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 <title>arranca! - Rezension</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/248/0</link>
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 <language>de</language>
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 <title>Rezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/rezension-2</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wolfgang Schorlau, &lt;em&gt;Die schützende Hand. Denglers achter Fall. &lt;/em&gt;Kiepenhauer &amp;amp; Witsch, Köln, 2015, 14,99 Euro, 382 Seiten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fakten, Fiktion und Interpretation verschwimmen in Denglers achtem Fall über den NSU&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum NSU-Komplex sind bereits mehrere Sachbücher erschienen, heraus sticht das mehr als 800 Seiten starke Werk &lt;em&gt;Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie des NSU&lt;/em&gt; (Aust/Labs, 2014). Auf dessen Grundlage wird in München ein Kinofilm produziert. Die ARD plant zwischen dem 30. März und 6. April 2016 die Ausstrahlung einer Spielfilm-Trilogie, je einen Film aus Sicht der Täter*innen, der Opfer und der Ermittler*innen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einen ersten Roman hat nun Wolfgang Schorlau verfasst. In &lt;em&gt;Die schützende Hand &lt;/em&gt;lässt er den Privatdetektiv Georg Dengler in dessen achtem Fall in Sachen NSU ermitteln. Der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Autor hatte seinen Protagonisten stets auf die Spur heikler politischer Verbrechen geschickt. So ging es um die RAF und den Tod von Wolfgang Grams (&lt;em&gt;Die blaue Liste&lt;/em&gt;, 2003), um kriminelle Machenschaften der Pharmaindustrie (&lt;em&gt;Die letzte Flucht&lt;/em&gt;, 2011) oder um Lohnsklaverei in der deutschen Fleischindustrie (&lt;em&gt;Am zwölften Tag&lt;/em&gt;, 2013). Schorlau greift reale Fälle auf und verbindet sie mit Fiktion. Er schreibt Geschichten, die sich so oder so ähnlich zugetragen haben könnten. Die Bücher sind Bestseller&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Die schützende Hand soll Privatermittler Dengler herausfinden, wie die mutmaßlichen Mitglieder des NSU, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, ums Leben kamen. Zur Erinnerung: Die beiden Männer sollen am 4. November 2011 in Eisenach eine Bank ausgeraubt, per Fahrrad zu einem Wohnmobil geflohen, und das Fahrzeug in Brand gesetzt haben, nachdem sie sich von der Polizei ertappt fühlten. Im Wohnmobil sollen sie sich dann erschossen haben. Dengler und einige Freunde begeben sich auf Spurensuche: Haben sich die beiden Neonazis vielleicht gar nicht selbst getötet? Detailliert und umfangreich wird dazu aus Originalakten der Polizei, aus Obduktionsberichten und Protokollen der verschiedenen Untersuchungsausschüsse zitiert. Das ist ungewöhnlich für einen Roman und bestärkt den Eindruck, es handele sich bei Schorlaus Darstellung um den wirklichen Tathergang. Das ist gewollt und bringt dem Autor den Vorwurf ein, Fakten und Fiktion zu vermischen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter anderem kritisiert der Blog &lt;em&gt;NSU-Watch&lt;/em&gt; (nsu-watch.info) den Mix aus Tatsachen, Interpretation, Indizien und Hypothese. Dem Autor wird vorgehalten, »in dem Wust an Fakten, potenziellen Fakten und längst widerlegten Hypothesen« herumzustochern und sich seine eine, alles erklärende Theorie zusammengebaut zu haben. Das sei ein großer Fehler. Auch aus Sicht von Tomas Lecorte (&lt;em&gt;Autonome in Bewegung&lt;/em&gt;) sind die Recherchen Schorlaus miserabel und seine Schlussfolgerungen unschlüssig. Schorlau verspreche Aufklärungs-Silber, »und liefert nur Lametta«, so Lecorte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem Nachwort zu seinem Buch schreibt der Schorlau allerdings, er habe »mehr oder weniger bekannte Fakten« auf eine andere Art zusammengelegt. Das daraus entstandene Bild weicht fundamental von der offiziellen Version ab. Schorlau zeichnet seine Version, wie es sich zugetragen habe könnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt; Florian Osuch&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/nsu">NSU</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/rezension">Rezension</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:47:02 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Die Klasse der Anderen ist eine andere Klasse</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/51/die-klasse-der-anderen-ist-eine-andere-klasse</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Didier Eribons Buch Rückkehr nach Reims wurde so gehypt wie selten ein Buch über Klasse und die soziale Frage. In den linken und bürgerlichen Medien – ­eigentlich überall – wurde die autobiographische Erzählung über das Verlassen und Hassen der Herkunftsklasse, über Scham, die eigene (homo)sexuelle Befreiung und intellektuelle Suche positiv besprochen. Die Erzählung versucht sich gleichzeitig in einer Antwort auf die Frage, wie es zu diesem Aufstieg der Rechtspopulist*innen kommen konnte.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Didier Eribons Buch Rückkehr nach Reims wurde so gehypt wie selten ein Buch über Klasse und die soziale Frage. In den linken und bürgerlichen Medien – ­eigentlich überall – wurde die autobiographische Erzählung über das Verlassen und Hassen der Herkunftsklasse, über Scham, die eigene (homo)sexuelle Befreiung und intellektuelle Suche positiv besprochen. Die Erzählung versucht sich gleichzeitig in einer Antwort auf die Frage, wie es zu diesem Aufstieg der Rechtspopulist*innen kommen konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist quasi alles drin: Die neoliberale Wende linker Politik, die Individualisierung und das Verschwinden der Klasse aus dem politischen Diskurs und nicht zuletzt die Beschreibung der Lebensrealität von Menschen, die es so beschissen haben, dass von denjenigen, die dort noch nicht sind und auch nicht hinwollen, viel Verständnis für beschissene Positionen aufkommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir diesem Buch wirklich hoch anrechnen, ist, dass Emotionen und Affekte einen Platz in dieser Aufstiegsgeschichte bekommen, einen Platz in der politischen Auseinandersetzung. Das Buch berührt, ohne sich gegen Intellektualität zu stellen &lt;br /&gt;Viele Texte sind geschrieben worden, die sich mit der Frage beschäftigen, was wir jetzt mit der Analyse des rechtspopulistischen Aufstiegs auch als Ergebnis linken Versagens machen (zum Beispiel Dossier &lt;em&gt;Luxemburg&lt;/em&gt;). Wie kann die Erkenntnis, dass die linken Parteien keine Möglichkeit der