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 <title>arranca! - Postautonomie</title>
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 <title>Magdeburg war eine wirklich unerfreuliche Stadt</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/magdeburg-war-eine-wirklich-unerfreuliche-stadt</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Im Unterschied zu Leipzig, Dresden, Halle oder selbst dem kleineren  Erfurt hatte sich in Magdeburg weder vor noch unmittelbar nach 1989 eine  nennenswerte alternative Subkultur etablieren können. Das, was man  dafür hätte halten können, verlor sich im Bermudadreieck zwischen  Abwanderung, Drogenselbstversuch und SozialarbeiterInnenkarriere. Allein  Punks – in ihrer apolitischsten und unsympathischsten Ausprägung –  prägten das Bild nonkonformer Jugendbewegungen. Antifa, Autonome,  HausbesetzerInnen? Dafür musste man schon nach Braunschweig, der  Partnerstadt aus Vorwendezeiten, fahren. Dort gab es politische  AktivistInnen, die Angst vor Nazis nicht kannten und als gute  KommunistInnen keine Scheu hatten, unverständliche Aufrufe in der  Fußgängerzone zu verteilen.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Im Unterschied zu Leipzig, Dresden, Halle oder selbst dem kleineren Erfurt hatte sich in Magdeburg weder vor noch unmittelbar nach 1989 eine nennenswerte alternative Subkultur etablieren können. Das, was man dafür hätte halten können, verlor sich im Bermudadreieck zwischen Abwanderung, Drogenselbstversuch und SozialarbeiterInnenkarriere. Allein Punks – in ihrer apolitischsten und unsympathischsten Ausprägung – prägten das Bild nonkonformer Jugendbewegungen. Antifa, Autonome, HausbesetzerInnen? Dafür musste man schon nach Braunschweig, der Partnerstadt aus Vorwendezeiten, fahren. Dort gab es politische AktivistInnen, die Angst vor Nazis nicht kannten und als gute KommunistInnen keine Scheu hatten, unverständliche Aufrufe in der Fußgängerzone zu verteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit den Protesten gegen den ersten Golfkrieg 1991 entstand in Magdeburg ein loser sozialer Zusammenhang von einigen Dutzend Jugendlichen, die sich in einer Antifa-Gruppe organisierten. Ahnung von Politik oder gar politischer Praxis hatte niemand von ihnen, aber die Vorbilder waren klar: die Autonomen. Gerade hatten diese sich mit einigen Tausend Polizisten in der Mainzer Straße eine tagelange Schlacht geliefert, ihre „antifaschistische Selbsthilfe“ war ein einleuchtendes Rezept gegen den täglichen Nazi-Stress. Nur eine „Szene“, auf die man sich stützen konnte, gab es in Magdeburg nicht. Also war man alles gleichzeitig: organisierter Aktivist und eigenes Umfeld, Aufrufer und Mobilisierter, Militanter und Militante-Versteher. &lt;br /&gt;Mitte der 1990er Jahre war es dann gelungen, in einem innenstadtnahen Quartier Fuß zu fassen; es gab dort endlich wirklich ein bisschen „Szene“, ein Hausprojekt, ein paar nette Kneipen. Mit viel Mühe und Ausdauer hatten Antifas und Punks gemeinsam den Stadtteil von Nazis befreit. Gleichzeitig hatte sich die kleine linksradikale Szene ausdifferenziert (vulgo: aufgespalten). Es gab eine Handvoll Anti-Imps, die neben der für eine Stadt wie Magdeburg nicht eben drängenden RAF-Gefangenen-Soli-Arbeit gleich noch die Kurdistan-Solidarität betreuten, es gab ein paar Antifas, die sich an Göttingen und der AA/BO (Antifaschistische Organisation/ Bundesweise Organisation) orientierten, und es gab die ProjekthausbewohnerInnen, die sich über Abwasch, Arbeitsbeteiligung und Anarchismus, vor allem aber Tierrechte stritten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich selbst gehörte zu den Antifas. Ich hatte seit unserer spätgymnasialen „Antifa-Jugend“ Anti-Nazi-Arbeit gemacht, war im Stadtteil mit FreundInnen Patrouille gelaufen, hatte einen Nazi-Angriff auf meine Wohnung überstanden und mit zitternden Knien selbst ein paar Ohrfeigen verteilt und Nazi-Aufnäher eingesammelt. Politisch und in der Praxis ahmten wir mit sehr bescheidenen Mitteln die Antifa (M) aus Göttingen nach. Zum Glück hatten wir jedoch weniger den Vermummungskult übernommen, sondern vor allem die für Autonome ungewöhnliche Wertschätzung von Presse- und Bündnisarbeit. Das eröffnete in einer mittelgroßen Stadt wie Magdeburg in politischer Hinsicht erstaunliche Perspektiven. Doch den auch von uns postulierten Anspruch auf „Kontinuität in der politischen Arbeit“ konnten wir nicht einlösen; nach ein paar schönen Jahren war es mit „Bandiera Rossa“ – so hieß unser Grüppchen – leider vorbei. Statt dem neuen Stern am Autonomen-Himmel, der AAB (Antifaschistische Aktion Berlin), zu folgen, entdeckte ich für mich in alten Interims ein paar interessante Texte: die so genannte Heinz-Schenk-Debatte. Hier sprachen irgendwelche Leute, die sich hinter den Namen abgehalfterter Showmaster verbargen, genau das an, was mich auch an autonomer Politik störte – nur, dass ich nicht in der Lage gewesen wäre, die Kritik so schön zusammenzufassen. Da der organisierte Antifaschismus in Magdeburg ohnehin gerade pausierte, traktierte ich FreundInnen und politisch Aktive mit Einladungen zu Diskussionskreisen. Ich wollte auch bei uns eine Debatte über die Irrwege autonomer Politik anstoßen und aus der Diskussion zu einem neuen lokalen Organisierungsansatz kommen. Das war etwas zu hoch gegriffen und stieß bei den Opfern meines Missionsgedankens auf Ablehnung. Unabhängig von den geplanten Diskussionskreisen begannen jedoch auch andere politisch Aktive, die üblichen Formen autonomer Praxis in Frage zu stellen. Anlass war wohl – wie bei mir auch – die Einsicht, dass das Nachahmen bewunderter Autonomen-Gruppen in einer Stadt wie Magdeburg geradewegs in die totale politische Isolation führt. Da ist es für ein paar übrig gebliebenen Anti-Imp-Betonköpfe vielleicht gemütlich, aber interventionsfähig wird man mit zwei, drei Dutzend GenossInnen nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Atempause für abstrakte Debatten über Grundsätze autonomer Politik dauerte nicht lange: 1997 ermordete ein junger Neonazi auf bestialische Weise einen 17-jährigen Punk. In der Folge kam es zu zum Teil heftigen Protesten, zu denen 4.000 Menschen nach Magdeburg kamen und in das Neubaugebiet Olvenstedt, dem Schauplatz der Tat, zogen. Eins war klar: Das Nazi-Problem war noch lange nicht gelöst. In den Kleinstädten im Umland von Magdeburg reifte vielmehr ein noch größeres Problem heran: aggressive „Freie Kameradschaften“, deren Organisationsgrad und Aktivität deutlich über das hinausging, was man von Nazi-Gruppen bislang kannte. In Magdeburg gründete sich eine Gruppe, in die vieles von der in der Heinz-Schenk-Debatte formulierten Kritik an den Autonomen einfloss. Der Name der Gruppe war bewusst im Hinblick auf Anschlussfähigkeit ausgewählt: „Arbeitskreis Antifaschismus“. Zur Praxis gehörte eine nicht auf subkulturelle Identität hin ausgerichtete antifaschistische Jugendarbeit, eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Anti-Nazi-Recherche und aktive Bündnisarbeit. Bei der Pressearbeit ging es nicht vorrangig darum, „der Presse“ unsere so genannten „Inhalte“ (= Propaganda) anzudrehen, sondern fundierte Analysen und Fakten zur Gefahr von Rechts zu liefern und so als politischer Akteur ernst genommen zu werden. Das ist natürlich bei einem bis weit in die Mitte der Gesellschaft konsensfähigen Thema wie Antifaschismus verhältnismäßig leicht. Mit FelS, also der Gruppe, die diesen Weg durch ihre Texte angeregt hatte, gab es zu dieser Zeit nur sporadisch Berührung – die FelS-Antifa war Ende der 90er mit aus unserer Sicht luxuriösen Hauptstadtthemen (winzige Querfront-Verlage bekämpfen!) befasst. Auch die arranca! half uns in unserer politischen Praxis oft nicht weiter, aber wir bewunderten sie und versuchten die von uns als sehr akademisch empfundenen Texte zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Während der Diskussionen um Sexismus im Magdeburger Hausprojekt diente die berühmte arranca! 8 als wichtige Diskussionsvorlage. Texte wurden abgetippt und erschienen in einem kleinen Faltblatt, das einige engagierte „Post-Autonome“ herausgaben. Doch nicht nur die erfrischend bzw. irritierend neue Sicht auf Sexualität beeindruckte uns, auch das Layout der arranca! war so ganz anders! Es unterschied sich deutlich von der Lieblosigkeit der autonomen Zirkulare, deren Redaktionen mit Hilfe von Schere und Klebestift aus Flugblättern und hundertmal kopierten, immergleichen Fotos, Symbolen und Seyfried-Karikaturen ihre Zeitungen bastelten. Stattdessen ahnte man in der arranca! etwas vom Ringen um einen neuen ästhetischen Ausdruck und eine andere politische Kultur. Ebenfalls Mitte der 1990er Jahre entdeckten einige Leute, dass es jenseits von „But alive“, Bernd Langers Öl-Schinken und dem Interim-Schnippel-Layout eine Kultur, ja sogar eine politische Kultur gab. Interessanterweise war die heute zum Hollywood-Märchen verklärte Malerin Frida Kahlo ein Einstieg in die Beschäftigung mit revolutionärer Kunst. Die arranca! passte irgendwie zu diesem neuen Bedürfnis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;M. F., 38 Jahre, Leipzig&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 17:31:34 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Mahlzeit! Postautonome in der Gewerkschaft</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/mahlzeit-postautonome-in-der-gewerkschaft</link>
