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 <title>arranca! - Rechtspopulismus</title>
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 <title>Return to Castle Wolfenstein? Strategien gegen Rechts.</title>
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 <pubDate>Sat, 17 Jun 2017 13:41:44 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Eurokrise</title>
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 <pubDate>Tue, 28 Feb 2012 11:23:33 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Die Klasse der Anderen ist eine andere Klasse</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/51/die-klasse-der-anderen-ist-eine-andere-klasse</link>
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                    &lt;p&gt;Didier Eribons Buch Rückkehr nach Reims wurde so gehypt wie selten ein Buch über Klasse und die soziale Frage. In den linken und bürgerlichen Medien – ­eigentlich überall – wurde die autobiographische Erzählung über das Verlassen und Hassen der Herkunftsklasse, über Scham, die eigene (homo)sexuelle Befreiung und intellektuelle Suche positiv besprochen. Die Erzählung versucht sich gleichzeitig in einer Antwort auf die Frage, wie es zu diesem Aufstieg der Rechtspopulist*innen kommen konnte.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Didier Eribons Buch Rückkehr nach Reims wurde so gehypt wie selten ein Buch über Klasse und die soziale Frage. In den linken und bürgerlichen Medien – ­eigentlich überall – wurde die autobiographische Erzählung über das Verlassen und Hassen der Herkunftsklasse, über Scham, die eigene (homo)sexuelle Befreiung und intellektuelle Suche positiv besprochen. Die Erzählung versucht sich gleichzeitig in einer Antwort auf die Frage, wie es zu diesem Aufstieg der Rechtspopulist*innen kommen konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist quasi alles drin: Die neoliberale Wende linker Politik, die Individualisierung und das Verschwinden der Klasse aus dem politischen Diskurs und nicht zuletzt die Beschreibung der Lebensrealität von Menschen, die es so beschissen haben, dass von denjenigen, die dort noch nicht sind und auch nicht hinwollen, viel Verständnis für beschissene Positionen aufkommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir diesem Buch wirklich hoch anrechnen, ist, dass Emotionen und Affekte einen Platz in dieser Aufstiegsgeschichte bekommen, einen Platz in der politischen Auseinandersetzung. Das Buch berührt, ohne sich gegen Intellektualität zu stellen &lt;br /&gt;Viele Texte sind geschrieben worden, die sich mit der Frage beschäftigen, was wir jetzt mit der Analyse des rechtspopulistischen Aufstiegs auch als Ergebnis linken Versagens machen (zum Beispiel Dossier &lt;em&gt;Luxemburg&lt;/em&gt;). Wie kann die Erkenntnis, dass die linken Parteien keine Möglichkeit der Identifikation mehr bieten und kein überzeugendes Projekt für die Zukunft für «die Benachteiligten, Prekären, Abgehängten» für eine neue Klassenpolitik fruchtbar gemacht werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rückkehr nach Reims war für Eribon eine Möglichkeit, sich seiner Herkunft soziologisch zu nähern, ohne die Gefahr der erneuten Involviertheit mit der Familie. Das ist weniger soziologisch interessant als psychologisch: die Motivation, die Gründe der Anderen, die keine reale Klasse mehr sind, spielen kaum eine Rolle. Stattdessen erfolgt ein fragwürdiger soziologischer Nachweis, sie hätten sich in ihrem Rassismus und ihrem ängstlichen Konservatismus eigentlich nie groß verändert. Bloß die Umstände seien andere geworden, also die politisch-moralische Führung der sich nach rechts entwickelnden bürgerlichen Mittelklassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sehr persönliche Geschichte über Eribons Scham der eigenen Herkunft und seine Auseinandersetzung mit Homophobie und Intellektuellenfeindlichkeit haben uns in ihrem Mut und ihrer Klarheit berührt. Es blieb aber auch ein Unbehagen. Die Frage für uns nun, warum?