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 <title>arranca! - Subjekt &amp; Gesellschaft</title>
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 <title>Bodycheck und linker Haken</title>
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 <pubDate>Thu, 09 Dec 2010 15:49:27 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Auf die Revolution warten ist Quark</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/42/auf-die-revolution-warten-ist-quark</link>
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                    &lt;p&gt;„Die Revolution ist das größte, alles andere ist Quark“, so lehrte Rosa Luxemburg. In einem hatte sie damit auf jeden Fall Recht: Ein bisschen Mindestlohn, ein bisschen soziale Gerechtigkeit und ein bisschen Gleichstellungsgesetze sind es nicht, die aus dieser Welt eine andere machen. Doch in den letzten hundert Jahren hat sich für viele eine weitere, bittere Erkenntnis dazugesellt: Revolution kann auch ganz schön Quark sein.&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Die Revolution ist das größte, alles andere ist Quark“&lt;/em&gt;, so lehrte Rosa Luxemburg. In einem hatte sie damit auf jeden Fall Recht: Ein bisschen Mindestlohn, ein bisschen soziale Gerechtigkeit und ein bisschen Gleichstellungsgesetze sind es nicht, die aus dieser Welt eine andere machen. Doch in den letzten hundert Jahren hat sich für viele eine weitere, bittere Erkenntnis dazugesellt: Revolution kann auch ganz schön Quark sein. Sicher, es gibt da wichtige Unterschiede, die nicht kleingeredet werden sollen. Aber so ‚richtig‘ begeistern können sich die meisten für keine. Oder höchstens für eine, die weit weg ist. &lt;br /&gt;Gerne wird von Menschen, die die jetzige als beste aller möglichen Welten bezeichnen, darauf verwiesen, dass der ‘‘Mensch an sich‘ nun mal kein guter sei. Und der Kommunismus als Idee zwar nicht schlecht, aber! Auch in so mancher WG hing Ende des Jahrhunderts Roland Beiers Karikatur von Marx, wie dieser entschuldigend sagt: &lt;em&gt;„Tut mir leid, Jungs! War halt nur so ‚ne Idee von mir ... „. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Manche dachten auch, es läge daran, dass die Falschen zum Subjekt der Geschichte erklärt wurden. „Die Zukunft ist weiblich“, hieß es in vielen Graffitis darum schon vor dem von Francis Fukuyama 1992 ausgerufenen „Ende der Geschichte“, welches inzwischen von innerökonomischen Antagonismen, widerstreitenden Interessen und nicht zuletzt vom globalen Widerstand schon wieder selbst zu Geschichte gemacht wurde. Aber Weiblichkeit – die gibt es seit dem von Judith Butler ausgerufenen Postfeminismus der 1990er Jahre ja auch nicht mehr so richtig.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Queer denken!&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;„Was sind Frauen?“ „Was sind Männer?“, wurde spätestens seitdem intensiv ge- und hinterfragt und unter dem Begriff ‚queer‘ wird versucht, jenseits von Kategorien wie ‚Frau‘ und ‚Mann‘, ‚hetero‘- und ‚homosexuell‘ danach zu suchen, welche Identitäten wir wirklich leben wollen – auch wenn klar ist, dass wir unserer jeweiligen gesellschaftlich zugewiesenen Subjektivität &lt;em&gt;„hartnäckig verhaftet“&lt;/em&gt; (Butler) sind.&lt;br /&gt;Aber warum spielt das, was als Queertheorie vielen heute so selbstverständlich ist, eine so geringe Rolle, wenn es sich statt um Sexismus oder Rassismus um Kapitalismus dreht? Was sich aus poststrukturalistischer Theorie ergibt, ist: Subjekt und materieller Kontext sind nur zusammen veränderbar. Es lässt sich keine heile Welt mit kapitalistischrassistischsexistischetc. geprägten Subjekten gründen, und ebensolche Subjekte werden keine heile Welt bauen. Somit wird offensichtlich, dass weder der Ansatz, erst die Gesellschaft ändern zu wollen (zum Beispiel durch die Übernahme von Macht) noch der Ansatz, durch Erziehung könne eine andere Gesellschaft erreicht werden (wie dies zum Beispiel der Frühsozialist Robert Owen glaubte), zu wirklichen Veränderungen führen können: Während mit dem ersten Ansatz die noch im Alten konstruierten Subjekte die Strukturen des alten Systems reproduzieren würden, bleibt der zweite Ansatz – wie so manches feministische Elternteil aus eigener Erfahrung weiß – schon darin stecken, dass sich Kinder durchaus nicht nur entlang pädagogischer Vorsätze entwickeln, sondern als Teil eines gesellschaftlichen Diskurses. Denn als Menschen sind wir in den bestehenden Verhältnissen konstruiert, als eine Art Pendant dieser Verhältnisse. Anders als in Aldous Huxleys Schöner Neuer Welt gibt es da allerdings noch das Problem, nicht so hundertprozentig in den gesellschaftlichen Verhältnissen aufzugehen, dass wir nicht auch darin leiden würden.&lt;br /&gt;Dies weitergedacht aber ergibt sich, dass eine Gesellschaft ohne Herrschaftsverhältnisse (oder sollten wir realistischer besser sagen: mit weniger?) nicht nur eine andere Gesellschaft wäre als die heutige, sondern auch, dass die Menschen in ihr andere wären. Schon Marx erkannte die Individuen der ‚bürgerlichen Gesellschaft‘ als die Subjekte eben dieser Gesellschaftsform. Für ihn war der Besitzindividualismus keine universelle Konstante menschlicher Existenz, sondern nur eine Subjektivierungsform. Die zum geflügelten Wort gewordene Aussage &lt;em&gt;„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“&lt;/em&gt; wird weder der komplizierten Wirklichkeit noch dem Gesamtwerk von Marx gerecht. Für den jungen Marx ist der Mensch zentral: &lt;em&gt;„Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst“&lt;/em&gt;. Er verstand den Menschen sowohl als Ensemble historischer Verhältnisse als auch die historischen Verhältnisse als das Getane des Menschen. &lt;br /&gt;Leider wurde Marx‘ Werk so interpretiert, als müssten nur die Besitzverhältnisse an den Produktionsmitteln, sprich die äußeren Verhält​nisse geändert werden, damit alles gut werde. Genau dies war der Fehler, welcher zum entschuldigend schulterzuckenden Marx in den WG-Küchen führte – und zu vielem anderen, weit Unschönerem.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Strukturen ver-rücken bis zum Bruch&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Umgekehrt fokussieren poststrukturalistische identitätspolitische Ansätze wie von Judith Butler auf das Subjekt als Mittel zur Veränderung: aufs Queeren von Identität. Unter Handlungsfähigkeit versteht sie die Möglichkeit zur ‚performativen Iteration‘, also zum Nutzen der Spielräume in der Wiederholung unserer täglichen Handlungen. Oft wurde Butler von feministischer Seite vorgeworfen, die Zwänge des Körpers, und von marxistischer Seite, die Zwänge in der Gesellschaft und damit gesellschaftliche Strukturen zu vernachlässigen. Dabei ist die Einbindung ihrer Überlegungen zur Konstruktion von Identitäten in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge offensichtlich. Die Notwendigkeit, alltägliche Verhältnisse subversiv zu re-artikulieren, um nicht nur die eigene Identität, sondern auch den gesellschaftlichen Kontext zu verändern, bleibt jedoch tatsächlich unterbelichtet.&lt;br /&gt;Im Gegensatz zu einem beliebten Missverständnis negiert Poststrukturalismus nicht Strukturen, sondern widerlegt nur das Gedankenmodell, dass diese sich stets identisch wiederholten – außer, wenn es plötzlich zum revolutionären Bruch kommt. Stattdessen geht es eben um das Ringen um Verschiebungen von Strukturen in der alltäglichen Wiederholung. Dabei fällt die analytische Erfassung des strukturalistischen Elements im Poststrukturalismus schwerer, da letztendlich keine Struktur von möglicher Verschiebung unberührt bleibt. Doch die Erkenntnis, dass es nichts gibt, was nicht veränderlich wäre, ist langfristig gedacht. Eine andere Welt ist möglich, aber sie wird nicht morgen und nicht übermorgen möglich sein, wenn sie völlig anders aussehen soll, wenn somit auch die Menschen darin völlig andere sein werden. Der zeitliche Aspekt ist wesentlich für die Langlebigkeit von Produktionsweisen oder Geschlechterordnungen, die sich durch sich selbstverstetigende Mechanismen ergibt – zum Beispiel Verkörperlichung von Identität oder scheinbare Alternativlosigkeit wirtschaftlicher Produktionsweisen. Doch keine Struktur stellt eine absolute Grenze dar. &lt;br /&gt;Strukturen in der Gesellschaft sind nicht hinfällig, nur weil keine Struktur für immer besteht – dies wäre der gerade von marxistischer Seite beliebte anything goes-Vorwurf an den Poststrukturalismus. Dabei zeigen beide Theorien im Grunde dasselbe: Der Mensch ist das Ensemble historischer Verhältnisse, die er als Geschichte selbst macht, aber nicht unter selbst gewählten Umständen; das Subjekt ist in jeder seiner Faser und mit jedem seiner Gedanken untrennbar vom Diskurs – und dieser untrennbar vom Subjekt.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Subjektfundierte Hegemonietheorie&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Mit diesem Verwobensein von Kontext und Subjekt sind wiederum Hegemonien und Kämpfe um Emanzipation fundamental verknüpft: In meiner ‚subjektfundierten Hegemonietheorie‘ zeige ich auf, wie das Streben nach Hegemonie sowie nach Emanzipation stets mit Veränderungen der Identitäten verbunden ist. Grundlage hierfür ist Antonio Gramscis Hegemonietheorie. Diese überwindet bereits, nur ‚Herrschende‘ auf der einen Seite und ‚Unterdrückte‘ auf der anderen zu analysieren. Gramsci versteht die bürgerliche Gesellschaft als Abfolge von historischen Blöcken, in denen verschiedene Kräfte um Hegemonie ringen. Hieraus bildet sich ein komplexes Gebilde von herrschenden Interessen, von partizipierenden Gruppen sowie von völlig Ausgeschlossenen, den Subalternen. Ernesto Laclau und Chantal Mouffe haben jedoch bereits 1985 gezeigt, dass dies nur eine scheinbare Überwindung traditioneller Reduktionen im Marxismus bleiben kann, solange letztlich von nur zwei Konfliktgruppen, den ArbeiterInnen und den KapitalistInnen, ausgegangen wird, mit gegebenen Identitäten und Interessen, und den ArbeiterInnen als Subjekt der Revolution. Denn in diesem Fall kann es doch wieder nur eine dieser beiden Gruppen sein, welche an der Macht ist, und das bedeutet erstens das Ausblenden anderer Herrschaftsverhältnisse, zweitens setzt es die Macht im Staat mit Macht überhaupt gleich; und drittens muss eine Ökonomie, welche diese beiden Konfliktgruppen dermaßen unverändert determiniert, selbst frei von Einflüssen, also vom Handeln unbeeinflussbar, sein. &lt;br /&gt;Das Ringen um Hegemonie findet aber nicht nur als Ausdruck des kapitalistischen Verhältnisses statt, sondern tendenziell in allen Sphären der Gesellschaft und zwischen allen Formen von Identitäten. Privilegien lassen sich nicht auf Vorteile durch die Position in der Mehrwertproduktion reduzieren: sei es zum Beispiel als Zugriff auf den (weiblichen) Körper, eine angenehme Arbeitsteilung oder schlicht das Gefühl, zu den tops zu gehören. Damit gibt es keine Hierarchisierung der einzelnen Gesellschaftsbereiche oder (kollektiver) Subjekte wie beispielsweise der Arbeiterklasse. Hegemonie in ihren Ausformungen von Kapitalismus, Rassismus, Sexismus etc. wird tagtäglich und überall (auch) reproduziert. &lt;br /&gt;Darüber hinaus kann Hegemonie nur als Identität erreicht werden. Das Streben nach Hegemonie impliziert stets die Abgrenzung einer Identität zu einer oder mehreren anderen – hegemonisierten – Identität(en): Jede Form von Herrschaft muss Identitätsgrenzen scharf ziehen, wie dies beispielsweise im Kolonialsystem auch biologisch durch das Verbot von Mischehen geschah. Aber auch das tägliche Erleben und Handeln als ‚Herr‘ oder ‚Knecht‘, als Mann oder Frau etc. wirkt sich auf die stetige Rekonstruktion von Identität aus und verändert Menschen in diesem Prozess.