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 <title>arranca! - Organisierung</title>
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 <language>de</language>
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 <title>Rezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/rezension-3</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ulrich Peters, &lt;em&gt;Unbeugsam und widerständig. Die radikale Linke in Deutschland seit 1989/90&lt;/em&gt;, Unrast-Verlag, Münster 2014, 728 Seiten, 29,80 €&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mammutwerk: Auf über 700 Seiten arbeitet Peters akribisch an einer »Geschichte der radikalen Linken in Deutschland seit 1989/90«. Als »radikale Linke« gelten ihm all diejenigen, die für eine Überwindung des Kapitalismus antreten. Somit geht es um eine Breite von Autonomen bis zur DKP. Deren organisatorische Entwicklung, theoretische Debatten und praktische Politik wird von Peters bis ins Jahr 2010, mal mehr, mal weniger nachvollziehbar geschildert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Peters verzichtet auf eine Einführung, nach welcher Systematik er vorgehen will, warum er manches für relevant hält (und anderes nicht) oder woher sich seine Quellen speisen, sondern legt gleich los. Den Einstieg gestaltet ein Kapitel über die »Erosion der radikalen Linken« im Zuge der Wiedervereinigung. Was Peters dabei über die kurze Blüte linker Parteien und Organisationen am Ende der DDR zu berichten hat gestaltet sich ziemlich informativ. Deutlich wird, wie wenig die Erfahrungen der DDR-Linken heute noch bekannt sind. Dem der Wende folgenden allgemeinen Niedergang der Linken konnte sich so gut wie niemand entziehen. Wie sich daraus wieder eine lebendige Bewegung entwickeln konnte, versucht der Rest des Buches zu beschreiben. Nur leider viel langatmiger als Peters‘ kompakte Beschreibung der Umbruchsituation - und streckenweise sogar ermüdend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zunächst folgt noch eine gut lesbare Beschreibung des so bezeichneten »antideutschen Sonderwegs«, bevor es sehr ausführlich um die Entwicklung unterschiedlicher linksradikaler Politikfelder in den 1990ern geht. Dafür bedient sich Peters immer wieder bei Artikeln aus Junge Welt, Jungle World und konkret. Aufgrund des nacherzählenden Charakters zerfällt der Text immer wieder in eine Aneinanderreihung von einzelnen Ereignissen. Auch bleibt deren Bewertung, die Peters öfters einschiebt, nicht immer richtig nachvollziehbar. Und es fällt auf: Feminismus als Bestandteil linksradikaler Politik übergeht er kommentarlos. Das ist insofern noch einmal ärgerlicher, als das im Buch sowieso schon vor allem Männer zu Wort kommen. Auch die radikale Linke in der Umwelt-, Klima- oder Anti-AKW-Bewegung wird von ihm kaum bis nicht behandelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Anschluss widmet sich ein komplettes Kapitel der Entwicklung der Antiglobalisierungsbewegung. Mit Ausnahme des linksradikalen Flügels kommt diese allerdings weniger gut weg. Ob attac oder die Weltsozialforen: Peters sind sie zu reformistisch, weisen zu viele theoretische Schwachstellen auf oder würden sogar versuchen, radikal linke Positionen zu marginalisieren. Der G8-Gipfel in Heiligendamm 2007, zugleich ein Endpunkt der Bewegung, zeige aber, wie durch geschickte Bündnispolitik und gemeinsame Aktionen sowohl die radikale wie die reformistische Linke profitieren können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter geht es mit den Praxisfeldern der radikalen Linken ab 2000: Peters beschreibt, was sich alles in den Bereichen von Antifa bis Gentrifizierung getan hat. In zwei weiteren Kapiteln geht er den theoretischen Debatten der letzten zwei Jahrzehnte nach: von der »Verarbeitung des Realsozialismus« bis zu »Die radikale Linke und der Islam«. Nur sehr kurz wird zum Ende auf linksradikale Organisationsentwicklungen eingegangen, von der IL über die FAU bis zur Linken in Linkspartei und Gewerkschaft. Während man sich den Rest etwas knapper oder systematischer gewünscht hätte, wäre an dieser Stelle eigentlich mehr drin gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fazit: Zu loben ist Peters Intention, eine Zeitgeschichte der radikalen Linken zu schreiben. Nur ist ihm dies leider nicht wirklich durchgehend geglückt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Markus Baumgartner&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <category domain="https://arranca.org/tag/organisierung">Organisierung</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/radikale-linke">radikale Linke</category>
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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:47:48 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Bildet Banden!</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/bildet-banden</link>
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                    &lt;p&gt;&quot;you have to act as if it were possible to radically transform the world. and you have to do it all the time.&quot; Angela Davis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Du musst handeln, als ob es möglich wäre die Welt radikal zu verändern. Und du musst es jederzeit tun.” Angela Davis (Übersetzung von der Redaktion)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich gibt es seit unserer Elterngeneration gesellschaftlich einige Fortschritte: Theoretisch ist es möglich als schwules Paar Kinder großzuziehen, und als Alleinerziehende*r wird mensch nicht automatisch von ihrer*seiner Familie verstoßen.&lt;br /&gt;Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden der Ehe fast gleichgestellt, aber jenseits davon wird die Luft schnell dünn. Alternative und queere Lebensmodelle gibt es durchaus, aber sie sind leider weit davon entfernt, Normalität für alldiejenigen zu sein, die anders leben wollen. Zudem erleben wir Phänomene wie die „Besorgten Eltern“, den anti-feministischen „Marsch für das Leben“, homophobe Massendemonstrationen in Frankreich und stolpern immerzu über dieses ominöse „Gender“ als Feindbild in den Zeitungen und Köpfen.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&quot;you have to act as if it were possible to radically transform the world. and you have to do it all the time.&quot; Angela Davis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Du musst handeln, als ob es möglich wäre die Welt radikal zu verändern. Und du musst es jederzeit tun.” Angela Davis (Übersetzung von der Redaktion)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich gibt es seit unserer Elterngeneration gesellschaftlich einige Fortschritte: Theoretisch ist es möglich als schwules Paar Kinder großzuziehen, und als Alleinerziehende*r wird mensch nicht automatisch von ihrer*seiner Familie verstoßen.&lt;br /&gt;Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden der Ehe fast gleichgestellt, aber jenseits davon wird die Luft schnell dünn. Alternative und queere Lebensmodelle gibt es durchaus, aber sie sind leider weit davon entfernt, Normalität für alldiejenigen zu sein, die anders leben wollen. Zudem erleben wir Phänomene wie die „Besorgten Eltern“, den anti-feministischen „Marsch für das Leben“, homophobe Massendemonstrationen in Frankreich und stolpern immerzu über dieses ominöse „Gender“ als Feindbild in den Zeitungen und Köpfen.Wir wollten wissen wo wir stehen und haben deshalb eine Selbstbefragung durchgeführt (Genaueres dazu in unserem Artikel in der arranca! #48). Unser Ziel war es, Austausch und Diskussionen anzustoßen und uns mit den folgenden Fragen zu beschäftigen:&lt;br /&gt;Wo stehen wir gerade? Wo und wie wird Widerstand im Alltag gelebt? Und welche Rolle spielt der konservative Rollback, der sich gerade abzeichnet? Während private Lebensentwürfe also einerseits mehr Spielräume enthalten, werden die Unsicherheiten, sobald Leute alte Wege verlassen, immer größer. Anstatt Experimente zu wagen, greifen viele daher gerade im Privaten auf tradierte Lebens- und Familienmodelle zurück. Doch was bedeutet der Rückzug Vieler ins Private? Ist es der Wunsch nach trauter Zweisamkeit oder die Angst vor der prekären Außenwelt?&lt;br /&gt;Dass das Private als ein Rückzugsraum gesehen wird, ist in Anbetracht der Tatsache, dass einst hart dafür gekämpft wurde, das Private als politisches Terrain zu begreifen, eine ziemliche Kehrtwende.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das Private noch politisch? Oder nur noch ein Exil?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sehen in diesem Rückgriff auf tradierte Lebens- und Familienmodelle bei einem Mehr an Freiheiten und Spielräumen eine Diskrepanz von Utopie und gelebter Wirklichkeit, die wir auch in unserer Selbstbefragung wiedergefunden haben. Dabei haben wir uns und über 300 Leute dazu befragt, wie wir leben wollen und welche Hindernisse es dabei gibt. Wir haben nach den größten Ängsten gefragt und danach, wie die Teilnehmer*innen im Hier und Heute leben. Drei große Schwerpunkte strukturierten die Befragung:&lt;br /&gt;1. Das Leben im Alter&lt;br /&gt;2. Leben mit Kindern und Bilder von Familie&lt;br /&gt;3. Die Sorge um sich und andere&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir wollten wissen, welche Rolle verschiedene Formen von Kollektivität im Alltag spielen: Ob es sie gibt und wie sie genau aussehen, ob sie wirklich gelebt werden oder eher eine schöne Utopie sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ergebnisse waren recht ernüchternd. Viele haben Angst vor der Einsamkeit im Alter und davor sich eine menschenwürdige Pflege nicht leisten zu können. Denn in der klassischen Form der Kleinfamilie wird, sind die Kinder einmal aus dem Haus, eine*r übrig bleiben. Die damit einhergehende Gefahr von gesellschaftlicher Isolation und Ausgrenzung wurde von vielen als durchaus real betrachtet, und eigentlich blickte kaum eine*r der Befragten optimistisch auf das Alter.&lt;br /&gt;Da sich die Frage, wie wir im Alter leben wollen, nicht von der nach dem &quot;Leben jetzt&quot; trennen lässt, gab es auch in unserer Befragung immer wieder große Überschneidungen.&lt;br /&gt;Zwar war die Vorstellung von einem kollektiven, generationsübergreifenden Zusammenwohnen für viele ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma der drohenden Einsamkeit im Alter. Dem gegenüber stand jedoch die große Angst, dass kollektive Strukturen auf Dauer nicht funktionieren. Es mangele vor allem an Sicherheit und Verbindlichkeit, sowohl in rechtlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Dem gegenüber gilt die Kleinfamilie noch immer als relativ sicherer Raum – von finanziellen Vorteilen und einem höheren Maß an Verbindlichkeit durch rechtliche Verantwortlichkeiten füreinander, bis hin zum gesetzlich geregelten Anspruch auf Unterhaltszahlungen im Falle einer Trennung*.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem die befragten Alleinerziehenden wünschten sich mehr Kollektivität im Alltag. Sofern sich Kinder und Beruf überhaupt vereinbaren lassen, bleibt daneben kaum Zeit für eigene Interessen. Sie fühlten sich isoliert und auf den engsten Freundes- und Familienkreis angewiesen, vor allem bei akuten zeitlichen Engpässen. Wirklich geregelte Strukturen geteilter Verantwortung jenseits der klassischen Elternrollen haben nur sehr wenige der Befragten für sich etablieren können*.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für eine solche Vereinzelung sind auch die rechtlichen Rahmenbedingungen als ursächlich zu nennen. Elternschaft wird rechtlich immer noch vor allem als Gesamtpaket biologischer, rechtlicher und sozialer Elternschaft gedacht und als solche privilegiert. Die Stiefkindadoption bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften scheitert immer wieder an behördlichen Hindernissen, und Alleinerziehende werden vor allem auch steuerlich benachteiligt, sodass die Notwendigkeit, viel Zeit der Lohnarbeit zu widmen, noch steigt und immer weniger Zeit für Gemeinschaft übrig bleibt. Dass kollektivere Modelle, Verantwortung nicht nur für die eigenen Kinder oder Mitglieder der eigenen Herkunftsfamilie zu übernehmen, rechtlich nicht abgesichert sind, ist also ein eklatanter Missstand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn wir sind alle mehr oder weniger auf Sorge durch andere angewiesen. Die Anlässe sind vielfältig, doch die Spielräume, diese Sorge kollektiv zu organisieren, sind der Erfahrung der Befragten nach oft eher gering. Entsprechend wurden daher Strategien genannt, die Leute für sich selbst anwenden können und die dazu dienen, möglichst nicht in die Situation zu gelangen, auf Sorge durch andere angewiesen zu sein. Dazu gehören vor allem Selbstoptimierung durch Sport, Fitness und Erholung durch &quot;quality time&quot;. Dass es sich dabei um einen neoliberalen Leistungsimperativ handelt, war den meisten der Befragten dabei vollkommen bewusst. Doch wie geht es anders und zusammen mit anderen? Kollektiv wird Sorge meist über gemeinsame Wohnräume mit Haus-/Mitbewohner*innen organisiert. Dies ist in der Praxis jedoch oft wenig verlässlich, wenn die Situation die Sorge durch andere erfordert und ernster oder länger wird. Dann fällt die Organisation nämlich in der Regel auf familiäre Strukturen zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was aber passiert, wenn die eigene Familie nicht in derselben Stadt oder demselben Land wohnt oder Menschen den Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie abgebrochen haben? Hinter diesen und anderen Fragen steht die Angst davor, mit der Sorge um sich oder andere alleine gelassen zu werden. Die Sorge für Kinder ist dafür ein gutes Beispiel: Rechtlich ist es zum Beispiel so geregelt, dass eine Krankschreibung nur für sich selbst oder die eigenen Kinder funktioniert. Freund*innen oder die Wahlfamilie zu pflegen, ist in diesem System nicht vorgesehen. In der Regel wird mensch also auf die rechtliche Herkunftsfamilie zurückgeworfen. Auch im Bereich der CareArbeit und Sorge um sich selbst sehen sich viele Menschen auf sich allein gestellt oder auf den engsten Kreis der Herkunftsfamilie zurückgeworfen, die dies nicht immer leisten kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleichzeitig ist die Pflege anderer Personen sowohl gesellschaftlich als auch finanziell eher selten als Arbeit und wichtiger Teil des Zusammenlebens anerkannt*. So sind Pflege und Lohnarbeit finanziell und zeitlich oft nicht zu vereinen. Überforderung und das Gefühl, mit der Pflege alleine gelassen zu werden, sind das Resultat. Die Empfindung von Einsamkeit wird zudem dadurch erhöht, dass Pflege in der Regel zu Hause oder in anderen privaten Räumen passiert, wenn die Gepflegten beispielsweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Auch hier sind rechtliche Modelle auf die Pflege durch die Herkunftsfamilie beschränkt und/oder nur mit hohen finanziellen Ressourcen zu bewältigen. So ist der etwas zynisch betitelte „Pflegeurlaub“ zeitlich begrenzt, und bei einer länger- oder dauerfristigen Pflege fällt der Lohn weg. Der Weg in prekäre Abhängigkeiten wird dadurch beschleunigt, dass das reguläre Pflegegeld eigentlich nicht ausreicht, um Leistungen komplett zu finanzieren.&lt;br /&gt;Entsprechend war der Wunsch nach kollektiver Organisation von Sorge und Pflege im Alltag und im Hinblick auf Altern sehr groß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das Private also noch politisch? Oder doch nur noch ein Exil?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sind die Befragungsergebnisse Ausdruck eines konservativen Rollbacks oder doch nur ein letztes Aufbäumen vor dem unvermeidlichen Untergang althergebrachter Rollenbilder? Viele der Befragten waren weit davon entfernt, nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu leben. Obwohl der Wunsch nach Formen von Kollektivität jenseits der Kleinfamilie da ist, bleibt er oft utopisch. Wir haben daraus den Schluss gezogen, dass eine politische Strategie von zwei Seiten ansetzen muss: zum einen muss Absicherung, sowohl rechtlich als auch finanziell, erkämpft werden. Denn nur so entsteht der Raum, in dem mit Vorstellungen und Wünschen experimentiert und diese Realität werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer sich bisher für ein Modell wie die Co-Elternschaft entscheidet, begibt sich in einen quasi rechtsfreien Raum jenseits von Unterhaltszahlungen oder auch nur gemeinsamer steuerlicher Einstufung – solange er*sie nicht Hartz IV empfängt. Die Subventionierung von einem Leben mit Kindern muss unabhängig von der Familienform, Anzahl der Eltern usw. geschehen! Wer die Sorge für ein Kind jenseits von biologischer Elternschaft und Adoption übernimmt, sollte genauso finanziell unterstützt werden. Bislang jedoch laden weder die rechtlichen, noch die steuerlichen Rahmenbedingungen zum Experimentieren ein – man muss es sich derzeit also leisten können! In dieser Hinsicht ist Deutschland verhältnismäßig rückständig. So ist es etwa in Kanada möglich, dass sich bis zu vier Personen das Sorgerecht vertraglich teilen und so zu gleichberechtigten Partner*innen werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum anderen sollen Akteur*innen, die diese Utopien leben, sichtbarer gemacht werden - denn es gibt sie! Solidarische Ökonomien, Modelle von Co-Elternschaft, Mehrgenerationenwohnen und Alten-WGs sind Beispiele, die uns bei der Selbstbefragung begegnet sind. Die Möglichkeiten von alternativen Familienmodellen und Formen des Zusammenlebens im Hier und Jetzt sind ein Weg, vermeintliche Normalitäten und Natürlichkeiten zu dekonstruieren. Es ist wichtig zu zeigen, dass es ein Leben jenseits der Kleinfamilie und der Heteronorm gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir müssen uns immer wieder bewusst werden, dass bereits vieles erkämpft wurde. Bereits geführte Kämpfe und Auseinandersetzungen waren und sind die Grundlage, auf die wir weiter aufbauen wollen und zum Ausgangspunkt jetziger und zukünftiger Kämpfe erklären. Die oft geäußerte Unterstellung einer schon erreichten Geschlechtergerechtigkeit ist hingegen zentraler Ausdruck eines konservativen Rollbacks. Wir sollen schön zufrieden sein mit dem, was wir haben. Aber uns mit dem Status Quo zufrieden zu geben kommt uns nicht in den Sinn! Vielmehr gilt es jetzt umso mehr, auf die Ausweitung und das Neuerkämpfen von Anerkennung, Wertschätzung und Aufwertung unserer alltäglichen Baustellen zu pochen: dem Leben mit Kindern, alternativen Familienmodellen, dem Leben im Alter und der Sorge um uns selber und um andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn ja, das Private ist politisch!