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 <title>arranca! - Rausch</title>
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 <title>Das Ganze Leben - Haltung und Rausch Teil II</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/das-ganze-leben-haltung-und-rausch-teil-ii</link>
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                    &lt;p&gt;In der arranca! 41 wurde die These vertreten, dass sich gesellschaftliche Veränderungen nur in Ausnahmefällen ereignen und die Linke immer dann stark war, wenn es zu einer letztlich unverfügbaren Konstellation zwischen den Kräften der Disziplin (Partei), des Rausches (ästhetische Avantgarden) und des „niederen Materialismus“ (gefährliche Klassen) kam. Beispiele dafür sind die Französische und Russische Revolution genauso wie der weltweite Aufbruch von 1968. Auch die Bewegung von Seattle und Genua erklärt sich zu einem Großteil durch die Konstellation in sich heterogener Elemente. Im Folgenden soll dies am negativen Beispiel deutlich werden: an der linken Niederlage gegenüber dem Faschismus. Dazu wird an die Trias Brecht- Benjamin-Bataille erinnert, die in ihren Analysen das Scheitern des Antifaschismus der Volksfrontpolitik vorwegnahmen. &lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;In der&lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/41/haltung-und-rausch&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;Haltung und Rausch - Teil 1&quot;&gt; arranca! 41&lt;/a&gt; wurde die These vertreten, dass sich gesellschaftliche Veränderungen nur in Ausnahmefällen ereignen und die Linke immer dann stark war, wenn es zu einer letztlich unverfügbaren Konstellation zwischen den Kräften der Disziplin (Partei), des Rausches (ästhetische Avantgarden) und des „niederen Materialismus“ (gefährliche Klassen) kam. Beispiele dafür sind die Französische und Russische Revolution genauso wie der weltweite Aufbruch von 1968. Auch  die Bewegung von Seattle und Genua erklärt sich zu einem Großteil durch die Konstellation in sich heterogener Elemente. Im Folgenden soll dies am negativen Beispiel deutlich werden: an der linken Niederlage gegenüber  dem Faschismus. Dazu wird an die Trias Brecht- Benjamin-Bataille erinnert, die in ihren Analysen das Scheitern des Antifaschismus der Volksfrontpolitik vorwegnahmen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Benjamin als Bindeglied –  Biographische Verbindungen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In dieser Trias bildet Walter Benjamin das Scharnier zwischen Brecht und Bataille. Mit Brecht verband ihn seit 1929 ein enges Arbeitsverhältnis. Beide planten Anfang der 1930er Jahre ein gemeinsames Zeitungsprojekt mit dem Titel „Kritik und Krise“ und blieben auch in den folgenden Jahren in engem Kontakt. Für Hannah Arendt war das eine „einzigartige Freundschaft“, in der „der größte deutsche Dichter mit dem bedeutendsten  Kritiker der Zeit zusammentraf.“ Für Benjamin selbst stellte „das Einverständnis mit Brecht  eine der wichtigsten und bewährtesten Punkte seiner ganzen Position“ dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zugleich war Benjamin im Pariser Exil eng mit Bataille verbunden, dem bedeutendsten Linksnietzscheaner, der mit seiner Theorie der „Heterologie“, der Überschreitung und Verausgabung einen nicht zu überschätzenden Einfluss auf Philosophen wie Foucault, Derrida und die Bewegung von 1968 hatte. Von 1937 bis 1939 ist Benjamin Mitglied des  von Georges Bataille mitbegründeten Collège de Sociologie. Bataille rettete Benjamins Nach- lass, indem er ihn in der Pariser Nationalbibliothek versteckte. Was verband Benjamin mit den beiden, die dem ersten Augenschein nach so unterschiedlich waren?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Kampf gegen den Faschismus –  die Volksfrontstrategie und deren Unzulänglichkeit&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Hintergrund ihrer theoretischen und politischen Interventionen ist das Erstarken faschistischer Bewegungen in zahlreichen Ländern. Die schnelle Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung hatte zu einer Neuorientierung der Politik der Kommunistischen Internati-onale geführt. Auch die Entwicklungen in Frankreichs Mitte der 1930er Jahre trugen zu dieser Neuorientierung bei. Die Frage lautete: Wie kann der Kampf gegen den Faschismus erfolgreich geführt werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Benjamin, Brecht und Bataille einte die Kritik am Antifaschismus der Arbeiterparteien, der ungeeignet sei, den Faschismus auf Augenhöhe zu bekämpfen. Die Volksfront blende die Frage aus, warum es den Faschisten in einer Reihe von Ländern so leicht gelang, die Linke niederzuwerfen und die Macht zu ergreifen. Wesentlicher Kritikpunkt war die Rückzugslinie der Volksfront auf die Werte des bürger- lichen Humanismus und die „Verteidigung des  Geistes“. Solche Parolen kaschierten allein die eigene Ohnmacht und seien viel zu  defensiv, um erfolgreich Widerstand leisten zu können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Worum es ging, wurde in der Kontroverse deutlich, die Bert Brecht und Heinrich Mann auf dem „1. Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur“ im Juni 1935 ausfochten. Dabei vertrat Mann mit Unterstützung auch der kommunistisch orientierten SchriftstellerInnen die Position des bürgerlichen Humanismus: „Zu verteidigen haben wir eine ruhmreiche Vergangenheit und was sie uns vererbt hat. (…) Wir sind die Fortsetzer und Verteidiger einer großen Überlieferung.“ Brecht durchbrach diese Linie und ging auf den Zusammenhang von Faschismus und Kapitalismus ein: „Viele von uns Schriftstellern haben die Wurzel der Rohheit, die sie entsetzt, noch nicht entdeckt. Es besteht immerfort bei ihnen die Gefahr, dass sie die Grausamkeiten des Faschismus als unnötige Grausamkeiten betrachten. Sie halten an den Eigentumsverhältnissen fest, weil sie glauben, dass zu ihrer Verteidigung die Grausamkeiten des Faschismus nicht nötig sind.“ Damit machte er sich keine FreundInnen – auch nicht bei der KPF. Keine Zeitung im Frankreich der Volksfrontregierung unter Léon Blum ging auf seine Rede ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seiner letzten Schrift vor seinem Selbstmord 1940, den „Thesen zum Begriff der Geschichte“,  kam Benjamin zu einer ähnlichen Einschätzung  wie Brecht: Die „Chance“ des Faschismus „besteht nicht zuletzt darin, dass die Gegner ihm im Namen des Fortschritts als einer historischen Norm begegnen. Das Staunen darüber, dass die Dinge, die wir erleben, im 20. Jahrhundert ‚noch’ möglich sind, ist  kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, dass  die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist“ (These VIII). Spätestens mit dem Ersten Weltkrieg ist die Welt des Bürgertums für Benjamin unwiederbringlich verloren, sind die Traditionen der Überlieferung ausgehöhlt und durch die neuen Techniken auseinandergesprengt. Eine Schwelle ist überschritten, ein Zurück unmöglich. Charakteristisch für die Zeit sei  ihre „Erfahrungsarmut“: „Eine ganz neue Armseligkeit ist mit dieser ungeheuren Entfaltung der Technik über die Menschen gekommen.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Anfang habe deshalb die Analyse des modernen Kapitalismus zu stehen. Statt der bürgerlichen Welt nachzutrauern, müsse man sich dieser Realität aussetzen und dabei auf eine Subjektivität bauen, die sich durch „gänzliche Illusionslosigkeit über das Zeit-alter“ und zugleich die Kraft eines „rück-haltlosen Bekenntnisses zu ihm“ auszeichne. Zur Bestimmung dieser Subjektivität spricht Benjamin in Anlehnung an Nietzsche von „neuen Barbaren“ und ihrem „destruktiven Charakter“. Dieser verabscheue die Erhabenheit und Bequemlichkeit des Bildungsbürger- tums, schaffe so Platz für das Neue und widerstehe gerade dadurch dem Faschismus. Dazu gehört für ihn, die emanzipatorischen Potenziale von Mythos, Mystik und Theolo-gie auszuloten und Nietzsches „Fröhliche Wissenschaft“ dem Faschismus streitig zu machen. Verkörpert sah Benjamin diesen positiven Barbaren vor allem durch Brecht, von dem er nach einem Gespräch 1938  notiert: „Während er so sprach, fühlte ich eine Gewalt auf mich wirken, die der des Faschismus gewachsen ist (...), die in nicht minder tiefen Schichten der Geschichte entspringt.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewinne der Faschismus, so Benjamins Schluss, durch seine „Ästhetisierung der Politik“ Massenzustimmung, müsse die  Linke mit einer „Politisierung der Kunst“  antworten. Die sah er bei Brecht – und bei den Surrealisten, die für ihn nicht bloß eine  „literarische Bewegung“ bildeten, sondern „die scharfe Spitze eines Eisbergs, der unterm Meeresspiegel sein Massiv in die Breite streckt.“ Aufgabe der Kritik sei es, „zu erken-nen, an welche außerliterarischen Tenden-zen diese Schriften anschließen“, wenn sie versuchen, die „Kräfte des Rausches für  die Revolution“ zu gewinnen. Im politischen Bündnis der ästhetischen Avantgarden mit den lumpenproletarischen Ausgeschlossenen der Arbeiterbewegung sah Benjamin die Chance, das Bündnis zwischen Arbeiterbewegung und Rationalismus aufzubrechen, dessen Fortschrittsglaube für den Konformis-mus der Sozialdemokratie und damit letzt- endlich für die Niederlage gegenüber dem Faschismus verantwortlich sei: „Es gibt nichts, was die deutsche Arbeiterschaft in  dem Grade korrumpiert hat wie die Meinung, sie schwimme mit dem Strom.“ Weitere Bausteine waren für ihn die pro-testantische Werkmoral mit ihrem rigiden Arbeitsethos und ein Vulgärmarxismus, der nur „die Fortschritte der Naturbeherrschung, nicht die Rückschritte der Gesellschaft wahr  haben“ wolle. Dagegen setzte er auf die „schwachen messianischen Kräfte“, die diese Entwicklung unterbrechen können. In der These XIII heißt es: „Die Vorstellung eines Fortschritts des Menschengeschlechts in der Geschichte ist von der Vorstellung ihres eine homogene und leere Zeit durchlaufenden Fortgangs nicht abzulösen. Die Kritik an der Vorstellung dieses Fortgangs muss die Grundlage der Kritik an der Vorstellung des Fortschritts überhaupt bilden.