&lt;br /&gt;Sex, race und class sowie jede Form von Identität bestehen somit immer in Relation zueinander: ohne KapitalistInnen keine ArbeiterInnen, ohne ‚Mann-sein‘ kein ‚Frau-sein‘, ohne die Kategorie ‚weiß‘ ergibt die Kategorie ‚schwarz‘ keinen Sinn. Das Streben nach Emanzipation, also der Kampf um die Überwindung einer Hegemonie, ist damit nur als „doppelte Geste“ (Jacques Derrida) möglich: Während es zunächst auf die Gleichberechtigung innerhalb der gegebenen Verhältnisse zielt, wird eine wirkliche Aufhebung nur in einem Prozess ermöglicht, der sowohl die hegemonialen als auch die hegemonisierten Identitäten ihrer binären, das heißt in Abgrenzung zueinander entstandenen, Konstruktionen enthebt.&lt;br /&gt;In diesem Prozess werden aber nicht nur die Identitäten und deren Interessen, sondern auch der gesellschaftliche Kontext (re-)produziert. Veränderung von Identität bedeutet immer auch Veränderung des Kontextes, der nicht unabhängig von den Formen der Identitäten zu denken ist, so wie die Veränderung des Kontextes immer auch Veränderung von Identität impliziert. Menschen sind durch die gegebenen Verhältnisse geprägt und in ihnen verhaftet, und doch sind letztlich sie es, welche die Gesellschaft in ihrer Materialität und ihrer Bedeutung reproduzieren. &lt;br /&gt;Dabei gibt es keine gesellschaftlichen Orte, die nicht politisch wären und keine privilegierten Orte des Widerstands. Emanzipation geht nicht von einem gesellschaftlichen Zentrum aus, sondern findet überall im Sozialen statt. Das Alltägliche ist politisch. Gerade hierin aber liegt etwas Revolutionäres. Reformpolitik richtet sich immer an den Staat. Da der Staat aber immer nur für Subjekte Recht sprechen kann, welche sich damit in Abgrenzung zu anderen Subjekten konstituieren, muss ein emanzipatorisches Streben (auch) in Räumen jenseits dessen gesucht werden. Da das Subjekt sich nicht unabhängig vom Kontext entwickeln kann, ist die Entwicklung autonomer Räume für die Ermöglichung neuer Subjektivitäten wesentlich. &lt;br /&gt;In diesem Sinne geht es darum, nach neuen Wahrheiten zu suchen. Wir sind in unseren Identitäten ‚wahr gemacht‘ worden. Als solche sind wir historisch einmalig. Daran ist nicht alles schlecht. Als solche sind wir auch von neuen Erfahrungen geprägt und von neuen Träumen geleitet – die Utopie liegt immer am Horizont, so erinnert uns Eduardo Galeano: Gehen wir vorwärts, so geht auch sie vor uns her, und zeigt uns auf, was wir uns vorher gar nicht vorstellen konnten. Wer möchte heute in einer der Utopien der Vergangenheit leben? Die meisten Utopien werden aus der historischen Perspektive deutlich als Verlängerungen der eigenen Gesellschaft.&lt;br /&gt;Auf die Revolution warten ist also Quark!? Die Erkenntnis, dass alles zusammenhängt, hat auch etwas sehr Motivierendes: Nicht nur auf der Straße liegt das Potenzial für Veränderung, sondern überall; nicht nur in seltenen Ereignissen, sondern immer.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Halbinseln gegen den Strom&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Naja, eigentlich wissen wir spätestens seit der Frauenbewegung, dass das Private politisch ist. Aber auch, dass es das richtige Leben im Falschen nicht geben kann – dies war die Erfahrung vieler Kollektive der ‚Nach-68‘-Bewegung. Es gibt keine herrschaftsfreien Inseln im Meer von Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und all dem anderen, was die herrschaftsförmigen Hegemonien unserer Gesellschaften ausmacht und sich in unseren Subjekten fortsetzt. &lt;br /&gt;Doch wenn es auch keine Inseln im Falschen gibt, so doch Halbinseln: Räume – seien es geographische wie Lebensgemeinschaft oder einfach Netzwerke –, in denen Menschen miteinander versuchen, etwas Besseres zu leben. Räume, in denen Menschen sich ein Stück weit eine andere Wirklichkeit erschaffen und ausprobieren, wohin es gehen könnte. Räume, die es Menschen durch die darin gelebten anderen Selbstverständlichkeiten erlauben, sich als Subjekte anders zu entwickeln, als dies außerhalb solcher Halbinseln möglich ist.&lt;br /&gt;Karl Marx sprach Kooperativen aufgrund ihrer notwendigen Begrenzung auf zwergenhafte (dwarfish) Formen ihr Vermögen ab, das kapitalistische System zu transformieren. Klar, diese Gesellschaft wird sich nicht ausschließlich durch die Ausbreitung solcher räumlichen Halbinseln in eine andere verwandeln. Doch wer sagt, dass ihre Versuche verpufft sind, und nicht doch wesentliche gesellschaftliche Anstöße geschaffen haben – auch wenn die nicht immer direkt zuzuordnen sind. &lt;br /&gt;‚Gegen-hegemoniale/Gegen-diskursive Räume‘, auch nicht-territoriale, sind als Orte, in denen emanzipatorische Diskurse eine Verräumlichung erhalten, in denen sie ‚Sinn machen‘́, sicher keine ausschließliche Strategie, aber doch ein wesentliches Element für emanzipatorische Prozesse. Ebenso wesentlich aber ist, dass es in diesem Prozess durch veränderte Selbstverständlichkeiten immer wieder mal zu revolutionären Brüchen kommt, indem das Neue, das sich in diesen Keimformen entwickeln konnte, sich Bahn bricht.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Der neue Mensch ist Henne und Ei&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Sicher nicht zufällig untertitelte der russische Publizist N. G. Tschernyscheswskij seinen Roman von 1863: Was tun? – von dem Lenin später den Titel übernahm – über die Probleme der sozialistischen Bewegung und die Emanzipation der Frauen, mit&lt;em&gt; „Erzählungen von neuen Menschen“&lt;/em&gt;. Dies heißt eben gerade nicht, dass für eine andere Gesellschaft andere Menschen vonnöten seien, die es nicht geben kann, sondern dass ‚das Tun‘ auch uns selbst, in unseren bestehenden Identitäten, beständig verändert. Das eine kann nicht unabhängig vom anderen stattfinden: In und durch Widerstand zeigt sich eine andere Form von Subjektivität, die nicht bereit ist, bestimmte Zwänge und Zumutungen zu akzeptieren.&lt;br /&gt;John Holloway fasst in seinem Buch Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen einen zapatistischen Grundgedanken zusammen: &lt;em&gt;„Der Anspruch, revolutionär zu sein, liegt nicht in der Vorbereitung eines zukünftigen Ereignisses, sondern in der Umkehrung der Perspektive in der Gegenwart, im konsistenten Beharren darauf, die Welt aus einer Perspektive zu sehen, die mit der bestehenden Welt unvereinbar ist&lt;/em&gt;“. Subcomandante Marcos von den Zapatistas betont, es handele sich um eine revolution – mit kleinem r: &lt;em&gt;„kleingeschrieben, um Polemiken mit den vielen Avantgarden und Hütern DER REVOLUTION zu vermeiden“&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;Den eigenen Alltag nach seinen dissidenten Möglichkeiten auszuloten, das eigene alltägliche Leben als potenziell revolutionär zu begreifen, und dabei uns selbst und die Welt zu verändern – hört sich das etwa übel an? Zumal, wie Anne Huffschmid in ihrer Reflexion über den Zapatismus betont, die Freuden des Alltags im Hier und Jetzt nicht gegen politische Ideale zu verkaufen sind: Nicht nur hätten die Menschen vor uns sonst vergebens gekämpft, da wir die durch sie erreichten Möglichkeiten nicht genössen; darüber hinaus würde sich auch die Welt als Kontext anders formen, da wir als Subjekte der Struktur inhärent sind, die Struktur nicht unabhängig von uns existiert. Wiederum mit den Zapatistas gesprochen: Die andere Welt, die herauskäme, wenn wir an ihr ohne Spaß am Leben und ohne gemeinsames Lachen bastelten, wäre wohl eckig, nicht rund.&lt;br /&gt;Also, warum Trübsal blasen? What we do matters.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Mon, 05 Jul 2010 09:27:38 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Die Wüste wächst</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/1/die-wueste-waechst</link>
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                    &lt;p&gt;Dies ist der zweite und abschließende Teil des in der Nullnummer begonnenen &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/0/kultur&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Artikels&lt;/a&gt; zum Begriff Kultur und seiner Kritik.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Dies ist der zweite und abschließende Teil des in der Nullnummer begonnenen &lt;a href=&quot;http://arranca.org/ausgabe/0/kultur&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Artikels&lt;/a&gt; zum Begriff Kultur und seiner Kritik.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;1&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Menschheit „funktioniert&quot;, bis auf den heutigen Tag. Was als Sand im System sich ambitioniert, läuft wie Öl durch sein Getriebe. Zum trotz aller Absurdität der wirklichen Verhältnisse reproduziert sich das Leben. Solange der Mensch sein Leben in einer ihm fremden Wirklichkeit reproduzieren werden muß, solange wird er auch die Erfahrung machen müssen, daß diese Wirklichkeit, welche er selbst produziert, eine nicht nur ihm äußerliche, fremde, sondern eine ihn erniedrigende und knechtende, ihm als eine Macht gegenübertretende Wirklichkeit ist. Die Teilung der Arbeit in körperliche und geistige ist nun die Voraussetzung dafür, daß das Bewußtsein des Menschen die Vorstellung ent­wickelt, etwas anderes zu sein als das Bewußtsein der bestehenden Praxis, &quot;wirklich etwas vorzustellen, ohne etwas Wirkliches vorzustellen - von diesem Augenblick an ist das Bewußtsein imstande, sich von der Welt zu emanzipieren und zur Bildung der &#039;reinen&#039; Theorie, Theologie, Philosophie, Moral überzugehen.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_5qfz59l&quot; title=&quot;MEW Bd.3, S.33&quot; href=&quot;#footnote1_5qfz59l&quot;&gt;1&lt;/a&gt; Wenn die Kritik der Religion mit der Lehre endet, „daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategori­schen Imperativ, alle Verhältnisse umzu­werfen, in denen der Mensch ein ernied­rigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_jtzm50w&quot; title=&quot;MEW Bd.1, 5.385&quot; href=&quot;#footnote2_jtzm50w&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Umwerfung aller Verhältnisse, also die Aufhebung der Arbeitsteilung ausbleibt und der Mensch nun gerade nicht das &quot;Maß der Dinge&quot; ist, muß der Widerspruch zwischen die­sen fortbestehenden Ver­hältnissen und dem einmal aufgestellten Wert, der der Menschlichkeit, überbrückt, gerechtfertigt und verschlei­ert werden. Die Lehre vom Menschen verkommt not­wendig zur Herrschafts-und Legitimationsideologie. &quot;die herrschenden Gedanken sind immer die gedanken der herr­schenden.&quot; (Ulrike Meinhof) Der Mensch selbst wird zum Mythos. An die Stelle des toten Gottes, des verblödeten Gei­stes, des leeren Begriffs sind nur andere Gespenster getreten: Mensch, Vernunft, Wahrheit, Natur, Frau etc. als idealisti­sche Ausdrücke und Vorstellungen von &quot;sehr empirischen Fesseln und Schranken, innerhalb deren sich die Produkti­onsweise des Lebens und die damit zusammenhängende Verkehrsform bewegt.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref3_pgnbo8e&quot; title=&quot;MEW Bd.3, S.32&quot; href=&quot;#footnote3_pgnbo8e&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihr Fetischcharakter verrät sich je an ihrem spezifischen Inhalt und ist nur an diesem verbindlich zu greifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oberster Fetisch aber schickt sich an zu werden: die Kultur. Kultur als das von der nackten Notdurft des Lebens enthobene, wird allgemein umschrieben und definiert als, jetzt laut Wörterbuch: die menschliche Fähigkeit, welche den Menschen zur Anpassung, Gestaltung und Veränderung seiner Umwelt und der subjektiven Verhaltensweisen befähigt, als auch die materiellen und immateriellen Objektivationen dieses Handelns. Kultur sei das, was zu Kultur­gütern und &quot;deren abscheuliche philoso­phische Rationalisierung, den sogenann­ten Kulturwerten geronnen&quot; ist.