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 <title>arranca! - Queerfeminismus</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/320/0</link>
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 <title>Darf‘s ein bisschen queer sein?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/52/darf-s-ein-bisschen-queer-sein</link>
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                    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Debatte um «Vergewaltigungsopfer» und «Erlebende», warum alter und neuer Feminismus sich nicht ausstehen können und die Frage, ob ein gemeinsamer Kampf möglich ist.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Debatte um «Vergewaltigungsopfer» und «Erlebende», warum  alter und neuer Feminismus sich nicht ausstehen können und die Frage, ob  ein gemeinsamer Kampf möglich ist.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anfang 2017 veröffentlichte Mithu Sanyal gemeinsam mit Marie Albrecht in der &lt;em&gt;taz&lt;/em&gt; den Artikel &lt;em&gt;Du Opfer!&lt;/em&gt;, in dem die beiden Autor*innen einen neuen sprachlichen Umgang mit den Betroffenen von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt vorschlagen. Der Text löste eine Kontroverse aus, in der vor allem ein offener Brief der radikal-feministischen Gruppe &lt;em&gt;Störenfriedas&lt;/em&gt; und eine Replik der &lt;em&gt;Emma&lt;/em&gt; durch eine stark ablehnende Haltung hervorstechen. Diese Texte erhoben zahlreiche Vorwürfe an Sanyal, bis hin zur groben Verharmlosung sexualisierter Gewalt. Wir sehen diese Debatte als exemplarisch für einen grundsätzlichen Konflikt zwischen dem aus der Zweiten Frauenbewegung stammenden Radikalfeminismus und neueren, von queerer Denkart beeinflussten Feminismen, wie er beispielsweise auch in den anhaltenden Debatten über Prostitution/Sexarbeit oder Gender-Wissenschaften erkennbar ist. Wir fragen uns: Warum nur bekämpft man sich auch innerhalb eines feministischen Lagers immer wieder so unerbittlich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sanyal und Albrechts Artikel entstand in Folge einer Podiumsdiskussion zu Sanyals Buch &lt;em&gt;Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens&lt;/em&gt;. Dort baten Betroffene sexualisierter Gewalt darum, nicht als «Opfer» bezeichnet zu werden. Daraufhin entwarfen die beiden Autor*innen den Alternativvorschlag, von «Erlebenden» sexualisierter Gewalt zu sprechen. Die Bezeichnung Opfer scheint den Autor*innen pro­blematisch, da der Opferbegriff im Zusammenhang mit Vergewaltigung eine sexistische Dimension habe. Er beschreibe Betroffene als ausschließlich passiv und schutzbedürftig, lege sie damit auf stereotyp «weibliche» Normen fest und richte konkrete Erwartungen an sie: Sofern sie sich nicht als gebrochen zeigten, würde ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt und ihnen Unterstützung verwehrt. Dabei geht es Sanyal und Albrecht nicht darum, die Gewalt zu relativieren oder gar die Bedeutung der konkreten Tat abzustreiten, sondern darum, dass die Betroffenen die Deutungsmacht über diese Gewalt und die Handlungsmacht über die Konsequenzen zurückgewinnen. Sie verstehen ihren Vorschlag, den Begriff Erlebende zu nutzen, als eine Möglichkeit für die Betroffenen, mit den Folgen einer Vergewaltigung selbstbestimmt umzugehen und als aktiv Handelnde wahrgenommen zu werden. Der Begriff solle explizit nicht verbindlich für alle gelten, denn Betroffene könnten sich selbst bezeichnen, wie sie es wünschen, also auch als «Opfer».&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik der Störenfriedas und der Emma richtet sich nun im Kern darauf, dass der Begriff Erlebende die Gewalt unsichtbar mache. Die Formulierung würde das krasse Ausmaß sexualisierter Gewalt auf ein bloßes Erlebnis reduzieren, damit verharmlosen und die Betroffenen alleine lassen. Begriffe wie Opfer oder Überlebende dagegen machten die Gewalt sichtbar und würden trotzdem nicht die Bedeutung von Handlungsmacht vergessen. Darüber hinaus sei der Begriff des Opfers in Dualität mit seinem Konterpart wichtig. Die Benennung des Täters sei elementare Voraussetzung für gesellschaftliche Sanktionierung im Allgemeinen und wirksame Strafverfolgung im Speziellen. Auch würde der Begriff der Erlebenden die gesellschaftliche Dimension von sexualisierter Gewalt als verankert in ungleicher, patriarchaler Machtverteilung verschleiern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zwei feministische «Lager»&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Streit mag verständlicher werden, schaut man auf die Entwicklungslinien und politische Praxis zweier «Lager», die wir hier vermuten. Wir sehen die Störenfriedas und die Emma in der Tradition des Radikalfeminismus, der seine Ursprünge in der sogenannten Zweiten Welle der westdeutschen Frauenbewegung hat. Diese entstand innerhalb der Student*innenbewegung Ende der 1960er Jahre und legte ihren Schwerpunkt auf den Kampf für sexuelle Selbstbestimmung und gegen sexualisierte und häusliche Gewalt. In einer Situation weitgehender Abwesenheit eines gesellschaftlichen Bewusstseins für sexuelle Gewalt war vor allem die öffentliche Benennung und Skandalisierung ein notwendiger erster Schritt. Die Aktivistinnen griffen dabei vor allem auf Erfahrungen ihres Frauseins zurück, um einen gemeinsamen politischen Kampf zu ermöglichen. Dazu musste allerdings definiert werden, was authentisches «Frausein» jenseits der patriarchalen Zurichtung eigentlich sein sollte. Somit wurde neben dem öffentlichen Aktivismus ein starker Fokus auf die Selbstfindung als Frauen in ihrer Differenz zu Männern gesetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Zuge erster Erfolge in Gesetzgebung und staatlicher Anerkennung institutionalisierte sich die anfangs autonom organisierte Frauenbewegung in den 1980er Jahren zunehmend, etwa in öffentlich geförderten Frauenzentren oder Gleichstellungsreferaten. Mit der Zeit wurde jedoch auch die Kritik an dieser Form des Feminismus stärker, die im Kern zwei Aspekte beinhaltet: Auf der einen Seite würden nur Frauen mit bestimmter sozialer Positionierung adressiert und zum Beispiel Frauen in prekären ökonomischen Verhältnissen oder ohne deutschen Pass aus dem Blick geraten. Hinzu kommt der Vorwurf einer zu einfachen Vorstellung von Macht und Herrschaft: Neben den Opfer/Täter-Dualismus tritt die Idee der Verstricktheit aller in gesellschaftliche Machtstrukturen, durch die auch Frauen Diskriminierungsformen verinnerlicht hätten. Mit dieser Kritik eng verknüpft ist die Etablierung der &lt;em&gt;Queer Theory&lt;/em&gt; und die damit einhergehende Problematisierung der Kategorie «Frau». Die Theorie kritisiert die Annahme der binären Geschlechter «Mann» und «Frau», da diese Kategorien die Differenzen innerhalb der Geschlechter sowie auch in Hinblick auf zum Beispiel Rassifizierungen oder Klassenlage ignoriert. Das Beharren auf einer starren Definition von «Frau» ermöglicht zwar eine Solidarisierung unter Frauen, legt damit aber neue Ausschlüsse nahe. Diese Grundannahmen der Queer Theory sickerten nun im Laufe der 1990er Jahre zunehmend in eine politische Praxis ein und begründeten Queerfeminismen, die einen starken Fokus auf die Bedeutung von Sprache, Pluralität von Identitäten, Mehrfachdiskriminierungen und Definitionsmacht legen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gemeinsame Kämpfe mit verschiedenen Vorzeichen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entwicklungslinien zeigen: Sowohl Radikal- als auch Queerfeminismus betonen die gesellschaftliche Dimension von Gewalt, aber unter unterschiedlichen Vorzeichen. Die radikalfeministische Tradition als Patriarchatskritik tendiert eher zu einer Kritik an (cis-)Männern, die gesellschaftliche Strukturen zu ihrem Vorteil einrichten. Nach dieser Lesart ist es nur folgerichtig von einem Opfer/Täter-Dualismus im Kontext von Vergewaltigung auszugehen, eine Benennung, die zu ihrem spezifischen historischen Zeitpunkt notwendig und strategisch sinnvoll war. Queerfeministisch inspirierte Ansätze hingegen betonen die Eingebundenheit &lt;em&gt;aller&lt;/em&gt; in Herrschaftsstrukturen und machen entsprechend die Bedeutung von sprachlicher und praktischer Selbstbestimmung Betroffener stark. Genau dieser Unterschied spiegelt sich im Streit um den Begriff der Erlebenden wider. Während Radikalfeministinnen im Begriff Opfer eine Solidarisierung mit Frauen sehen, kritisiert Sanyal diesen, da er zeigt, dass auch nicht-Männer sexistische Rollenbilder reproduzieren können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne Frage sind die Enttabuisierung und auch öffentliche Benennung von sexualisierter Gewalt nach wie vor nötig und möglichst kollektive politische Kampfbegriffe sinnvoll. Andererseits ist eine Erweiterung des traditionellen feministischen Ansatzes im Hinblick auf andere Diskriminierungsformen wie etwa Trans*feindlichkeit oder Rassismus und deren Überschneidungen unbedingt notwendig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Offenere Bündnispolitik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Radikalfeministische Ansätze könnten durch eine selbstkritische Betrachtung der eigenen Kategorien (wie zum Beispiel des Begriffs Frau) bereichert werden. Damit würden Unterschiede in den eigenen Reihen sichtbar gemacht und diskriminierende Strukturen in der eigenen Denkweise überdacht werden. Die Reflexion sprachlicher Kategorien ist dabei kein reiner Selbstzweck, sondern ermöglicht eine offenere Bündnis­politik: Frauen und Frauen* verbinden schließlich hinsichtlich Gewalt- und Vergewaltigungserfahrungen gleiche Erlebnisse und gemeinsame Interessen. Gleichzeitig muss ein queer beeinflusster Feminismus anerkennen, dass allein Sprachregelungen noch keine institutionell abgesicherten Veränderungen bewirken kann und ein Schwerpunkt auf individuelle Selbstbestimmung unter Umständen zu einer Aufsplitterung der politischen Organisation führt. In der Praxis könnte das heißen, dass man von &lt;em&gt;dem einen&lt;/em&gt; Kampfbegriff für die Subjekte des Widerstands oder für die Sichtbarmachung von Gewalt besser absehen sollte, sich aber andererseits strategisch und in laufender Diskussion auf Begriffe und vor allem auf &lt;em&gt;gemeinsame Ziele&lt;/em&gt; verständigen kann, um eine Atomisierung in der Auseinandersetzung für gemeinsame Interessen zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solch ein Ziel könnte sein, die gesellschaftlich verankerte Vergewaltigungskultur zu verändern, in der Frauen* und Frauen als dauerhaft verfügbare Objekte dargestellt und Vergewaltigungen so gesellschaftlich akzeptabel gemacht werden. Eine queerfeministische Kritik am tendenziell essentialistischen Opferbegriff und ein Bestehen auf Selbstbestimmung und gegenseitige Anerkennung ist in diesem Kampf allerdings nicht nur moralisch nett, sondern auch politisch geboten, sofern ein Bündnis zwischen &amp;nbsp;«altem» und «neuem» Feminismus wirksam sein und langfristig Bestand haben möchte.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/feminismus">Feminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
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 <pubDate>Sun, 17 Jun 2018 22:00:15 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Bildet Banden!</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/bildet-banden</link>
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                    &lt;p&gt;&quot;you have to act as if it were possible to radically transform the world. and you have to do it all the time.&quot; Angela Davis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Du musst handeln, als ob es möglich wäre die Welt radikal zu verändern. Und du musst es jederzeit tun.” Angela Davis (Übersetzung von der Redaktion)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich gibt es seit unserer Elterngeneration gesellschaftlich einige Fortschritte: Theoretisch ist es möglich als schwules Paar Kinder großzuziehen, und als Alleinerziehende*r wird mensch nicht automatisch von ihrer*seiner Familie verstoßen.&lt;br /&gt;Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden der Ehe fast gleichgestellt, aber jenseits davon wird die Luft schnell dünn. Alternative und queere Lebensmodelle gibt es durchaus, aber sie sind leider weit davon entfernt, Normalität für alldiejenigen zu sein, die anders leben wollen. Zudem erleben wir Phänomene wie die „Besorgten Eltern“, den anti-feministischen „Marsch für das Leben“, homophobe Massendemonstrationen in Frankreich und stolpern immerzu über dieses ominöse „Gender“ als Feindbild in den Zeitungen und Köpfen.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&quot;you have to act as if it were possible to radically transform the world. and you have to do it all the time.&quot; Angela Davis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Du musst handeln, als ob es möglich wäre die Welt radikal zu verändern. Und du musst es jederzeit tun.” Angela Davis (Übersetzung von der Redaktion)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich gibt es seit unserer Elterngeneration gesellschaftlich einige Fortschritte: Theoretisch ist es möglich als schwules Paar Kinder großzuziehen, und als Alleinerziehende*r wird mensch nicht automatisch von ihrer*seiner Familie verstoßen.&lt;br /&gt;Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden der Ehe fast gleichgestellt, aber jenseits davon wird die Luft schnell dünn. Alternative und queere Lebensmodelle gibt es durchaus, aber sie sind leider weit davon entfernt, Normalität für alldiejenigen zu sein, die anders leben wollen. Zudem erleben wir Phänomene wie die „Besorgten Eltern“, den anti-feministischen „Marsch für das Leben“, homophobe Massendemonstrationen in Frankreich und stolpern immerzu über dieses ominöse „Gender“ als Feindbild in den Zeitungen und Köpfen.Wir wollten wissen wo wir stehen und haben deshalb eine Selbstbefragung durchgeführt (Genaueres dazu in unserem Artikel in der arranca! #48). Unser Ziel war es, Austausch und Diskussionen anzustoßen und uns mit den folgenden Fragen zu beschäftigen:&lt;br /&gt;Wo stehen wir gerade? Wo und wie wird Widerstand im Alltag gelebt? Und welche Rolle spielt der konservative Rollback, der sich gerade abzeichnet? Während private Lebensentwürfe also einerseits mehr Spielräume enthalten, werden die Unsicherheiten, sobald Leute alte Wege verlassen, immer größer. Anstatt Experimente zu wagen, greifen viele daher gerade im Privaten auf tradierte Lebens- und Familienmodelle zurück. Doch was bedeutet der Rückzug Vieler ins Private? Ist es der Wunsch nach trauter Zweisamkeit oder die Angst vor der prekären Außenwelt?&lt;br /&gt;Dass das Private als ein Rückzugsraum gesehen wird, ist in Anbetracht der Tatsache, dass einst hart dafür gekämpft wurde, das Private als politisches Terrain zu begreifen, eine ziemliche Kehrtwende.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das Private noch politisch? Oder nur noch ein Exil?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sehen in diesem Rückgriff auf tradierte Lebens- und Familienmodelle bei einem Mehr an Freiheiten und Spielräumen eine Diskrepanz von Utopie und gelebter Wirklichkeit, die wir auch in unserer Selbstbefragung wiedergefunden haben. Dabei haben wir uns und über 300 Leute dazu befragt, wie wir leben wollen und welche Hindernisse es dabei gibt. Wir haben nach den größten Ängsten gefragt und danach, wie die Teilnehmer*innen im Hier und Heute leben. Drei große Schwerpunkte strukturierten die Befragung:&lt;br /&gt;1. Das Leben im Alter&lt;br /&gt;2. Leben mit Kindern und Bilder von Familie&lt;br /&gt;3. Die Sorge um sich und andere&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir wollten wissen, welche Rolle verschiedene Formen von Kollektivität im Alltag spielen: Ob es sie gibt und wie sie genau aussehen, ob sie wirklich gelebt werden oder eher eine schöne Utopie sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ergebnisse waren recht ernüchternd. Viele haben Angst vor der Einsamkeit im Alter und davor sich eine menschenwürdige Pflege nicht leisten zu können. Denn in der klassischen Form der Kleinfamilie wird, sind die Kinder einmal aus dem Haus, eine*r übrig bleiben. Die damit einhergehende Gefahr von gesellschaftlicher Isolation und Ausgrenzung wurde von vielen als durchaus real betrachtet, und eigentlich blickte kaum eine*r der Befragten optimistisch auf das Alter.&lt;br /&gt;Da sich die Frage, wie wir im Alter leben wollen, nicht von der nach dem &quot;Leben jetzt&quot; trennen lässt, gab es auch in unserer Befragung immer wieder große Überschneidungen.&lt;br /&gt;Zwar war die Vorstellung von einem kollektiven, generationsübergreifenden Zusammenwohnen für viele ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma der drohenden Einsamkeit im Alter. Dem gegenüber stand jedoch die große Angst, dass kollektive Strukturen auf Dauer nicht funktionieren. Es mangele vor allem an Sicherheit und Verbindlichkeit, sowohl in rechtlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Dem gegenüber gilt die Kleinfamilie noch immer als relativ sicherer Raum – von finanziellen Vorteilen und einem höheren Maß an Verbindlichkeit durch rechtliche Verantwortlichkeiten füreinander, bis hin zum gesetzlich geregelten Anspruch auf Unterhaltszahlungen im Falle einer Trennung*.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem die befragten Alleinerziehenden wünschten sich mehr Kollektivität im Alltag. Sofern sich Kinder und Beruf überhaupt vereinbaren lassen, bleibt daneben kaum Zeit für eigene Interessen. Sie fühlten sich isoliert und auf den engsten Freundes- und Familienkreis angewiesen, vor allem bei akuten zeitlichen Engpässen. Wirklich geregelte Strukturen geteilter Verantwortung jenseits der klassischen Elternrollen haben nur sehr wenige der Befragten für sich etablieren können*.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für eine solche Vereinzelung sind auch die rechtlichen Rahmenbedingungen als ursächlich zu nennen. Elternschaft wird rechtlich immer noch vor allem als Gesamtpaket biologischer, rechtlicher und sozialer Elternschaft gedacht und als solche privilegiert. Die Stiefkindadoption bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften scheitert immer wieder an behördlichen Hindernissen, und Alleinerziehende werden vor allem auch steuerlich benachteiligt, sodass die Notwendigkeit, viel Zeit der Lohnarbeit zu widmen, noch steigt und immer weniger Zeit für Gemeinschaft übrig bleibt. Dass kollektivere Modelle, Verantwortung nicht nur für die eigenen Kinder oder Mitglieder der eigenen Herkunftsfamilie zu übernehmen, rechtlich nicht abgesichert sind, ist also ein eklatanter Missstand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn wir sind alle mehr oder weniger auf Sorge durch andere angewiesen. Die Anlässe sind vielfältig, doch die Spielräume, diese Sorge kollektiv zu organisieren, sind der Erfahrung der Befragten nach oft eher gering. Entsprechend wurden daher Strategien genannt, die Leute für sich selbst anwenden können und die dazu dienen, möglichst nicht in die Situation zu gelangen, auf Sorge durch andere angewiesen zu sein. Dazu gehören vor allem Selbstoptimierung durch Sport, Fitness und Erholung durch &quot;quality time&quot;. Dass es sich dabei um einen neoliberalen Leistungsimperativ handelt, war den meisten der Befragten dabei vollkommen bewusst. Doch wie geht es anders und zusammen mit anderen? Kollektiv wird Sorge meist über gemeinsame Wohnräume mit Haus-/Mitbewohner*innen organisiert. Dies ist in der Praxis jedoch oft wenig verlässlich, wenn die Situation die Sorge durch andere erfordert und ernster oder länger wird. Dann fällt die Organisation nämlich in der Regel auf familiäre Strukturen zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was aber passiert, wenn die eigene Familie nicht in derselben Stadt oder demselben Land wohnt oder Menschen den Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie abgebrochen haben? Hinter diesen und anderen Fragen steht die Angst davor, mit der Sorge um sich oder andere alleine gelassen zu werden. Die Sorge für Kinder ist dafür ein gutes Beispiel: Rechtlich ist es zum Beispiel so geregelt, dass eine Krankschreibung nur für sich selbst oder die eigenen Kinder funktioniert. Freund*innen oder die Wahlfamilie zu pflegen, ist in diesem System nicht vorgesehen. In der Regel wird mensch also auf die rechtliche Herkunftsfamilie zurückgeworfen. Auch im Bereich der CareArbeit und Sorge um sich selbst sehen sich viele Menschen auf sich allein gestellt oder auf den engsten Kreis der Herkunftsfamilie zurückgeworfen, die dies nicht immer leisten kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleichzeitig ist die Pflege anderer Personen sowohl gesellschaftlich als auch finanziell eher selten als Arbeit und wichtiger Teil des Zusammenlebens anerkannt*. So sind Pflege und Lohnarbeit finanziell und zeitlich oft nicht zu vereinen. Überforderung und das Gefühl, mit der Pflege alleine gelassen zu werden, sind das Resultat. Die Empfindung von Einsamkeit wird zudem dadurch erhöht, dass Pflege in der Regel zu Hause oder in anderen privaten Räumen passiert, wenn die Gepflegten beispielsweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Auch hier sind rechtliche Modelle auf die Pflege durch die Herkunftsfamilie beschränkt und/oder nur mit hohen finanziellen Ressourcen zu bewältigen. So ist der etwas zynisch betitelte „Pflegeurlaub“ zeitlich begrenzt, und bei einer länger- oder dauerfristigen Pflege fällt der Lohn weg. Der Weg in prekäre Abhängigkeiten wird dadurch beschleunigt, dass das reguläre Pflegegeld eigentlich nicht ausreicht, um Leistungen komplett zu finanzieren.&lt;br /&gt;Entsprechend war der Wunsch nach kollektiver Organisation von Sorge und Pflege im Alltag und im Hinblick auf Altern sehr groß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das Private also noch politisch? Oder doch nur noch ein Exil?