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                    &lt;p&gt;Mahlzeit! Die Schlange in der Betriebskantine hinter mir wird länger.  Bunt bebrillte Frauen und Männer im fortgeschrittenen Alter stellen sich  an. Auch den wenigen Unter-40-Jährigen scheint das Hemd schon über dem  Bauch zu spannen. Mittagspause in der ver.di-Bundesverwaltung. Eine  halbe Stunde über die Arbeit, die Nachrichten oder den letzten  Wochenendausflug sprechen. Mein Blick schweift durch den Raum.  Hannelores und Hartmuts sind überrepräsentiert. Kaum Nichtdeutsche, kaum  jüngere Leute, keine Infos oder Politflyer auf dem Tisch. Wer hier  arbeitet, koordiniert Tarifrunden, verwaltet Mitglieder oder setzt sich  für Mindestlöhne oder Gute-Arbeit-Indexe ein. Und das routiniert, in  mehr oder weniger eingeübten Abläufen mit klaren Zuständigkeiten.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Mahlzeit! Die Schlange in der Betriebskantine hinter mir wird länger. Bunt bebrillte Frauen und Männer im fortgeschrittenen Alter stellen sich an. Auch den wenigen Unter-40-Jährigen scheint das Hemd schon über dem Bauch zu spannen. Mittagspause in der ver.di-Bundesverwaltung. Eine halbe Stunde über die Arbeit, die Nachrichten oder den letzten Wochenendausflug sprechen. Mein Blick schweift durch den Raum. Hannelores und Hartmuts sind überrepräsentiert. Kaum Nichtdeutsche, kaum jüngere Leute, keine Infos oder Politflyer auf dem Tisch. Wer hier arbeitet, koordiniert Tarifrunden, verwaltet Mitglieder oder setzt sich für Mindestlöhne oder Gute-Arbeit-Indexe ein. Und das routiniert, in mehr oder weniger eingeübten Abläufen mit klaren Zuständigkeiten. &lt;br /&gt;Aber was heißt es, wenn man soziale und betriebliche Kämpfe für essenziell hält – und die damit verbundene gesellschaftliche Organisation, in der man arbeitet, mitunter wie eine Behörde funktioniert? Zunächst, dass sich im täglichen Organisationsoutput wenig von der Vision einer konfliktbereiten Bewegungsgewerkschaft findet, die in den Debatten um die Revitalisierung der Gewerkschaften ab und zu aufscheint. Zu wenig Organizing, zu viel klassische Lobbyarbeit, zu wenig Offenheit gegenüber sozialen und linken Bewegungen, zu viel Gremienkultur und Landesbezirksfachbereichsfachkreise, zu wenig gemeinsam an einem Strang ziehen. Zu viel Formalismus, zu wenig kreative Antworten auf die alltägliche neoliberale Meinungsmache. Über Schritte zur Überwindung der schlechten Verhältnisse brauchen wir erst gar nicht reden. Doch an welchem Ort politischer Lohnarbeit stellt sich diese Frage überhaupt: an der Uni, in der Erwachsenenbildung, bei den politischen Stiftungen? Jenseits der dort im besten Fall betriebenen Aufklärung und kritischen Bewusstseinsbildung haben die Gewerkschaften noch immer einen Bonus auf ihrer Seite, der bei der Orientierung auf soziale Kämpfe unschwer ignoriert werden kann: „Gewerkschaften appellieren nicht nur, sondern sind darauf angelegt, Erzwingungswirkung im Zentrum der Ökonomie zu entfalten“, nennt es der ehemalige ver.di Hauptamtliche Werner Sauerborn etwas formalistisch (&lt;a href=&quot;http://www.akweb.de/ak_s/ak557/04.htm&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;ak 557&lt;/a&gt;). &lt;br /&gt;Wenig überraschend, dass Linke in konjunkturellen Abständen auf kaum einen gesellschaftlichen Player soviel Hoffnung projizieren wie auf die Gewerkschaften. In früheren Zeiten betraf dies eher die traditionellen Milieus wie Trotzkisten und Parteilinke, in deren politischen Strategien die Gewerkschaften eine zentrale Rolle als verfasste organisierte Macht der Beschäftigten und Transformationsriemen der politischen Bewusstseinsbildung einnahmen. Wenn man die Arbeiterklasse erreichen wolle, müsse man sich als Linke an die Spitze dieser Organisationen setzen. In dieser Avantgardismus-Konzeption wird der Führung die Allmacht über die Klasse zugewiesen. Der allzeit vorhandene Kampfeswille der Beschäftigten wird durch mangelnde Konfliktbereitschaft und die Mauscheleien der Führungen gedeckelt. Es gibt nur wenige Erklärungsansätze mit solch einer Schnittmenge bei unterschiedlichsten Linken wie der regelmäßig wiederholte Vorwurf des Einknickens der Gewerkschaftsspitzen. Wegen dieser Fixierung auf die Führung werden viele aktuelle Entwicklungen wie die zeitweise starke Zunahme von Streiks in den letzten Jahren, zum Beispiel der ErzieherInnen-Streik, nicht mehr wahrgenommen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wie erklär ich‘s meinen GenossInnen?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile finden sich vermehrt Linke aus den so genannten postautonomen Strukturen in hauptamtlicher Position, für die die Gewerkschaften nie ein besonderer Referenzpunkt waren – wenn auch die beschriebene Subjektivierung von Schwäche ebenso verbreitet ist. Dennoch heißt es bei FelS regelmäßig diplomatisch, dass bei den Gewerkschaften nicht von einem „monolithischen Block“ gesprochen werden könne. Peter Birke schreibt: „Die Gewerkschaften sind mal kämpferisch-autonom, mal staatstragend-regulativ, mal bürokratisch, mal politisch und aktivistisch, nicht selten alles zugleich.“ &lt;br /&gt;Also: Was bedeutet dies? Und wie erklär ich‘s meinen GenossInnen? Der Versuch, Transparenz in diese widersprüchlichen Bewegungen und die dahinterliegenden Dynamiken zu bringen, ist keine leichte Aufgabe. Der eigene Blick auf die Zusammenhänge entsteht dabei nicht über das Organizing, über das viele Bewegungslinke in den letzten Jahren in die Gewerkschaften eingestiegen sind. Damit sind sie Teil einer gewerkschaftlichen Erneuerung, die von vielen Linken aufgrund ihrer konfliktorientierten Ausrichtung mit Sympathie verfolgt wird. Der subjektive Vorteil dessen ist im Zweifelsfall, dass das Legitimations- und Identitätsproblem verringert ist, das antiautoritäre Linke mit dem Einstieg in die Gewerkschaftsbürokratie unweigerlich erreicht. Der persönliche Hintergrund ist also nicht die Betreuungs- oder Organizingarbeit vor Ort, sondern ein Querschnittsbereich an der Schnittstelle Mitgliederkommunkation und Öffentlichkeitsarbeit, digitale Demokratisierung der zweitgrößten Gewerkschaft Deutschlands, die Einbeziehung prekär arbeitender Mitglieder, die Überwindung von Berufsgruppendenken, der Ausbau von Kritik- und Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb der Organisation. &lt;br /&gt;Ähnlich wie im Organizing geht es um die Stärkung basisdemokratischer Ansätze und des Bewusstseins für kollektives Handeln gegen schlechte Verhältnisse. Hat man damit schon den Emanzipations-TÜV linksradikaler Gruppen bestanden? Kann man die politischen Praxen einer FelS-Sozial-AG und einer DGB-Einheitsgewerkschaft überhaupt miteinander in Bezug setzen, geschweige denn gegenseitig transformieren? Die Frage klingt aus linker Perspektive fast schon naiv. Verlässt man aber unvereinbar erscheinende Positionen wie die Kritik bzw. die Affirmation von Lohnarbeit als zentraler Vergesellschaftungsinstanz und wendet sich eher der Frage zu, wie soziale Prozesse der Solidarisierung und des Aufbegehrens gegen Ausbeutung organisiert werden können, wird es wieder interessant. Denn auch der positive Bezug auf Repräsentationsstrukturen, wie er bei einer Betriebsratsgründung gegeben ist, kann gleichzeitig als ein Akt der Selbstermächtigung betrachtet werden. In anderen Bereichen erscheint die Kultur des linksradikalen Besserwissens absurd, vergegenwärtigt man sich, wie wenig Organisierungsprozesse im Bereich der Lohnarbeit tatsächlich jenseits gewerkschaftlicher Strukturen erfolgreich aufgebaut wurden. Misst man Linke, die in ähnlichen Bereichen arbeiten, an der Aussage, dass „die gesellschaftliche Emanzipation der ArbeitnehmerInnen letztlich nur über die Überwindung der kapitalismusgemachten Konkurrenz untereinander möglich“ ist (Sauerborn im ak 557), fällt das Urteil nüchtern aus. Wo gibt es schon von prekären wissenschaftlichen Beschäftigten, unter denen sich viele Linke tummeln, erkämpfte kollektive Regelungen, die, um es überspitzt zu formulieren, die Konkurrenz entschärfende Wirkungen entfalten wie das Prinzip eines Flächentarifvertrages, der gleiche Arbeitsbedingungen für Beschäftigte aus miteinander konkurrierenden Kaufhäusern und Supermärkten regelt?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Marsch durch die Institutionen?