“ Benjamins Bilder dieser Unterbrechung sind vielfältig: Dialektik im Stillstand, Notbremse, profane Erleuchtung, Choc, Aufschub und Erinnern, der Augenblick des Erwachens, das Jetzt der Erkennbarkeit, das Ausgehen von den Ex-tremen, Konfrontation und Konstellation. Es sind Bilder, in denen er die für ihn maßgeblichen, wenn auch gegenläufigen Strömungen eines schwachen jüdischen Messianismus und des Marxismus in Stellung brachte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der niedere Materialismus bei Bataille Unübersehbar sind die Gemeinsamkeiten zwischen Brecht und Benjamins Kritik an SPD und KPD und Batailles Kritik an PCF und Volksfront. Für Bataille ist eine kommunis-tische Bewegung, in die mit der Volksfront das Schwenken der Trikolore und Absingen der Marseillaise Einzug hielt, „todkrank“. An-fang der 1930er Jahre schließt er sich deshalb dem Cercle communiste démocratique um Boris Souvarine an, nach dessen Auflösung gründet er die Gruppe Contre Attaque, mit deren Namen er sich auf die Exil-Wochenschrift „Der Gegenangriff“ von Münzenberg, Herzfelde und Kisch bezieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Batailles Denken basiert auf einem radikalen  Bruch mit jeder Form dialektischen Versöhnungs- Denkens. Er war Theoretiker der „Heterologie“, der „Logik des Anderen“. Darunter fasste er Phänomene, die aus der Welt des Rationalen ausgeschieden, doch für eine linke Politik wiederzugewinnen waren. Dabei ging es ihm um die Wiedereinführung eines profanen Göttlichen und Sakralen, das nicht transzendente Ewigkeit, sondern immanente Endlichkeit sein sollte: Glutkern des Lebens. Sein Emanzipationsbegriff ist aufs Engste mit dem Begriff der subjektiven Souveränität verbunden. Im Gegensatz zu landläufigen Interpretationen bedeutet ihm Souveränität aber gerade nicht Herrschaft oder Macht, sondern im Gegenteil „niederen Materialismus“: die Unterwanderung von Macht, Revolte gegen das Gesetz. Souverän ist, wer nicht Mittel zum Zweck, also zur Nützlichkeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil sich der Kommunismus mit seiner Orientierung an Disziplin, Arbeit und Ordnung am Ausscheiden der subjektiven Souveränität beteiligt habe, wollte Bataille das Element der Souveränität wieder in den Kommunismus einschreiben: ein Schritt, den er ausdrücklich als „Wiedergutmachung an Nietzsche“ begriff. Nicht Nietzsche, sondern das Einheits-denken Hegels habe den Kommunismus dem Faschismus gegenüber wehrlos gemacht: Wo  dem Heterogenen kein positiver Ausweg mehr gelassen wird, tendiert es dazu, sich auf unheilvolle, unkontrollierbare Weise zu manifestieren und sich mit regressiven sozialen Kräften zu verbinden, die totalitäre Lösungen propagieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit diesem Ansatz konnte Bataille eine nicht-ökonomistische Faschismusanalyse vorlegen, die Massenzustimmung zum Faschismus nicht mit hilflosen Begriffen wie Manipulation, sondern aus einem Affekt erklärte, der sich auch daraus ergab, dass die Linke das Feld der Affektivität dem Faschismus überlassen  hatte. Mit der Übernahme bürgerlicher Moral- vorstellungen und der Abgrenzung vom Lumpen- proletariat habe sich die Arbeiterbewegung von ihren ursprünglichen Quellen entfernt. Batailles „niederer Materialismus“ begriff Affektivität demgegenüber nicht als irrational,  sondern als unhintergehbare Weise menschlicher Existenz. Darin ähnelt er dem „Materia- lismus der Niederen“ bei Brecht, der die Orientierung der Kommunisten an bürgerlichen Werten ähnlich fatal fand („Das ewig Bürgerliche kotzt mich an“) und ihr wie Bataille den Gott Nietzsches, Dionysos, zum Schutzpatron empfahl:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin der Glücksgott, Sammelnd um mich Ketzer / Auf Glück bedacht in diesem Jam-mertal! / Ein Agitator, Schmutzaufwirbler, Hetzer (…) /&lt;br /&gt; Ich bin der Gott der Niedrigkeit / Der Gaumen und der Hoden / Denn das Glück liegt nun einmal, tut mich leid / Ziemlich niedrig am Boden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Gescheiterte&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wenn Benjamin Kafka einen Gescheiterten nannte, gilt das auch für ihn selbst wie für  Bataille und Brecht. Sie alle haben die Aus-grenzung der „Kräfte des Rausches“, der Leiblichkeit des ganzen Menschen mit all seinen Begierden aus der Arbeiterbewegung nicht umkehren können, nicht deren Orientierung am Ideal des Stehkragenproletariers, nicht ihre Unterwerfung unter den bürgerlichen Humanismus. Zugleich haben sie nicht  ändern können, dass die ästhetischen Avant-garden den Sicherheitsbedürfnissen der ArbeiterInnen oft verständnislos gegenüberstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für heute heißt das, dass ihre Lektion noch zu lernen bleibt: an einer Konstellation zu arbeiten, bei der ein Zusammenprall solch heterogener Elemente möglich ist.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 16:26:59 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Nicht immer, aber immer öfter</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/1/nicht-immer-aber-immer-oefter</link>
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                    &lt;p&gt;Der Alkohol ein Teufelswerk&lt;br /&gt; ein Jeder spricht darüber&lt;br /&gt; doch meistens trifft man&lt;br /&gt; diese dann&lt;br /&gt; betrunken in der Altstadt wieder&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Der Alkohol ein Teufelswerk&lt;br /&gt; ein Jeder spricht darüber&lt;br /&gt; doch meistens trifft man&lt;br /&gt; diese dann&lt;br /&gt; betrunken in der Altstadt wieder&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;You can’t run&lt;br /&gt;and you can’t hide&lt;br /&gt;when habit turns&lt;br /&gt;to necessity&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Benutzung- Mißbrauch&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gebrauch- Gewöhnung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„Ihr könnt ja auch so lustig sein!&quot; hieß es neulich aus dem Mund eines Freun­des anläßlich einer Feier ohne Alkohol. Und „so&quot;, hieß nüchtern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus gegebenem Anlaß hier also einige Gedanken zu unserem Umgang mit „Mami&#039;s kleinen Helfern&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn ALLE trinken oder kiffen oder holen sich ihre kleine Flucht, ihren trau­rigen Trost sonst woher, aber über die Konsequenzen für die, die nicht damit umgehen können, für die Gewohnheit zu Notwendigkeit wird, über die Konse­quenz für jene wird nicht geredet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht mehr tragbar für den „Zusam­menhang&quot;, sei es die Beziehung, die Freundschaften oder die Gruppe. Ter­mine verpennt, Papiere verschlampt, Leute im Stich gelassen, den Falschen das Falsche erzählt - Fuck you, you&#039;re out!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wollen nicht zuletzt auch Anstoß geben, unseren Umgang mit Drogen und nicht das Umgehen von Drogen zu überdenken. Denn wer würde den befreienden oder auch nur „drucklösen­den&quot; Moment eines Besäufnisses bestrei­ten wollen. Wer würde andererseits bestreiten wollen, daß der Dauerzustand „besoffen&quot; alles andere als befreiend ist&lt;em&gt;. „Grundsätzlich ist die Haltung des Blues ja nun zu den Drogen sozusagen positiv. Wir finden, daß der neue Faschismus sich stark in den Seelen der Leute und uns niederschlägt. Drogen sehen wir als eine Möglichkeit, die Welt &#039; anders zu sehen und zu erleben, als wir es gelernt haben. Das halten wir für einen ersten Schritt, dann auch anders zu leben. (..) Unsere versteinerte Innen­welt, unsere begrabenen Gefühle, die Ängste voreinander, die Frusts miteinan­der, dieses Leben ohne Träume und Geheimnisse, untereinander, um da rauszukommen, erstmal, nehmen wir Drogen.&quot;&lt;/em&gt; aus „Der Blues&quot; 1967- 1969&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;(Populär) Sozio- Psychologisches&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;„Zu den Eigenschaften des Menschen gehören nicht nur lebenserhaltende Bedürfnisse, wie Essen, Trinken, Woh­nen, deren Nicht-Befriedigung sehr bald zu Funktionsstörungen des Körpers führt, sondern auch das soziale Bedürfnis nach dem Leben in Gruppen und die Suche nach transzendentaler Erfahrung. Das Bedürfnis nach dem Erleben die­ser anderen Ebenen menschlichen Daseins wird vielfach auf das Bewußt­sein des Menschen zurückgeführt. Die­ses Bewußtsein verhalf ihm einerseits, sein Leben immer &quot;einfacher&quot; zu gestal­ten, andererseits ließ es quälenden Äng­sten Raum, die aus der Tatsache ent­springen, daß Mensch im Gegensatz zum Tier eine Vergangenheit hat und sich vor der Zukunft fürchten kann. Lange Zeit war deshalb allen archai­schen Religionen eine Tendenz zu eigen, die man als Suche nach seeli­schen Ausnahmezuständen, nach einer Ablösung des Bewußtseins von der Rea­lität interpretieren kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dazu bedienten sich die Menschen unterschiedlicher Kulturen unterschiedli­cher Mittel: Fasten, Meditation, Musik und Tanz sind die ältesten Formen, die aber auch eine starke Bereitschaft zur Konzentration, einem bewußten Willen zum Übergang in andere Wahrneh­mungszustände voraussetzten; die Droge ist ein Weg, der dem Suchenden Zugang zu anderen Ebenen verschafft, ohne daß dieser die o.g. Fähigkeiten besitzen muß. Sie birgt somit aber auch die Gefahr der „leeren&quot; Erfahrung, einem inhaltslosen Dröhnzustandes, in dem der Wunsch nach Selbsterfahrung und Bewußtseinserweiterung frustriert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wissen um ein Zusammenwirken zwischen Pflanzen, Tieren und der menschlichen Psyche war wesentlicher Bestandteil der archaischen Kulturen. In diesen Zeiten war der Gebrauch von Drogen eingebettet in die jeweilige Kul­tur. Er hatte seine Funktion, und die Menschen hatten zum einen das Wissen um einen „zweckgebundenen&quot; Einsatz der Substanzen, zum anderen besaßen sie aber auch noch das kulturell-spiritu­elle Grundgerüst an Werten und Erkenntnissen, auf die die damaligen Gesellschaften ausgerichtet waren. Die gesamte gegenwärtige Problematik der Rauschdrogen stammt aus ihrer pro­fanen Verwendung. Der charakteristi­sche Wendepunkt in der Sozialge­schichte einer Rauschdroge tritt stets dann ein, wenn am Ende einer Epoche die ursprüngliche Integration der Droge, in die jeweilige Kultur zerfällt. Immer dann, wenn die Möglichkeit versiegte, die Droge ritualisiert oder zumindest sozial eingebettet zu gebrauchen ( als Folge eines um sich greifenden Materia­lismus, eines Verlustes ideeller Werte), zeigte sich exzessives Konsumverhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf Konsumentenseite ging der Verlust der Ehrfurcht mit dem Mißbrauch Hand in Hand, genauso wie sich auf Produkti­onsseite die Qualität der pflanzlichen ( Heil-) Mittel und natürlicher Braupro­dukte in billige, gefährliche Industrie- Massenware verwandelte.