vorschläge zum „Auf­bau einer kommunistischen Partei&quot; eine eigene Zeitung zu schaffen.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:18:40 +0000</pubDate>
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