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 <title>arranca! - Postfordismus</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/219/0</link>
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 <title>Wird Abweichung zur Norm, Dissidenz zur Systemressource?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/wird-abweichung-zur-norm-dissidenz-zur-systemressource</link>
 <description>&lt;p&gt;Trotzen wir dem System durch Kreativität und Nonkonformität Freiräume ab? Unterlaufen wir durch subversive (Alltags-)Praktiken die Zurichtungen des spätmodernen Kapitalismus? Rütteln wir manchmal gar ein wenig an den tragenden Säulen der Gesellschaft? Zweifelnde Fragen dieser Art begleiten wohl jede dissidente Praxis, jeden Protest. Die größte Sorge ist unverkennbar und allgegenwärtig: unsichtbar, ungehört, ohne Wirkung zu bleiben. &lt;br /&gt;Doch was, wenn Wirkungslosigkeit nicht das größte Problem ist? Wer in jüngerer Zeit einen Blick auf Debatten zu Protest, Dissidenz und Gesellschaftskritik wirft, findet sich schnell mit einer ganz anderen Problematik konfrontiert: Gegenstrategien bleiben, so die These, nicht nur nicht ungehört, sondern werden zunehmend als Systemressourcen entdeckt. Allerorts springt uns die in Wissenschaft und Feuilleton – aber auch in bewegungsnahen Zusammenhängen – populäre Diagnose entgegen, dass Abweichung und Dissidenz, dass Autonomie und Nonkonformität von potentiellen Störfaktoren zu Produktivkräften des Kapitalismus avanciert sind. Was ist dran an dieser Diagnose? Und welche Konsequenzen hat sie für linke Bewegungspolitik?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Vereinnahmungsdiagnose&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Historisch betrachtet hat sich der Kapitalismus im Prozess der (äußeren) Landnahme zunächst in kolonialistischer Manier die nicht-kapitalistischen Gesellschaften einverleibt, um dann im Zuge der „inneren Landnahme“ die vorindustriellen Sektoren sowie die Reproduktionsbedingungen in den kapitalistischen Metropolen selbst der Vermarktlichung zuzuführen. Nun wird in jüngerer Zeit eine Dynamik ausgemacht, die sich als „innerste Landnahme“ beschreiben lässt: Diese laufe darauf hinaus, nicht mehr (nur) die Arbeitskraft, sondern den ganzen Mensch mitsamt seiner subjektiven Potenziale, Emotionen und eben auch Eigensinnigkeiten zu erschließen. Arbeits- und Industriesoziolog_innen haben gezeigt, dass neue Managementkonzepte als Reaktion auf die Krise der fordistischen Massenproduktion zunehmend auf die Selbststeuerungspotenziale von Beschäftigten setzen: Initiativen zur Abflachung von Hierarchien und zur Förderung von Eigeninitiative und Kreativität entsprächen dabei ebenso in vielen Punkten jahrelang den Forderungen von Gewerkschaften und Betriebsräten wie der Ausbau von Gruppenarbeit. Nichtsdestotrotz handele es sich um eine ambivalente Entwicklung, da die Gewährung von Autonomie zu einer neuen, schwer zu durchschauenden, effizienteren Herrschafts- und Ausbeutungstechnik werde, so die Analyse der kritischen Arbeitssoziologie.&lt;br /&gt;Auch die französischen Soziolog_innen Luc Boltanski und Eve Chiapello haben in ihrer Studie Der neue Geist des Kapitalismus aufgezeigt, dass das kapitalistische System zu seiner Rechtfertigung zunehmend auf die Kritik seiner Gegner_innen zurückgreift und sie zur Legitimationsressource ummodelliert. Dies betreffe insbesondere die in der 1968er-Bewegung einflussreich gewordene Künstlerkritik, die Unterdrückung, Entfremdung und Uniformierung in der Massen- und Konsumgesellschaft thematisiert und im Gegenzug Autonomie, Kreativität und Freiheit als gesellschaftliche Ideale propagiere. Im Zuge der Integration dieser Kritik sei ein projektbasierter Geist des Kapitalismus entstanden, in dem flachere Hierarchien, soziale Netzwerke, Flexibilität und partizipative Managementtechniken sukzessive an Bedeutung gewonnen hätten. &lt;br /&gt;Die im Feld der akademischen Linken – aber auch darüber hinaus (so in der Fantômas oder im Kontext der BUKO) – populären Gouvernementalitätsstudien im Anschluss an den französischen Philosophen Michel Foucault gelangen zu einer ähnlichen, wenngleich noch stärker zugespitzten Diagnose: So konstatiert Ulrich Bröckling in seiner viel gelesenen Studie Das unternehmerische Selbst, dass die Subversion der Ordnung Teil ihrer Optimierung geworden sei und „Überschreitung statt Regelbefolgung“ als Handlungsmaxime gelte. Die aktuelle Orientierungslosigkeit gesellschaftskritischer Positionen hat ihm zufolge ihren Grund „in der unbequemen Erkenntnis, dass der vermeintliche Sand, mit dem man hoffte, das Getriebe blockieren zu können, dieses inzwischen als Schmiermittel am Laufen hält.