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;aus dem Alkoholreader der Florabeset­zerInnen, Hamburg&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht ganz so populär Biophysiolo­gisches:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ethanol, also Alkohol, wird immer und bei jedem Menschen von Mikroor­ganismen gebildet— aus Nahrungsresten im Darm. Daher erklärt sich, warum der Mensch überhaupt Abbauwege besitzt, die ganz speziell auf dieses Zellgift gerichtet sind. Eine sogenannte Oxygen­ase spaltet den Alkohol und macht ihn verdaubar (Alkohol hat einen 50% höhe­ren Energiegehalt als reiner Zucker - deshalb sind eben „Fünf Bier auch &#039;ne Mahlzeit&quot;). Ein weiterer Abbauweg wird durch das Enzym und damit Katalysator „Alkoholdehydrogenase&quot; beschleunigt, eine für jeden Alkohol charakteristische Gruppe wird abgespalten. Bei den Ureinwohnern Amerikas war dieser Abbauweg zum Teil nicht oder nur in abgeschwächtem Maße vorhanden: „Feuerwasser&quot; von den „Bleichgesich­tern&quot; erst verschenkt und dann verkauft entfaltete deshalb unter den „Rothäu­ten&quot; Nordamerikas eine fatalere und länger andauernde Wirkung, außerdem machte es schneller abhängig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alkoholdehydrogenase ist trainierbar —bei häufigem oder konstantem Alkoholkonsum beschleunigt sich die Abbaurate. Ein gesunder Mensch mit normaler Leberfunktion baut pro 10 Kilogramm Körpergewicht und Stunde ein Gramm Alkohol ab. Werden 1,5 - 2,5 g Alkohol pro kg Körpergewicht innerhalb 1/2 Stunde getrunken (Trinkwetten) und ohne Erbrechen resorbiert, so hat dies den Tod zu Folge (Dosis letalis). Die tödliche Blutalkoholkonzentration liegt bei etwa 3,5 Promille - Ausnahmen bestätigen die Regel. Die stark leberschädigende Wirkung des Giftes Alko­hol wird noch durch verschieden Begleitstoffe des Gärungsprozesses ver­stärkt. Der genaue Wirkungsmechanismus der zellschädigen Droge ist noch nicht bekannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Thema-Drogen/Industrie eine Feststellung Friedrich Engels, der 1876 schrieb:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„.. Als aber die Warenproduktion von den Zünften in die Fabriken ... von den Handwerkern und Gesellen auf die Industrieproletarier überging, änderte sich die Art der Alkoholversorgung auf bezeichnende Weise. Der Industrialismus erzeugte nicht nur den arbeitenden Mas­sen ein stärkeres und allgemeineres Bedürfnis nach dem Genuß berauschen­der Getränke, er bemächtigte sich auch der Alkoholproduktion, um sie in entfes­seltem Maßstab zu betreiben. Im Zusammenhang damit warf er gewaltige Men­gen von Bier und Schnaps auf den Markt, schuf er eine Vergnügungsindu­strie, die ihm zahllose Gelegenheiten bot, den Alkohol an die Konsumentenschaft zu bringen (...) Kneipen, Amüsierlokale wurden wie Kaufläden, Basare und Warenhäuser zu großkapitalistischen Unternehmungen. &quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der BRD wurden 1989 3,999 Milliarden DM Branntwein und 14,555 Milliarden DM Tabaksteuer kassiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den letzten 20 Jahren hat sich der Alkoholkonsum verdoppelt, im Trikont sogar verdreifacht, so daß sich der Umsatz auf etwa 17o Milliarden Dollar jährlich beläuft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Alkoholkonsum ist konterrevolutionär!&quot;&lt;/em&gt;, schloss schon in den 30er Jah­ren die KPD.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mensch könnte hier natürlich auf die mannigfachen Verflechtungen des Staa­tes mit der Drogen- und Genußmittelindustrie eingehen, sei es auf die Koks-Connection der US- Regierung, oder auf die Haltung der BRD- Gewaltigen in der Frage der Freigabe von Methadon an Süchtige, aber all das ist woanders in ausführlicherer Form abgehandelt, und ist auch in unserem Zusammenhang bezüglich des Drogengebrauchs nur von sekundärer Bedeutung. Natürlich sollten wir uns auch Gedanken machen, welches Regime wir mit unseren „Dro­genkäufen&quot; unterstützen und wir wer­den später nochmal die Floramenschen zitieren, die diesen Zusammenhang auf­greifen, aber der Ansatz den wir für die­sen Artikel gewählt haben, ist eher der, unsere ganz persöhnliche Beziehung zu Gebrauch und Mißbrauch zu prüfen, und deshalb jetzt:&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Alkohol trinken - ein Selbstversuch&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;08.43 Uhr&lt;/strong&gt;. Zum ersten Mal wachgeworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Finde meine Augen nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rumgedreht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;12.07 Uhr&lt;/strong&gt;. Wieder wach geworden. Meine Augen sind doch da wo sie immer sind, nur viel kleiner. Der Ver­such, die Geräusche aus der Küche zu ignorieren, schlägt fehl.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nächste Stunde den gestrigen Tag rekonstruiert. Es fehlen einige Teile des späten Abends und ich frage mich vor­sichtig, ob es wohl sein kann, daß die sogenannten Filmriße nichts weiter als die Verbannung besonders peinlicher Momente ins Exil des Un-ter-bewußten sind. Nehme mir vor, in der nächsten Zeit meine Träume dahingehend zu überprüfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;- Zurück zu gestern –&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gearbeitet. Danach zwei Biere. Mit taub werdendem Zahnfleisch auf den Weg zur U- Bahn gemacht. Unterwegs am Kiosk noch ein Bierchen geholt. U- Bahn. Es kommt zu leichter Euphorie, als zwei kleine Kerle mit ihren Zieharmonikas für ein paar Groschen die anderen Leute nerven. Auf dem Weg von der U- Bahn nach Hause ein Sech­ser-Pack geholt. Zu Hause Musik aufge­legt und Bier. Dann Duschen und Bier. Gesäubert und leicht angetrunken jetzt, überkommt mich das Gefühl unbedingt!!!, un- be- dingt noch irgendwie raus, Leute, Krach am Besten beides, oder sogar Freunde; ihr wißt, was ich meine. Telefonieren und Bier. Dann endlich raus. Stoße mir die Birne, weil das verpißte Licht im Treppenhaus wie­der nicht funktioniert. Auf dem Weg in die Kneipe nicht in der Lage an der Tanke vorbeizugehen. Mehr Bier. U- Bahn. Kneipe. Rauchen, dumme Witze und Bier. „Wo geht was ab?&quot; Beratung über den weiteren Ablauf des Amüse­ments für den Abend. Wir nehmen einige Beschleuniger zu uns. „Man gönnt sich ja sonst nichts. HAHAHA!&quot; Erstes, leichtes Würgen verspürt. Band so- und- so im Ix, DiJäy Der- und- der im Üpsilon, wichtige Entscheidungen sind zu treffen. Als Entscheidungshilfe: Bier. Also kein Konzert. Disco. Discolatei­nisch: ich lerne. - FUCK! Das Bier ist teuer und schmeckt nach Schultheiss. Deshalb weitere Beschleuniger. Die Musik wird merklich tanzbarer. Abhotten. Schweiß riecht nicht so toll. Plötz­lich totaler Hunger, ey Alta! Raus und irgendwo, irgendwie, irgendwas einge­schoben. Wir greifen uns noch ein Sech­ser- Pack und kommen überein, den Abend mit ein paar&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;netten,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;fetten&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zigaretten zu beschließen. Genau DAS wird dann auch gemacht. Ich gehe glaube ich noch mal Bier. holen und wir singen gemeinsam etwa eine Stunde „Quantanamera/Kwantanamera&quot;. Irgend­wann komme ich noch in mein eigenes Bett, obwohl mir nicht klar ist wie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;13.14 Uhr.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgestanden. Mir ist kotzübel und mein Kopf ist so ziemlich Alles auf ein­mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Geduscht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ich meine Hose anziehen will, bemerke ich Kotze auf dem rechten Bein. Kann meinen Schlüssel nicht fin­den, dafür umgekipptes Bier vor der Anlage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ergebnis des Versuchs POSITIV: Ich war besoffen! Yeah!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noch drei Thesen der Floramenschen, die wir hier einfach so übernehmen möchten:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Wir wollen keinen Apell wider den zerstörerischen Drogen loslassen, son­dern die Zusammenhänge von Drogen, Sucht und Profit anschauen. Es geht darum, über Alkohol zu diskutieren, aber nicht so zu tun, als ob es etwas von uns außerhalb liegendes wäre. Wir Kon­sumentinnen, die bei der kleinsten Kritik über das Thema hinweggehen, sollten einsehen, daß Alkohol so genossen im Widerspruch zu unseren politischen Ideen und Zielen stehen.