&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref4_xw22o9u&quot; title=&quot;Adorno: Prismen, Frankf.a.M. 1992 S.11&quot; href=&quot;#footnote4_xw22o9u&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abscheulich, weil diese Kulturwerte Ausdruck der sozialen Tätigkeit des Menschen sind und sich zu einer sachli­chen Gewalt über sie, ihrer Kontrolle entwachsen, festgesetzt und vergegenständ­licht haben. Verdinglichung des Lebens ist Verneinung des Lebens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daß die Menschen in einer illusori­schen Gemeinschaftlichkeit und „falschen&quot; Kollektivität zusammengehal­ten sind, welche aber stets auf der Basis realer Gemeinschaften wie Familie, Gemeinde, Staat existieren und die Basis für die mögliche Verwirklichung morali­scher, intellektueller, ästhetischer Ziele und Werte bilden oder eine Affinität zu den verkündeten Werten aufweisen, läßt Kultur mehr als nur bloße Ideologie sein. „Wir sprechen nur dann von einer (vergangenen oder gegenwärtigen) Kul­tur als vorhanden, wenn die repräsenta­tiven Ziele und Werte erkennbar in die gesellschaftliche Wirklichkeit übersetzt wurden (oder werden).&quot;Marcuse: Kultur und Gesellschaft Bd.2, Frankf.a.M.1965 5.147&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref5_x4srkyg&quot; title=&quot;Marcuse: Kultur und Gesellschaft Bd.2, Frankf.a.M.1965 5.147&quot; href=&quot;#footnote5_x4srkyg&quot;&gt;5&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und so wird, ist einmal der Mensch zum höchsten Wesen erklärt und gesamtgesellschaftlich anerkannt, die Kultur als ein Prozeß der Humanisierung definiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Prozeß der Humanisierung heißt aber heute, Anerkennung hümanistischer Werte bei gleichzeitiger Neutralisierung: Beraubung ihrer transzendenten Kraft, Einbinden des Subversiven in das Beste­hende. Prozeß der Humanisierung bedeutet heute Prozeß vom Verschwin­den des Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widersinn offenbart sich im Begriff: Prozeß der Humanisierung ernst genommen ist das Übersteigern zu ihrer Auflösung, d. h. revolutionärer, nicht evolutionärer Prozeß (zur Aufhebung der Verhältnisse). Prozeß der Humani­sierung bewirkt aber die gewaltsame Gleichordnung von Kultur und Zivilisa­tion, ohne daß die von der Kultur aus­kristallisierten Ziele eingelöst wären oder als solche noch erkannt würden. Die „Herdentiere&quot;, Moralisten, Nihilisten, Positivisten besetzen die Räume der Phantasie und Freiheit. Bewußtsein heute tendiert dazu, „die normativen Begriffe mit ihrer tatsächlichen gesell­schaftlichen Verwirklichung zu identifi­zieren oder nehmen vielmehr die Weise, in der die Gesellschaft diese Begriffe in die Wirklichkeit übersetzt, zur Norm, wobei sie bestenfalls versuchen, die Übersetzung zu verbessern; der unüber­setzbare Rest wird als veraltete Spekulation betrachtet.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref6_ewrnfh1&quot; title=&quot;Marcuse ebd. 5.157&quot; href=&quot;#footnote6_ewrnfh1&quot;&gt;6&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die obersten Werte entwerten sich. Der Rückfall von &quot;Diese Werte sind die Wahrheit&quot; in den fanatischen Glauben „Alles ist falsch&quot; ist in dieser absoluten Nihilierung die vollkommene Anerken­nung, Abfindung dessen, was ist. Kultur war mal beides: Illusion ihrer Autonomie (weil sie notwendig am Schuldzusam­menhang der Gesellschaft teilhat) und Realität ihrer Autonomie (weil als privi­legierte vom bloßen Daseinskampf ent­hoben, sie frei ihre Absage an die Barbarei erteilte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem freien Markt, Parlamentaris­mus und Zeitungswesen fällt gänzlich die Illusion ihrer Autonomie, aber auch ihre Freiheit. Kultur, dem alltäglichen Leben und Arbeitsprozeß einverleibt, von Managern und Psychotechnikern als Medikament zur Unterhal­tung und Erbauung den Massen verab­reicht und verordnet, rühmt sie sich, nicht Luxus, Snobismus, elitär zu sein. Je mehr sie als organisierte dem Sozialpro­zeß anheimfällt, „je mehr das Ganze gesellschaftlich vermittelt, filtriert, `Bewußtsein&#039; ist, um so mehr wird das Ganze Kultur.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref7_0hmpn2q&quot; title=&quot;Adorno ebd. S.21&quot; href=&quot;#footnote7_0hmpn2q&quot;&gt;7&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und je mehr das Ganze Kultur wird, um so mehr verdunstet das Bedürfnis, die gesellschaftlichen Verhältnisse quali­tativ zu ändern. Das Fortschreiten der Technologisierung der Gesellschaft affi­ziert die Gehalte der Kultur, zersetzt ihre Wahrheiten. Dieser Sachverhalt spiegelt sich in der Wissenschaft und Alltagsspra­che im Übergang vom „engen&quot; zu einem „weiten&quot; Kulturbegriff wieder, ohne aber diesen Sachverhalt selbst im Bewußtsein zuzulassen. Kulturtheorie will nicht den Begriff der Kultur entfalten und zu sei­ner Aufhebung steigern, sondern ihn sauber terminologisch festsetzen. Kultur­analyse verfällt der dinghaften Gestalt der Sache, ist die je etablierte Ordnung als Maß aller Dinge akzeptiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kulturanalyse, wie sie heute akade­misch betrieben wird, ist und bleibt positivistisch mit der Bescheidung beim bloßen Ansich, und empiristisch, inso­fern sie sich an der Erfahrung orientiert, „die in Wirklichkeit nur ein verstümmelter Sektor der Erfahrung ist, isoliert von den Faktoren und Kräften, welche die Erfahrung determi­nieren.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref8_4ywqjnh&quot; title=&quot;Marcuse ebd. S.158&quot; href=&quot;#footnote8_4ywqjnh&quot;&gt;8&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber die Gesellschaft bedarf der unermüdlichen geistigen Verdoppelung dessen, was ohnehin ist, zu ihrem Fortbestand. Kulturanalyse heute darf sich rühmen, das zu leisten. „Was ist, kann nicht wahr sein&quot; sagt Bloch. Alle Seinsweisen, welche ver­kümmernd, von ihren Möglichkeiten und Potentialitäten abgeschnitten, sind unwahr, falsch, Schein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Erkenntnis, daß das Sein als Schein nur dinghaft existiert, verbietet jegliche Hypostasierung seiner Werte sich beruft, in der bloßen Aus­sage: „sie sind!, fetischisiert sie die Kate­gorien. Als hätten sie ihren Sinn je in sich selbst, aus ihrem An-sich-sein erschöpft, als hätten sie Eigenständigkeit und Eigenleben. „Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref9_zm4mgl6&quot; title=&quot;Benjamin: Allegorien kultureller Erfahrung, Leipz.1984 5.260&quot; href=&quot;#footnote9_zm4mgl6&quot;&gt;9&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Definition der Kultur als einen Pro­zeß der Humanisierung suggeriert Fort­schritt als Bewegung gegen das Grauen und verrät den Glauben an Kultur als solche: das Nicht-Reflektieren, daß alle Entwicklung von Kultur nur vermittels der Ausübung von Ausbeutung und Gewalt vonstatten geht und damit Kultur auf ein bestimmtes Universum begrenzt und das Auswärtige, Ausgeschlossene zur Barbarei, Unkultur oder aber „ande­ren&quot; Kultur erklärt wird, verweist auf diesen Sachverhalt. Weil Kultur der radi­kalen Trennung geistiger und körperli­cher Arbeit entspringt, ist die Leugnung dieser Trennung und das Mimen unmit­telbarer Verbundenheit das Zurückfallen hinter ihren Begriff. Ihre Falle: sich als „das Prinzip von Harmonie in der anta­gonistischen Gesellschaft zu deren Ver­klärung als geltend zu behaupten.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref10_q0buwt0&quot; title=&quot;Adorno ebd. S.17&quot; href=&quot;#footnote10_q0buwt0&quot;&gt;10&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Beute: der objektive Schein ihrer Legitimation, total geworden; „Inbegriff des Selbstbewußtseins der antagonistischen Gesellschaft&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref11_23120cg&quot; title=&quot;ebd.&quot; href=&quot;#footnote11_23120cg&quot;&gt;11&lt;/a&gt;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die Erkenntnisverhinderung ihrer Hin­fälligkeit. Daß dialektische Theorie sich jedweder Verdinglichung verweigern muß, will sie ihren Anspruch wahren, bedeutet, nicht systematische Harmonie zu prätentieren wo die Sache selbst in sich zerrissen ist. Kultur en bloc wegzu­wischen unter dem Oberbegriff von Ideologie oder sie zu konfrontieren mit den Normen, die sie aufstellte, wäre aber abtrennen, vereinheitlichen, ver­dinglichen. Dialektik nimmt das Prinzip ernst: „nicht die Ideologie an sich sei unwahr, sondern ihre Prätention, mit der Wirklichkeit übereinzustimmen.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref12_n4ygrjx&quot; title=&quot;ebd. S.23&quot; href=&quot;#footnote12_n4ygrjx&quot;&gt;12&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gebilde wären zu analysieren auf den Widerspruch zwischen ihrer objekti­ven Idee und jener Anmaßung. Kritik heißt: an den Antinomien der Kultur den gesellschaftlichen Werten innewerden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kritik verbleibt jedoch in Ketten und ist nicht sicher vor ihrer Perversion in den Wahn. Irrewerdend an der Einsicht nur Reflexion, Theorie, Kritik zu sein, ist sie nicht mächtig, die Widersprüche aufzu­heben, an denen sie sich schult. „Die Waffe der Kritik kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominen (am Menschen) demonstriert, und sie demonstriert ad hominen, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref13_3y6qaz5&quot; title=&quot;MEW Bd.1 S.385&quot; href=&quot;#footnote13_3y6qaz5&quot;&gt;13&lt;/a&gt; Heutige Kultur ist die Organisation zur Verhinderung der radikalen Theorie und der geistigen Rebellion &#039; weniger durch Zensur und Verbot, als durch die repressive Gleichord­nung von Kultur und Zivilisation, in &quot;der die transzendenten Ziele der Kultur (in Hinblick auf die gesell­schaftlich etablierten Ziele) beseitigt&#039; und damit jene Faktoren und Ele­mente der Kultur geschmälert wer­den, die gegenüber den gegebenen For­men der Zivilisation antagonistisch und fremd waren.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref14_gazya2j&quot; title=&quot;Marcuse ebd. S.151&quot; href=&quot;#footnote14_gazya2j&quot;&gt;14&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;2&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;„Die Nachgeschichte der Gebilde der Kunst, die die Gegenwart ist, bedroht ihre Vorgeschichte. Die Posthistoire ist die Hochzeitsnacht von Dreck und Blut. Das Herauskommen aus dem Gedankengebiete verblutet an dem monolithi­schen Block der Realität. Die fortge­schrittene Industriegesellschaft konfrontiert die Kritik (Entfremdung ihrer Entfremdung) mit einer Lage, die sie ihrer ganzen Basis zu berauben scheint, die das Ergebnis wie die Vorbe­dingung dieser Wirklichkeit ist.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref15_xkind9f&quot; title=&quot;Feistner/Winzer: Wartesaal(Manus­kript), Berlin 1991&quot; href=&quot;#footnote15_xkind9f&quot;&gt;15&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Gespräch zwischen A und B&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Ist diese Gesellschaft wirklich in der Lage, Gegensätze zu integrieren? Oder bleibt ihr nicht höchstens die Flucht in die kulturelle Plattitüde: gewaltsame Ein­ordnung jeder subversiven Aktion in ihre Sicht auf sich selbst, Verschweigen oder Verschwindenlassen sub­versiver Elemente.