“ &lt;br /&gt;Was wird aus Kritik und Dissidenz, wenn sie derart zu Lernhilfen einer optimierten kapitalistischen Produktion und Vergesellschaftung umgebaut werden können? Corinne Maier propagiert in ihrem erfolgreichen Ratgeber Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun: „Es ist nutzlos, das System verändern zu wollen; wenn man sich ihm widersetzt, stärkt man es; wenn man es bekämpft, geht es umso ungreifbarer daraus hervor.“ Verenden gar Revolutionen „in noch pittoreskeren Formen von Integration“, wie Umberto Eco feststellt?&lt;br /&gt;Es ist ein großes Verdienst dieser Analysen aufgezeigt zu haben, dass Herrschaft und Autonomie, dass Fremdbestimmung und Nonkonformität im Gegenwartskapitalismus keine einfachen Gegensätze mehr darstellen: Autonomie kann zur Herrschaftstechnik werden, Nonkonformität kann zum geforderten Leistungskanon gehören. So instruktiv die Vereinnahmungsdiagnose in ihrer Sensibilisierung für die flexible Anpassungsfähigkeit des kapitalistischen Systems ist, so unbefriedigend bleibt sie jedoch für die Analyse konkreter – gelungener wie misslungener – Vereinnahmungen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Diagnose ohne Kontext?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Vereinnahmungsdiagnose ist in hohem Maße abgehoben: Abstrakte Subjekte spazieren durch eine Welt, die jedes selbstregulative Potenzial und jede subversive Handlung unterschiedslos zu Innovationsgeneratoren umarbeitet. Wer aber erwartet Kreativität und Mobilität von illegalisierten Migrant_innen, die die Grenzen der Festung Europa überwinden? Welche Supermarkt-Kassiererin erfreut ihren Chef mit hoher Kommunikationsorientierung beim Kassieren oder mit selbstbestimmtem Zeitmanagement? Welcher Hartz-IV-Empfänger den Fallmanager mit kreativen Ideen ohne Lohnarbeitsbezug? &lt;br /&gt;Um welche Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse geht es eigentlich, wenn von der umfassenden Preisgabe von Kritik und Abweichung im System die Rede ist? Journalist_innen, Wissenschaftler_innen und bewegte Linke scheinen über sich selbst und ihre privilegierte Situation zu sprechen. Klassische Kontroll- und Disziplinierungsformen und die weitgehende Ausschaltung subjektiver – zumal kritischer – Potenziale sind in vielen Bereichen aber nach wie vor an der Tagesordnung. So ist der Alltag der meisten Beschäftigten bestimmt durch ein komplexes Ineinandergreifen von Mechanismen der Fremd- und Selbstkontrolle: „Mach, was du willst, aber nur an Orten und im Rahmen des Erlaubten“ – so ließe sich die Situation pointieren. Genau dieses Konglomerat, das mit großen Verunsicherungen für die Beschäftigten verbunden ist, gilt es aber zu entwirren und auf konkrete Ansatzpunkte für Widerständigkeit abzuklopfen. Mitunter reicht es, eine gewünschte Praxis einfach auf einen anderen Kontext zu übertragen – Stichwort: Kreativität ohne Lohnarbeitsbezug im Umgang mit dem Amt – und das Störpotenzial wäre garantiert.&lt;br /&gt;Diagnose ohne emanzipatorisches Ansinnen&lt;br /&gt;Die Vereinnahmungsdiagnose ist zudem in hohem Maße formalistisch: Die diskutierten Verhaltensweisen und Mechanismen – seien es Kreativität, Selbststeuerung, Flexibilität oder Nonkonformität – werden inhaltlich kaum rückgebunden, so dass offen bleibt, mit welchem Ziel sie eigentlich zum Einsatz kommen: Autonomie und Selbstorganisation in Bezug auf die Selbstökonomisierung als Freiberufler_in oder die Vorbereitung von Protesten gegen den G8-Gipfel? Flexibilität und Mobilität im Sinne der betrieblichen Erfordernisse oder im Bezug auf die eigene Fluchtgeschichte? Nonkonformität und Eigensinn als einträgliches Kunstprojekt in der Stadtteilgalerie oder als Überlebensstrategie am Fließband? &lt;br /&gt;Die berechtigte theoretische Unsicherheit darüber, von welchem inhaltlichen Standpunkt aus eine Kritik der (kapitalistischen) Verhältnisse zu formulieren ist, wenn die Kritik immer schon Bestandteil eben dieser Verhältnisse ist, wird in eine Sackgasse weitergedacht: Ein inhaltlicher Standpunkt, von dem aus die Kritik „ihr Nein formulieren könnte“ (Ulrich Bröckling), müsse aufgegeben werden, so verschiedene Protagonist_innen der Debatte. Da man auch im postmodernen Flüchtigkeitsgestus auf eine kritische Perspektive nicht gänzlich verzichten möchte, werden Widerständigkeit und Dissidenz infolgedessen allein über die Umkehrung der identifizierten Systemressourcen bestimmt: „Kreativität und Mobilität sind gewünscht? Dann bleiben wir zu Hause und gestalten die Tage möglichst eintönig.