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht weil wir die Geschichte als vor allem männliche Aufstiegsgeschichte lasen, die gelang, weil es männliche Unterstützungsnetzwerke gab. Die harte Abgrenzung zur Herkunftsfamilie und das Profilieren im wissenschaftlichen und journalistischen Feld, mit der Betonung einer vermeintlich neutralen Sachebene, die feministischen Widerspruch provoziert. Weil in der Erzählung von der selbsttätigen Befreiung und Flucht, die Ermöglichung dieses Weggehens durch den Anteil weiblicher Reproduktionsarbeit in Form von Arbeit und Wünschen der Mutter, unsichtbar wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist auch der Dissenz zu Bourdieu verständlich, den Eribon anspricht. Denn Bourdieu betont die Bedeutung von Erziehung als Habitusformierung, die bei Eribon verschwindet und erst die Erzählung von der subjektiven, schweren, aber auf Intelligenz basierenden klugen Aufstiegsgeschichte ermöglicht. Diese Sicht lässt die bequeme Möglichkeit offen, sich mit diesen rassistischen, sexistischen, ungebildeten Anderen beschäftigen zu können, ohne real mit ihnen zu tun zu haben, geschweige denn gemeinsam mit ihnen Politik zu machen.&lt;br /&gt;Inklusive blinder Flecken bekommt diese Sicht durch die Herkunft Eribons legitimes Gewicht. Er muss es ja wissen, er kommt von dort.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir lesen darin auch einen Rest Ekel der Herkunft gegenüber, sichtbar versteckt im Scheinwerferlicht der erst rückblickend zugestandenen sozialen Scham. Das Fehlen jeglicher positiver Bezüge zu seiner Herkunft, diese Affekte irritieren, denn während er für die Rückkehr der Klasse in die politische Diskussion wirbt, sorgt seine persönliche Geschichte vom männlichen &lt;em&gt;weißen&lt;/em&gt; Subjekt als erfolgreiches Aufstiegsprojekt für das Verschwinden derselben in der Bedeutungslosigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage, warum immer mehr Arbeiter*innen rechts wählen ist eine gute Frage. Verknüpft mit der spezifischen Ekelperspektive von oben aber macht es ein gesamtgesellschaftliches Problem zur Strategie von «denen da unten»; die hart arbeitende, hart lebende, sich verhärtende Klasse. Nichts mit solidarischer Arbeits- und Lebensweise, nichts mit schlau, nichts mit Handlungsfähigkeit, nichts mit real gemischten Existenzen. Hier wird ein Bild der &lt;em&gt;weißen&lt;/em&gt; homogenen Arbeiterklasse gemalt, die es so nicht gab und gibt. Klasse ist hier vor allem das Andere des Bürgerlichen. Nur wie erklärt sich damit der gesamtgesellschaftliche Rechtsruck?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So bleibt eine brüchige Männlichkeit, die vom Liberalismus ihres Milieus der französischen Intellektuellen profitiert hatte, solange dieser noch nicht nach rechts weggebrochen war, die Brille, durch die die Welt betrachtet wird. Durch sie verschwinden die Anteile weiblicher* Sorgearbeit und Zuspruchs, des Mutmachens und des Dreckwegräumens nicht nur aus der eigenen Geschichte. Auch in der Analyse des rechtspopulistischen Aufwinds wird nicht thematisiert, dass sich hier Antifeminismus und der Hass auf die sozial Deklassierten zu einem erfolgreichen rechten Projekt verbunden haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für Bürger*innen erzählt Eribon sehr vieles über Klasse. Für Menschen aus dieser Klasse erzählt er zu wenig, zu grob und abschätzig. Und dann ist für Aufsteiger*innenkinder, wie wir es sind, Eribon lesen so: Ey, es gab eine lange Reihe an Auseinandersetzungen mit Klasse und Klassismus vor diesem Buch, aber sie fanden nicht das Gehör, da sie nicht von einem großen Intellektuellen mit einem Berg von kulturellem Kapital und einer «selbstverständlichen» legitimen Sprechweise kam. Das heißt für uns nicht, dass sie aus dem politischen Diskurs verschwunden war, wie Eribon schreibt, sondern nur, dass Bürger*in werden/sein hilft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese legitime Sprechweise heißt auch, über Emotionalität politisch-strategisch zu sprechen, zumindest wenn es um Klasse geht. Alles bleibt unter Kontrolle, der Kontakt zur Vergangenheit ist wissenschaftlicher Neugier geschuldet und bleibt distanziert. So lässt Eribon seine Familie