&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:23:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Kaffe &amp; Revolution</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/kaffe-revolution</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Lange galten die Universitäten als linke Hochburgen und Studierende grundsätzlich als links. Das ist heute anders: Linke Wissenschaftler*innen wurden weitgehend aus dem akademischen Apparat verdrängt, und politisches Bewusstsein und linke Einstellungen unter Studierenden sowie die Bereitschaft zum Engagement haben stark abgenommen. Die Schwäche linker Politik an den Universitäten steht im Gegensatz zu deren zunehmender Bedeutung: Die Studierendenzahl ist sowohl absolut (von 1,8 Mio. im Jahr 2000 auf 2,8 Mio. im Jahr 2015) als auch relativ enorm gestiegen. Der Anteil der Studierenden innerhalb eines Jahrgangs stieg von 33,3 Prozent (2000) auf 58 Prozent (2015). Die Studierenden sind viel weniger die Elite von morgen. Ihr wachsender Anteil an den Lohnabhängigen und die zunehmende Prekarisierung zeigen eine Proletarisierung der Akademiker*innen auf – und andersherum eine Akademisierung des Proletariats.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Florian Frey&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;aktiv bei la:iz FU Berlin&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lange galten die Universitäten als linke Hochburgen und Studierende grundsätzlich als links. Das ist heute anders: Linke Wissenschaftler*innen wurden weitgehend aus dem akademischen Apparat verdrängt, und politisches Bewusstsein und linke Einstellungen unter Studierenden sowie die Bereitschaft zum Engagement haben stark abgenommen. Die Schwäche linker Politik an den Universitäten steht im Gegensatz zu deren zunehmender Bedeutung: Die Studierendenzahl ist sowohl absolut (von 1,8 Mio. im Jahr 2000 auf 2,8 Mio. im Jahr 2015) als auch relativ enorm gestiegen. Der Anteil der Studierenden innerhalb eines Jahrgangs stieg von 33,3 Prozent (2000) auf 58 Prozent (2015). Die Studierenden sind viel weniger die Elite von morgen. Ihr wachsender Anteil an den Lohnabhängigen und die zunehmende Prekarisierung zeigen eine Proletarisierung der Akademiker*innen auf – und andersherum eine Akademisierung des Proletariats.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz Entpolitisierung haben Universitäten immer noch Potential für linke Politik, was sich eindrucksvoll in den Bildungsstreiks ab 2009 zeigte. Dies war eine der größten und, mit der Verhinderung und Ächtung von Studiengebühren, auch eine der erfolgreichsten sozialen Bewegung der letzten Jahre. Dieser Text soll zeigen, wie das existierende Potential für linke Politik unter Studierenden auch unabhängig von der stark an Konjunkturen gebundenen Hochschulpolitik von links aktiviert werden kann. Ausgangspunkt sind knapp zwei Jahre Organisierungserfahrungen im Rahmen der linken Unigruppe la:iz an der Freien Universität Berlin (FU).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theorie und Praxis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;Der Aufbau der Gruppe la:iz basierte auf drei Prämissen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(1) Trotz Entpolitisierung der Studierenden gibt es weiterhin Interesse an linker Politik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(2) Dieses Interesse stößt auf zu wenig Angebote zum Mitmachen. Insbesondere an der FU gab es ein mangelhaftes Angebot hinsichtlich universitätsweiter, themenübergreifender, nicht subkulturell oder ideologisch abgeschotteter linker Politik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(3) Der beste Moment um neue Mitstreiter*innen zu gewinnen, ist der Beginn des Wintersemesters, da dann viele Studierende neu an die Uni kommen und die biografischen Umbrüche (Auszug, neue Stadt, neue Freund*innen) oft für eine tendenzielle Öffnung für andere Lebensstile und auch für die Bereitschaft, sich zu organisieren, sorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;Die Gruppe la:iz wurde von mehreren Aktivist*innen mit gemeinsamen Organisierungserfahrungen gegründet. Ausgangspunkt war eine Veranstaltung, auf der sich ein handlungsfähiger Kern von acht Personen konstituierte. In der Folge wurde vor allem die Kritische Orientierungswoche an der FU (Korfu) zum Wintersemesterstart organisiert. Diese alternativen Einführungstage sind wichtig, da man bei Studienbeginn am besten neue Mitstreiter*innen gewinnen kann. Mit einem umfangreichen Programm aus Vorträgen, Workshops, Stadtführungen, einem dauerhaften Couchcafé im Mensafoyer, Demobesuchen sowie der obligatorischen Semesterauftaktparty versuchen wir, Erstsemester*innen (und allen anderen Studis) politischen Aktivismus und linke Ideen nahezubringen. Ein während der Korfu breit beworbenes offenes Treffen und viele persönliche Gespräche ermöglichen einen relativ einfachen Übergang zum dauerhafteren Politikmachen im Rahmen der Unigruppe. Dies funktioniert gut, sodass auf den ersten Treffen etwa 50 Interessierte mindestens einmal vorbeischauen. Viele kommen nicht wieder, aber es bildet sich ein fester Kern heraus. Zur Konsolidierung der Gruppe ist eine Klausurtagung wichtig: Einerseits sollen durch die Auseinandersetzung mit politischen Themen Projektideen für die nächsten Monate entwickelt werden, andererseits dient sie der Stiftung sozialen Zusammenhalts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppenpraxis besteht aus dem Dreiklang Bildung, Praxis und Soziales. In der Regel wird sich jede Woche mit inhaltlichen Themen auseinander gesetzt. Während in anderen politischen Zusammenhängen oft inhaltliche Debatten hinter dem drängenden Alltagsgeschäft zurückbleiben, werden diese hier explizit eingefordert. Dieses Bedürfnis nach politischer Selbstbildung ist eine Reaktion auf die Marginalisierung kritischer Lehrinhalte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der praktischen Ebene wird versucht, politische Konflikte an der Universität zu thematisieren und dort auszutragen. Zu Beginn gab es teils die Einschätzung, dass vor allem Themen relevant sind, die die Eigeninteressen der Studierenden betreffen, also Studien-, Wohn- und Finanzierungsfragen. Am erfolgreichsten war aber eine Kampagne zum Thema Flucht und Migration, konkret: für den Hochschulzugang von Geflüchteten sowie die Bereitstellung leer stehender Unigebäude als Unterkunft. Gesamtgesellschaftliche Polarisierung überträgt sich also auf die politische Stimmung an der Uni. Dazu gibt es natürlich die gemeinsame Teilnahme an Demos, Aktionen etc. und die leider wenig umgesetzte Idee, zeitnah mit Veranstaltungen an der Uni von links auf aktuelle Themen zu reagieren und damit auch Studis jenseits der linken Szene zu erreichen. Sowohl nach außen als auch nach innen ist wichtig, dass es ein pluralistisches Verständnis von links gibt, ohne ideologische Scheuklappen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Sozialen als dritte Säule ist das meist informell und jenseits der Gruppentreffen stattfindende gemeinsame Heiß- und Kaltgetränketrinken, Feierngehen und Zeitverbringen gemeint. Auch wenn eine Politgruppe mehr als ein Freundeskreis mit politischem Anstrich sein soll, ist eine sympathisch-freundschaftliche Atmosphäre von außerordentlicher Bedeutung. Um neue Genoss*innen zu gewinnen, muss man bereit sein, sich auf diese als Persönlichkeiten einzulassen und einen empathischen Bezug zu entwickeln. Dieser Aspekt lässt sich kaum als abstrakte oder technische Aufgabe klären und erfordert es als „Altkader“, seine Komfortzone zu verlassen. Alte Debatten müssen erneut geführt werden, Treffen laufen nicht nach eingespielten Rhythmen ab und bestimmte Dinge, die in der radikalen Linken doch eigentlich schon allen klar sind, sind es hier nicht unbedingt. Dieses Erfordernis eines aktiven und offenen Zugehens auf unbekannte Menschen teils ohne politische Erfahrung stellt sich auch und gerade während der Korfu.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;La:iz besteht an der FU neben den selbstorganisierten, oft linken Fachschaftsinitiativen (FSI). Diese bieten angesichts vieler hochschulpolitischer Aufgaben wenig Raum für allgemeinpolitische Themen. Der uniweite Ansatz von la:iz soll ein Angebot für Studis ohne das Glück einer (linken) FSI an ihrem Institut sein. Das Verhältnis ist aber kooperativ, und viele beteiligen sich über Asta und FSI an der studentischen Selbstverwaltung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kontinuität und Fluktuation&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ergebnis von knapp zwei Jahren Organisierungsbemühungen ist eine Gruppe mit etwa 25 Aktiven, verteilt über die gesamte Uni, allerdings mit Schwerpunkt auf Geistes- und Sozialwissenschaften, Tendenz (hoffentlich) steigend. Es werden regelmäßig Veranstaltungen und Aktionen an der Universität organisiert, und über die Verbindung zu anderen politischen Gruppen wird auch die Politik in anderen Feldern in organisierter Form unterstützt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz einer bis jetzt sehr kontinuierlichen Gruppenpraxis ergibt sich aber das Problem einer hohen Fluktuation. Nach 6 bis 18 Monaten verlassen viele die Gruppe. Im Idealfall organisieren sie sich woanders, im schlechtesten Fall war linkes Engagement nur vorübergehend. Wissenstransfer und Verantwortungsübergabe bleiben also eine permanente Herausforderung. Eine weitere liegt im Erfolg selbst begründet. Ab einer bestimmten Größe werden Treffen dysfunktional. Der Versuch mit dauerhaften Arbeitsgruppen funktionierte nicht, da diese sich nicht selbst getragen haben. Bei weiterem Wachstum wird sich so die oft zähe Frage nach anderen Organisationsstrukturen stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Fazit lässt sich festhalten, dass sich politische Handlungsfähigkeit über einen strategischen Zugang zu Studierenden aufbauen lässt. Wichtig ist, ein attraktives und offenes Angebot für politisches Engagement zu schaffen, das auf die Bedürfnisse von linken Studierenden eingeht. Der Kern davon ist der Dreiklang aus Bildung, Praxis und Sozialem und ein angenehmer Umgang in der Gruppe. Es gibt viele Menschen mit Interesse an linker Politik, man muss sie nur einladen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:21:39 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Ein politisch denkender Mensch zu sein...</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/ein-politisch-denkender-mensch-zu-sein</link>
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                    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;@font-face {   font-family: &quot;ＭＳ 明朝&quot;; }@font-face {   font-family: &quot;Cambria Math&quot;; }@font-face {   font-family: &quot;Cambria&quot;; }@font-face {   font-family: &quot;Corbel&quot;; }@font-face {   font-family: &quot;CooperBlack&quot;; }@font-face {   font-family: &quot;Corbel-Italic&quot;; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: Cambria; }p.berschrift1StyleGroup1, li.berschrift1StyleGroup1, div.berschrift1StyleGroup1 { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; line-height: 120%; font-size: 20pt; font-family: CooperBlack; color: black; }span.text { font-family: Corbel; }.MsoChpDefault { font-family: Cambria; }div.WordSection1 { page: WordSection1; } &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Interventionistischen Linken und ihrem Dunstkreis gibt es einige Genoss*innen, die beruflich akademisch tätig sind, sei es durch Unijobs oder als Postgraduierte. Die Frage, wie ihr Wissen aus akademischen und theoretischen Kontexten Organisierung beeinflusst, liegt auf der Hand – manchmal bringen sie ihr theoretisches Wissen in arranca!-Beiträgen ein. Eher selten fragen wir hingegen danach, wie Erfahrungen von Organisierten in einem Wechselverhältnis zur wissenschaftlichen Praxis stehen. Dies haben wir nachgeholt und erkunden so auch, was IL-Aktivist*innen eigentlich so neben ihrer Politarbeit machen und was sie im Berufsleben bewegt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Interventionistischen Linken und ihrem Dunstkreis gibt es einige Genoss*innen, die beruflich akademisch tätig sind, sei es durch Unijobs oder als Postgraduierte. Die Frage, wie ihr Wissen aus akademischen und theoretischen Kontexten Organisierung beeinflusst, liegt auf der Hand – manchmal bringen sie ihr theoretisches Wissen in arranca!-Beiträgen ein. Eher selten fragen wir hingegen danach, wie Erfahrungen von Organisierten in einem Wechselverhältnis zur wissenschaftlichen Praxis stehen. Dies haben wir nachgeholt und erkunden so auch, was IL-Aktivist*innen eigentlich so neben ihrer Politarbeit machen und was sie im Berufsleben bewegt. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;¿ Schaust du aufgrund deiner politischen Arbeit in der IL anders auf die Gegenstände, Themen, Subjekte usw., mit denen du dich in deiner akademischen Arbeit auseinandersetzt?&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Thea: &lt;/strong&gt;Auf jeden Fall, allein schon methodisch: Mich interessieren die Motive, Handlungsoptionen und alltäglichen Aneignungspraxen derjenigen, die ich in historischer Perspektive untersuche, immer noch am meisten. Ich bin zwar bis zu einem bestimmten Grad auch Strukturhistorikerin und interessiere mich für Institutionen und Organisationen, aber letztlich bin ich überzeugt, dass wir sie nur über die sie konstituierenden Akteure und ihre Praktiken verstehen können, und das wiederum hat sehr viel mit meiner politischen Erfahrung und den Diskussionen, die wir geführt haben, zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Petra:&lt;/strong&gt; Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Erfahrung viele Menschen im Wissenschaftsbetrieb mit kollektiven Prozessen und Arbeitsaläufen haben. Die meisten, mit denen ich zu tun habe, waren nie politisch organisiert, und während es bei der politischen Arbeit dazu gehört, Arbeitsprozesse und Entscheidungen demokratisch und transparent zu gestalten, sieht das an der Uni oft ganz anders aus. Ich arbeite mit Leuten, die finden Flurgespräche wichtiger als demokratische und transparente Absprachen. Das macht mich wütend, weil solche Praktiken ausschließend sind und diejenigen privilegieren, die sowieso schon privilegiert sind und beispielsweise mehr Zeit haben als andere, sich zu vernetzen. Kollektive Prozesse werden nicht unbedingt gefördert, sondern das akademische System produziert eher Einzelkämpfer*innen. Dabei entsteht Wissen ja eigentlich nie in einer Person allein, sondern kollektiv. Aber durch die hierarchische Organisation und den Selektionsdruck wird hier viel an kollektivem Potential verschenkt, das die Arbeit nicht nur angenehmer, sondern vermutlich auch produktiver machen könnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Was die Themen betrifft, kaum – ich bin Mittelalter-Historikerin … Die politische Arbeit hilft mir eher, meine akademische Arbeit etwas distan-zierter zu betrachten, den größeren Kontext nicht zu vergessen vor lauter Fußnoten und Karrieresorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bea:&lt;/strong&gt; Es ist weniger die konkrete Arbeit in der IL als ein politisch denkender Mensch zu sein, was meinen Blick auf wissenschaftliche Themen und die Nutzung bestimmter Theorien und Methoden prägt. Meine politische Perspektive hat mein Interesse für die Analyse von Herrschaftsverhältnissen, deren Kritik und Veränderung, verschiedene Formen von Macht etc. geprägt. Das Organisiert-Sein wirkt sich eher indirekt aus, indem es wichtiger Teil eines Korrektivs, einer Gegenwelt zum Wissenschaftsbetrieb ist, die hilft, institutionellen und inhaltlichen Anpassungszwängen entgegenzutreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;¿  Wirkt sich deine politische Arbeit auf deine Arbeitsweisen und Methoden aus? Mehr participatory action research, Militante Untersuchung, oder in der Art und Weise, wie du Menschen begegnest?&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Nicht unmittelbar. Ich mag Walter Benjamin und feministische Ansätze, aber das kommt einfach daher, dass ich Linke und Feministin bin und wäre sicher auch so, wenn ich nicht organisiert wäre.