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sind die Befragungsergebnisse Ausdruck eines konservativen Rollbacks oder doch nur ein letztes Aufbäumen vor dem unvermeidlichen Untergang althergebrachter Rollenbilder? Viele der Befragten waren weit davon entfernt, nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu leben. Obwohl der Wunsch nach Formen von Kollektivität jenseits der Kleinfamilie da ist, bleibt er oft utopisch. Wir haben daraus den Schluss gezogen, dass eine politische Strategie von zwei Seiten ansetzen muss: zum einen muss Absicherung, sowohl rechtlich als auch finanziell, erkämpft werden. Denn nur so entsteht der Raum, in dem mit Vorstellungen und Wünschen experimentiert und diese Realität werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer sich bisher für ein Modell wie die Co-Elternschaft entscheidet, begibt sich in einen quasi rechtsfreien Raum jenseits von Unterhaltszahlungen oder auch nur gemeinsamer steuerlicher Einstufung – solange er*sie nicht Hartz IV empfängt. Die Subventionierung von einem Leben mit Kindern muss unabhängig von der Familienform, Anzahl der Eltern usw. geschehen! Wer die Sorge für ein Kind jenseits von biologischer Elternschaft und Adoption übernimmt, sollte genauso finanziell unterstützt werden. Bislang jedoch laden weder die rechtlichen, noch die steuerlichen Rahmenbedingungen zum Experimentieren ein – man muss es sich derzeit also leisten können! In dieser Hinsicht ist Deutschland verhältnismäßig rückständig. So ist es etwa in Kanada möglich, dass sich bis zu vier Personen das Sorgerecht vertraglich teilen und so zu gleichberechtigten Partner*innen werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum anderen sollen Akteur*innen, die diese Utopien leben, sichtbarer gemacht werden - denn es gibt sie! Solidarische Ökonomien, Modelle von Co-Elternschaft, Mehrgenerationenwohnen und Alten-WGs sind Beispiele, die uns bei der Selbstbefragung begegnet sind. Die Möglichkeiten von alternativen Familienmodellen und Formen des Zusammenlebens im Hier und Jetzt sind ein Weg, vermeintliche Normalitäten und Natürlichkeiten zu dekonstruieren. Es ist wichtig zu zeigen, dass es ein Leben jenseits der Kleinfamilie und der Heteronorm gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir müssen uns immer wieder bewusst werden, dass bereits vieles erkämpft wurde. Bereits geführte Kämpfe und Auseinandersetzungen waren und sind die Grundlage, auf die wir weiter aufbauen wollen und zum Ausgangspunkt jetziger und zukünftiger Kämpfe erklären. Die oft geäußerte Unterstellung einer schon erreichten Geschlechtergerechtigkeit ist hingegen zentraler Ausdruck eines konservativen Rollbacks. Wir sollen schön zufrieden sein mit dem, was wir haben. Aber uns mit dem Status Quo zufrieden zu geben kommt uns nicht in den Sinn! Vielmehr gilt es jetzt umso mehr, auf die Ausweitung und das Neuerkämpfen von Anerkennung, Wertschätzung und Aufwertung unserer alltäglichen Baustellen zu pochen: dem Leben mit Kindern, alternativen Familienmodellen, dem Leben im Alter und der Sorge um uns selber und um andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn ja, das Private ist politisch!&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:23:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Anders leben (auch) mit Kind(ern)</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/anders-leben-auch-mit-kindern</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Inspiriert von der Selbstbefragung der Berliner Queer_Feminismus-AG in der IL fanden sich Tim (IL Tübingen), Mila (IL Berlin) und Jana zusammen um ihre Erfahrungen, Abwägungen und Utopien individueller Bedürfnisbefriedigung, alternativer Lebensformen und Reprodukionsarbeit zu diskutieren.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Inspiriert von der Selbstbefragung der Berliner Queer_Feminismus-AG in der IL fanden sich Tim (IL Tübingen), Mila (IL Berlin) und Jana zusammen um ihre Erfahrungen, Abwägungen und Utopien individueller Bedürfnisbefriedigung, alternativer Lebensformen und Reprodukionsarbeit zu diskutieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;¿Ich würde gerne anfangen mit der Frage, was euch an dem Thema bewegt. Wie seid ihr darauf gekommen euch damit zu beschäftigen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Mit Reproduktionsarbeit und dem ganzen Care-Bereich habe ich mich im Rahmen der Tübinger IL-Gruppe länger auseinandergesetzt, vor allem erst mal theoretisch. Wir haben als Tübinger Gruppe hierzu längere Diskussionen geführt und einige Veranstaltungen gemacht. In unserer QueerFem-AG haben wir uns an einigen Aktionen versucht, unter anderem waren wir beim &lt;em&gt;Care-Mob&lt;/em&gt; bei Blockupy in Frankfurt.&lt;br /&gt;Ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war eine Veranstaltung auf der Care-Revolution Konferenz zu Sexarbeit. Aus dem Publikum kam ein Kommentar, dass Sexualität ja nicht nur Arbeit ist, sondern eben auch befreiendes Potential haben kann. Schließlich stieß ich durch die letzte Ausgabe der arranca! wieder auf den Zusammenhang von Begehrensformen und alternativen Formen der Reproduktionsarbeit und darauf was das mit Organisierung zu tun hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Meine Fragen rund um Repro-Gerechtigkeit und Formen_Normen des Zusammenlebens haben sich immer parallel zu meiner eigenen Elternschaft ergeben und sich darüber unter anderem zu Fragen politischer Organisation entwickelt. Als ich mich entschieden habe, zu dritt Eltern für ein Kind zu sein, hatte das zwar auch politische Gründe. Gleichzeitig haben sich meine Überlegungen, Zweifel und Überzeugungen im Laufe des Älterwerdens des Kindes und rund um meine Vernetzung mit anderen in „nicht-konformen Familienformen“ lebenden Menschen entwickelt. Damit meine ich die, die sozusagen „mit Absicht“ von gängigen Familienidealen, wie zwei Erwachsene, Liebesbeziehung, hetero, spezifische Geschlechteranforderungen etc. abweichen.&lt;br /&gt;Und meine Perspektive hat sich erweitert: Zu Beginn war ich eher durch ein im Rückblick etwas unterkomplexes „yeah, gemeinschaftlich leben!“ motiviert. Heute finde ich es weiterhin super für Kinder und Erwachsene, eigene, kollektivere Wege im Zusammenleben zu suchen, aber sehe auch die Hürden durch gesellschaftliche Strukturen und Normen.&lt;br /&gt;Ich glaube, dass Eltern- und vor allem Mutterschaft mit vielen teils widersprüchlichen Anforderungen überlastet ist, dass es schädlich für die Beziehungen aller Beteiligten ist, diese nicht zumindest in Frage zu stellen. Kleinfamilie bedeutet neben dem Versprechen von Geborgenheit häufig einen Ort von Gewalt und reaktionären Geschlechterverhältnissen. Das zu ent-individualisieren finde ich weiterhin super-wichtig und politisch – ohne bisher den Goldenen Weg der konkreten Alternative gefunden zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Bei mir ist es eine Mischung aus politischen und persönlichen Motiven, die mich geleitet haben meine familiären Lebensentscheidungen auch im „non-konformen“ Bereich zu treffen. Mir war es wichtig, dass meine Kinder nicht nur mit zwei Bezugspersonen aufwachsen. Ich wollte, dass meine Kinder die Möglichkeit haben sich bei verschiedenen Menschen das abzuholen, was sie brauchen, dass ihnen also eine größere Vielfalt zur Verfügung steht. Trotzdem haben wir uns entschieden zwei Eltern zu sein, die die Hauptverantwortung tragen, hauptsächlich, um die Komplexität unserer Abstimmungs- und Abhängigkeitsbeziehung zu reduzieren. Unsere Lösung war, Menschen in unserem Umfeld zu finden, die eine eigenständige und dauerhafte Beziehung zu einem unserer Kinder haben wollen. Wir nennen sie Pat*innen und unsere zwei Kinder haben je drei Pat*innen, die sie alle ein bis zwei Wochen sehen. Für uns ist es eine win-win-win Situation. Als Eltern sind wir entlastet, die Kinder freuen sich über ihre Freund*innen und die Pat*innen haben eine dauerhafte Beziehung zu einem Kind, ohne volle Verantwortung als Eltern zu tragen. Darüber hinaus habe ich mich für eine Elternschaft in Freundschaft entschieden; das heißt ich und die andere Mutter waren, sind nicht und wollen keine Liebesbeziehung sein. Das alles hat für mich viel mit Verhandlung zu tun über Bedürfnisse, Rücksichtnahme, Konflikte und Grenzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;¿Machen all diese Bestrebungen ein alternatives Leben zu organisieren euer Leben gerade lebenswerter, vereinfachen sie es oder machen sie es komplizierter?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Meine Partnerin und ich haben glücklicherweise in einem Wohnprojekt eine größere WG gefunden, in der wir mit unserem Kind zusammen mit anderen Familien und nicht-familiär gebundenen Personen zusammenleben. Ich empfinde das als sehr bereichernd. Ich habe viel Austausch und Kontakt mit anderen, wir können uns immer wieder gegenseitig unter die Arme greifen. Wir kochen abends zusammen, nette Begegnungen sind fast immer garantiert. Auch für mein Kind ist es bereichernd, nicht nur mit uns in Kontakt zu sein, sondern auch von anderen Aufmerksamkeit und Zuneigung zu bekommen. Es ist aber auch viel Abstimmung und Aushandlung von Bedürfnissen und Vorstellungen notwendig. Das klappt nicht immer und ist relativ zeitintensiv. Trotzdem finde ich das total schön. Anders zu leben kann ich mir gerade nicht vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Also, mein Leben ist für mich so lebenswerter – einfach, weil es besser zu mir passt. Aber es ist auch ganz schön komplex. Dass es aber komplexer sei, als das Leben anderer, glaube ich nicht. Vielleicht ist es anders komplex. Ich empfinde das so, dass Aushandlungsprozesse in einer Elternschaft in Freundschaft oftmals klarer hervortreten. Es gibt kein Rollenmodell und wir laufen nicht in die Falle, dass das so sein muss, weil Liebesbeziehungen das nun mal so tun, wenn sie Eltern sind. Wir merken oft, dass es keine Regelung gibt und müssen eine erfinden. Gleichzeitig hat sich unsere Freundschaft radikal verändert. Hauptsächlich hat sich die Unverbindlichkeit und Freiwilligkeit unserer Freundschaft in eine hochgradig von einander abhängige Beziehung verwandelt. Wenn ich ein Wochenende wegfahren will, muss ich das verhandeln. Wer wann ausgehen kann, müssen wir verhandeln. Wenn eine krank wird, hat das mitunter extreme Auswirkungen auf das Leben der anderen. Das ist nichts, was uns von anderen Elternschaften unterscheidet – nur ist es ungewöhnlich für Freundinnen. Oft ermöglichen die Pat*innen viele dieser direkten Konsequenzen abzufedern, aber dieses Netzwerk stützt nicht nur, sondern braucht auch Pflege. Rein wohnlich leben wir übrigens gerade eher klassisch als Eltern mit den zwei Kindern in einer Wohnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Ich kenne das Gefühl, mich als autonomieorientierter Mensch etwas „gefangen“ in der Verantwortung und Verbindlichkeit meines Familienkonstrukts zu fühlen – und trotzdem käme ich nicht auf die Idee, dass eine „traditionellere“ Form es einfacher machen würde. Ich liebe mein Kind und meine Beziehung zu ihm, und die ist ja ganz wesentlich geprägt davon, dass ich die Momente mit ihm seit acht Jahren eigentlich nie als „Last“ empfinde, weil ich Raum habe, meine weiteren Bedürfnisse anders zu organisieren. Im Gegenteil vermisse ich manchmal mehr gemeinsamen Alltag. Dadurch, dass die beiden anderen Erwachsenen zwar ganz klar „Familie“ und wichtige Leute, aber nicht meine engsten Alltagsbezugspersonen sind und ich auch nur mit einer von ihnen zusammenlebe, fühlt sich das manchmal etwas abgespalten an. Und bisweilen frag ich mich, wie eng mein Wunsch nach Unabhängigkeit mit neoliberalen Diskursen zu Flexibilität und Verfügbarkeit zusammenhängt.&lt;br /&gt;Außerdem positiv: Unsere Konstellation ermöglicht mir dadurch, dass wir unsere eigenen Rollen definieren müssen, mich weniger am „Mutterbild“ abzuarbeiten, gegen das ich seit Beginn meiner „mutterisierten“ Lebensphase eine ziemliche Allergie entwickelt hab.&lt;br /&gt;Ein Unterschied zu meiner fiktiven Idee von Kleinfamilie besteht darin, dass wir ja alles nicht nur miteinander – drei Erwachsene und ein Kind – verhandeln, sondern dann gibt es noch das zweite Kind des einen Elternteils, dessen anderes Elternteil, die jeweiligen Großeltern, das Hausprojekt, weitere wichtige Menschen in den Leben der einzelnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;¿Habt ihr das Gefühl, dass politische Projekte oder Gruppen euch bezüglich eures Lebens mit und wider die Mühen der reproduktiven Organisationsfragen unterstützen sollten? Wenn ja kennt ihr welche? Welche Unterstützung bzw. Haltung würdet ihr euch wünschen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Also! Ich fänd total cool, wenn es ähnlich der Selbstverständlichkeit von Vokü/Küfa auf den meisten Großveranstaltungen begleitete Räume gäbe, in denen sich Kinder, die nicht beim Programm dabei sein können/wollen, aufhalten können. Oder: eigenes Programm für sie! Auch Kinder befassen sich mit politischen Themen, es braucht nur kindgerechte Formen jenseits von Indoktrinierung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Ja, das finde ich auch!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Und ich will keine Witze mehr über Kinder oder Eltern oder ausgedachte „Prenzlauer Berg-Muttis“ hören: Check your Adultismus, linke/queere Szene. Und Sexismus, in Bezug auf die „Muttis“. Und ich find es toll, wenn Babys bei Veranstaltungen dabei sind, und Leute sollen sich nicht so haben, wenn sie Geräusche machen. Das ist meistens nicht störender, als wenn jemand hustet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Was ich total wichtig finde ist, dass politische Strukturen so sind, dass ich mich auch mal weniger beteiligen kann, wenn ich im familiären Bereich stärker gefordert bin. Aber auch dass die Plenumszeiten nicht zu früh und nicht zu spät sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Ich finde generell eine Haltung in politischen Gruppen oder Strukturen nötig, die es ermöglicht unterschiedliche Zugänge, Bedürfnisse und Notwendigkeiten möglich zu machen. Das fängt bei der Barrierefreiheit an und geht über Ausschlüsse durch Sprache, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeiten, Geld, Bildung etc.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Ja, definitiv. Und ich find wichtig, als Elter* klar zu haben, dass ich keine gesellschaftlich diskriminierte Gruppe bin. Ich glaube, manchmal passiert es, dass der Umstand, dass Menschen mit Verantwortung für Kinder in „der Szene“ wenig mitgedacht werden, anderen Ausschlüssen gleichgesetzt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Stimme ich zu und denke,&amp;nbsp; dass es eine inhaltlich-strategische Frage ist, wie politische Organisationen sich auf Reproduktionsverhältnisse beziehen. Also ob es beispielsweise auch ein politisches Ziel einer größeren Kampagne sein kann, konkrete Projekte durchzusetzen, die andere Reproduktonsverhältnisse und Beziehungskonzepte ermöglichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Stimmt, Zugang ist definitiv nur ein Minimum. Ich freue mich sehr, wenn ich das Gefühl habe, dass Reproduktionsarbeit und ihre gesellschaftliche Regelung politisch thematisiert und als politische Frage begriffen wird, die wir verändern können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Es gibt von den &lt;em&gt;NaturFreunden Berlin&lt;/em&gt; eine ganz spannende Reihe namens &lt;em&gt;Salon gegen den Ausstieg&lt;/em&gt;, die sich mit solchen Fragen beschäftigt. Und in den letzten Jahren war für mich das selbst-organisierte, queer_feministische &lt;em&gt;Wer lebt mit wem&lt;/em&gt;-Sommercamp wichtig und lehrreich. Einmal, weil es in seiner Planung sehr darum bemüht ist, konsequent die Perspektiven von Kindern und Bezugspersonen von Kindern mitzudenken. Zum Beispiel gibt es still- und kinderfreundliche Optionen beim Essen, eine feste Struktur zur Kinder-Begleitung/Betreuung und einen extra Programm-Plan für jüngere Menschen. Inhaltlich geht es um Austausch und Vernetzung um all die Themen dieses Textes und noch einige mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;¿ Welche politische Bedeutung hat die Art, wie Liebesbeziehungen und Sexualität &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;heutzutage so organisiert werden für euch im Kontext&amp;nbsp; alternativer Lebensgestaltung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tim:&lt;/strong&gt; Um nochmal auf den Anfang zurückzukommen: Als ich die arranca! las, war ich einer Gemeinschaft zu Besuch, die mit Liebes- und Beziehungsformen experimentiert. Besonders spannend fand ich, dass dort großer Wert darauf gelegt wird Umgangsformen zu entwickeln, die andere Liebes- und Beziehungsformen erleichtern. Beispielsweise gibt es regelmäßige Treffen für Menschen mit offenen Beziehungen, um sich auszutauschen. Ich würde sagen, das ist ein Versuch eine materielle Praxis zu entwickeln, die der Dominanz der bürgerlichen Kleinfamilie konkret was entgegensetzt. Leider gibt es in der Linken, die ich so mitbekomme, wenig positiven Bezug auf solche Versuche. Ich hab aber das Gefühl, wenn man über kollektive Formen der Reproduktion nachdenkt, hängt da die Frage nach andere Begehrens- und Beziehungsformen mit drin. Oder andersherum hatte ich den Eindruck, dass sich in dieser Gemeinschaft, durch die kollektiveren Liebesformen auch die Frage der kollektiven Reproduktion drängender stellt.&lt;br /&gt;Die Lücke zwischen dem politischen Aktivismus und Fragen der persönlichen Reproduktion, die die Queer_Fem-AG der IL Berlin in ihrer Selbstbefragung festgestellt hat (siehe Seite 50), liegt glaube ich ein Stück weit darin, dass der Bereich der konkreten Lebensgestaltung, also auch Liebes- und Beziehungsformen nur in Ansätzen kollektiv verhandelt wird und auch selten Teil der politischen Strategie ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila:&lt;/strong&gt; Es sind meine Entscheidungen, wie ich meinen Wunsch eine Familie zu haben, meine Sexualität und Liebesbeziehungen leben möchte. Ich finde es schwierig zu sagen, diese oder jene Lebensweise sei progressiver, weil es immer auf individuelle Kontexte und Entscheidungen ankommt, ob mensch eher mono- oder polyamor, allein, zu zweit oder zu vielen sich sorgen mag oder welche Form von Sexualität ein Mensch leben mag. Die politischen Gruppen und Strukturen in denen ich bisher war, haben mich in den Fragen wenig unterstützt. Es gab meist keine politische Thematisierung und keine oder nur wenige Menschen darin, die auch irgendwie Wege neben der Norm eingegangen sind bzw. als solche sichtbar waren. Deshalb wäre meiner Meinung nach der erste Schritt eine Sichtbarmachung von Wahlmöglichkeiten. Jeder Mensch kann und darf sich entscheiden, welche Rolle und Form Sexualität und Liebesbeziehungen in seinem*ihrem Leben spielt. Wenn in meiner Politgruppe scheinbar alle in heteronormativen monogamen Zweierbeziehungen leben und niemals Wahlmöglichkeiten mitgedacht werden, dann muss ich mir ja andere Strukturen suchen, die mir Unterstützung bieten. Da würde ich mir mehr Verzahnung wünschen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jana:&lt;/strong&gt; Meine politische Sozialisation hängt eng mit diesen Themen zusammen. Ich bin mit zwanzig in ein Zuhause zwischen Kommune und Land-WG gezogen, nicht so viel später kam das Kind in mein Leben und über das Wer-lebt-mit-wem-Camp und eine „queer_feministische Szene“ kreiste ich eine Weile ziemlich um das „Private im Politischen“. Insofern teile ich die Erfahrung nicht, dass das in meiner Subszene nicht genug Platz hätte. Was mich nicht davor bewahrt, durch schädliche Beziehungsnormen geprägt worden zu sein und mit der konkreten Umsetzung von Alternativen in meinem eigenen Leben zu hadern.&lt;br /&gt;Im Gegenteil finde ich immer mehr, dass klassistische, antirassistische, antikapitalistische etc. Aspekte in diesen Diskussionen nicht differenziert mit bedacht werden. Was ich anstrengend finde, ist der Kontakt zu der sogenannten Mehrheitsgesellschaft und ihren Vorstellungen von „normalen“ Beziehungen. Kita, Schule, Kinderärztin, öffentliche Verkehrsmittel, Lohnarbeit – manchmal kommt es mir vor, als stünde ich ständig vor der Entscheidung, falsche Vorannahmen stehen zu lassen oder mich mit meiner ganzen Lebensgeschichte nackt zu machen. Für mich allein kann ich die Entscheidung ganz gut situationsbezogen treffen, aber für mein Kind tut es mir leid, dass es sich und seine Lebensrealität oft erklären muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;zum Weiterlesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christina Caprez: Familienbande&lt;br /&gt;Victoria Law, China Martens: Don&#039;t leave your friends behind. Concrete Ways to Support Families in Social Justice Movements and Communities.&lt;br /&gt;Holger Lendt, Lisa Fischbach: Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;und im Internet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;fuckermothers.wordpress.com&lt;br /&gt;wer-lebt-mit-wem.de&lt;br /&gt;gemeinsameltern.blogsport.de&lt;br /&gt;care-revolution.org&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 06:47:47 +0000</pubDate>