Identifikation mehr bieten und kein überzeugendes Projekt für die Zukunft für «die Benachteiligten, Prekären, Abgehängten» für eine neue Klassenpolitik fruchtbar gemacht werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rückkehr nach Reims war für Eribon eine Möglichkeit, sich seiner Herkunft soziologisch zu nähern, ohne die Gefahr der erneuten Involviertheit mit der Familie. Das ist weniger soziologisch interessant als psychologisch: die Motivation, die Gründe der Anderen, die keine reale Klasse mehr sind, spielen kaum eine Rolle. Stattdessen erfolgt ein fragwürdiger soziologischer Nachweis, sie hätten sich in ihrem Rassismus und ihrem ängstlichen Konservatismus eigentlich nie groß verändert. Bloß die Umstände seien andere geworden, also die politisch-moralische Führung der sich nach rechts entwickelnden bürgerlichen Mittelklassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sehr persönliche Geschichte über Eribons Scham der eigenen Herkunft und seine Auseinandersetzung mit Homophobie und Intellektuellenfeindlichkeit haben uns in ihrem Mut und ihrer Klarheit berührt. Es blieb aber auch ein Unbehagen. Die Frage für uns nun, warum?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht weil wir die Geschichte als vor allem männliche Aufstiegsgeschichte lasen, die gelang, weil es männliche Unterstützungsnetzwerke gab. Die harte Abgrenzung zur Herkunftsfamilie und das Profilieren im wissenschaftlichen und journalistischen Feld, mit der Betonung einer vermeintlich neutralen Sachebene, die feministischen Widerspruch provoziert. Weil in der Erzählung von der selbsttätigen Befreiung und Flucht, die Ermöglichung dieses Weggehens durch den Anteil weiblicher Reproduktionsarbeit in Form von Arbeit und Wünschen der Mutter, unsichtbar wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist auch der Dissenz zu Bourdieu verständlich, den Eribon anspricht. Denn Bourdieu betont die Bedeutung von Erziehung als Habitusformierung, die bei Eribon verschwindet und erst die Erzählung von der subjektiven, schweren, aber auf Intelligenz basierenden klugen Aufstiegsgeschichte ermöglicht. Diese Sicht lässt die bequeme Möglichkeit offen, sich mit diesen rassistischen, sexistischen, ungebildeten Anderen beschäftigen zu können, ohne real mit ihnen zu tun zu haben, geschweige denn gemeinsam mit ihnen Politik zu machen.&lt;br /&gt;Inklusive blinder Flecken bekommt diese Sicht durch die Herkunft Eribons legitimes Gewicht. Er muss es ja wissen, er kommt von dort.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir lesen darin auch einen Rest Ekel der Herkunft gegenüber, sichtbar versteckt im Scheinwerferlicht der erst rückblickend zugestandenen sozialen Scham. Das Fehlen jeglicher positiver Bezüge zu seiner Herkunft, diese Affekte irritieren, denn während er für die Rückkehr der Klasse in die politische Diskussion wirbt, sorgt seine persönliche Geschichte vom männlichen &lt;em&gt;weißen&lt;/em&gt; Subjekt als erfolgreiches Aufstiegsprojekt für das Verschwinden derselben in der Bedeutungslosigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage, warum immer mehr Arbeiter*innen rechts wählen ist eine gute Frage. Verknüpft mit der spezifischen Ekelperspektive von oben aber macht es ein gesamtgesellschaftliches Problem zur Strategie von «denen da unten»; die hart arbeitende, hart lebende, sich verhärtende Klasse. Nichts mit solidarischer Arbeits- und Lebensweise, nichts mit schlau, nichts mit Handlungsfähigkeit, nichts mit real gemischten Existenzen. Hier wird ein Bild der &lt;em&gt;weißen&lt;/em&gt; homogenen Arbeiterklasse gemalt, die es so nicht gab und gibt. Klasse ist hier vor allem das Andere des Bürgerlichen. Nur wie erklärt sich damit der gesamtgesellschaftliche Rechtsruck?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So bleibt eine brüchige Männlichkeit, die vom Liberalismus ihres Milieus der französischen Intellektuellen profitiert hatte, solange dieser noch nicht nach rechts weggebrochen war, die Brille, durch die die Welt betrachtet wird. Durch sie verschwinden die Anteile weiblicher* Sorgearbeit und Zuspruchs, des Mutmachens und des Dreckwegräumens nicht nur aus der eigenen Geschichte. Auch in der Analyse des rechtspopulistischen Aufwinds wird nicht thematisiert, dass sich hier Antifeminismus und der Hass auf die sozial Deklassierten zu einem erfolgreichen rechten Projekt verbunden haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für Bürger*innen erzählt Eribon sehr vieles über Klasse. Für Menschen aus dieser Klasse erzählt er zu wenig, zu grob und abschätzig. Und dann ist für Aufsteiger*innenkinder, wie wir es sind, Eribon lesen so: Ey, es gab eine lange Reihe an Auseinandersetzungen mit Klasse und Klassismus vor diesem Buch, aber sie fanden nicht das Gehör, da sie nicht von einem großen Intellektuellen mit einem Berg von kulturellem Kapital und einer «selbstverständlichen» legitimen Sprechweise kam. Das heißt für uns nicht, dass sie aus dem politischen Diskurs verschwunden war, wie Eribon schreibt, sondern nur, dass Bürger*in werden/sein hilft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese legitime Sprechweise heißt auch, über Emotionalität politisch-strategisch zu sprechen, zumindest wenn es um Klasse geht. Alles bleibt unter Kontrolle, der Kontakt zur Vergangenheit ist wissenschaftlicher Neugier geschuldet und bleibt distanziert. So lässt Eribon seine Familie oder seine Herkunftsklasse nur selten selbst zu Wort kommen, aber erzählt im Stil einer linken Vogelperspektive eine Geschichte über die Massen. Seine Familie, die «da unten», werden Objekte soziologischer und politisch-strategischer Phantasmen. Schade, sie hätten viel mehr sein können. Aber vielleicht ist das der Preis für ein Projekt, das versucht, selbstreflexive Vergangenheitsbewältigung mit dem großen soziologischen Wurf zu verbinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir finden, Eribon schafft quasi einen literarischen Rahmen, aber rekonstruiert nicht die realen Kämpfe, die Hybridität und den Schmutz der politischen Kämpfe, wer da wen besiegt und beschämt hat oder wer vom eigenen Führungsanspruch nicht loslassen kann. Die Arbeiter*innenklasse wird hier nicht gleich zur revolutionären Klasse ausgerufen oder zu armen Opfern gemacht. Eribon beschreibt, dass Menschen gehört werden und repräsentiert sein wollen, aber er lässt die Frage nach solidarischer klassenübergreifender Praxis und neuen Formen von Repräsentationspolitiken offen. Am Ende bleibt es eine Aufgabe, eine andere Klasse zu schaffen, eine Klasse aller Anderen, die sich nicht mehr schämen wird.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/didier-eribon">Didier Eribon</category>