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Petra:&lt;/strong&gt; Da ich bisher immer in Projekten gearbeitet habe, die ich nicht selbst entwickelt habe, hatte ich noch nicht die Möglichkeit, besonders partizipativ zu forschen. Ich finde das aber sehr interessant und habe schon häufig mit Kolleg*innen darüber diskutiert. Als Problem der partizipativen Forschung wird häufig vorgebracht, dass ihr Prozess sehr viel aufwendiger wird, wenn man den Gedanken der Partizipation ernst nimmt, und das oft gar nicht finanziert wird. Vielleicht könnten beantragte Mittel auch umgeschichtet werden, um partizipative Forschung zu ermöglichen. Vor allem müssten Wissenschaftler*innen ihre Routinen verändern, wenn sie wirklich partizipativ forschen wollen, und ich glaube, dazu sind nur wenige wirklich bereit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei eurer Umfrage fehlt mir die Frage nach dem umgekehrten Effekt. Also ob die wissenschaftliche Arbeit auch einen Einfluss auf die politische Arbeit hat. Während meiner Zeit in der IL habe ich zumindest mehrfach mitbekommen, dass das ein Streitpunkt in der Gruppe war. Zum einen wurde der Gruppe oder einzelnen darin vorgeworfen, insgesamt zu akademisch, und damit ausschließend zu sein. Zum anderen wurden gesellschaftliche und wissenschaftliche Analysen und Theorie auch immer wieder eingefordert, um Standpunkte zu begründen. Für mich persönlich hatte die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Texten einen politisierenden Effekt. Ich habe mich im Laufe meines Studiums politisiert, nicht nur, aber auch über die Auseinandersetzung mit Texten. Gerade deshalb fand und finde ich es besonders spannend, mit Leuten in Kontakt zu sein, bei denen das anders gelaufen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;¿  Du organisierst Dich in einer politischen Gruppe, organisierst Du Dich auch in Deiner akademischen Arbeit? &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Kaum. Ich bin in einer Gewerkschaft … Aber ich finde es sehr wichtig, dem allgemeinen Karrierismus und Hierarchiedenken etwas entgegenzusetzen: solidarisches Teilen von Informationen, Einladungen nicht nur an alte Männer mit großen Namen, guter Umgang mit den Studierenden, bei Projektanträgen Kolleg*innen ohne feste Stelle mitdenken, solche Sachen. Das fühlt sich im Alltag an der Uni meist schon ganz schön revolutionär an – leider.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bea:&lt;/strong&gt; Die Organisation in der Wissenschaft ist ein großes Problem und ständiges Thema. Sie bleibt aber bislang unbefriedigend oder verläuft im Sande – sowohl was gewerkschaftliche Organisation des Mittelbaus als auch selbstorganisierte Zusammenhänge linker Wissenschaftler*innen betrifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Petra:&lt;/strong&gt; Bei meiner ersten Stelle habe ich mich mit anderen Wissenschaftler*innen organisiert, die in einer ähnlichen Lage waren wie ich. Es ging um Fragen wie die hohe Arbeitsbelastung, die Abgrenzung von der Vorstellung, dass ich als Wissenschaftler*in auch am Wochenende oder im Urlaub arbeiten muss, sowie die Auseinandersetzung mit Alltagssexismus in den Beziehungen zu Kollegen oder Chefs. Bei meiner aktuellen Stelle habe ich es bisher nur vereinzelt geschafft, mich mit Kolleg*innen zu politischen Aspekten meiner Arbeit auszutauschen. Vor allem, weil alle zu viel zu tun haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Thea:&lt;/strong&gt; Ich bin in der Gewerkschaft und mache ein wenig Gremienarbeit. Wissenschaftspolitik interessiert mich, und ich versuche, dranzubleiben, aber meine bisherigen Organisierungserfahrungen waren eher frustrierend und kompliziert. Widerständigkeiten sind eher möglich, wenn man die Institution und ihre Hierarchien kennt und die vorhandenen Eigenheiten für sich nutzt. Offene Konfrontation, so meine Erfahrung, funktioniert nur selten, und wenn man sich dafür entscheidet, braucht man einen sehr langen Atem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;¿  Wie integrierst Du Deine politische Arbeit in einen tendenziell entgrenzten Alltag akademischer Arbeit? &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Isa:&lt;/strong&gt; Schlecht. Das permanente schlechtgelaunte Gewissen wird zur vielköpfigen Hydra, der man nicht ausweichen kann und die zudem noch ´nen Marathon im Teufelskreis rennt: Widme ich mich meiner Doktorarbeit, so fühle ich mich schlecht, weil die Welt in Flammen steht, während ich am Schreibtisch sitze. Ganz furchtbar finde ich mich dann. Ganz nervös werde ich dann. Bis ich dann vom Schreibtisch aufstehe und rausgehe, um meinem schlechten Gewissen den Kopf abzuhacken und um gleich wieder knietief im politischen Aktivismus zu stehen. Dort draußen verheddere ich mich dann und übernehme für dies und jenes Verantwortung, und eh ich mich versehe, steht sie wieder vor mir, die Hydra. Diesmal wedelt sie mit Existenz--ängsten, mit dem Versagen an meiner Doktorarbeit und der mangelnden Leidenschaft für die Wissenschaft. Also gehe ich wieder rein und setze mich an den Schreibtisch. Während die Welt in Flammen steht. Dann finde ich mich wieder ganz furchtbar. Bis ich …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bea:&lt;/strong&gt; Nach tendenziell entgrenztem Politaktivismus und tendenziell entgrenztem Wissenschaftlerinnendasein versuche ich beidem Platz zu schaffen. Das klappt nicht immer, aber immer besser. Organisiert zu sein, hält mich bei der Stange und zwingt mich, der Politik Zeit einzuräumen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Schwierig. Zumal auch die politische Arbeit tendenziell entgrenzt ist. Meist habe ich ein konstant schlechtes Gewissen in beiden Bereichen und finde immer, dass ich zu wenig schaffe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Petra:&lt;/strong&gt; Im Moment schaffe ich es leider gar nicht, das zu integrieren. Ich bin politisch im Moment nur an kleineren Aktionen und Initiativen mit unregelmäßigen Treffen beteiligt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass ich im Moment nicht in der Stadt arbeite, in der ich auch lebe. Aber als ich anfing, wissenschaftlich zu arbeiten, habe ich auch begonnen, mich politisch zu organisieren. Während meines Studiums hatte ich nicht das Bedürfnis danach, mich zu organisieren – ich habe lieber so mitgemacht ohne mich fest zuzuordnen. Das kam dann erst mit der Lohnarbeit, und dort war es unglaublich wichtig für mich als Gegengewicht und Horizont meines restlichen Lebens. Eigentlich wäre es das für mich jetzt auch. Aber erst muss es klappen, dass ich meine Arbeit wieder an meinen Lebensort verlegen kann. Alles andere würde mich momentan überfordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Thea:&lt;/strong&gt; Ich bin (ironischerweise) wieder beim Kampagnenmachen gelandet. Großgruppen finde ich nicht zwingend falsch. Ich schaffe aber nicht mehr als ein Treffen die Woche, nicht nur, weil mir die Zeit fehlt, sondern oft schlicht auch Kraft und Nerven. Wenn ich mich mit Genoss*innen treffe (und ich mag es, wenn ich diese persönlich kenne), dann gerne um Dinge voranzubringen, Inhaltliches zu diskutieren und mit einem flexiblen Aufgabenbündel nach Hause zu gehen, das ich dann erledigen kann, wenn ich Zeit und Raum habe. Ich muss flexibler arbeiten, auch was meine politische Praxis angeht, und ich brauche für alles Deadlines, sonst kann ich nicht priorisieren, weil alles immer irgendwie wichtig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;¿  Politische Praxis und akademische Praxis: Wie stehst du zu der konventionellen Unterscheidung dieser beiden Felder? &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea:&lt;/strong&gt; Ich finde es sehr wichtig, akademische Arbeit als Lohnarbeit zu betrach-ten und nicht als politische Aktivität. Unis sind staatliche Betriebe, die für Studierende bestimmte Freiräume bieten, nicht aber für die dort Beschäftigten, weder inhaltlich noch von den Arbeitsbedingungen her. Zu meinen, dass die Themen dort dann völlig frei und politisch aufladbar seien, halte ich für falsch und für einen Grund, warum so viele von uns in der Uniarbeit verschwinden und dann für die Bewegung verloren sind. Dazu kommt der ganze Bereich von Statusgeilheit, Hierarchien und Titeljagden, was nicht nur den prekären Beschäftigungsverhältnissen geschuldet ist, sondern auch der Tatsache, dass es eben schwer ist, sich den Anerkennungsmechanismen zu entziehen, die an der Uni herrschen. Akademische Arbeit als Lohnarbeit zu sehen ist für mich die einzige Möglichkeit, dem Grenzen zu setzen – und damit Freiräume für meine eigene, selbstbestimmte politische Praxis zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Petra:&lt;/strong&gt; Forschung ist meines Erachtens immer auch politisch. Es gibt zwar Personen, die das Gegenteil behaupten. Aber ich sehe das nicht so. Der Blickwinkel, der eingenommen wird, die Frage, die gestellt wird, die Methoden, mit denen einer Frage nachgegangen wird … All das sind Entscheidungen, die von Wissenschaftler*innen getroffen und durchgeführt werden. Sie sind also immer auch als politische Subjekte in ihre Forschung involviert. Deshalb stellt sich immer auch noch die Frage nach dem Verhältnis von Forscher*in und Beforschten, also wer beforscht eigentlich wen. Und daran knüpft sich wiederum die Frage, wer eigentlich Zugang zum Wissenschaftssystem hat und wer nicht. Und so weiter. Ich kann jedenfalls nicht wirklich nachvollziehen, warum einige immer noch behaupten, dass Wissenschaft nicht politisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Isa:&lt;/strong&gt; Wenn ihr mit akademischer Praxis eine akademisch/theoretische Wissensproduktion meint, die sich politisch auf Gesellschaft bezieht und Machtverhältnisse analysiert und infrage stellt, sind verschiedene Antworten denkbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;a) Politische Praxis und akademische Praxis unterscheiden sich nicht und sind ein und dasselbe: Das finde ich quatsch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;b) Die politische Praxis kann man ohne akademische Praxis nicht denken: Diese Aussage würde sämtliche Formen des Wissens und des Widerstands diskriminieren und ausklammern, die in der Geschichte und Gegenwart auf »nicht-akademischen« Wissen beruhen (zum Beispiel Wissen von »Nicht‑-Akademiker*innen«, »nicht-westliches«, nicht-verschriftlichtes, nicht den weltlichen Rationalitäten entsprechendes Wissen). Außerdem impliziert diese Aussage, dass es sich um eine Einbahnstraße handelt. Allerdings ist die akademische Wissensproduktion zum Teil einfach eine andere Sprechweise der politischen Praxis - quasi ihre abstrahierte Übersetzung in die akademische Sprache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;c) Die politische Praxis braucht keine Theorie: Diese Aussage würde darüber hinweggehen, dass uns die Theorie durch ihre Abstraktion ermöglicht, Gesellschaft nicht nur unmittelbar zu denken. Sie gibt uns wertvolle Instru-mente in die Hand, die uns stark machen. Sie kann eine Hilfe sein, unser politisches Erbe zu verwalten, zu verstehen und Verbindungen von vergangenen und gegenwärtigen Kämpfen aufzutun. Mir persönlich helfen meine akademischen Auseinandersetzungen in meinem politischen Aktivismus sehr weiter. Ich würde viele Machtverhältnisse nicht begreifen und nicht gegen sie angehen können, ohne meine theoretischen Auseinandersetzungen. Allerdings würde ich, wenn ich nicht auch politisch aktiv wäre, meine akademischen Auseinandersetzungen nicht als politische Praxis, sondern schlicht als politisch bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;d) Vielleicht muss man diese Frage einfach ihrer Ungeklärtheit überlassen und die Frage selbst als eine politische Diskussion ansehen, die wir immer wieder führen müssen, um die Balance zu halten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Thea:&lt;/strong&gt; Für mich stimmt sie ein Stück weit. Es wäre sicherlich besser, die politische Praxis unterschiedslos auch ins akademische Alltagsleben mit hineinzutragen, aber das funktioniert für mich nur auf der persönlichen Ebene, in Bezug auf meine Vorstellungen von Miteinander und Solidarität und (ein Stück weit) in Bezug auf die Wahl meiner Themen und die methodischen Ansätze. Im Hinblick auf die symbolische Ebene, auf offenen Widerstand und fundamentale Kritik bestehender Strukturen (und der Menschen, die sie gestalten) funktioniert es oft nicht; ich habe oft nicht die Kraft und auch keine Lust, alle Widersprüche, Hierarchien und politischen Ärgernisse in deutschen Universitäten permanent zu benennen und zu bekämpfen. Ein Stück weit leben wir alle glaube ich in unserem Arbeits-alltag mit permanenten Widersprüchen, die auszuhalten je nach Kontext Kraft sparen kann, oder aber so erdrückend werden kann, dass ein offener Bruch dann doch sehr befreiend wirkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bea: &lt;/strong&gt;Für mich haben politische und akademische Praxis eine große Schnittmenge. Meine politische Praxis hat überhaupt erst mein Inte-resse für Wissenschaft geweckt, lässt mich bestimmte Themen bearbeiten oder Fragen stellen. Andersrum hat meine wissenschaftliche Arbeit mich politische Zusammenhänge besser verstehen lassen und auch meine strategische Perspektive beeinflusst. Das Ziel politischer und akademischer Praxis ist für mich immer das gleiche: Gesellschaft zu verändern.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:17:33 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Rise Together*</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/rise-together</link>
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                    &lt;p&gt;Es gibt hierzulande wohl nur eine Wahl, die politische Prozesse ausreichend reflektiert: die Wahl zum österreichischen Wort des Jahres. Dem Gewinnerwort 2015 „Willkommenskultur“ steht dabei „besondere bauliche Maßnahmen“ als Unwort gegenüber, eine euphemistische Bezeichnung für den kilometerlangen Zaun an der slowenischen Grenze in Spielfeld/Špilje. Doch obwohl dieser vermeintliche Widerspruch in Österreich, wie in vielen anderen Ländern Europas, inzwischen staatspolitische Praxis ist, kommt darin auch eine gesellschaftliche Polarisierung zum Ausdruck, wie sie hierzulande nur selten erlebt wurde. Am Arbeitsplatz, im Seminar, in Schulklassen – den Debatten rund um die Flucht- und Migrationsbewegung konnte man sich spätestens seit September letzten Jahres nicht mehr entziehen. Dabei kam Österreich im langen Sommer der Migration genau genommen nur als Transitland eine herausragende Stellung zu. Die meisten Refugees, die zunächst über Ungarn und dann Slowenien nach Österreich gelangten, reisten direkt nach Norden weiter. Aber auch als Asyl-Raum wurde Österreich im Laufe des Jahres 2015 zunehmend relevanter. Etwa 85000 Menschen stellten einen Antrag auf Asyl, dreimal so viele wie im Vorjahr, und relativ zur Einwohner*innenzahl lag Österreich im EU-Vergleich damit an dritter Stelle.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Es gibt hierzulande wohl nur eine Wahl, die politische Prozesse  ausreichend reflektiert: die Wahl zum österreichischen Wort des Jahres.  Dem Gewinnerwort 2015 „Willkommenskultur“ steht dabei „besondere  bauliche Maßnahmen“ als Unwort gegenüber, eine euphemistische  Bezeichnung für den kilometerlangen Zaun an der slowenischen Grenze in  Spielfeld/Špilje. Doch obwohl dieser vermeintliche Widerspruch in  Österreich, wie in vielen anderen Ländern Europas, inzwischen  staatspolitische Praxis ist, kommt darin auch eine gesellschaftliche  Polarisierung zum Ausdruck, wie sie hierzulande nur selten erlebt wurde.  Am Arbeitsplatz, im Seminar, in Schulklassen – den Debatten rund um die  Flucht- und Migrationsbewegung konnte man sich spätestens seit  September letzten Jahres nicht mehr entziehen. Dabei kam Österreich im  langen Sommer der Migration genau genommen nur als Transitland eine  herausragende Stellung zu. Die meisten Refugees, die zunächst über  Ungarn und dann Slowenien nach Österreich gelangten, reisten direkt nach  Norden weiter. Aber auch als Asyl-Raum wurde Österreich im Laufe des  Jahres 2015 zunehmend relevanter. Etwa 85000 Menschen stellten einen  Antrag auf Asyl, dreimal so viele wie im Vorjahr, und relativ zur  Einwohner*innenzahl lag Österreich im EU-Vergleich damit an dritter  Stelle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was die Asylpolitik betrifft, ist Österreich dabei, eine  traurige Vorreiterrolle einzunehmen: Sprach man sich bis vor kurzem noch  klar gegen eine Obergrenze für die Aufnahme von Geflüchteten aus, so  ist Österreich nun das erste Land Europas, das eine solche beschließt.  Auf diese Weise soll das brüchig gewordene Fundament der Festung Europa  wieder Stück für Stück untermauert werden. Weitere Maßnahmen betreffen  eine geplante Ausweitung der Liste sicherer Herkunftsstaaten, eine  Kürzung der Sozialleistungen für Asylsuchende, eine Erschwerung des  Familiennachzugs, intensivierte Grenzkontrollen und 50000 Abschiebungen  in den nächsten drei Jahren. Diese bevorstehenden Restriktionen setzen  die Refugee-Bewegung erheblich unter Druck, und die kommenden Wochen und  Monate werden entscheidend für den weiteren Verlauf des aktuellen  Kampfzyklus sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu einem Zeitpunkt, an dem die große Koalition  scheinbar beginnt, den Forderungskatalog der rechtsextremen FPÖ  abzuarbeiten, ist auch eine Radikalisierung der rechten Szenen in  Österreich zu beobachten. Verschiedene ultranationale Kleinstgruppen,  die sich vorwiegend aus dem Burschenschafter- und Neonazimilieu  rekrutieren, mobilisieren fast wöchentlich zu rassistischen Kundgebungen  und Aufmärschen und versuchen so, ihren Einflussbereich auszuweiten.  Wie jüngst veröffentlichte Statistiken zeigen, ist auch das  Gewaltpotential – ähnlich wie in Deutschland – im letzten Jahr erheblich  gestiegen. Im Sommer schien „Refugees Welcome“ noch in allen Köpfen,  nun werden politische Diskurse und Praktiken zunehmend in reaktionäre  Formen gegossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Refugee-Protest-Camps&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Refugee-Bewegung ist in Österreich gleich in mehrerlei Hinsicht  bedeutend. Es handelt sich dabei um die größte soziale Bewegung seit  Jahrzehnten. Ins Auge fallen allerdings nicht nur ihre Größe, sondern  vor allem auch ihre Entschlossenheit und der hohe Grad an  Selbstorganisierung. Ein wichtiges Datum in diesem Zusammenhang ist der  24. November 2012, ein Tag, an dem sich hunderte Asylwerber*innen  aufgrund der unerträglichen Zustände in ihren Notunterkünften zu einem  Marsch von Traiskirchen nach Wien formierten. Im Wiener  Sigmund-Freud-Park errichteten die Refugees ein Protest-Camp, das nicht  nur die Funktion hatte, jene prekäre Lage von Asylwerber*innen  öffentlich anzuprangern, sondern auch als Ort der Kommunikation,  Organisierung und Solidarisierung fungierte. Nachdem das Camp aus  fadenscheinigen Gründen polizeilich geräumt wurde, besetzten die  Aktivist*innen die benachbarte Votivkirche, und es entbrannten  monatelange Kämpfe um die Anerkennung von Forderungen der Bewegung.  