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                    &lt;p&gt;Feminismus hat eine lange politische Tradition. Er setzt da an, wo Frauen* aus dem gesellschaftlichen Leben und der Öffentlichkeit ausgegrenzt werden und materieller Abhängigkeit und sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Feminismus hinterfragt eine homogene Klassenidentität, die ausblendet, dass es vergeschlechtlichte, unbezahlte Formen von Arbeit gibt, die „ganz natürlich“ Abhängigkeiten und Hierarchien erzeugen. Gemeinsam ist queeren und feministischen Ansätzen, unsichtbare gesellschaftliche Verhältnisse sichtbar zu machen. Sie sind der alltägliche Widerstand und Kampf um das Öffentliche und begreifen Politik als ein Feld, das nicht vom Leben abgekoppelt ist. Während Feminismus eine Notwendigkeit im Hier und Jetzt ist, bietet der queer*feministische Ansatz darüber hinaus die konkrete Utopie jenseits der gesellschaftlichen Regeln zur biologischen Zweigeschlechtlichkeit. Queere Ansätze hinterfragen die Basis, auf der geschlechtliche Unterdrückung überhaupt passieren kann. Wie werden Geschlechter gemacht? Wen schließen sie aus? Wie kann die starre Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit unterlaufen werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der queere Ansatz ist für uns eine aktiv eingreifende Methode, scheinbare Selbst-verständlichkeiten in alltäglichen Praktiken zu demontieren und darüber hinaus ein analytisches Werkzeug, um die kapitalistische Logik dahinter auseinander zu nehmen. Das ist unser gesamtgesellschaftliches Bemühen, aber auch unser Bestreben in der Organisierung zur Interventionistischen Linken (IL ).&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Feminismus hat eine lange politische Tradition. Er setzt da an, wo Frauen* aus dem gesellschaftlichen Leben und der Öffentlichkeit ausgegrenzt werden und materieller Abhängigkeit und sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Feminismus hinterfragt eine homogene Klassenidentität, die ausblendet, dass es vergeschlechtlichte, unbezahlte Formen von Arbeit gibt, die „ganz natürlich“ Abhängigkeiten und Hierarchien erzeugen. Gemeinsam ist queeren und feministischen Ansätzen, unsichtbare gesellschaftliche Verhältnisse sichtbar zu machen. Sie sind der alltägliche Widerstand und Kampf um das Öffentliche und begreifen Politik als ein Feld, das nicht vom Leben abgekoppelt ist. Während Feminismus eine Notwendigkeit im Hier und Jetzt ist, bietet der queer*feministische Ansatz darüber hinaus die konkrete Utopie jenseits der gesellschaftlichen Regeln zur biologischen Zweigeschlechtlichkeit. Queere Ansätze hinterfragen die Basis, auf der geschlechtliche Unterdrückung überhaupt passieren kann. Wie werden Geschlechter gemacht? Wen schließen sie aus? Wie kann die starre Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit unterlaufen werden? Der queere Ansatz ist für uns eine aktiv eingreifende Methode, scheinbare Selbstverständlichkeiten in alltäglichen Praktiken zu demontieren und darüber hinaus ein analytisches Werkzeug, um die kapitalistische Logik dahinter auseinander zu nehmen. Das ist unser gesamtgesellschaftliches Bemühen, aber auch unser Bestreben in der Organisierung zur Interventionistischen Linken (IL ). Daher ist dies keine Praxis, die wir auf Übermorgen verschieben, sondern jetzt erproben wollen.Vor mehr als drei Jahren wurde die erste IL -Queer_Feminismus-AG gegründet. Unter anderem dadurch wurde die Debatte und Auseinandersetzung über queer*feministische Praxis erstmals offensiv in die eigenen Strukturen hineingetragen. Seitdem hat sich einiges getan. Aus einer queer*feministischen Perspektive wollen wir in diesem Artikel die Kämpfe und Entwicklungen der letzten Jahre reflektieren und eine kritische Bestandsaufnahme der Organisierung in der IL machen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Kein braver akademischer Zirkel&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Noch viel zu oft verharren queere und feministische Ansätze in ihren braven akademischen Zirkeln, anstatt sich direkt da einzumischen, wo es nötig wäre: zum Beispiel zu Fragen der Ökonomie, Kapitalismus, Nationalismus, Arbeit oder Reproduktion. Doch das soll sich ändern! Als queerfeministische und linksradikale Gruppe steigen wir in einen politischen und sozialen Kampf ein, der einerseits die Kategorie „Geschlecht“ braucht, um die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten benennen zu können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits greift unser Kampf geschlechtliche Kategorien in ihrer Bipolarität an. Wir betrachten die Wechselwirkungen und Verschränkungen verschiedenster Diskriminierungen und Ausschlüsse, wie race, Klasse, Gender und Körper, als Kampffeld: So kritisieren wir zum Beispiel die etablierte Selbstverständlichkeit heterosexueller Paarbeziehungen, über die ein Großteil notwendiger Reproduktionsarbeit kostengünstig in Familien abgewickelt wird. Silvia Federici schreibt dazu in ihrem Buch aus der Reihe &lt;em&gt;kitchen politics&lt;/em&gt;: „Die im globalen Norden zunehmende neoliberale Entsicherung der Reproduktionsphäre (Kürzung sozialstaatlicher Leistungen, Individualisierung von Pflege und Gesundheit etc.) führt zu einem verstärkten Bedürfnis nach reproduktiver Sicherheit, das sich an traditionellen Vorstellungen von heterosexuellen Familien- und Versorgungsarrangements orientiert“. &amp;nbsp;Also die Flucht aus der Unsicherheit in den „sicheren Hafen der Kleinfamilie“. Gegen bestehende Herrschaftsverhältnisse anzugehen, sie zu dekonstruieren und queer*feministische Sichtweisen wirkmächtig zu verankern, ist auch in der eigenen Strukturarbeit ein notwendiger Schwerpunktder politischen Auseinandersetzung in Theorie und Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Fragen an uns selber&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Teil unserer Thematisierung und Auseinandersetzung der eigenen Eingebundenheit in gesellschaftliche Machtverhältnisse und ihrer Ausübung war eine Selbstbefragung unserer Gruppen. Denn nach wie vor bedeutet das gemeinsame Voranschreiten in Richtung einer befreiten Gesellschaft leider nicht automatisch auch, selbst frei von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen zu sein. Wir wollten wissen, wie Wünsche nach emanzipatorischen Lebensweisen aussehen und konkret organisiert werden. Dabei mussten wir feststellen, dass es eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt, die oft an der Grenze zwischen der eigenen Politarbeit und der „privaten“ Gestaltung des eigenen Lebens verläuft. Damit meinen wir, dass es durchaus eine Grundhaltung gibt, das Private politisch zu denken. Im eigenen Leben fungiert das Private jedoch praktisch als Rückzugsraum, der frei von politischen Debatten ist. Das aktive Einbringen, Einfordern und die tatsächliche Auseinandersetzung mit queer*feministischenPerspektiven und Politik hängt oft noch am Engagement von Einzelpersonen oder einzelnen AGen, die sich dem Thema geöffnet und zugewandt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies ist Ausdruck einer leider immer noch verbreiteten Auffassung von Geschlechterverhältnissen und anderen Hierarchien als eher zweitrangiges Thema oder Thema der Betroffenen. Dies zeigt auch die zögerliche Auseinandersetzung mit Transphobie innerhalb der IL. Bislang wurde das Thema nur schlaglichtartig beleuchtet, aber es gab keine weiterführende Auseinandersetzung über die strukturellenAusschlüsse. Dabei wäre es wichtig, dass Trans*-Personen sich der solidarischen Unterstützung sicher sein können und dieser Kampf nicht als individuelle Angelegenheit gesehen wird. Außerdem haben wir mit unserer eigenen geschichtlichen Auseinandersetzung mit der autonomen Bewegung zu kämpfen: Sobald wir von der Wichtigkeit der Bedürfnisse sprechen, bekommen einige Angst, wieder in alte selbstreferenzielle Muster zu verfallen. Für uns ist es das gerade nicht. Hierarchien und Diskriminierungen wie Sexismus, Rassismus, Ableismus oder Klassismus sind immer noch Teil der Gesellschaft, in der wir leben, arbeiten und kämpfen. Eine antikapitalistische Perspektive auf Vergesellschaftung muss daher die eigenen Lebensverhältnisse mitdenken und von den Bedürfnissen und nicht nur von den Notwendigkeiten von Vergesellschaftung ausgehen. In allen privaten und politischen Lebensbereichen müssen die heteronormativen Aspekte einer neoliberalen Gesellschaft aktiv aufgebrochen und divers weitergedacht werden, um Ausschlüsse zu verhindern und nicht weiter zu reproduzieren. Und genau darum geht es in der queer*feministischen Theorie und Praxis: nämlich um emanzipatorische Selbstermächtigung, Sichtbarmachung sowie Umverteilung und Arbeitsteilung. Dieses Ziel und der Weg dahin sind keine Punkte, zu denen es in der IL einen Konsens geben würde. Dies bleibt für uns ein Problem, da eine solidarische Perspektive auf Ebene der Gesamt-IL fehlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die IL ist mittlerweile eine so große Organisation, dass in Bezug auf Feminismen unterschiedliche Ansätze aufeinander stoßen. Allein durch die große Altersspanne kommen Personen zusammen, die in den verschiedenen Feminismus-Wellen politisiert wurden. Insofern existieren gleichheits-, differenz- und queer*feministische Vorstellungen nebeneinander und stehen teils in Konflikt zueinander. Wir wollen dies aber keineswegs als eine Schwäche sehen, sondern versuchen, diese Konflikte für uns produktiv zu machen. Es ist ein enormer Schatz unserer Organisierung, dass wir generationenübergreifend aufgestellt sind und damit ein enormes Archiv an historischem Bewegungswissen vereinen.&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;FLT *-Räume&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Konkret wurde in den letzten Jahren einiges erkämpft. Auf IL -Gesamttreffen gibt es nun eine FLT *(FrauenLesbenTrans*)-Vollversammlung (VV ), in der wir einen eigenen und empowernden Zugang&amp;nbsp;zum Gesamtprozess und Debatten entwickeln. Auch dieser Raum musste innerhalb der Organisierung errungen werden. Gerade weil wir bewusst in gemischtgeschlechtlichen Gruppen organisiert sind, braucht es solche Räume, da FLT*s immer einen doppelten Kampf zu führen haben. Die Bedeutung von expliziten FLT*-Räumen als geschützten Räumen ist vielleicht der prominenteste Ansatz queer*feministischer Organisierung, die sich nicht den Stempel der „Genderpolizei“ aufdrücken lassen will. Idealerweise bietet ein geschlossener und geschützter Raum einen Ort, an dem verletzende und diskriminierende Verhaltensweisen nicht stattfinden, weil diejenigen, die oftmals aus einer privilegierten Position heraus ein solches Verhalten an den Tag legen, keinen Zugang dazu haben. Viele queer*feministische, trans* und inter*-Gruppen haben aus gutem und berechtigtem Grund diesen Ansatz gewählt – denn auch der Weg durch linke und linksradikale Strukturen ist und kann steinig, frustrierend und kraftraubend sein. Nach wie vor bleiben problematische Verhaltensweisen und reproduzierte Privilegien Themen der Reflexion und Konfrontation der jeweiligen Gruppe. Das mag bisweilen müßig sein, „kleinkariert“ gar, doch erscheint uns diese nötige Auseinandersetzung mit dem eigenen Wirken unausweichlich.Schließlich sollen queer*feministische Perspektiven mehr sein als eine bloße Blaupause für eine berechtigte Kritik an bestehenden Mechanismen gesellschaftlicher Machtstrukturen. Denn wenn uns der Widerstand darin zweifelsohne eint, die Reproduktion gelebter Privilegien wird eben und gerade auch in den eigenen Reihen immer wieder hinterfragt werden müssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was also sind dann die Inhalte der FLT*-Vollversammlung? In der Debatte stellte sich schnell heraus, dass die unterschiedlichen Verständnisse von Feminismen in Konflikt zueinander stehen. Es kam beispielsweise die Diskussion auf, weshalb das T für Trans* in der Bezeichnung auftaucht. In unseren Augen sollte die Frage aber lauten, wieso andere geschlechtlichen Identitäten wie Inter* darin immer noch fehlen. Denn nach unserem Selbstverständnis sollten wir eine FLTI*- oder auch FLTIQ*-VV haben. Die Konsequenz war für einige, die FLT*-VV nicht mehr zu besuchen, weil einerseits nicht mehr an eine konstruktive Auseinandersetzung geglaubt wurde. Andererseits konnten einige Leute die FLT*-VV nicht mehr als einen solidarischen und geschützten Raum erfahren. Wir haben verschiedene Ansätze ausprobiert und überlegt, wofür wir die FLT*-VV nutzen wollen. Es mag wenig radikal klingen, aber momentan probieren wir uns darin aus, in diesem Raum verschiedene Themen der Gesamttreffen vorzudiskutieren und dabei – nicht zwangsläufig, aber oft – eine FLT*- bzw. queer*feministische Perspektive auf diese Themen zu entwickeln. Es ist klar, dass die Erfahrungen der dort anwesenden Personen diese Sichtweise prägen. Es sollte auch klar sein, dass die FLT*-VV nicht der einzige Ort bleiben kann, wo diese Perspektive entwickelt und diskutiert wird. Wenn im alltäglichen Betrieb diese Position aber tendenziell marginalisiert wird, ist es wichtig, dass sie dort erarbeitet und gestärkt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ganz konkret geht es außerdem um die Besetzung bestimmter Entscheidungsposten innerhalb unserer Strukturen. Linksradikale*r Leistungskader*in zu sein bedarf eine Ausstattung verschiedenster Kapitalien. Darüber verfügen FLT*s strukturell weniger als Nicht-FLT*s. Da wir eine plurale linksradikale Organisierung sein wollen, braucht es auch die materiellen Grundlagen dafür, Diversität in den Entscheidungsstrukturen abzubilden. Anfangs gab es parallel zur FLT*-VV kein Alternativprogramm. Diese Leerstelle stellt in der Konsequenz eine problematische Zuweisung der Verantwortung für Geschlechterverhältnisse an FLT*s dar. Auf einer als Pendant dazu stattfindenden Nicht-FLT*-Vollversammlung wird unter anderem eine kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeiten und cis-männlichen Privilegien gesucht. Die Verantwortung für geschlechtsspezifische Hierarchien und Diskriminierung ist nämlich nicht das Problem der davon negativ Betroffenen, sondern aller, die sich in diesen Verhältnissen aufhalten und bewegen. Die Existenz dieser Schutzräume kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, das wissen wir. Denn auch in linksradikalen Zusammenschlüssen wie der IL werden Normen reproduziert und Leitbilder geschaffen, die dazu neigen, Ausschlüsse zu erlauben. Es muss jedoch möglich sein, den bestehenden Status zu überwinden und lösungsorientiert einen sensiblen Umgang miteinander zu finden. Dies sollte in unseren Augen nicht bloß als Gedankenmodell bestehen. Es braucht eine solidarische Atmosphäre, in der strittiges Verhalten nicht geduldet wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei einer Befragung in der IL über die eigene kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterverhältnissen und den Einbezug in Strukturen und Arbeitsweisen ist deutlich geworden, dass längst noch nicht alle IL-Gruppen eine kritische Haltung zu ihrer eigenen Praxis entworfen haben. Allein der Fakt, dass weniger als ein Drittel der in der IL organisierten Gruppen überhaupt auf diese Fragen geantwortet haben, bestätigt uns, dass dem Thema schlichtweg mangelnde Aufmerksamkeit und Priorität zugestanden wird. Nicht zuletzt, weil anstehende Kampagnen dann doch oft wichtiger erscheinen als die Reflexion unserer eigenen Arbeitsweisen. Welchen Unterschied bestimmte Strukturen und Methoden machen können, zeigen verschiedene Beispiele aus unseren Gruppen. Neben der Frage nach der Art und Zusammensetzung von Treffen wie der FLT*-VV muss es immer wieder darum gehen, allgemein die soziale Interaktion untereinander bewusst zu verändern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufschlussreich sind die Normen und Leitbilder, die auch unsere Strukturen prägen. Zu nennen sind hier allgemeine Kapazitäten für die Politarbeit. Dazu zählen neben zeitlichen Ressourcen und einer bestimmten Fitness auch Durchsetzungsvermögen, das mit einem gestärkten Selbstbewusstsein einhergeht. Zudem gehören das Verständnis von politischen und soziologischen Theorien dazu, auf die sich die politische Praxis stützt. Die Dekonstruktion solcher Normen mag vorerst abstrakt klingen. In der Praxis kann sie beispielsweise so aussehen, dass quotierte Redner*innenlisten für Leute eingeführt werden, die sich allgemein eher weniger in Debatten einbringen. Die Beobachtung des allgemeinen Redeverhaltens und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen können erste Schritte sein, um nach wirksamen Mitteln und Wegen zu suchen, Räume zu öffnen, in denen eine vertrautere Atmosphäre herrscht als in großen Runden. Auch das Bewusstsein für einen kritischen und vor allem sensiblen Umgang mit dem eigenen Redeverhalten muss allen abverlangt werden und darf zudem nicht vor informellen Strukturen, wie dem Gespräch in der Rauchpause, haltmachen. Die Weitergabe von Wissen über formelle wie informelle Strukturen, Praxen und Begrifflichkeiten muss als Aufgabe jeder*s einzelnen begriffen und praktiziert werden, um Empowerment praktisch werden zu lassen. Mangelnde zeitliche Ressourcen sind immer wieder ein Problem und für viele ein Grund dafür, die politische Arbeit aus dem Kalender zu streichen. Vor dem Hintergrund der bereits genannten Ungleichenverteilung von Arbeiten und Ressourcen zwischen FLT*s und Nicht-FLT*s müssen Möglichkeiten der Beteiligung für mit weniger Ressourcen ausgestattete Menschen gefunden werden. Damit meinen wir geteilte Verantwortungen und Positionen, wie die Aufteilung von Reproduktionsarbeiten, Kommunikation, Kinderbetreuung während der treffen und von repräsentativen Aufgaben. Die Grundlage für die Entwicklung und das Weiterdenken solcher Methoden und Strukturen ist und bleibt ein queer*feministisches Bewusstsein. Denn es ist klar, dass es bei den bloßen Forderungen nicht bleiben kann. Die von uns postulierten Räume, Verhaltensweisen, Positionen und Strukturen müssen wir uns praktisch aneignen. Die aktive Mitgestaltung und Nutzung tragen dazu bei, Strukturen mit zu prägen und weiter zu entwickeln. Das ist unser queer*feministischer Appell an eine IL, die sich in ihrer Praxis plural, divers und solidarisch im antikapitalistischen Widerstand bewegt.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:38:55 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Ladyfest Europe - eine queer-feministische europäische Bewegung?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/45/ladyfest-europe-eine-queer-feministische-europaeische-bewegung</link>
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                    &lt;p&gt;Als Praxisform linker, queer-feministischer Politik fanden in den letzten zehn Jahren in vielen europäischen Ländern &lt;em&gt;Ladyfeste &lt;/em&gt;statt.  Exemplarisch für verschiedene transnationalisierte Aktionsformen der  Post-Autonomen fragten wir nach dem Europäischen an Ladyfesten oder wie  europäisch queer-feministische Praxis ist.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Als Praxisform linker, queer-feministischer Politik fanden in den letzten zehn Jahren in vielen europäischen Ländern &lt;em&gt;Ladyfeste &lt;/em&gt;statt. Exemplarisch für verschiedene transnationalisierte Aktionsformen der Post-Autonomen fragten wir nach dem Europäischen an Ladyfesten oder wie europäisch queer-feministische Praxis ist.&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Es fällt auf, dass bei mehreren Aktionsformen queer-feministischer Politik der europäische Raum eine Rolle spielt. Du hast das Ladyfest Frankfurt am Main mitorganisiert, seit Jahren Ladyfeste besucht und forschst nun in deinem Promotionsprojekt auch zu dieser Praxis linker Politik. Uns stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt Europa für die Aktionsform Ladyfeste?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich würde sagen, dass es eine verstärkte Zusammenarbeit von Akteur_innen der Ladyfeste gibt, die allerdings weniger mit einer Europäisierung, sondern eher mit den leichteren Vernetzungsmöglichkeiten über das Internet, also den sozialen Netzwerken zu tun hat. Weil wir uns schnell kontaktieren können, alle leicht und schnell mitbekommen, was in Frankreich, England etc. passiert und wir uns gegenseitig zu den Events einladen. Hinzu kommt, dass es nicht mehr so kompliziert und teuer ist, in die Nachbarländer zu fahren und es normal wurde, dass wir uns gegenseitig als Aktivist_innen besuchen und unterstützen. Das wirkt natürlich auch identitätsstiftend. Letztlich wurde dies aber auch durch die gemeinsame Benutzung des durchaus umstrittenen Labels Ladyfest ermöglicht. Ähnlich lief es auch bei den slut walks, Demos gegen sexualisierte Gewalt und für sexuelle Selbstbestimmung, die zwar keinen europäischen Ursprung haben, aber vor allem durch eine schnelle Verbreitung im Netz in vielen anderen europäischen Städten aufgegriffen wurden.&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Du siehst also eine wichtige Ermöglichungsbedingung dieser Aktionsformen in der technischen Entwicklung der Internetforen. Würdest du dann aber auch einen Bruch in den Aktionsformen sehen, durch den mittels Myspace, Facebook und Co. die vorher eher national verfassten Kampagnen und Protestformen transnationalisiert wurden?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für die Ladyfeste ist es nach wie vor wichtig, sich auf die lokalen Kontexte zu beziehen. Also, der abgedroschene Slogan „Think global, act local“ kennzeichnet recht gut die Praxis von vielen queer-feministischen Zusammenhängen. Die Gruppen beziehen sich auf die Debatten vor Ort, gleichzeitig gibt es bei allen Bezüge auf die Riot Grrrl-Bewegung und feministische Politik. Die konkrete Ausgestaltung ist vor allem an die Vorstellungen, Auseinandersetzungen und Infrastruktur vor Ort geknüpft. Entsprechend würde ich es eher verneinen, dass da wirklich eine europäische Bewegung entsteht oder etwas, was ihr als Europäisierung angesprochen habt. Gleichzeitig gibt es aber in allen Ladyfest-Gruppen so etwas wie eine gemeinsame queer-feministische Politikgrundlage, die von unterschiedlichen europäischen Ladyfest-Gruppen geteilt wird. Ich würde sagen, dass sich bei den Kämpfen um Teilhabe nicht mehr an Mann und Frau abgearbeitet wird, sondern für die Aktionen Debatten um Trans- und Intergeschlechtlichkeit zentral sind. Aber das hat wohl nix mit Europa zu tun! Auf ein Bild von Europa – ob mit einem Positivbezug oder in Abgrenzung – wird sich in den politischen Praxen meines Erachtens nicht bezogen.&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Auf wen oder was wird sich dann aber bezogen, oder anders gefragt: Während frühere Akteur_innen linksradikaler Politik ihre Revolutionshoffnung auf die Arbeiterklasse, Menschen im Trikont oder auf die Zapatistas richteten, welche Akteur_innen sind das revolutionäre Subjekt der Ladyfeste?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht meiner Ansicht nach darum, in die Frauenbewegung zu intervenieren; etwa mit der Erweiterung, dass es nicht nur um Frauen und nicht um eine eindeutige geschlechtliche Festlegung geht. Wichtig für unsere Politik sind deshalb immer auch Bündnisse zwischen feministischen, queeren, trans- und intergeschlechtlichen Zusammenhängen. Ich hab Ladyfeste immer auch als eine Politikform verstanden, bei der es um Spaß geht. Wir machen etwas für uns, also Aktivismus nicht als Stellvertreter_innenpolitik oder in der Hoffnung auf andere, die für uns Politik umsetzen. Hier mache ich eine Party, wie ich sie mir vorstelle oder organisiere Workshops, die ich schon immer gerne besuchen wollte. Viele Aktivist_innen im Ladyfest-Kontext sind anderweitig politisch organisiert und haben dementsprechend viele Verpflichtungen. Ein Ladyfest zu organisieren bedeutet aber für viele, etwas für sich zu tun. &lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Damit reiht sich die Ladyfest-Szene in eine Politikform ein, die von Aktionen der Spontis, über die Politik der ersten Person der Autonomen bis in die Prekaritätskämpfe der letzten Jahre – bei FelS zum Beispiel mit der Aneignungsdebatte oder dem Mayday – führen. Sind Ladyfeste damit eine queere und netzaffine Weiterführung der Politik der Autonomen?