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 <pubDate>Thu, 22 Jun 2017 16:22:47 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Kurzrezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/kurzrezension-1</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Niels Seibert, Ines Wallrodt (Hg.), &lt;em&gt;Murmeln, Mumbeln, Flüstertüte – Lexikon der Bewegungssprache&lt;/em&gt;, Unrast Verlag März 2016, 9,80 Euro, 128 Seiten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Latschdemo, Heiligendamm, FLTI*, Definitionsmacht – rund 150 Begriffe aus der Bewegungssprache werden in diesem kleinen Lexikon von verschiedenen Autor*innen erklärt. Zwar ist die Auswahl der Begriffe angesichts der unendlichen Vielfalt linker Szenebegriffe zwangsläufig beschränkt (SDS: ja, K-Gruppen: nein), aber das Buch soll auch kein sachlich-objektives Lexikon sein, es ist eher eine politische Positionierung, und dabei eine angenehm entspannte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Manche Beiträge sind ein bisschen bemüht lustig – erkennbar an der Floskel »gerne auch mal« – oder -sprachlich genauso verschwurbelt wie die Szenesprache. Es schadet dem Buch nicht, es trotz seiner eigentlich guten Lesbarkeit häppchenweise zu lesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sicherlich wird einige die Auswahl der Begriffe, bzw. die Leerstellen, oder die eine oder andere Begriffsbestimmung stören. Vor allem ist das Lexikon jedoch überaus informativ und nützlich für linke Neueinsteiger*innen, die fortan mitreden und sich vor einigen Szene-eigenheiten auch gleich hüten können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ern&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/organizierung">Organizierung</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/rezension">Rezension</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 08:00:05 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Kurzrezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/kurzrezension-0</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Redher &amp;amp; CSPP (Hg.), &lt;em&gt;»Ich würde es wieder tun« – Texte aus dem kolumbianischen Knast (»Volvería a hacer lo mismo« – Textos de la cárcel colombiana)&lt;/em&gt;, 117 Seiten, hinkelsteindruck – sozialistische GmbH 2015, Spendenvorschlag 5€; Bestelllung unter kontakt@textosdelacarcel.org&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Während allerorten von den angeblichen Friedensverhandlungen und vom Postkonflikt in Kolumbien berichtet wird, ist allein der Titel des Buches eine Provokation: Hier kommen&amp;nbsp; Menschen zu Wort, die zur Verteidigung ihrer politischen Ideale zur Waffe gegriffen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Texte sind von politischen Gefangenen aus sozialen und indigenen Bewegungen, politischen Gruppen und bewaffneten Organisationen wie der ELN und den FARC-EP verfasst und erzählen von überbelegten Knästen, und deren menschenunwürdigen Bedingungen, von der Brutalität des ungerechten Systems, von Folter, ständigen Repressionen, von persönlichen Zweifeln und auch von Träumen und Hoffnungen. In diesem Buch erheben die Marginalisierten, Ausgeschlossenen, Subalternen ihre Stimme. Es handelt sich weniger um historische und politische Analysen, sondern vielmehr um persönliche Perspektiven. Einige Texte zeugen von einem entschlossenen Widerstand, der auch in langen Jahren des Freiheitsentzugs nicht gebrochen werden konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Texte sind als Teil der politischen Praxis zu verstehen. Der Abdruck der Texte auf Deutsch und Spanisch ist eine gelungene Idee, um eine internationale politische Praxis und Solidarität mit den politischen Gefangenen zu initiieren.&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/internationalismus">Internationalismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/kolumbien">Kolumbien</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/rezension">Rezension</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:58:27 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Rezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/rezension-1</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Rehzi Malzahn, &lt;em&gt;Dabei Geblieben – Aktivist_innen  erzählen vom Älterwerden und Weiterkämpfen&lt;/em&gt;, Unrast Verlag, Münster 2015,  256 Seiten, 16 € &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In 25 Interviews und Gruppengesprächen geht Malzahn der Frage nach,  wie radikal linke Menschen sowohl mit dem persönlichen Älterwerden als  auch dem politischen »dabei bleiben« umgehen. Ihr Ausgangspunkt ist die  immer wieder beklagte Tatsache, dass sich um das 30. Lebensjahr viele  Aktivist*innen aus der (post-)autonomen Bewegung verabschieden. Oft  zugunsten von beruflichen Karrieren oder Familiengründungen, aber auch  weil die »Szene« zu wenig politische Perspektiven bietet, um mit ihr zu  altern. Im Vorwort schildert Malzahn, altersmäßig selbst Mitte 30, wie  die eigenen Zweifel an ihrem politischen Aktivismus letztlich den Anstoß  für das Buch gaben. So macht sie sich selbst auf die Suche nach einem  »Überlebensrezept“,&amp;nbsp; um „dem Anpassungsdruck der Gesellschaft nicht  nachzugeben« (S. 15). Nicht erklärt wird leider, wie die Auswahl der  Interviewten zustande kam. Nur vage heißt es, es sollen »Leute aus  unterschiedlichen Bewegungen und Orten« (S. 8) zu Wort kommen. Die  Altersspanne der von ihr Befragten reicht von 44 bis 72 Jahren. Sie alle  orientieren sich an autonomer bzw. postautonomer Politik im weitesten  Sinne und wohnen in der Regel in der Großstadt. Wer als Leser*in noch  jünger ist, kommt bei der Lektüre nicht umhin, sich selbst Fragen nach  dem eigenen »Bleiben« oder »Gehen« zu stellen. Alleine diese Tatsache  macht das Buch zu einem Gewinn.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Texten wird deutlich, dass verschiedene Formen von  solidarischer Ökonomie eine wichtige Rolle beim »weitermachen« gespielt  haben. Deren Existenz wird allerdings oft in einem politischen  Generationenprojekt verortet, dass es heute so nicht mehr gebe –  stattdessen würden sich auch in der Linken zuhauf  Individualisierungstendenzen zeigen. Ein IL-Genosse aus Frankfurt  kritisiert die heute verbreitete Haltung, das eigene Engagement als  »Politik machen« (S. 228) zu verstehen. Das habe zu viel von einem  Hobby, das man jederzeit auch wieder abbrechen könne. Eine weitere  Essenz: Es gelte, sich die Wut auf die Verhältnisse zu bewahren und  trotzdem Erfahrungen von positiver gesellschaftlicher Veränderung zu  machen. Von einer zunehmenden Gelassenheit gegenüber aufgeladenen  Szenediskussionen berichten ebenfalls mehrere »Ältere« .