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Jetzt ist es schon soweit, die Anpassung an den gewerkschaftlichen Minimalismus deutet sich bereits an. Im gedanklichen Hintergrund dudelt schon der Longplayer vom „Marsch durch die Institutionen“, die linke Meta-Erzählung über das Weichgespültwerden und Kompromissemachen im Zuge von Job-Einstiegen in politische Institutionen. In den letzten Jahren hat diese Erzählung wieder Futter bekommen, gilt doch bei vielen Linken als ausgemacht, dass Institutionen wie Gewerkschaften und Linkspartei beharrlich die Erfahrungen und das Engagement von BewegungsaktivistInnen abschöpfen, um die eigenen Mobilisierungs- und Organisierungsdefizite zu kompensieren. Von den entsprechenden AktivistInnen würde im Gegenzug zu ihrer Einbindung der Kotau vor den Positionen der Gewerkschaftsführung verlangt, die vielfach noch mit der SPD eng verzahnt ist. &lt;br /&gt;Aus vielerlei Gründen glaube ich nicht an diese Logik. Zum einen würde es voraussetzen, dass es von Gewerkschaftsseite diesbezüglich ein zielgerichtetes Handeln gäbe und die Probleme erkannt würden. Hier herrscht meist Fehlanzeige. Zum anderen basiert diese Denkrichtung auf der Erhöhung der eigenen Bedeutung als radikale Linke oder soziale Bewegung für die Apparate. Vieles wäre einfacher, wenn dem so wäre. Denn statt ernsthaft Bündnisarbeit mit BewegungsakteurInnen zu forcieren und sich den damit verbundenen politischen Auseinandersetzungen zu stellen, werden entsprechende Arbeiten lieber an Kommunikationsagenturen outgesourct, die mitunter auch das mobile Personal stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bleibt noch die autoritäre Tradition und der mitunter durchscheinende sozialdemokratische Stalinismus. Der erhoffte klare Gegner, Quell der Anpassung und Kompromissbereitschaft, vor dem man sich in Acht nehmen muss, wenn die eigene Einflussnahme nicht gleich wieder beendet sein soll. Tatsächlich wundert man sich in Gesprächen mit KollegInnen regelmäßig, wieviele Mitglieder die SPD noch hat. &lt;br /&gt;Und doch hat man den Eindruck, dass es nicht diese alten Beziehungen und personellen Überschneidungen sind, die die im großen Rahmen noch immer sozialpartnerschaftlich ausgerichtete Politik der Gewerkschaften bestimmen und kämpferische Positionen verhindern. Stattdessen kommen habituelle Strukturen zum Tragen, die schwer zu knacken sind. Die „so haben wir das schon immer gemacht“-Haltung wird durch die Fixierung auf die regelmäßig stattfindenden großen Tarifrunden unterstützt. Angesichts der mehr oder weniger gleich lautenden Forderungen, Argumentationen und abschließenden Tarif-ergebnisse stellt sich spätestens alle zwei Jahre der Déjà-Vu-Effekt ein. Ritualisierte Abläufe und Organisationsfolklore, die jedoch kein spezifisch gewerkschaftliches Phänomen sind, sondern sich auch bei Erster Mai- und Gipfelmobilisierungen und Studierendenprotesten wiederfinden. Mit letzteren am ehesten vergleichbar ist jedoch, dass es sich bei den Tarifrunden heute zumeist um Abwehrkämpfe handelt, bei denen die Niederlage von vorneherein erwartet wird. In den Reihen der Verantwortlichen ist oftmals von einer kämpferischen Stimmung wenig zu spüren.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Friedhofsruhe und kämpferische Arbeit&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Das Durchschnittsalter der Lohnabhängigen, die überhaupt noch von diesen tarifvertraglichen Regelungen profitieren, steigt von Jahr zu Jahr und ihr Anteil wird kleiner. Die Altersstruktur der Mitgliedschaft spiegelt sich in der Überalterung des Apparats. Die meisten Hauptamtlichen sind seit einigen Jahrzehnten bei den Gewerkschaften beschäftigt und haben ihre eigene Berufstätigkeit in den Spätzeiten der deutschen Boomjahre begonnen. Der berufliche Aufstieg hat sich beim Sprung von der ehrenamtlichen zur hauptamtlichen Mitarbeit, wie sie Mitgliedsorganisationen prägt, weiter fortgesetzt. Bei vielen Gewerkschaftsbeschäftigten hat sich eine Verbürgerlichung vollzogen und ihre Lebenslagen sind am ehesten mit denen von Facharbeitern zu vergleichen. Es überrascht vor diesem Hintergrund auch nicht, dass diese Gruppen noch immer im Fokus der Interessensvertretung stehen und ein Bezug auf prekäre, informelle und unstete Arbeitsverhältnisse aufgrund fehlender persönlicher Erfahrungen vielfach ausbleibt. Manchmal scheint es, als seien die Gewerkschaften bei den Haupt- wie bei den Ehrenamtlichen ein letztes Refugium derjenigen, die in der Arbeitswelt heute immer seltener werden. Formelle Ausbildung, dauerhafte Jobs, sichere Renten – die letzten Spießer gewissermaßen. Doch auch diese Konstellation wird mit dem Ende des Fordismus zu einem Auslaufmodell. Die Einflussnahme auf die personelle Neuzusammensetzung der Strukturen ist ein Ansatzpunkt, um die Behördenkultur, wie sie sich noch immer in den Gewerkschaften findet, aufzubrechen. Denn die sozialpartnerschaftlichen Aushandlungen sind nicht nur übergestülpte Mechanismen, sondern auch erlernte soziale Prozesse, die für LeiharbeiterInnen, jüngere Prekäre, Selbständige keine prägenden Erfahrungen mehr sind. Mit der stärkeren Einbeziehung von Gruppen, die Erfahrungen jenseits des Normalarbeitsverhältnisses mitbringen, wozu auch überdurchschnittlich viele MigrantInnen zählen, kann die Friedhofsruhe und die selbstgefällige Atmosphäre nicht mehr in der gleiche Weise aufrecht erhalten werden. Als Linke gilt es, diese Veränderungen zu verfolgen und über die Schaffung von Allianzen und Netzwerken und Bereitstellung von Ressourcen die Bedingungen von kämpferischer Gewerkschaftsarbeit zu verbessern. Gleichzeitig ist es wichtig, den Einfluss der Zentralen zu dezentrieren und sich nicht an den Beschlusslagen abzuarbeiten, wie es oftmals beim Thema „Politischer Streik“ geschieht. &lt;br /&gt;Denn: „Die Alternative zwischen ‚kämpferischer‘ und ‚sozialpartnerschaftlicher‘ Politik ist mithin eine Frage, die im Alltag, also im Wesentlichen nicht in den oberen Etagen der Gewerkschaftshäuser, entschieden wird.“ (Birke) Und damit kann man sich in der Betriebskantine auch wieder entspannen.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 16:58:01 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Wird Abweichung zur Norm, Dissidenz zur Systemressource?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/wird-abweichung-zur-norm-dissidenz-zur-systemressource</link>
 <description>&lt;p&gt;Trotzen wir dem System durch Kreativität und Nonkonformität Freiräume ab? Unterlaufen wir durch subversive (Alltags-)Praktiken die Zurichtungen des spätmodernen Kapitalismus? Rütteln wir manchmal gar ein wenig an den tragenden Säulen der Gesellschaft? Zweifelnde Fragen dieser Art begleiten wohl jede dissidente Praxis, jeden Protest. Die größte Sorge ist unverkennbar und allgegenwärtig: unsichtbar, ungehört, ohne Wirkung zu bleiben. &lt;br /&gt;Doch was, wenn Wirkungslosigkeit nicht das größte Problem ist? Wer in jüngerer Zeit einen Blick auf Debatten zu Protest, Dissidenz und Gesellschaftskritik wirft, findet sich schnell mit einer ganz anderen Problematik konfrontiert: Gegenstrategien bleiben, so die These, nicht nur nicht ungehört, sondern werden zunehmend als Systemressourcen entdeckt. Allerorts springt uns die in Wissenschaft und Feuilleton – aber auch in bewegungsnahen Zusammenhängen – populäre Diagnose entgegen, dass Abweichung und Dissidenz, dass Autonomie und Nonkonformität von potentiellen Störfaktoren zu Produktivkräften des Kapitalismus avanciert sind. Was ist dran an dieser Diagnose? Und welche Konsequenzen hat sie für linke Bewegungspolitik?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Vereinnahmungsdiagnose&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Historisch betrachtet hat sich der Kapitalismus im Prozess der (äußeren) Landnahme zunächst in kolonialistischer Manier die nicht-kapitalistischen Gesellschaften einverleibt, um dann im Zuge der „inneren Landnahme“ die vorindustriellen Sektoren sowie die Reproduktionsbedingungen in den kapitalistischen Metropolen selbst der Vermarktlichung zuzuführen. Nun wird in jüngerer Zeit eine Dynamik ausgemacht, die sich als „innerste Landnahme“ beschreiben lässt: Diese laufe darauf hinaus, nicht mehr (nur) die Arbeitskraft, sondern den ganzen Mensch mitsamt seiner subjektiven Potenziale, Emotionen und eben auch Eigensinnigkeiten zu erschließen. Arbeits- und Industriesoziolog_innen haben gezeigt, dass neue Managementkonzepte als Reaktion auf die Krise der fordistischen Massenproduktion zunehmend auf die Selbststeuerungspotenziale von Beschäftigten setzen: Initiativen zur Abflachung von Hierarchien und zur Förderung von Eigeninitiative und Kreativität entsprächen dabei ebenso in vielen Punkten jahrelang den Forderungen von Gewerkschaften und Betriebsräten wie der Ausbau von Gruppenarbeit. Nichtsdestotrotz handele es sich um eine ambivalente Entwicklung, da die Gewährung von Autonomie zu einer neuen, schwer zu durchschauenden, effizienteren Herrschafts- und Ausbeutungstechnik werde, so die Analyse der kritischen Arbeitssoziologie.