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bezugspunkt ist eher D.I.Y. – Do it Yourself, also die aus der Punk- und Hardcore-Szene entlehnte Politisierung des Selbermachens, wie es etwa bei einem Hamburger Ladyfest der Slogan „Don’t Fall in Love with the Guitarist. Be the Guitarist!“ verdeutlicht. Das Berliner Ladyfest hat sich im Laufe der Jahre deshalb in &lt;em&gt;LaD.I.Y.fest&lt;/em&gt; umbenannt, allerdings sicher auch als Reaktion auf den seit langem umstrittenen Begriff „Lady“. Ich würde die Ladyfeste aber vor allem als eine Praxis beschreiben, in der die in den letzten drei Jahrzehnten entwickelten Debatten um Feminismus, Transgender und Queer-Feminismus aufgenommen und umgesetzt werden. So wird wohl in allen Ladyfest-Zusammenhängen diskutiert, was eigentlich mit Lady gemeint ist, ob damit nur Frauen bezeichnet sind oder verschiedene Formen von Weiblichkeiten oder gar keine. Mit der Debatte verknüpft sind dann ja auch immer konkrete Praktiken auf der Party, am Einlass oder schon vorher in Auseinandersetzung mit oft männlich dominierten linken Gruppen, die etwa einen Ausschluss von Männern als sexistisch bezeichnen (so in mehreren deutschen Städten geschehen). Das ist insbesondere ein Politikum, weil ein wichtiger Inhalt von Ladyfesten nicht nur die Offenheit linker Politik ist, sondern auch eine explizit feministische, die sich auf die Notwendigkeit von Schutzräumen bezieht. Ladyfest-Partys sollen nicht von partikularen Männlichkeiten dominiert sein, aber auch kein essentialisiertes Frausein reproduzieren. An anderen Orten hat das naheliegenderweise zu Auseinandersetzungen mit Frauenzentren, aber eben auch mit männerdominierten Plena in Autonomen Zentren geführt. In meiner Erfahrung sind die Praxen deshalb entsprechend sehr divers. Die Leute nehmen sich aus der Idee von Ladyfesten jeweils etwas raus, womit sie was anfangen können und in ihrem lokalen politischen Kontext weiter arbeiten wollen.&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Wo findet der Diskurs statt? Worauf beziehen sich die Aktivist_innen von Ladyfesten?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt Bezüge auf Texte aus dem Kontext des ersten Ladyfests 2000 in den USA, auf die Riot Grrrl-Bewegung. Wichtig sind meines Erachtens die Texte der einzelnen Gruppen, in denen sie ihren Politikansatz und ihre Grundsätze formulieren. Ich hab jetzt immer das Lokale betont und würde es auch für die Debatten herausstellen: Was diskutiert und veröffentlicht wird, sind vor allem die von den Gruppen verfassten Selbstverständnistexte, also Auseinandersetzungen über: Was sind Ladyfeste, wer ist eingeladen, was soll wie passieren? &lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Ok, nochmal zugespitzt: Europa ist bei Ladyfesten – so lässt sich deine Einschätzung verstehen – kein Thema! Aber auffällig ist doch, dass andere Politikformen wie das A!-Camp, die ersten Grenzcamps oder das CrossOver Summercamp alle im nationalen Rahmen stattfanden, während die queerruption im internationalen Rahmen stattfindet oder queer pride marches in Osteuropa oft maßgeblich von Aktivist_innen aus anderen Ländern unterstützt werden. Die Praxis von Ladyfesten ist doch europäisch, aber ohne dass dies debattiert wird, oder?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, insofern, dass beispielsweise nach Bukarest viele Aktivist_innen aus unterschiedlichen europäischen Ländern fahren oder die Vernetzung etwa darüber funktioniert, dass wir eine spanische Band, die ich gut fand, zu uns auf eine Party eingeladen haben.&lt;br /&gt;Aber ich könnte ja auch nochmal zurück fragen. Warum sollte denn Europa eine Bezugsgröße sein? Ich würde ja eher dafür plädieren, transnational zu schauen und da ist schon auffällig, dass es eher westliche Industriestaaten sind, in denen sich das Konzept Ladyfest weit verbreitet hat. Für mich ist die Frage nach dem Europabezug unserer Politik damit auch irgendwie abwegig. &lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;¿Damit sind wir am Ausgangspunkt dieser arranca!-Ausgabe. Wir haben uns zunächst gefragt, ob aus der Praxis wie dem Euromayday, dem Grenzcamp der letzten Jahre oder der Proteste gegen G8, Weltwirtschaftsforum, den EU-Gipfel in Göteborg etc. sich das Thema Europa nicht nochmal anders aufdrängt. Müsste Europa nicht jenseits von Migrationskontrolle, Festung und Euro-Krise, vielmehr auch als Ort linksradikaler Politik reflektiert und geöffnet werden?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das sollte aber dann konkret und nicht allgemein aus einer Metropolensicht getan werden. In der konkreten Politik zeigt sich das etwa am Ladyfest in Bukarest in Rumänien, das ich besucht habe. Bei diesem gab es eine europaweite Vernetzung von Aktivist_innen: Alle kamen aus Rumänien, lebten aber selbst in verschiedenen europäischen Städten und haben das Ladyfest mit Aktivist_innen vor Ort über das Netz durch online-meetings organisiert. Vor Ort gab es dann aber andere Themen, die in den Workshops bearbeitet wurden. So war dort beispielsweise motherhood intensiver Diskussionspunkt, daneben auch Homophobie, aber auch die Themen Armut oder Antiziganismus haben viel Raum eingenommen. Infrastrukturelle Probleme waren dort auch viel existentieller, da nur ein Punkschuppen für die Partys als Veranstaltungsort in Frage kam und zudem ein Obolus an die örtliche Polizei zu entrichten war, um von denen in Ruhe gelassen zu werden. Reflektionen über die Politikformen sollten somit immer an den konkreten Bedingungen vorgenommen werden.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Tue, 28 Feb 2012 11:30:19 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Queer-feministische Politik und Inter*-Bewegung </title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/44/queer-feministische-politik-und-inter-bewegung</link>
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                    &lt;p&gt;Trotz weltweit vehementer Proteste gibt es auch in Deutschland weiterhin  viele Kliniken, die geschlechtsverändernde bzw. kosmetische  Genitaloperationen und Sexualhormonbehandlungen an intergeschlechtlichen  Kindern und Jugendlichen durchführen – ohne deren Zustimmung oder auf  der Grundlage manipulativer Informationen (etwa, dass die Gonaden wegen  eines Krebsrisikos beseitigt werden müssten). In den letzten Jahren  bekunden immer mehr queer-feministische Zusammenhänge ihre Solidarität  mit den Forderungen von Inter*-Organisationen – endlich, so ist zu  hoffen, ist der Stein ins Rollen gekommen und die Proteste gegen die  menschenrechtsverletzende Praxis der Medizin weiten sich aus. Leider  zeichnen sich aber die solidarischen Aktivitäten nicht selten durch  politische Naivität aus.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Trotz weltweit vehementer Proteste gibt es auch in Deutschland weiterhin viele Kliniken, die geschlechtsverändernde bzw. kosmetische Genitaloperationen und Sexualhormonbehandlungen an intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen durchführen – ohne deren Zustimmung oder auf der Grundlage manipulativer Informationen (etwa, dass die Gonaden wegen eines Krebsrisikos beseitigt werden müssten). In den letzten Jahren bekunden immer mehr queer-feministische Zusammenhänge ihre Solidarität mit den Forderungen von Inter*-Organisationen – endlich, so ist zu hoffen, ist der Stein ins Rollen gekommen und die Proteste gegen die menschenrechtsverletzende Praxis der Medizin weiten sich aus. Leider zeichnen sich aber die solidarischen Aktivitäten nicht selten durch politische Naivität aus. Flugblätter, Artikel usw. lesen sich, als leisteten die Autor_Innen Pionierarbeit auf einem unerschlossenen Kontinent. Und oft gleicht der Stil der sensationslüsternen Tabubruch-Rhetorik in der Mainstream-Medienberichterstattung über Intersexualität. Tatsächlich gibt es aber nicht erst seit vorgestern Verbindungen zwischen queer-feministischer Politik und Inter*-Aktivismus. Welche Funktion hat es also, Intergeschlechtlichkeit (scheinbar) von Neuem zu entdecken, statt sich in die bestehenden Diskussionen einzuarbeiten und damit auseinanderzusetzen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein sprechendes Beispiel dafür ist ein Beitrag von &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/es-waren-zwei-koenigskinder&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Anja Gregor in der letzten arranca!&lt;/a&gt; Die grundlegende Intention des Artikels, auf die Situation intergeschlechtlicher Menschen und ihre Forderungen aufmerksam zu machen, ist anzuerkennen. Aber es müssen auch Probleme benannt werden, die nicht nur diesen Beitrag durchziehen. Zunächst einmal ignoriert der Artikel schlichtweg unterschiedliche Positionen in der Inter*-Bewegung. Organisationen wie &lt;em&gt;Intersexuelle Menschen e.V. (IM e.V.)&lt;/em&gt; und die Internationale &lt;em&gt;Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen (IVIM)&lt;/em&gt; kritisieren die Menschenrechtsverletzungen durch die Medizin und fordern ein sofortiges Ende chirurgischer und hormoneller Eingriffe ohne Zustimmung der Betroffenen. Aber von dieser Gemeinsamkeit abgesehen positionieren sich die beiden Organisationen deutlich unterschiedlich hinsichtlich der Radikalität ihrer Kritik. So fordert IVIM zuallererst einen Bruch mit der Definitionsmacht der Medizin, denn „Intergeschlechtlichkeit ist kein medizinisches Problem, sondern ein gesellschaftlich-politisches Thema.“ Die Organisation vertritt dabei deutlich Standpunkte, die von queerer Heteronormativitätskritik getragen sind und prangert die heterosexualisierte Zwei-Geschlechter-Ordnung an. Während IM e.V. die „Einarbeitung des Begriffes ‚Intersexualität’ in geltendes Recht“ erreichen möchte und für die Möglichkeit votiert, intergeschlechtliche Neugeborene als „zwischengeschlechtlich/intersexuell/zwittrig“ im standesamtlichen Geburtenregister zu melden, fordert IVIM die Abschaffung der Geschlechtsregistrierung. Ersteres ist eine Integrationsstrategie, zweiteres eine grundsätzliche Infragestellung der staatlichen Kontrolle über die Geschlechtszuordnung. Dies sowie die radikale Medizinkritik resultieren aus queer-politischen Überlegungen, die IVIM im Austausch mit der &lt;em&gt;AG 1-0-1 intersex&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;AG TransInterGenderSex&lt;/em&gt; und&lt;em&gt; TrIQ e.V.&lt;/em&gt; erarbeitet hat. Inhaltliche Überschneidungen bzw. ein produktiver Austausch zwischen Inter*-Organisationen und queer-feministischen Zusammenhängen existieren also. &lt;br /&gt;Zwar ist nicht zu übersehen, dass sich einzelne intergeschlechtliche Menschen von der queer-feministischen Szene lautstark distanzieren (und dabei auch nicht vor haltlosen Diffamierungen und homo- sowie transphoben Äußerungen zurückschrecken). Diese sind jedoch nicht repräsentativ für die Inter*-Bewegung im Ganzen. Nichtsdestotrotz scheint in Gregors Beitrag die ablehnende Hal-tung einzelner Inter*-Aktivist_innen die Wahrnehmung der Inter*-Bewegung allgemein zu bestimmen. Aber selbst wenn das stimmen würde, bliebe es fraglich, ob es „Aufgabe der Queers“ sein müsse, „an ‚Intersex’-Aktivist_innen mit dem Wunsch nach Zusammenarbeit heranzutreten und die Möglichkeit des Zutritts zu ‚intersexuellen Räumen’ zu erfragen (…), anstatt wohlgemeinte Einladungen in spezifisch privilegierte queere Räume auszusprechen: ‚Intersex’-Aktivist_innen wären in diesen Räumen gezwungen, sich als De-Privilegierte zu unterwerfen und also ihre Politik – wie bisher – den Queer-Politiken nachzuordnen.“ Was für ein verdrehter Akt des &lt;em&gt;othering&lt;/em&gt;! Diese Menschen vom anderen Planeten könnten ja empfindlich sein, dabei brauchen sie doch „unsere“ Hilfe! Der Appell offenbart aber auch einmal mehr, dass in der queer-feministischen Szene nicht wenige weiterhin davon ausgehen, in „queeren Räumen“ „unter sich“ zu sein – intergeschlechtliche Menschen halten sich ja schließlich nur in „intersexuellen Räumen“ auf?! Die affirmative Abgrenzung von „intersexuellen“ und „queeren Räumen“ ist undifferenziert und geschichtslos. Dabei findet die homogenisierende Darstellung der Positionen von Inter*-Organisationen ihr Gegenstück in der reduktiven Schilderung queer-feministischer Auseinandersetzungen mit der Inter*-Bewegung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Aktivitäten werden bislang immer nur von wenigen Menschen getragen, weshalb die politische Arbeit häufig stagniert. Zweifel entstehen daher an der Ernsthaftigkeit so mancher Solidaritätsbekundungen, die sich durch Aktionismus statt kontinuierliche Auseinandersetzung auszeichnen. Es drängt sich die Frage auf: Ist Intergeschlechtlichkeit immer nur so interessant, wie sie als angebliche terra incognita eine Neuentdeckung verheißt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1993 gründete sich in den USA die Intersex Society of North America (bestand bis 2008). In Deutschland entstand 1996 die Arbeitsgemeinschaft gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (inzwischen aufgelöst). 1998 organisierte sich die Selbsthilfegruppe XY-Frauen; aus ihr ging 2004 Intersexuelle Menschen e.V. hervor. 2003 entstand das weltweite Netzwerk Organisation Intersex International. Seit 2008 ist auch eine deutsche Sektion aktiv, die Internationale Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erstmals veröffentlichten 1990 Suzanne Kessler, Julia Epstein und 1993 Anne Fausto-Sterling feministisch-queere Kritiken der Intersex-Medizin; es folgten viele weitere Publikationen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Deutschland begann die politische Zusammenarbeit 1996 mit der Gründung der AGGPG. Es gab zum Beispiel gemeinsame Proteste anlässlich von Mediziner-Kongressen sowie öffentliche Veranstaltungen. Beteiligt an solchen Aktionen waren unter anderem die AG Polymorph, AG Gender killer, AG TransInterGenderSex, AG 1-0-1 intersex (2005 mit der Ausstellung 1-0-1 intersex. Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung) und TransInterQueer e.V.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/queerfeminismus">Queerfeminismus</category>
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 <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 18:59:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Getting Rid of the Straight Taste</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/getting-rid-of-the-straight-taste</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;In early 2010, a &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;queer  feminist work group&lt;/a&gt; formed  within FelS. No retreat of queer and feminist approaches to  niches, no  uninspired lingering in academia, no professional perishing  in gender  mainstreaming. Instead, we are preparing ourselves for a  vibrant,  broad, anti-capitalist queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our experience shows us that gender relations tend  to be considered as a transversal issue. However, in specific struggles they  are too often neglected. This is why we see  queer feminism as a  political field with its own practices that we want  to explore, rework  and reinvent. So we are at our beginning, but we  are not dealing with a  tabula rasa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This  collage is an attempt to get to know queer  feminism. We contacted queer  and feminist collectives in different  parts of the world in order to  hear about their struggles and political  practices, and to establish a  network between them and us. We sent a  questionnaire to collectives in  Istanbul, St. Petersburg, Jakarta,  Belgrade, Paris and Berlin. You can  read the full answers here. There  is also a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;go to the short version in German&quot;&gt;short&lt;/a&gt; and a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;go to the long version in German&quot;&gt;long&lt;/a&gt; version in German.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;In early 2010, a &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;queer  feminist work group&lt;/a&gt; formed  within FelS. No retreat of queer and feminist approaches to niches, no  uninspired lingering in academia, no professional perishing in gender  mainstreaming. Instead, we are preparing ourselves for a vibrant, broad,  anti-capitalist queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our experience shows us that gender relations tend  to be considered as a transversal issue. However, in specific struggles they are too often neglected. This is why we see  queer feminism as a political field with its own practices that we want  to explore, rework and reinvent. So we are at our beginning, but we are  not dealing with a tabula rasa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This collage is an attempt to get to know queer  feminism. We contacted queer and feminist collectives in different parts  of the world in order to hear about their struggles and political  practices, and to establish a network between them and us. We sent a  questionnaire to collectives in Istanbul, St. Petersburg, Jakarta,  Belgrade, Paris and Berlin. You can read the full answers here. There is  also a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;go to the short version in German&quot;&gt;short&lt;/a&gt; and a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;go to the long version in German&quot;&gt;long&lt;/a&gt; version in German.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;What are your roots?  Which social struggles is  your work based on?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; There is no struggle in my roots. There wasn’t  any opposition or social struggle in my family and in my past. When I  was 27, I joined a feminist organization for the first time, because I  wanted to. I’m still a member of that organization today, I question  patriarchy, and I try to build freedom for myself.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; The Panthères Roses formed in 2002, when &lt;em&gt;Le  Pen&lt;/em&gt; reached the second round of the presidential elections. A new  right-wing movement established itself, and they are still ruling – they  are rigorous, they push security politics and populism onto the agenda,  and they act very aggressively against individual freedoms and  progressive achievements in society. At that moment, we saw the need for  a collective that is located at the point of intersection between the  LGBT&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_qogdly3&quot; title=&quot;L = lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender /  transsexual, I = intersexual, Q = queer&quot; href=&quot;#footnote1_qogdly3&quot;&gt;1&lt;/a&gt; movement and social  movements. Even if we don’t claim roots (because that sounds biologistic  and monocausal to our ears), we can say that we didn’t come out of  nowhere. Our work can be inscribed into LGBT struggles, and we relate to  radical lesbian politics (Monique Wittig), feminist materialism,  anti-racism and anti-capitalism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; First and foremost, we are a radical queer  group fighting for a community that is based on self-definition and  inclusivity. We oppose the traditional heteronormative patriarchal  norms, which cannot be questioned without addressing different forms of  oppression and structures in society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The members of QueerBeograd come from different  (class/political/cultural) backgrounds, but we are all deeply rooted in a  feminist, anti-authoritarian, anti-capitalist movement, and being queer  is determining and influencing the way we work politically. Some of us  are artists and cultural activists, some have been engaged in  anti-fascist or anti-racist structures for a long time, and others are  part of local LGBT and feminist associations.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;On that basis, we connect our work to different  struggles and collaborate with groups who address these topics, such as  LGBT groups, feminist groups, no border groups, anti-racist,  anti-fascist or anti-capitalist collectives.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our work includes expressions of solidarity,  collaborations for campaigns or specific projects, exchanging and  mutually influencing our political views, and providing financial  support.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; I grew up in the USSR and was a teenager  during the Perestroika period. I saw my parents struggle, lose their  jobs, their identity, their friends and their position in society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; La Barbe’s approach is inspired by Wittig’s  and Delphy’s texts, by movements such as the &lt;em&gt;MLF&lt;/em&gt; [&lt;em&gt;Mouvement de la libération des femmes&lt;/em&gt;, Women’s Lib], of course, also by lesbian  collectives such as the &lt;em&gt;Lesbian  Avengers&lt;/em&gt;, political  collectives such as the &lt;em&gt;Billionaires  for Bush&lt;/em&gt;, artist groups such  as the &lt;em&gt;Guerilla Girls&lt;/em&gt;, and primarily, by political groups. &lt;em&gt;La  Barbe&lt;/em&gt;’s founders come from the &lt;em&gt;Act Up Paris&lt;/em&gt; collective. We link to a threefold heritage: feminist, lesbian and  artist. We see ourselves as positioned in the center of the scene, where  sometimes the ‚traditional’ feminists of the &lt;em&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/em&gt; are opposed to groups of the queer movement.  