&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem knapp gehaltenen Nachwort versucht die Herausgeberin, die  aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse zu systematisieren. Heraus  kommt eine Kritik an der autonomen Bewegung (der »Subkulturalität« und  »Selbstghettoisierung« vorgeworfen wird), die so bereits in den 1990ern  geübt wurde. Heinz Schenk und Co. lassen grüßen! Spätestens an dieser  Stelle ist es schade, dass es kaum konkrete Informationen in den  Gesprächen dazu gibt, wie die politischen Zusammenhänge und Gruppen der  Interviewten funktionieren. Denn die Frage des »dabei bleibens« darf  schließlich nicht nur individuell verhandelt werden. Es ist eine Aufgabe  der radikalen Linken und ihrer Strukturen, das »bleiben« zu  ermöglichen. Das Buch bietet für eine diesbezügliche Diskussion auf  jeden Fall einen gelungenen Anstoß. Und es sollte bald mit Berichten  derjenigen kontrastiert werden, die »nicht geblieben« sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Markus Baumgartner&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/tag/rezension">Rezension</category>
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 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:42:00 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Rezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/rezension</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gabriel Kuhn (Hg.), &lt;em&gt;Bankraub für Befreiungsbewegungen. Die Geschichte der Blekingegade-Gruppe.&lt;/em&gt; Unrast Verlag, Münster 2013, 232 Seiten, 14 Euro&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von 1972 bis 1988 gab es in Dänemark eine Reihe unaufgeklärter Überfälle auf Waffendepots, Banken und Geldtransporter durch eine Gruppe politischer Aktivisten. Erst 1989, nachdem die Fahndung intensiviert worden war, weil beim letzten und gleichzeitig größten Postraub ein Polizist durch einen Querschläger getötet wurde, flog die »Blekingegade-Gruppe« (gelabelt nach der Kopenhagener Straße, in der eine konspirative Wohnung entdeckt worden war) auf. Nie hatte es eine Erklärung zu einer politischen Motivation für die Überfälle gegeben. Dass das erbeutete Geld immer Befreiungsbewegungen in den Trikontstaaten ausgehändigt worden war, vor allem der palästinensischen PFLP, erfuhr die Öffentlichkeit erst beim Prozess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angedockt war die Gruppe an die kommunistische Organisation KAK, später M-KA. Sie vertrat die Schmarotzerstaatentheorie: Weil auch die dänische Arbeiterklasse von der Ausbeutung der Trikontstaaten profitiere, könne sie kein revolutionäres Subjekt sein. Daher gebe es in Westeuropa keine realistische revolutionäre Perspektive und Veränderung könne nur vom Süden ausgehen. Folgerichtig sammelte die Organisation Geld und in großem Stil Altkleider für Befreiungsbewegungen. Hinzu kam die, nur wenigen bekannte, klandestine Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Buch stellen Autor Gabriel Kuhn sowie drei der für die Raube Verurteilten, Niels Jørgensen, Jan Weimann und Torkil Lauesen, die Ereignisse dar. Es enthält historische politische Texte der KAK und der M-KA und, am bereicherndsten, ein Interview mit Weimann und Lausen, das ein Drittel des Buches umfasst. Darin reflektieren sie ihre Geschichte und die ihrer Organisation, ihre aktive politische Arbeit mit anderen Gefangenen in ihrer Zeit im Gefängnis und die politischen Veränderungen seitdem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die professionelle Arbeit der Blekingegade-Gruppe als Dänemarks erfolgreichste Räuber des 20. Jahrhunderts ist allein schon faszinierend. Das Buch ist aber auch deshalb interessant, weil es trotz der lange zurückliegenden Ereignisse aktuell ist: Es kreist um die Frage, wie man eine unterstützende solidarische Praxis entwickeln kann, also um die Rolle der «Supporter».&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;«Solidarity is something you can hold in your hand» war ein Motto der «Bande». Handfest war ihre Arbeit auf jeden Fall. Gemeinsam waren die Befreiungsbewegungen und die Gruppe überein gekommen, dass die effektivste Unterstützung in der Konzentration auf Geldbeschaffung liegt. Als kritiklose Einbahnstraße der Solidarität haben sie diese dennoch nie begriffen: Nicht nur waren der Entscheidung sorgfältige Diskussionen innerhalb der Gruppe über die Politik der unterschiedlichen Befreiungsbewegungen sowie einige Besuche der Befreiungsbewegungen und lange Debatten mit ihnen vorangegangen, sondern sie selber, so Jan Weimann und Torkil Lauesen bei einer Veranstaltung in Berlin, profitierten durch entstandene Freundschaften und interessante Diskussionen ebenfalls von der Zusammenarbeit. Ihr Interesse und ihre Freude an solchen Diskussionen charakterisierte die Veranstaltung und spiegelt sich im Buch wider.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ern&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <category domain="https://arranca.org/tag/rezension">Rezension</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/schwerpunkt">Schwerpunkt</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:32:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Kurzrezension</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/49/kurzrezension</link>
 <description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Joshua Oppenheimer, &lt;em&gt;The Act of Killing&lt;/em&gt;, DVD, Koch Media 2014, UVP 12,99 €, 153 min. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Joshua Oppenheimer, &lt;em&gt;The Look of Silence&lt;/em&gt;, DVD, Koch Media 2016, UVP 12,99 €, 99 min.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;»Lasst uns alle miteinander klar kommen, wie es die Militärdiktatur gelehrt hat«&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So etwas hatte ich noch nie gesehen. Das wusste ich, als ich den Kinosaal von »The Act of Killing« verließ, 2013 auf der Berlinale, wo der Streifen zu meiner Überraschung den Panorama Publikumspreis abräumte. Immerhin geht es hier um Massenmord. Den weiterhin unaufgearbeiteten an rund einer Million vermeintlicher und tatsächlicher Kommunist*innen in Indonesien 1965/66. Ein gelinde gesagt sperriges Thema.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee: Da die Opferfamilien weiterhin stigmatisiert sind und nicht sprechen können, muss die Geschichte durch die Täter erzählt werden. So dreht sich der ganze Dokumentarfilm um eben diese, die nicht nur massiv mit ihren Verbrechen angeben – sie werden sogar dazu angeregt, einen eigenen Spielfilm über ihre Gräueltaten zu drehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im aktuelleren »The Look of Silence« schließlich kommen doch Opfer zu Wort. In schön fotografierten, ruhigen Bildern sehen wir Adi zu, der als mobiler Optiker beherrscht die Mörder seines Bruders bedient und sie befragt. Trotz tiefen Schmerzes, Verzweiflung und offenen Drohungen ein Film, der zu hoffen wagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Werke, die sich ergänzen und womöglich eine erste Geschichtsaufarbeitung möglich machen. Gedreht von einer Crew, die in großen Teilen anonym bleibt, sowie Regisseur Joshua Oppenheimer. Wer die Gelegenheit hat sollte sich unbedingt beide anschauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;BM&lt;/p&gt;


