<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xml:base="https://arranca.org"  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
<channel>
 <title>arranca! - Rhein-Main</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/278/0</link>
 <description></description>
 <language>de</language>
<item>
 <title>Dafür haben sie den Paragraphen ja geschaffen!</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/2/dafuer-haben-sie-den-paragraphen-ja-geschaffen</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Am 6.Januar 1993 wurde der Wiesbadener Antifaschist Gunther verhaftet, gegen 23.00 Uhr wurde sein Auto von einer Polizeistreife angehalten und Gunther unter dem Vorwurf des schweren Landfriedensbruches festgenom­men. Den Hintergrund bildete ein Treffen der verbote­nen faschistischen Organisation „Deutsche Alternative&quot; am gleichen Tag in Mainz. Das Treffen, welches sich in die zunehmenden faschistischen Aktivitäten im Rhein-Main-Gebiet einreiht, wurde von der Polizei ignoriert. Einige AntifaschistInnen versuchten gegen 19.30 Uhr ein Vorabtreffen der eigentlichen DA-Zusammenkunft aufzulösen, dabei wurden mehrere Nazis verletzt und zwei PKW-Scheiben zerstört. Obwohl es außer einem Stock im Wagen des 3 1/2 Stunden nach dem Vorfall in einer anderen Stadt festgenommenen Gunther kein „Beweismittel&quot; gibt, wurde er tags darauf dem als „Hard­liner&quot; gegen Linke geltenden Haftrichter Pohlen vorge­führt, der Untersuchungshaft anordnete. Seine Beschwerde gegen den Haftbefehl wurde von der 1.Strafkammer des Landgericht Mainz als unbegründet abge­wiesen, da sich ein dringender Tatverdacht ergäbe. Weiterhin hätten sich an Gunthers Kleidung Glassplitter gefunden, die von einem Fahrzeug stammen könnten, welches bei der Auflösung des Nazi-Treffen beschädigt wurde. Ebenso könnten die Splitter natürlich von jedem anderen bei PKWs üblichen Security-Glas stammen. Nach 5 Monaten Untersuchungshaft ist Gunther —unter Meldeauflagen— wieder auf freiem Fuß. Es wird wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch ermit­telt, der eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren vorsieht. Die gezielte Kriminalisierung linker Politik und antifaschistischer Organisierung liegt auf der Hand.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Am 6.Januar 1993 wurde der Wiesbadener Antifaschist Gunther  verhaftet, gegen 23.00 Uhr wurde sein Auto von einer Polizeistreife  angehalten und Gunther unter dem Vorwurf des schweren  Landfriedensbruches festgenom­men. Den Hintergrund bildete ein Treffen  der verbote­nen faschistischen Organisation „Deutsche Alternative&quot; am  gleichen Tag in Mainz. Das Treffen, welches sich in die zunehmenden  faschistischen Aktivitäten im Rhein-Main-Gebiet einreiht, wurde von der  Polizei ignoriert. Einige AntifaschistInnen versuchten gegen 19.30 Uhr  ein Vorabtreffen der eigentlichen DA-Zusammenkunft aufzulösen, dabei  wurden mehrere Nazis verletzt und zwei PKW-Scheiben zerstört. Obwohl es  außer einem Stock im Wagen des 3 1/2 Stunden nach dem Vorfall in einer  anderen Stadt festgenommenen Gunther kein „Beweismittel&quot; gibt, wurde er  tags darauf dem als „Hard­liner&quot; gegen Linke geltenden Haftrichter  Pohlen vorge­führt, der Untersuchungshaft anordnete. Seine Beschwerde  gegen den Haftbefehl wurde von der 1.Strafkammer des Landgericht Mainz  als unbegründet abge­wiesen, da sich ein dringender Tatverdacht ergäbe.  Weiterhin hätten sich an Gunthers Kleidung Glassplitter gefunden, die  von einem Fahrzeug stammen könnten, welches bei der Auflösung des  Nazi-Treffen beschädigt wurde. Ebenso könnten die Splitter natürlich von  jedem anderen bei PKWs üblichen Security-Glas stammen. Nach 5 Monaten  Untersuchungshaft ist Gunther —unter Meldeauflagen— wieder auf freiem  Fuß. Es wird wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch  ermit­telt, der eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren vorsieht. Die  gezielte Kriminalisierung linker Politik und antifaschistischer  Organisierung liegt auf der Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Wir befragten Gunther zu seinem wahrscheinlich im Herbst diesen Jahres statt­findenden Verfahren.