&lt;br /&gt;Auch die französischen Soziolog_innen Luc Boltanski und Eve Chiapello haben in ihrer Studie Der neue Geist des Kapitalismus aufgezeigt, dass das kapitalistische System zu seiner Rechtfertigung zunehmend auf die Kritik seiner Gegner_innen zurückgreift und sie zur Legitimationsressource ummodelliert. Dies betreffe insbesondere die in der 1968er-Bewegung einflussreich gewordene Künstlerkritik, die Unterdrückung, Entfremdung und Uniformierung in der Massen- und Konsumgesellschaft thematisiert und im Gegenzug Autonomie, Kreativität und Freiheit als gesellschaftliche Ideale propagiere. Im Zuge der Integration dieser Kritik sei ein projektbasierter Geist des Kapitalismus entstanden, in dem flachere Hierarchien, soziale Netzwerke, Flexibilität und partizipative Managementtechniken sukzessive an Bedeutung gewonnen hätten. &lt;br /&gt;Die im Feld der akademischen Linken – aber auch darüber hinaus (so in der Fantômas oder im Kontext der BUKO) – populären Gouvernementalitätsstudien im Anschluss an den französischen Philosophen Michel Foucault gelangen zu einer ähnlichen, wenngleich noch stärker zugespitzten Diagnose: So konstatiert Ulrich Bröckling in seiner viel gelesenen Studie Das unternehmerische Selbst, dass die Subversion der Ordnung Teil ihrer Optimierung geworden sei und „Überschreitung statt Regelbefolgung“ als Handlungsmaxime gelte. Die aktuelle Orientierungslosigkeit gesellschaftskritischer Positionen hat ihm zufolge ihren Grund „in der unbequemen Erkenntnis, dass der vermeintliche Sand, mit dem man hoffte, das Getriebe blockieren zu können, dieses inzwischen als Schmiermittel am Laufen hält.“ &lt;br /&gt;Was wird aus Kritik und Dissidenz, wenn sie derart zu Lernhilfen einer optimierten kapitalistischen Produktion und Vergesellschaftung umgebaut werden können? Corinne Maier propagiert in ihrem erfolgreichen Ratgeber Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun: „Es ist nutzlos, das System verändern zu wollen; wenn man sich ihm widersetzt, stärkt man es; wenn man es bekämpft, geht es umso ungreifbarer daraus hervor.“ Verenden gar Revolutionen „in noch pittoreskeren Formen von Integration“, wie Umberto Eco feststellt?&lt;br /&gt;Es ist ein großes Verdienst dieser Analysen aufgezeigt zu haben, dass Herrschaft und Autonomie, dass Fremdbestimmung und Nonkonformität im Gegenwartskapitalismus keine einfachen Gegensätze mehr darstellen: Autonomie kann zur Herrschaftstechnik werden, Nonkonformität kann zum geforderten Leistungskanon gehören. So instruktiv die Vereinnahmungsdiagnose in ihrer Sensibilisierung für die flexible Anpassungsfähigkeit des kapitalistischen Systems ist, so unbefriedigend bleibt sie jedoch für die Analyse konkreter – gelungener wie misslungener – Vereinnahmungen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Diagnose ohne Kontext?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Vereinnahmungsdiagnose ist in hohem Maße abgehoben: Abstrakte Subjekte spazieren durch eine Welt, die jedes selbstregulative Potenzial und jede subversive Handlung unterschiedslos zu Innovationsgeneratoren umarbeitet. Wer aber erwartet Kreativität und Mobilität von illegalisierten Migrant_innen, die die Grenzen der Festung Europa überwinden? Welche Supermarkt-Kassiererin erfreut ihren Chef mit hoher Kommunikationsorientierung beim Kassieren oder mit selbstbestimmtem Zeitmanagement? Welcher Hartz-IV-Empfänger den Fallmanager mit kreativen Ideen ohne Lohnarbeitsbezug? &lt;br /&gt;Um welche Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse geht es eigentlich, wenn von der umfassenden Preisgabe von Kritik und Abweichung im System die Rede ist? Journalist_innen, Wissenschaftler_innen und bewegte Linke scheinen über sich selbst und ihre privilegierte Situation zu sprechen. Klassische Kontroll- und Disziplinierungsformen und die weitgehende Ausschaltung subjektiver – zumal kritischer – Potenziale sind in vielen Bereichen aber nach wie vor an der Tagesordnung. So ist der Alltag der meisten Beschäftigten bestimmt durch ein komplexes Ineinandergreifen von Mechanismen der Fremd- und Selbstkontrolle: „Mach, was du willst, aber nur an Orten und im Rahmen des Erlaubten“ – so ließe sich die Situation pointieren. Genau dieses Konglomerat, das mit großen Verunsicherungen für die Beschäftigten verbunden ist, gilt es aber zu entwirren und auf konkrete Ansatzpunkte für Widerständigkeit abzuklopfen. Mitunter reicht es, eine gewünschte Praxis einfach auf einen anderen Kontext zu übertragen – Stichwort: Kreativität ohne Lohnarbeitsbezug im Umgang mit dem Amt – und das Störpotenzial wäre garantiert.&lt;br /&gt;Diagnose ohne emanzipatorisches Ansinnen&lt;br /&gt;Die Vereinnahmungsdiagnose ist zudem in hohem Maße formalistisch: Die diskutierten Verhaltensweisen und Mechanismen – seien es Kreativität, Selbststeuerung, Flexibilität oder Nonkonformität – werden inhaltlich kaum rückgebunden, so dass offen bleibt, mit welchem Ziel sie eigentlich zum Einsatz kommen: Autonomie und Selbstorganisation in Bezug auf die Selbstökonomisierung als Freiberufler_in oder die Vorbereitung von Protesten gegen den G8-Gipfel? Flexibilität und Mobilität im Sinne der betrieblichen Erfordernisse oder im Bezug auf die eigene Fluchtgeschichte? Nonkonformität und Eigensinn als einträgliches Kunstprojekt in der Stadtteilgalerie oder als Überlebensstrategie am Fließband? &lt;br /&gt;Die berechtigte theoretische Unsicherheit darüber, von welchem inhaltlichen Standpunkt aus eine Kritik der (kapitalistischen) Verhältnisse zu formulieren ist, wenn die Kritik immer schon Bestandteil eben dieser Verhältnisse ist, wird in eine Sackgasse weitergedacht: Ein inhaltlicher Standpunkt, von dem aus die Kritik „ihr Nein formulieren könnte“ (Ulrich Bröckling), müsse aufgegeben werden, so verschiedene Protagonist_innen der Debatte. Da man auch im postmodernen Flüchtigkeitsgestus auf eine kritische Perspektive nicht gänzlich verzichten möchte, werden Widerständigkeit und Dissidenz infolgedessen allein über die Umkehrung der identifizierten Systemressourcen bestimmt: „Kreativität und Mobilität sind gewünscht? Dann bleiben wir zu Hause und gestalten die Tage möglichst eintönig.“ „Wir sollen eigeninitiativ und hochkommunikativ sein? Dann werden wir eben depressiv“ – um es zugespitzt zu formulieren. Es wird allein danach gefragt, ob Verweigerung die gegebene Ordnung stört, nicht aber, ob sie in emanzipatorischer Hinsicht die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert. Nur vor solch einem Hintergrund wird verständlich, wie aus post-strukturalistischer und gouvernementalitätstheoretischer Perspektive, immerhin derzeit der Linken liebste Theoriekinder, Entsubjektivierung, „Spiele der Nutzlosigkeit“, Depression, passive Resistenz oder „leere Zwischenräume der Nicht-Kommunikation“ zu Widerstandsmaximen werden konnten. „Wirklich ‚sauber‘ bleibe ohnehin nur der Subversive, dessen Subversion keiner bemerkt“, wie der Autor und Journalist Robert Misik jüngst konstatierte. Wie wahr und wie falsch zugleich: Wo sich etwas bewegt, wird in der Tat Staub aufgewirbelt, wo Theorie praktisch wird, wird die klinisch saubere wie gefahrlose Pseudoradikalität der kommentierenden Linken verlassen – und das ist gut so. Es drängt sich die Frage auf, ob die populäre Absage an einen Standpunkt und konkrete Prozesse der politischen Organisierung, ob das Abgefeiere von Flüchtigkeit und Spontaneität durch erklärte Kritiker_innen der kapitalistischen Gesellschaft nicht die radikalsten Formen sind, den Verhältnissen „auf den Leim“ zu gehen. Autonomie und Selbstbestimmung sind eben nicht nur Managementtechnik und Ausweis liberaler Ideologie, sondern eine grundlegende Notwendigkeit für jede individuelle wie kollektive emanzipatorische Perspektive.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Auswege und ein Blick zurück&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was bedeutet das für eine Gruppe wie FelS? Es bedeutet – bei aller Kritik –, dass die Vereinnahmungsgefahr ernst genommen werden muss und zwar dort, wo sie aktuell vor allem droht: In der Symbolpolitik, wenn alltagsferne Nonkonformität und kreative Abweichung, die im Konkreten niemanden stören, auf dem besten Wege sind, zur Art Déco eines Projekte generierenden Kapitalismus zu werden. Die Gruppe FelS hat im letzten Jahr eine Konsequenz aus genau dieser Gefahr gezogen: Sie hat die so erfolgreich gestartete Mayday-Parade gegen die Prekarisierung der Lebensverhältnisse aufgegeben, als die Parade zum radical chic, zum hippen Mai-Event ohne Alltagsverankerung und ganzjährige Praxis zu werden drohte. Auch Farbbeutel auf ein Ministerium konnten nicht (mehr) darüber hinwegtäuschen, dass an dem viel beachteten kreativem Umzug niemand Anstoß nehmen musste, solange die Demonstrierenden am 2. Mai in den Normalmodus Alltag zurückkehrten und die prekarisierte Bohème zudem weitgehend unter sich blieb. Damit ist das Projekt aber keineswegs auf ganzer Linie gescheitert, können doch Grenzen und konkrete Vereinnahmungsgefahren linksradikaler Politik nicht am Reißbrett bestimmt, sondern nur in einer für Kritik und Veränderungen offenen politischen Praxis ausgelotet werden. So ist es durchaus gelungen, neue Ausdrucks- und Politikformen zu entwickeln, die den Vielschichtigkeiten und Widersprüchen prekarisierten Lebens Raum geben. Erinnert sei an dieser Stelle nur an die leeren Sprechblasen, auf denen die Teilnehmer_innen der Parade ihre eigenen Forderungen und Statements eintragen konnten und die seitdem – über die Mayday-Parade hinaus – die Demolandschaft in Berlin verändern. Klar wurde aber eben auch, dass die erfolgreiche Parade ohne Verstetigung einer widerständigen Alltagspraxis Gefahr lief, den beabsichtigten Stachel zu verlieren und zur Demo-Party zu werden.