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 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Sun, 08 May 2016 07:28:15 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>„Die Nacht wird Sterne haben“</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/3/die-nacht-wird-sterne-haben</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Besprechung des Buches &quot;Die Nacht wird Sterne haben&quot;, herausgegeben von Maria Puschner, Verlag Libertäre Assoziation.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Als ich vor einiger Zeit dieses Buch gelesen hatte und ziemlich begeistert davon erzählte, wurde ich gefragt, ob ich denn nichts dazu schreiben könnte. Ja, aber da es auch sehr persön­liche Geschichten waren, wird es am besten sein, ich lasse einige der Stimmen zu Wort kommen. Das Buch geht uns auch ganz direkt an - hier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige politische Gefangene erzählten in Gesprächen und Briefen ihre Geschichte: von der Zeit der Unidad Popular unter Allende, vom Widerstand und bewaffneten Kampf gegen die Militärdik­tatur, vom Exil und der Rückkehr, von Gefangenschaft, Folter und dem Kampf um Freiheit - aber auch nach dem Ende der Pinochet-Diktatur sitzen noch politi­sche Gefangene in den Knästen...&lt;br /&gt; Was mich besonders angesprochen hat, war die Darstellung ihre Geschichte, offen, direkt und auch radikal hinterfra­gend.&lt;br /&gt; Hugo Marchant, Gefangener aus der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR) hält sich - aber genauso jedem und jeder von uns- einen Spiegel vor:&lt;br /&gt; „...in Frage stellen, was ich gelebt habe, alles, und das heißt: mich als Person, mich als Familienvater, mich als Lebens­partner, als Mitglied einer Partei, als Kämpfer.&lt;br /&gt; Meine Werte, an die ich glaubte, als ich Jugendlicher war, die mich dazu brach­ten, mich dem sozialen Kampf anzu­schließen. Aber ich will auch erreichen, was diese Werte meinen: konsequent sein, gerade sein, ehrlich, aufrichtig. Ich will mir meine Praxis ansehen: Entspricht sie diesen Werten? ... Wir sind gescheitert, wir wurden geschlagen, wir müssen die Ursachen herausfinden, die Verantwortlichkeiten.&lt;br /&gt; Ich muß mit mir selbst ins Reine kom­men, mit mir abrechnen. Denn wir müs­sen einen neuen Anlauf machen, den Himmel im Sturm zu erobern...&lt;br /&gt; Neuen Generationen müssen wir vermit­teln, was wir gelebt haben. Aber was?&lt;br /&gt; Mystik? Rechtfertigungen? Illusionen? Guten Willen? Wir müssen ihnen die Wahrheit vermitteln und die Wahrheit ist konkret. Sie ist das, was wir gelebt haben, das, was geschehen ist... Wir sind Revolutionäre, und das bedeutet, daß wir etwas Alternatives in uns tragen, etwas, das dem überlegen ist, was das kapitalistische System zu bieten hat. Wir als Einzelne tragen das und wir als Kol­lektiv... warum sind wir dann geschei­tert?...&quot;&lt;br /&gt; So kann Geschichte zum lebendigen Prozeß werden. Sichtbar wird nicht allein ihr kämpferischer Beitrag, sondern ihre Entwicklung als Persönlichkeit mit all den Schwächen und Widersprüchen. Diese Einheit von „Leben - Lieben - Kämpfen&quot; ist stark zu spüren- das gibt ihnen Selbstverständlichkeit und Souver­änität so zu reden.&lt;br /&gt; Mich hat es z.B. erstaunt, wie sie im Knast, in der Illegalität Liebesbeziehun­gen leben, sich für Kinder entscheiden, denn dazu gehört ja auch eine Portion Freude am Leben und Mut, trotz allem... Das Buch verschweigt aber auch nicht, daß es sehr große Widersprüche gibt unter den politischen Gefangenen, die Niederlage und deren Konsequenzen wird unterschiedlich eingeschätzt - und es gibt nach einer Niederlage auch Resi­gnation, die „Haltung der grauen Haare&quot; (Warten auf Freiheit) - ihr Umgang mit­einander erscheint mir trotzdem sehr verständnisvoll, menschlich.&lt;br /&gt; Jorge Palma Donoso, ebenfalls MIR, schreibt:&lt;br /&gt; „Für mich haben bestimmte Werte Gül­tigkeit und an ihnen orientiere ich mich. Sicher ist darin viel von meiner christli­chen Bildung enthalten. Werte wie Respekt. Den anderen respektieren, heißt auch anerkennen, daß er Gründe für seine Wahl hat, auch wenn sie meiner nicht entspricht...&lt;br /&gt; Hier im Gefängnis teilt zur Zeit niemand meine Auffassungen. Dennoch habe ich viele Freunde hier, mit denen ich in vielen Punkten übereinstimme. Ich respek­tiere andere Meinungen und erwarte, daß man auch meine respektiert...&lt;br /&gt; Ich halte immer noch an der Meinung fest, daß eine Revolution ohne einen bewaffneten Arm nicht mehr denkbar ist. Der Imperialismus hat einen riesigen Militärapparat aufgebaut, um soziale Veränderungen zu verhindern. In die­sem Zusammenhang ist meine Position zu verstehen. Gewalt darf nur im Kampf um die Macht eingesetzt werden.&lt;br /&gt; Der Aufbau des Sozialismus, der Aufbau einer Herrschaft der Massen muß von ganz anderen Aspekten getragen wer­den, von den Sinnen, vom Austausch der Ideen, von Überzeugungen. Da hat Gewalt nichts zu suchen.&lt;br /&gt; Diejenigen, die versucht haben, in der Gesellschaft mit Gewalt zu arbeiten, sind gescheitert: die sozialistischen Systeme. Massenbewegungen können nicht dog­matisch geführt werden, sonst gibt es keine Entwicklung, keine Bewegung, keine Widersprüche. Wenn man wie ich eine militante Position vertritt, wird oft gemutmaßt, wir würden daraus ein Gesetz des Lebens machen. Das ist nicht so...&lt;br /&gt; (Jorge wurde 1990 „begnadigt&quot;, er darf Chile aber 25 Jahre nicht mehr betreten; er lebt zur Zeit in Belgien)&lt;br /&gt; Ich habe beim&#039; Lesen der verschiedenen Beiträge selbstverständlich auch immer an mich selber und uns, die politischen Gefangenen, hier in der BRD, gedacht.