oder seine Herkunftsklasse nur selten selbst zu Wort kommen, aber erzählt im Stil einer linken Vogelperspektive eine Geschichte über die Massen. Seine Familie, die «da unten», werden Objekte soziologischer und politisch-strategischer Phantasmen. Schade, sie hätten viel mehr sein können. Aber vielleicht ist das der Preis für ein Projekt, das versucht, selbstreflexive Vergangenheitsbewältigung mit dem großen soziologischen Wurf zu verbinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir finden, Eribon schafft quasi einen literarischen Rahmen, aber rekonstruiert nicht die realen Kämpfe, die Hybridität und den Schmutz der politischen Kämpfe, wer da wen besiegt und beschämt hat oder wer vom eigenen Führungsanspruch nicht loslassen kann. Die Arbeiter*innenklasse wird hier nicht gleich zur revolutionären Klasse ausgerufen oder zu armen Opfern gemacht. Eribon beschreibt, dass Menschen gehört werden und repräsentiert sein wollen, aber er lässt die Frage nach solidarischer klassenübergreifender Praxis und neuen Formen von Repräsentationspolitiken offen. Am Ende bleibt es eine Aufgabe, eine andere Klasse zu schaffen, eine Klasse aller Anderen, die sich nicht mehr schämen wird.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Thu, 22 Jun 2017 16:22:47 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>EU-Bashing als Erfolgsrezept des Rechtspopulismus</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/45/eu-bashing-als-erfolgsrezept-des-rechtspopulismus</link>
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                    &lt;p&gt;Die Welle rechtspopulistischer Wahlerfolge schwappt weiter über  Europa:  Skandinavien ist inzwischen komplett mit Parteien dieses Typs   überzogen, in Österreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und   Frankreich finden sich erfolgreiche Parteien des Rechtspopulismus,   weitere Länder könnten genannt werden – und dann eine zentrale Lücke: in   Deutschland ist gegenwärtig keine erfolgreiche Partei der extremen   Rechten vorhanden, die mit dem Stichwort des Rechtspopulismus belegt   werden könnte. Das kann sich, alle aktuellen Umfragen und Studien zu   Einstellungsmustern in der Bevölkerung weisen dies aus, sehr schnell   ändern. Andererseits ist momentan keine Formation in Sicht, der man   Erfolge wie der Wilders-Partei in den Niederlanden oder der   österreichischen FPÖ zutraut, und das obwohl mit der Partei &lt;em&gt;Die Freiheit&lt;/em&gt; und der &lt;em&gt;Pro-Bewegung&lt;/em&gt; mindestens zwei Gruppierungen genau an diesen  erfolgreichen europäischen Rechtspopulismus anknüpfen wollen.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Die Welle rechtspopulistischer Wahlerfolge schwappt weiter über  Europa: Skandinavien ist inzwischen komplett mit Parteien dieses Typs  überzogen, in Österreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und  Frankreich finden sich erfolgreiche Parteien des Rechtspopulismus,  weitere Länder könnten genannt werden – und dann eine zentrale Lücke: in  Deutschland ist gegenwärtig keine erfolgreiche Partei der extremen  Rechten vorhanden, die mit dem Stichwort des Rechtspopulismus belegt  werden könnte. Das kann sich, alle aktuellen Umfragen und Studien zu  Einstellungsmustern in der Bevölkerung weisen dies aus, sehr schnell  ändern. Andererseits ist momentan keine Formation in Sicht, der man  Erfolge wie der Wilders-Partei in den Niederlanden oder der  österreichischen FPÖ zutraut, und das obwohl mit der Partei &lt;em&gt;Die Freiheit&lt;/em&gt; und der &lt;em&gt;Pro-Bewegung&lt;/em&gt; mindestens zwei Gruppierungen genau an diesen  erfolgreichen europäischen Rechtspopulismus anknüpfen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die  Verbindung von Rassismus, Kriminalitätsdiskurs und sozialer Frage waren  die Erfolgsthemen der populistischen Rechten im vergangenen Jahrzehnt.  Aktuell scheint sich mit der Abgrenzung zur EU ein weiteres  publikumswirksames Thema hinzuzugesellen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Feindbild EU?