Refugees wurden so als aktive politische Subjekte sichtbar und die  vorherrschenden Opfer- und Sicherheitsdiskurse zumindest ein Stück weit  in Frage gestellt. Von staatlicher Seite wurde darauf mit Repression und  Kriminalisierung geantwortet. Neben Räumungen und Abschiebungen wurden  im Sommer 2013 acht Männer, die sich in der Bewegung engagiert hatten,  unter dem Vorwurf der „Schlepperei“ verhaftet. Im sogenannten  „Fluchthilfeprozess“ wurden sieben der acht Angeklagten nach § 114 FPG  („Schlepperparagraf“) verurteilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch in Graz wurde ein  selbstorganisiertes Refugee-Protest-Camp im September 2015 infolge einer  Spontandemonstration gegen die unzumutbar langen Wartezeiten im  Asylverfahren errichtet. Die Entwicklungen im Camp verliefen ambivalent.  Die Refugees setzten auf enge Zusammenarbeit mit den zuständigen  Behörden und erwirkten so einen legalen Rahmen, der das Camp als  Protestform über mehrere Wochen sicherte. Das verschaffte den  Asylsuchenden einen Spielraum, in dem verschiedenste Formen von  Diskursarbeit ausprobiert werden konnten – es gab Pressekonferenzen,  offene Plena, eine Refugees-Welcome-T-Shirt-Aktion und mehrere Demos.  Viele Refugees hatten allerdings die Befürchtung, ihre Teilnahme am  Protest-Camp gefährde ihren Antrag, anstatt ihn zu beschleunigen. Dass  Spaltungen von oben auch in der Bewegung selbst wirksam werden können,  zeigte eine offene Diskussion darüber, ob das Camp nur für Menschen aus  Syrien und dem Irak eine Plattform bieten solle, weil in anderen Ländern  „kein richtiger Krieg“ herrsche. Die Individualisierung von Interessen  verhinderte so die Möglichkeit, durch einen breiten Schulterschluss den  nötigen Druck aufzubauen, um die Forderungen einzulösen. Das  Innenministerium legte noch während der Laufzeit des Camps einen Entwurf  für ein neues Asylgesetz vor, das unter anderem den Familiennachzug für  Geflüchtete erschwert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ermöglicht wurde das Camp in Graz  maßgeblich durch den Support der Unicorns Against Borders, einer  autonomen Gruppe, die sich angesichts der Ereignisse im August/September  formierte und neben der Beteiligung einiger IL-Aktivist*innen vor allem  von Einzelaktivist*innen getragen wurde. Die Arbeit in und an der  Gruppe endete mit dem Camp. Diese Chronologie ist symptomatisch für die  linke Szene in Graz: Eine stets ähnlich zusammengesetzte Gruppe arbeitet  eventbezogen am Aufbau von Organisationsstrukturen, um diese wieder  fallen zu lassen, sobald das Event vorbei ist. Nicht nur, dass diese  spontanen Organisationsformen die daran Beteiligten oft in den  Aktivismus-Burnout treiben, wie dieses Beispiel abermals zeigte, sie  bleiben auch notwendigerweise in elitären Kreisen verhaftet. Als IL Graz  versuchen wir, diese Erfahrungen für die eigene Organisierung aber auch  in kritischer Auseinandersetzung mit der linken Szene in Graz fruchtbar  zu machen. So konnte ein Prozess angestoßen werden, der mit dem Aufbau  der IL Graz vor etwas mehr als einem Jahr begann und dem nun allmählich  weitere Zusammenschlüsse folgen. Dies ist Teil des Versuches eines  umfassenden Re-Organisierungsprozesses der Linken in Österreich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;„March of Hope“ und Supportbewegung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 4. September 2015 setzte sich am Budapester Ostbahnhof eine Gruppe  von etwa 1200 Refugees in Bewegung mit dem erklärten Ziel, zu Fuß nach  Österreich zu marschieren. Ausschlaggebend dafür waren die desaströsen  Zustände, unter denen Geflüchtete in Ungarn festgehalten wurden. Als  ihnen schließlich sogar die Nahrungsversorgung verweigert wurde,  beschlossen die Refugees, den etwa 50-stündigen Fußmarsch in Richtung  österreichischer Grenze anzutreten. Dies löste eine breite Welle der  Solidarisierung aus, deren Echo bis heute nachhallt. Bereits am nächsten  Tag startete ein Konvoi aus Wien, um den Marsch zu unterstützen und  teilweise auch aktiv Fluchthilfe zu leisten. Ihm sollten weitere folgen.  Bemerkenswert war, dass sich trotz der damit verbundenen Gefahren und  der Kriminalisierung von Fluchthilfe in der jüngsten Vergangenheit  Menschen aus allen sozialen Gruppen an diesen Aktionen beteiligten.  Dieser kollektive Akt erzeugte letztendlich auch den politischen Druck,  der dazu führte, dass Deutschland und Österreich ihre Grenzen öffneten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am  Wiener Westbahnhof wurden die Refugees von einem breiten Bündnis von  Aktivist*innen empfangen, das autonom die Versorgung der geflüchteten  Menschen sicherstellte. Die so aufgebaute „Willkommensklinik“ konnte  über Wochen erhalten und genutzt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was hier und in vielen  anderen Ländern Europas passierte ging weit über humanitäre Nothilfe  hinaus. Selbst der kritischen Beobachter*in konnte der emanzipatorische  Charakter dieser Bewegung nicht verhüllt bleiben, wobei es natürlich  auch mit einiger Ambivalenz zu betrachten ist, wenn freiwillige  Helfer*innen Aufgaben übernehmen, die eigentlich dem Staat obliegen.  Dieser zögerte nicht, die gegen ihn und seine Politik gerichtete  Bewegung nationalistisch zu vereinnahmen und die politische Dimension  der Bewegung wegzuleugnen. Im Gegenteil aber wurde in diesen Tagen von  einem relevanten Teil der österreichischen Bevölkerung mit aller  Deutlichkeit gezeigt, dass der mörderischen Politik des Grenzregimes  kein gesellschaftlicher Rückhalt zukommt. Hier eine Trennungslinie zu  ziehen und Verantwortungen klar zu benennen erwies sich als wichtiges  diskursives Interventionsfeld. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Weitermachen?!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Von der überraschenden Solidaritätswelle regelrecht überrollt,  blieb die österreichische Linke mit Hoffnung, Mut und einem großen  Fragezeichen auf der Stirn zurück. Beide Pole der Bewegung –  Refugee-Kämpfe und Support – trafen auf eine völlig unvorbereitete  Linke. Dabei wären die Zeichen leicht zu erkennen gewesen, denn viele  Menschen sind bereits seit Jahren in unzähligen kleinen Initiativen im  Refugee-Support bundesweit aktiv – als Deutschlehrer*innen,  Übersetzer*innen, Amtsbegleiter*innen et cetera. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Anschluss an  das Protest-Camp in Graz etablierte sich eine regelmäßige, offene  Austauschplattform, wo für und mit den Protagonist*innen des Camps  „Strategien, Maßnahmen und Situationen“ entwickelt werden, die auf  weitere Proteste und das Zusammenleben in Graz abzielen. Wir erfuhren  dort, dass die Aktivist*innen nach dem Camp zwar mit einiger  Enttäuschung auf ihren politischen Kampf zurückblicken, ihre Forderungen  jedoch aufrechterhalten und weiterhin auf der Suche nach Support und  Öffentlichkeit sind. Als IL Graz haben wir nun die Konsequenz gezogen  und wollen antirassistische Arbeit stärker in den Fokus unserer  politischen Praxis nehmen. Neben regelmäßigen Treffen mit den  Genoss*innen aus Wien wird ein weiterer Schritt die Vernetzungsarbeit  mit Aktivist*innen aus Slowenien, Kroatien und Italien sein; erste  Treffen sind bereits in Planung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was antifaschistische Kämpfe  betrifft, bildet Spielfeld/Špilje ebenfalls einen zentralen Bezugspunkt,  denn Rechtsextreme und Neofaschist*innen mobilisierten im Herbst 2015  genau dorthin zu wöchentlichen Kundgebungen und Demonstrationen, während  Antifaschist*innen versuchten, ihnen das „Spielfeld“ nicht zu  überlassen. Dieses Verhältnis hat sich inzwischen weiter verschärft,  sodass wir uns nun in einer besonders kritischen Phase befinden, in der  auf beiden Seiten Neuzusammensetzungen des Protest-Spektrums  stattfinden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir glauben, dass es ein Erfordernis dieser Zeit  ist, antirassistische und antifaschistische Arbeit zusammen zu denken  und praktisch zu verbinden, denn alle diejenigen, die entgegen tiefsten  Spaltungen und vermeintlichen Sachzwängen auch jetzt noch „Refugees  Welcome“ aus tiefster Lunge schreien, sind unsere Verbündeten im Kampf  um eine solidarische Gesellschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jürgen aus Graz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:14:24 +0000</pubDate>
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 <title>Gegenmacht und Doppelherrschaft</title>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ab 2007 schlug die Weltwirtschaftskrise auch in San Diego zu.  Der Krise folgten Protestwellen, links in Form von Occupy, rechts in  Form der Tea Party. Im Ergebnis aber wurde die Krise vom  Herrschaftssystem genutzt: Zur Lösung der Krise des Neoliberalismus  wurde ein noch härterer Neoliberalismus propagiert. Nach dem Scheitern  der linken Bewegungen ist deswegen eine nüchterne Neubewertung notwendig  geworden. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

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        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ab 2007 schlug die Weltwirtschaftskrise auch in San Diego zu. Der Krise folgten Protestwellen, links in Form von Occupy, rechts in Form der Tea Party. Im Ergebnis aber wurde die Krise vom Herrschaftssystem genutzt: Zur Lösung der Krise des Neoliberalismus wurde ein noch härterer Neoliberalismus propagiert. Nach dem Scheitern der linken Bewegungen ist deswegen eine nüchterne Neubewertung notwendig geworden. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige von uns, die vorher bei Occupy engagiert waren, haben sich zusammengefunden und eine linke Organisation gegründet. Wir begannen als Lesekreis, um unsere politische Vergangenheit zu verstehen, und um zu sehen, was funktioniert hat und was nicht. Nicht nur damit wir vergangene Fehler nicht wiederholen, sondern auch um weniger rigide in unserer Analyse und Form zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser Ausgangspunkt war die Ablehnung von Kapitalismus, &lt;em&gt;weißer&lt;/em&gt; Vorherrschaft, Patriarchat und Nationalstaat, das Streben nach ökonomischer und politischer Selbstbestimmung, die Förderung von Werten und Praktiken der &lt;em&gt;racial equality&lt;/em&gt; und des Feminismus. Dabei wollten wir auch Alternativen aufzeigen und verstanden uns als ein Teil einer notwendig breit und pluralistisch aufgestellten Linken. Das Ergebnis war die &lt;em&gt;Democratic Autonomy Federation&lt;/em&gt; (DAF, Föderation für demokratische Autonomie) in San Diego.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Grundlegende Fragen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir stellten uns Fragen zum Zweck einer politischen Organisation und zu ihrem Verhältnis zur Gesellschaft. Auf der Suche nach Antworten wandten wir uns anarchistischen Genoss*innen zu, die zumeist in Südamerika, vor allem in Brasilien und Chile, agieren und auch die US-amerikanische &lt;em&gt;Black Rose Anarchist Federation&lt;/em&gt; stark beeinflusst haben. Die Anarchist*innen, mit denen wir sprachen und über die wir gelesen haben, waren insbesondere Teil der Strömung des &lt;em&gt;Especifismo&lt;/em&gt;, die einen starken Rückhalt in Uruguay und später in Chile und Brasilien entwickelt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir identifizierten zwei verschiedene Felder -- von Organisierung: das politisch/ideologische und das Feld der sozialen Bewegungen. Das Feld der sozialen Bewegungen ist dasjenige, das letztlich zu sozialer Transformation führt. Gesellschaftliche Transformation wird durch die Entwicklung von Massenorganisationen möglich, die nicht nur in Opposition zum Staat stehen, sondern auch in der Lage sind, Funktionen von Wirtschaft und Staat zu ersetzen. Man denke an syndikalistische Gewerkschaften, die an Größe, Macht und Ausgereiftheit gewonnen haben und damit nicht nur in der Lage sind, ein Unternehmen lahm zu legen, sondern auch, es ohne Anleitung durch Kapital und Management zu betreiben. Vergleichbar können sich Gruppen auf Gemeindeebene organisieren, um öffentliche Einrichtungen zu entwickeln – man denke an &lt;em&gt;Passe Livre&lt;/em&gt; in Brasilien, die &lt;em&gt;Bus Riders Union&lt;/em&gt; in Los Angeles oder Mieter*innenvereinigungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allerdings bedeutet das nicht, dass es keinen Bedarf an politischer oder ideologischer Organisation gibt. Wie Lenin schon feststellte, werden soziale Bewegungen nicht notwendigerweise das Bewusstsein entwickeln, das erforderlich ist, um die gegenwärtige Gesellschaft zu verändern. Daher ist es erforderlich, dass die Linke in der Lage ist, politische und strategische Theorie zu entwickeln, ideologische Propaganda zu produzieren, sich in politischer Bildung zu engagieren, und vor allem, dieses Verständnis in soziale Bewegungen einzubringen, mit den Mitteln, die die &lt;em&gt;Federacion Anarquista do Rio de Janeiro&lt;/em&gt; soziale Einfügung &lt;em&gt;(inserción social)&lt;/em&gt; nennt. Durch Einfügung entwickelt eine politische Organisation ihre politische Praxis in einer sozialen Bewegung, worin sie als aktive Minderheit arbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soziale Einfügung bedeutet, dass die politische Organisation nicht danach strebt, soziale Bewegungen auf ihre ideologische Linie zu bringen. Das würde diese nur zu Frontorganisationen degradieren und vermutlich zum Verlust ihrer Mitglieder führen. Soziale Bewegungen müssen ohne strikte ideologische Verpflichtung offen für die Massen sein. Wenn wir zum Beispiel aufrufen, Teil einer Studierendengewerkschaft zu werden, fragen wir die Leute nicht, wie sie wählen oder was sie über den Kapitalismus denken, bevor sie sich anschließen können. Vielmehr zielt die politische Organisation darauf ab, ihre Ideen in die sozialen Bewegungen zu tragen, als analytische und strategische Werkzeuge in die Hände der sozialen Bewegungsakteure.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus folgt, dass soziale Bewegungen politische Akteure in ihren Reihen brauchen, die in der Lage sind, die Grenzen des Systems zu erfassen und Werkzeuge besitzen, diese zu überwinden. Das ist eine Funktion, die von politischen Organisationen übernommen wird. Diese sollten danach streben, die sozialen Bewegungen in der Art zu beeinflussen oder zu bilden, dass sie sich in horizontaler und demokratischer Weise organisieren sowie Strukturen schaffen, die Fragen von &lt;em&gt;gender&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;race&lt;/em&gt; vorantreiben und gleichzeitig ein gegenhegemoniales Verständnis im Verhältnis zum Kapital entwickeln. Dabei muss die Autonomie der sozialen Bewegung gegenüber Kapital und Staat bestehen bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Macht, Gegenmacht, Doppelherrschaft&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Zusammenhang ist ein klarer Begriff von Macht notwendig. Hierfür hat die DAF Konzepte von Gegenmacht und Doppelherrschaft verbunden. Gegenmacht im Sinne von David Graeber ist die Entwicklung von autonomen sozialen Institutionen in den Händen von Volkskräften statt in denen des Staates. Institutionen von Gegenmacht bieten eine materielle Basis für die Entwicklung von revolutionären Kräften und revolutionären Subjekten. Gegenmacht ist eine relationale Struktur, da sie ohne den Staat existiert und dennoch in Verbindung zu ihm steht. Institutionen von Gegenmacht sind vorausdeutende Organe transformativer Macht, aus denen sich neue Gesellschaften konstruieren können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allerdings genügt es nicht, Gegenmacht aufzubauen. Die Geschichte zeigt, dass der Aufbau von zu viel Gegenmacht zu einer gewalttätigen Reaktion führt (Spanien 1936, USA in den 1970ern, Chiapas 1994, die Türkei heute). Aus diesem Grund ist ein Einfluss auf den bestehenden Staat erforderlich. Dafür haben wir uns Lenins Konzept der Doppelherrschaft ausgeliehen. Ausgangspunkt war, dass die bürgerliche Übergangsregierung im revolutionären Russland 1917 auf die Zustimmung der Sowjets (Arbeiterräte) angewiesen war. Die Fähigkeit, in einem Transformationsprozess die staatlichen Institutionen zu kontrollieren oder zumindest zu beeinflussen, verstehen wir als Doppelherrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie von Gegenmacht fokussiert auf den strukturellen Aufbau von horizontalen, demokratischen und sozialen Bewegungsorganisationen die mit der Zeit zu den Hauptinstitutionen werden, die das Leben der breiten Massen organisieren. Sollte das erreicht werden, würde eine Massenbasis entstehen von der ausgehend transformative Kräfte und Ansprüche entwickelt werden könnten. Allerdings erkennen wir, dass der Aufbau so einer Massenbasis uns einer Gefahr von Seiten des Staates aussetzt. An dieser Stelle interveniert die Theorie der Doppelherrschaft und rät der Linken, zur Selbstverteidigung Fähigkeiten zu entwickeln um die primären gesellschaftlichen Institutionen zu beeinflussen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Praxis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA hat die Summe der Studienkredite die der Kreditkartenschulden übertroffen und liegt nicht mehr weit hinter dem Hauptmotor der Schuldenakkumulation, dem Eigenheim. Die Schulden, die Studierende anhäufen, werden auf dem Kapitalmarkt gehandelt und helfen dabei, Imperialismus und Rassismus voranzutreiben, wie zum Beispiel an den Investitionen der &lt;em&gt;University of California&lt;/em&gt; in privatisierte Gefängnisse und in den militärisch-industriellen Komplex zu erkennen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angesichts der deindustrialisierten und neoliberalen Realität in den USA beschlossen wir, dass die Demokratisierung der Universität ein lohnendes Ziel sei. Wäre die Universität einmal unter demokratischer Kontrolle, könnte sie potentiell transformativen Zielen dienen, indem sie Wissen produziert, von dem soziale Bewegungen profitieren würden, und indem sie mehr Menschen politisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor diesem Hintergrund trat ich einer Graduierten-Studierendengewerkschaft an der UCSD (University of California in San Diego) bei, der &lt;em&gt;UAW 2865&lt;/em&gt; (United Auto Workers). Auf Grund des konservativen Klimas in San Diego war es schwierig, linke Positionen in der Ortsgruppe auf dem Campus in San Diego zu etablieren. Erst 2012 gelang es, eine Öffnung zu erreichen und der konservativen Fraktion die Kontrolle zu entziehen. Zentral war der Aufbau einer Ortsgruppe der &lt;em&gt;AWDU&lt;/em&gt; (Academic Workers for a Democratic Union) in San Diego, einer linken Organisation innerhalb der Gewerkschaft, die nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte 2008 gegründet worden war. Eine wichtige Rolle im folgenden Kampf spielte auch die Ortsgruppe der &lt;em&gt;IWW&lt;/em&gt; (Industrial Workers of the World) an der UCSD.