- Und mich gefragt, müßten nicht auch wir offener sein, mehr hinterfragen? Warum waren wir nicht fähig und sou­verän genug über die Erfahrungen der 80er Jahre zu reden? Es gab doch Fra­gen, Zweifel; wie soll denn eine leben­dige Weiterentwicklung stattfinden, wenn wir, anstatt beispielsweise auf soli­darische Kritik - wie von Christian Geißler - einzugehen, ihn einfach tot­schweigen, zu einer Art „Unperson&quot; erklären... oder zulassen, daß so kriti­sches Verhalten erstickt wird?&lt;br /&gt; Und der Konformismus gedeiht! Als dann 1992 die RAF -was längst überfällig war -eine offenere Reflexion begann und versuchte Beziehungen herzustellen, auch zu anderen politischen und sozialen Strömungen, die möglichst nicht durch Hierarchie geprägt sind, um so zu einer neuen &quot;Gegenmacht von unten&quot; beizutragen, konnte und kann ich das nur unterstützen. Allerdings setzt das eine ehrliche Bereitschaft und Fähigkeiten voraus -auch das eigene Selbstverständnis in Frage zu stellen, widersprüchliche Positionen auszuhalten. In den letzten Erklärungen von Helmut Pohl und Brigitte Mohnhaupt spüre ich davon nichts. Stattdessen ein Heruntermachen und Ausgrenzen bishin zur Diffamierung... Unsere Anziehungskraft als radikale, emanzipatorische Linke besteht aber vor allem in einer offenen, solidarischen und kritischen Auseinandersetzung und das ganz besonders in einer Zeit wie heute.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;II.&lt;/h4&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Mich haben diese Biografien aus dem chilenischen Widerstand natürlich auch deswegen interessiert, weil die Chile-Solidarität etwas mit meiner eigenen Geschichte zu tun hat. Die Solidaritätsbewegung entstand eigentlich erst nach dem Militärputsch am 11.9.1973: mit Treffen und Komitees in vielen Städten, Demonstrationen, Veranstaltungen...auch militante Formen, u.a. von den Revolutionären Zellen gegen Niederlassungen des US-Konzerns ITI. Der Militärputsch bestärkte uns darin, daß es keinen friedlichen Weg zu Sozialismus und Freiheit gibt. Es muß auch hier eine militante und bewaffnete Gegenmacht aufgebaut werden. Konkret ging es um die Freilassung Tausender politischer Gefangener, um die Aufnahme der chilenischen Flüchtlinge, um materielle Unterstützung für den Widerstand (u.a &quot;Waffen für den MIR&quot;) Aber wer war eigentlich &quot;der Widerstand&quot;? In &quot;DIE NACHT WIRD STERNE HABEN&quot; werden die einzelnen greifbar: Jorge Palma Donoso lebte bis 1979 in der Illegalität und schildert die enormen Schwierigkeiten. Er kehrt 1980 im Rah¬men der &quot;Operation Rückkehr&quot; des MIR wieder zurück und wird 1983 mit seiner Gefährtin Suzana Caprile verhaftet.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&quot;Die meisten Leute in Chile haben ein bestimmtes Bild vom politischen  Gefangenen. Sie suchen in ihm (und ihr) so etwas wie das kleine licht  der Würde, das diesem Land noch geblieben ist. Aber sie vergessen dabei,  daß die politischen Gefangenen Menschen sind wie alle anderen, mit  vielen Problemen und viel Hoffnung...&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Carlos Pino, ehemaliger chilenischer Gefangener, im Buch: „Die Nacht  wird Sterne haben“-Biografien aus dem chilenischen Widerstand&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ebenfalls 1980 kehren Miriam Ortega und ihr Mann Rudolfo Rodriguez aus Cuba zurück. Sie mußten 1973 mit ihren Kindern Chile fluchtartig verlassen. Sie kamen aus der traditionellen Arbeiterbewegung, hatten lange Jahre in der Gewerkschaft und der Sozialistischen Partei (PS) gearbeitet. Auf Cuba ziehen sie Bilanz und entscheiden sich zur Rückkehr, für den Widerstand im Rahmen des MIR. &lt;br /&gt; &quot;Das Problem war, daß die PS keine Politik entwickelte mit der Wiederstand gegen die Diktatur möglich war. Uns im Exil gaben sie die Aufgabe zu lernen, zu warten... wir veröffentlichten eine Erklärung zu unserem Austritt, 30 Companeras/os und traten in den MIR ein, um uns das Recht zu erobern, zurückzu¬kehren ... &quot; Nach einer Ausbildung auf Cuba beteiligen sie sich an Sabotage an Strommasten und Propagandaaktionen, an Geldbeschaffung und an bewaffneten Angriffen:&lt;br /&gt; &quot;...wir versuchten damals den Leuten Formen zu zeigen, wie man sich gegen die Diktatur zur Wehr setzen könnte. Unsere Bedingungen waren sehr schwierig, der MIR war zu der Zeit die einzige revolutionäre Kraft, später kam die FPMR-s.u.-dazu ...&quot; erzählt Miriam. Miriam, Rudolfo und ihre Gruppe werden nach relativ kurzer Zeit (1981) verhaftet, sie schildern die Folter, die unmenschlichen Haftbedingungen. Sie hatten sich nicht auf den Knast vorbereitet, sondern dachten daran, daß sie möglicherweise im Kampf gegen die Diktatur sterben könnten. Miriam erinnert sich: &quot; ... ich werde keine 2 Jahre Haft überleben können, wie hast du das gemacht?&quot; Und Victoria, eine Mitgefangene, antwortet: &quot;Es ist schwer, aber du stützt dich auf die anderen Frauen, und du hast vor allem ein Ziel: daß es der Diktatur nicht gelingt, dich zu zerstören. Es ist eine andere Art von Kampf -der um dein Leben. Denn sie wollen uns vernichten. Du mußt dich also dieser Situation stellen wie einer Schlacht... -Das sagt mir dieses junge Mädchen, sie war drei Jahre in Haft... &quot;&lt;br /&gt; 1987 kommen die drei Kinder von Miriam und Rudolfo aus Cuba zurück. Es ist ergreifend, wenn sie, Lumi (15 Jahre) und Jaime (19 Jahre) erzählen: &quot; ... wir schrieben uns Briefe. Aber brieflich kann man keine gute Beziehung entwickeln, es ist unmöglich, so sehr man sich auch darum bemühen mag. Uns fiel es schwer zu schreiben, besonders mir... Als ich zum ersten Mal hierherkam, um meine Mutter zu besuchen, standen all die anderen Angehörigen der politischen Gefangenen da und applaudierten, denn wir hatten uns seit 9 Jahren nicht gesehen, so war das natürlich ein ganz besonderes Ereignis. Ich kam als erste rein und sah meine Mutter in einer Gruppe stehen. Mir schoß all das in den Kopf, was mit mir passiert war und daß ich sie beinahe gehaßt hatte... Ich fragte mich: was ist das für ein Mensch, daß sie uns nicht geholfen hat, daß sie mich allein gelassen hat, als ich drei Jahre alt war? Und ich sah, daß sie durchaus sensibel und emotional war... &quot; (Lumi) &quot; .. .Die Diktatur und auch die neue Regierung haben unsere Familie sehr geschädigt. Sie ist völlig zerrissen ...Wenn ich mit meinen Compañeros rede, begreife ich, daß ich nicht der einzige bin, der all diese Probleme hat. Es gibt so viele Familien in ganz Chile, denen es genauso geht: Trennung der Eltern, viele, deren Vater tot ist oder die Mutter verschwunden. Das gibt mir Kraft, weiterzukämpfen, um da rauszukommen. Ich versuche, familiäre, persönliche Probleme zu lösen und den Compañeros zu helfen, ihre Probleme, die die Diktatur verursacht hat, zu lösen ... &quot; (Jaime)&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;III.