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Angesichts  der aktuellen Euro-Krise und der immer stärkeren Legitimationskrise der  EU zeichnet sich ein (nicht ganz so) neues Erfolgsthema für den  Rechtspopulismus ab. Die Milliardensummen, mit denen europäische  Regierungen Rettungsschirme spannen, um danach die fehlenden Gelder bei  ihren BürgerInnen einzutreiben, die auch mit Hilfe der EU durchgesetzten  Drangsalierungen gegen Krisenstaaten wie Griechenland, Portugal und  Irland bieten viel Stoff, um mit einem Feindbild EU politisch zu  punkten. Da es der Rechten, anders als der Linken, dabei keinerlei  Probleme bereitet, mit dem EU-Bashing eine Renationalisierung Europas  voranzutreiben, ist hier noch einiges an Zuspitzungen zu erwarten.  Stimmen wie die von Geert Wilders, „Lieber einen starken Holland-Gulden  als einen schwachen Euro“ oder der sich gerade auf den französischen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Präsidentschaftswahlkampf  einstimmenden Marine Le Pen, „Besser, wir treten aus der EU aus und  schaffen den Euro ab“ könnten bald typisch für den Umgang mit der  Euro-Krise von rechts sein. Die EU steht dabei als sichtbarer Ausdruck  all dessen, was als Fremdbestimmung, Anonymisierung der Politik,  fehlende Zuordnenbarkeit von politischer Verantwortung und Auflösung  traditioneller und bekannter sozialer Zusammenhänge wahrgenommen wird.  Insofern bietet sie sich für den Rechtspopulismus als ähnlich gutes  Feindbild wie der Islam an, der als sichtbares Symbol der Fremdheit zum  wichtigsten Thema des Rechtspopulismus wurde. Dabei gelingt es den  Rechtspopulisten durch eine völlig verfehlte Politik mancher  konservativer Bündnispartner, sich nicht durch realpolitische  Mitverantwortung für unliebsame Entscheidungen schmutzig zu machen. So  verkaufte die dänische Volkspartei – die bis zu den Wahlen im Herbst  2011 noch die konservative Regierung tolerierte – ihre Zustimmung zum  Haushalt gegen regelmäßige Verschärfung der Zuwanderungsgesetzgebung,  ohne dass sie für unpopuläre Entscheidungen der Regierung in  Mitverantwortung genommen wurde. In den Niederlanden hat Geert Wilders  die Möglichkeit erhalten, seine Inhalte umzusetzen ohne Teil der  Regierung zu sein. Und angeblich sollen auch die &lt;em&gt;Wahren Finnen&lt;/em&gt; schon vor  der Wahl die Möglichkeit erkundet haben, allein gegen Finanzhilfen für  Portugal zu stimmen und dennoch Teil der Regierung zu werden. Mit  solchen Zugeständnissen werden die Rechten in eine &lt;em&gt;win-win&lt;/em&gt;-Situation  gebracht und ihr Erfolg wird zementiert. Ähnlich verfährt Sarkozy in  Frankreich, der mit seinen Hetzkampagnen gegen Sinti und Roma und gegen  MuslimInnen genau die Themen des &lt;em&gt;Front National&lt;/em&gt; protegiert. Keine  Zusammenarbeit mit RassistInnen, von dieser Selbstverständlichkeit sind  die meisten Regierungen Europas weit entfernt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anders als die  populistische Rechte können die etablierten rechten Parteien den  Anti-EU-Populismus nicht mitmachen, sind sie doch zu eng mit den  Interessen der großen Kapitale in ihren jeweiligen Ländern verbunden.  Dass die gegenwärtige EU vor allem eine Veranstaltung des Kapitals ist,  für dessen finanzielle Rettung die Bevölkerungen zahlen müssen, kann von  den politischen ArchitektInnen dieses Systems wohl kaum ausgesprochen  werden – so bleibt es bisher der populistischen Rechten vorbehalten, mit  dem Thema zu punkten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Linke muss dringend einen Weg finden,  die berechtigte Kritik an &lt;em&gt;diesem&lt;/em&gt; Europa nicht länger den  RechtspopulistInnen zu überlassen. Eine linke Kritik am Europa des  Kapitals, ohne dabei den europäischen und damit übernationalen Gedanken  preiszugeben, ohne an Ressentiments gegen ZuwanderInnen anzuknüpfen –  das sollte man von einer radikalen Linken erwarten dürfen. Allein,  gerade in diesem geschichtlichen Moment scheint ihre Stimme immer  weniger hörbar zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Deutscher Sonderweg?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Auch in  Deutschland trifft das Thema EU-Bashing auf immer breitere Zustimmung.  