&lt;br /&gt;Doch mit Erkenntnissen dieser Art stehen erfolgreiche (System-)Kritik und Dissidenz keineswegs generell zur Disposition, wie es die allgegenwärtigen Vereinnahmungswarnungen glauben machen wollen: Sowohl das kapitalistische System als auch die kritische Praxis sind so facettenreich, dass die Annahme einer einfachen Formähnlichkeit von System und Kritik nur in eine Sackgasse führen kann. Gerade weil die Vereinnahmungsdiagnose aufzeigt, dass Kritik und Dissidenz zu Innovationsgeneratoren und flexiblen Ressourcen werden können, gilt es anhand linker Bewegungsgeschichte sowie anhand konkreter Praktiken realer Akteur_innen auszuloten, unter welchen Bedingungen genau dies nicht geschieht – beziehungsweise nicht geschehen ist. Dabei ist für die Erfolgsbestimmung zu berücksichtigen, dass nicht jede kritische oder dissidente Praxis durch ihre Vereinnahmung entwertet wird: Was zur Produktivkraft mutiert, verliert nicht unter allen Umständen seinen subversiven Charakter, kann doch jedes Schmiermittel, sobald es nicht mehr die Maschine ölt, sondern den Boden bedeckt, seine Funktion verändern. &lt;br /&gt;Man nehme das Erfolgsbeispiel der feministischen Kritik: Auch wenn Geschlechterhierarchien und Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen nach wie vor an der Tagesordnung sind, kann die Entwicklung der letzten 100 Jahre nicht über zahlreiche Erfolge des feministischen Kritikprojekts hinwegtäuschen. Wenn nun von feministischer Seite beklagt wird, dass „der Traum von Frauenemanzipation in den Dienst der kapitalistischen Akkumulationsmaschine gestellt wird“ (Nancy Fraser), gerät zweierlei aus dem Blick: Erstens, dass der Umstand, dass Frauen als Ressource außerhalb der Reproduktionssphäre entdeckt wurden, auch ein großer Erfolg ist und dieser Entwicklung doch (bei allen fortdauernden Problemen) die zunehmende Gleichstellung von Männern und Frauen und die sukzessive Überwindung vormoderner Abhängigkeitsstrukturen zugrunde liegt. Wem dies zu positiv gezeichnet ist, der werfe einen Blick auf Geschlechterverhältnisse in Filmen oder Werbungen der 1950er Jahren und vergleiche. Natürlich ist dies erst einmal nur eine zunehmende Gleichstellung im Rahmen des Bestehenden, aber es gilt zweitens: Die Inkorporation und Nutzung weiblicher Arbeitskraft und Ressourcen durch das Kapital bedeutet eben nicht, dass die feministische Kritik für ein antikapitalistisches Projekt verloren ist. Im Gegenteil: Die wachsende Gleichstellung (im flexiblen Kapitalismus) ist unabdingbare Voraussetzung und Ressource für die Kritik desselben und ein über diese Verhältnisse hinausgehendes Emanzipationsprojekt.&lt;br /&gt;Für die Bewertung des Erfolgs von Kritik und Protest gilt dabei nicht zuletzt: Störung allein genügt nicht, wenn in der radikalen Negation der Systemimperative die emanzipatorische Perspektive aus dem Blick gerät. Auch wenn Depression und Passivität die effektivsten Produktivitätskiller sind, zerstörte Straßenbeleuchtungen, zerstochene Reifen und die Anhäufung von Hundescheiße den Gentrifizierungsprozess verlangsamen mögen – schön ist das Leben so nicht. Wir müssen nicht aufhören, kreativ, mobil, selbstorganisiert, ideenreich und nonkonform zu sein, weil uns die soft skills des flexiblen Kapitalismus zu Überläufer_innen werden lassen (könnten), sondern wir werden es dort, wo es nicht erwartet wird, wo es definitiv unerwünscht ist, wo es – weiterhin und immer wieder – stört: durch Aktionen im Stadtteil, auf dem Amt (so die Militante Untersuchung von FelS im Jobcenter Neukölln) oder am Arbeitsplatz. Als die Hamburger Künstler_innen im Gängeviertel dem Kreativitätshype den Kampf ansagten und kreativ widerständig wurden, wurde unübersehbar, dass nicht alles als Kreativgut vereinnahmbar ist. In ihrem Manifest Not in our name. Marke Hamburg heißt es: „Unmissverständlicher kann man nicht klarstellen, was ‚Kreativität‘ hier (von Seiten der Stadtoberen) zu sein hat: ein profit center für die wachsende Stadt. Und da sind wir nicht dabei. Wir wollen nämlich keine von Quartiersentwicklern strategisch platzierte Kreativimmobilien und Kreativhöfe.“ Und sie wollten erfolgreich nicht.&lt;br /&gt;Das Wissen darum, dass es keinen dauerhaft sicheren, von den gesellschaftlichen Machverhältnissen undurchdringbaren Ort der Kritik und praktischen Dissidenz gibt, darf nicht zu dem fatalen Umkehrschluss verleiten, dass es keine vorübergehend zu enternden, provisorisch zu sichernden Stand- und Widerstandspunkte gibt. Dass dieser Ort der Abweichung und Aneignung stets gefährdet, umkämpft und vereinnahmbar bleibt, erfordert permanente Reflexion und Praxis – und nicht die Verweigerung, autonom und kreativ zu sein. Wer keine Blumen mehr vors Haus setzt, weil dann die Gentrifizierung droht, hat schon verloren.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 16:37:46 +0000</pubDate>
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 <title>Kleine Atempause</title>
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                    &lt;p&gt;In diesem Sommer gibt es FelS nun ziemlich genau zwei Jahrzehnte – eine  lange Zeit. Doch die wenigsten heute bei FelS Aktiven waren von Anfang  an dabei. Die meisten haben vor 20 Jahren noch in den Kinderschuhen  gesteckt. Was uns als FelS heute verbindet, ist für die Einen vage und  für Andere ganz klar. Dieser Umstand geht nicht zuletzt auf das zurück,  was den nicht minder vagen Titel ‚postautonom‘ trägt. &lt;br /&gt;Was also heißt  postautonom? Die Vorsilbe „post“ allein trägt zur Begriffsbestimmung  nicht viel bei. Dass bisher niemandem ein „eigener“ Name für diese  Generation der radikalen Linken eingefallen ist, mag auch daran liegen,  dass schon die Bezeichnung „Autonome“ stets sehr vage war. Glaubt man  den Jugendforscher_innen an den Unis oder den deutschen  Mainstream-Medien, so genügen ja schon ein schwarzer Kapuzenpullover,  ein Pflasterstein und eine Portion diffuser Wut im Bauch, um sich als  Autonome_r zu qualifizieren. Derlei Platitüden werden von den meisten  Autonomen zwar entschieden zurückgewiesen, auch innerhalb der Bewegung  hat sich aber nie eine gemeinsame (Selbst-)Bezeichnung durchgesetzt. Um  sich dem Begriff und seiner Bedeutung zu nähern, ist es hilfreich in der  Geschichte zu graben.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Warum spielt das Anknüpfen an Traditionen eine so geringe Rolle? Hat die Tatsache, dass der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wenig Raum gegeben wird, mit einem in der westdeutschen radikalen Linken vorhandenen Abgrenzungswahn zu tun? Die Linke der 1970er hat sich von den 68ern abgegrenzt, die 1980er von den 1970ern usw. Wie also einen Umgang mit Kritik an früheren Bewegungen finden, der trotzdem nicht die produktiven Anknüpfungspunkte vergisst?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;20 Jahre FelS. Erzählen wie wir gewesen sein wollen und wie wir erinnert werden können&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sommer gibt es FelS nun ziemlich genau zwei Jahrzehnte – eine lange Zeit. Doch die wenigsten heute bei FelS Aktiven waren von Anfang an dabei. Die meisten haben vor 20 Jahren noch in den Kinderschuhen gesteckt. Was uns als FelS heute verbindet, ist für die Einen vage und für Andere ganz klar. Dieser Umstand geht nicht zuletzt auf das zurück, was den nicht minder vagen Titel ‚postautonom‘ trägt. &lt;br /&gt;Was also heißt postautonom? Die Vorsilbe „post“ allein trägt zur Begriffsbestimmung nicht viel bei. Dass bisher niemandem ein „eigener“ Name für diese Generation der radikalen Linken eingefallen ist, mag auch daran liegen, dass schon die Bezeichnung „Autonome“ stets sehr vage war. Glaubt man den Jugendforscher_innen an den Unis oder den deutschen Mainstream-Medien, so genügen ja schon ein schwarzer Kapuzenpullover, ein Pflasterstein und eine Portion diffuser Wut im Bauch, um sich als Autonome_r zu qualifizieren. Derlei Platitüden werden von den meisten Autonomen zwar entschieden zurückgewiesen, auch innerhalb der Bewegung hat sich aber nie eine gemeinsame (Selbst-)Bezeichnung durchgesetzt. Um sich dem Begriff und seiner Bedeutung zu nähern, ist es hilfreich in der Geschichte zu graben.