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Integration der Gegensätze meint Auflösen, Neutralisieren, Funktionalisieren dessen, was der Wirklichkeit fremd und unversöhn­lich gegenübersteht. Wirklichkeit wird eindimensional. Die einst negativen und über das Beste­hende hinausgehenden Kräfte verkommen zum Ornament, Klassiker, Denkmal, Kitsch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aktuelles Beispiel ist die Benennung des taz-Gebäudes zum Rudi- Dutschke- Haus. Oder etwa so: Grünewald über&#039;n Tresor der deutschen Bank, der Yuppie tanzt Hendrix, beim Mc&#039;Donald-Fraß trällert Bach, die 11. Feuerbachthese als Aufruf des Managements. Die industriell und technologisch organisierte Sozial­struktur verschluckt alle Subversivität und dressiert, unterwirft und strukturiert das Denken. Im herrschenden Wissen­schaftsdiskurs wird objektive, exakte und neutrale Wahrheit verlangt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wissenschaftliche Rationalität, welche sich jeder Wertung enthält, kann unter gegebenen Umständen eben nicht neutral sein, weil sie die bloße Form entwirft, die praktisch allen Zwecken unterworfen werden kann. Der Wert der Analysen für das Bestehende, nicht gegen es, liegt in ihrer Wertfreiheit. Das Werturteil aber, welches die Wirklichkeit als unwahr denunziert, wenn die in ihr liegenden Möglichkeiten ihrer Entwicklung beraubt werden, wird als spekulativ, unrealistisch, subjek­tiv oder wie auch immer in das Reich der Utopie abgestellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Aber zu dieser Denunziation des Utopischen kommt es ja kaum noch, schon weil wir gar keine Bedürfnisse mehr entwickeln, die darauf hinweisen könnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist natürlich, daß Wünsche im alltäglichen Leben entstehen, wel­che erst in der Konfrontation mit der Unerfüllbarkeit das zu Wün­schende in die Breite und Tiefe gehen läßt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die weitverbreitete Angst vor der Größe&#039; des Wunsches, von der herrschenden Schicht als Bescheidenheit und Askese auf allen Gebieten gezüchtet, hat dann oftmals zur Folge die Flucht in „machbare Teilbereiche&quot;, in denen dann natürlich nichts mehr machbar ist. Der Akt der Klassifikation, der das gesamte System durchzieht, mißt jedem nach Bewertung und Bedürfnis seinen Platz zu und ist innerhalb der Gesellschaft und auch innerhalb von Wissenschaft, Kunst etc. wirksam. Das nicht unmittelbar Verwertbare, „Nutzlose&quot; wird ausgesondert. Alles Denken und Wissen wird diesem Prozeß der Aussonderung unterworfen, der überprüft auf Konformität und so früh und präventiv wie möglich Protest jeder Form in die Schranken weist, Anderssein zu Anderssein schlägt und dem Wider­spruch so effektiv wie möglich das Ter­rain streitig macht. Sehr wirksam auch sind die Moden: heute Feminismus, gestern Strukturalismus, vorgestern Dia­lektik und ...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; ...und dabei alles schön sauber und periodisch getrennt. Periodisierung, Moden, Aussonderung heißt Abstellen in Räume, die keine sind, die a priori Funktion im Dienst des status quo sind. Es wäre eine primär politische Aufgabe, Freiräume zu produzieren, Freiräume des Denkens, das heißt aber der Phanta­sie -„gegen diesen Imperialismus der Besetzung von Phantasie und der Abtö­tung von Phantasie durch die vorfabrizi­erten Klischees und Standards der Medien.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref16_cblp50x&quot; title=&quot;Müller, Heiner: Materialien&#039;, Leipzig 1989 S.20&quot; href=&quot;#footnote16_cblp50x&quot;&gt;16&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesellschaft wird totalitär, weil der Raum, den Marcuse als affirmative Kul­tur bezeichnete, abgeriegelt und aufge­löst wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Geistige Fähigkeiten und intellektuelles Bewußtsein sind kaum mehr vorhanden, aber notwendig, um den Erkenntnisge­halt, die Wahrheiten dieser sich auflö­senden Kultur zu bewahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soziale Veränderung, das Aufhalten der Barbarei setzt eben ein bestimmtes Bewußtsein und Phantasie voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es setzt sowohl die Erfahrung unerträg­licher Verhältnisse und ein vitales Bedürfnis nach Veränderung voraus, als auch ein sich- bewußt-werden über die Möglichkeiten, welche innerhalb des Bestehenden sich herausgebildet haben. Real gibt es keine Waffe, die sich nicht umdrehen und gegen es wenden ließe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Die Abwertung geistiger Fähigkeiten und intellektuellem Bewußtseins derer, die handeln wollen im stetigen Mißtrauen gegen alles Intellektuelle oder was sie dafür halten, steht genau in der Tradition der Aussonderung und vertieft das Trauma der Trennung linken Han­delns und „Intellektualismus&quot;, verbannt die Intellektuellen in den Raum ihres Wahnsinns oder ihrer Studierstube, abgeschieden von einer denk- und ler­nunwilligen Linken, wie sie sich zu ihren größten Teilen heute darstellt. Das ist auch der Bruch zwischen Erfahrung (Geschichte) und Handeln, die Unmög­lichkeit, die schon gemachten Erfahrun­gen sich anzueignen, um sie nicht end­los zu wiederholen. Eigentlich ist fast alles ein immer-nur-reagieren auf die Kapriolen des Systems und das sich-auf­drängen-lassen seiner Geschwindigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Die Intellektuellenfeindlichkeit ist das eine und hat ja auch lange Tradition. Andererseits sollten wir die subjektive Unwilligkeit ange­sichts der heutigen Wirklichkeit nicht so überbetonen. Warum sollte der Sumpf an der Linken spurlos vorübergehen? Faktisch steht sie doch vor einer Situa­tion, in der die radikalste Theorie keine Gefahr mehr ist, nicht mehr greift. Darum kann sie auch weitestgehend ungehin­dert Theorie ent­wickeln, Zeitungen machen, also unter Bedingungen, die eigentlich optimale sind, zugleich aber erfahrungsgemäß die schlechtesten. Das Problem liegt darin, daß sobald wir unsere Inhalte formulieren, sie übersetzt werden in eine gesell­schaftlich nützliche Moral.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn ich sage, die Verhältnisse sind unmenschlich und müssen deshalb ver­ändert werden, wird das heutige Bewußtsein und sogar jeder Manager zustimmen und sagen: ja genau, es ist unmenschlich und ungerecht, daß nicht jeder reisen kann oder die Dritte Welt verhungert, deswegen Verhältnisse ver­ändern, Wirtschaft ankurbeln oder Bevölkerungswachstum kontrollieren. Oder der Mediziner: es ist unmensch­lich, behindertes und krankes leben dahinvegetieren zu lassen, deswegen Euthanasie und Sterbehilfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Sich auf den Menschen berufen, ist auch nicht radikal und heutzutage nicht mehr möglich. Der Humanismus ist zur Prostitu­ierten des gesamten Denkens, der ganzen Kultur verkom­men.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„Die humanistische Idee ist nicht nur nicht fruchtbar, sondern sogar schädlich und verderblich, da sie die verschieden­sten und gefährlichsten Operationen ermöglicht&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref17_ljkd8fu&quot; title=&quot;Foucault: Von der Subversion des Wissens, Frankfurt 1991 S.23&quot; href=&quot;#footnote17_ljkd8fu&quot;&gt;17&lt;/a&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kontrolle des Bevölkerungswachstums und Migrationsbewegungen, Entwick­lung dieser oder jener Industrie, Euthanasie und Gentechnik, du sagst es ja selbst, und alles im Namen des Men­schen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Wie sollte denn anders Widerspruch und Protest sich geltend machen, als im Bestehen auf den inhumanen Charakter dieser Operationen, also in der Berufung auf das Menschliche, was wir freilich zu definieren hätten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Genau das halte ich für falsch, weil alle Versuche, das „Menschliche&quot; zu entdecken, das Wesen oder die Wahrheit des Menschen, nur dazu führen, etwas. vom Menschen verschiedenes zu konstruieren. Das „Menschliche&quot; ist ein Mythos. Wir müs­sen uns von der Illusion befreien, es gelte den Menschen zu suchen. Heute wird Ideologie, Kultur, Humanismus zur materiellen Gewalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Dem stimme ich zu. Es ist sicher richtig, daß, wollen wir den konkreten Menschen analysieren und das heißt das Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse, wir auf die theoretischen Dienste des Begriffs Mensch verzichten müssen. Aber innerhalb unmenschlicher Verhält­nisse, das ist nur ein Begriff, ich könnte auch sagen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&quot;die Vereinzelung durch die Totalität der Entfremdung in der vollständig ver­gesellschafteten Produktion&quot;, also inner­halb unmenschlicher Verhältnisse soll ich auf die Werte des Humanismus ver­zichten, die da allgemein Freiheit des Individuums, Gleichheit und Gerechtig­keit heißen und für mich durchaus uner­füllte Inhalte sind?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Der Mensch verfügt aufgrund seiner Physiologie über die Möglichkeit der Kontrolle. &quot;Und es ist klar, daß diese Kontrollmöglichkeit fort­während die Idee nahelegt, die Mensch­heit müsse auch einen Zweck haben. Diesen Zweck entdecken wir in dem Maße, in dem wir unser eigenes Funk­tionieren kontrollieren können. Wir dre­hen die Dinge um: weil wir einen Zweck haben, müssen wir unser Funk­tionieren kontrollieren. In Wirklichkeit können nur aufgrund dieser Kontrollmöglichkeit all die Ideologien, Philosophien, Metaphysiken, Religionen entste­hen. Die Möglichkeit der Kontrolle führt zur Idee des Zwecks. Tatsächlich hat die Menschheit keine Zwecke. Sie funktio­niert, sie kontrolliert ihr Funktionieren und bringt ständig die Rechtfertigung für diese Kontrolle hervor. Wir müssen uns damit abfinden, daß es nur Rechtferti­gungen sind. Der Humanismus ist nur eine von ihnen, die letzte.