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: Hast Du den Ein­druck, daß es sich um eine gezielte Verhaftung handelte? &lt;br /&gt; GUNTHER: Ja, ich wurde VOR einem Streifenwagen überholt und gestoppt  und bin schließ­lich verhaftet worden. Sie haben die Verhaftung wegen  schwerem Landfriedensbruchs schon verkündet, bevor sie den Wagen richtig  durchsucht hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: Du bist 5 Monate in U-Haft gewesen,  Haftentlas­sungen wurden nicht mit juri­stischen sondern mit  politi­schen Begründungen abgelehnt...&lt;br /&gt; GUNTHER: Die Begründung  lautete: „Der Beschuldigte ist, wie sich aus dem Inhalt der  Ermittlungsakten ergibt, Mit­glied einer sich antinational­sozialistisch  bezeichnenden linksautonomen Gruppe. Aus den vorgenannten Umständen  ergibt sich zweifelsfrei der dringende Tatverdacht der Beteiligung des  Beschuldigten an dem Überfall.&quot; Und, daß ich als „Mitglied der  Autono­men Szene jederzeit in den ‚autonomen Untergrund‘“ abtauchen  könne, also auch Fluchtgefahr bestehe. Die Begründung enthält gleich  mehrere Konstrukte, einmal „die antinationale Gesin­nung&quot;, mit der sie  dieser eine ganz klare politische Prägung aufdrücken und dann der  „autonome Untergrund&quot;, als gäbe es schon legale und ille­gale Autonome.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: Warum bist Du jetzt wieder freigelassen worden? &lt;br /&gt; GUNTHER: Die Begründung war offiziell, daß der Prozeß frühestens im  Oktober diesen Jahres losgehen kann und es Bedenken wegen der langen  U-Haft gab. Obwohl so eine lange U-Haft für Rheinland-Pfälzische  Verhältnisse keine Besonderheit ist. Ich glaube, daß meine Freilassung  ein Erfolg der starken Soli-Arbeit draußen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARRANCA: Wie waren denn die Haftbedingungen? &lt;br /&gt; GUNTHER: Ich hatte  „normale&quot; Haftbedingungen, wobei ich den ersten Monat ständig ver­legt  wurde wegen der Solida­ritätskundgebungen die vor dem Knast organisiert  wur­den.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ARRANCA: Was bedeutet „nor­male Haftbedingungen&quot;? &lt;br /&gt; GUNTHER: Die  gleichen Bedin­gungen wie andere Gefan­gene auch, wobei in der Mainzer  U-Haft die Bedingun­gen zwar offiziell als „normal&quot; gelten, aber  ziemlich übel sind: 23 Stunden allein auf Zelle und eine Stunde  Hof­gang. Zwei Stunden täglich ist Umschluß, da kannst Du Dich mit  maximal zwei Gefange­nen in eine Zelle sperren las­sen. Es gibt so gut  wie keine Freizeitmöglichkeiten. Ich hatte als „politischer Gefange­ner&quot;  in dem Knast eine ganz gute Position, es gab auf Grund des Tatvorwurfs  viele Sympathien.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: Es gab also keine rechte Stim­mung im Knast? In  Berlin gab es ja schon Aktionen von ausländischen Gefangenen gegen  rassistische Über­griffe im Knast und es zirkuliert ganz offen Material  der eigentlich verbotenen NSDAP/AO...&lt;br /&gt; GUNTHER: Es gab auch Rechte im  Main­zer Knast, aber die hatten in der Knaststruktur keine gute  Position, einige haben sich nicht mal mehr zum Hof­gang rausgetraut...&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: Wieviele Gefangene haben gleichzeitig Hofgang? &lt;br /&gt; GUNTHER: Das konnten bis zu 100 Gefangene sein auf einem Hof der 10m x  30m mißt, da der eigentliche Hof wegen Restauration geschlos­sen ist.  Das war extrem mensche­nunwürdig, Du konntest Dich vor lauter Gefangenen  kaum bewe­gen, da sprudelten die Aggressionen nur so.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: In welchen Rahmen stellst Du Dein Verfahren?&lt;br /&gt; GUNTHER: Es ist wichtig festzuhalten, daß Mainz ein Nazizentrum ist.  Die Gärtnerei Müller dient seit über 20 Jah­ren als Knotenpunkt  deutscher und internationaler faschistischer Organisa­tionen. Doch das  wird in Mainzer Polizei-, Staatsschutz- und Justizkreisen nie erwähnt.  Wichtig ist auch Biebelsheim, ein Dorf bei Bad Kreuznach zu erwähnen.  Dort sollte auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, in  dem Deutsche inhaf­tiert waren, eine Mülldeponie entstehen, was  Nazi-Gruppen genutzt haben, um einen Wallfahrtsort daraus zu machen,  seit 1991 veranstalten sie dort mehrere Aufmärsche im Jahr. Es entstand  ein breites Bündnis von Kirchenkreisen über Grüne und SPD bis hin zu  verschiede­nen Antifa-Gruppen, ich saß als Vertreter der Antifa  Mainz/Wiesbaden mit dabei. Das Bündnis veranstaltete meh­rere  Aktivitäten und im Laufe der Zeit riß ein  SPD-Europaparlamentsabgeordneter Namens Kurt Fittinghoff die Sache immer  mehr an sich und fing an Infor­mationen über verschiedene Leute,  besonders über Autonome, an das Main­zer Innenministerium weiterzugeben.  