Im Zusammenhang mit Griechenland konnte man die chauvinistische  Grundierung dieser Kritik in den großen Medien studieren. Dennoch fehlt  hierzulande eine politische Formation, die mit diesem und den anderen  Themen des Rechtspopulismus ähnlich erfolgreich sein kann, wie es in  anderen europäischen Ländern der Fall ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gegenwärtig  erfolgreichste Partei der extremen Rechten in Deutschland ist nach wie  vor die NPD – eine systemoppositionelle, faschistisch ausgerichtete und  am Vorbild des Nationalsozialismus orientierte Partei der „alten“  Rechten. Dieser Parteityp wird, diese These sei gewagt, auf absehbare  Zeit keine reale Machtoption haben. Die einzige Option der extremen  Rechten ist es, an rechtspopulistische Entwicklungen anzuknüpfen und das  für ein solches politisches Angebot vorhandene Potenzial in  Wählerstimmen umzumünzen. Die von Wilhelm Heitmeyer und anderen seit  neun Jahren analysierten &lt;em&gt;Deutschen Zustände&lt;/em&gt;, die Untersuchungen von  Oliver Decker und Elmar Brähler zu extrem rechten Einstellungsmustern in  der deutschen Bevölkerung zeigen dieses Potenzial immer wieder. Wem die  nackten Zahlen nicht genügen, der konnte anhand der Sarrazin-Debatte  sehen, wie zentrale Topoi des Rechtspopulismus auch in Deutschland  hegemonial zu sein scheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Sarrazin-Debatte finden sich  alle inhaltlichen und formalen Punkte eines erfolgreichen  Rechtspopulismus: Eine manifeste Ideologie der Ungleichheit und  Ausgrenzung, die sich gegen ethnisch und biologisch definierte  Minderheiten genau so richtet wie gegen diejenigen, die den  Anforderungen der kapitalistischen Gesellschaft nicht gewachsen sind;  die Forderung nach einer konsequenten, auf verbriefte Rechte keine  Rücksicht nehmenden Politik gegen jede weitere Zuwanderung von Menschen,  die als kulturell fremd definiert werden; eine aggressive Wendung gegen  Menschen aus islamisch geprägten Ländern; das Aufnehmen und Verstärken  von Ressentiments gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, die für  vorhandene gesellschaftliche Krisen verantwortlich gemacht werden und  schließlich eine generelle Absage an die etablierte Politik verbunden  mit der Einnahme eines Außenseiterstandpunktes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bemerkenswert und  beunruhigend an der Sarrazin-Debatte war, dass sie auch einen starken  positiven Widerhall in den politischen Eliten fand und damit die von  hier ausgehende Ideologie der Ungleichheit und Ausgrenzung verstärkte.  Peter Sloterdijks Einsatz für die „Leistungsträger“ der Gesellschaft und  Gunnar Heinsohns Diagnosen der Reproduktion von Armut durch die  überdurchschnittliche Reproduktion der ärmeren Bevölkerungsschichten –  gegen die dann konsequent etwas unternommen werden muss – verbinden sich  aufs Engste mit den von Sarrazin popularisierten Thesen. Dass eine  solche Melange, vor allem vor dem Hintergrund der Verkaufserfolge von  Sarrazins Buch, nicht ohne positiven Widerhall in der Politik bleibt,  ist klar. Während der von Sarrazin bediente biologistische Rassismus  zunächst zur Distanzierung von zahlreichen Politikern führte, folgte in  einer zweiten Welle das „Ja aber“, womit reklamiert wurde, dass  mindestens die sarrazinsche Problembeschreibung richtig und politisches  Handeln gegen weitere Migration bestimmter Gruppen (vor allem  MuslimInnen) erforderlich sei. In rasender Geschwindigkeit wurde der  mühsam erreichte Konsens, dass Deutschland Einwanderungsland ist,  aufgekündigt (Seehofer), wurde die multikulturelle Gesellschaft für  gescheitert erklärt (Merkel), wurden schärfere Sanktionsmaßnahmen gegen  vermeintliche (aber nie nachgewiesene) „Integrationsverweigerer“  gefordert (Gabriel) und von einem Rassismus gegen Deutsche seitens der  MigrantInnen schwadroniert (Kristina Schröder). Ergebnis dieser Form der  Debatte dürfte die Bestärkung von Vorurteilen, Ausgrenzungswünschen und  Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen sein, womit die Inhalte  des Rechtspopulismus