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref18_85oe6e3&quot; title=&quot;ebd. S.26&quot; href=&quot;#footnote18_85oe6e3&quot;&gt;18&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Die Menschheit hat keine Zwecke. Tatsächlich aber setzen sich bestimmte Menschengruppen Zwecke. Diese rühren her einmal von der Möglichkeit der Kontrolle und aber zugleich von der sehr empirischen Tatsache, nichts unter Kontrolle zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aber sagen, weil wir einen Zweck haben, müssen wir unser Funktionieren kontrollieren, waren schon immer die mit der Macht. Und das ist die Angst vor den Menschen, die sich einen Zweck, ein Ziel setzen und im Verhältnis zu die­sem Ziel eine Bewegung, welche die Ursachen erkennt und bekämpft, die permanent die Gesellschaft zu einer, ihrer Kontrolle entwachsenen Gesell­schaft machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sagen dann aber in ihrer Angst, weil es ein Ziel gibt, müssen wir kon­trollieren, sonst funktionieren wir nicht mehr. Das Funktionieren und die Kon­trolle dieses Funktionierens müssen sie rechtfertigen vor denen, die weder funk­tionieren noch das Funktionieren kontrollieren wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und damit die Rechtfertigung, d. h. die herrschende Meinung auch wirklich zur Meinung der Beherrschten, der Kontrol­lierten wird, stellen sie die Ziele dieser in ihren Dienst und vereinnahmen sie und das gründlich. Insofern ist der Humanismus wirklich die letzte und zugleich abscheulichste Rechtfertigung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Und deswegen kann ich kein Humanist sein und lehne jeden Huma­nismus ab, ist er nur noch Rechtferti­gung und Herrschaft. Es sollte doch zu denken geben, daß wenn moralische Ziele immer wieder funktionalisiert wer­den können, dies nach Möglichkeit im Wesen der Sache begründet liegt, also mit Notwendigkeit auftritt und die Konse­quenz sein müßte, sich ganz und gar endlich zu verabschieden von jeglicher Moral, sich jenseits von ihr zu stellen im Wissen um die zwangsläufige, ja natürliche Umkehrung dieser Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; In einem gewissen Sinne trotzdem Humanist sein, heißt doch aber, sich das Recht nicht verkümmern zu lassen, ein Ziel zu haben. Dieses Ziel ist Schließen der Kluft zwischen Mensch und Gesellschaft, also gesellschaftliche Veränderung zur Aufhebung des Humanismus, womit etwas gesagt ist über die Qualität gesell­schaftlicher Veränderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Womit auch etwas gesagt sein könnte über das seit Jahrhun­derten praktizierte Ver­legen der Utopie in die Zukunft, über die nai­ven und romantischen Hoffnungen in etwas, eine Bewegung, um dann enttäuscht zu werden und ganz abzulassen von dem was man/frau sich heroisch vorgab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Ziel haben kann auch ein Aus­druck von Unterwerfung unter die jeweilige Autorität von Wirklichkeit sein. Humanismus steht heute dafür.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Humanismus wird zum Sün­denbock für das, was Praxis ver­übt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das kann ich nicht anerkennen. Humanismus als solcher soll Schuld sein, nicht als Instrument realer Herrschaft. Das ist nicht aushal­ten-können und bequeme Glättung der Widersprüche. Das ist nihilistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Ja gut, das ist nihilistisch, aber was bedeutet das denn, Nihilismus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er kann einerseits Niedergang, Zerset­zung der bisherigen Ziele und Werte bedeuten, die keinen Glauben mehr fin­den.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann werden das Erbauliche, das Unterhaltsame, das Beruhigende, die Mittelmäßigkeit und Langeweile zu den wesentlichen Merkmalen der Kultur, welche nur noch an das Ende will, Sehnsucht nach dem Nichts und Furcht davor hat, sich dessen zu besinnen. Das ist heutige Physiognomie der Kultur. Nihilismus aber als Kritik der Moral, als überwundene Moral kann heißen, daß bisherige Ziele, Überzeugungen, Glau­ben , z. B. an den guten Menschen, als unangemessene zerstört werden, um vermittels dieser Skepsis produktiv zu neuen Zielen zu gelangen und nicht abzugleiten in diese Herden- und Askese-Kultur der lauen Luft und des „Lämmer-Glücks&quot;/Unglücks und so zu unserem eigenen Begräbnis wird. Leben ist immer noch der beste Angriff.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B:&lt;/strong&gt; Du kannst den Widerspruch zwi­schen dem. Anspruch auf Leben und den Strukturen der Warengesellschaft, die alles Leben erstarren läßt und abtötet, nicht aus der Welt schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A:&lt;/strong&gt; Ich kann mich ergeben, den Wider­spruch anlysieren, die Ordnung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;für schuldig erklären und lebende Lei­che sein und ich sollte, könnte, müßte Leben erobern, das heißt Angriff. Angriff im Kollektiv.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;C bittet um ein Nachwort&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;„Humanismus ist all das, wodurch man im Abendland dem Verlangen nach der Macht einen Riegel vorgeschoben hat, wodurch man ihm untersagt hat, die Macht zu wollen, wodurch man die Möglichkeit ausschloß, die Macht zu ergreifen. Das Herz des Humanismus ist die Theorie vom Subjekt (im doppelten Sinn des Wortes: als Souverän und als Untertan).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Darum lehnt das Abendland so erbit­tert alles ab, was den Riegel sprengen könnte. Wofür es zwei –eine- Methode(n) gibt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die „Entunterwerfung des Willens zur Macht, d. h. der politische Kampf als Klassenkampf oder&quot; /und als „das Unter­nehmen einer Destruktion des Subjekts als eines Pseudo- Souveräns, d. h. eine kulturelle Attacke:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufhebung der sexuellen Tabus, Ein­schränkungen und Aufteilungen, Aufhe­bung des Drogenverbots, Aufbrechung aller Verbote und Einschließungen, durch die sich die normative Individualität konstituiert und sichert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke da an alle Erfahrungen, die unsere Zivilisation verworfen hat oder nur in der Literatur zuläßt.&quot; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref19_76bsgk8&quot; title=&quot;ebd. S.94&quot; href=&quot;#footnote19_76bsgk8&quot;&gt;19&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;plädoyer für den fluchtver­such oder der elektrische Stuhl&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;die „dinge&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ihre „sitzordnung&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;dialog&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;blutspur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;masochismus&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;im trohn&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;der folterer&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;der gefolterte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die rechte übertragen „live tv&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die sich ornamentierte anord­nung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;der demütigen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;im kirchenschiff&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;der riss&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;im goldenen schnitt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;weisst&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;das passivum&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;in die anordnung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;der bilder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ganz früh schon&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;das kacken vermutlich stumm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;DAS NÖTIGE.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;aufstehen zerren&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;der toten am mut&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„ihr schreien&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;musst du ertragen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ihre geschichte ist:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;warten=stehen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;zerstückelt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;zerbombt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;deportiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;niemandsland&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;besetzt die front still&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;der stuhl der sattel der trohn der schleudersitz der stuhl der sattel…&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„geh und sieh&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;oder&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;verlass deinen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;posten&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_5qfz59l&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_5qfz59l&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; MEW Bd.3, S.33&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_jtzm50w&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_jtzm50w&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; MEW Bd.1, 5.385&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote3_pgnbo8e&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref3_pgnbo8e&quot;&gt;3.&lt;/a&gt; MEW Bd.3, S.32&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote4_xw22o9u&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref4_xw22o9u&quot;&gt;4.&lt;/a&gt; Adorno: Prismen, Frankf.a.M. 1992 S.11&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote5_x4srkyg&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref5_x4srkyg&quot;&gt;5.&lt;/a&gt; Marcuse: Kultur und Gesellschaft Bd.2, Frankf.a.M.1965 5.147&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote6_ewrnfh1&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref6_ewrnfh1&quot;&gt;6.&lt;/a&gt; Marcuse ebd. 5.157&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote7_0hmpn2q&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref7_0hmpn2q&quot;&gt;7.&lt;/a&gt; Adorno ebd. S.21&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote8_4ywqjnh&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref8_4ywqjnh&quot;&gt;8.&lt;/a&gt; Marcuse ebd. S.158&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote9_zm4mgl6&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref9_zm4mgl6&quot;&gt;9.&lt;/a&gt; Benjamin: Allegorien kultureller Erfahrung, Leipz.1984 5.260&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote10_q0buwt0&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref10_q0buwt0&quot;&gt;10.&lt;/a&gt; Adorno ebd. S.17&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote11_23120cg&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref11_23120cg&quot;&gt;11.&lt;/a&gt; ebd.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote12_n4ygrjx&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref12_n4ygrjx&quot;&gt;12.&lt;/a&gt; ebd. S.23&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote13_3y6qaz5&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref13_3y6qaz5&quot;&gt;13.&lt;/a&gt; MEW Bd.1 S.385&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote14_gazya2j&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref14_gazya2j&quot;&gt;14.&lt;/a&gt; Marcuse ebd. S.151&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote15_xkind9f&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref15_xkind9f&quot;&gt;15.&lt;/a&gt; Feistner/Winzer: Wartesaal(Manus­kript), Berlin 1991&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote16_cblp50x&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref16_cblp50x&quot;&gt;16.&lt;/a&gt; Müller, Heiner: Materialien&#039;, Leipzig 1989 S.20&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote17_ljkd8fu&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref17_ljkd8fu&quot;&gt;17.&lt;/a&gt; Foucault: Von der Subversion des Wissens, Frankfurt 1991 S.23&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote18_85oe6e3&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref18_85oe6e3&quot;&gt;18.&lt;/a&gt; ebd. S.26&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote19_76bsgk8&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref19_76bsgk8&quot;&gt;19.&lt;/a&gt; ebd. S.94&lt;/li&gt;
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 <pubDate>Sat, 06 Mar 2010 11:40:30 +0000</pubDate>
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 <title>Kultur</title>