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erste Thesen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1.&lt;/strong&gt; In nicht entfremdeten Gesellschaften (Naturvölkern?) werden Drogen hauptsächlich zum rituellen Gebrauch genutzt. Der Mensch nutzt die Droge als Transportmittel, andere Wahrnehmungsebenen zu erreichen. In industrialisierten Gesellschaften ist Droge, ist Alkohol Ware, die für den Staat doppelte Funk­tion hat. Alkohol- und Tabaksteuern stellen wichtige Posten in der Haushalts­politik dar. Zum zweiten sind sie Mittel, vielleicht auch Zweck, soziale Brenn­punkte zu entschärfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alkohol entpolitisiert, vereinzelt und macht handlungsunfähig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2.&lt;/strong&gt; Ursachen der Alkohol- und Drogen­sucht sind weniger in den „Persönlich­keitsstrukturen&quot; der Abhängigen zu suchen, als aus den gesellschaftlichen Verhältnissen resultierend zu sehen. Auf der Erscheinungsebene besitzt Alkohol anscheinend (so viel Schein, kann das sein? die red.) viele positive Eigenschaften. Als gesellschaftlich legali­sierte Droge ist es Ausdruck von „Dazugehörigkeit&quot;. Soziale Ängste, Probleme, Streß können mit der Droge betäubt werden. Schauen wir aber genauer hin, stellen wir fest, daß das entfremdete Mit- und Untereinander, das Fehlen von per­sönlichen Bindungen, also die Realität kapitalistischen Alltags, den Drogenkon­sum als eine Möglichkeit der Flucht vor dieser Realität attraktiv erscheinen läßt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3.&lt;/strong&gt; Alkohol macht krank, abhängig, erpressbar, nicht nur deshalb ist Alkohol und linke, autonome, revolutionäre Bewegung ein Widerspruch in sich.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jetzt ging es ja, auch wenn immer von Drogen in der Mehrzahl geschrie­ben wurde in erster Linie um Bierchen und Schnäpschen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Kein Grund sich in Sicherheit zu wiegen Ihr Kiffköppe da draußen!&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der folgende Text von Peter Paul Zahl zeigt, daß auch zu anderen Zeiten das Thema Drogenkonsum innerhalb der Linken ein durchaus kontroverses war. Inwiefern sich gewisse Ausgangspunkte seit den 60ern zu heute unterscheiden wird noch darzustellen sein, erstmal jedoch;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ladies and Gentlemen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Peter Paul Zahl&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Haschisch&lt;br /&gt;oder die Ideologie der glücklichenVerbraucher&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;„Ich schreibe hier nicht gegen Haschisch, ich bin für Haschisch. Ich schreibe hier nicht über die Vermittel­barkeit der Haschkampagne —das über­lasse ich den Traditionalisten—. Ich möchte hier einiges darlegen über den Wert der Haschkampagne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1.&lt;/strong&gt; Der Genuß von Haschisch ist absolut ungefährlich. Voraussetzung ist jedoch wie bei Alkohol und Zigaretten, gute Ernährung. Hasch, sagte mir ein junger arabischer Dealer in Tanger, sollte genossen werden, wie früher Kognak und Zigarren in guten Bürgerhäusern. Eine Sucht stellt sich nicht ein. Beweis: Nichterscheinen von Entzugssymptomen nach dem Aufhören von Haschkonsum. Mit dem Rauchen aufzuhören ist einfa­cher als bei Zigaretten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2.&lt;/strong&gt; Haschischkonsum in den USA und Westeuropa ist Sache der jungen Bour­geoisie. Immer wieder stellen die hiesi­gen Zeitungen erstaunt fest, die „Täter&quot; stammten aus zumeist „gutem Hause&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3.&lt;/strong&gt; Haschischkonsum in den USA und Westeuropa ist undenkbar ohne die damit verbundene Ideologie. Sie hat zwei Motive: die Frustration der jungen Bürgersöhne, verursacht durch Faschi­sierung, Konservativismus, überlebte abendländische Traditionen und das zur Zeit noch herrschende Haschverbot. Die Haschideologie hat zwei Kompo­nenten: Ersatz abendländischer, europäi­scher Religionen und Traditionen durch fernöstliche und nahöstliche und Scheinbefreiung vom als irrig empfundenen Rationalismus. Zum ersten trugen schon die Beatniks bei — eine Gebetsmühle, geschwungen von Allen Ginsberg in der „speakers corner&quot; des Hyde Park, Lon­don— ein früher Beweis von Scheinbuddhismus, von american imported mysticism. Einer der Protagonisten der zweiten hier in Deutschland ist Reimar Lenz. In einem großen Artikel in der Berliner Hippiezeitung „love&quot; legt er die Motive der Haschideologie klar; er schreibt: &lt;em&gt;„Die Realität, vor der die Hascher fliehen, besteht aus der bürgerli­chen Zwangsfiktion, aus plattem Ratio­nalismus des neunzehnten Jahrhunderts, aus dem vernutzten Alltag von Leistung und Konsum&quot;&lt;/em&gt;, folgert daraus, daß es einen Weg zu einer &lt;em&gt;&quot;neuen Transzen­denz&quot;&lt;/em&gt; geben muß (Haschisch), belegt die, die &lt;em&gt;„weiterhin platt rationalistisch&quot; &lt;/em&gt;bleiben wollen, flugs mit dem Neckna­men &lt;em&gt;&quot;Immanenz- Spießer&quot;,&lt;/em&gt; wirft &lt;em&gt;„sozialistische oder faschistische&quot;&lt;/em&gt; Totalitaris­men in einen Topf (genauso wie just die Bürger, die er zu beschimpfen meint, wie Springer, wie die FAZ, wie der SPIE­GEL), baut dann den &lt;em&gt;„psychedelischen Menschen&quot;&lt;/em&gt; auf, der dann, seiner Mei­nung nach &lt;em&gt;„zum Rationalisten des 19ten Jahrhunderts sich so verhält, wie dieser zum Neandertaler&quot;&lt;/em&gt;, ihm verhelfen Psy­chedelika zu „planetarischer Merk- Fähigkeit&quot;. Für ihn ist &lt;em&gt;„Haschisch ein experimenteller Schlüssel zu einer Relati­vitätstheorie des menschlichen Bewußt­seins&quot;,&lt;/em&gt; berichtet u.a. , daß Hasch von orientalischen Richtern bei geistigen Ent­scheidungen als schöpferisches Hilfsmit­tel zu Rate gezogen wird (daher wohl auch das Handabhacken bei Dieben in Saudi Arabien?), und schließt dann nach recht langem Selbstmitleid, die Kri­minalisierung betreffend, auf Hascher warte &lt;em&gt;„ein geistiger Lohn; die schlafrau­bende Auseinandersetzung mit der Tota­lität des heutigen Informationsuniver­sums&quot;.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4.&lt;/strong&gt; Intentionen, Sprache und Motive der Haschischprotagonisten weisen sie als typische Vertreter der sich in Agonie befindlichen Bourgeoisie aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Haschischkonsum und Haschischver­folgung sind lediglich zwei Seiten ein und derselben Medaille; der kapitali­stisch- autoritären.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die „Isolation&quot; der Hascher, die sie zum Joint greifen läßt, ist lediglich &lt;em&gt;„Ideo­logie, eine gesellschaftlich bedingte und daher nicht zufällige, aber als Ideologie willkürliche Erfindung, die die subjektive Verzweiflung als eine absolute und für ewig unaufhebbare interpretieren möchte, denn sie ist weder anthropolo­gisch noch soziologisch begründbar&quot;&lt;/em&gt; (L. Kofler). Die Hascher nehmen Haschisch, haben ihre Ideologie und ihr Selbstmitleid, weil sie als Vertreter der Bourgeoisie vereinsamt, leer sind und als Leere nicht allein sein können. Ihre „Isolation&quot; ist nicht die der als kriminell diffamier­ten Minderheit ( das werden sie erst, allerdings aus einem großen Irrtum her­aus, den ich noch begründen werde), sie ist ein Vorurteil. Die bourgeois Einsa­men haben sich nichts mehr zu sagen, deshalb verstehen sie „die anderen&quot; nicht mehr. Die „Isolation ist nur ein Vorurteil des bürgerlichen, dekadenten und deshalb verzweifelten Individuums&quot; (Kofler)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5.&lt;/strong&gt; So ist es verständlich, wenn die Haschprotagonisten als Vertreter der Spätbourgeoisie mit den ökonomi­schen, sozialen, religiösen usw. Traditio­nen der Frühbourgeoisie, d.h. ihrer Klasse, die doch nicht mehr ganz die ihre ist, brechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie werden „gegenzeitläufig&quot;. Sie begreifen sich als Vorläufer des &quot;neuen&quot; psychedelischen Menschen und sind in Wirklichkeit nur Endprodukt, Ausfluß einer Klasse. Deshalb stehen sie ihr auch in Feindschaft gegenüber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6.&lt;/strong&gt; Sie verstehen nicht: sie verabscheuen die Konsumideologie „der anderen&quot; und konsumieren. Nämlich Hasch. Das in unseren Breiten einen gehörigen Preis hat —und Riesenhandelsspannen—. Sie verabscheuen die Leistungsideologie „der anderen&quot; und leisten. Zumindest nehmen sie sich das vor. Die Produkte ihrer Tätigkeit sind, von einigen Musi­kern abgesehen, eher kläglich. „Das Baden der Füße in kaltem Wasser&quot; (Nietzsche) würde ihre Phantasie viel­leicht mehr beflügeln. Sie verkaufen Hasch für 4 bis 8 Mark das Gramm, das sie für 100 Mark das Kilogramm erwar­ben, erklären die Preisdifferenz mit dem Risiko und vergessen ganz; daß dies genau der Unternehmerideologie und - phraseologie entspricht. Sie wissen ganz&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;genau, daß in viel von dem hier ver­kauften Stoff o=Opium ist, erklären aber trotzdem, das Haschrauchen, was an und für sich richtig ist, ungefährlich und nicht suchterregend sei, sie handeln daher bewußt wider besseres Wissen und dienen den Belangen dieser, unse­rer, von ihnen angeblich verschmähten Wirtschaftsform, nämlich Konsumenten heranzüchten, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;7.