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Von Autos und Postautos&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Zwar reichen die Wurzeln dieser undogmatischen linksradikalen Strömung bis zu den rätekommunistischen und anarchosyndikalistischen Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts zurück, der wichtigste Bezugspunkt der autonomen Bewegung dürfte aber die italienische Linke der 1960er Jahre darstellen. Dort stand der Begriff der Autonomia zunächst zum Einen für die Emanzipation der Anfang des Jahrzehnts entstandenen neuen linksradikalen Bewegung Italiens von der moskautreuen kommunistischen Partei und ihrem staatstragenden Reformkurs. Zum Anderen verwies er auf den Operaismus, der marxistischen Schule dieser Neuen Linken und seinen Fokus auf die spontanen Arbeitskämpfe der norditalienischen Automobilindustrie, vom „unsichtbaren“ Alltagswiderstand krank feiernder und bummelnder Fließbandarbeiter_innen bis hin zum wilden Streik in der Fabrik. Aus diesen Kämpfen leiteten die italienischen Genoss_innen ein Geschichtsverständnis ab, dasnicht den Tarifrunden und Wahlkämpfen der institutionalisierten Arbeiter_innenbewegung die entscheidende Rolle in der Geschichte des Kapitalismus beimaß. Ihre Begeisterung galt dem weitgehend spontanen und unberechenbaren autonomen Widerstand der Arbeiter_innen selbst, der sich der Kontrolle durch Partei und Gewerkschaft entzog. &lt;br /&gt;In Deutschland wurde der Begriff nie wirklich einheitlich verwendet. Anhänger_innen der operaistischen Ideen wie etwa die Frankfurter Gruppe „Revolutionärer Kampf“ oder die Münchner „Arbeitersache“ versuchten zwar bereits in den 1970er Jahren mit einigem Erfolg, auch in Deutschland eine politische Praxis nach italienischem Vorbild zu etablieren, doch mit dem Bruch der linken Bewegung Ende der 1970er Jahre ging davon viel verloren. Zwar griffen auch in den 1980ern immer wieder Teile der autonomen Szene auf das operaistische Ideengebäude zurück, beispielsweise die Jobber_innenbewegung oder die Autor_innen der Zeitschriften „Wildcat“ oder „Autonomie Neue Folge“. Als sich aber Anfang der 1980er Jahre relativ plötzlich massenhaft linke Jugendliche ohne gemeinsame Organisation oder einheitliches Weltbild als Autonome zu bezeichnen begannen, galten die operaistischen Politikansätze als kaum minder suspekt als die dogmatisch erstarrte Praxis der maoistischen K-Gruppen, die noch wenige Jahre zuvor das linksradikale Spektrum der BRD dominiert hatten. Die zweite Generation der Autonomen wuchs durch die Welle von Hausbesetzungen Anfang der 1980er binnen weniger Monate fast aus dem Nichts zu einer bedeutenden sozialen Bewegung, die während des gesamten nächsten Jahrzehnts von AKW bis Volkszählung bei fast jedem politischen Protestereignis in der BRD mitmischte. Doch trotz zahlloser Versuche von Staat und Medien, die Autonomen als Krawallchaot_innen zu brandmarken, gelang es bis zum Fall der Mauer nicht, sie vom Rest der Neuen Sozialen Bewegungen politisch zu isolieren. &lt;br /&gt;Durch den Bruch mit dem Avantgardeanspruch der K-Gruppen und mit der Weiterverbreitung des „Triple Opression“ -Ansatzes ab Mitte der 1990er Jahre, der mit der Analyse von mehreren sich gegenseitig beeinflussenden Unterdrückungsmechanismen (Rassismus, Sexismus, Klassismus) eine Abkehr vom Hauptwiderspruchsdenken darstellte, leisteten sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung eines undogmatischen linken Politikverständnisses – und das trotz ihrem weitgehenden Desinteresse an linker Theorie. &lt;br /&gt;Für eine szeneweite Debatte über die eigene Geschichte fehlte der Raum. Während die Erfahrungen aus dem italienischen Klassenkampf und die operaistische Theorie bei FelS ein Jahrzehnt später auf großes Interesse stießen, ging es der „Generation Weserstadion“ bei ihrer Autonomie in erster Linie um Unabhängigkeit von den (Alltags-)Zwängen der Industriegesellschaft. Das brachte nicht nur die radikale Ablehnung der Lohnarbeits-und-Hausfrauen-Lebensläufe der eigenen Elterngeneration mit sich. Das Wissen um die schlechten Erfahrungen mit linken Organisationsversuchen der 1970er und die fehlende linksradikale Perspektive der realsozialistischen Projekte bedingte einen radikalen Bruch mit allem, was den Organisationsformen der K-Gruppen der 1970er Jahre nur entfernt ähnlich sah.&lt;br /&gt;Es sollte dieses Desinteresse an einem verbindlichen Organisierungssansatz sein, das Ende der 1980er Jahre für große Unzufriedenheit bei vielen Autonomen sorgte. Vor allem die Fixierung der Bewegung auf Großkampagnen gegen Gipfeltreffen (etwa den Reagan-Besuch oder das IWF-/Weltbanktreffen Ende der 1980er in Berlin ), wurde von Teilen der Szene immer schärfer kritisiert. Die Bewegung fiel nach dem Ende einer solchen Kampagne stets wieder auf ihre Ausgangs-situation als selbstreferentielle, unverbindliche und nur anlassbezogen vernetzte Szene zurück. Im Zuge einer später unter dem Namen &lt;a href=&quot;http://www.fels-berlin.de/heinz-schenk&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;„Heinz Schenk Debatte“&lt;/a&gt; bekannt gewordenen Diskussion zum Zustand der autonomen Szene Berlins in der Zeitschrift Interim Anfang der 1990er wurde dieser Status Quo von späteren FelS-Gründungsmitgliedern scharf kritisiert, vor allem mit dem Textbeitrag „Ich bin doch kein Kampagnenheinz!“. Darin hieß es, die autonome Bewegung sei theoriefeindlich, unorganisiert, planlos und unfähig, über die rein szeneinterne Großevent-Mobilisierung hinaus irgendeine nachhaltige linke Politik auf die Beine zu stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es dürfte nicht zuletzt der teilweise beißenden Polemik dieser Texte geschuldet sein, dass „postautonom“ in den Ohren vieler Linker bis heute genauso klingt wie „anti-autonom“. Angesichts der zahlreichen kleinen und großen Streitigkeiten, die das Verhältnis zwischen autonomer Szene einerseits und postautonomen Gruppen wie Avanti, Antifa [M] oder FelS andererseits in den letzten 20 Jahren mit geprägt haben, mag das teilweise stimmen, greift aber zu kurz. Denn wenn man den Beginn der postautonomen Gruppen auf die Heinz-Schenk-Debatte reduziert, vergisst man, dass beispielsweise FelS die autonome Kritik am dogmatischen Marxismus-Leninismus der 1970er Jahre von Anfang an teilte. Der Schritt „weg von den Autonomen“ war nicht einfach ein Schritt zurück zur K-Gruppen-Politik. Die autonome Ablehnung des leninistischen Avantgarde-Selbstverständnisses, der „Hauptwiderspruchs“-Logik oder der Stellvertreter-Praxis der Werkstor-Agitation stellt ein ebenso kennzeichnendes Moment des postautonomen Selbstverständnisses dar wie die Kritik an der auf die eigene Szene beschränkten Kampagnenpolitik der Autonomen. Die für die FelS-Gründung nicht minder bedeutsamen 38 Thesen für eine Neukonstituierung der Linken aus der 1993 erschienenen ersten arranca!-Ausgabe greifen diese Punkte auf und setzen sich darüber hinaus auch intensiv mit dem schweren Erbe des kurz zuvor gescheiterten, erstarrten sozialistischen Modells nach sowjetischem Vorbild auseinander. &lt;br /&gt;Seitdem beschäftigen FelS und andere Gruppen die damals formulierten Ansprüche an die eigene Politik, vor allem die Organisationsfrage. Die mittlerweile in ganz Nordwestdeutschland und Berlin aktive Gruppe Avanti existiert seit 22 Jahren und andere große postautonome Gruppen wie etwa die Organisierte Autonomie aus Nürnberg, die Antifaschistische Aktion Berlin oder die Antifa [M] aus Göttingen haben sich zwar mittlerweile gespalten, ihre Nachfolgeorganisationen spielen aber bis heute bundesweit eine wichtige Rolle in der Linken.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Überlandfahrt statt Stadtverkehr&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Weil der gemeinsame Anspruch, sich zu organisieren, von Anfang an auch überregional gedacht war, wurde schon Anfang der 1990er versucht, diese Gruppen über die Stadtgrenzen hinaus zu vernetzen. Während der erste Versuch, die Initiative Linke Organisierung (ILO), noch stark vom Bedürfnis nach einem einheitlichen Welterklärungsansatz geprägt war und bald am Unvermögen der Beteiligten scheiterte, eine theoretische Einigung zu erzielen, brach der Versuch einer bundesweiten Antifa-Organisation (AA/BO) erst im Jahr 2000 ganz auseinander. FelS hatte sich aus der AA/BO allerdings schon früher verabschiedet und mit dem Austrittspapier für Aufsehen in der deutschen Antifa-Szene gesorgt. Kritisiert wurde dabei vor allem, dass Antifapolitik in der AA/BO nie über bloße Anti-Nazi-Politik hinaus kam. Auch die vielen inhaltlichen Leerstellen wurden bemängelt, vor allem das in der AA/BO dominierende Geschichtsverständnis, nach dem der Faschismus nur eine besonders aggressive Form kapitalistischer Herrschaft darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Richtig gerne erinnere ich mich an die ersten Euromaydays - damals war ich noch nicht bei FelS und weiß noch, dass ich sehr begeistert war, dass es eine linksradikale Gruppe gibt, die auch ohne (dominanten) Dresscode und ohne dieses martialische Auftreten am 1. Mai auf die Straße ging.