Plus: we like to claim that we symbolically have sprung from the womb of  Eric Zemmour – homophobic, sexist, racist, and proud of it all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; We build our work on the struggle for the  recognition of the inviolability of persons. The state should not be  allowed to regulate private issues, and to tell people what to do and  what not to do, as long as their actions do not violate other persons’  rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Lambda activists define themselves as  feminists and anti-militarists. The LGBT movement and the feminist  movement were very closely connected from the start. Concerning  anti-militarism, Lambda is in close contact with the conscientious  objection movement. We have a very active member who was a conscientious  objector, and who is gay. He spent a year in prison and was tortured.  Moreover, Lambda defines itself as a non-violent group, i.e. our  practices are non-violent. For example, we support the Kurdish movement,  but not the guerrilla. The Kurdish movement is the only movement that  supports LGBT politics and positions, just as the Kurdish party is the  only party in the parliament who does that.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We build our work on some (non-essentialist)  feminist, queer, anti-sexist, anti-racist, post-colonial,  anti-capitalist struggles.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; We are part of the queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;In what structural  conditions are you working? And how did neoliberalism and the global  crises affect these conditions?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; What? I don’t get the question.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan: &lt;/strong&gt;The context in which we are working is shaped  by the rise of islamic fundamentalism in Indonesia, though there are big  regional differences within the country. Queer and LGBT groups are not  illegal, but they are also not officially legitimized by the government.  Recently, there were open aggressions against different LGBT  minorities, for example during a conference that we organized in spring  2010. This had a huge impact on the work done by the organization, and  also on LGBT people, who don’t feel safe anymore. In 2008, the  Indonesian government enacted an anti-pornography law which stipulates,  among other things, that any publication about homosexuality is illegal,  because they consider homosexuality to be a bestiality, a form of  sexual deviance. Moreover, there are official local regulations in some  Indonesian provinces which are discriminatory against LGBT people. For  example in Palembang, South Sumatra, prostitution is illegal, and the  law says that LGBT people are prostitutes; so they are criminalized. At  the same time, it is important for us to be involved in  anti-islamophobic actions, and we support campaigns against  islamophobia, since we believe that it isn’t “the” Islam which is  responsible for the increasing aggression against queer people.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; Neoliberalism has a negative impact on us. It  leads to an inflation of concepts. The global crisis and neoliberalism  lead to a situation where we don’t make our projects a reality, where  our progress is very slow, and where a lot less people have to do a lot  more work. This makes us more and more tired.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; The Panthères  Roses are a registered  association, which means that we can announce demonstrations. We try to  function as horizontally as possible. We don’t have a president or a  board, but instead we take decisions as a collective in our weekly  public meetings. We are independent and don’t receive any financial  aids. We get the money that we need by selling stickers or t-shirts, or  by organizing solidarity fundraising events.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Concerning the effects of neoliberalism, many of us  have to work more and more, and are earning less and less. The rents are  totally overpriced. It is hard to find the time and the motivation for  political activism. Our context is a French neoliberalism that is  steered by a rather right-wing government who force their political  agenda on us. In Paris, there’s only a few of us who are organized, and  there are very few autonomous spaces. Homophobia, lesbophobia and  transphobia are strong here. Currently, the catholics are particularly  aggressive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; The group was founded in 2005, that is, in a  period when Serbia still hadn’t economically recovered from the  consequences of what happened in the 1990’s. The majority of the Serbian  population lives in precarious economic circumstances. That is also the  case with most of our members. This is a very decisive fact, because it  determines who can actually afford to be politically active. We are  continuously debating this. From our feminist perspective, we try to  create conditions where persons are paid for their work. We also try to  prevent exclusion based on economic reasons, which is why we give  financial support to the participants of our festival (traveling  expenses, accommodation).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A huge part of the work that LGBT and feminist  groups in Serbia are doing is funded by international donors. It’s very  important to have a financial support structure. Otherwise, a huge  amount of important political work would be impossible in the Balkan  region.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The crisis aggravated the already precarious social  situation of the country.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In our own practice, we apply for funds only  from sources that we deem  to be ethical – we check where such funds come from, and we are equally  grateful for any support by queer grassroots solidarity fundraising. All  of our members have been working as volunteers for years, which affects  our everyday life and adds to our precarious working and living  situation. We try to switch to a more sustainable form of action – for  personal reasons, but also in order to maintain our political activity  in the long run.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Having said this, our very independent form of  political practice means that we are pretty free to build our own  activity and politics agenda, and that we have the liberty to refuse the  influence of funding organisations so that we can maintain an  autonomous perspective.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; We live in a society that is strongly  dependent on our government’s despotism. The government’s administrative  decisions are unpredictable and intransparent. It’s often useless to  try to inform police and other state employees about the film festival  via negotiations and discussions, and to create an open debate. For  instance, the Archangelsk municipal authorities assured us that the  festival is OK, and that the government wouldn’t act against it. 30  minutes later, some festival venues cancelled – because police officers  had come to the clubs and threatened to impose administrative sanctions.  The media are controlled and censored, especially television. The  social majority is passive, intimidated and focused on consumption, and  doesn’t believe that change for the better is possible here. They aren’t  informed about the real situation and the violation of human rights in  this country. The increasing attempts of the orthodox church to gain  influence are another reason why it’s hard for us to do our work.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; I think a  lot of things are linked to the economic situation within a country.   Everyone has to keep their business going on. One example in Turkey is  the army. Turkey is the biggest buyer of guns made in Germany. This is  the reason why the war in Turkey between the Turkish army and the  Kurdish minorities has to go on. And this is what we have to see: It’s  the system that is violent. And under the conditions of neoliberalism,  this is not changing for the better at all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We work in the following structural  conditions: capitalism, racism, sexism, gender relations and  heteronormativity, homophobia, transphobia, nation state setting and  nationalism, postcolonialism, post-fascist Germany, anti-semitism,  ableism and other power structures that we consider to be very entangled  with each other. We continuously have to organize financial means to  keep the infoshop alive. As individuals, we are in the privileged  position to actually be able to do self-organized politics; however,  this position is constantly threatened, because of the necessity to sell  our own labor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; The answer to that question would absorb the  entire article.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;How do you use “We” when you  speak? For whom are you speaking?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; “We” are young queer and lesbian feminist women.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; For me, the word “we”  stands for all oppressed persons. I don’t only consider women to be a  subject of feminism. “We” is all the oppressed, the discriminated, the  victims of violence. “We” represents those who are against the ruling  powers. Identities are transformable, we have multiplex identities. Some  of these identities can also represent power, and at the same time we  can be oppressed with one of our other identities. Feminism, and  different feminisms, can be very enriching in many respects.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Identity politics are a complex field. I am  against any victimization of identity. For example, people from  countries in the so-called West often ask us how it is to be gay in a  muslim country. I ask back: “Well, how is it to be gay in a catholic  country?” Attempts to victimize our identity and to stabilize the  hierarchy between ‘western’ and muslim countries are colonial. But  sometimes, identity can be very important, especially when somebody  tells you that your identity doesn’t exist at all, or that it is sick.  Of course then I will speak up and say, “I am trans”, and I stand by my  identity. At the same time, we say, “We are Kurdish”, “We are Armenian”.  Many Kurdish LGBTs give up their LGBT identity because they fight for  their Kurdish identity. The domestic violence that many Kurdish women  experience within their families is another example. They don’t talk  about it – in light of the violence by the Turkish state that they  experience, they don’t see domestic violence as violence. For them, it’s  more important to fight for Kurdish independence and for their rights  as Kurdish persons. This is why it can be important to make identities  visible and to defend them, if they aren’t taken into account or  ignored. But at the same time, it’s very important to not exclude other  identities.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; There’s a queer theorist in Sidney called Linnell  Secomb, who says about  queer: “Queer is not an identity category, it’s a process of the  continuous disruption of any notion of there being a norm.” In this  sense, our „we“ includes not only LGBTIQ&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;, but people who question structures of  society, the categorization and the discrimination against people based  on the hierarchy of categories.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; The LGBT community, representants of the  Russian civil society and citizens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We use “we” only when we speak about the  infoshop’s organizing committee. We think it’s problematic to construct a  categorial “we”, because this means that some people will be included  into a collective “we” without being asked if they want to (“we the  women”, for example), while others will be excluded. We reject the  concept of paternalistically speaking for others, but of course, our  claims point to the transformation of the overall conditions in this  society (and other societies). In doing this, we try to be undogmatic  and self-reflexive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; We are a non-mixed lesbian, trans and gay  collective, and we don’t want to “speak in the name of x”. Our  identities as lesbians, trans* and gays are one of our starting points,  but not the only one. We don’t feel it’s our vocation to represent all  LGBTs. We don’t agree with a part of the LGBT community and of feminist  collectives in France, and in these contexts, our positions are  minoritarian. We oppose the instrumentalization of feminism for racist  aims. This became obvious in the debates around the law concerning the  burka and the headscarf, in the discussion regarding the French army’s  intervention in order to “liberate” Afghan women, and in the general  stigmatization of the poor project suburbs and the migrants who live  there, and who are said to be primarily responsible for sexism and  homophobia in France. Another point where we are different from other  collectives is our position regarding the struggles of sex workers. Some  mainstream feminists claim abolitionist positions, which leads to the  exclusion of feminist sex workers from demonstrations. Moreover, the  essentialist feminists don’t acknowledge trans* persons’ claims.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; Sometimes, “we” refers to my friends and me,  sometimes to all those who are fighting on our side of the barricades.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; We speak for the women – “the women” as a  category that was produced through the oppression by men, as a category  that will live on as long as its oppression, which is why we aspire for  it to disappear. Until then, we’ll speak for women – with beards. “We”  are those women who are willing to fight for the “people of the women”  and to make fun of women’s situation at the same time, just like we make  fun of the attributes of – male – power.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Where do you want to push  the boundaries of the political? Which struggles do you want to make  visible?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; I am intrigued by debates on identity  politics.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; To  abolish heterosexual taste? This year we participated in our own way in  the debate on national identity. We puked in front of Eric Besson,  Minister of &#039;Immigration, Integration, National Identity and  Mutually-Supportive Development.&#039; We disrupted events with Christine  Botin (a catholic homophobe who has been ranting and raving for years)  and demanded that she shut up and quit speaking on our behalf. We  participated in &lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the Existrans  website&quot;&gt;&lt;em&gt;Existrans&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, a demonstration by trans people and  their supporters. We marched on March 8, May 1, December 1 (World AIDS  Day), and at Sans-Papiers demonstrations. Usually we participate as part  of the pink block, thus gaining visibility as trans, lesbian, and gay  in social movements predominantly concerned with social cuts (retirement  pay, health care, education, etc). We want to bring pleasure to these  demonstrations, where there is usually way too much heterosexism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; I&#039;m not sure I understand the question. For  me, politics comprises the private and the public, the local and the  global domain, that is: everything. Thus, politics, as I see it, has no  limits. I engage in a collective struggle in several areas: I support  and unite with those who fight against capitalism, sexism, violence,  war, and heterosexism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Sexuality is political in a society that  distinguishes correct and legit sexuality from wrong, criminal or  perverse sexuality. As long as homosexuality and bisexuality are not  &#039;normal&#039; and not protected by the state, sexuality and gender identity  are political and will remain part of the struggle for equal rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi  Perempuan:&lt;/strong&gt; Our work builds on queer feminist ideas and  aims at the empowerment of young lesbian women. The first step was to  create a safe space for young lesbians in Jakarta. Due to the existing  norms, culture, and religion, lesbians in general are stigmatized as  sinners. Such conditions hinder them from coming out and sharing their  problems, feelings, and concerns. Our initiative started with a mailing  list, which gave young lesbians access to important information on  reproductive rights, psychological support, and their political and  social rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The work of the institute starts from the assumption  that young lesbians can and should be actively involved in the struggle  for the rights of sexual minorities. We think that young people are the  people of the future and because of that it is very important to  empower them for the future of activism. The Institute&#039;s approach is  EduFunTainment (education, fun and entertainment): We organize sport  events, such as boxing and dancing clubs. Members of the Institute  Pelangi Perempuan frequently have not been politically active before.  Therefore, a language aimed at young people is used since we think it is  important to present politics as cool in order to introduce young  people to it.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A special activity is the &lt;em&gt;lez skul&lt;/em&gt; on the  weekends, where young lesbian women learn about gender, feminism, and  LGBT issues. For this, we collaborate with the Gender and Sexuality  Department of the University of Indonesia, with some feminist activists,  and different transgender groups in Jakarta.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Our main aim is to denounce the dominance of  men over women in all aspects of society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our second aim is to claim some of the political,  artistic, media, and economic power – in the name of some absurd  principle of justice, and because power will simply go on doing what it  does until you grab hold of it.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our third aim is to question gender categories, which  are always repressive. Some facial hair and – Oops! – you&#039;re in  command? If that is so, we want to grow beards and join the club.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our fourth aim is to laugh about all this, about the  categories, the prominent men, and about their world. We want to make  visible &#039;man&#039; as a category, with all the clubs and privileges that  entails.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;We fight for women, but women are not our concern. We  aim our feminist gaze at men, at their privileges, their love of  co-optation, their reclusiveness, their perpetual self-appraisal, their  contempt for the rest of the world, and at their power, which must be  wrested from them. If as a result of this fight people realize that men –  white, rich, healthy men – rule the world, and if this realization in  turn unhinges the categories, that would be fantastic.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Everything is political!!!!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd: &lt;/strong&gt;Globally we can see that women, the poor, but  also queers are usually affected most by political conflicts and crises  (environmental, resources, education, etc). The struggles by minorities,  by the unheard and unwanted are always struggles for solidarity and an  inclusive society. We are part of these struggles and support them.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;We have a comprehensive view of human rights. We  try to respect all human rights without hierachizing them. However, what  often happens in activist work – and I really find this disturbing – is  that people come up with a list and define themselves as antiracist,  antisexist, anticapitalist, anti-this and anti-that, without having the  faintest clue as to what all this stands for. It&#039;s like a dresscode to  them. We rather try and put all these issues on our agenda, in our  everyday political work.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Which networks do you work  with?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok: &lt;/strong&gt;We work with local and international  LGBT networks, human rights networks, and film festival networks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Feminist, queer, and political  networks, as well as those created all around us through our various  repeated attacks. These days we no longer need to fish around for our  targets – women approach us and request our interventions in their  spaces.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi: &lt;/strong&gt;We are in contact with organized and  autonomous feminists, organized LGBTT&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&amp;nbsp; groups,  autonomous lesbian groups, anti-militarists, pro-feminist men, queer  groups, the Kurdish women&#039;s movement, environmental groups, human rights  groups, conscientious objectors, and similar networks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.: &lt;/strong&gt;For us, our info shop is a networking  space.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;We are mainly connected with queer,  feminist, and anti-sexist individuals, initiatives, information centers,  and alliances. Additionally, we work with non-commercial collectives.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi  Perempuan:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Locally, we work with various feminist  groups. We are also part of the Indonesian young feminist network and  the Indonesian LGBT forum. These organizations are in close contact with  different human rights groups and feminist groups in other Muslim  countries. IPP is also part of &lt;a href=&quot;http://www.iglyo.com&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the IGLYO  website&quot;&gt;IGLYO&lt;/a&gt; (International LGBTIQ youth organization) and &lt;a href=&quot;http://ilga.