bestätigt werden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Politische Führungsfiguren&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Bisher  sieht es trotz der offensichtlichen Zustimmung zu den Themen von rechts  nicht danach aus, als könnte sich eine erfolgreiche Variante des  Rechtspopulismus etablieren. Ein Grund hierfür wird häufig in fehlenden  politischen Führungsfiguren gesehen, wie sie in anderen Ländern  vorhanden sind. Wilders, Bossi, Le Pen, Haider – für die meisten  erfolgreichen Parteien des Rechtspopulismus lässt sich eine zumindest  für die AnhängerInnen charismatische Führungsfigur benennen, die die oft  heterogenen Flügel zusammenbindet und der Partei Gesicht und Stimme  verleiht. In Deutschland fehlt der extremen Rechten in all ihren  Schattierungen eine solche Figur. Nicht zuletzt deshalb werden die  Spekulationen um einen erfolgreichen Rechtspopulismus in Deutschland mit  Namen wie Thilo Sarrazin, Friedrich Merz, Roland Koch, jüngst  Karl-Theodor zu Guttenberg oder auch Eva Hermann garniert. Eine  politische Führungsfigur, die nicht mit der Relativierung des  Nationalsozialismus oder mit Formen des Antisemitismus in Verbindung  gebracht werden kann, ist in Deutschland eine zentrale Anforderung für  ein erfolgreiches rechtes Projekt. Noch immer ist es die Erinnerung an  die NS-Vergangenheit, die jeder Gruppierung als unüberwindliche Barriere  im Weg steht, der hier Unklarheiten oder gar eine Verklärung des  Nationalsozialismus nachgewiesen werden kann. Stärker als in anderen  europäischen Ländern verhindert die NS-Vergangenheit in Deutschland bis  heute wahlpolitische Erfolge der extremen Rechten. Nicht zuletzt aus  diesem Grund, der abgemildert auch für andere europäische Länder gilt,  bemüht sich die populistische Rechte um eine klare Distanz zu allen  neonationalsozialistischen Gruppierungen. Eine demonstrative Parteinahme  für Israel ergänzt bei einer Reihe dieser Parteien den antimuslimischen  Rassismus und fand unter anderem ihren Niederschlag in einer so  genannten &lt;em&gt;Jerusalemer Erklärung&lt;/em&gt;, die im Dezember 2010 von Vertretern der  FPÖ, des &lt;em&gt;Vlaams Belang&lt;/em&gt;, der &lt;em&gt;Schwedendemokraten&lt;/em&gt; und der &lt;em&gt;Freiheit&lt;/em&gt; bei  einem gemeinsamen Besuch in Israel unterzeichnet wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im Mai  2011 in der Wochenzeitung &lt;em&gt;freitag&lt;/em&gt; veröffentlichte Umfrage zur  Zustimmung bzw. Ablehnung zentraler aktueller Aussagen des  Rechtspopulismus zeigt erneut, dass solche Debatten Effekte haben und  Stimmungen prägen und bestätigen: 38 Prozent der Befragten stimmten der  Aussage „Der Islam ist mit unserem westlichen Lebensstil unvereinbar und  eine Bedrohung unserer Werte“ voll oder eher zu und 49 Prozent teilten  voll oder eher die Ansicht, „die Zuwanderung nach Deutschland sollte  drastisch reduziert werden.“ Beim EU-Thema, dem aktuellen und zweiten  Erfolgsthema des Rechtspopulismus neben dem Antiislamismus, stimmten  sogar 70 Prozent der Ansicht „Deutschland gibt insgesamt zu viel Geld  nach Europa“ voll oder eher zu und noch 30 Prozent teilen voll oder eher  die Ansicht „Wir brauchen ein unabhängiges Deutschland ohne den Euro,  in das keine Europäische Union hineinregiert“.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Während einerseits  reale Verlierer der Globalisierung durch rassistische und  nationalistische Parolen ansprechbar sind, sind es auf der anderen Seite  die potenziell vom Abstieg bedrohten Mittelschichten, die dem  Rechtspopulismus in vielen europäischen Ländern Zulauf verschaffen. Die  Sozialwissenschaft spricht hier von subjektiver Deprivation. Umfragen  und Themen zeigen, dass es in Deutschland ein ähnliches Potenzial für  rechte Einstellungen gibt wie in zahlreichen anderen europäischen  Ländern. Was hier jedoch fehlt, ist ein erfolgreiches Parteiprojekt, um  diese Einstellungen in Wahlerfolge umzusetzen.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Tue, 28 Feb 2012 12:57:19 +0000</pubDate>
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