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach ILO und AA/BO wurde das Projekt einer bundesweiten Organisierung einige Jahre lang zurückgestellt und erst Ende der 1990er mit einem „Beratungstreffen“ verschiedener postautonomer Zusammenhänge und Einzelpersonen, aus dem später die Interventionistische Linke (IL) entstehen sollte, recht zaghaft wieder aufgenommen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Schulterblick und toter Winkel&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn insbesondere seit den 1990er Jahren langfristige Organisierung im Zentrum der Auseinandersetzungen stand, war dies weder Selbstzweck noch das einzige Ziel. Was FelS betrifft, so geben bereits die „38 Thesen“ Aufschluss darüber, was zur Zeit der Gründung der Gruppe angedacht gewesen war. Die am Ende des Textes noch einmal auf „4 Kriterien“ zusammengefassten Kernthesen dieses Manifestes lauten wörtlich:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;linke Politik muss stärker versuchen, gesellschaftliche Isolation zu durchbrechen und sich an die Öffentlichkeit, an die anderen hier lebenden Menschen zu richten&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die organisatorischen Strukturen müssen soziale Lernprozesse fördern und die Einbindung neuer Menschen ermöglichen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;ein [...] technologiekritischer, nicht technologiefeindlicher Standpunkt&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;das strategische Ziel, Selbstregierungsformen aufzubauen, d.h Macht nicht als Organisation oder Bewegung zu monopolisieren, sondern zu sozialisieren&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Diese Thesen eignen sich, um ansatzweise zu beschreiben, was seit der Gründung von FelS alles geschehen ist und um zu überprüfen, inwieweit wir unseren vor 20 Jahren formulierten Ansprüchen gerecht werden. &lt;br /&gt;Die Einbindung neuer Mitglieder ist in einer linken Gruppe oft schwierig. Viele Gruppen ziehen schon auf Grund des ungebrochen großen Interesses der deutschen Repressionsorgane an linker Politik die Klandestinität vor und finden ihre Neuzugänge nur im engsten politischen und persönlichen Umfeld. Wieder andere legen zwar großen Wert auf Offenheit und bemühen sich ständig um neue Mitstreiter_innen, stellen sich jedoch durch schwer verständliche Sprache und szene-interne kulturelle Codes immer wieder selbst ein Bein. Nichts Anderes gilt für die Geschlechterzusammensetzung oder für die krasse Dominanz von Weißen in vielen Gruppen.&lt;br /&gt;FelS hat sich tatsächlich schnell zu einer relativ offenen Gruppe entwickelt und versucht, „Neuen“ den Anschluss an die politischen Diskussionen der mittlerweile sechs Arbeitsgruppen zu ermöglichen. Zwar ist es uns nicht gelungen, Wissenshierarchien ganz abzubauen, aber wir arbeiten daran. Dazu gehört nicht nur der Versuch, sich Theorie gemeinsam in Lesekreisen anzueignen, sondern auch das Handwerkszeug der politischen Praxis untereinander weiterzugeben und Workshops zu Themen wie Pressearbeit oder Webseitenadministration zu organisieren. Was kulturelle Codes angeht, so kann man zwar festhalten, dass es bei FelS keine Dresscodes gibt, also weder Nietengürtel- noch Windbreaker-Pflicht. Die Tatsache, dass sich die Gruppe vor allem aus Weißen Akademiker_innen zusammensetzt, spricht dennoch dafür, dass linke Politik immer noch eine sehr begrenzte Veranstaltung ist. Was das Geschlechterverhältnis betrifft, so wurde in der Geschichte der Gruppe schon zweimal versucht die Notbremse des „Aufnahmestopps für Männer“ zu ziehen, was man getrost als Verzweiflungstat bezeichnen kann. &lt;br /&gt;Seit der FelS Gründung 1991, gab es immer wieder Versuche, Feminismus und Antikapitalismus zu verbinden. Die Arbeitsgruppen, die sich dieser Aufgabe widmen wollten, haben leider nie lange bestanden. Auch der Versuch, Geschlechterverhältnisse als Querschnittsthema innerhalb der konkreten Arbeit der anderen AGs zu bearbeiten, führte dazu, dass die internen Strukturen der Gruppe unter Gender-Gesichtspunkten beleuchtet wurden. Der Versuch, das Thema (Queer-)Feminismus in den Kontext der übrigen gesamtgesellschaftlichen Analysen und der konkreten Auseinandersetzungen der FelS-Praxis zu integrieren, scheiterte dagegen oft. Weil es damit nicht getan sein kann, haben wir Anfang 2010 die AG Queerfeminismus gegründet. Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einer politischen Praxis, die dem Rechnung trägt.&lt;br /&gt;Eine Gruppe wie FelS, die den Anspruch hat, auch Menschen jenseits der 30 mit Kind und Kegel zu organisieren, steht beim Versuch, einen Beat zu finden, der älteren Genoss_innen eine regelmäßige und gleichberechtigte Mitarbeit ermöglicht, ohne die jüngeren Companer@s zu brüskieren, die der Gruppe gerne einen Großteil ihrer Zeit widmen wollen, immer wieder vor einer Zerreißprobe. Die regelmäßige Kinderbetreuung während der Gruppentreffen erweist sich in diesem Zusammenhang seit Jahren als sehr hilfreich. Gelöst ist das Problem damit aber noch lange nicht. Hier praktische Lösungen zu finden ist ganz sicher eine der dringlichsten Aufgaben für die nächste Zeit.&lt;br /&gt;Beim nächsten Programmpunkt der „38 Thesen“ dürfte es sich um die bis heute wichtigste Selbstzuschreibung vieler postautonomer Gruppen handeln. Dem arranca!-Postulat aus dem Jahre 1993, die „gesellschaftliche Isolation“ der Linken zu durchbrechen, entspricht der Gruppen übergreifende Anspruch aus dem Jahr 2005, künftig gemeinsam eine Interventionistische Linke zu sein. Mit diesem Ziel wird seit dem Dialog und in Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Gruppen außerhalb der radikalen Linken gesucht. Von den Feldern vor Heiligendamm im Juni 2007 bis in die verschneiten Straßen Dresdens im Februar 2011 ist dieses Konzept bisher immer mal wieder aufgegangen. &lt;br /&gt;Auch unabhängig von der Politik der IL hat dieser Anspruch eine enorme Bedeutung für unsere Gruppe. Die FelS-Antifa AG versucht seit Jahren eine selbstreferenziellen und allein auf die linke Szene fokussierte Politik zu vermeiden. Dies ist beispielsweise im Bündnis „NS-Verherrlichung Stoppen“ gelungen, das sich schon länger um „Neue Dresdner Verhältnisse“ bemüht hat. Auch die von FelS initiierten vier Berliner Mayday-Paraden hatten das Ziel, die teilweise selbst verschuldete Isolation der alljährlichen Berliner Szenerituale am 1. Mai zu durchbrechen, was sich jedoch als Daueraufgabe erwiesen hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Für die AG-Arbeit ist auch wichtig, zu gucken, in welchen Lebensverhältnissen wir eigentlich selbst stecken, was für Zeitressourcen und Bedürfnisse sich aus unseren Lebenssituationen ergeben und was das konkret für die AG-Arbeit heißt – das heißt: was können wir als AG eigentlich wuppen, wenn die meisten von uns in Vollzeit-Arbeitsverhältnissen stecken?“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Abbiegerspuren und Richtungswechsel&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was hingegen „das strategische Ziel, Selbstorganisationsformen aufzubauen“ betrifft, so fällt unser Resümee wesentlich nüchterner aus. Die blumige Wortwahl dieser Forderung dürfte sicherlich unserem ehemals sehr intensiven Bezug zu den Hoffnungsträger_innen der Neuen Linken, beispielsweise in Lateinamerika geschuldet sein. Dennoch bringt dieser Anspruch das auf den Punkt, was wir schon seit der Eröffnung unseres fast vergessenen Friedrichshainer Stadtteilladens in den 1990er Jahren in verschiedenen Politikfeldern unter dem Oberbegriff „Alltagspraxis“ zu erreichen versuchen. So ist beispielsweise der Umschwung der FelS Intersol-AG, die früher an der Chiapas-Solidarität und später den Mobilisierungen nach Genua oder Prag beteiligt war, hin zur antirassistischen Vor-Ort-Arbeit z.B. gegen die menschenunwürdige Unterbringung von Flüchtlingen in der Unterkunft in der Berliner Motardstraße oder gegen die rassistische Residenzpflicht, genau dieser „act-local“-Erwägung geschuldet: Selbstorganisation im Alltag zu unterstützen statt nur exemplarisch und stellvertretend internationale Solidarität zu demonstrieren. Dasselbe gilt für die Kampagne der Klima AG für einen kostenfreien öffentlichen Nahverkehr nach dem COP15-Gipfel in Kopenhagen der, die als lokale Strategie gegen die globalen Folgen des Klimawandels geplant war. Auch die Militante Untersuchung der AG Soziale Kämpfe am Jobcenter in Berlin Neukölln zielte darauf ab, mit einer aktivierenden Befragung die Erwerbslosen-Selbstorganisierung voranzutreiben und damit zugleich der drohenden Ritualisierung des Berliner Mayday-Events entgegenzuwirken. &lt;br /&gt;Doch auf dem Weg zur Förderung von Selbstorganisation im Alltag gibt es zahlreiche Fallstricke. Es ist eine Sache, der Tradition linker Stellvertreterpolitik abzuschwören und sich das Suchen nach neuen Praxisformen auf die Fahnen zu schreiben. Wir stehen selbst nicht außerhalb der Zwänge der Ämter, der Unis und der kapitalistischen Erwerbsarbeit. Solange nicht