&lt;/strong&gt; Die Verfolgung von Genuß und Ver­kauf von Haschisch ist eher ein komi­scher denn tragischer Irrtum der Väter diesen Söhnen gegenüber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Holland, speziell in Amsterdam, gelang es der Obrigkeit, die Provo- und Jugendrevolte zum Teil niederzuschla­gen: sie erlaubte das Haschrauchen unter Kontrolle, in staatlichen Klubs. Doch noch existiert keine Haschlobby im Bundestag. Das Unwissen über die Ungefährlichkeit des Krauts macht die herrschenden Väter blind. Wären sie etwas gewitzter, konsequenter, lächelnd skrupelloser - sie monopolisierten das Hasch, fabrizierten Joints, versähen sie mit der Steuerbanderole, und die Söhne, die fröhlichen Haschraucher, trotteten jeden Morgen nach Genuß des staatli­chen Joints glückselig in Unis, Schulen und Fabriken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Papi SPIEGEL erlaubt es den Kleinen schon augenzwinkernd, Onkel Justizmi­nister wird noch nachziehen. Das ist dann die erträumte „neue Wirklichkeit&quot; der Haschprotagonisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;8.&lt;/strong&gt; Schauen wir uns doch die Haschpro­tagonisten an: die Beatles machen fröhli­che Liedchen, Spaßvögel ihrer Gesell­schaft, wie es die Hesters, Serrano, Leander und Lale Andersen der ihren waren, Warhol macht (ob nun mit oder ohne sein Wissen und Wollen) schon lange Werbung für Campbelltomato­soup, die Mothers of Invention sagten deutlich im Sportpalast, Westberlin, daß sie die Revolution verabscheuen, die Reste der Kommune 1 laufen herum wie Traumtänzer und haben sich (zu Recht) zum Teil an die Unterwäschereklamefürsten verdingt, ganze Industrien arbeiten zu ihrem Ergötzen, CBS und Polydor produzieren „underground&quot; und finden reißenden Absatz, der „Hirtenlook&quot; ist durchaus einträglich, Hippieblätter in der gesamten westlichen Welt, bunt gedruckt auf buntem Papier werden demnächst subventioniert, alle ihre Illu­strationen sind magere und dümmliche Kopien des dekadent- dümmlich- raffi­nierten Jugendstils - sie werden ja schon geliebt. Papi läßt sich ja auch schon die Haare wachsen, er hat ja „soviel Ver­ständnis&quot;. Vater und Sohn zwinkern sich zu, vielleicht probiert der Alte ja auch mal den Joint. Und die British American-Tobacco läßt Hanf schon im Mittelwe­sten der Staaten anbauen. Natürlich unter strengster Bewachung. Und Dul­dung der Bundesregierung. Freundliche Polizisten zeigen freundlichen Touristen freundlich den Weg zur Haight Street, im sonnigen San Francisco (Haschbury Street) zu den sonnigen Blumenkindern. Eine ältliche Dame, Frau Bonn (der Name könnte symptomatisch sein), Best­sellerautorin bei Econ, Düsseldorf, „ist sicher, daß sie wieder raucht&quot;, der Laden läuft doch. Oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;9.&lt;/strong&gt; Er läuft. Allerdings sind da einige abgesprungen. Die haben erkannt, daß Haschisch und Blumen nichts ändern. Aus Hippies wurden zum Teil Yippies (Y.I.P. = Youth International Party). Und diese beschlossen, konkreter zu werden, mit ihrer Klasse zu brechen, den Klas­senkampf aufzunehmen, mit den Black Panthers zusammenzuarbeiten. Sie erleb­ten ihr Massaker beim Parteitag in Chi­kago. Und Jerry Rubin und Abbie Hoffmann standen zusammen mit Bobby Seale vor Gericht. (Bezeichnenderweise berichtete die hiesige Presse von diesem Teil der Verhandlungen nichts.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit der Zeit sind die Polizisten im gol­denen Frisko nicht mehr so freundlich, die Touristen lesen Horrormeldungen, Manson, Sharon Tates Großinquisitor, wurde für die Presse stellvertretend für die Hippies schon jetzt gelyncht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;10.&lt;/strong&gt; Da sind sie sich einig, die Hippies und Haschprotagonsten in den Staaten und hier: was die Yippies machen, das macht man nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn: Hasch führt im Gegenteil zu Alkohol nicht zu Aggressionen. Hasch macht friedlich, sagen sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;cui bono?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir brauchen nicht erst Fanon zu lesen, um zu wissen, daß Haß, starker, zielgerichteter Haß ein wichtiges politi­sches movens ist, daß Haß in politische Qualität umschlagen kann, umschlägt, umschlagen muß.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Haß gegen dieses, unser Gesell­schaftssystem, gegen die körperliche und seelische Ausbeutung, ist ein wichti­ger Bestandteil des politischen Kampfes der außerparlamentarischen Bewegung. Es ist der Haß gegen die mörderischen Manipulationen und Repressionen des Kapitalismus. Es ist der Haß gegen ein System, das Song-My und My-Lai und Heintje zuläßt, das zwei Drittel der Menschheit hungern läßt, und zur glei­chen Zeit psychedelische Filme sieht, das Che ermorden läßt und die Beatles adelt, das über Vietnam mehr Bomben abwirft, als im letzten Weltkrieg über Deutschland gefallen sind und einen Schwachkopf namens Leary durch alle Gazetten gehen läßt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;11.&lt;/strong&gt; Der alte Kampf zwischen subjekti­ven Bedürfnissen und politischen Ver­hältnissen hat in der Haschkampagne eine neue Verkleidung bekommen. Die Haschverbraucher sind nicht glücklich. Sie sind ein bißchen mehr glücklich als Frau Saubermann. Und die ist durch Konsum, durch Kauf und Besitz von Fernseher und Pelzmantel auch manchmal „high&quot;. Gewiß, Frau Saubermann ist gefährlicher. Das aber spricht für sie. Haschverbraucher, glück­liche Saubermänner der Psyche verges­sen eines: die Verhältnisse, die sind nicht so.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;12.&lt;/strong&gt; Visionen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Busse westdeutscher und ausländischer Touristen kommen nach Westberlin. Nach obligatem Besuch von Mauer, Gedächtniskirche und Kudamm suchen sie die legalisierten Haschklubs auf. Langhans (Berlinheimkehrer), Uschi, Kunzelmann, die Haschrebellen und die &quot;love&quot;- Redaktion, Lenz, Leary, Ginsberg, alle malerisch gelagert, lassen sich gnä­dig fotografieren. Sie leben nicht schlecht dabei: Trinkgelder gibt es reich­lich —für den Kauf des nächsten Joints—. Und Nixon pflanzt in Wisconsin Hanf an. Er läßt sich von Hasch inspirieren. Dabei kommt allerdings nicht „1001 Nacht&quot; heraus. Eher, wie man durch United Fruit (Alleinhersteller von freund­lichen Drogen) Lateinamerika noch bes­ser ausbeuten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;13.&lt;/strong&gt; Schluß.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Auseinandersetzung mit der „Tota­lität des heutigen Informations- Univer­sums&quot; wird nicht mit Hanf geführt. Die einen werden durch Hänf gehängt, die anderen durch Hanf betäubt. Wer heute im Orient lebt, nimmt das Gewehr (wie EI Fatah), nicht Haschisch. Wer heute hier lebt, sollte hier den Kampf aufneh­men. Gegen das System. Mit seinen Mit­teln. Solidarisch. Aber nicht mit Hanf/Haschisch.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn heute niemand mehr Bür­gerkind sein muß, um Hasch zu rau­chen, auch wenn heute niemand mehr die Möglichkeit psychischer, Abhängig­keit von Haschisch bestreiten wird und somit auch die absolute Unbedenklich­keit der Droge Hasch zum Mythos geworden ist, auch wenn heute das Kif­fen als solches längst nicht mehr als politischer Akt verstanden wird, so ist doch vieles an Zahl&#039;s Argumentation richtig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der wichtigste Punkt ist wohl der, daß mensch mit klarer Rübe am subversiv­sten ist. Deshalb ein kurzer Exkurs über:&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Straight Edge&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Anfang der 80er Jahre in Washington D.C., als Kids, die zu jung waren legal Alkohol ausgeschenkt zu bekommen und Kippen zu rauchen in die Clubs und zu Konzerten nur dann eingelassen wurden, wenn sie durch einen Sticker mit der Aufschrift „Straight Edge&quot; ihren freiwilligen Verzicht zum Ausdruck brachten, entstand in Verbindung mit einer aktiven Polit- Punk- Korrekt- Sein- Wollen- Szene der Begriff Straight Edge, als Synonym für eine Haltung. So unprä­tentiös und undogmatisch diese Anfänge waren, so elitär und dogmatisch waren die Interpretationen von Menschen aus anderen Orten. Keine Namen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die eindeutigste und wohl auch älteste Darstellung dieser Haltung ist wohl der folgende Text:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Straight Edge by Minor Threat&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ich bin ein Mensch genau wie du aber ich hab was besseres zu tun als rumzusitzen und meinen Kopf zu ficken&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;mit lebenden Leichen abzuhängen weiße Scheiße meine Nase raufzu­saugen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;bei Konzerten ohnmächtig werden ich denke noch nicht mal an&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Speed&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;das ist etwas, das ich nicht brau­che&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;ich hab eine klare Linie &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ich bin ein Mensch genau wie du doch ich hab was besseres zu tun als rumzusitzen und zu kiffen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;ich weiß, ich kann mich konfrontieren&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;lache über den Gedanken Trips zu klinken&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;lache über den Gedanken mich mit Patex vollzustinken immer auf dem Posten sein niemals eine.Krücke brauchen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ich hab eine klare Linie&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben in dem Song von Minor Threat die Zeile „I got straight egde&quot; mit „eine klare Linie&quot; übersetzt, weil wir denken, daß es die beiden Bestandteile von Straight Edge am Besten trifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Klar, im Sinne von klar, wie in „klarer Kopf“ und klar aber auch im Sinne von eindeutig Linie wegen der Konstanz, nennt es Konsequenz einer Linie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dem Text ist viel herumgeritten worden. Einige haben ihn zur Lebensre­gel erhoben, andere ihn eben deshalb verurteilt, weil sie meinten er wäre zu regelhaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da ist also ein Mensch, der lieber nüchtern ist ... tja... Muß man da noch groß rumdiskutieren? Warum? Oder ob er vielleicht Recht hat? Oder ob das denn überhaupt jemand darf, sich der Breitmacherei entziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ian McKaye, seinerzeit Sänger und Gitarrist der Band betont auch heute noch, daß er den Song nicht als Dogma verstanden wissen möchte, sondern als Dokumentation der eigenen Haltung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Ich trinke kaum Bier, weil es mir nicht schmeckt und rauche kein Hasch, aber ich sage niemandem, tu dies nicht, tu das nicht, das muß jeder selbst wissen, ich sage nur, ich bin für dieses System gefährlicher, wenn ich nüchtern bin und weiß was ich tue.