Dann hat er einmal im Namen des Bündnisses eine Kundgebung organisiert  und den Innenminister Walter Zuber als Redner eingeladen. Das  Innenministe­rium, kam dann heraus, hatte sogar einen Spitzel im  Jugendzentrum Bingen eingeschleust, wo auch eine antifaschi­stische  Gruppe organisiert war. Als der Spitzel aufflog, wurde sein Einsatz  damit legitimiert, daß die Gruppe aus dem Jugendzentrum Kontakte zu  Autonomen, der Antifa MZ/WI hätte und es wurde begonnen in gute und böse  Antifaschisten zu spalten. Zurück zur DA, die hatte sich in Mainz zu  einer Kameradschaft von etwa 30 Per­sonen entwickelt, bundesweite  Bedeu­tung erreicht und auch nach dem Verbot behalten. Nach meiner  Verhaftung gab es mehrere Stellungnahmen von Staats­anwalt und Polizei  in denen geleugnet wurde, daß es in Mainz faschistische Strukturen gibt.  Das wurde durch eine intensive Antifa-Pressearbeit widerlegt, daher kam  es im März zu einer ersten Alibi-Aktion; Durchsuchungen hei ehe­maligen  DA-Mitgliedern. Das ganze wurde in der Presse sehr stark  ausge­schlachtet und es wurden Informationen als „Neueste Erkenntnisse&quot;  verbraten, die seit Monaten aus linken Antifakreisen bekannt waren. Es  wurde versucht, ein Legitimationsdefizit auszubügeln, was noch  deutlicher wurde, als am 17.4. die jährliche Hitler-Geburtstagsfeier auf  dem Gärtnerei Müller-Gelände mit über 400 Faschisten stattgefunden hat,  die ganze Creme der Nazi-Szene war anwesend. Die Feier wurde unter  Polizeischutz gestellt, was in Mainz für ziemliche Empörung gesorgt hat.  Das ist auch auf die gute Antifa-Arbeit zurückzuführen. Im Raum  Rhein-Hessen ist auch die antifaschistische Mobilisierung gestärkt  worden, es sind viele neue Antifa-Gruppen entstanden. Die Anklage gegen  mich ist ganz klar ein Angriff auf die erfolgreiche Antifa-Arbeit. Dann  wurde die alljährliche Sonnenwendfeier bei Müllers am 19.6. zum ersten  mal in 20 Jahren verboten, kurz davor war meine Freilassung erfolgt. Das  ist ein deutliches Zeichen, daß die Polizeitaktik sich geändert hat,  wir werten das ganz klar als Erfolg unserer offensiven  Öffentlichkeitsarbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;ARRANCA: Wird die Staatsanwaltschaft durchkommen?&lt;br /&gt; GUNTHER: Das Mindeststraf­maß beträgt sowieso 6 Monate und wenn sie  meinen, mir nachgewiesen zu haben, daß ich bei der Personengruppe, die  sich mit den Nazis geprügelt hat, dabei war, dann reicht das für eine  Verurteilung mit dem Landfriedensbruchparagraphen schon aus, dafür haben  sie ja den Paragraphen geschaffen. Die Tatsache, daß das Verfahren an  das Landgericht weitergege­ben worden ist, deutet darauf hin, daß die  Staatsanwaltschaft vorhat ein relativ hohes Strafmaß zu beantragen,  anson­sten hätte das Amtsgericht ausgereicht. Gegen Nazis wird bei  Landfriedensbruch vor dem Amtsgericht verhandelt.&lt;/p&gt;


&lt;!--
&lt;rdf:RDF xmlns:rdf=&quot;http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#&quot; xmlns:dc=&quot;http://purl.org/dc/elements/1.1/&quot; xmlns:trackback=&quot;http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/&quot;&gt;
&lt;rdf:Description rdf:about=&quot;https://arranca.org/ausgabe/2/dafuer-haben-sie-den-paragraphen-ja-geschaffen&quot; dc:identifier=&quot;https://arranca.org/ausgabe/2/dafuer-haben-sie-den-paragraphen-ja-geschaffen&quot; dc:title=&quot;Dafür haben sie den Paragraphen ja geschaffen!&quot; trackback:ping=&quot;https://arranca.org/trackback/564&quot; /&gt;
&lt;/rdf:RDF&gt;
--&gt;
&lt;div class=&quot;trackback-url&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box&quot;&gt;&lt;div class=&quot;box-inner&quot;&gt;

      &lt;h2 class=&quot;title&quot;&gt;Trackback URL für diesen Artikel&lt;/h2&gt;
  
  &lt;div class=&quot;content&quot;&gt;
    https://arranca.org/trackback/564  &lt;/div&gt;

&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;!-- /box-inner, /box --&gt;
&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://arranca.org/ausgabe/2/dafuer-haben-sie-den-paragraphen-ja-geschaffen#comments</comments>
 <category domain="https://arranca.org/tag/antifaschismus">Antifaschismus</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/repression">Repression</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/rhein-main">Rhein-Main</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Sun, 28 Nov 2010 17:39:21 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">564 at https://arranca.org</guid>
</item>
</channel>
</rss>