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the ILGA website&quot;&gt;ILGA&lt;/a&gt; (International LGBTIQ Association),  and the Executive Director of Institut Pelangi Perempuan is one of the  board members of ILGA Asia.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; &lt;a href=&quot;http://www.chtodelat.org&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the website  of Chto Delat&quot;&gt;Chto Delat&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://streetuniver.narod.ru&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the  website of Street University&quot;&gt;Street University&lt;/a&gt;, Blue Spot  Amsterdam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses: &lt;/strong&gt;Feminists, social movements, the  radical left, the anarchist movement, the &lt;a href=&quot;http://www.ueeh.net&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the UEEH website&quot;&gt;UEEH&lt;/a&gt; (the Euro-Mediterranean Summer University of Homosexualities, taking  place in Marseille each year), we don&#039;t like working alone! We regularly  participate in networks and collectives. Right now, we are part of &lt;a href=&quot;http://www.egalitedesdroits.fr&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the  website of Égalité des Droits&quot;&gt;&lt;em&gt;Égalité  des Droits&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, a network dedicated to legal  equality for lesbians, trans and gay people. In France, approximately 40  groups are&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;part of &lt;em&gt;Égalité des Droits.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;We have close ties to other social  movements. Lambda volunteers are usually engaged in further political  work: in anarchist groups, in women&#039;s collectives, in the environmental  movement… Our cultural center is used by other groups for meetings.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Queer Beograd: &lt;/strong&gt;We work with different feminist, LGBT,  anti-fascist, no-border, antiracist and artist networks, both  regionally and internationally. In general we consider alliances and  co-operations as crucial to emancipative work. In order not to stay in a  box, we try to keep an open mind for different groups and issues.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;What will have changed in  ten years concerning gender norms and hierarchies? What do you hope for?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi: &lt;/strong&gt;I hope that 10 years from now my  country will be less violent and that it will have come closer to  achieving peace. I hope that femicide and hate crimes will be reduced,  and that women and LGBTT people will have equal rights. I hope I will  live in a society that does not constantly remind me that I am  woman-lesbian-trans-kurdish-disabled-etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; The label &#039;feminist&#039; will be a sign of pride  once again. It will be cool to have hairy legs, to be a &#039;frustrated  lesbian&#039; and burn bras. Everyday sexism will decline and make room for  lesbians, gays, and all BTIs&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;. Women will be confident and pursue their aims  with determination while society respects them. Men will question their  privileges, and sex characteristics will lose their hallowed status.  Movements will spring from everywhere, protesting legal and factual  inequalities as well as the gender categories that perpetuate them.  Institutions and social and professional structures will change  drastically and open up new possibilities for women, trans people,  people of color, and for everyone who does not fit the norm, new modes  of being and interacting.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;I think, we won’t be able to stop homophobia  within the next ten or fifteen years. But what’s really important is to  find allies and to support each other.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Make love – make riots!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; That&#039;s a difficult question. Building  communities and networks is a long-term project and sometimes painfully  slow. Shifting gender norms and hierachies – changing the heterosexual  matrix – takes even longer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;But looking at changes in the Serbian discourse on  queer people and their rights since we started the group five years ago,  we can see how much impact grassroots work has. It&#039;s empowering to see  that groups or communities are very powerful when they stick to their  radical politics and direct action (in all their diversity).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;If in 10 years queer kids in the Balkans can come  out unafraid and without being considered sick by the majority of  society, that is something to fight and hope for.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This year, despite fascist threats, the first  Belgrade Pride since 2001 took place. Hopefully in 2020 we will  celebrate its 10th anniversary.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok: &lt;/strong&gt;We hope that homophobia and transphobia will  decline or even vanish – in Russian and globally; that women will have  equal rights; that people will be able to live their identities and  still be accepted; that the value of human life will be respected in  Russia and elsewhere; that there will be less violence and more  dialogue; that the state will serve the people and not the other way  around.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO: &lt;/strong&gt;I  hope that women will be more like sisters to each other. I hope that  they stop killing gay and lesbian people in my country. I hope that  queers, migrants, women, disabled people, and the unemployed will come  together and create a revolution against neoliberal, postindustrial,  postfordist capitalism. Stop artificial alienation from each other!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; It  is hard to say what will have changed in ten years, because the  situation in Indonesia constantly changes, and very rapidly so. Much  depends on what government Indonesia will have then. First of all, we  hope and fight for better protection for LGBT people. We hope for a  government that clearly commits to the protection of queer and LGBT  minorities. Our goal is to fight for a heterogeneous and pluralist  country, which condemns all forms of discrimination against LGBT and  other minorities.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; We would love to be able to say that by 2020  gender and male dominance have been abolished, but… &lt;em&gt;la panthère&lt;/em&gt; never dreams, she attacks!&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_qogdly3&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_qogdly3&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender /  transsexual, I = intersexual, Q = queer&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Sat, 25 Dec 2010 14:10:05 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? (Langversion)</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in   Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder   des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir   Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische   queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar    häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der    konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.    Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen    Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu    erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren    Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit    queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in    Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken    zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander   zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,   St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt. &lt;span&gt;Die Antworten könnt ihr hier in voller Länge lesen!&lt;/span&gt; Die &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;zur Kurzversion&quot;&gt;gekürzte Druck-Version&lt;/a&gt; sowie eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in   Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder   des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir   Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische   queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar    häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der    konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.    Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen    Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu    erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren    Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit    queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in    Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken    zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander   zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,   St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt. &lt;span&gt;Die Antworten könnt ihr hier in voller Länge lesen!&lt;/span&gt; Die &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;zur Kurzversion&quot;&gt;gekürzte Druck-Version&lt;/a&gt; sowie eine&amp;nbsp;&lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Was sind eure Wurzeln? An welche sozialen Kämpfe knüpft ihr an?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; In meinen Wurzeln gibt es keinen Kampf. In meiner Familie und in meiner Vergangenheit gab es weder eine Opposition noch einen sozialen Kampf. Mit 27 bin ich zum ersten Mal aus eigenem Willen einer feministischen Organisation beigetreten. Ich befinde mich heute immer noch in derselben Organisation, hinterfrage das Patriarchat und versuche, mir meine Freiheit aufzubauen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Panthères Roses sind 2002 gegründet worden. Le Pen ist damals in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen gelangt. Eine neue Rechte tauchte auf, die uns bis heute regiert – hart, mit Sicherheitspolitik und Populismus auf dem Programm und sehr offensiv gegen persönliche Freiheiten und soziale Errungenschaften agierend. Zu diesem Zeitpunkt sahen wir die Notwendigkeit, eine Gruppe zu gründen, die sich an der Schnittstelle von LGBT&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_33ieals&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer&quot; href=&quot;#footnote1_33ieals&quot;&gt;1&lt;/a&gt;-Bewegung und sozialen Bewegungen befindet. Auch wenn wir keine Wurzeln einfordern (Wurzeln hören sich ein bisschen zu biologistisch und monokausal an): Wir kommen nicht von nirgendwo her, unsere Aktionen schreiben sich in die Kämpfe von LGBT ein, wir beziehen uns auf radikalen Lesbianismus (Monique Wittig), feministischen Materialismus, Antirassismus und Antikapitalismus. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;In erster Linie sind wir eine radikale Queer-Gruppe, die für ein Zusammenleben auf Grundlage von Selbstdefinition und Einschluss kämpft. Wir richten uns gegen die traditionellen heteronormativen und patriarchalen Normen, was voraussetzt, dass auch andere Unterdrückungsformen und Strukturen der Gesellschaft thematisiert werden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Mitglieder von QueerBeograd haben unterschiedliche (politische/kulturelle/Klassen-) Hintergründe, aber wir sind alle tief in der feministischen antiautoritären antikapitalistischen Bewegung verwurzelt; dass wir queer sind, bestimmt/beeinflusst die Weise, wie wir Politik machen. Einige von uns sind Künstler_innen oder kulturell tätig, einige sind seit langem in antifaschistischen oder antirassistischen Strukturen aktiv und andere sind in lokalen feministischen und LBGT-Gruppen organisiert.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dadurch sind wir mit verschiedenen anderen Kämpfen verbunden und arbeiten mit LGBT-Gruppen, feministischen Gruppen, No-Border-Gruppen, antirassistischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Gruppen zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Unsere Zusammenarbeit reicht vom Solidarisieren über gemeinsame Kampagnen oder Projekte bis zum Austausch über unsere politischen Ansichten und finanzielle Unterstützung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich bin in der UdSSR aufgewachsen und habe meine Jugend während der Zeit der Perestroika verbracht. Ich habe erlebt, wie meine Eltern kämpfen mussten, ihre Jobs, Identität, Freunde und gesellschaftliche Stellung verloren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;La Barbe&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; hat sich für ihren Ansatz inspirieren lassen durch die Texte von Delphy und Wittig, durch Bewegungen wie das MLF (&lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Mouvement de libération des femmes&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, &#039;Befreiungsbewegung der Frauen&#039;), natürlich durch lesbische Gruppen wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Lesbian Avengers&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, politische wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Billionaires for Bush&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, künstlerische wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Guerilla Girls&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und vor allem aktivistische - die Gründerinnen stammen aus der Gruppe &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Act Up Paris&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;. Wir berufen uns auf ein dreifaches Erbe: feministisch, lesbisch und künstlerisch. Wir verorten uns in der Mitte des Schießplatzes, auf dem sich mitunter die &#039;klassischen&#039; Feministinnen des &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und Gruppen aus der Queer-Bewegung gegenüber stehen. Im Übrigen legen wir Wert darauf, dass wir symbolisch dem Schoß von Eric Zemmour – homophob, sexistisch, rassistisch und stolz darauf – entsprungen sind. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir knüpfen an den Kampf für die Anerkennung der Unantastbarkeit des Menschen an: Der Staat darf nicht das Private reglementieren, dem Menschen diktieren, was er machen darf und soll und was nicht, solange sein Handeln die Rechte der anderen nicht verletzt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Bei Lambda definieren wir uns als Feminist_innen und Antimilitarist_innen. Die LGBT-Bewegung und die feministische Bewegung hatten von Anfang an sehr enge Verbindungen. Im Sinne des Antimilitarismus ist Lambda in engem Kontakt mit dem &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Conscientious Objection Movement&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; (Bewegung von Kriegsdienstverweigerern): Wir haben selbst ein sehr aktives Mitglied, das Kriegsdienstverweigerer war und schwul ist. Er war ein Jahr im Knast und wurde gefoltert. Außerdem definiert sich Lambda als gewaltlose Gruppe, das bedeutet Gewaltlosigkeit in der Praxis. Wir unterstützen zum Beispiel die kurdische Bewegung, aber nicht die Guerilla. Die kurdische Bewegung ist die einzige – wie auch die kurdische Partei im Parlament die einzige Partei ist –, die die Politik und Positionen der LGBT unterstützt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir knüpfen an einige (nicht-differenz-)feministische, queere, anti-sexistische, anti-rassistische, post-koloniale, anti-kapitalistische Kämpfe an. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir sind Teil der queer-feministischen Bewegung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeitet ihr? Und wie haben sich Neoliberalismus und die globalen Krisen auf diese ausgewirkt?&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Häh? Verstehe die Frage nicht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind aktuell von den aufstrebenden islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Indonesien geprägt, wobei es diesbezüglich starke regionale Unterschiede gibt. Seit einiger Zeit gibt es immer wieder offene Aggressionen und Angriffe auf LGBT-Gruppen, zum Beispiel auf einer Konferenz, die wir im März 2010 organisiert haben. Diese Vorfälle haben uns und unsere Arbeit sehr beeinflusst, weil wir uns nicht mehr sicher fühlen. Homosexualität gilt als sexuelle Störung und wird in vielen Regionen Indonesiens zunehmend kriminalisiert – und nicht nur von islamistischen Organisationen. Auch die indonesische Regierung erkennt queere Lebensformen und LGBT-Gruppen nicht offiziell an und diskriminiert sie in der Gesetzgebung. Im Jahr 2008 hat die indonesische Regierung ein Anti-Pornografie-Gesetz verabschiedet, das unter anderem die strafrechtliche Verfolgung jeglicher Veröffentlichungen zu queeren Themen und Homosexualität vorsieht.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gleichzeitig ist es uns wichtig, uns gegen Islamfeindlichkeit zu engagieren und entsprechende Kampagnen zu unterstützen, weil wir meinen, dass nicht „der“ Islam für die zunehmende Aggression gegen queere Menschen verantwortlich ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Der Neoliberalismus beeinflusst uns negativ, indem er die Begriffe inflationiert. Globale Krise und Neoliberalismus führen dazu, dass wir unsere Projekte nicht verwirklichen, dass wir sehr langsam vorankommen und dass wir mit sehr wenigen Menschen viel mehr Arbeit leisten müssten, so dass wir noch mehr ermüden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Panthères Roses&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; sind ein eingetragener Verein, dadurch können wir Demonstrationen anmelden. Wir versuchen, so horizontal wie möglich zu funktionieren, wir haben keine Vorsitzende oder keinen Vorstand, sondern entscheiden kollektiv in unseren öffentlichen wöchentlich stattfindenden Vollversammlungen. Wir sind unabhängig und erhalten keine Subventionen, wir beschaffen uns selbst die Kohle, die wir brauchen, indem wir Sticker oder T-Shirts verkaufen oder Soli-Events organisieren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Was die Effekte des Neoliberalismus betrifft: Viele von uns müssen immer mehr arbeiten und verdienen immer weniger, die Mieten sind völlig überteuert, es ist schwierig, die Zeit und den Willen für politischen Aktivismus zu finden. Der Kontext ist ein französischer Neoliberalismus, der von einer ziemlich extremen Rechten geführt wird, die uns ihre politische Agenda vorschreibt. In Paris sind wir nicht viele, die organisiert sind, und es gibt sehr wenige selbstbestimmte Orte. Homophobie, Lesbophobie und Transphobie sind ausgeprägt (momentan sind die Katholiken besonders aggressiv). &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Gruppe wurde 2005 gegründet, als sich Serbien infolge der 1990er Jahre immer noch in einer schwierigen ökonomischen Situation befand. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in prekären Verhältnissen, und das gilt auch für die meisten unserer Gruppenmitglieder. Das ist wichtig, weil von der finanziellen Situation abhängt, wer es sich überhaupt leisten kann, politisch aktiv zu sein. Das ist eine fortlaufende Diskussion. Von einem feministischen Standpunkt aus versuchen wir, Strukturen zu schaffen, in denen Arbeit bezahlt wird und Teilnehmer_innen unserer Festivals bei den Reisekosten und der Unterbringung unterstützt werden, weil sie sich die Teilnahme ohne finanzielle Unterstützung kaum leisten können.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein großer Teil der feministischen und LGBT-Gruppen in Serbien wird von internationalen Geldgebern finanziert. Ohne diese Unterstützung wäre ein großer Teil der politischen Arbeit auf dem Balkan nicht möglich. Die Krise hat die sowieso schon prekäre soziale Situation im Land noch verschärft.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir selbst beantragen Unterstützung nur bei Geldgebern, die wir als ethisch einschätzen. In gleichem Maße erhalten wir dankenswerte Unterstützung durch solidarische Graswurzel-Spendenaktionen. Unsere Mitglieder arbeiten seit Jahren ohne Bezahlung, was Auswirkungen auf unser alltägliches Leben mit der prekären Arbeits- und Wohnsituation hat. Wir bemühen uns, eine beständigere Praxis zu finden, aus persönlichen Gründen, aber auch, damit unsere Politik langfristig aufrecht erhalten werden kann.