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                    &lt;p&gt;&lt;em&gt;„Kein Ausdruck bietet sich mehr an, der nicht zum Einverständnis mit herrschenden Denkrichtungen hinstrebte, und was die abgegriffene Sprache nicht selbständig leistet, wird von den gesellschaftlichen Maschinellen präzis nachgeholt.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;h4&gt;1&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Kein Ausdruck bietet sich mehr an, der nicht zum Einverständnis mit herrschen­den Denkrichtungen hinstrebte, und was die abgegriffene Sprache nicht selbständig leistet, wird von den gesellschaftlichen Maschinellen präzis nachgeholt.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_yabphhm&quot; title=&quot;Adorno, T./Horkheimer, M.: Dialektik der Aufklärung.- Leipzig: Reclam, 1989.- 5. 10&quot; href=&quot;#footnote1_yabphhm&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden hier nicht definieren. Uns gilt das Wort einer Sprache, benutzt und geprägt durch eine gesellschaftliche Realität, welche in sich zerrissen ist, zur Besinnung auf das Destruktive. Bleibt es dem Feind überlassen, &lt;em&gt;„verliert das blindlings pragmatisierte Denken seinen aufhebenden Charakter, und darum auch die Beziehung auf Wahrheit.&quot;&lt;/em&gt; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_p0hmbb1&quot; title=&quot;ebd. S. 11&quot; href=&quot;#footnote2_p0hmbb1&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in der Wissenschaft unendlichen Versuche einer einheitlichen und funktionalen Definition des Begriffes, zeugen vom Bemühen, die destruktive Seite zu verdecken und ihn durch ein Neutrum zu ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff der Kultur war niemals ge­setzt als Opposition. Verkündend den Stolz des privilegierten Geistes, der im wahrhaften Werk von Kunst und Philosophie die Freiheit vorwegnahm kraft seiner Autonomie gegenüber allem irdischen Übel, schmarotzte er doch am immerwährenden Elend der unter­drückten und ausgebeuteten Massen, derer er bedarf. So entkam er nicht der Antinomie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Setzung des neutralen Begriffs als genaueste Bezeichnung des Realen verdrängt den kritischen Gehalt und das schlechte Gewissen, welches in der Sprache der Alten in der Kluft zwischen Wirklichkeit und Begriff sich noch verriet. Zur Deckung gebracht, verschwindet in der Identität der letzte Rest von Wahrheit, &lt;em&gt;„der ganze Anspruch der Erkenntnis wird preisgegeben. Er besteht nicht im bloßen Wahrnehmen, Klassifizieren und Berechnen, sondern gerade in der bestimmenden Negation des je Unmittelbaren.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref3_3rlloog&quot; title=&quot;ebd. S. 41&quot; href=&quot;#footnote3_3rlloog&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Sinn dieses Aufsatzes liegt im Herantasten an die Problematik, die der Begriff der Kultur für die dialektische Theorie enthält. Die Darstellung der Texte kann die Arbeit mit und an ihnen nicht ersetzen, zumal als Steinbruch benutzt und geplündert, ihre Verkürzung, auch Verflachung sicher ist. Das lesen der Auf­sätze selbst, und das sind insbesondere Walter Benjamins „Thesen zur Ge­schichte&quot;, Herbert Marcuses Aufsätze „Über den affirmativen Charakter der Kultur&quot; und „Bemerkungen zu einer Neubestimmung der Kultur&quot; und der Adornos „Kulturkritik und Gesellschaft&quot; und die, zusammen mit Horkheimer geschriebene „Dialektik der Aufklärung&quot;, wird lohnend sein. Vielleicht kann dieser Text dazu anregen, zumal die Aus­einandersetzung mit dem Stoff in seiner Problematik der einfachen Negation und Denkstruktur sich widersetzend, zur Beunruhigung des beruhigten links­radikalen Geistes werden kann. Eine Dialektik, welche nicht damit rechnet, an jedem Punkt einer erreichten Identität und Erkenntnis zugleich an einem des Zusammenbruchs, der Verzweiflung und des Chaos zu sein, verdient nicht diesen Namen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;2&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Ist der Begriff der Kultur für den historischen Materialisten ein problematischer, so ist ihr der Zerfall in Güter, die der Menschheit ein Objekt des Besitzes würden, ihm eine unnachvollziehbare Vorstellung. Das Werk der Vergangenheit ist ihm nicht abgeschlos­sen. Keiner Epoche sieht er es dinghaft, handlich in den Schoß fallen, und an keinem Teil. Als ein Inbegriff von Gebilden, die unabhängig, wenn nicht von dem Produktionsprozeß, so doch von dein, welchen sie überdauern, betrachtet werden, trägt der Begriff der Kultur einen fetischistischen Zug. Sie erscheint verdinglicht.&lt;/em&gt;&quot;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref4_f0rw4ya&quot; title=&quot;Benjamin, W.: Eduard Fuchs, der Sammler und der Historiker.- in Allgemeinkulrurelle Erfahrung Leipzig: Reclam, 1984.- S. 260&quot; href=&quot;#footnote4_f0rw4ya&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;3&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Norbert Elias schreibt im ersten Kapitel seines Buches „Über den Prozeß der Zivilisation&quot;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref5_qpbepdu&quot; title=&quot;siehe Elias, N.: Über den Prozeß der Zivilisation.- Frankf.: Suhrkamp, 1984.-&quot; href=&quot;#footnote5_qpbepdu&quot;&gt;5&lt;/a&gt; über die Soziogenese der Begriffe der „Zivilisation&quot; und der „Kultur&quot;. Nach ihm ist der spezifische Begriff, der das nationale Selbst­bewußtsein der Deutschen zum Ausdruck brachte (u. immer noch/wieder mal bringt), der der „Kultur&quot;. Ökonomische, politische und gesellschaftliche Fakten, die im deutschen Sprachgebrauch als „Zivilisation&quot; bezeichnet werden, und eben nur als bloße Oberfläche menschlichen Daseins galten, gehen in diesen nicht mit ein. Ist im französischen und englischen Sprachgebrauch „Zivilisation&quot; die Einheit aller Faktoren, menschlichen Haltungen und Leistungen, die das Selbstbewußtsein ergeben, wird im deutschen Sprachgebrauch zwischen religiösen, künstlerischen und geistigen Fakten und denen der unmittelbaren Daseinsweise, dem Reich der Notwendig­keit zugehörigen, scharf unterschieden. „Kulturell&quot; ist nicht, was an sich existiert, sondern, was ein bestimmtes Produkt an Wert und Charakter, nach Anstrengung aufzeigen kann. Akzentuiert der Zivilisationsbegriff mehr, was allen Menschen gemeinsam ist, bzw. werden soll, hat der Kulturbegriff die Tendenz zur Abgrenzung, zur besonderen Hervorheb­ung der besonderen Eigenart der Gemeinschaft im Unterschied zu anderen. Wie die Trennung von „Natur&quot; und „Kultur&quot; in der Gegenüberstellung von Naturmensch und Kulturmensch ihren eurozentrischen Niederschlag fand, so wurde die Unterscheidung von „Kultur&quot; und „Zivilisation&quot; als einmal geistiger und andererseits materieller Umgestaltung insbesondere in Deutschland zum spätbürgerlichen Selbstbild „kultureller&quot; Höherwertigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Elias spricht von einer Fixierung des Kulturbegriffs auf Statisches, Gewordenes, auf die Produktion eines autonomen Geistes, die in Deutschland über die „Kulturnation&quot; der Kompensation einer nicht existenten „Staatsnation&quot; dienen sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Mit dem langsamen Aufstieg des deutschen Bürgertums aus einer zweitrangigen Schicht zum Träger des deutschen Nationalbewußtseins und schließlich - sehr spät und bedingt - zur herrschenden Schicht, aus einer Schicht, die sich zunächst vorwiegend in der Abhebung gegen die höfisch-aristo­kratische Oberschicht, dann vorwiegend in der Abgrenzung gegen konkurrierende Nationen sehen oder legitimieren mußte, ändert auch die Antithese „Kultur&quot; und „Zivilisation&quot; mit dem ganzen Bedeutungsgehalt, der dazugehört, ihren Sinn und ihre Funktion: Aus einer vorwiegend sozialen wird eine vorwiegend nationale Antithese.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref6_yk8eker&quot; title=&quot;ebd. S. 37&quot; href=&quot;#footnote6_yk8eker&quot;&gt;6&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freilich übersieht hier Elias die viel tiefer liegende Wurzel der Dichotomie „Kultur&quot; und „Gesellschaft&quot;, später „Zivilisation&quot; als eine soziale: daß die Erkenntnis des Guten, Wahren und Schönen einen Bezug zur Praxis hat, war Kernbestand der antiken Philosophie. Bei Platon ist der wahre Philosoph zugleich der wahre Staatsmann. Der Wechsel zum Verzicht auf den Eingriff war historisch erzwungen. Indem die geistige Tätigkeit sich jeder Verantwortung, gegen die schlechte Wirklichkeit zu kämpfen und in sie verbessernd einzugreifen, entledigt, ist dies vielleicht realistisch. Doch damit werden die antagonistischen Wider­sprüche ontologisiert, als unabänder­liche, weil dem Prinzip der Bewegung gehorchend, unabhängig von mensch­licher Erkenntnis und Praxis, gesetzt. Die geistige Beschäftigung mit den Ideen und Werten, als purer Selbstzweck, ist als Reich der Freiheit über das der Notwendigkeit erhoben, Muße, Luxus und Beruf einer privilegierten Schicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Die Trennung des Zweckmäßigen und Notwendigen vom Schönen und vom Genuß ist der Anfang einer Entwicklung, welche das Feld freigibt für den Materialismus der bürgerlichen Praxis einerseits und für den die Stillegung des Glücks und des Geistes in einem Reservatbereich der &#039;Kultur&#039; andererseits.&quot;&lt;/em&gt; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref7_mfieytq&quot; title=&quot;Marcuse, H.: Über den affirmativen Charakter der Kultur.- Franf.: Suhrkamp, 1965.- S. 60&quot; href=&quot;#footnote7_mfieytq&quot;&gt;7&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;4&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Die Sublimierung der ‚repressiven Kräfte, welche die Widersprüche in eins bindet, Eifüllung und Entsagung, Freiheit und Unterwerfung&#039; und zwar unerbittlich, ist eben in der Verachtung die Achtung des Verneinten.&quot;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Daß die geistige Kultur also die materielle Kultur verachtete, ist einerseits Indiz für die Verächtlichkeit dieser Realität, wie der Achtung, die das Individuum dieser Wirklichkeit, deren Teil es ist, entgegenzubringen hat - wie der Achtung, die das Individuum gegen sich selbst aufbringt. Die Ambivalenz der Sache stört die Systeme nicht derart, daß sie nicht können nebeneinander existieren, wohl aber, daß das eine in Rücksichten, besser zu sagen vielleicht Rückkopplung, auf das andere existiert. Dieses Nebeneinander existieren können, ist die Chance für Marcuses mit der gegebenen Wirklichkeit versöhnt werden zu können.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref8_d9xi9f5&quot; title=&quot;Feistner, K.: Wartesaal.- (Manuskript) Berlin: 1991.- S. 23&quot; href=&quot;#footnote8_d9xi9f5&quot;&gt;8&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach Marcuse&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref9_346ij7m&quot; title=&quot;siehe Marcuse, I-1.: Über den affirmativen Charakter der Kultur.&quot; href=&quot;#footnote9_346ij7m&quot;&gt;9&lt;/a&gt; ist der bürgerliche Kulturbegriff erst dann ausgebildet, wenn, (im Gegensatz zu Aristoteles) das Gute, Wahre und Schöne als allgemeinverpflichtende Werte behauptet sind, die von „oben her&quot; auch den Bereich des Notwendigen, den Kampf ums alltägliche Dasein durchdringen und verklären sollen. An die Stelle des Privilegs der geistigen Auseinandersetzung für nur bestimmte gesellschaftliche Schichten tritt die These von der Allgemeinheit und der Allgemeingültigkeit der „Kultur&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die freie Konkurrenz, die die abstrakte, d. h. formale Gleichheit der Menschen fordert und schafft, verlangt auch eine „kulturelle&quot; Praxis, die nicht nur den Umgang mit ideellen Gütern allen Individuen erlaubt, sondern jedes, un­abhängig von Klasse oder Geschlecht, den nun „allgemeingültigen&quot; Werten verpflichtet, sie in ihr Leben aufzuneh­men.