ausschließlich der eigene (Erwerbs-)Alltag im Zentrum von linker Politik stehen soll, stehen diese Widrigkeiten einer kontinuierlichen linken Alltagspraxis immer wieder entgegen. Auch die immer stärkere Fragmentierung der Gesellschaft erschwert widerständige Alltagspraktiken. Denn anders als in Zeiten der fordistischen Fabrik gibt es keinen zentralen Ort, an dem die Folgen der kapitalistischen Ausbeutung ebenso unmittelbar sichtbar werden wie der Widerstand dagegen. Prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse sind – wenn auch an einigen Orten konzentriert - über die ganze Stadt, über die ganze Welt verstreut und äußerst vielfältig. Das behindert nicht nur die kollektive Erkenntnis, in vergleichbare Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse eingebunden zu sein und ein gemeinsames Interesse an ihrer Überwindung zu haben. Auch der Widerstand bleibt so weitgehend unsichtbar, wenn die Erfolge im Kampf gegen Prekarisierung nicht mit massivem Aufwand medial verbreitet werden. Und auch davon abgesehen genügt oft natürlich schon eine einzige schlecht besuchte Aktion oder Demo, um ein Selbstorganisationsprojekt um Monate zurück zu werfen. &lt;br /&gt;Es also kein Wunder, dass bei der gruppeninternen Befragung nach der schönsten FelS-Erinnerung vor allem die großen Kampagnen-Events von G8 bis Dresden und nicht in erster Linie die verschiedenen Alltagspraxen der einzelnen Arbeitsgruppen so oft genannt wurden. Und das trotz „Kampagnenheinz“-Kritik. Angesichts der nachhaltigen politischen Erfolge (Dresden) und der nicht zu leugnenden kontinuitätsstiftenden Effekte (G8) für die Linke passt die Kampagnen-Kritik auf die eben genannten Großereignisse nur bedingt. Die Frage nach der Selbstorganisation im Alltag lassen die Auswertungen all unserer Lieblingsevents aber trotzdem offen, politische Erfolge hin oder her.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und um uns noch einmal selber zu zitieren und insofern auch noch einmal Bezug zu nehmen auf die ‚Scheitern-Ausgabe‘ der arranca!: „Es ist nicht alles gescheitert, nur weil es nicht zur Weltrevolution geführt hat.“ Also, in diesem Sinne: Zurückblicken – und weitermachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;FelS | Für eine linke Strömung – Berlin, Juli 2011&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 15:51:31 +0000</pubDate>
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 <title>Editorial</title>
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                    &lt;p&gt;Viele Fragen haben wir im Call for Papers für diese Ausgabe gestellt, viele Erwartungen an Bewegungsgeschichte steckten darin. Einiges davon schlägt sich in Artikeln dieser Nummer wieder.&lt;br /&gt;
Wie versprochen ist es keine schulterklopfende Nabelschau geworden. Der in unserer Gruppe geschriebene einleitende Artikel hat uns gezeigt, dass es mit der von uns so hochgehaltenen Geschichtsweitergabe nicht so einfach ist: Während diejenigen von uns, die schon lange dabei sind, den Text wenig spektakulär fanden, sind Neuere in der Gruppe froh, endlich mal alles übersichtlich präsentiert zu bekommen.&lt;br /&gt;
Insgesamt ist wenig Reflexion über die Notwendigkeit von Geschichtsschreibung herausgekommen. Ein wenig gewundert hat uns, dass der Zusammenbruch des Realsozialismus in keinem der Artikel eine Rolle spielt (ein geplanter Artikel dazu ist leider nicht zustande gekommen). Zwar gibt es auch bei uns keine Einigkeit darüber, ob der Mauerfall der entscheidende Faktor für die Gründung der Gruppe FelS 1991 war, aber erwartet hatten wir schon, dass die Geschichte der linken Bewegung viel deutlicher in die Zeit davor und danach eingeteilt werden würde. Überhaupt scheinen die letzten 20 Jahre wenig Epochales für eine linke Bewegungsgeschichte gebracht zu haben. Nach den sensationsheischenden Rückblicken auf 30 Jahre deutscher Herbst, 40 Jahre 1968 und so weiter hier also eine weniger spektakuläre Geschichtsbetrachtung. Am ehesten noch zieht sich das Themenfeld der Vereinnahmung durch die Nummer. Insofern bietet sie ein Innehalten, Zurückblicken und Reflektieren und macht uns und hoffentlich euch den Kopf ein wenig klarer für die nächsten Jahre.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;Viele Fragen haben wir im Call for Papers für diese Ausgabe gestellt, viele Erwartungen an Bewegungsgeschichte steckten darin. Einiges davon schlägt sich in Artikeln dieser Nummer wieder.&lt;br /&gt;Wie versprochen ist es keine schulterklopfende Nabelschau geworden. Der in unserer Gruppe geschriebene einleitende Artikel hat uns gezeigt, dass es mit der von uns so hochgehaltenen Geschichtsweitergabe nicht so einfach ist: Während diejenigen von uns, die schon lange dabei sind, den Text wenig spektakulär fanden, sind Neuere in der Gruppe froh, endlich mal alles übersichtlich präsentiert zu bekommen. &lt;br /&gt;Insgesamt ist wenig Reflexion über die Notwendigkeit von Geschichtsschreibung herausgekommen. Ein wenig gewundert hat uns, dass der Zusammenbruch des Realsozialismus in keinem der Artikel eine Rolle spielt (ein geplanter Artikel dazu ist leider nicht zustande gekommen). Zwar gibt es auch bei uns keine Einigkeit darüber, ob der Mauerfall der entscheidende Faktor für die Gründung der Gruppe FelS 1991 war, aber erwartet hatten wir schon, dass die Geschichte der linken Bewegung viel deutlicher in die Zeit davor und danach eingeteilt werden würde. Überhaupt scheinen die letzten 20 Jahre wenig Epochales für eine linke Bewegungsgeschichte gebracht zu haben. Nach den sensationsheischenden Rückblicken auf 30 Jahre deutscher Herbst, 40 Jahre 1968 und so weiter hier also eine weniger spektakuläre Geschichtsbetrachtung. Am ehesten noch zieht sich das Themenfeld der Vereinnahmung durch die Nummer. Insofern bietet sie ein Innehalten, Zurückblicken und Reflektieren und macht uns und hoffentlich euch den Kopf ein wenig klarer für die nächsten Jahre.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab der nächsten Ausgabe müssen wir den Preis auf 4,50 pro Exemplar erhöhen. Wir tun es nicht gern, aber trotz der einen oder anderen Soliparty sind die Kosten für Druck und Versand nicht gedeckt. Und zu einer billigen Internetdruckerei zu wechseln, ist für uns keine Alternative zu unserem geschätzten linken Druckereikollektiv – wir legen Wert auf guten Druck und fabelhafte Drucker_innen, die sich auch für den Inhalt des Druckwerks interessieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die letzte Nummer, Bodycheck und linker Haken, in der es um den/die Körper ging, scheint euch jedenfalls gefallen zu haben. Sie ist ausverkauft! Das Thema ist nicht nur en vogue, sondern auch streitbar. Gleich zwei Erwiderungen auf in der a!43 erschienene Artikel finden sich in der aktuellen Ausgabe: Vera Schwarz und Peter Bachstein bieten in Raus aus dem Reservat den Blick auf den Alltag, den sie in Was heißt Ableism? vermissten. In Queer-feministische Politik und Inter*-Bewegung – Neuentdeckung eines unbekannten Kontinents? vertritt Ulrike Klöppel die These, dass der Artikel Es waren zwei Königskinder unterschiedliche Positionen in der Inter*-Bewegung leugnet und schließt mit der Frage, ob Intergeschlechtlichkeit immer nur so interessant ist, wie sie als terra incognita eine Neuentdeckung verheißt. Andreas Kemper schließlich regte der Schwerpunkt zu seinem Artikel Klassenkörper an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für die Nutzung ihres Fotoarchives möchten wir dem Umbruch Bildarchiv danken: &lt;a href=&quot;http://www.umbruch-bildarchiv.de&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;www.umbruch-bildarchiv.de&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei der Fertigstellung der Nummer hat uns die Nachricht vom Tod unseres Genossen Moe Hierlmeier erreicht. Moe gehört prägend zur Geschichte der Linken der letzten 20 Jahre. Auch die arranca! hat er immer wieder mit Artikeln bereichert, zuletzt in den Nummern 41 &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/41/haltung-und-rausch%20&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Das Ganze Leben - Haltung und Rausch und&lt;/a&gt; und 43 &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/43/das-ganze-leben-haltung-und-rausch-teil-ii&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Brecht - Bataille - Benjamin und ihre Kritik am Antifaschismus der Arbeiterbewegung&lt;/a&gt;. Die Interventionistische Linke, in der wir organisiert hat, hat gemeinsam mit anderen einen Nachruf auf Moe veröffentlicht, den ihr auf &lt;a href=&quot;http://www.fels-berlin.de/de/601/moe&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;http://www.fels-berlin.de/de/601/moe&lt;/a&gt; findet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Nummer der arranca! widmen wir Moe. Er wird uns fehlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eure arranca!-Redaktion&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;


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