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dennoch sind wir durch unsere ziemlich unabhängige Praxis in der Lage gewesen, unsere eigene Aktivität und Politik zu entwickeln, den Einfluss von Geldgebern abzuwehren und eine autonome Perspektive zu bewahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir leben in einer Gesellschaft, die stark von der Willkür unserer Regierung abhängig ist. Die &lt;/span&gt;&lt;span&gt;administrativen Entscheidungen der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Regierung sind &lt;/span&gt;&lt;span&gt;unberechenbar und intransparent. So ist der Versuch oft müßig, Beamte in Verhandlungen und Gesprächen über das Filmfestival zu informieren und einen offenen Dialog zu schaffen. Zum Beispiel wurde uns in Archangelsk von der Stadtverwaltung versichert, dass das Festival ok sei und die Regierung nichts dagegen unternehmen werde. Eine halbe Stunde nach diesem Gespräch haben uns Spielorte abgesagt – weil Polizisten in die Clubs gekommen waren und ihnen mit administrativen Sanktionen gedroht haben. Die Medien werden kontrolliert und zensiert, besonders das Fernsehen. Es gibt eine &lt;/span&gt;&lt;span&gt;passive, konsumierende eingeschüchterte Mehrheit in der Gesellschaft, die nicht an die Möglichkeit positiver Veränderungen glaubt und nicht über die reale Situation und die Missachtung der Menschenrechte im Land informiert ist. Auch die zunehmenden Versuche der orthodoxen Kirche, Einfluss zu nehmen, tragen dazu bei, dass es nicht einfach für uns ist, unsere Arbeit zu machen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Vieles hängt mit der ökonomischen Situation eines Landes zusammen. Jedes Land muss die eigene Wirtschaft am Laufen halten. Ein Beispiel in der Türkei ist die Armee. Die Türkei ist der größte Abnehmer deutscher Waffen. Das ist ein Grund, weshalb der Krieg zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Minderheit weitergehen muss. Wir müssen einsehen, dass es das System ist, das gewalttätig ist. Und unter dem Neoliberalismus ist es nicht gerade besser geworden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir arbeiten unter folgenden strukturellen Bedingungen: Kapitalismus, Rassismus, Sexismus, Geschlechterverhältnis und Heteronormativität, Homophobie, Transphobie, Nationalstaatlichkeit und Nationalismus, Post-Kolonialismus, post-faschistisches Deutschland, Antisemitismus, Ableism, und andere Machtstrukturen, die unserer Ansicht nach eng miteinander verwoben sind. Für die Erhaltung des Infoladens müssen wir ständig finanzielle Mittel auftreiben. Als Individuen sind wir zwar in der privilegierten Position, selbstorganisierte Politik machen zu können, diese Position ist allerdings ständig durch den Zwang, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen, etc. bedroht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Zur Beantwortung dieser Frage wäre ein ganzer Artikel nötig …&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Wie benutzt ihr das &lt;/span&gt;‚&lt;span&gt;Wir&lt;/span&gt;‘&lt;span&gt;, wenn ihr sprecht? Für wen sprecht ihr?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;„Wir“ sind junge queere und lesbische feministische Frauen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Das Wort „Wir“ steht für mich für alle Unterdrückten. Ich sehe nicht nur die Frauen als ein Subjekt des Feminismus. „Wir“, das sind alle Unterdrückten, die Diskriminierten, die Gewaltopfer. Wer gegen die Macht ist, wird durch das „Wir“ symbolisiert … Identitäten sind veränderbar, wir haben multiplexe Identitäten. Einige von diesen Identitäten können auch die Macht symbolisieren und zugleich können wir mit einer anderen Identität aber auch unterdrückt werden. Feminismus und die verschiedenen Feminismen können in vieler Hinsicht eine Bereicherung darstellen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Identitätspolitik ist ein komplexes Feld. Ich bin gegen jegliche Viktimisierung von Identität: Beispielsweise werden wir oft von Leuten aus so genannten westlichen Ländern gefragt, wie es ist, in einem muslimischen Land schwul zu sein. Ich frage dann zurück: „Hm, wie ist es denn, in einem katholischen Land schwul zu sein?“ Versuche, unsere Identität zu viktimisieren und die Hierarchie zwischen &#039;westlichen&#039; und muslimischen Ländern zu stabilisieren, sind koloniale Verhaltensweisen. Aber manchmal kann Identität sehr wichtig sein, besonders wenn jemand dir erzählt, dass deine Identität gar nicht existiert oder krank ist. Da gehe ich natürlich hin und sage „ich bin trans“, und ich stehe zu dieser Identität. Gleichzeitig sagen wir „wir sind kurdisch“, „wir sind armenisch“. Viele kurdische LGBT-Menschen geben ihre LGBT-Identität auf, weil sie für ihre kurdische Identität kämpfen. Ein anderes Beispiel ist die häusliche Gewalt, die viele kurdische Frauen in ihren Familien erleben. Sie sprechen nicht darüber – sie betrachten sie nicht als Gewalt angesichts der Gewalt, die sie durch den türkischen Staat erfahren. Es ist für sie wichtiger, für die kurdische Unabhängigkeit zu kämpfen und für ihre Rechte als kurdische Menschen. Daher kann es, wenn Identitäten nicht gesehen oder ignoriert werden, wichtig sein, Identitäten sichtbar zu machen und zu verteidigen. Aber es ist sehr wichtig, gleichzeitig keine anderen Identitäten auszuschließen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Es gibt eine queere Theoretiker_in in Sydney, Linnell Secomb, die &#039;queer&#039; folgendermaßen definiert: „Queer ist keine Identitätskategorie, sondern das kontinuierliche Stören jeglicher Form von Normativität“. In diesem Sinne schließt unser &#039;Wir&#039; nicht nur LGBTIQ&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt; ein, sondern alle Menschen, die die hegemonialen Strukturen unserer Gesellschaft sowie die auf Hierarchien basierende Kategorisierung und Diskriminierung von Menschen in Frage stellen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Die LGBT-Community, Vertreter_innen der russischen Zivilgesellschaft und Bürger_innen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir benutzen das &#039;Wir&#039; nur für uns als Orga-Gruppe des Infoladens. Ein kategoriales &#039;Wir&#039; zu konstruieren finden wir problematisch, weil dadurch manche Menschen, ohne gefragt zu werden, in ein kollektives &#039;Wir&#039; (wie beispielsweise &#039;Wir Frauen&#039;) eingeschlossen werden, andere wiederum daraus ausgeschlossen werden. Ein paternalistisches Sprechen für andere lehnen wir ab, jedoch zielen unsere Forderungen selbstverständlich auf die Veränderung gesamtgesellschaftlicher Zustände. Dabei versuchen wir, undogmatisch und reflektiert zu bleiben. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir sind eine nicht-gemischte Lesben-, Trans- und Schwulen-Gruppe, und wir wollen nicht „im Namen von … sprechen“. Wir gehen von unseren Identitäten als Lesben, Trans und Schwule aus, aber nicht nur. Wir fühlen uns nicht berufen, alle LGBT zu repräsentieren. Wir sind mit einem Teil der LGBT-Community und feministischen Gruppen in Frankreich uneins, und unsere Positionen sind in diesen Zusammenhängen Minderheitenpositionen. Wir wenden uns gegen eine Instrumentalisierung des Feminismus für rassistische Ziele. Das hat sich bei den Debatten um die Gesetze zum Kopftuch und zur Burka gezeigt, bei der Diskussion über die Intervention der französischen Armee zur „Befreiung“ der afghanischen Frauen und bei der generalisierenden Stigmatisierung der Vororte und der dort lebenden Migrant_innen als diejenigen, die in erster Linie für Sexismus und Homophobie in Frankreich verantwortlich seien. Ein anderer Punkt, der uns von anderen Gruppen unterscheidet, ist unsere Position zu den Kämpfen von Huren. Einige &#039;Mainstream&#039;-Feminist_innen vertreten eine abolitionistische Position, die dazu führt, dass feministische Huren aus Demos ausgeschlossen werden. Die essentialistischen Feminist_innen erkennen außerdem die Forderungen von Trans nicht an. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Manchmal sind „wir“ meine Freund_innen und ich, manchmal alle, die auf unserer Seite der Barrikade kämpfen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir sprechen für die Frauen. Die Frauen als eine Kategorie, die der Unterdrückung durch die Männer entsprungen ist, eine Kategorie, die so lange fortbestehen wird wie ihre Unterdrückung und deren Verschwinden wir also anstreben … bis dahin sprechen wir durchaus für die Frauen … mit Bart. &#039;Wir&#039; sind jene Frauen, die bereit sind, für das &#039;Volk der Frauen&#039; zu kämpfen und sich zugleich über die Lage der Frauen (&lt;/span&gt;&lt;span&gt;la condition féminine&lt;/span&gt;&lt;span&gt;) lustig zu machen, so wie über die Attribute der – männlichen – Macht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Wo wollt ihr die Grenzen des Politischen verschieben? Welche Kämpfe wollt ihr sichtbar machen?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ich finde die Debatten über Identitätspolitik spannend.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? Dieses Jahr haben wir auf unsere Art an der Debatte zur „nationalen Identität“ teilgenommen, indem wir vor Eric Besson, Minister für „Immigration, Integration, nationale Identität und solidarische Entwicklung“, gekotzt haben. Wir haben eine Diskussionsveranstaltung mit Christine Botin (homophobe Katholikin, die seit Jahren wütet) gestört und sie aufgefordert zu schweigen und nicht mehr an unserer Stelle zu sprechen, wir waren bei &lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Existrans-Webseite&quot;&gt;Existrans&lt;/a&gt;&lt;span&gt; dabei, der Demo der Trans und derer, die sie unterstützen. Wir waren zum 8. März auf der Straße, am 1. Mai und am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, und bei Sans-Papiers-Demos. Wir gehen oft als Pink Block, was uns als Trans, Lesben und Schwule innerhalb großer Demos der sozialen Bewegungen sichtbar macht, die momentan besonders aktiv gegen die Angriffe auf das Sozialsystem (Renten, Gesundheitssystem, Bildung etc.) sind. Wir wollen es uns auch gut gehen lassen bei diesen Demos, in denen es oft zu viel heterosexistisches Verhalten gibt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ganz klar ist mir die Frage nicht. Politik beinhaltet für mich jedenfalls den privaten &lt;/span&gt;&lt;span&gt;und&lt;/span&gt;&lt;span&gt; den öffentlichen, den lokalen &lt;/span&gt;&lt;span&gt;und&lt;/span&gt;&lt;span&gt; den globalen Bereich, also alles. Daher hat die Politik, die ich mache, keine Grenzen. Ich führe einen kollektiven Kampf auf mehreren Plattformen: Ich solidarisiere und vereinige mich mit denjenigen, die gegen Kapitalismus, Sexismus, Gewalt, Krieg, Heterosexismus sind.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Sexualität wird politisch, wenn es in der Gesellschaft einerseits „richtige“ und „geschützte“ Sexualität gibt und andererseits „falsche“, „verbrecherische“, „perverse“ Sexualität. Solange Homo- und Bisexualität nicht „normal“ sind und vom Staat nicht geschützt werden, bleibt das Thema der Sexualität und der Gender-Identität politisch und ein Teil des Kampfes für gleiche Rechte und für den Schutz vor Diskriminierung. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unsere Arbeit orientiert sich an queer-feministischen Ideen und hat das Empowerment junger lesbischer Frauen zum Ziel. Der erste Schritt unserer Politik bestand darin, einen sicheren Raum für junge lesbische Frauen in Jakarta zu gründen, denn nach den geltenden Normen und auf Grund von Kultur und Religion werden Lesben als Sünderinnen stigmatisiert. Diese Bedingungen hindern sie an ihrem Coming Out und daran, über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen. Unsere Initiative startete mit einer Mailingliste, die jungen lesbischen Frauen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffte, zum Beispiel über ihre sexuellen, sozialen und politischen Rechte sowie über psychologische Unterstützung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die grundlegende Annahme für unsere Arbeit lautet, dass junge Lesben aktiv in die Kämpfe um die Rechte sexueller Minderheiten involviert sein können und sollten. Und wir meinen, dass die jungen Leute die Menschen der Zukunft sind und es deshalb sehr wichtig ist, sie zu befähigen, politisch aktiv zu werden. Unser Ansatz ist &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;EduFunTainment&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; (Education, fun and entertainment): Wir organisieren Sport wie zum Beispiel Boxen, Tanzclubs und andere Veranstaltungen. Die Mitglieder des Instituts müssen vorher nicht politische aktiv gewesen sein, daher benutzen wir eine für Jugendliche zugängliche Sprache. Wir meinen, Politik muss cool sein, wenn junge Leute damit etwas anfangen können sollen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Eine besondere Aktivität ist die &lt;em&gt;lez skul&lt;/em&gt; an den Wochenenden. Dabei erfahren junge lesbische Frauen einiges über Feminismus und Gender- und LGBT-Themen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit der Fakultät Gender und Sexualität der Universität von Indonesien, einigen feministischen Aktivistinnen und verschiedenen Transgender-Gruppen in Jakarta zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unser Hauptziel lautet, ganz einfach die Herrschaft der Männer über die Frauen in allen Bereichen des Handelns anzuprangern. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das zweite Ziel besteht darin, nebenbei einen Teil der politischen, künstlerischen, medialen, finanziellen etc. Macht einzufordern – im Namen eines albernen Gerechtigkeitsprinzip, und weil die Macht so lange klarkommt, wie man sie nicht ergreift. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das dritte besteht darin, die Geschlechterkategorien und ihren grundlegend repressiven Charakter in Frage zu stellen. Ein paar Haare am Kinn und – hopp! – machst Du die anderen alle? Wenn das so aussieht, dann wollen wir uns gerne Bärte wachsen lassen und Teil des Clubs werden. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das vierte Ziel besteht darin, über all dies zu lachen, über die Kategorien, über die mächtigen Männer und über die Welten, die sie unter sich erschaffen haben. Die Kategorie &#039;Mann&#039; sichtbar zu machen mit ihren Clubs und ihrer Kultur des Prestiges etc. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir kämpfen für die Frauen, aber die Frauen und ihre Lage sind nicht unser Thema. Wir wollen den feministischen Blick auf die Männer lenken, auf ihre Privilegien, ihre Vorliebe für die Kooptation, ihr Unter-sich-Bleiben, ihre Fähigkeit sich selbst zu gratulieren, ihre Verachtung für den Rest der Welt und ihre Macht, die ihnen entrissen werden muss. Wenn die Menschen sich im Zuge dessen darüber klar werden, dass es Männer – weiße – reiche – gesunde – sind, die ihre Welt lenken, und daraus die Überwindung der entgegengesetzten Kategorien resultiert – um so besser.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Everything is political!!!!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Überall auf der Welt sehen wir, dass meist die Armen, Frauen und ebenso queere Menschen am stärksten von Konflikten und Krisen (der Umwelt, Ressourcen, Bildung...) betroffen sind. Die Kämpfe der Minderheiten, der nicht Gehörten und Unerwünschten sind immer Kämpfe für eine solidarische und einschließende Gesellschaft. Auch wir gehören dazu und unterstützen diese Kämpfe.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir haben ein sehr umfassendes Verständnis der Menschenrechte, wir versuchen alle Menschenrechte zu berücksichtigen und sie nicht unterschiedlich zu gewichten. Was wir in der Politik häufig beobachten können – ich finde das wirklich verstörend –, ist, dass Leute eine Liste erstellen und sich als antirassistisch, antisexistisch, antikapitalistisch und viele andere &#039;Anti&#039;s beschreiben, aber in Wirklichkeit keine Idee davon haben, was all diese &#039;Anti&#039;s bedeuten. Es ist eine Art Dresscode. Wir versuchen, diese Themen wirklich auf unsere Agenda zu setzen, in unserer täglichen politischen Arbeit.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Welche Netzwerke nutzt ihr?&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Wir nutzen lokale und internationale Netzwerke der LGBT-Community, von Menschenrechtsorganisationen und von Filmfestivals.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Feministische, queere, politische Netzwerke sowie diejenigen, die um uns herum durch unsere wiederholten Angriffe auf den gleichen Sektor entstehen. Heute müssen wir uns unsere Ziele nicht mehr selber suchen – die Frauen kommen selbst zu uns, um uns zu bitten, in ihrem Bereich zu intervenieren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir haben Kontakt zu organisierten Feministinnen, autonomen Feministinnen, organisierten LGBTT&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt;, autonomen lesbischen Gruppen, Anti-Militarist_innen, pro-feministischen Männern, queeren Gruppen, der kurdischen Frauenbewegung, der Umwelt-Bewegung, Menschenrechtsvertreter_innen, Kriegsdienstverweigerern und ähnlichen Netzwerken.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir verstehen den Infoladen als Ort der Vernetzung. Wir sind hauptsächlich mit queeren, feministischen, antisexistischen Einzelpersonen, Initiativen und Beratungsstellen vernetzt und in Bündnissen organisiert. Darüber hinaus arbeiten wir mit kollektiven und nicht-kommerziellen Gruppen zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Lokal arbeiten wir mit verschiedenen anderen feministischen Gruppen zusammen, außerdem sind wir Teil des Indonesischen Netzwerks junger Feministinnen und des Indonesischen LGBT-Forums. Sie stehen in engem Kontakt mit verschiedenen Menschenrechtsgruppen und feministischen Gruppen in anderen muslimischen Ländern. Institut Pelangi Perempuan ist auch Mitglied in der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.iglyo.com/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur IGLYO-Webseite&quot;&gt;IGLYO&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (Internationale LGBTIQ-Jugendorganisation) und der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://ilga.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur ILGA-Webseite&quot;&gt;ILGA&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (Internationale LGBTIQ-Vereinigung), und unser Institutsdirektor sitzt im Gremium der asiatischen Sektion der ILGA.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt; &lt;a href=&quot;http://www.chtodelat.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite von Chto Delat&quot;&gt;Chto Delat&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;, &lt;a href=&quot;http://streetuniver.narod.ru/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der Street University&quot;&gt;Street University&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;, Blue Spot Amsterdam.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Feminist_innen, soziale Bewegungen, die Linke der Linken, die anarchistische Bewegung, die &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.ueeh.net/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur UEEH-Webseite&quot;&gt;UEEH&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (euro-mediterrane Sommeruni der Homosexualitäten, die jeden Sommer in Marseille stattfindet) – wir arbeiten nicht gerne allein! Wir tun uns oft in Netzwerken oder Kollektiven mit anderen Gruppen zusammen. Momentan sind wir Teil des Netzwerks &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.egalitedesdroits.fr/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite von Égalité des Droits&quot;&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Égalité des Droits&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;span&gt; für Rechtsgleichheit von Lesben, Trans und Schwulen, darin organisieren sich etwa 40 Gruppen in Frankreich. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir haben enge Verbindungen zu anderen sozialen Bewegungen. Unsere Mitglieder sind meist auch noch in anderen politischen Gruppen aktiv, in anarchistischen Gruppen, in Frauenkollektiven, in der Umweltbewegung&lt;/span&gt;…&lt;span&gt; Andere Gruppen nutzen unser Kulturzentrum für ihre Treffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir arbeiten mit verschiedenen regionalen und internationalen feministischen Netzwerken, LGBT-Netzwerken, antifaschistischen und No-Border-Netzwerken sowie antirassistischen und Künstler-Netzwerken zusammen. Wir sehen Bündnisse und Kooperation als wesentlich für emanzipatorische Arbeit an. Um nicht in unseren Problemen verhaftet zu bleiben, versuchen wir, uns Offenheit für andere Gruppen und Themen zu bewahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Was sind eure Hoffnungen? Was wird sich in den nächsten zehn Jahren verändert haben?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ich wünsche mir, dass man sich in den kommenden 10 Jahren in meinem Land dem Frieden noch etwas nähert und sich von Gewalt entfernt, dass die Frauenmorde, Hassmorde abnehmen, dass die Frauen und LGBTT ihre Rechte erlangen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ich nicht mehr daran erinnert werde, dass ich Frau-Lesbe-Trans-Kurd_in-behindert etc. bin. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Dass die Bezeichnung &#039;Feministin&#039; wieder Anlass für Stolz wird, dass es wieder hip wird, Haare an den Beinen zu haben, &#039;frustrierte Lesbe&#039; zu sein und BHs zu verbrennen, und dass der ganz normale Sexismus zurückgeht, um Platz zu machen für die Lesben, die Schwulen und all die BTI&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt;. Dass Frauen selbstsicher werden und ihre eigenen Ziele verfolgen, dass die Gesellschaft sie respektiert und ihnen Raum lässt. Dass die Männer ihre Privilegien in Frage stellen und dass die Geschlechtsattribute ihren Heiligenstatus verlieren. Dass überall Bewegungen entstehen, die gegen die rechtlichen und faktischen Ungleichheiten protestieren sowie gegen die Geschlechterkategorien, die diese fortbestehen lassen. Dass sich die Zusammensetzung der Institutionen, der sozialen und beruflichen Strukturen massiv verändert und damit für Frauen, für Trans-Menschen, für &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Persons of Color&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und für alle, die nicht in die Norm passen, neue Möglichkeiten entstehen, neue Weisen des Seins und des Miteinander-Umgehens. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich denke, wir werden nicht in der Lage sein, Homophobie innerhalb der nächsten zehn oder fünfzehn Jahren zu stoppen. Aber es ist sehr wichtig, sich zusammen zu schließen und sich gegenseitig zu unterstützen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Make love - make riots!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Das ist eine schwierige Frage. &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Communities&lt;/span&gt;&lt;span&gt; und Netzwerke aufzubauen dauert lange. Gendernormen und -hierarchien zu verschieben – die heterosexuelle Matrix zu verändern – dauert noch länger.