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geistig-seelische Welt als ein selbständiges Wertreich von der materiellen abgehoben, behauptet sich für jeden als eine unbedingt zu bejahende, wertvollere Welt, in welcher sich das Individuum, weil eben wesentlich verschieden von der tatsächlichen Welt des alltäglichen Da­seinskampfes, emanzipieren und verwirk­lichen kann. Die bürgerliche Befreiung der Individuen bedeutet also die Ermöglichung eines neuen Glücks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber die abstrakte Gleichheit der Individuen in der kapitalistischen Produktion und Reproduktion realisiert sich als konkrete Ungleichheit. Der Widerspruch, der sich ergibt einerseits aus dem universalen Charakter der Forderung nach Gleichheit für alle Menschen und andererseits aus dem Stehenbleiben bei der abstrakten Gleichheit als notwendige Bedingung der Herrschaft, verschafft sich seine Bewegungsform durch die „affirmative Kultur.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Die Kultur soll die Sorge für den Glücksanspruch der Individuen übernehmen. Aber die gesellschaftlichen Antagonismen, die ihr zugrundeliegen, lassen den Anspruch nur als verinnerlichten und rationalisierten in die Kultur eingehen.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref10_z09nk6r&quot; title=&quot;ebd. S. 67&quot; href=&quot;#footnote10_z09nk6r&quot;&gt;10&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„So wird aus der Forderung ein Postulat, aus dem Gegenstand eine Idee. Die Bestimmung des Menschen, dem die allgemeine Erfüllung in der materiellen Welt versagt ist, wird als Ideal hypostasiert.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref11_ua08ghc&quot; title=&quot;(11) ebd. S. 66&quot; href=&quot;#footnote11_ua08ghc&quot;&gt;11&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realisierung des Ideals betrifft nicht die Veränderung der Wirklichkeit, son­dern ein Geschehen in der Seele. Freiheit der Seele entschuldigt die Unterwerfung und Knechtschaft des Leibes. Trotz aller Hemmnisse kann die Seele sich entfalten. Nicht einbezogen in den Arbeitsprozeß und frei von jeder Verdinglichung, wird sie als Sphäre individueller Verwirklich­ung und Befriedung gehütet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Idee der Seele, die &lt;em&gt;„die nicht­leiblichen Vermögen, Tätigkeiten und Eigenschaften des Menschen zu einer unteilbaren Einheit zusammenfaßt, - eine Einheit, welche sich in allem Verhalten des Individuums manifest durchhält und erst seine Individualität konstituiert&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref12_53s82gg&quot; title=&quot;ebd. S. 7&quot; href=&quot;#footnote12_53s82gg&quot;&gt;12&lt;/a&gt;, protestiert die affirmative Kultur gegen den kapitalistischen Verwertungsprozeß und macht ein beglücktes Dasein innerhalb der schlechten Wirklichkeit möglich. Die Seele hält dem leiblichen Elend ihre Schönheit, der Prostitution des Geistes mit der Macht ihre Reinheit, der geistigen Verurteilung des Bestehenden ihr Verständnis und Einfühlung des Bestehenden entgegen. Das seelisch- beglückte Dasein ist von Anfang an mit der Bindung der Sinnlichkeit an die Seele erkauft. &lt;em&gt;„Freigabe der Sinnlichkeit wäre Freigabe des Genusses.&quot;&lt;/em&gt; (13) Aber die bürgerliche Gesellschaft läßt die reale Möglichkeit zur Befriedigung sinnlicher Bedürfnisse nicht zu und ist im Gegenteil zur Disziplinierung unbefriedigter Massen gezwungen. &lt;em&gt;„Es wird eine der entscheidenden Aufgaben der kulturellen Erziehung, den Genuß zu verinnerlichen durch Beseelung. In dem die Sinnlichkeit in das seelische Geschehen hineinge­nommen wird, soll sie gezügelt und verklärt werden. Aus der Verkoppelung von Sinnlichkeit und Seele erwächst die bürgerliche Idee von Liebe.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref13_zmbqf7z&quot; title=&quot;ebd. S. 7&quot; href=&quot;#footnote13_zmbqf7z&quot;&gt;13&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als eigentliches Bewährungsfeld der Seele soll die Liebe Festung gegen alle Unbeständigkeit und Not, &lt;em&gt;„die indivi­duelle Überwindung der monadischen Isolierung&lt;/em&gt;&quot; sein. Ihr Verlangen nach Ausschließlichkeit, Treue als notwendiger Garant für ihr Bestehen, verpflichtet von der Seele her auch die Sinnlichkeit. &lt;em&gt;„Aber die Beseelung der Sinnlichkeit mutet dieser etwas zu, was sie nicht leisten kann, sie soll dem Wechsel und der Veränderung entzogen und in die Einheit und Unteilbarkeit der Person hineingenommen werden. An diesem einen Punkt soll eine prästabilierte Harmonie zwischen Innerlichkeit und Äußerlichkeit,&amp;nbsp; Möglichkeit und Wirklichkeit bestehen, welche gerade durch das anarchische Prinzip der Gesellschaft überall zerstört ist. Dieser Widerspruch macht die ausschließende Treue unwahr und verkümmert die Sinnlichkeit, welche in der verstohlenen Gemeinheit des Spießbürgers einen Ausweg findet“.&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref14_p3cf3as&quot; title=&quot;ebd. S. 80&quot; href=&quot;#footnote14_p3cf3as&quot;&gt;14&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist im bürgerlichen Alltag die Liebe zur bloßen Pflicht und Gewohnheit verkom­men, wird sie in der Kunst erhöht. Weniger als die Philosophie und die Religion ist die Kunst zu einer Antwort auf die aktuellen gesellschaftlichen Widersprüche verpflichtet und gestaltend nach den Gesetzen der Schönheit kann sie eine Welt der Harmonie und des Glücks, entgegen aller Resignation und Hoffnungslosigkeit, malen. Sie spendet Trost, beruhigt und befriedet in dieser Welt und vermittelt zugleich eine höhere Wahrheit, in dem sie als Ausdruck von Schmerz und Sehnsucht die Welt negiert. Hatten die Ideen des aufstrebenden Bürgertums einen progressiven und über das Erreichte auf Mögliches hinaus­weisenden Charakter, &lt;em&gt;„so treten sie im steigendem Maße mit der sich stabili­sierenden Herrschaft des Bürgertums in den Dienst der Niederhaltung un­zufriedener Massen und der bloßen rechtfertigenden Selbsterhebung: sie verdecken die leibliche und psychische Verkümmerung des Individuums.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref15_c7bx7bu&quot; title=&quot;ebd. S. 66&quot; href=&quot;#footnote15_c7bx7bu&quot;&gt;15&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Individuum kann sich erheben, ohne die tatsächliche Erniedrigung zu beseitigen. Die in der bürgerlichen Ge­sellschaft befreiten Individuen haben ihre Sehnsucht nach Menschlichkeit, Ge­rechtigkeit und Solidarität mit dem affirmativen Vorzeichen versehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Seelische Bildung und seelische Größe einigt Ungleichheit und Unfreiheit der alltäglichen Konkurrenz im Reich der&#039; Kultur, darin die Individuen als gleiche und freie Wesen eingehen.&quot;&lt;/em&gt; Die glücklose Vergänglichkeit des schlechten Daseins aufzulösen vor der Notwendigkeit des Glücks, war eine der entscheidensten gesellschaftlichen Aufgaben der affirmativen Kultur. In dem sie das, freilich scheinbar nur, konnte, war sie &lt;em&gt;„die gesellschaftliche Form, in der die über der materiellen Reproduktion des Daseins hinausgehenden Bedürfnisse der Menschen aufbewahrt blieben.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref16_cjx8bg6&quot; title=&quot;ebd. S. 88&quot; href=&quot;#footnote16_cjx8bg6&quot;&gt;16&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;5&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Die glückliche Ehe zwischen dem menschlichen Verstand und der Natur der Dinge, die er im Sinne hat, ist patriarchal: der Verstand, der den Aberglauben besiegt, soll über die entzauberte Natur gebieten. Das wissen, das Macht ist, kennt keine Schranken, weder in der Ver­sklavung der Kreatur noch in der Willfährigkeit gegen die Herren der Welt.&quot; „Technik ist das Wesen dieses Wissens. Es zielt nicht auf Begriffe und Bilder, nicht auf das Glück der Einsicht, sondern auf Methode, Ausnutzung der Arbeit anderer, Kapital.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref17_3mbrzc9&quot; title=&quot;Adorno, T.: Dialektik der Aufklärung.- Leipz.: Reclam, 1986.-S. 17&quot; href=&quot;#footnote17_3mbrzc9&quot;&gt;17&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Greifen wir Beispiele des innerhalb des Zivilisationsprozesses geschaffenen Kapitals, die außerhalb der Fabrik und ihrer Rationalisierung liegen: Urbanisie­rung&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref18_69yk22p&quot; title=&quot;siehe Stadtgesellschaft und Kindheit im Prozeß der Zivilisation. Oplachen: 1990,-  Leske&quot; href=&quot;#footnote18_69yk22p&quot;&gt;18&lt;/a&gt; als Teil und Motor des „Zivilisationsprozesses&quot;, in der eine soziale Konfiguration von Menschen etabliert und so „modernisierte&quot; Verhal­tensstandards, Persönlichkeitsstrukturen und Mentalitäten, z.T. gegen Widerstände durchgesetzt wurden, ist Teil der Tendenz zur totalen Verdinglichung des Alltags. In der Hygienepolitik ging es darum, die insgesamt von den wuchernden Unterschichten ausgehende politische Bedrohung durch gezielte Maßnahmen zu deren „Hebung&quot; zu entschärfen und zugleich ein gesundes und leistungs­fähiges Arbeitskräftepotential zu schaffen. Im Prozeß der inneren Staatsbildung setzte der aufklärerische Impetus zur Optimierung der Gesellschaft durch Verwissenschaftlichung, Armenfürsorge und Gesundheitspolitik mit der Reinigung und Ordnung des öffentlichen Raumes ein.&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref19_s20uyai&quot; title=&quot;ebd. S. 44&quot; href=&quot;#footnote19_s20uyai&quot;&gt;19&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hygienisierung bewirkt nicht nur die Durchsetzung neuer Normen und Standards (zuerst in Institutionen mit städtisch-öffentlichen Zugriff wie Militär, Hospiz und Knast, dann auch im privaten Bereich), sondern bedeutungsvolle gesellschaftliche Wandlungsprozesse:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Absonderung der Individuen in der Öffentlichkeit und privaten Leben (Menschenansammlungen, seperate Schlafzimmer), Individualisierung;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Schichtenspezifische Segretierung (städtisches Proletariat, unterbäuerliche Schichten);&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Betonung geschlechtsspezifischer Andersartigkeit; Frau trug Verantwortung für die Reinlichkeit der Privatsphäre (Hausfrauisierung), Überhöhung körper­licher Reinlichkeit als Wahrzeichen allgemeiner Sittlichkeit und bürgerlicher Normerfüllung ( sauberer, geruchsloser Männerkörper als Indiz für Leistungs­stärke; sauberer, duftender Frauenkörper als erotisches Versprechen). Verhäuslichung als ein Gestaltungprin­zip, das darauf basiert, soziale Handlung mit Hilfe dauerhafter Befestigungen voneinander zu isolieren, grenzt auf qualitativ neuartige Weise Handlung­sräume der Menschen ein.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Sie eignet sich - neben anderen „Sozialtechnologien&quot; - vorzüglich, um gesellschaftliches Handeln langfristig, zielgerichtet, plan - und präzise wiederholbar, somit über Zeiten und beteiligte Personen hinweg berechenbar zu gestalten. Durch Verhäuslichung lassen sich Handlungs-Sequenzen jedoch auch wirkungsvoll hierarchisieren, sozial kontrollieren oder mit unterschiedlichen materiellen Ressourcen ausstatten.