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gemeinsam mit den örtlichen Mitgliedern der AWDU, des IWW und anderen linken Studierenden waren wir in der Lage, Entscheidungspositionen in der Gewerkschaft zu übernehmen. Zusammen konnten wir Streiks organisieren, die nicht nur halfen, Gehaltsverbesserungen zu erreichen, sondern auch Genderthemen in den Vordergrund rückten. Indem sie &lt;em&gt;all-gender&lt;/em&gt;-Toiletten als ein Arbeitsrecht verankerten, erweiterte die Gewerkschaft das Feld der Themen, in der sie ein Mitspracherecht hat. Dies war Teil eines positionalen Kampfes, der die Grundlage für eine weitere Demokratisierung der Universität gelegt hat, denn die Universität hatte jahrelang ihre Politik, nur über »Brot&amp;amp;Butter« -Themen zu verhandeln, erbittert verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem gab es auch Fehlschläge. Nach der Übernahme der Betriebsgruppe folgten wir meist unseren persönlichen Plänen, mich eingeschlossen. Wir fielen zurück in unsere vorherige Praxis, vor allem ins Sektierertum, statt ein gemeinsames Verständnis über die Funktion der Gewerkschaft innerhalb einer Bewegung für eine demokratische Universität zu entwickeln, ohne die anderen Studierendenorganisationen zu demokratisieren und selbständiger zu machen, und ohne Klarheit darüber zu erlangen, was unsere Rolle als Vertrauensleute innerhalb der Gewerkschaft hätte sein können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als im Herbst 2014 eine Erhöhung der Studiengebühren angekündigt wurde, versuchten die DAF-Mitglieder unter uns, Koalitionen unter den vielen Studierendengruppen zu entwickeln. Da wir uns durch die Situation unter Druck gesetzt fühlten, versuchten wir, außerhalb der Gewerkschaft selbständige Koalitionen zu entwickeln, auf der Grundlage von Solid-arität und gegenseitiger Unterstützung, um die Stärke sozialer Bewegungen voranzutreiben. Den Aktiven fehlte allerdings eine Theorie, wie das funktionieren könnte, und so zerfielen die Bündnisse schnell, da niemand den Wunsch oder die Zeit hatte, eine derartige Theorie zu entwickeln. Rückblickend haben wir hier (versehentlich) eine der größten Studierendenorganisationen auf dem Campus ignoriert – die Gewerkschaft – und von einem bunten Haufen überarbeiteter Studienanfänger*innen erwartet, Theorie und Praxis zu entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus Angst, autoritär zu wirken, haben wir nur Einladungen zu Treffen geschickt, ohne eine klare Struktur von Zielen oder potentiellen Formen vorzuschlagen. So haben wir nach unserem eigenen Verständnis nicht die Funktion einer politischen Organisation erfüllt. Die Ergebnisse waren vage Solidaritätserklärungen untereinander, wobei aber wenig in die Praxis umgesetzt wurde. Die Entwicklung pluralistischer Strukturen, die eine gemeinsame Bestimmung von Zielen bei gleichzeitiger Wahrung von Autonomie und Einheit sowie zusammen geführte Kämpfe um gemeinsame Forderungen ermöglichen, ist eine Aufgabe, die eine soziale Bewegung in einer Krise kaum bewältigen kann – egal wie klein die Krise sein mag.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Ergebnis bleibt eine der drängendsten Fragen der autonomen Linken: Wie können wir Blöcke aus vielfältigen Organisationen und Bewegungen bilden, die in der Lage sind, den Status Quo herauszufordern? Einheit, Solidarität und gegenseitige Unterstützung sind, neben der Notwendigkeit Autonomie zu bewahren, dabei die Hauptanliegen. Jedenfalls können diese Blöcke, wenn sie richtig entwickelt werden, theoretisch die Basis einer neuen politischen Form sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;strong&gt;Zum Weiterlesen:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Juanita Martinez und Andrej Mayer (Hg.): Theorie und Praxis des Especifismo – Eine Textsammlung, Edizioni La Contrabbandiera, 2011&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noam Chomsky: The Death of American Universities, Jacobin Magazine 2014, jacobinmag.com/2014/03/the-death-of-american-universities&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michael Hardt: Spaces for the Left (Interview), ROAR Magazine #0, S. 166, Foundation for Autonomous Media, 2015&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:11:25 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>«J’ai compris que nous luttons pour une même cause»</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/j-ai-compris-que-nous-luttons-pour-une-meme-cause</link>
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                    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;Interventionistische Linke&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;(IL), est une fusion de groupes de gauche et de personnes de la gauche non dogmatique et émancipatrice. (Fusion de FelS, Avanti et ALB, et autres personnes en 2015). Ils sont actifs dans les luttes antiracistes, féministes et climatiques. Le groupe InterSol travaille sur des thèmes concernant la politique d´asile en Allemagne et les droits des refugiés. Ils travaillent dans deux langues (français-allemand).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Women in Exile&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;travaille à Berlin et en Brandebourg en visitant des « Lager » pour réaliser différents workshops. Cette organisation a été fondée par des femmes refugiées.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Corasol&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;est un petit groupe, spontané et très actif qui fournit soutien moral et politique aux refugiés, par exemple avec la lutte contre « Gutscheine », l´organisation de manifestations ou « Solizimmer ». Ils organisent chaque semaine des réunions en anglais, français et allemand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Comment avez-vous connu votre groupe politique? Avez-vous déjà fait la politique dans vos pays?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Je suis a Woman in Exile. Je connais le groupe parce qu´il y a des membres de ce groupe qui sont venus dans notre lager pour nous expliquer ce qu’elles font. Le groupe m´a parlé de leur ligne politique qui était une lute pour les droits des femmes d´asile et des personnes victimes des injustices, je me suis intéressée et j’ai milité. J’ai fait une expérience dans les années 1991, suite à l’arrivée de la démocratie dans mon pay le Cameroun et j’ai perdu beaucoup d’amis et j’ai eu peur, c´est pourquoi j’ai arrêté.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Interventionistische Linke &lt;/strong&gt;(IL), est une fusion de groupes de gauche et de personnes de la gauche non dogmatique et émancipatrice. (Fusion de FelS, Avanti et ALB, et autres personnes en 2015). Ils sont actifs dans les luttes antiracistes, féministes et climatiques. Le groupe InterSol travaille sur des thèmes concernant la politique d´asile en Allemagne et les droits des refugiés. Ils travaillent dans deux langues (français-allemand).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Women in Exile&lt;/strong&gt; travaille à Berlin et en Brandebourg en visitant des « Lager » pour réaliser différents workshops. Cette organisation a été fondée par des femmes refugiées.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Corasol &lt;/strong&gt;est un petit groupe, spontané et très actif qui fournit soutien moral et politique aux refugiés, par exemple avec la lutte contre « Gutscheine », l´organisation de manifestations ou « Solizimmer ». Ils organisent chaque semaine des réunions en anglais, français et allemand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Comment avez-vous connu votre groupe politique? Avez-vous déjà fait la politique dans vos pays?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Je suis a Woman in Exile. Je connais le groupe parce qu´il y a des membres de ce groupe qui sont venus dans notre lager pour nous expliquer ce qu’elles font. Le groupe m´a parlé de leur ligne politique qui était une lute pour les droits des femmes d´asile et des personnes victimes des injustices, je me suis intéressée et j’ai milité. J’ai fait une expérience dans les années 1991, suite à l’arrivée de la démocratie dans mon pay le Cameroun et j’ai perdu beaucoup d’amis et j’ai eu peur, c´est pourquoi j’ai arrêté.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Suite à une visite du groupe Corasol au camp d’Eisenhüttenstadt j’ai gardé leur contact et je me suis rapproché d’eux dès que je suis sorti. C´était mon premier groupe politique ici en Allemagne. Lors d´une manif j’ai fait la connaissance du groupe FelS, aujourd´hui IL Berlin. Avant j’ai milité dans un mouvement des étudiants dans mon pays, mais pas pour longtemps à cause de la répression du gouvernement, des enlèvements et tueries politique j’ai pris peur et j’ai arrêté.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Dans la recherche d’un groupe politique pour militer ici, une amie m´a conseillé le groupe Women in Exile. Lors d´une manif j´ai fait la connaissance de FelS, aujourd’hui IL Berlin. J’ai été militante du parti au pouvoir mais à cause de leur mauvaise gérance j’ai démissionné pour l’opposition pour pouvoir critiquer cette mauvaise gérance.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: J´ai adhéré à FelS en 2010. Avant, j´avais déjà travaillé dans plusieurs groupes antiracistes pendant 10 ans. Dans le groupe InterSol, on a décidé qu’un travail antiraciste n´était possible que dans un groupe mixte, parce que on ne voulait pas faire de politique sans intégrer les réfugiés. Au début on a approché des réfugiés directement, puis de plus en plus de personnes sont venues vers nous.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Que pensez-vous des groupes mixtes, vous qui travaillez avec Women in Exile?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Je pense que le groupe travaille pour les personnes d´asile et tous ceux qui sont laissées pour compte et je pense que cela ne me dérange pas de travailler avec un groupe mixe.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Je pense que Women in Exile travaille plus davantage pour les femmes exilées et lute contre injustices sociales (et le groupe fait un combat pour tous ceux qui n’ont pas de logement). Mais je dirai ce sont ces deux aspects qui m´a poussé à militer dans InterSol Berlin, vu que ce groupe organisait des réunions avec des refugiés.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Les groupes sont-ils pour vous uniquement des environnements politiques ou aussi sociaux?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Pour moi, mon groupe tient lieu de politique et de sociale. Ils sont a l’écoute et de bon conseil ce qui est très positif pour moi, déjà comme réfugiée.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Je trouve que pour moi mon groupe est...je dirai même plus thérapeutique que politique. C’est un lieu, où je peux me confier et prendre des conseils des uns et des autres.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Vu que je milite dans deux groupes, je dirai que dans le groupe IL je fais uniquement de la politique à fond et dans le groupe Women in Exile on fait de la politique et du sociale.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Est-ce que vous pensez que les sujets politiques qui sont importants pour vous sont bien représentés dans vos groupes?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Je pense que les sujets politiques que je défends sont bien représentés vu que mon groupe lutte contre les durcissements des droits d’asile, les discriminations et le racisme et bien d’autres thermes d’actualité.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Je me retrouve totalement dans cette lutte vu que mon groupe traite tous les sujets d’illégalité dans toutes ses formes même sur le plan climatique. La somme de nos problèmes est souvent débattue dans nos différentes réunions et je trouve cela très bénéfiques pour une lute politique.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Est-il plus facile pour vous de donner votre point de vue dans les petits groupes comme InterSol que dans les grandes réunions? Si non, que feriez-vous pour améliorer cela?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Dans les grands groupes je constate que les discussions sont un peu rapides et les traductions ne suivent pas généralement alors que dans les petits groupes c’est un peu mieux.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Pensez-vous que vous êtes mis à des fin politique au sein de IL Berlin?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Je pense que nous sommes bien représentés et que nous ne somme pas en arrière plan. Chacun prend la parole et dit ce qu’il pense et le temps de parole est respecté.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Lors d’une grande réunion IL a Leipzig je me suis senti dans une famille, j’ai compris que nous luttions pour une même cause. Je ne me sens pas discriminé.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Êtes-vous obligés de faire un politique antiracism en Allemagne alors qu’au Cameroun vous aviez une tout autre ligne politique?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Je suis là pour pouvoir défendre mes droits et défendre les droits des autres milliers de personnes qui ne peuvent pas être à cette place. Donc je trouve très naturel de militer pour une politique antiraciste.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Comment vous sentez vous au milieu de personnes qui ont tant de droits par rapport à vous? Par exemple des vacances que vous ne pouvez pas prendre?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Je trouve cela très enviable mais être dans cette famille permet de garder le moral et avoir espoir que demain sera meilleur.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: C&#039;est un avantage pour ses personnes et nous sommes prepares moralement pour cela.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Je pense que les vacances pour moi ne sont pas très importantes pour le moment, ce qui est important pour moi c’est de s’intégrer et de vivre en société comme tout le monde.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Y a-t-il équilibre où des failles entre l’action solidaire pratique d’InterSol (qui est en train d´établir des cercles de soutien) et leur action politique? Ou y a-t-il des déficits?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Je trouve l´idée des cercles de soutien très bonne. Les personnes qui l´ont réfléchi sont à féliciter parce que nous ici, nous sommes tous seuls sans soutien. Ces groupes sont pour nous une nouvelle famille. Ils nous aident dans les démarches administratives comme aller chez les avocats, trouver un logement, trouver les cours de langues et bien d’autres choses.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Personnellement je me suis senti toujours soutenu dans Intersol. Maintenant avec les groupes de soutien ce serait un plus et je dirais encore merci pour tout ce qu´ils font pour nous.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Si vous regardez vers l’avenir, où voyez-vous les différents groupes, sur quels points pensez-vous qu’il est important de se concentrer politiquement, comment les choses vont-elles se développer?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: L’antiracisme doit toujours être à l’ordre du jour.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Oui c’est un sujet qu&#039;on ne peu pas mettre de côté. Comment dans l’avenir faciliter aux demandeurs d´asile, les bienvenues et les non-bienveneus, faire ce qu’ils veulent rester en Allemagne pour que ces gens peuvent rester.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Si vous vous projetez dans quinze ans, en supposant que vous soyez toujours dans l’IL. Moi qui suis par exemple dans l’IL depuis longtemps, je trouve le fait qu’il y ait maintenant une participation des personnes réfugiées est à la fois un grand défi et la meilleure chose qui soit arrivée au groupe. Par contre, je ne suis pas sûre qu’avec le temps on arrive à être un groupe mixte dans lequel les réfugiés travaillent de manière durable et profonde. Etes-vous êtes plutôt optimistes ou pessimistes vis a vis de cette éventuelle participation future ?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Je pense que dans quinze ans le groupe va avoir plus de refugiés, parce que le groupe IL considère les réfugiés comme propre acteur et non pas comme spectateur. Et il y a beaucoup de refugiés qu´on rencontre dans les « Lager » ou les manifs et on leur parle. Il y a déjà une liste pleine de personnes refugiées qui veulent venir. Donc dans quinze ans, ceux qui sont déjà été dans le groupe seront bien forte et il vas y avoir un grand groupe de nouveaux.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Je vais dans la même direction que lui. Dans l’Intersol on a réduit l’entrée, mais je pense qu’il aura plus de refugiés dans quinze ans.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Le groupe doit grandir. C´est l&#039;intérêt des réfugiés. Plus des allemandes soient présentes, moins on se sent marginalisés. Si on se rencontre avec des Allemandes qui sont différentes des autres, on se sent très bien avec des Allemandes qui ne sont pas racistes, je suis optimiste.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: Moi, je pense que dans quinze ans il y aura des expériences similaires concernant l´intégration des refugiés. Mais il faut espérer progresser, parce que ceux qui font déjà partie de notre groupe n’auront plus de statut précaire à l’avenir, ils pourraient nous soutenir mieux. Je souhaite que dans quinze ans ce soit normal qu´il y ai des personnes refugiées dans tous les groupes de l´IL.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Avec la participation de deux personnes non réfugier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:09:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Irgendwie funktioniert es, denn wir müssen ja zusammenarbeiten, wenn wir Politik machen wollen!</title>