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Doch der Diskurs in der serbischen Gesellschaft über queere Menschen und ihre Rechte hat sich deutlich gewandelt, seit wir die Gruppe vor fünf Jahren gegründet haben. Dies zeigt, wie wirkungsvoll Graswurzelarbeit sein kann. Es ist vielversprechend und macht Mut, dass Gruppen oder &lt;/span&gt;&lt;span&gt;communities&lt;/span&gt;&lt;span&gt; sehr machtvoll sein können, wenn sie ihre radikale Politik und direkten Aktionen (in aller Vielfalt) weiterverfolgen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wenn in zehn Jahren queere Kinder auf dem Balkan ohne Angst ihr Coming-out haben können, ohne von der Mehrheit der Bevölkerung als krank angesehen zu werden, dann ist es das wert, dafür zu kämpfen und darauf zu hoffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;In diesem Jahr findet die erste Pride-Parade in Belgrad seit 2001 statt, ohne dass sie wegen faschistischer Drohungen abgesagt werden muss. Vielleicht können wir 2020 den zehnten Geburtstag feiern.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unsere Hoffnungen sind, dass Homophobie und Transphobie nachlassen oder gar verschwinden – in Russland und international. Dass Frauen die gleichen Möglichkeiten und Rechte genießen können. Dass Menschen ihre Identitäten frei ausleben können und alle Identitäten akzeptiert werden. Dass in Russland und international der Wert des menschlichen Lebens größer wird. Dass es weniger Gewalt gibt und Menschen es schaffen, sich durch Worte zu verständigen. Dass der Staat der Gesellschaft dient und nicht andersherum.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich hoffe, dass Frauen mehr wie Schwestern zueinander sind. Ich hoffe, dass sie in meinem Land aufhören, schwule und lesbische Menschen umzubringen. Ich hoffe, dass Queers, Migrant_innen, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Angestellte, die ihren Job verloren haben, zusammenkommen, um eine Revolution gegen den neoliberalen, postindustriellen, postfordistischen Kapitalismus zu erschaffen. Stoppt die künstliche Entfremdung voneinander!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Schwer zu sagen, was sich in zehn Jahren verändern haben wird. Die Situation in Indonesien ändert sich in der letzten Zeit immer sehr schnell. Es hängt davon ab, wie die indonesische Regierung dann aussehen wird. In erster Linie hoffen und kämpfen wir für besseren Schutz von LGBT-Menschen. Wir hoffen auf eine Regierung, die sich klar zum Schutz und zur Legalisierung von Queer- und LGBT-Minderheiten bekennt. Unser Ziel ist ein vielfältiges und pluralistischen Land, das alle Formen der Kriminalisierung und Diskriminierung von LGBT- und anderer Minderheiten in Indonesien verurteilt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir würden gerne sagen können, dass bis 2020 Gender und männliche Dominanz abgeschafft sind, aber … die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;panthère&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; attackiert, sie träumt nicht!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_33ieals&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_33ieals&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Sat, 25 Dec 2010 14:06:59 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Den heterosexuellen Geschmack abschaffen?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar  häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der  konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.  Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen  Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu  erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren  Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit  queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in  Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken  zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul, St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt und servieren  euch an dieser Stelle eine Kostprobe der Antworten. Eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;zur Langversion&quot;&gt;ausführlichere Version&lt;/a&gt; und deren &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt   eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in Nischen, anstelle   des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder des professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir Anlauf   für eine lebendige, breite, antikapitalistische queerfeministische   Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar   häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der   konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.   Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen   Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu   erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren   Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit   queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in   Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken   zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander  zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,  St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt und  servieren  euch an dieser Stelle eine Kostprobe der Antworten. Eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;zur Langversion&quot;&gt;ausführlichere Version&lt;/a&gt; und deren &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;
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&lt;h4&gt;Was sind eure Wurzeln? An welche sozialen Kämpfe knüpft ihr an?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; In meinen Wurzeln gibt es keinen Kampf. In  meiner Familie und in meiner Vergangenheit gab es weder eine Opposition  noch einen sozialen Kampf. Mit 27 bin ich zum ersten Mal aus eigenem  Willen einer feministischen Organisation beigetreten. Ich befinde mich  heute immer noch in derselben Organisation, hinterfrage das Patriarchat  und versuche, mir meine Freiheit aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Die Panthères Roses sind 2002  gegründet worden. Le Pen ist damals in die zweite Runde der  Präsidentschaftswahlen gelangt. Eine neue Rechte tauchte auf, die uns  bis heute regiert – hart, mit Sicherheitspolitik und Populismus auf dem  Programm und sehr offensiv gegen persönliche Freiheiten und soziale  Errungenschaften agierend. Zu diesem Zeitpunkt sahen wir die  Notwendigkeit, eine Gruppe zu gründen, die sich an der Schnittstelle von &lt;span&gt;&lt;span&gt;LGBT&lt;/span&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_oqalgcj&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot; href=&quot;#footnote1_oqalgcj&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;-Bewegung und sozialen Bewegungen befindet. Auch wenn wir keine  Wurzeln einfordern (Wurzeln hören sich ein bisschen zu biologistisch und  monokausal an): Wir kommen nicht von nirgendwo her, unsere Aktionen  schreiben sich in die Kämpfe von LGBT ein, wir beziehen uns auf  radikalen Lesbianismus (Monique Wittig), feministischen Materialismus,  Antirassismus und Antikapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir berufen uns auf ein dreifaches Erbe:  feministisch, lesbisch und künstlerisch. Wir verorten uns in der Mitte  des Schießplatzes, auf dem sich mitunter die &#039;klassischen&#039; Feministinnen  des &lt;em&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/em&gt; und Gruppen aus der Queer-Bewegung gegenüber stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Wir knüpfen an den Kampf für die Anerkennung  der Unantastbarkeit des Menschen an: Der Staat darf nicht das Private  reglementieren, dem Menschen diktieren, was er machen darf und soll und  was nicht, solange sein Handeln die Rechte der anderen nicht verletzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Bei Lambda definieren wir uns als  Feminist_innen und Antimilitarist_innen. Die LGBT-Bewegung und die  feministische Bewegung hatten von Anfang an sehr nahe Verbindungen. Im  Sinne des Antimilitarismus ist Lambda in engem Kontakt mit dem &lt;em&gt;Conscientious Objection Movement&lt;/em&gt; (Bewegung von Kriegsdienstverweigerern): Wir haben selbst ein sehr  aktives Mitglied, das Kriegsdienstverweigerer war und schwul ist. Er war  ein Jahr im Knast und wurde gefoltert. Außerdem definiert sich Lambda  als gewaltlose Gruppe, das bedeutet Gewaltlosigkeit in der Praxis. Wir  unterstützen zum Beispiel die kurdische Bewegung, aber nicht die  Guerilla. Die kurdische Bewegung ist die einzige – wie auch die  kurdische Partei im Parlament die einzige Partei ist –, die die Politik  und Positionen der LGBT unterstützt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Wir knüpfen an einige  (nicht-differenz-)feministische, queere, anti-sexistische,  anti-rassistische, post-koloniale, anti-kapitalistische Kämpfe an&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeitet ihr? Und  wie haben sich Neoliberalismus und die globalen Krisen auf diese  ausgewirkt?&amp;nbsp;&lt;/h4&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt; Die Bedingungen, unter denen wir  arbeiten, sind aktuell von den aufstrebenden  islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Indonesien beeinflusst,  wobei es diesbezüglich starke regionale Unterschiede gibt. Seit einiger  Zeit gibt es immer wieder offene Aggressionen und Angriffe auf  LGBT-Gruppen, zum Beispiel auf einer Konferenz im Frühjahr 2010. Diese  Vorfälle haben uns und unsere Arbeit sehr beeinflusst, weil wir uns  nicht mehr sicher fühlen. Homosexualität gilt als sexuelle Störung und  wird in vielen Regionen Indonesiens zunehmend kriminalisiert – und nicht  nur von islamistischen Organisationen. Auch die indonesische Regierung  erkennt queere Lebensformen und LGBT-Gruppen nicht offiziell an und  diskriminiert diese in der Gesetzgebung. Im Jahr 2008 hat die  indonesische Regierung ein Anti-Pornografie-Gesetz verabschiedet, das  unter anderem die strafrechtliche Verfolgung jeglicher  Veröffentlichungen zu queeren Themen und Homosexualität vorsieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Die &lt;em&gt;Panthères Roses&lt;/em&gt; sind  ein eingetragener Verein, dadurch können wir Demonstrationen anmelden.  Wir versuchen, so horizontal wie möglich zu funktionieren, wir haben  keine Vorsitzende oder keinen Vorstand, sondern entscheiden kollektiv in  unseren öffentlichen wöchentlich stattfindenden Vollversammlungen. Wir  sind unabhängig und erhalten keine Subventionen, wir beschaffen uns  selbst die Kohle, die wir brauchen, indem wir Sticker oder T-Shirts  verkaufen oder Soli-Events organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Effekte des Neoliberalismus betrifft: Viele von uns müssen immer  mehr arbeiten und verdienen immer weniger, die Mieten sind völlig  überteuert, es ist schwierig, die Zeit und den Willen für politischen  Aktivismus zu finden. Der Kontext ist ein französischer Neoliberalismus,  der von einer ziemlich extremen Rechten geführt wird, die uns ihre  politische Agenda vorschreibt. In Paris sind wir nicht viele, die  organisiert sind, und es gibt sehr wenige selbstbestimmte Orte.  Homophobie, Lesbophobie und Transphobie sind ausgeprägt (momentan sind  die Katholiken besonders aggressiv).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Die Mehrheit der serbischen Bevölkerung  lebt in ökonomisch prekären Verhältnissen, so wie auch die meisten  unserer Gruppenmitglieder. Dieser Umstand ist wichtig, weil er sich  darauf auswirkt, wer es sich überhaupt leisten kann, politisch aktiv zu  sein. Das ist eine andauernde Diskussion. Aus einer feministischen  Perspektive versuchen wir, Bedingungen zu schaffen, in denen Personen  für ihre Arbeit bezahlt werden, und durch finanzielle Unterstützung  (Reisekosten, Unterkunft) der Teilnehmer_innen unserer Festivals dem  Ausschluss aufgrund ökonomischer Verhältnisse entgegenzuwirken.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Wie benutzt ihr das &#039;Wir&#039;, wenn ihr sprecht? Für wen sprecht ihr?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Identitätspolitik ist ein komplexes  Feld. Ich bin gegen jegliche Viktimisierung von Identität:  Beispielsweise werden wir oft von Leuten aus so genannten westlichen  Ländern gefragt, wie es ist, in einem muslimischen Land schwul zu sein.  Ich frage dann zurück: „Hm, wie ist es denn, in einem katholischen Land  schwul zu sein?“ Versuche, unsere Identität zu viktimisieren und die  Hierarchie zwischen &#039;westlichen&#039; und muslimischen Ländern zu  stabilisieren, ist eine koloniale Verhaltensweise. Aber manchmal kann  Identität sehr wichtig sein, besonders wenn jemand dir erzählt, dass  deine Identität gar nicht existiert oder krank ist oder etwas anderes.  Da gehe ich natürlich hin und sage „ich bin trans“, und ich stehe zu  dieser Identität. Gleichzeitig sagen wir „wir sind kurdisch“, „wir sind  armenisch“. Viele kurdische LGBT-Menschen geben ihre LGBT-Identität auf,  weil sie für ihre kurdische Identität kämpfen. Ein anderes Beispiel ist  die häusliche Gewalt, die viele kurdische Frauen zu Hause erleben. Sie  sprechen nicht darüber – sie betrachten sie nicht als Gewalt angesichts  der Gewalt, die sie durch den türkischen Staat erfahren. Es ist für sie  wichtiger, für die kurdische Unabhängigkeit zu kämpfen und für ihre  Rechte als kurdische Menschen. Daher kann es, wenn Identitäten nicht  gesehen oder ignoriert werden, wichtig sein, Identitäten sichtbar zu  machen und zu verteidigen. Aber es ist sehr wichtig, gleichzeitig keine  anderen Identitäten auszuschließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Es gibt eine queere Theoretiker_in in  Sydney, Linnell Secomb, die &#039;queer&#039; folgendermaßen definiert: Queer ist  keine Identitätskategorie, sondern das kontinuierliche Stören jeglicher  Form von Normativität“. In diesem Sinne schließt unser &#039;Wir&#039; nicht nur  LGBTIQ&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt; ein, sondern alle Menschen, die die hegemonialen Strukturen  unserer Gesellschaft sowie die auf Hierarchien basierenden  Kategorisierungen und Diskriminierung von Minderheiten in Frage stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Wir benutzen das &#039;Wir&#039; nur für uns als  Orga-Gruppe des Infoladens. Ein kategoriales &#039;Wir&#039; zu konstruieren  finden wir problematisch, weil dadurch manche Menschen, ohne gefragt zu  werden, in ein kollektives &#039;Wir&#039; (wie beispielsweise &#039;Wir Frauen&#039;)  eingeschlossen werden, andere wiederum daraus ausgeschlossen werden. Ein  paternalistisches Sprechen für andere lehnen wir ab, jedoch zielen  unsere Forderungen selbstverständlich auf die Veränderung  gesamtgesellschaftlicher Zustände. Dabei versuchen wir, undogmatisch und  reflektiert zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Wir sind eine nicht-gemischte  Lesben-, Trans- und Schwulen-Gruppe und wir wollen nicht „im Namen von …  sprechen“. Wir gehen von unseren Identitäten als Lesben, Trans und  Schwule aus, aber nicht nur. Wir fühlen uns nicht berufen, alle LGBT zu  repräsentieren. Wir sind mit einem Teil der LGBT-Community und  feministischen Gruppen in Frankreich uneins, und unsere Positionen sind  in diesen Zusammenhängen Minderheitenpositionen. Wir wenden uns gegen  eine Instrumentalisierung des Feminismus für rassistische Ziele. Das hat  sich bei den Debatten um die Gesetze zum Kopftuch und zur Burka  gezeigt, bei der Diskussion über die Intervention der französischen  Armee zur „Befreiung“ der afghanischen Frauen und bei der  generalisierenden Stigmatisierung der Vororte und der dort lebenden  Migrant_innen als diejenigen, die in erster Linie für Sexismus und  Homophobie in Frankreich verantwortlich seien. Ein anderer Punkt, der  uns von anderen Gruppen unterscheidet, ist unsere Position zu den  Kämpfen von Huren. Einige &#039;Mainstream&#039;-Feminist_innen vertreten eine  abolitionistische Position, die dazu führt, dass feministische Huren aus  Demos ausgeschlossen werden. Die essentialistischen Feminist_innen  erkennen außerdem die Forderungen von Trans nicht an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir sprechen für die Frauen. Die Frauen als  eine Kategorie, die der Unterdrückung durch die Männer entsprungen ist,  eine Kategorie, die so lange fortbestehen wird wie ihre Unterdrückung  und deren Verschwinden wir also anstreben … bis dahin sprechen wir  durchaus für die Frauen … mit Bart.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Wo wollt ihr die Grenzen des Politischen verschieben? Welche Kämpfe wollt ihr sichtbar machen?&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Den heterosexuellen Geschmack  abschaffen? Dieses Jahr haben wir auf unsere Art an der Debatte zur  „nationalen Identität“ teilgenommen, indem wir vor Eric Besson, Minister  für „Immigration, Integration, nationale Identität und solidarische  Entwicklung“, gekotzt haben. Wir haben eine Diskussionsveranstaltung mit  Christine Botin (homophobe Katholikin, die seit Jahren wütet) gestört  und sie aufgefordert zu schweigen und nicht mehr an unserer Stelle zu  sprechen, wir waren bei &lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Existrans-Webseite&quot;&gt;Existrans&lt;/a&gt; dabei, der Demo der Trans und derer,  die sie unterstützen. Wir waren zum 8. März auf der Straße, am 1. Mai  und am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, und bei Sans-Papiers-Demos. Wir  gehen oft als Pink Block, was uns als Trans, Lesben und Schwule  innerhalb großer Demos der sozialen Bewegungen sichtbar macht, die  momentan besonders aktiv gegen die Angriffe auf das Sozialsystem  (Renten, Gesundheitssystem, Bildung etc.) sind. Wir wollen es uns auch  gut gehen lassen bei diesen Demos, in denen es oft zu viel  heterosexistisches Verhalten gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir wollen den feministischen Blick auf die  Männer lenken, auf ihre Privilegien, ihre Vorliebe für die Kooptation,  ihr Unter-sich-Bleiben, ihre Fähigkeit sich selbst zu gratulieren, ihre  Verachtung für den Rest der Welt und ihre Macht, die ihnen entrissen  werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Die Sexualität wird politisch, wenn es in  der Gesellschaft „richtige“ und „geschützte“ Sexualität gibt und  „falsche“, „verbrecherische“ „perverse“ Sexualität. Solange Homo- und  Bisexualität nicht „normal“ sind und vom Staat nicht geschützt werden,  bleibt das Thema der Sexualität und der Gender-Identität politisch und  ein Teil des Kampfes für die gleichen Rechte und den Schutz vor  Diskriminierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; Der erste Schritt unserer Politik  bestand darin, einen sicheren Raum für junge lesbische Frauen in Jakarta  zu gründen, denn nach den geltenden Normen und auf Grund von Kultur und  Religion werden Lesben als Sünderinnen stigmatisiert. Diese Bedingungen  hindern sie an ihrem coming out und daran, ihre Gefühle und Probleme zu  teilen. Unserer Initiative startete mit einer Mailingliste, die jungen  lesbischen Frauen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffte wie über  reproduktive und politische Rechte sowie über psychologische  Unterstützung. Die grundlegende Annahme für unsere Arbeit lautet, dass  junge Lesben aktiv in die Kämpfe um die Rechte sexueller Minderheiten  involviert sein können und sollten. Unser Ansatz ist &lt;em&gt;EduFunTainment&lt;/em&gt; (Education, fun and entertainment): Sport wie zum Beispiel Boxen, Tanzclubs und andere Veranstaltungen organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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&lt;/div&gt;
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&lt;h4&gt;Was sind eure Hoffnungen? Was wird sich in den nächsten zehn Jahren verändert haben?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Ich denke, wir werden nicht in der  Lage sein, Homophobie innerhalb der nächsten 10 oder 15 Jahre zu  stoppen. Aber es ist sehr wichtig, sich zusammen zu schließen und sich  gegenseitig zu unterstützen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; Ich wünsche mir, dass man sich in den kommenden  10 Jahren in meinem Land dem Frieden noch etwas nähert und sich von  Gewalt entfernt, dass die Frauenmorde, Hassmorde abnehmen, dass die  Frauen und LGBTT&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt; ihre Rechte erlangen. Ich wünsche mir eine  Gesellschaft, in der ich nicht mehr daran erinnert werde, dass ich  Frau-Lesbe-Trans-Kurd_in-behindert etc. bin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Dass die Bezeichnung &#039;Feministin&#039; wieder  Anlass für Stolz wird, dass es wieder hip wird, Haare an den Beinen zu  haben, &#039;frustrierte Lesbe&#039; zu sein und BHs zu verbrennen, und dass der  ganz normale Sexismus zurückgeht, um Platz zu machen für die Lesben, die  Schwulen und all die BTI&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;. Dass Frauen selbstsicher werden und ihre  eigenen Ziele verfolgen, dass die Gesellschaft sie respektiert und ihnen  Raum lässt. Dass die Männer ihre Privilegien in Frage stellen und dass  die Geschlechtsattribute ihren Heiligenstatus verlieren. Dass überall  Bewegungen entstehen, die gegen die rechtlichen und faktischen  Ungleichheiten protestieren sowie gegen die Geschlechterkategorien, die  diese fortbestehen lassen. Dass sich die Zusammensetzung der  Institutionen, der sozialen und beruflichen Strukturen massiv verändert  und damit für Frauen, für Trans-Menschen, für &lt;em&gt;Persons of Color&lt;/em&gt; und für alle, die nicht in die Norm passen, neue Möglichkeiten entstehen, neue Weisen des Seins und des Miteinander-Umgehens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Der Diskurs in der serbischen  Gesellschaft über queere Menschen und ihre Rechte hat sich deutlich  gewandelt, seitdem wir die Gruppe vor fünf Jahren gegründet haben. Dies  zeigt, wie wirkungsvoll Graswurzelarbeit sein kann. Es ist  vielversprechend und macht Mut, dass Gruppen oder communities sehr  machtvoll sein können, wenn sie ihre radikale Politik und direkten  Aktionen (in aller Vielfalt) weiterverfolgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Wir würden gerne sagen können, dass bis 2020 Gender und männliche Dominanz abgeschafft sind, aber … die &lt;em&gt;panthère&lt;/em&gt; attackiert, sie träumt nicht!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_oqalgcj&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_oqalgcj&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&lt;/li&gt;
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 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 16:20:37 +0000</pubDate>
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