“ „Wir sollen eigeninitiativ und hochkommunikativ sein? Dann werden wir eben depressiv“ – um es zugespitzt zu formulieren. Es wird allein danach gefragt, ob Verweigerung die gegebene Ordnung stört, nicht aber, ob sie in emanzipatorischer Hinsicht die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert. Nur vor solch einem Hintergrund wird verständlich, wie aus post-strukturalistischer und gouvernementalitätstheoretischer Perspektive, immerhin derzeit der Linken liebste Theoriekinder, Entsubjektivierung, „Spiele der Nutzlosigkeit“, Depression, passive Resistenz oder „leere Zwischenräume der Nicht-Kommunikation“ zu Widerstandsmaximen werden konnten. „Wirklich ‚sauber‘ bleibe ohnehin nur der Subversive, dessen Subversion keiner bemerkt“, wie der Autor und Journalist Robert Misik jüngst konstatierte. Wie wahr und wie falsch zugleich: Wo sich etwas bewegt, wird in der Tat Staub aufgewirbelt, wo Theorie praktisch wird, wird die klinisch saubere wie gefahrlose Pseudoradikalität der kommentierenden Linken verlassen – und das ist gut so. Es drängt sich die Frage auf, ob die populäre Absage an einen Standpunkt und konkrete Prozesse der politischen Organisierung, ob das Abgefeiere von Flüchtigkeit und Spontaneität durch erklärte Kritiker_innen der kapitalistischen Gesellschaft nicht die radikalsten Formen sind, den Verhältnissen „auf den Leim“ zu gehen. Autonomie und Selbstbestimmung sind eben nicht nur Managementtechnik und Ausweis liberaler Ideologie, sondern eine grundlegende Notwendigkeit für jede individuelle wie kollektive emanzipatorische Perspektive.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Auswege und ein Blick zurück&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was bedeutet das für eine Gruppe wie FelS? Es bedeutet – bei aller Kritik –, dass die Vereinnahmungsgefahr ernst genommen werden muss und zwar dort, wo sie aktuell vor allem droht: In der Symbolpolitik, wenn alltagsferne Nonkonformität und kreative Abweichung, die im Konkreten niemanden stören, auf dem besten Wege sind, zur Art Déco eines Projekte generierenden Kapitalismus zu werden. Die Gruppe FelS hat im letzten Jahr eine Konsequenz aus genau dieser Gefahr gezogen: Sie hat die so erfolgreich gestartete Mayday-Parade gegen die Prekarisierung der Lebensverhältnisse aufgegeben, als die Parade zum radical chic, zum hippen Mai-Event ohne Alltagsverankerung und ganzjährige Praxis zu werden drohte. Auch Farbbeutel auf ein Ministerium konnten nicht (mehr) darüber hinwegtäuschen, dass an dem viel beachteten kreativem Umzug niemand Anstoß nehmen musste, solange die Demonstrierenden am 2. Mai in den Normalmodus Alltag zurückkehrten und die prekarisierte Bohème zudem weitgehend unter sich blieb. Damit ist das Projekt aber keineswegs auf ganzer Linie gescheitert, können doch Grenzen und konkrete Vereinnahmungsgefahren linksradikaler Politik nicht am Reißbrett bestimmt, sondern nur in einer für Kritik und Veränderungen offenen politischen Praxis ausgelotet werden. So ist es durchaus gelungen, neue Ausdrucks- und Politikformen zu entwickeln, die den Vielschichtigkeiten und Widersprüchen prekarisierten Lebens Raum geben. Erinnert sei an dieser Stelle nur an die leeren Sprechblasen, auf denen die Teilnehmer_innen der Parade ihre eigenen Forderungen und Statements eintragen konnten und die seitdem – über die Mayday-Parade hinaus – die Demolandschaft in Berlin verändern. Klar wurde aber eben auch, dass die erfolgreiche Parade ohne Verstetigung einer widerständigen Alltagspraxis Gefahr lief, den beabsichtigten Stachel zu verlieren und zur Demo-Party zu werden.