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                    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Berliner Ortsgruppe der Interventionistischen Linken&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;(IL) entstand 2015 aus den Gruppen Für eine linke Strömung (FelS), Avanti, Teilen der aufgelösten Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) und Einzelpersonen. Sie ist unter anderem in sozialen, antirassistischen, feministischen und Klimakämpfen aktiv. Die Arbeitsgruppe für internationale Solidarität (InterSol-AG) arbeitet zu Themen, die die Asylpolitik der BRD betreffen, insbesondere zu den Rechten von Geflüchteten. Die AG besteht ungefähr zu zwei Dritteln aus Personen mit gesichertem Aufenthaltsstatus und zu einem Drittel aus Geflüchteten mit prekärem Aufenthaltsstatus. Sie arbeitet zweisprachig (deutsch-französisch).&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Women in Exile&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;arbeitet in Berlin und Brandenburg. Die Organisation wurde von geflüchteten Frauen für geflüchtete Frauen gegründet. Frauen aus verschiedenen Ländern arbeiten dort mit. Arbeitsschwerpunkt sind Lagerbesuche. Im Sommer werden Workshops veranstaltet. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat und arbeitet vielsprachig: auf englisch, französisch, deutsch, arabisch, farsi …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Corasol&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;aus Berlin leistet moralische und politisch-praktische Unterstützung für Geflüchtete, zum Beispiel beim Kampf gegen Gutscheine oder bei der Organisation von Demos oder Solizimmern. Es gibt wöchentliche Treffen, die auf drei Sprachen – englisch, französisch und deutsch – abgehalten werden. Erfahrene Mitglieder unterstützen dabei die jüngeren. Corasol ist eine relative kleine und spontane, sehr active politische Gruppe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Erzählt mal, wie ihr zu eurer Gruppe gekommen seid? Wart ihr davor schon politisch aktiv?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana:&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;Ich bin aktiv bei Women in Exile. Diese Gruppe hat das Lager, in dem ich wohne, besucht und von ihrer Arbeit erzählt. Das war vor vier Monaten, und seitdem habe ich kein Treffen verpasst, nichts kann mich davon abhalten! Die Atmosphäre dort ist im Gegensatz zu der in den Lagern sehr entspannt.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Berliner Ortsgruppe der Interventionistischen Linken&lt;/strong&gt; (IL) entstand 2015 aus den Gruppen Für eine linke Strömung (FelS), Avanti, Teilen der aufgelösten Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) und Einzelpersonen. Sie ist unter anderem in sozialen, antirassistischen, feministischen und Klimakämpfen aktiv. Die Arbeitsgruppe für internationale Solidarität (InterSol-AG) arbeitet zu Themen, die die Asylpolitik der BRD betreffen, insbesondere zu den Rechten von Geflüchteten. Die AG besteht ungefähr zu zwei Dritteln aus Personen mit gesichertem Aufenthaltsstatus und zu einem Drittel aus Geflüchteten mit prekärem Aufenthaltsstatus. Sie arbeitet zweisprachig (deutsch-französisch).&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Women in Exile &lt;/strong&gt;arbeitet in Berlin und Brandenburg. Die Organisation wurde von geflüchteten Frauen für geflüchtete Frauen gegründet. Frauen aus verschiedenen Ländern arbeiten dort mit. Arbeitsschwerpunkt sind Lagerbesuche. Im Sommer werden Workshops veranstaltet. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat und arbeitet vielsprachig: auf englisch, französisch, deutsch, arabisch, farsi …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Corasol&lt;/strong&gt; aus Berlin leistet moralische und politisch-praktische Unterstützung für Geflüchtete, zum Beispiel beim Kampf gegen Gutscheine oder bei der Organisation von Demos oder Solizimmern. Es gibt wöchentliche Treffen, die auf drei Sprachen – englisch, französisch und deutsch – abgehalten werden. Erfahrene Mitglieder unterstützen dabei die jüngeren. Corasol ist eine relative kleine und spontane, sehr active politische Gruppe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Erzählt mal, wie ihr zu eurer Gruppe gekommen seid? Wart ihr davor schon politisch aktiv?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana:&lt;/strong&gt; Ich bin aktiv bei Women in Exile. Diese Gruppe hat das Lager, in dem ich wohne, besucht und von ihrer Arbeit erzählt. Das war vor vier Monaten, und seitdem habe ich kein Treffen verpasst, nichts kann mich davon abhalten! Die Atmosphäre dort ist im Gegensatz zu der in den Lagern sehr entspannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Ich war schon in Kamerun politisch aktiv und habe auch in Deutschland nach einer politischen Gruppe gesucht. Women in Exile habe ich über einen persönlichen Kontakt kennengelernt Ich wollte aber auch in einer gemischten Gruppe mitarbeiten, die intensiv Politik betreibt. Was mich wirklich dazu gebracht hat, in die InterSol zu kommen, war, dass auf den Treffen dieser Gruppe bereits Geflüchtete waren, und zwar mehrere. Das hat mich darin bestärkt, meinen politischen Kampf mit der IL in Berlin fortzuführen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Meine erste politische Gruppe in Deutschland war Corasol, die ich im Aufnahmelager in Eisenhüttenstadt kennengelernt habe. Corasol war auf einer von FelS organisierten Demo eingeladen, und dort habe ich jemanden von FelS kennen gelernt und viel über die Gruppe erfahren. In Kamerun hatte ich in einer studentischen Gruppe für die Rechte der Studierenden gekämpft, allerdings nicht lange, denn wenn man dort politisch aktiv ist, ist man Repression, Verhaftungen und Unterdrückung ausgesetzt. Ich habe dabei viele Freunde verloren und dann aus Angst die politische Arbeit beendet.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: Ich bin 2010 zu FelS gekommen und war vorher schon zehn Jahre in einer antirassistischen Gruppe. Das war allerdings eine Kleingruppe, und weil diese Kleingruppe immer kleiner wurde, bin ich zur Inter-Sol-AG von FelS. In der InterSol kamen wir zu dem Schluss, dass, wenn wir antirassistische Arbeit machen wollen, das nur in einer gemischten Gruppe geht, weil wir keine Stellvertreter*innen-Politik machen wollen. Am Anfang sind wir ganz gezielt auf geflüchtete Genoss*innen zugegangen und haben sie gefragt, ob sie in der InterSol mitmachen möchten. Und so sind nach und nach immer mehr Geflüchtete gekommen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Was sind die Unterschiede in der Kommunikation zwischen einer Gruppe wie Women in Exile, in der nur geflüchtete Frauen organisiert sind, und einer Gruppe, in der Geflüchtete und Nicht Geflüchtete organisiert sind?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Ich war ja noch nie in einer gemischten Gruppe, aber ich glaube, dass sie ja für dieselbe Sache kämpfen wie wir, daher müssten die Themen auch gleich sein. Ein Übersetzungsproblem dürfte es nicht wirklich geben. Die von Rassismus betroffenen Menschen sind ja auch die, die davon betroffen sind, kein Wort zu verstehen. Wenn man mit diesen Menschen zusammen ein Treffen ohne Übersetzung abhält, ist das, als lege man den Finger genau in die Wunde.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: Natürlich dauert ein Plenum in einer gemischten Gruppe doppelt so lang wie ein Plenum in einer einsprachigen Gruppe. Es gibt auch Leute, die aus diesem Grunde aus einer gemischten Gruppe rausgehen. Konsekutive Übersetzung bedeutet, dass nach einem Redebeitrag immer übersetzt wird, bevor es weitergeht. Aber es ist ja eine Frage der Priorität. Wenn es Priorität für die InterSol ist, keine Stellvertreter*innen-Politik zu machen, sondern mit geflüchteten Menschen, die direkt von Rassismus betroffen sind, zu arbeiten, dann plenieren wir natürlich zweisprachig.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Dieses Sprachproblem haben wir in allen Gruppen, auch bei Women in Exile, wo nur Geflüchtete organisiert sind. Da haben wir vier oder fünf Sprachen. Das ist sehr kompliziert, aber irgendwie funktioniert es, denn wir müssen ja zusammenarbeiten, wenn wir Politik machen wollen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Am Anfang hatten wir in der InterSol bei den Übersetzungen das Problem, dass wir oft laienhaft übersetzt haben, auch Leute, die nur so halb französisch können. Das haben wir dadurch gelöst, dass wir nun professionelle Übersetzer*innen haben. Aber auf den Vollversammlungen wird nicht mit Übersetzungspausen übersetzt (konsekutiv), sondern zeitgleich (simultan). Das bedeutet, dass die Geflüchteten für eine aktive Teilnahme eigentlich schneller denken müssten als die andern, weil sie die Übersetzung immer ein wenig versetzt hören?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: Es gibt natürlich schon eine sprachliche Barriere, die die Teilhabe an Plena für die, die deutsch sprechen, viel leichter macht. In der InterSol läuft das schon ganz gut, was den Sprachanteil betrifft, den die geflüchteten Genoss*innen haben. Aber wenn ich jetzt an große Plena denke, wie zum Beispiel die Vollversammlung (VV), dann ist schon eine größere Hürde da, sich auch tatsächlich einzubringen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Ein Treffen auf einer Sprache, die man nicht beherrscht, zu besuchen, ist natürlich schwierig. Auf der VV kann man nicht intervenieren, oft sprechen die Leute so schnell, dass die Übersetzung nicht mitkommt. Diese simultane Übersetzung zwingt uns ein wenig in eine passive Rolle auf der VV.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Ich finde das in Ordnung, denn alle Entscheidungen, die auf der VV getroffen werden, verstehen wir, und wir können sie bedenken. In den Arbeitsgruppen diskutieren wir dann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Die Lebenssituation von den Geflüchteten in der InterSol unterscheidet sich sehr von der der anderen Aktiven. Die Personen mit gesichertem Aufenthaltsstatus fahren mehrmals im Jahr weg und erzählen im Sommer von den geplanten Urlaubsreisen, während die Geflüchteten quasi Urlaub in ihren Lagern machen müssen. Wie geht ihr damit um?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Naja, wir gehen eben damit um. Das ist unsere Situation. Das ist nicht der Fehler derjenigen, die in Urlaub fahren, die machen nur von ihren Rechten Gebrauch.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Man darf da nicht neidisch sein. Zurzeit ist Urlaub auch wirklich nicht unser Problem. Wir haben andere Probleme, wie wir uns in Deutschland integrieren können, Arbeit finden und so weiter – das sind unsere Probleme, nicht der Urlaub der anderen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Ich bin schon neidisch auf die, die in den Urlaub fahren. Ich würde das auch gerne tun, aber ich darf nicht. Aber hier ist es auch ein bisschen wie in einer Familie, das hebt die Moral und man sagt sich, na gut, der oder die fährt jetzt in den Urlaub, und vielleicht kann ich ja nächstes Jahr fahren. Außerdem bin ich lieber mit Leuten zusammen, die urlauben können, als dass ich im Lager bleibe, wo alle immer nur schlafen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Ja, wir fühlen uns auch mit Leuten wohl, die verreisen. Und man lernt jedesmal etwas Neues, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: Natürlich ist unsere Lebenssituation komplett verschieden, aber in einer gemischten Gruppe zu arbeiten heißt auch, Unterstützungsarbeit zu leisten, weshalb die Unterstützung der Geflüchteten auch immer Teil der politischen Arbeit ist. So hat beispielsweise bei uns auch jede Geflüchtete/ jeder Geflüchtete einen Unterstützungskreis, der konkrete Solidarität übt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Diese praktische Solidarität, die wir versuchen in der InterSol umzusetzen, zum Beispiel mit den Unterstützungskreisen, ist das ausgeglichen gegenüber der politischen Kampagnenarbeit? Oder steht das eine hinter dem anderen irgendwie zurück?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: Ich finde die Unterstützungsarbeit wohl überlegt. Ich kann da den Leuten, die sich das ausgedacht haben, nur gratulieren, denn wir sind hier in Deutschland ja ganz auf uns gestellt und schaffen es ohne Unterstützungsgruppe nicht, Anwälte zu finden, Zimmer und so weiter. So können wir ein wenig atmen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Ich persönlich habe mich in der InterSol immer unterstützt gefühlt, und jetzt mit dem Unterstützungskreis noch mehr. Es ist gut, was für die getan wird, die von den Ungerechtigkeiten der Gesellschaft betroffen sind. Ich wünsche mir sehr, dass es in fünf Jahren zur Normalität gehört, dass in allen IL-AGen Geflüchtete sind.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Wenn ihr jetzt mal zum Beispiel fünf Jahre in die Zukunft guckt und euch vorstellt, ihr wart immer noch bei der IL. Ich zum Beispiel bin schon sehr lange dabei und ich finde die Tatsache, dass bei der IL Berlin jetzt Geflüchtete mitarbeiten, die größte Herausforderung, die ich bisher für die Gruppe erlebt habe, aber auch die größte Errungenschaft. Glaubt ihr, dass wir in fünf Jahren immer noch dieselbe Situation haben werden wie jetzt?&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Koko&lt;/strong&gt;: In fünf Jahren wird jedenfalls der Kampf gegen den Rassismus immer noch auf der Tagesordnung stehen!&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pierre&lt;/strong&gt;: Ich denke, dass in fünf Jahren mehr Geflüchtete als heute in der IL mitarbeiten werden, weil sich die IL in dieser Hinsicht immer weiter verbessert, und die Geflüchteten als selbstständige Akteure und nicht als Zuschauer*innen begreift. Wir treffen in den Lagern und auf Demos viele Geflüchtete und sprechen mit ihnen. Es gibt bereits eine lange Liste von Leuten, die mitmachen wollen. Daher werden in fünf Jahren diejenigen, die bereits jetzt dabei sind, sehr gestärkt sein, und es wird auch eine große Gruppe von neuen geben.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nana&lt;/strong&gt;: Women in Exile muss auch wachsen. Je mehr Deutsche dann auch präsent sind, desto weniger fühlen wir uns marginalisiert. Wir fühlen uns wohl mit Deutschen, die anders sind, die keine Rassist*innen sind, und ich bin optimistisch, dass es sie geben wird.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Henriette&lt;/strong&gt;: Ich denke auch, dass wir in fünf Jahren ganz ähnliche Erfahrungen mit der Integration geflüchteter Genoss*innen machen werden. Aber wir werden damit hoffentlich besser vorankommen, zum einen, weil unsere jetzigen Genoss*innen dann keinen prekären Aufenthalt mehr haben werden, und uns bei der Integration unterstützen können, und zum anderen, weil wir dazugelernt haben. Ich wünsche mir sehr, dass es in fünf Jahren zur Normalität gehört, dass in allen IL-AGen Geflüchtete sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interview führten zwei nicht-geflüchtete Menschen aus der InterSol AG der IL Berlin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:04:14 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Mächtig werden in beunruhigenden Zeiten</title>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Die strategische Niederlage des letzten Jahres wirkt in der  griechischen Linken immer noch stark nach und hat dort zu verschiedenen  Reaktionen geführt: Manche scheinen sich mit oberflächlichen Erklärungen  der Geschehnisse zu begnügen und kehren zu den üblichen Denk- und  Handlungsmustern zurück; andere spüren die strategische Tiefe der  Niederlage und ziehen sich enttäuscht und demoralisiert in sich selbst  zurück. Und wieder andere versuchen, von der „Syriza-Erfahrung“ zu  lernen und sich zu verändern, um wirkmächtig zu werden und von nun an  von echtem Nutzen für die Bevölkerung zu sein. Im Groben sind das die  Reaktionsweisen sowohl der Leute, die Syriza verlassen haben, als auch  der griechischen Linken insgesamt. Die meisten von uns spüren die  Gefahren, die vor uns liegen, aber derzeit sind wir von einer  gemeinsamen und machbaren Strategie weit entfernt.