&lt;/h4&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;1990 wurde zwar das Pinochet-Regime durch eine gewählte Regierung abgelöst, bestehend aus einem christdemokratisch-sozialistisch-kommunistischen Wahlbündnis und Aylwin, aber die Verfassung der Militärdiktatur besteht weiter, die Folterer und Mörder der Diktatur haben Straffreiheit, der Repressionsapparat ist intakt. Miriam erzählt: &quot;Am letzten Dienstag, am Geburtstag von Salvador Allende haben sie auf eine Gruppe von Jugendlichen geschossen, die ein Wand­gemälde malten... Es ist eine Botschaft, daß wir uns nicht sicher fühlen können, daß ihr Anti-Aufstandskonzept nach wie vor Gültigkeit besitzt...&quot;&lt;br /&gt; Zwar atmet die Bevölkerung etwas auf, aber das tägliche Überleben ist härter geworden, bei niedrigsten Löhnen, bei Arbeitslosigkeit und Elend in den Armen- und Arbeitervierteln.&lt;br /&gt; Aus den Jahren des Terrors gibt es noch viel Angst, und schon wieder gibt es über 100 politische Gefangene. Bis heute sind noch nicht einmal alle Gefan­genen frei, die gegen die Diktatur kämpften, - sie gelten als „Terroristen&quot;, die Freigelassenen schildern ihre Schwierigkeit draußen von „Wiedergut­machung&quot; für die Terrorurteile, die Fol­ter... ist nichts zu sehen.&lt;br /&gt; Maria Puschner, die das Buch herausge­geben hat, lernte die politischen Gefan­genen kennen, zeichnete viele Gespräche auf und machte Fotos. Im Vorwort schildert sie, wie sie die Stim­mung 1990 erlebte: es gab eine große Euphorie, Gerüchte kursierten, alle poli­tischen Gefangenen kämen frei.&lt;br /&gt; Dieser Hoffnung kann sich keine/r ent­ziehen,- desto schwerer war es dann, mit der Enttäuschung fertig zu werden, als die Verhandlungen und Gesetzesent­würfe sich hinzogen und nur Schritt für Schritt Gefangene freikamen. Puschner hat erlebt, wie sehr die Gefangenen auf die Solidarität der Öffentlichkeit, auf Massendemonstrationen hofften.&lt;br /&gt; Nun ist diese Situation nicht gleichzuset­zen mit der in der BRD. Aber als Anfang 1992 die sog „Kinkel-Initiative&quot; in die Welt gesetzt wurde, hatten natürlich auch wir Hoffnungen: vielleicht könnte es mit einer entsprechenden Unterstüt­zung von draußen gelingen, tatsächlich die Freiheit für - möglichst viele - zu erreichen; wenigstens aber die Zusam­menlegung, und vielleicht könnte auch die neue Prozeßwelle gestoppt werden. Wir wollten uns nicht damit begnügen, nur diese Ankündigung von Kinkel zu entlarven.&lt;br /&gt; Denn natürlich wollen wir raus! Aller­dings nicht auf Knien, nicht um den Preis, daß wir unsere Überzeugung ver­leugnen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Eine andere Gefangene, Gina Cerda, schreibt über ihre Träume: „Ich war in einem Stadtteilzentrum in einem Viertel, wo Menschen in extremer Armut leben. Die Kinder, die dorthin kamen, waren unterernährt, aus Familien ohne Ein­kommen. Sie essen, was sie im Zentrum bekommen, zu Hause gibt es nur Tee. Am Wochenende essen sie nicht, nur montags bis freitags, das ist ihre Rea­lität...&lt;br /&gt; Wenn ich aus dem Gefängnis heraus­komme, möchte ich so schnell wie mög­lich mein Studium beenden und mit die­sen Kindern arbeiten...mein Traum wäre es, eine Schule aufzubauen, an der mög­lichst viele lernen können, was man Kin­dern, die keinen Zugang zu Betreuung und Ausbildung haben, geben kann.&quot; Ich finde es sehr erfrischend, wie offen und selbstbewußt die Gefangenen in Puschners Buch über sich reden, eigent­lich eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht so hier, in der BRD.&lt;br /&gt; Ich möchte fast wetten, daß solche Aus­sagen von Gefangenen hier zu einer der „superscharfen&quot; Debatten führen könn­ten: ob denn das überhaupt noch „revo­lutionär&quot; sei, was z.B Gina da sagt, ob das nicht „Friede mit dem System, Distanzierung&quot; oder sonstwas sei, ob man sie überhaupt noch unterstützen könne, weil doch nur „revolutionäre Gefangene&quot; - und so weiter.&lt;br /&gt; (Denn wenn schon mal, wie 92/93 ein paar Gefangene etwas eher rauskom­men, dann wird von manchen „Radika­len&quot; gründlich, spießig und moralisie­rend erstmal unverzüglich die Gesinnung überprüft. Und so rächt sich dann gewissermaßen das überhöhte und idealisierte Bild, wie es über die und auch von den Gefangenen selbst gemacht wird).&lt;br /&gt; „...daß die politischen Gefangenen Men­schen wie alle anderen sind...&quot;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;IV.&lt;/h4&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Zum Schluß noch ein paar Überlegun­gen, die der ehemalige Gefangene Pino machte, als er rauskam. Sie haben auch für hier ihre Gültigkeit. Ich/wir alle brau­chen die Realität, ob sie uns gefällt oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;„Als ich selbst drin war, hat es mich immer gestört, daß uns die Besucher Mär­chen erzählten über das, was draußen passiert. Als mich die gefangenen Compañeros nun fragten, antwortete ich ehr­lich. Ich mußte also sagen: Es läuft nichts draußen. Es gibt Probleme. Und wie ist es mit der sozialen Bewegung?, fragten sie. Nichts ist damit, sagte ich, es passiert zur Zeit nichts. Das zu erzählen mag schockierend sein, aber ich weiß, daß man die Realität wissen will, wenn man drin ist. Die meisten Besucher versuchen dafür zu sorgen, daß sich die Gefange­nen wohl fühlen. Sie behandeln sie wie Kranke.&lt;br /&gt; Einige sagen es dir sogar bei ihren Besu­chen: Nein, die Dinge stehen nicht so, wie du meinst. Und doch behauptet du: so ist es!&lt;br /&gt; Du bist eingeigelt und es bildet sich eine sehr begrenzte Form zu denken. Dann kommst du raus und bist schockiert, sagst, Mensch, die Leute sind ganz anders geworden. Nein, Unsinn, du bist anders geworden, dein Bild ist unscharf, ver­zerrt. Du siehst die politische Realität, die soziale, selbst die deiner Familie nicht mehr richtig...&lt;br /&gt; Wenn ich mich mit anderen unterhalte, merke ich, daß meine Positionen überholt sind, vielleicht ist mein Blickwinkel unscharf geworden. Also muß ich mich wieder in ein Gefängnis stecken, das der Selbstanalyse.&lt;br /&gt; Ich sage mir: Ich irre mich - nicht in mei­nen politischen Grundsätzen -, aber in meinen Formen...&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Ein ziemlich ehrliches Buch, ohne die allzu glatten Wahrheiten - sondern eher die Suche nach Erkenntnissen und Wegen - trotz allem. Und das könnte auch jeder und jedem von uns etwas Mut machen...(denn was sollen die hero­ischen Verlautbarungen!)&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&quot;Die Nacht wird Sterne haben&quot; erschienen im Verlag Libertäre Assoziation, Hamburg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Norbert Hofmeier,&lt;br /&gt;Knast Bochum, Ende Oktober 1993&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Tue, 07 Dec 2010 12:55:24 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Bayrische Gräber</title>