&lt;br /&gt;Doch mit Erkenntnissen dieser Art stehen erfolgreiche (System-)Kritik und Dissidenz keineswegs generell zur Disposition, wie es die allgegenwärtigen Vereinnahmungswarnungen glauben machen wollen: Sowohl das kapitalistische System als auch die kritische Praxis sind so facettenreich, dass die Annahme einer einfachen Formähnlichkeit von System und Kritik nur in eine Sackgasse führen kann. Gerade weil die Vereinnahmungsdiagnose aufzeigt, dass Kritik und Dissidenz zu Innovationsgeneratoren und flexiblen Ressourcen werden können, gilt es anhand linker Bewegungsgeschichte sowie anhand konkreter Praktiken realer Akteur_innen auszuloten, unter welchen Bedingungen genau dies nicht geschieht – beziehungsweise nicht geschehen ist. Dabei ist für die Erfolgsbestimmung zu berücksichtigen, dass nicht jede kritische oder dissidente Praxis durch ihre Vereinnahmung entwertet wird: Was zur Produktivkraft mutiert, verliert nicht unter allen Umständen seinen subversiven Charakter, kann doch jedes Schmiermittel, sobald es nicht mehr die Maschine ölt, sondern den Boden bedeckt, seine Funktion verändern. &lt;br /&gt;Man nehme das Erfolgsbeispiel der feministischen Kritik: Auch wenn Geschlechterhierarchien und Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen nach wie vor an der Tagesordnung sind, kann die Entwicklung der letzten 100 Jahre nicht über zahlreiche Erfolge des feministischen Kritikprojekts hinwegtäuschen. Wenn nun von feministischer Seite beklagt wird, dass „der Traum von Frauenemanzipation in den Dienst der kapitalistischen Akkumulationsmaschine gestellt wird“ (Nancy Fraser), gerät zweierlei aus dem Blick: Erstens, dass der Umstand, dass Frauen als Ressource außerhalb der Reproduktionssphäre entdeckt wurden, auch ein großer Erfolg ist und dieser Entwicklung doch (bei allen fortdauernden Problemen) die zunehmende Gleichstellung von Männern und Frauen und die sukzessive Überwindung vormoderner Abhängigkeitsstrukturen zugrunde liegt. Wem dies zu positiv gezeichnet ist, der werfe einen Blick auf Geschlechterverhältnisse in Filmen oder Werbungen der 1950er Jahren und vergleiche. Natürlich ist dies erst einmal nur eine zunehmende Gleichstellung im Rahmen des Bestehenden, aber es gilt zweitens: Die Inkorporation und Nutzung weiblicher Arbeitskraft und Ressourcen durch das Kapital bedeutet eben nicht, dass die feministische Kritik für ein antikapitalistisches Projekt verloren ist. Im Gegenteil: Die wachsende Gleichstellung (im flexiblen Kapitalismus) ist unabdingbare Voraussetzung und Ressource für die Kritik desselben und ein über diese Verhältnisse hinausgehendes Emanzipationsprojekt.&lt;br /&gt;Für die Bewertung des Erfolgs von Kritik und Protest gilt dabei nicht zuletzt: Störung allein genügt nicht, wenn in der radikalen Negation der Systemimperative die emanzipatorische Perspektive aus dem Blick gerät. Auch wenn Depression und Passivität die effektivsten Produktivitätskiller sind, zerstörte Straßenbeleuchtungen, zerstochene Reifen und die Anhäufung von Hundescheiße den Gentrifizierungsprozess verlangsamen mögen – schön ist das Leben so nicht. Wir müssen nicht aufhören, kreativ, mobil, selbstorganisiert, ideenreich und nonkonform zu sein, weil uns die soft skills des flexiblen Kapitalismus zu Überläufer_innen werden lassen (könnten), sondern wir werden es dort, wo es nicht erwartet wird, wo es definitiv unerwünscht ist, wo es – weiterhin und immer wieder – stört: durch Aktionen im Stadtteil, auf dem Amt (so die Militante Untersuchung von FelS im Jobcenter Neukölln) oder am Arbeitsplatz. Als die Hamburger Künstler_innen im Gängeviertel dem Kreativitätshype den Kampf ansagten und kreativ widerständig wurden, wurde unübersehbar, dass nicht alles als Kreativgut vereinnahmbar ist. In ihrem Manifest Not in our name. Marke Hamburg heißt es: „Unmissverständlicher kann man nicht klarstellen, was ‚Kreativität‘ hier (von Seiten der Stadtoberen) zu sein hat: ein profit center für die wachsende Stadt. Und da sind wir nicht dabei. Wir wollen nämlich keine von Quartiersentwicklern strategisch platzierte Kreativimmobilien und Kreativhöfe.“ Und sie wollten erfolgreich nicht.&lt;br /&gt;Das Wissen darum, dass es keinen dauerhaft sicheren, von den gesellschaftlichen Machverhältnissen undurchdringbaren Ort der Kritik und praktischen Dissidenz gibt, darf nicht zu dem fatalen Umkehrschluss verleiten, dass es keine vorübergehend zu enternden, provisorisch zu sichernden Stand- und Widerstandspunkte gibt. Dass dieser Ort der Abweichung und Aneignung stets gefährdet, umkämpft und vereinnahmbar bleibt, erfordert permanente Reflexion und Praxis – und nicht die Verweigerung, autonom und kreativ zu sein. Wer keine Blumen mehr vors Haus setzt, weil dann die Gentrifizierung droht, hat schon verloren.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 16:37:46 +0000</pubDate>