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die strategische Niederlage des letzten Jahres wirkt in der griechischen Linken immer noch stark nach und hat dort zu verschiedenen Reaktionen geführt: Manche scheinen sich mit oberflächlichen Erklärungen der Geschehnisse zu begnügen und kehren zu den üblichen Denk- und Handlungsmustern zurück; andere spüren die strategische Tiefe der Niederlage und ziehen sich enttäuscht und demoralisiert in sich selbst zurück. Und wieder andere versuchen, von der „Syriza-Erfahrung“ zu lernen und sich zu verändern, um wirkmächtig zu werden und von nun an von echtem Nutzen für die Bevölkerung zu sein. Im Groben sind das die Reaktionsweisen sowohl der Leute, die Syriza verlassen haben, als auch der griechischen Linken insgesamt. Die meisten von uns spüren die Gefahren, die vor uns liegen, aber derzeit sind wir von einer gemeinsamen und machbaren Strategie weit entfernt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich werde nachfolgend einige Gedanken vorstellen zu den Veränderungen, die nötig sind, damit wir wieder Leute zum Kampf um Würde, Demokratie und Freiheit versammeln können – Leute weit über die traditionelle Linke hinaus. Gedanken dieser Art werden unter denen, die Syriza verlassen haben, oder sich in anderen Organisationen und Bewegungen politisch und sozial engagieren, in verschiedenen Konstellationen diskutiert. Wir können sie als Abbild eines wachsenden Bewusstseins hier in Griechenland betrachten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Syriza&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Syriza ist es nicht gelungen, die Austeritätspolitik und die neoliberale Transformation in Griechenland aufzuhalten. Man kann sagen, dass Syriza nicht nur gescheitert ist, sondern auch die Hoffnungen und Bestrebungen der breiten Massen betrogen hat. Sie hat sich entschieden, an der Macht zu bleiben und so den Coup, den wir im letzten Sommer beobachten konnten, „normalisiert“. Damit wurde das neoliberale Koordinatensystem, das heute die Gouvernementalität in Europa prägt, akzeptiert. Indes birgt eine Fokussierung auf diese beispiellose Entscheidung die Gefahr, eine Tatsache zu unterschätzen: Wir haben in 2015 tatsächlich eine brutale strategische Niederlage erlitten.&lt;br /&gt;Selbstverständlich kann die Niederlage die Entscheidung von Syriza nicht legitimieren. Nichts kann das. Es gibt keinen Mittelweg zwischen Finanzdespotie einerseits und Demokratie und Würde andererseits. Wer diesen Weg sucht, wird schnell zu einem organischen Teil der biopolitischen Maschine, die sich die ambitionierte Aufgabe gestellt hat, unsere Gesellschaften zu entmenschlichen.&lt;br /&gt;Die Entscheidung von Syriza hat der breiten Masse ein entscheidendes Instrument entzogen: Die politische Repräsentation des Ungehorsams gegenüber der Finanzdespotie. Syriza hat den taktischen Rückzug unmöglich gemacht: Den kollektiven Prozess einer geordneten Neuzusammensetzung unserer Kräfte – einschließlich einer Eskalation des Kampfes, den die Eliten provoziert haben; die Bildung einer effektiveren, widerstandsfähigeren „Volksfront“, die einen Kampfgeist aufrecht erhalten kann, um die neoliberale Orthodoxie auch in Zukunft herauszufordern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn wir den Interessen der Bevölkerung nutzen wollen, sollten wir die strategische Natur unseres Scheiterns im Kampf gegen die Finanzdespotie nicht hinter der inakzeptablen Entscheidung von Syriza im vergangenen Sommer verstecken. Die Entscheidung von Syriza spiegelt tiefere strukturelle Schwächen der heutigen Linken wieder. Wir müssen es wagen, unsere Methoden und Werkzeuge grundlegend zu überprüfen, wenn wir unter den neuen Bedingungen relevant werden wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Europa&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In der heutigen EU und Eurozone wurde der demokratische Wille des Volkes wirksam begrenzt. Die gewählte Regierung ist nicht länger die zentrale Trägerin der politischen Macht, sondern hat nur noch eine untergeordnete Position. Im Fall Griechenlands ist die demokratische Wahl einer Regierung nur noch die Auswahl einer Juniorpartnerin in einer breiteren Regierung, in der die Kreditgeber*innen die zentrale Rolle spielen. Der Juniorpartnerin ist es untersagt, sich einzumischen und die Entscheidungen und Strategien zu stören, die zu den zentralen ökonomischen und sozialen Fragen umgesetzt werden (Finanzpolitik, Banken, Privatisierung, Pensionen etc.). Sollte sie sich doch einmischen und Mitsprache zu diesen Fragen fordern, hat das Volk, das ihn ernannt hat, die Konsequenzen zu tragen, wenn sie es wagen, sich dem Privileg der Eliten über einen exklusiven Zugang zu diesen Entscheidungen, zu widersetzen. Die europäischen Eliten haben die komplette und unbegrenzte Kontrolle über die grundlegenden Funktionen der Gesellschaft erlangt. Es ist die Entscheidung ihrer undemokratischen Institutionen, ob die Gesellschaft ein funktionierendes Bankensystem und ausreichende Liquidität für ihre Grundfunktionen hat oder nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch die griechische Erfahrung ist heute offensichtlich, dass die EU eine offen antidemokratische Institution ist. Statt vergeblich zu versuchen, innerhalb der Grenzen der toxisch neoliberalen europäischen Zusammenhänge zu manövrieren, muss die Linke strategisch vorgehen, um gesellschaftliche Macht aufzubauen. Eine derartige Strategie erfordert eine radikale Veränderung unserer Methoden, Organisationsprinzipien und unserer Vorstellungskraft, um ein Netzwerk zu schaffen, in dem grundlegende soziale Funktionen durch das Volk kontrolliert werden, egal wie schwer uns das erscheinen mag. Nur dann können wir die Finanzdespotie, die Nationalismus und Faschismus aufrührt und Europa in den Niedergang zieht, ernsthaft herausfordern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Neue Strategie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um eine Politik durchzusetzen, die wir richtig finden, müssen wir einen gewissen Grad an Autonomie in Bezug auf die grundlegenden gesellschaftlichen Funktionen erreichen. Sonst können wir uns nicht gegenüber feindlichen Aktionen der Eliten behaupten, die einer Gesellschaft Leid zufügen, die ihre grundlegenden Entscheidungsprivilegien in Frage stellt. Eine Strategie, die unter den neuen Umständen relevant sein soll, muss die notwendige Macht erlangen, um grundlegende gesellschaftliche Funktionen sicherzustellen. Auch wenn dies aus der Perspektive der traditionellen politischen Ansätze kompliziert oder seltsam klingen mag, ist das der einzige Weg, die notwendige Macht zu erlangen, um der Kontrolle der Eliten über unsere Gesellschaft entgegenzutreten.&lt;br /&gt;Ist das möglich? Ich gehe davon aus, dass die menschlichen Aktivitäten – auf der intellektuellen und auf der praktischen Ebene – jeden Tag Erfahrungen, Wissen, Kriterien, Methoden, Innovationen etc. erzeugen. Diese widersprechen aus sich heraus der parasitären Logik von Profit und Wettbewerb. Natürlich reden wir über Aktivitäten, die vielleicht in einem liberalen oder apolitischen Umfeld entstanden und oft funktional mit dem klassischen Wirtschaftskreislauf verbunden sind. Die Unterstützung ihrer Weiterentwicklung , ihre schrittweise Integration in ein umfassendes alternatives Paradigma, bestimmt von einer anderen Logik und anderen Werten, und schließlich ihre Ausformung als alternative Muster zur Erfüllung grundlegender gesellschaftlicher Funktionen, ist die Pflicht einer Linken, die eine klare, gesamtgesellschaftliche und strategisch breit angelegte Ausrichtung hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausgehend von den Fähigkeiten der Leute und der richtigen Ausrichtung, Verbindung und Koordination dieser Fähigkeiten, ist es möglich, die notwendige Macht zu erlangen, um zumindest grundlegende Funktionen, wenn nötig, erfüllen zu können. Im schlimmsten Fall erlangen wir so ein gewisses Maß an Widerstandsfähigkeit, und die Leute sind ermächtigt, sich selbst zu verteidigen und standzuhalten. Im besten Fall sind wir so in der Lage, die erforderliche Hegemonie zurückzugewinnen: Die Leute können sich positiv mobilisieren, kreativ, machtvoll und entschieden ihre Autonomie zurückfordern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das „Betriebssystem“ der Linken neu gestalten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Auf der Grundlage so einer Strategie können wir einen Prozess in Gang setzen, der sozusagen das „Betriebssystem“ der Linken neu gestaltet. Der Horizont der politischen Praxis der Linken umfasst es zu demonstrieren, Bewegungen zu organisieren, Forderungen an den Staat zu stellen und zu wählen, um die Kräfteverhältnisse auf parlamentarischer Ebene zu ändern, in der Hoffnung eine Regierung zu bilden. Wir wissen aber, dass es nicht ausreicht, wenn wir uns innerhalb der Begrenzungen der institutionellen Macht bewegen und dort kämpfen. Wir wissen, dass die Volksmacht, die früher in die demokratischen Institutionen eingeschrieben war, erschöpft ist. Wir haben nicht genug Macht, damit die Eliten unsere Beteiligung an den zentralen Entscheidungen akzeptieren und tolerieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um ein bestimmtes Problem zu lösen, vergrößert die Erweiterung des Lösungsraumes die Möglichkeiten, diese Lösung zu finden. Wenn der Boden des Schlachtfeldes sich verändert hat, und so deine Strategie untergraben hat, dann reicht es nicht, auf dem wackeligen Schlachtfeld der*die bessere zu sein: Du musst den Boden umgestalten. Ein Weg zur Erweiterung des Lösungsraumes ist die Verlagerung der Prioritäten: Von der politischen Repräsentation zum Aufbau eines autonomen Netzwerks zur Schaffung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht (Network of production of Economic and Social Power, NESP).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir müssen unsere Aufmerksamkeit darauf richten, Abläufe aufzubauen, die die Leute ermächtigen; zum Beispiel indem wir Sozialwirtschaft und genossenschaftliche Initiativen oder die gemeinschaftliche Kontrolle über Einrichtungen der Infrastruktur, Energiesysteme und Verteilnetzwerke vorantreiben. Dies sind Wege, um ein gewisses Maß an Autonomie zu gewinnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In anderen Worten: Statt hauptsächlich der*die politische Vertreter*in der breiten Massen zu sein müssen wir intensiv zur Bildung eines starken Rückgrates für widerstandsfähige und dynamische Netzwerke kooperativer Produktion, alternativer Finanzinstrumente, lokaler Zellen der Selbstregierung, demokratischer digitaler Gemeinschaften und anderer Aspekte der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Macht beitragen. Diese sind notwendig, um uns der Kontrolle der Eliten über die grundlegenden Funktionen unserer Gesellschaft zu widersetzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bildung eines Rückgrates – oder besser Knotens – für das NESP stellt die Herausforderung für neue Formen der Organisation dar. Wir leben in einer Zeit grundlegender und struktureller Änderungen, und die traditionellen Formen der Organisation scheinen nicht ausreichend zu sein, um die Finanzdespotie ernsthaft herauszufordern. Unsere Gegner*innen haben die veränderte Natur des Schlachtfeldes schon bemerkt, und sie haben neue, unbestimmte Formen der Organisation und des Handelns angenommen. Wir sollten daher neue Arten von Institutionen aufbauen und neue Methoden fördern (zum Beispiel Open Innovation), die einer sich stets wandelnden Umwelt entsprechen und geprägt sind durch schnelle Informationsflüsse, verteiltes Wissen, digitale Infrastrukturen für Aktion und Produktion usw. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zeichen für den Zusammenbruch des traditionellen Wirtschaftskreislaufs sind in Griechenland offensichtlich, aber nicht nur dort. Es gibt einen zunehmenden Ausschluss von Menschen vom Wirtschaftskreislauf – von Arbeitsplatz, Bankkonto, „normalem Leben“. Aus der Geschichte wissen wir, dass Gesellschaften im Niedergang dazu neigen, zu reagieren, um zu überleben. Es ist an uns, dies aufzugreifen und zu beginnen, Netzwerke, die grundlegende gesellschaftliche Aufgaben auf anderem Weg erfüllen können, aufzubauen. Auf einem Weg, der demokratisch und dezentral ist und auf der Freisetzung der Fähigkeiten des Volkes beruht. Es gibt in der Geschichte keine Leerstellen: Tun wir das nicht, könnten Nationalist*innen und Faschist*innen mit ihren eigenen, militarisierten Ansätzen zur Erfüllung dieser grundlegenden Funktionen einspringen, um den Niedergang zu vollenden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erste Schritte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sind die nötigen Veränderungen für die Schaffung und Ausweitung des NESP? Zunächst denke ich, dass die Veränderungen in drei Kategorien fallen: Politische Vorstellungskraft, Methodik und Organisationsprinzipien. In diesem Zusammenhang möchte ich eine naheliegende Frage beantworten: Warum in aller Welt sollen wir uns Veränderungen wie diese ausdenken, statt einfach beim nächsten Mal „vorsichtiger“ zu sein, wenn wir uns der Macht nähern, um richtig auszuwählen und zu entscheiden? Nach meiner Erfahrung stimmen Leute beim Nachdenken und Diskutieren darüber, was wir tun, tendenziell zu, dass wir innovativer und effizienter sein müssen und uns besser auf die Situation einstellen müssen. Aber die gleichen Leute, mich eingeschlossen, reproduzieren in ihrer politischen Aktivität Prioritäten, Vorstellungen, Methoden und organisatorische Gewohnheiten, von denen sie schon wissen, dass sie nicht mehr ausreichend und passend sind. Nach meiner Auffassung gibt es tief verwurzelte Normen, welche die Auswahl unserer kollektiven Aktionen, Rhetorik, Entscheidungen und schließlich Strategie entscheidend prägen. Darum ist es nicht ausreichend, einfach zu sagen, dass man es nächstes Mal besser machen wird. Es ist nicht wichtig, was wir denken, es geht darum, was wir tun können. Und letzteres ist ein Ergebnis unserer kollektiven Vorstellungskraft, Methodik und organisatorischer Prinzipien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Projekt der Neugestaltung des „Betriebssystems“ der Linken hat eine weitere faszinierende Dimension: Was bedeutet es, die Funktion der politischen Repräsentation in den operativen Koordinaten des NESP zu verorten? Die Ausdehnung eines Netzwerks der Art, über die wir hier reden, und die Veränderungen, die es auf verschiedenen Ebenen der gesellschaftlichen Zusammensetzung erzeugen wird, würden sich in der Funktion der politischen Repräsentation selbst niederschlagen. Wir könnten hier vor neuen Formen der politischen Repräsentation und neuen Typen politischer Parteien stehen. Darüber nachzudenken ist sehr interessant. Zum Beispiel erfordert die Überlegung zu Wegen, Modellen und Methoden zum Aufbau des NESP die Auseinandersetzung mit Konzepten wie dem der Commons. Durch die Erweiterung dieses Begriffs, und die Gestaltung politischer Repräsentation als Commons könnten wir den traditionellen, institutionellen Rahmen der repräsentativen Demokratie überwinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein anderer Aspekt des Projektes der Neugestaltung des „Betriebssystems“ der Linken ist die Ausarbeitung einer mehrstufigen demokratischen Transformationsstrategie für den Staat und seine effektive Verbindung mit dem NESP. Die Linke spricht zu viel über die demokratische Transformation des Staates. In der Praxis ist das treibende Konzept die Wiederherstellung staatlicher Funktionen, wie sie vor der neoliberalen Transformation bestanden. Ich denke, dass die Ausbreitung eines Netzwerks wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht unter der Kontrolle des Volkes unsere Vorstellungskraft weiter entfesseln kann, hin zu gezielten Reformen von staatlichen Institutionen, um sie mit dem NESP zu verbinden. Theoretisch ist dies eine alte Idee: Die Transformation des Staates ist eine komplementäre Bewegung zu den außerhalb selbstorganisierten Kollektivitäten des Volkes, angetrieben durch diese Formen der Selbstregierung. Vielleicht können wir durch eine Verlagerung unserer Prioritäten alte, aber nützliche Ideen wiederbeleben, die in der Praxis vergessen wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zusammenfassend möchte ich darauf hinweisen, dass die „Syriza-Erfahrung“ wertlos sein wird, wenn wir nicht entschieden der Versuchung widerstehen, einen Fehler mit einem anderen zu ersetzen. Das Versagen von Syriza schafft günstige Bedingungen dafür, dass Einstellungen wie „selbstbezüglicher Alternativismus“ und „avantgardistischer Isolationismus“ aufkommen und die Herzen und Hirne derjenigen ablenken, die bereit sind weiter zu kämpfen. Aber solche Einstellungen spiegeln nur das wider, was Syriza getan hat, und geben unseren Gegner*innen Recht, wenn sie sagen:“ Entweder wirst du randständig sein oder du wirst wie wir sein.“ Auf den verhängnisvollen Schlachtfeldern des 21. Jahrhunderts kann die Linke entweder relevant und nützlich für die Verteidigung der menschlichen Gesellschaften sein - oder sie wird obsolet sein.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 06:50:05 +0000</pubDate>
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 <title>Anders leben (auch) mit Kind(ern)</title>