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                    &lt;p&gt;Eine Buchbesprechung zu dem Roman von Ludwig Lugmeier&lt;em&gt; „Wo der Hund begraben ist“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Ein Millionencoup in Stuttgart, während die Fahndung lädt, der Überfall auf einen wieder millionenschweren Geldtransport in Frankfurt, nach Festnahme im Ausland und Gerichtsverhandlung der legendäre Sprung aus dem Fenster des Gerichtssaals, und wieder auf der Flucht; diesmal jahrelang um die ganze Welt, bevor Lugmeier erneut denunziert und für 15 Jahre inhaftiert wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In knapper Darstellung sind das die Fakten, die jedem bürgerlichen Sensationsreporter den Speichel in die Mundwinkel treiben, und vielen Autoren Stoff liefern würden für marktfüllende Thriller. Lugmeier hat einen Roman geschrieben. Besser gesagt, er hat uns einen vorgezeigt, der seinen besten im Knast und danach geschriebenen Gedichten um nichts nachsteht. Wieviele Romane er geschrieben oder erdacht hat, weiß er allein. Wie sehr die Isolationsfolter, der er jahrelang ausgesetzt war, zum Denken oder Schreiben inspiriert, bleibt unserer Fantasie überlassen. Als rebellierender Gefangener wurde Lugmeier durch mehere ,,Vollzugsanstalten&quot; der BRD geschleppt. Die enge Freundschaft mit RAF-Gefangenen gab vielleicht seiner Rebellion eine Richtung. Näheres über sein praktisches Engagement besonders für schwer mißhandelte ausländische Mitgefangene wird uns die nach den Einzelheiten seiner Biographie gierende Journallie von SPIEGEL bis FAZ verschweigen, ist ihr doch schon die Wahl der Thematik für seinen Roman unverständlich bis suspekt. Anstatt den Lesern einen durch die Kunst im Knast geläuterten Schwerverbrecher zu präsentieren, erzählt Lugmeier von einem Dutzendtyp, einem der Verlierer, die dieses System so dringend zum Überleben braucht. Die Subversivität dieses „Helden&quot; liegt nicht in seiner Rebellion gegen irgendwelche Lebensumstände, sondern in einer schier unglaublichen Art, die Schrecken der Zeit zu ertragen, einer Art, die Millionen von lebenslangen Verlierern nicht nur zum Wiedererkennen herausfordert, sondern ihnen auch die Abgründe der Knechtsseele als Spiegel vors Gesicht hält.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Ein Mensch ist die Summe seiner Mißgeschicke. Man sollte meinen, eines Tages bekommt das Mißgeschick es satt. Aber dann ist die Zeit dein Mißgeschick.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Satz aus William Faulkners „Schall und Wahn&quot; ist das eigentliche Thema des Romans „Wo der Hund begraben liegt&quot; von Ludwig Lugmeier. Bonifaz, ein bayrischer Knecht, Halb­waise und Kriegskrüppel, krückt durch den engumrissenen Raum bundesdeut­scher Provinz. Die Orte der Handlung zeigt eine Karte auf dem Schutzumschlag des Buches, nicht zufällig, wie sich zeigen wird. Denn einzig Orte sind konkret. Lugmeier macht das deutlich. Kameramann und Beleuchter in einem, mißt er sie aus mit schier unbestechli­chem Blick, dem er trotzdem mißtraut. Sein Mut auch zum scheinbar nebensächlichen Detail dehnt die Zeit, wie es der Film eigentlich sonst nur tut, in einer Angst vor dem Lauf der Dinge, eines Laufs, der das Verschwinden der Dinge möglicherweise miteinschließt. Der Autor weiß um die Vergeblichkeit des Festhaltens an den Dingen-so-wie-sie-sind. Er weiß mehr als sein Held, von dem gesagt wird:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Was ist er schon? Nichts. Von der Marie der Bankert, von wem, das mag wissen, wer will. Der Pfarrer vielleicht. Dem ist sie die Tür eingelaufen ihrerzeit. Dann ist sie jeden Tag ein paarmal von der siebten Stufe der Treppe runtergehupft.&quot; Oder anderswo: „Der Bauer bin ich, sagt der Bauer. Olga ist für dich immernoch wer. Das merkst dir. Dann kommt lang nichts. Dann kommt die Marie. Die ist Magd. Dann kommt wieder lang nichts. Und dann erst du.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schreckliche Folgerichtigkeit brauner Ideologie in bayrischen Dörfern, ausgelo­tet bis in den Gestus der Figuren; die schleichende Normalität eines Krieges, auf den alles hinauslief; das Heraufkriechen des Adenauerstaats wie Phönix aus der Scheiße: Lugmeier lädt die Ereignisse sei­nem Helden auf die zerbrechlichen Kno­chen, läßt Sie bersten unter dem Druck angestauter Zukunft, die so nicht kommen will und kann. Der störrische Widerwille des Autors, die Handlung nach vorn hin fließen zu lassen, pflanzt sich fort bis in die Silben, staucht die Sätze wie die Worte zu schreienden Kümmerlingen, die nicht Schöpfung des Autors allein sind. Der gesprochene Dialekt selbst, der vor jeder geschriebenen Literatur ist, hat sie geschaffen. Lugmeier hat zugehört. Diese Satzfetzen erinnern an die beinahe tieri­schen Schmerzenslaute der ländlichen Geschöpfe eines Franz Xaver Kroetz, denen hier wie anderswo die Liebe des Autors zu ihnen wie seine verzweifelte Hoffnung in sie erst ihr Menschsein ein­haucht. Bei Bonifaz geschieht das im tobenden Wahnsinn, dem letzten Fluchtpunkt dieser gebeutelten Kreatur. Davor liegen alle Lügen. Zum Beispiel die vom Desertieren aus der Wehrmacht, die zur Voraussetzung einer kurzen KPD-Mitglied­schaft wird. Aber auch das ist auf Sand gebaut:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Da sind immer die Augen. Die beobach­ten ihn. Die warten. Die wollen wissen, wann es ihm das Bein abgerissen hat, 1941 oder 42? Und wie das war mit dem Noak und ihm? Und warum der Noak abgehaun ist als die Gegenoffensive ange­fangen hatte? Und was das für ein Dorf war, das sie angezündet haben? Und was das für Leute waren, die geschrien haben? Das wollen sie wissen, die Augen. Darum schaun sie ihn an.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort wo Lugmeier konsequent bleibt, immer wieder vor dem Weiterverfolgen einer genau beschriebenen Handlung zurückweicht in deren Herkunft, hat der Roman seine Höhepunkte. Erst das Aufge­ben dieser Vorgehensweise treibt den jetzt wie von selbst sich abspulenden Stoff der Katastrophe zu, die in ihrer anrührenden Harmlosigkeit verblaßt vor den aktuellen Katastrophen, die jeder Beschreibung spotten und zu deren Geschichte dieser Roman einiges zu sagen hat.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Mon, 20 Sep 2010 08:41:54 +0000</pubDate>
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