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 <title>Wenn die Arbeit so ins Leben sickert</title>
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                    &lt;p&gt;Das Projekt &lt;em&gt;Kamera läuft! Ein kleines postfordistisches Drama&lt;/em&gt; untersucht den Wandel kultureller, kreativer, in der Regel un- oder unterbezahlter Berufe, die zu Modellen selbst bestimmter Arbeit stilisiert worden sind und werden. Das Projekt startete mit einer Befragung von KulturproduzentInnen nach der Methode der Arbeiterselbstuntersuchungen, wie sie postmarxistische, bewegungspolitische Strömungen in den siebziger Jahren entwickelten.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Das Projekt &lt;em&gt;Kamera läuft! Ein kleines postfordistisches Drama&lt;/em&gt; untersucht den Wandel kultureller, kreativer, in der Regel un- oder unterbezahlter Berufe, die zu Modellen selbst bestimmter Arbeit stilisiert worden sind und werden. Das Projekt startete mit einer Befragung von KulturproduzentInnen nach der Methode der Arbeiterselbstuntersuchungen, wie sie postmarxistische, bewegungspolitische Strömungen in den siebziger Jahren entwickelten. Diese Recherchepraxis, die davon ausgeht, dass das zur Veränderung der Produktionsweisen notwendige Wissen in den Arbeits- und Lebensbedingungen selbst begründet liegt und sich in den Wünschen der dort Beschäftigten artikuliert, war für uns zentral. Denn es ging uns nicht so sehr darum, den diffusen Betrieb, in dem KulturproduzentInnen beschäftigt sind, soziologisch zu umreißen. Vielmehr wollten wir nach Möglichkeiten von Widerstand suchen, die etwas anderes als die Refordisierung der Denk- und Lebensweisen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir befragten zunächst Personen aus unserem näheren und weiteren Umfeld in Berlin, darunter auch uns selbst, nach Alltag, Wünschen und Perspektiven. Darüber hinaus interviewten wir Personen, die nicht nur kulturelle Produkte, sondern auch Diskurse und gesellschaftspolitische Handlungsfelder erarbeiten. Damit wollten wir das Verhältnis zwischen der Prekarität der jeweiligen Lebensverhältnisse und der Widerspenstigkeit von Kultur- und Wissensproduktion in den Blick bekommen, um von dort nach kollektivierbaren Linien zu suchen, die aus der individuellen Erfahrung hinausführen. Unsere Fragen waren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie sieht dein Arbeitsleben aus? Was gefällt dir daran und was sollte sich ändern? Wann und warum wird dir alles zuviel, und was machst du dann? Was stellst du dir unter einem ‚guten Leben’ vor? Sollten KulturproduzentInnen sich auf Grund ihrer gesellschaftlichen Vorzeigerolle mit anderen sozialen Bewegungen zusammentun, um an neuen Formen der Organisierung zu arbeiten? Die Fragen sind angelehnt an die von &lt;em&gt;Fronte della Gioventù Lavoratrice&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Potere Operaio&lt;/em&gt; Anfang 1967 in Mirafiori durchgeführte Umfrageaktion ‚Fiat ist unsere Universität’.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;kpd – ein kleines postfordistisches Drama&lt;/em&gt; sind: Brigitta Kuster, Isabell Lorey, Katja Reichard, Marion von Osten. Die hier folgenden Zitate sind Teile des Drehbuchs für&lt;em&gt; Kamera läuft!&lt;/em&gt;. Zugrunde liegen Interviews, die die Gruppe im Februar 2004 während eines viertägigen fiktiven Castings aufnahm. Die Redaktion der &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt; hat die Interviewsequenzen verfremdet und neu montiert. Die vorläufige Videofassung von &lt;em&gt;Kamera läuft! Ein kleines postfordistisches Drama&lt;/em&gt; ist über &lt;a href=&quot;mailto:arranca@nadir.org&quot; title=&quot;Mail an arranca!&quot;&gt;arranca@nadir.org&lt;/a&gt; erhältlich.