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                    &lt;p&gt;Inspiriert von der Selbstbefragung der Berliner Queer_Feminismus-AG in der IL fanden sich Tim (IL Tübingen), Mila (IL Berlin) und Jana zusammen um ihre Erfahrungen, Abwägungen und Utopien individueller Bedürfnisbefriedigung, alternativer Lebensformen und Reprodukionsarbeit zu diskutieren.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Inspiriert von der Selbstbefragung der Berliner Queer_Feminismus-AG in der IL fanden sich Tim (IL Tübingen), Mila (IL Berlin) und Jana zusammen um ihre Erfahrungen, Abwägungen und Utopien individueller Bedürfnisbefriedigung, alternativer Lebensformen und Reprodukionsarbeit zu diskutieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Ich würde gerne anfangen mit der Frage, was euch an dem Thema bewegt. Wie seid ihr darauf gekommen euch damit zu beschäftigen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Mit Reproduktionsarbeit und dem ganzen Care-Bereich habe ich mich im Rahmen der Tübinger IL-Gruppe länger auseinandergesetzt, vor allem erst mal theoretisch. Wir haben als Tübinger Gruppe hierzu längere Diskussionen geführt und einige Veranstaltungen gemacht. In unserer QueerFem-AG haben wir uns an einigen Aktionen versucht, unter anderem waren wir beim &lt;em&gt;Care-Mob&lt;/em&gt; bei Blockupy in Frankfurt.&lt;br /&gt;Ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war eine Veranstaltung auf der Care-Revolution Konferenz zu Sexarbeit. Aus dem Publikum kam ein Kommentar, dass Sexualität ja nicht nur Arbeit ist, sondern eben auch befreiendes Potential haben kann. Schließlich stieß ich durch die letzte Ausgabe der arranca! wieder auf den Zusammenhang von Begehrensformen und alternativen Formen der Reproduktionsarbeit und darauf was das mit Organisierung zu tun hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Meine Fragen rund um Repro-Gerechtigkeit und Formen_Normen des Zusammenlebens haben sich immer parallel zu meiner eigenen Elternschaft ergeben und sich darüber unter anderem zu Fragen politischer Organisation entwickelt. Als ich mich entschieden habe, zu dritt Eltern für ein Kind zu sein, hatte das zwar auch politische Gründe. Gleichzeitig haben sich meine Überlegungen, Zweifel und Überzeugungen im Laufe des Älterwerdens des Kindes und rund um meine Vernetzung mit anderen in „nicht-konformen Familienformen“ lebenden Menschen entwickelt. Damit meine ich die, die sozusagen „mit Absicht“ von gängigen Familienidealen, wie zwei Erwachsene, Liebesbeziehung, hetero, spezifische Geschlechteranforderungen etc. abweichen.&lt;br /&gt;Und meine Perspektive hat sich erweitert: Zu Beginn war ich eher durch ein im Rückblick etwas unterkomplexes „yeah, gemeinschaftlich leben!“ motiviert. Heute finde ich es weiterhin super für Kinder und Erwachsene, eigene, kollektivere Wege im Zusammenleben zu suchen, aber sehe auch die Hürden durch gesellschaftliche Strukturen und Normen.&lt;br /&gt;Ich glaube, dass Eltern- und vor allem Mutterschaft mit vielen teils widersprüchlichen Anforderungen überlastet ist, dass es schädlich für die Beziehungen aller Beteiligten ist, diese nicht zumindest in Frage zu stellen. Kleinfamilie bedeutet neben dem Versprechen von Geborgenheit häufig einen Ort von Gewalt und reaktionären Geschlechterverhältnissen. Das zu ent-individualisieren finde ich weiterhin super-wichtig und politisch – ohne bisher den Goldenen Weg der konkreten Alternative gefunden zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Bei mir ist es eine Mischung aus politischen und persönlichen Motiven, die mich geleitet haben meine familiären Lebensentscheidungen auch im „non-konformen“ Bereich zu treffen. Mir war es wichtig, dass meine Kinder nicht nur mit zwei Bezugspersonen aufwachsen. Ich wollte, dass meine Kinder die Möglichkeit haben sich bei verschiedenen Menschen das abzuholen, was sie brauchen, dass ihnen also eine größere Vielfalt zur Verfügung steht. Trotzdem haben wir uns entschieden zwei Eltern zu sein, die die Hauptverantwortung tragen, hauptsächlich, um die Komplexität unserer Abstimmungs- und Abhängigkeitsbeziehung zu reduzieren. Unsere Lösung war, Menschen in unserem Umfeld zu finden, die eine eigenständige und dauerhafte Beziehung zu einem unserer Kinder haben wollen. Wir nennen sie Pat*innen und unsere zwei Kinder haben je drei Pat*innen, die sie alle ein bis zwei Wochen sehen. Für uns ist es eine win-win-win Situation. Als Eltern sind wir entlastet, die Kinder freuen sich über ihre Freund*innen und die Pat*innen haben eine dauerhafte Beziehung zu einem Kind, ohne volle Verantwortung als Eltern zu tragen. Darüber hinaus habe ich mich für eine Elternschaft in Freundschaft entschieden; das heißt ich und die andere Mutter waren, sind nicht und wollen keine Liebesbeziehung sein. Das alles hat für mich viel mit Verhandlung zu tun über Bedürfnisse, Rücksichtnahme, Konflikte und Grenzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;¿Machen all diese Bestrebungen ein alternatives Leben zu organisieren euer Leben gerade lebenswerter, vereinfachen sie es oder machen sie es komplizierter?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Meine Partnerin und ich haben glücklicherweise in einem Wohnprojekt eine größere WG gefunden, in der wir mit unserem Kind zusammen mit anderen Familien und nicht-familiär gebundenen Personen zusammenleben. Ich empfinde das als sehr bereichernd. Ich habe viel Austausch und Kontakt mit anderen, wir können uns immer wieder gegenseitig unter die Arme greifen. Wir kochen abends zusammen, nette Begegnungen sind fast immer garantiert. Auch für mein Kind ist es bereichernd, nicht nur mit uns in Kontakt zu sein, sondern auch von anderen Aufmerksamkeit und Zuneigung zu bekommen. Es ist aber auch viel Abstimmung und Aushandlung von Bedürfnissen und Vorstellungen notwendig. Das klappt nicht immer und ist relativ zeitintensiv. Trotzdem finde ich das total schön. Anders zu leben kann ich mir gerade nicht vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Also, mein Leben ist für mich so lebenswerter – einfach, weil es besser zu mir passt. Aber es ist auch ganz schön komplex. Dass es aber komplexer sei, als das Leben anderer, glaube ich nicht. Vielleicht ist es anders komplex. Ich empfinde das so, dass Aushandlungsprozesse in einer Elternschaft in Freundschaft oftmals klarer hervortreten. Es gibt kein Rollenmodell und wir laufen nicht in die Falle, dass das so sein muss, weil Liebesbeziehungen das nun mal so tun, wenn sie Eltern sind. Wir merken oft, dass es keine Regelung gibt und müssen eine erfinden. Gleichzeitig hat sich unsere Freundschaft radikal verändert. Hauptsächlich hat sich die Unverbindlichkeit und Freiwilligkeit unserer Freundschaft in eine hochgradig von einander abhängige Beziehung verwandelt. Wenn ich ein Wochenende wegfahren will, muss ich das verhandeln. Wer wann ausgehen kann, müssen wir verhandeln. Wenn eine krank wird, hat das mitunter extreme Auswirkungen auf das Leben der anderen. Das ist nichts, was uns von anderen Elternschaften unterscheidet – nur ist es ungewöhnlich für Freundinnen. Oft ermöglichen die Pat*innen viele dieser direkten Konsequenzen abzufedern, aber dieses Netzwerk stützt nicht nur, sondern braucht auch Pflege. Rein wohnlich leben wir übrigens gerade eher klassisch als Eltern mit den zwei Kindern in einer Wohnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Ich kenne das Gefühl, mich als autonomieorientierter Mensch etwas „gefangen“ in der Verantwortung und Verbindlichkeit meines Familienkonstrukts zu fühlen – und trotzdem käme ich nicht auf die Idee, dass eine „traditionellere“ Form es einfacher machen würde. Ich liebe mein Kind und meine Beziehung zu ihm, und die ist ja ganz wesentlich geprägt davon, dass ich die Momente mit ihm seit acht Jahren eigentlich nie als „Last“ empfinde, weil ich Raum habe, meine weiteren Bedürfnisse anders zu organisieren. Im Gegenteil vermisse ich manchmal mehr gemeinsamen Alltag. Dadurch, dass die beiden anderen Erwachsenen zwar ganz klar „Familie“ und wichtige Leute, aber nicht meine engsten Alltagsbezugspersonen sind und ich auch nur mit einer von ihnen zusammenlebe, fühlt sich das manchmal etwas abgespalten an. Und bisweilen frag ich mich, wie eng mein Wunsch nach Unabhängigkeit mit neoliberalen Diskursen zu Flexibilität und Verfügbarkeit zusammenhängt.&lt;br /&gt;Außerdem positiv: Unsere Konstellation ermöglicht mir dadurch, dass wir unsere eigenen Rollen definieren müssen, mich weniger am „Mutterbild“ abzuarbeiten, gegen das ich seit Beginn meiner „mutterisierten“ Lebensphase eine ziemliche Allergie entwickelt hab.&lt;br /&gt;Ein Unterschied zu meiner fiktiven Idee von Kleinfamilie besteht darin, dass wir ja alles nicht nur miteinander – drei Erwachsene und ein Kind – verhandeln, sondern dann gibt es noch das zweite Kind des einen Elternteils, dessen anderes Elternteil, die jeweiligen Großeltern, das Hausprojekt, weitere wichtige Menschen in den Leben der einzelnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;¿Habt ihr das Gefühl, dass politische Projekte oder Gruppen euch bezüglich eures Lebens mit und wider die Mühen der reproduktiven Organisationsfragen unterstützen sollten? Wenn ja kennt ihr welche? Welche Unterstützung bzw. Haltung würdet ihr euch wünschen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Also! Ich fänd total cool, wenn es ähnlich der Selbstverständlichkeit von Vokü/Küfa auf den meisten Großveranstaltungen begleitete Räume gäbe, in denen sich Kinder, die nicht beim Programm dabei sein können/wollen, aufhalten können. Oder: eigenes Programm für sie! Auch Kinder befassen sich mit politischen Themen, es braucht nur kindgerechte Formen jenseits von Indoktrinierung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Ja, das finde ich auch!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Und ich will keine Witze mehr über Kinder oder Eltern oder ausgedachte „Prenzlauer Berg-Muttis“ hören: Check your Adultismus, linke/queere Szene. Und Sexismus, in Bezug auf die „Muttis“. Und ich find es toll, wenn Babys bei Veranstaltungen dabei sind, und Leute sollen sich nicht so haben, wenn sie Geräusche machen. Das ist meistens nicht störender, als wenn jemand hustet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Was ich total wichtig finde ist, dass politische Strukturen so sind, dass ich mich auch mal weniger beteiligen kann, wenn ich im familiären Bereich stärker gefordert bin. Aber auch dass die Plenumszeiten nicht zu früh und nicht zu spät sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Ich finde generell eine Haltung in politischen Gruppen oder Strukturen nötig, die es ermöglicht unterschiedliche Zugänge, Bedürfnisse und Notwendigkeiten möglich zu machen. Das fängt bei der Barrierefreiheit an und geht über Ausschlüsse durch Sprache, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeiten, Geld, Bildung etc.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Ja, definitiv. Und ich find wichtig, als Elter* klar zu haben, dass ich keine gesellschaftlich diskriminierte Gruppe bin. Ich glaube, manchmal passiert es, dass der Umstand, dass Menschen mit Verantwortung für Kinder in „der Szene“ wenig mitgedacht werden, anderen Ausschlüssen gleichgesetzt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Stimme ich zu und denke,&amp;nbsp; dass es eine inhaltlich-strategische Frage ist, wie politische Organisationen sich auf Reproduktionsverhältnisse beziehen. Also ob es beispielsweise auch ein politisches Ziel einer größeren Kampagne sein kann, konkrete Projekte durchzusetzen, die andere Reproduktonsverhältnisse und Beziehungskonzepte ermöglichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Stimmt, Zugang ist definitiv nur ein Minimum. Ich freue mich sehr, wenn ich das Gefühl habe, dass Reproduktionsarbeit und ihre gesellschaftliche Regelung politisch thematisiert und als politische Frage begriffen wird, die wir verändern können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Es gibt von den &lt;em&gt;NaturFreunden Berlin&lt;/em&gt; eine ganz spannende Reihe namens &lt;em&gt;Salon gegen den Ausstieg&lt;/em&gt;, die sich mit solchen Fragen beschäftigt. Und in den letzten Jahren war für mich das selbst-organisierte, queer_feministische &lt;em&gt;Wer lebt mit wem&lt;/em&gt;-Sommercamp wichtig und lehrreich. Einmal, weil es in seiner Planung sehr darum bemüht ist, konsequent die Perspektiven von Kindern und Bezugspersonen von Kindern mitzudenken. Zum Beispiel gibt es still- und kinderfreundliche Optionen beim Essen, eine feste Struktur zur Kinder-Begleitung/Betreuung und einen extra Programm-Plan für jüngere Menschen. Inhaltlich geht es um Austausch und Vernetzung um all die Themen dieses Textes und noch einige mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;¿ Welche politische Bedeutung hat die Art, wie Liebesbeziehungen und Sexualität &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;heutzutage so organisiert werden für euch im Kontext&amp;nbsp; alternativer Lebensgestaltung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Um nochmal auf den Anfang zurückzukommen: Als ich die arranca! las, war ich einer Gemeinschaft zu Besuch, die mit Liebes- und Beziehungsformen experimentiert. Besonders spannend fand ich, dass dort großer Wert darauf gelegt wird Umgangsformen zu entwickeln, die andere Liebes- und Beziehungsformen erleichtern. Beispielsweise gibt es regelmäßige Treffen für Menschen mit offenen Beziehungen, um sich auszutauschen. Ich würde sagen, das ist ein Versuch eine materielle Praxis zu entwickeln, die der Dominanz der bürgerlichen Kleinfamilie konkret was entgegensetzt. Leider gibt es in der Linken, die ich so mitbekomme, wenig positiven Bezug auf solche Versuche. Ich hab aber das Gefühl, wenn man über kollektive Formen der Reproduktion nachdenkt, hängt da die Frage nach andere Begehrens- und Beziehungsformen mit drin. Oder andersherum hatte ich den Eindruck, dass sich in dieser Gemeinschaft, durch die kollektiveren Liebesformen auch die Frage der kollektiven Reproduktion drängender stellt.&lt;br /&gt;Die Lücke zwischen dem politischen Aktivismus und Fragen der persönlichen Reproduktion, die die Queer_Fem-AG der IL Berlin in ihrer Selbstbefragung festgestellt hat (siehe Seite 50), liegt glaube ich ein Stück weit darin, dass der Bereich der konkreten Lebensgestaltung, also auch Liebes- und Beziehungsformen nur in Ansätzen kollektiv verhandelt wird und auch selten Teil der politischen Strategie ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Es sind meine Entscheidungen, wie ich meinen Wunsch eine Familie zu haben, meine Sexualität und Liebesbeziehungen leben möchte. Ich finde es schwierig zu sagen, diese oder jene Lebensweise sei progressiver, weil es immer auf individuelle Kontexte und Entscheidungen ankommt, ob mensch eher mono- oder polyamor, allein, zu zweit oder zu vielen sich sorgen mag oder welche Form von Sexualität ein Mensch leben mag. Die politischen Gruppen und Strukturen in denen ich bisher war, haben mich in den Fragen wenig unterstützt. Es gab meist keine politische Thematisierung und keine oder nur wenige Menschen darin, die auch irgendwie Wege neben der Norm eingegangen sind bzw. als solche sichtbar waren. Deshalb wäre meiner Meinung nach der erste Schritt eine Sichtbarmachung von Wahlmöglichkeiten. Jeder Mensch kann und darf sich entscheiden, welche Rolle und Form Sexualität und Liebesbeziehungen in seinem*ihrem Leben spielt. Wenn in meiner Politgruppe scheinbar alle in heteronormativen monogamen Zweierbeziehungen leben und niemals Wahlmöglichkeiten mitgedacht werden, dann muss ich mir ja andere Strukturen suchen, die mir Unterstützung bieten. Da würde ich mir mehr Verzahnung wünschen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Meine politische Sozialisation hängt eng mit diesen Themen zusammen. Ich bin mit zwanzig in ein Zuhause zwischen Kommune und Land-WG gezogen, nicht so viel später kam das Kind in mein Leben und über das Wer-lebt-mit-wem-Camp und eine „queer_feministische Szene“ kreiste ich eine Weile ziemlich um das „Private im Politischen“. Insofern teile ich die Erfahrung nicht, dass das in meiner Subszene nicht genug Platz hätte. Was mich nicht davor bewahrt, durch schädliche Beziehungsnormen geprägt worden zu sein und mit der konkreten Umsetzung von Alternativen in meinem eigenen Leben zu hadern.&lt;br /&gt;Im Gegenteil finde ich immer mehr, dass klassistische, antirassistische, antikapitalistische etc. Aspekte in diesen Diskussionen nicht differenziert mit bedacht werden. Was ich anstrengend finde, ist der Kontakt zu der sogenannten Mehrheitsgesellschaft und ihren Vorstellungen von „normalen“ Beziehungen. Kita, Schule, Kinderärztin, öffentliche Verkehrsmittel, Lohnarbeit – manchmal kommt es mir vor, als stünde ich ständig vor der Entscheidung, falsche Vorannahmen stehen zu lassen oder mich mit meiner ganzen Lebensgeschichte nackt zu machen. Für mich allein kann ich die Entscheidung ganz gut situationsbezogen treffen, aber für mein Kind tut es mir leid, dass es sich und seine Lebensrealität oft erklären muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;zum Weiterlesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christina Caprez: Familienbande&lt;br /&gt;Victoria Law, China Martens: Don&#039;t leave your friends behind. Concrete Ways to Support Families in Social Justice Movements and Communities.&lt;br /&gt;Holger Lendt, Lisa Fischbach: Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;und im Internet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;fuckermothers.wordpress.com&lt;br /&gt;wer-lebt-mit-wem.de&lt;br /&gt;gemeinsameltern.blogsport.de&lt;br /&gt;care-revolution.org&lt;/p&gt;


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