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;We&#039;re taking control of our bodies&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Decisions will now be ours&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;frs not only a question of trust&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;you will do-what is good to you on paper&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;we will do what we must.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Epilog&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;So,... haben wir ja die ganze Palette! Denkste! Was ist mit den Freßsüchtigen, den Magersüchtigen, denTV-Süchtigen, den workaholics? Was ist mit denen, die ohne ihren täglichen 10 Kilometer­lauf nicht leben können?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ist mit UNS ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alkoholsucht, Drogensucht ,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freßsucht, Konsumsucht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;=Sehnsucht ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;nach Ritualen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Vielleicht entwickelst sich ja hier und da ein Gespräch über das warum der „Notwendigkeit&quot; bestimmte Dinge des All­&#039; tags auf die eine oder andere mehr oder weniger „gesunde&quot; An und Weise kom­pensieren zu wollen oder müssen. Wol­len oder müsen? Und welche Dinge sind es, die wir aus- oder überblenden?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;In diesem Sinne, auf der Suche ... in Liebe eure P.O.C. (people on crutches)- Foundation.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;PEACE -PIECE-PROST .&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Halt stopl• Hier noch eine Danksagung, einmal an die Floramenschen in Ham­burg... und... an die Stattzeitung aus Kiel.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;(i.A., die Setzerin)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Trinker-Rap by MC Kackvogel&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wer hat die leeren Flaschen&lt;br /&gt; da...?&lt;br /&gt; Der Alkoholika!&lt;br /&gt; Wer war der Sack der dich im&lt;br /&gt; Stich&lt;br /&gt; ließ?&lt;br /&gt; Wer war der Stinker?&lt;br /&gt; Der Trinker!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer hat die leeren Flaschen&lt;br /&gt; da...?&lt;br /&gt; Der Alkoholika!&lt;br /&gt; Wer war der Arsch wegen dem&lt;br /&gt; du&lt;br /&gt; sitzt?&lt;br /&gt; Wer war der Stinker?&lt;br /&gt; Der Trinker!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum sitzen wir noch hier?&lt;br /&gt; Wegen Bier!&lt;br /&gt; Zu sagen haben wir uns schon&lt;br /&gt; lange nichts mehr&lt;br /&gt; und NEUES schon gar nicht&lt;br /&gt; laß uns Altes wiederholen&lt;br /&gt; und wir kippen uns Bier ins&lt;br /&gt; Gesicht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und deshalb sitzen wir hier&lt;br /&gt; All die Stinker&lt;br /&gt; All die Trinker&lt;br /&gt; Wegen Bier&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer hat die leeren Flaschen&lt;br /&gt; dahin...?&lt;br /&gt; Der Mann mit dem Gin&lt;br /&gt; Wer war die Sau die uns reingeritten hat?&lt;br /&gt; Wer war so daneben?&lt;br /&gt; Einer von denen die immer&lt;br /&gt; einen&lt;br /&gt; heben&lt;br /&gt; Wer hat die leeren Flaschen&lt;br /&gt; dahin...?&lt;br /&gt; Der Mann mit dem Gin!&lt;br /&gt; Wer hat mal wieder Alles&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;geschmissen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer war so blöde?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mann in der Ein- öde&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und warum steh ich neben dir? Wegen Bier!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu sagen haben wir uns &#039;ne Menge&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;und dann auch wieder nicht also laß uns doof quatschen und wir kippen uns Bier ins Gesicht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und deshalb sitzen wir hier&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All die Trinker All die Stinker Wegen Bier&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer hat die leeren Flaschen dahin&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;gestellt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mann von Welt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer war das mit den Selbstmord&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gedanken&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer kriegt hier den Rüffel? Der Süffel&#039;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer hat die leeren Flaschen dahin&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;gestellt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mann von Welt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer war der Typ mit der Ehekrise?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer kriegt hier den Rüffel? Der Süffelt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und warum steh ich neben mir?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wegen Bier!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dabei gedacht hab ich mir nichts&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;also laß mich in Ruhe&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;und ich schütt mir weiter und&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;weiter und immer mehr&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bier ins Gesicht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und deshalb stehen wir hier Die halbe Menschheit&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;auf Bier&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <pubDate>Sat, 06 Mar 2010 11:31:08 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Editorial</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/37/editorial</link>
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                    &lt;p&gt;Tausende blockieren die Zufahrtsstraßen von Heiligendamm (Juni), Menschen stehen unter Terrorverdacht (Juli), weil sie bestimmte Begriffe kennen, die Wiege des alten Europas brennt (August) und FelS macht eine arranca! mit dem Titel „Rausch und Religion“ (Oktober). Was ist das? Der Rückzug ins Private? Saufen und beten?&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Tausende blockieren die Zufahrtsstraßen von Heiligendamm (Juni), Menschen stehen unter Terrorverdacht (Juli), weil sie bestimmte Begriffe kennen, die Wiege des alten Europas brennt (August) und FelS macht eine &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt; mit dem Titel „Rausch und Religion“ (Oktober). Was ist das? Der Rückzug ins Private? Saufen und beten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zunächst lassen wir uns ungern Themen aufdrücken, auch von Ereignissen nicht. Ansonsten müssen wir zugeben, dass Tagespolitik nicht besonders&lt;em&gt; arranca!&lt;/em&gt;-tauglich ist. … Das Internet killt das Printmedium (darüber denken wir oft nach, möglicherweise eines Tages mit Konsequenzen). Um es offensiv zu wenden: Wir machen antizyklische Berichterstattung. Um dem Aktualitätsbedürfnis dennoch ein wenig entgegenzukommen haben wir als FelS eine kleine &lt;strong&gt;&lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/material/arrancaextra-1&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;arranca! xtra #1&quot;&gt;arranca! extra&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; zum Thema G8 gemacht. In der großen &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt; wenden wir uns lieber Themen zu, die längerbeständig sind. Rausch und Religion – zwei Dauerbrenner des Geistes – und Sozialgeschichte. Die Frage, ob Religion Opium des Volkes ist oder für das Volk dürfte sich in neuerer linker Theorie entschieden haben. Unsere Verwobenheiten in Herrschaftsmechanismen sind augenscheinlich. Ratzinger wäre auch vom „Volk“ zum Papst gewählt worden oder es wäre eigens ein Posten erfunden worden, um ein deutsches Wesen zum Paten im Religionsopiumskartell zu machen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Auch andere Opiate wie „Deutschland sucht (...)