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;FORDISMUS&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;… Ich habe jahrelang mein Geld an der Kinokasse verdient. Als ich damit aufgehört hab, war das befreiend, wegen der Monotonie … Es war aber auch schade, denn es war noch so ein schön fordistischer Job, wo man so hin geht, den Kopp an den Nagel hängt, zehn Stunden durchschubbert und wieder nach Hause geht. Eine berechenbare, allseits gut abgesprochene Arbeit, mit Anfangszeiten, mit Betriebsrat, mit allen sozialstaatlichen Vorteilen …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Letztens habe ich bei so nem stressigen Stiftungsprojekt mitgearbeitet. Ich war richtig angestellt, und habe begonnen, ganz fordistische Eigenschaften anzunehmen. So im Sinne: Ich überidentifiziere mich hier jetzt echt nicht und bring mich um, sondern lasse einfach innerlich den Griffel fallen …&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;NEOLIBERALE SUBJEKTIVIERUNG&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;… Ich arbeite eigentlich immer in Gruppen oder Kollektiven, die sich Projekte ausdenken und dann versuchen, sie zu realisieren. Arbeit sickert dann so in dein Leben … Mein ganzes Leben steht unter dieser Arbeitsmöglichkeit. Ich muss die Grenze, wann die Arbeit aufhört, selber setzen, weil du tendenziell überall immer noch mehr reinstecken kannst. Diese Selbstunternehmerisierung funktioniert nicht unbedingt über einen starken Außendruck, sondern über die Konfrontation mit einem starken Innendruck. Arbeit ist für mich auch irre bedrohlich. Freie Zeit empfinde ich auch nicht als freie Zeit, sondern denke permanent: Oh scheiße, dann musst du noch das machen, und dann musst du noch das machen …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Meine Tage sind von permanenten Operationen der Mikrokrisenbewältigung, der Selbstorganisation und der Selbstmotivation durch Selbstverführung, Selbstüberlistung, einem permanenten Tricksen am Ich strukturiert. Immer wieder nehme ich mir vor, mit Hilfe eines zuverlässig-verbindlichen Fahrplans so durch den, von einem wohldurchdachten und von „Personal“ und Angehörigen geführten Haushalt abgesicherten Tag getragen zu werden, wie es die regelmäßigkeitsbesesessenen „großen“ Schriftststeller und Künstler in ihren Autobiografien entwerfen. 7 Uhr Schreibtisch, 9 Uhr Frühstück, 10 Uhr Schreibtisch, 12 Uhr den Hund ausführen, 13 Uhr Mittag, 14 Uhr Korrespondenz, 16 Uhr Schreibtisch, Korrektur des am Vormittag Geschriebenen, 19 Uhr Abendessen, 20 Uhr Hund ausführen. 23 Uhr Bettruhe.&amp;nbsp; Stattdessen: lauter Irregularitäten und Unberechenbarkeiten …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Und in der Öffentlichkeit beginnst du, vor anderen zu simulieren, du seist an einer ganz tollen Arbeit dran. Da geht es nämlich darum, deinen Marktwert zu performen …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Wenn man sieht, wie man die Zeit beschleunigt, wie die Zeit rast... Mein Arbeitsplan ist viel schneller, als mein Zeitvermögen. Ich will da nicht immer hinter herhecheln, alles so zuschaufeln, immer so weiter rasen … aber stehenbleiben ist auch gefährlich …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Dieser permanente Aufruf, das eigene Sein – vermittelt über Arbeit oder Ereignisse, die sein müssen – zu erfahren, reicht vom Sex über die Drogen, über das Ausgehen bis zur Arbeit. Man ist in viele, viele Richtungen mobilisiert, präsent zu sein und aktiv da zu sein …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Mir tut jetzt seit Monaten mein Arm weh! Das ist ja der Computerarm, der streikt. Eine körperliche Verweigerung: Ich-will-nicht-mehr! … Und dann staut sich wahnsinnig viel Arbeit auf … Und da zeigt sich, was das alles hier für ein biopolitisches Modell ist, schön, jung und gesund zu sein … und zu bleiben …&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;STRESS - ANGST&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;… Was wir hier erleben, ist doch nichts singuläres, sondern Prekarität betrifft viele in anderen Berufen auch, diese Angst um die eigene Existenz auf einer finanziellen Ebene. Selbst wenn man es nicht reduzieren kann auf das Finanzielle, aber der Auslöser ist, ob du Geld hast oder nicht …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Diese Angst, dass du raus fällst, dass dich niemand mehr ansprechen wird, dass du im Grunde nicht mehr Teil bist von dieser produktiven Bewegung, diese Angst, die ja so projiziert wird in diesem neoliberalen Wir-müssen-uns-selber-Erfinden …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Das kenne ich aus dieser langen Phase in meinem Leben, wo ich weder konkrete Aufträge noch Geld hatte. Mein damaliger Freund hat mich dann finanziell unterstützt, und ich saß immer nur zu Hause und hatte Angstkrämpfe. Ich hatte so richtige Herzprobleme und habe dann auch die ganze Zeit nur noch so verkrampft dagesessen …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Es gibt einfach nur mich und den Markt, und ich muss sagen, das produziert Stress. Und jetzt auch mit diesen ganzen veränderten sozialstaatlichen Absicherungen, die nicht mehr vorhanden sind, da stellen sich diese Fragen auch neu. Darum finde ich auch, arbeitslos Sein, das ist total schlimm …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Ja und Geld umverteilen! Dieses Scheiss-Geld! Ich muss andauernd an den unmöglichsten Stellen Dampf produzieren, damit sich dahinter der Finanzzylinder ein bisschen bewegt. Wenn ich länger nichts in Aussicht habe, bekomme ich Angstzustände. Und dann siehst du, dass du mit kulturellem Kapital keine Miete zahlen kannst. Aber das ist dein Privatproblem im Rausch der Projekte … und das Häuschen von der Oma wird ja dann auch nicht vergesellschaftet …&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;ARBEIT -&amp;nbsp; LEBEN&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;… Für mich gehört aber zu einem guten Leben noch viel mehr Faulheit … Komischerweise ist das wahrscheinlich nicht Freizeit in dem Sinne von dem, was die allgemeine Vorstellung einer sinnvollen Freizeit ist … Wenn ich hier Zuhause sitze und über irgendein Thema schreibe, das mir gefällt, das mich interessiert, und ich hör dazu ein paar bestimmte Musiksachen, oder ich schau mir ein paar Texte an, dann ist das zwar objektiv gesehen Arbeit, aber es fühlt sich null unangenehm an, es gibt keinen Stress, es gibt kein „Ich-muss-irgendwas-aus-Gründen-der-Verwertung-Tun“. Das ist von Freizeit fast nicht zu unterscheiden. Es ist angenehmes Arbeiten in den eigenen vier Wänden. … Vielleicht ist es so: Wenn ich was Unangenehmes tun muss, und ich es dann nicht tue, dann wird’s Freizeit …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Ich sehe den Begriff des ‚guten Lebens’ dann eben doch eher im Kontext meiner Arbeit. Das ganze Produzieren und Tätigsein macht mich schon glücklich. Ich wüsste gar nicht, was ich denn sonst machen sollte. – In Urlaub fahren? …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Seitdem ich ein Kind habe, habe ich meinen Lebensunterhalt nicht mehr über diese Projekte finanziert, sondern Unterstützung bekommen … Ich bin jetzt allein erziehende Mutter. Es war richtig Arbeit, damit umgehen zu können, und es war Arbeit zu versuchen, damit auch glücklich zu sein. … Es gibt eine Morgenprobe, das ist eher eine Mittagsprobe, und noch ne Abendprobe. Und auf den Abendproben bin ich eigentlich nicht, weil ich dann Zuhause sein muss. … Es ist ein enormer Leistungsdruck, das hinzukriegen als Mutter und Künstlerin …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Zuhause ist es bedrohlich, dieses Abgeschottete erinnert mich immer daran, ich sollte mir jetzt mal Zeit nehmen und mich länger an was dran hocken. Ich bin ja permanent in diesem Kommunikationsrausch. Alles ist durchflutet von Anfragen, da ist permanent Alarm – aber auch Ideen … Und dann stresst es mich, wenn ich alleine zuhause hocke, dann tut die Stille weh …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Wir haben fast nur mit unserer eigenen Generation zu tun. Das finde ich schon sehr schwierig. Und darin stellt sich auch wieder ne wichtige feministische Frage: Wie ist es möglich, so was wie Reproduktion in irgendeiner Art und Weise positiv zu denken, ohne dieses Rückzugsding, ohne diese Familienbarriere, ohne diese klassische Fortpflanzungs-Repräsentation …&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;ARBEITSBEDINGUNGEN&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;… Ich hab mir das ja mal angeschafft, für so Bastelsachen: Layout und Musikmachen. Und jetzt ist daraus das verlängerte Telefon und der schriftliche Anrufbeantworter geworden. Ich bekomme hundert beschissene Emails am Tag. Und das ist wirklich der Punkt, an dem ich Lust habe, dieses Scheiss-Schlepptop auf die Strasses zu werfen und zu sagen: Fick dich