“ müssen nicht ausgeteilt werden, sie werden ausgewählt. Mit der Frage, ob die Menschen sich von der Religion nähren oder die Religion ihre Kinder frisst, beschäftigt sich der Sufimus-Artikel von Frieder Otto Wolf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Während linker Zorn früher noch viel gegen Kirchenmauern brandete, haben sich die Kirchen als Moralinstanz in neoliberalistischen Zeiten zum kleineren Übel gemausert. Früher war es das Schlimmste, was passieren konnte, dass das eigene Kind auf einmal Erweckungserlebnisse vortäuscht und getauft werden will. Heute ist das immer noch besser, als wenn es nur Lilyfee-Kleidchen tragen will oder den ganzen Tag schwulenfeindlichen HipHop gut findet oder im Studium ein Praktikum an das andere reiht und sich mit Freude vom System rädern lässt bis zum Gehtnichtmehr. Wenigstens schützt Religion vor allzumodischem Aussehen und vor manchesterkapitalistischer Selbstausbeutungsfreude. Zudem braucht der Kapitalismus auch das protestantische Ethos nicht mehr so, da er sich eigene Wertesysteme baut. Punktuell bremst die Religion den Kapitalismus eher aus, wenn es um Sonntagsarbeit oder zu viele Rüstungsexporte in zu schlimme Länder geht. Wenn es drauf ankommt, werden die Religionen aber wohl mitmachen bei allem Übel. Ein Gewissen, was von Steuern lebt, kann nicht funktionieren.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Ob Rausch- oder Religionsmittel: Beides bedeutet Entzug von Systemanforderungen, während die Religion über einen durchdachteren Überbau verfügt als die frei flutende Berauschtheit. Religion und Rausch entziehen sich beide einem alles durchdringenden Verwertbarkeitswahn, der Metaphysik schlecht assimilieren kann. Religiöse Taumler und Haschrebellen sind zwar keine Maschinenstürmer (Opium ist auch Opium des Volkes), machen aber immerhin auch mal Pause beim Arbeiten, um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, für die sie nicht bezahlt werden. Mehr zum Thema Religion und Kapitalismus bitte hier: Seite 20.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Deutschland hat die SPD die Kirchen in den letzten 15 Jahren außerdem deutlich rechts überholt. Das soziale Gewissen ist nicht mehr in der SPD zuhause, wohl aber noch in der evangelischen Kirche. Zusätzlich braucht die Religion den Rausch als Instrument, der Rausch ist sich aber selbst genug. Myrrhe und Weihrauch, Reden in Zungen, sich geißeln, die Zehn Gebote empfangen, Kreuzigungen durchführen oder Fatwen aussprechen – alles geht berauscht ein bisschen besser. Interessant eigentlich, dass der Islam eifersüchtig Alkohol untersagt. Man muss physiologisch nüchtern sein, um religiöse Ekstasen nicht zu „verwässern“. Du sollst keine anderen Drogen haben neben mir. Mehr zu Islamfeindlichkeit, besonders in Berlin- Pankow, im Artikel der &lt;em&gt;Gruppe Soziale Kämpfe&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt; Was sonst?&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;FelS war in Börgerende – ein FelSler berichtet davon. FelS war nicht nur in Börgerende, sondern auch wesentlich an der &lt;em&gt;Block G8&lt;/em&gt;-Vorbereitung und Durchführung beteiligt, auch das wird hier ausgewertet. Der Frage, wie weiß der Elfenbeinturm bei uns sein möchte, geht der Artikel auf Seite 42 nach, der sich mit rassistischem Alltag in der Wissenschaft auseinandersetzt. Die so genannten „Neo“-Nazis versuchen noch immer in Halbe ihren seit 60 Jahren toten Nazitoten zu gedenken. Solches Vorhaben ist verhinderungswürdig, was im Artikel der Antifa-AG vorgestellt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir freuen uns, dass diese Nummer von zwei Layoutern gestaltet wird, die bei der &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt; und bei FelS mitmachen. Endlich ist die Auflösung der Trennung von Kopf- und Handarbeit wieder gelungen!&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Glaubt uns und rauscht!&lt;br /&gt; Wenn Ihr das mit FelS gemeinsam machen wollt, seid Ihr herzlich eingeladen,&lt;br /&gt; mailt uns: arranca[ÄT]lists.nadir.org&lt;br /&gt; Eure &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt;-Redaktion!&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/rausch">Rausch</category>
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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:35:46 +0000</pubDate>
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 <title>Rausch und Religion</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/37</link>
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 <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 17:15:21 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Haltung und Rausch:</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/41/haltung-und-rausch</link>
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                    &lt;p&gt;Über den Erfolg der Linkspartei bei den Bundestagswahlen darf man sich ruhig freuen. Er zeigt an, dass zwar viel erreicht, aber noch nichts gewonnen ist; ein Sieg im Kleinen, doch kein Ausweg aus der Krise.  «Es herrscht Ruhe im Land» – trotz oder gerade wegen der größten Krise der Nachkriegszeit. Man hört untergründiges Beben, geht aber weiter am Strand spazieren in der Hoffnung, der kommende Tsunami werde folgenlos über eine/n hinwegschwappen.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Über den Erfolg der Linkspartei bei den Bundestagswahlen darf man sich ruhig freuen. Er zeigt an, dass zwar viel erreicht, aber noch nichts gewonnen ist; ein Sieg im Kleinen, doch kein Ausweg aus der Krise.  «Es herrscht Ruhe im Land» – trotz oder gerade wegen der größten Krise der Nachkriegszeit. Man hört untergründiges Beben, geht aber weiter am Strand spazieren in der Hoffnung, der kommende Tsunami werde folgenlos über eine/n hinwegschwappen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch viele Linke glauben, diese Krise ließe sich durch einen ausgewogenen Mix aus Etatismus, Fordismus und Keynesianismus in den Griff kriegen. Debatten, die einen Bruch mit dem Fortschrittsmythos, der Vorstellung des ewigen Wachstums und Vergötterung von ‹Arbeit› markieren, sind selten: Die Lösung der Krise wird vorrangig quantitativ gedacht. Mein Eindruck: Die Linkspartei unterscheidet sich von anderen Parteien, indem sie an deren Forderungen noch eine Null dran hängt. Das ist nicht polemisch gemeint. Der Großteil ihrer Forderungen ist ja richtig und wichtig, würden sie umgesetzt, wäre die Lebenssituation vieler Menschen besser. Dennoch: Nach vorne weisende Debatten, die die Dimensionen der Krise ausmessen und daraus ihre politischen Projekte begründen, stehen erst am Anfang. Das gilt auch für die Bewegungslinken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diskussionen über Transformationsstrategien sind deshalb absolut notwendig. Ich meine damit nicht schratige ‹Utopien› schöner neuer Welten. Wir müssen schon Komplizen der Zeit sein und trotzdem Unzeitgemäße bleiben. Sinnvoll wären Entwürfe, die an konkreten Widersprüchen und entsprechenden Kampffeldern ansetzen: Wie stellen wir uns urbanes Wohnen vor? Was könnte die Mobilität der Zukunft sein? Welche Energieversorgung haben wir nach dem Ende des Fossilismus? Welche Konversionsdebatten werden geführt? Viele kluge Vorschläge wurden hier in den letzten Jahrzehnten entwickelt, die auch schnell umgesetzt werden könnten. Nur: Sie werden es nicht. Die Verhältnisse, sie sind nicht so. Deswegen muss man als Linke/r immer wieder einen Schritt zurücktreten, um den Ort zu bestimmen, von dem aus man interveniert. Und hier wird es leider etwas abstrakter.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Der Einsatz&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu jenen, die die Krise auf eine Finanz- und Wirtschaftskrise reduzieren, hat eine Linke herauszustellen, dass es sich um eine umfassende gesellschaftliche Krise handelt. In ihr verdichten und kreuzen sich verschiedene Krisenphänomene: die Wirtschafts- und Finanzkrise, die ökologische Krise, die Krise des Fossilismus, die Ernährungs- und Hungerkrisen, die Krise der US-Hegemonie und mit ihr die des globalen Nordens. Die Folgen sind bekannt: Flüchtlingsströme, Zonierung der Welt, Kriege in Permanenz, Fundamentalismen. Der Weltsystemtheoretiker Immanuel Wallerstein behauptet, dass wir uns in einem globalen ‹Verwandlungs- ZeitRaum› befinden, einer Phase systemischer Weichenstellung – vergleichbar der am Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts. Demnach wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren die Zukunft dieses Planeten ausgefochten. Toni Negri vergleicht die heutige Situation mit derjenigen im Russland von 1905.&lt;br /&gt; Die Dringlichkeit von weitgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen ist keine Frage des Wissens, der Fakten bzw. der politischen Aufklärung. Jede/r, der/die es wissen will, kann die diversen &lt;em&gt;Stern-&lt;/em&gt;Reporte und Warnungen der zigtausend Al Gores nachlesen. Es ist eine Frage von politischem Willen. Nichts anderes bedeutet Krise im wörtlichen Sinn: Entscheidung, Bruch, Zuspitzung, Höhe- und/ oder Wendepunkt einer gefährlichen oder unsicheren Entwicklung; Infragestellung einer Entwicklung, einer gegebenen Struktur oder Situation durch akute Schwierigkeiten. Etwas Gefährliches also.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Gefahren&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wenn man nach Transformationsstrategien fragt, muss man auch nach den Bedingungen des Erfolges und nach dem Ort und den Aufgaben der politischen Aktivist_innen fragen. In der Dringlichkeit von Veränderungen schlummern Gefahren: eine bereits erwähnte ist das «Zurück zu …» den sicheren Rezepten früherer Jahre. Nicht wenige glauben, Keynesianismus und Fordismus könnten im Zusammenspiel mit dem Nationalstaat die passende Medizin darstellen. Natürlich ist der Nationalstaat eine wichtige Handlungsebene. Doch der Horizont der Probleme ist ein globaler. Der Nationalstaat greift immer mehr zu kurz. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr einer Politik der reinen Gesinnung und der reinen Tat1. Zahlreiche Beispiele dafür sind aus der Geschichte bekannt. Der Versuch, Kräfteverhältnisse durch Bündnisse zu beeinflussen, die Mühen dieser Ebene werden leichterhand als reformistisch verworfen.&lt;br /&gt; Und schließlich besteht die Gefahr der Überschätzung und Überforderung der eigenen Kräfte und Möglichkeiten. Damit verbunden ist ein Aktionismus, der sich nicht auf Dauer durchhalten lässt. Der unausweichliche Rückzug führt dann in die Resignation des «Umsonst » oder zum Zynismus des Besserwissers. Überschätzt wird die eigene Bedeutung hingegen oft von politischen Aktivist_innen, die auch noch politische Intellektuelle sind.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Der Ort des politischen Aktivismus und der Intellektuellen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wichtig ist also die Differenz zwischen Aktivismus und Aktionismus. Das machte Brecht in seinem &lt;em&gt;Me-ti. Buch der Wendungen&lt;/em&gt; vor dem Hintergrund des drohenden Faschismus deutlich. So etwa in der Geschichte &lt;em&gt;Tu will kämpfen lernen und lernt sitzen&lt;/em&gt;:&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;«Tu kam zu Me-ti und sagte: Ich will am Kampf der Klassen teilnehmen. Lehre mich. Me-ti sagte: Setz dich. Tu setzte sich und fragte: Wie soll ich kämpfen? Me-ti lachte und sagte: Sitzt du gut? Ich weiß nicht, sagte Tu erstaunt, wie soll ich anders sitzen? Me-ti erklärte es ihm. Aber, sagte Tu ungeduldig, ich bin nicht gekommen, sitzen zu lernen. Ich weiß, du willst kämpfen lernen, sagte Me-ti geduldig, aber dazu musst du gut sitzen, da wir jetzt eben sitzen und sitzend lernen wollen. Tu sagte: Wenn man immer danach strebt, die bequemste Lage einzunehmen und aus dem Bestehenden das Beste herauszuholen, kurz, wenn man nach Genuss strebt, wie soll man da kämpfen? Me-ti sagte: Wenn man nicht nach Genuss strebt, nicht das Beste aus dem Bestehenden herausholen will und nicht die beste Lage einnehmen will, warum sollte man da kämpfen?»&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Me-ti redet nicht dem Abwarten das Wort. Doch dürfen politische Aktivist_innen keine Eiferer sein, keine Prediger_innen des Verzichts und Moralisten, sonst verlieren sie an Überzeugungskraft. Trotz aller Dringlichkeit; nur wer die Fähigkeit hat, zu warten, kann klar sehen. Wer sich von seiner Ungeduld hinreißen lässt, landet bei der Caritas und Sozialarbeit oder bei existentialistisch motivierter Militanz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch der oder die linke Intellektuelle sollte sich über die Grenzen seines Tuns im Klaren sein. Er/sie ist, wie es Benjamin mit Blick auf Kracauer ausdrückt, «kein Führer, kein Gründer». Seine/ihre Aufgabe ist vielmehr die «Politisierung seiner eigenen Klasse», eben der Intelligenz. Benjamin vergleicht ihn im Aufsatz &lt;em&gt;Politisierung der Intelligenz&lt;/em&gt; mit einem «Lumpensammler frühe im Morgengrauen, der mit seinem Stock die Redelumpen und Sprachfetzen aufsticht, um sie murrend und störrisch, ein wenig versoffen, in seinen Karren zu werfen, nicht ohne ab und zu einen oder den anderen dieser ausgeblichenen Kattune ‹Menschentum›, ‹Innerlichkeit›, ‹Vertiefung› spöttisch im Morgenwinde flattern zu lassen. Ein Lumpensammler, frühe – im Morgengrauen des Revolutionstages.»&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Kräfte des Rausches und die Kräfte der Ordnung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was sind aber nun die Bedingungen für den Erfolg? Machen wir zunächst einen Umweg. Ein zentraler Grund für das Scheitern der historischen Linken waren die Fiktion von Einheit und der Absolutheitsanspruch. Es gab nur die &lt;strong&gt;eine&lt;/strong&gt; Partei – Sozialdemokratie oder Kommunismus. Wer nicht zur Partei gehörte, war Abweichler_in, Verräter_in, Scharlatan_in usw. Die Zwischengruppen versuchten, eine Kommunikation zwischen den großen Organisationen herzustellen, aber auch sie verfolgten das Ziel der Einheit durch Wiedervereinigung. Die Bewegungen von 1968 haben diese Vorstellung von linker Politik nachhaltig erschüttert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der politische Einsatz der Sozialforumsbewegung hingegen bestand darin, die Vielfalt der Bewegungen als Vielfalt anzuerkennen. Einheit als Ziel wurde aufgegeben. Dies ist ein unhintergehbarer Fortschritt. Wie weit er trägt, wird man sehen. Gerade jetzt, in und durch die Krise dürfte der antineoliberale Konsens der Sozialforumsbewegung brüchig werden. Nicht wenige werden einem kapitalistischen &lt;em&gt;Green New Deal&lt;/em&gt; das Wort reden.&lt;br /&gt; Mit der Anerkennung der Differenz ist nur eine Erfolgsbedingung formuliert. Und dies gilt auch nur dann, wenn die Differenz nicht mit einer Einhausung der verschiedenen Milieus in ihrem jeweiligen Biotop gleichgesetzt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daneben sind weitere Faktoren erforderlich. Zunächst wäre die Schwäche der Herrschenden zu nennen. Die Krise der Repräsentation ist zwar weit fortgeschritten, hat aber noch lange nicht den Punkt erreicht, der zu einer Implosion des Systems führen könnte. Zweitens ist die Existenz einer klugen, nicht sektiererischen ‹Partei› im weiteren Sinne erforderlich, die versucht, den Möglichkeitshorizont der Linken in ihrer Gesamtheit zu erweitern. Drittens muss eine metaphorische Verdichtung von Erfahrungen und Forderungen erfolgen: «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» in der Französischen Revolution; «Land, Frieden, Brot» in der Russischen Revolution; «Wir wollen alles» oder «Ich will nicht werden, was mein Alter ist» von 1968. Der Slogan «Eine andere Welt ist möglich» der Sozialforumsbewegung ist nur ein matter Abglanz dieser Forderungen. Notwendig ist zudem der Glaube an die eigene Stärke, die Überzeugung, etwas fundamental ändern zu können. Beispielhaft hierfür ist das ‹Amandla› des ANC in Südafrika: Es bedeutet Macht, Stärke, auch Selbstermächtigung, das Wissen, siegen zu können. Vor dem Hintergrund historischer Niederlagen fehlt uns eine solche Subjektivität fast völlig. Sie wird vom globalen Süden her kommen müssen.&lt;br /&gt; Und – alles entscheidend – das Ereignis, der unverfügbare Aufbruch der «gefährlichen Klassen» sowie der «Kräfte des Rausches». Unter Letzteren verstand Benjamin die ästhetischen Avantgarden, insbesondere die Surrealisten und die Gruppen, Geheimbünde, Organisationen um die französischen Schriftsteller und Soziologen Bataille, Leiris und Caillois. Sie brachten für ihn die zeitgemäßen Schwellenerfahrungen zum Ausdruck. Diese Autoren formieren nur die «Spitze eines Eisbergs, der unterm Meeresspiegel sein Massiv in die Breite streckt. Es ist gerade eine Aufgabe der Kritik zu erkennen, an welche außerliterarischen Tendenzen diese Schriften anschließen. » Deshalb forderte er, diese Kräfte des Rausches für die Revolution zu gewinnen. Sein Ziel war, einen profanen Messianismus, eine profane Mystik mit dem historischen Materialismus zu konfrontieren. Auch heute stellt sich diese Aufgabe. Die Krise wird nicht auf dem Feld der Ökonomie entschieden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sieht man sich die Geschichte an, waren die Linken vor allem dann stark, wenn sich die Kräfte der Ordnung und der Disziplin (Partei) mit den Kräften des Rausches (ästhetische Avantgarden) und den Kräften des «niederen Materialismus» (gefährliche Klassen) kreuzten. Dies war der Moment des Bruches. Homo faber &lt;strong&gt;und&lt;/strong&gt; Homo ludens; die Jakobiner &lt;strong&gt;und&lt;/strong&gt; die Sansculotten sowie die Marktweiber und die Enrages; die Bolschewiki &lt;strong&gt;und&lt;/strong&gt; die künstlerische Avantgarde (man denke nur an Majakowski, Kollontai, Suprematismus und Konstruktivismus in den 1920er Jahren) und die Bauern; 1968: Fabrik und Stadtteil; Arbeit und Alltag; Freaks und Hippies; Kommune 2 und Lehrlingsbewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei diesem &lt;strong&gt;und&lt;/strong&gt; handelt es sich nicht um eine hegelianischedialektische Aufhebung der Widersprüche auf erhöhter Stufenleiter, sondern um eine Konstellation – einer der zentralen Begriffe bei Benjamin – von verschiedenen Elementen. Den Raum für einen solchen Zusammenprall zu schaffen, wäre Aufgabe einer klugen Linken. Nur wenn man den Horizont öffnet für andere politische und lebensweltliche Traditionen, ist dies möglich. Bis jetzt ist das noch nicht gelungen: die Diskurse von Ökologie und Sozialem laufen immer noch nebeneinander her. Eine diskursive Verkopplung hat nicht stattgefunden. Die Abwrackprämie bei Opel als Krisenlösungsstrategie spricht Bände.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Moment des Bruches ist nie aus der gegebenen Situation ableitbar. Vielleicht wird er für immer verfehlt. Manchmal gibt es aber auch den Kairos, den Augenblick der günstigen Gelegenheit, in dem sich Geschichte wie im Zeitraffer beschleunigt und verdichtet. Hätte jemand im September 1989 behauptet, dass zwei Monate später die Mauer nicht mehr steht, wäre er oder sie gnadenlos ausgelacht worden. Als Desmoulins am 12. Juli 1789 zu den Waffen rief, dachte er nicht im Traum an den Sturz des Absolutismus schon zwei Tage später. Wer in Paris dachte im Februar 1871 an die Pariser Kommune? Und um 1966 glaubten politische Expertund Soziolog_innen, die Jugend sei völlig unpolitisch. Kurze Zeit später explodierte etwas, was bis heute nicht erklärbar ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den historisch avanciertesten Versuch, an einer solchen Konstellation zu arbeiten, bildet die Trias Brecht-Benjamin-Bataille. Sie selbst bildeten eine Konstellation mit Benjamin als Bindeglied. Sie erkannten früh, dass die Politik der Arbeiterparteien gegenüber dem Faschismus zum Scheitern verurteilt war, in ihrem positivistischen Fortschrittswahn unfähig, dem Faschismus zu widerstehen. Welche Antworten sie zu geben versuchten, darüber in der nächsten &lt;em&gt;arranca!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;


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