selbst! …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Für mein Arbeitsleben gibt es keine passende Beschreibung. Weil es befristete Anstellungsverhältnisse sind, an unterschiedlichen Orten gleichzeitig. Ich bin üblicherweise 3 Tage da, 3 Tage hier, 2 Tage dort. Alles ist sehr stark davon abhängig, wie ich in welche institutionellen Verhältnisse einbezogen bin. Diese unterschiedlichen Institutionen wollen interessanterweise alle meine Sozialität, sie wollen sehr stark meine Zusammenhänge und Kontakte, aber die wollen mich nicht als Produzent und interessieren sich auch nicht für die Reise- oder Lebensprobleme, die mit dieser Art von Arbeiten entstehen … Die Sozialität, die ich vorher entwickelt habe zum Beispiel mit meinen feministischen Freundinnen, durch das In-der-Kneipe-Rumstehen- und-Auseinandersetzungen-Haben, also diese informellen Formen von Wissensproduktionen, Austausch, Distribution, die wird plötzlich so abgefragt …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Interessant bei dem Job war, dass ich in einem Raum mit Leuten zusammen gearbeitet habe, die alle ihre private Sphäre mitgebracht haben. … Vielleicht war das berlinspezifisch, dass alle diesen Job als so eine Art Freizeit empfunden haben. Wir waren Musiker, Fotografen, Künstler. Deswegen gab es eine zeitlang auch keinen Betriebsrat, weil alle dachten, sie arbeiten gar nicht in einer Firma …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Durch die Billigairlines habe ich angefangen zu fliegen, anstatt mit der Bahn zu fahren, trotz ökologischem Wahnsinn … Manche Texte schreibe ich oft zwischen Tür und Angel. … Ich muss insgesamt viel nebenher organisieren, da geht bestimmt pro Woche ein halber Tag drauf … Wenn ich das zusammenzähle, die Eigenwerbung, das Kontakte Halten, Gespräche Führen, Geldeintreiben … Was da für Zeit drauf geht, wenn man sich selbst als Büro begreift. Das ist Wahnsinn. … Und da ist ja auch noch die Organisation, sich Freizeit herbeizuschaffen. Meine Freundschaften sind ja verstreut in der Welt …&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;SOZIALE RÄUME - KÄMPFE&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;… Ich habe immer schon Räume selbstorganisiert. Ich finde es wichtig, eigene Räume zu haben, auch materiell, sich räumlich zu äußern. Es ist auch ein Ort einer kollektiven Selbstbehauptung, man kann sich sozusagen adressieren …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Die Arbeitsweise und Methode, sich mit anderen zu solidarisieren, zusammen was zu entwickeln, war immer auch ein politisches Projekt, das sich an Welt, an Weltaneignung richtet, ein soziales Umfeld produziert, Vergesellschaftung, und das ist Materie, über die man als Kulturschaffende nachdenkt …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Das ist doch politisch, ein nicht so arbeits-wahnsinniges und nicht so heteromäßiges Leben gegen diese Mobilisierung zur Arbeit hin zu bekommen! Man müsste mehr auf die Sachen schauen, die verbinden, statt zu denken, man erlebt das alles hier, den ganzen Wahnsinn alleine …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Ich glaube, man muss tatsächlich ne Organisierung erfinden, die gewerkschaftliche Organisationsform komplett transformieren, oder vielleicht ne neue erfinden … Und dann muss man in Kämpfe eintreten, wie auch immer die sind, keine komplett Gesellschaft verändernden Kämpfe, es geht dabei nicht um eine Revolution, das muss man sich klar machen, es kann nur um neue, aber strukturell klassische Arbeitskämpfe gehen, und die sind im besten Falle reformerisch, aber nicht revolutionär …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Wenn immer mehr solche Arbeits- und Lebensverhältnisse strukturell ne Ähnlichkeit haben, muss es doch auch einen kollektiveren, solidarischeren Umgang geben. Und das ist eine gesellschaftliche Frage …&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;… Dass es Aktionsformen gibt, die einem gefallen, Arbeitslosenbüros besetzt wurden, Techniker im Theater gestreikt haben und all das. Dass man gemeinsam was rocken kann und Veränderungen anstoßen, das muss man viel eher betonen, dass sich das auf Gemeinsamkeit und Stärke hinbewegen kann …&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:40 +0000</pubDate>
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