&quot;&lt;/em&gt; &lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref20_tb4wkqt&quot; title=&quot;ebd. S. 143&quot; href=&quot;#footnote20_tb4wkqt&quot;&gt;20&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie steigert die Effizienz ökonomisch produktiver Handlungskontexte und trägt zur Optimierung reproduktiven, konsumtiven Handelns bei, begünstigt den Prozeß der Individualisierung, entfaltet personenorientierte Bedürfnisse, Handlungsziele und Lebensstile, die den dann angebotenen Formen verfügbar werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wandlungsprozesse auf gesamtge­sellschaftlicher Ebene, die Staatsbildung (Zentralisierung) muß einhergehen mit einem Wandel von Verhalten und Normen auf individueller Ebene. Also einerseits führen Sozialkontrolle, durchge­setzte Normen und Vorschriften auf individueller Ebene zur Regulierung des Affekthaushalts und zur Veränderung der Triebstruktur und andererseits entstehen durch die Herausbildung einer diffe­renzierten Selbstkontrolle staatliche Organe mit alleinigem Gewaltmonopol.. Die unberechenbare, rohe körperliche Gewalt ist freilich höchstens zwischen Männern (im Gegensatz der gegenüber Frauen, Kindern, Alten) tendenziell verschwunden, sozial geächtet. Und im öffentlichen Raum verhindert als un­mittelbare, impulsive Äußerung wird dieser Tatbestand für Kapitalinteressen funktionalisierbar und somit Teil eines, für das Funktionieren des Leistungs­prinzips unverzichtbaren Regimes über die Triebstruktur seiner Individuen ( siehe: Marcuse „Triebstruktur und Gesellschaft&quot;). Kann über den Pro­duktionsprozeß die Sublimierung unterdrückter sexueller Libido nicht mehr gewährleistet werden, muß in dem Maße ein System kompensatorischer Mechanis­men in Kraft treten (von der Sport­veranstaltung bis zur erlaubten Verge­waltigung der Ehefrau).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Zu revolutionieren die Produktivkräfte in universaler Weise innerhalb der bornierten Verhältnisse, ist die Funktion der auf dem Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit basierenden Formation der Gesellschaft.&lt;/em&gt;&quot;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref21_mxoe0px&quot; title=&quot;Feistner, K.: Wartesaal. S. 18&quot; href=&quot;#footnote21_mxoe0px&quot;&gt;21&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Produktivkräfte, hier gefaßt nicht nur die Produktionsmittel, -gegenstände, Natur, Technik, Mensch mit einer not­wendigen Persönlichkeitsstruktur, die Arbeit zu ertragen, sondern auch all die Verhältnisse (soziale, ideologische), die notwendig zur Aufrechterhaltung der Klassengesellschaft sich erweisen. Die Frage nach den Reproduktions- und Produktionsverhältnissen, den notwen­digen Bedingungen, also wodurch Arbeit zur Lohnarbeit/Gratisarbeit/wertschaf­fender, der fremden Aneignung zufallender Arbeit, werden kann. Ist dieses Revolutionieren der Produktiv­kräfte in universaler Weise zusammenzu­bringen mit dem, was als Prozeß der Zivilisierung oder Modernisierung bezeichnet wird? Es handelt sich um die Schaffung neuer Verwertungsbeding­ungen innerhalb eines hegemonialen Verhältnisses, notwendig für&#039;s Kapital seinen Fraß zu sichern, ökonomischen Wert. Er läßt sich schöpfen nur da, wo, indem was vorher als Nicht-Wert existierte, Gebrauchswert erhält.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zivilisierung/Modernisierung erscheint dann als Projekt der „Vergesellschaftung&quot;, mit Hartmann zu sprechen als Kampfprojekt des Kapitals der technischen Formalisierung und sozialen Organisation, sprich sozialen Zerstörung des Alltags und der kollektiven Formen, als Zurichtung zum Gebrauchswert, im Faschismus seine optimierteste Gestalt erreichend. &lt;em&gt;„Es ist die Bilanz von realen hunderten Millionen Hungertoten der drei Kontinente und sozialen Zerstörungen nie gekannten Ausmaßes, aus der die Werte in das Wachstum der metropolitanen Gewaltoffensive eingespeist wurden, die sich in der Hochrüstung der sozialen Fabrikisierung materialisierte.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref22_zswurj7&quot; title=&quot;Hartmann, D.: Leben als Sabotage.- Berlin, 1991.- S. 11&quot; href=&quot;#footnote22_zswurj7&quot;&gt;22&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;6&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Marcuse schreibt 1935 in Paris angesichts der faschistischen Herrschaft:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Die kulturelle Vereinzelung der Individuen zu in sich geschlossenen Persönlichkeiten entspricht immerhin noch einer liberalen Methode der Disziplinierung, die über einen bestimmten Bereich privaten Lebens keine Herrschaft erfordert.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref23_ibm34lm&quot; title=&quot;Marcuse, H.: ebd. S. 92&quot; href=&quot;#footnote23_ibm34lm&quot;&gt;23&lt;/a&gt; Mit der „totalen Mobilmachung&quot; nötig gewordene Unterwerfung der Individuen als Ganze durch den totalitären Staat, werden die &lt;em&gt;„um die Idee der Persönlichkeit zentrierten, fortschrittlichen Momente der Kultur&quot;&lt;/em&gt; negiert. &lt;em&gt;„Die Selbstaufhebung der affirmativen Kultur beginnt&quot;. &lt;/em&gt;Die abstrakte innere Allgemeinheit in Erscheinung eines hoch über den gesellschaftlichen Widersprüchen liegendes Reich der kulturellen Solidarität, wird ersetzt durch eine ebenso abstrakte, äußere Gemeinschaft: eine falsche Kollektivität definiert über Rasse, Volkstum, Blut und Boden. Idealistische Verinnerlichung und heroische Veräußerlichung haben die selbe Funktion:&lt;em&gt; „Entsagung und Einordnung in das Bestehende, erträglich gemacht durch den realen Schein der Befriedigung.&quot;&lt;/em&gt; Die idealistische, affirmative Kultur war als Interessenvertreterin für alle Individuen, deren Existenz an die Erhaltung jener Ordnung gebunden war, in die die Kultur selbst verflochten und als Instrument realer Herrschaft diese legitimierte und stützte, geeignet zu einer Konditio­nierung, die die &lt;em&gt;„befreiten Individuen&quot;&lt;/em&gt; freiwillig in einer „&lt;em&gt;Solidargemeinschaft&lt;/em&gt;&quot; des autoritären Staates organisierte. Schwäche und Irrationalismus in Kritik und Protest der bürgerlichen Kultur gegen ihre neue Gestalt (national­sozialistische) rührt her von dieser Verflochtenheit. Im dumpfen Aufbe­gehren der Bestien gegen die „&lt;em&gt;Kultur&lt;/em&gt;&quot;, die sie ausschließt, verfällt der Faschist doch dem Glauben an Kultur als solcher: Kultur als Ornament von Herrschaft, als organisierte Freizeitgestaltung, Natur­romantik und Sonntagsglück. War dem Nationalsozialismus der Kulturbetrieb die letzte Oase bürgerlicher Sicherheit und Ausflucht, mit der man sich der politischen Entscheidung entziehen kann (Jünger), die Beschäftigung mit den&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Idealen einer objektiven Wissenschaft und einer Kunst, die um ihrer selbst willen besteht&quot;&lt;/em&gt; bloße Verschwendung, hat die Kultur sich nun im Dienst der stärksten ökonomischen Interesen neu zu bestimmen. Kultur in Gestalt des Utilitarismus in dem materiellem Lebensprozeß zurückgenommen, heißt Bereicherung, Verschönerung und Sicherung des Staates gesellschaftlich funktional im Interesse der ökonomisch mächtigsten Gruppen, Ästhetisierung der Politik. &lt;em&gt;„So ist dieser Abbau der Kultur ein Ausdruck der höchsten Tendenzen, welche der affirmativen Kultur schon seit langem zugrunde liegen.&quot;&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref24_qmwanox&quot; title=&quot;ebd. S. 97&quot; href=&quot;#footnote24_qmwanox&quot;&gt;24&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;7&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Heute ist der Kulturbegriff, der aufging in den Vorstellungen des Bildungs­bürgertums, tendenziell als altmodisch und elitär abgewiesen. Denn heutige Konsumentenkultur prahlt, kein Luxus und Snobismus zu sein und Bestand hat nur, was eindeutig seinen Zweck erfüllt. Die „Alternativkultur&quot;, aber auch schon das Gerede von den „Subkulturen&quot;, waren die ersten deutlichen Anzeichen der politisch-ideologischen Reaktion auf die antiimperialistische Revolte von &#039;68, in der, nach Auflösung ihrer gesamtgesell­schaftlichen Vision die Unterscheidung der Menschen nach Reichtum, Macht und Handeln durch die Unterscheidung von verschiedenen „Kulturen&quot;, die Diskussion über politische Inhalte durch die Über Lebensstile, die politische Solidarität durch „Gemeinschafterlebnisse&quot; ersetzt wurden. Unterschiedliche Konsum­gewohnheiten werden zu unterschied­lichen „Kulturen&quot;. Über den mit viel Gezeter beklagtem Auseinanderfall der Nation in eine „etablierte&quot; und eine „alternative&quot; Kultur einerseits und über den von den Modeindustrien angeheizten und verwerteten „kulturellen Voyeurismus&quot; gegenüber den exotisierten „Anderen&quot;, den fremden „Kulturen&quot; andererseits, konstuiert sich negativ ein neuer, alter Nationalismus, definiert über „Kultur&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das durch die nukleare Aufrüstung aufkommende Gefühl der Bedrohung durch die Supermächte und das Interesse an fremder „Kultur&quot; und Folklore (freilich nicht am Menschen), waren entschei­dende Momente einer Konditionierung im Sinne einer „falschen &quot;Kollektivität.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese ideologische Formierung über den Begriff der „Kultur&quot;, welche innerhalb einer Klassengesellschaft stattfindet, in der reale Machtzentren mit Definitions­macht im Sinne bestimmter Interessen sich durchsetzen, hat Bedingungen, die unter folgenden Punkten zusammengefaßt werden könnten:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;die nach dem Faschismus bisher weitestgehend unmögliche Benutzung der Kategorien „Rasse&quot;, „Heimat&quot;;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Ablehnung der bisherigen Definition der „Kultur&quot; als eine im wesentlichen die geistigen und künstlerischen Werke und deren Beschäftigung mit ihnen, betreffende;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;der damit verbundene Übergang von einem wertenden zu einem wertfreien Begriff, begünstigt durch den aus der Wissenschaft kommenden Begriff der „Alltagskultur&quot; ‚der verwässert in die Alltagssprache eingeht, damit aber auch den transzendenten Gehalt, der bisher in diesen Begriff eingeschlossen war, beseitigt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die durch die Entlehrung der bisherigen inhaltlichen Bestimmung preisgegebene Willkür an Maßstäben subjektiver Interessen - Klassifizierungs­fähigkeit; - Beibehaltung des Nimbus; - die Eignung der Kategorie, mit ihr bestimmte Sachverhalte zu ontologisieren,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Eignung zum Gleichsetzen mit der Kategorie „Natur&quot;. Insofern die gesell­schaftlichen und ideologischen Verhält­nisse in der DDR gänzlich verschiedene zu denen der BRD und die Ausbreitung der Warenform zurückgedrängt war, mußte die Kultur, Kulturpolitik und -kritik andere Inhalte und Formen annehmen. Sich der Widersprüchlichkeit der „realsozialistischen&quot; Verhältnisse zu stellen, wäre das Thema einer gesonderten Arbeit.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Nationale Kultur&quot; &lt;/em&gt;wird als ein System gedacht, was die Unterscheidung von „anderen&quot;, „fremden&quot; und „kulturellen&quot; Teilsystemen ermöglicht und grund­sätzlich erlaubt, je nach ideologischer Denkfigur, diese, als vorhanden gesetzte, entweder in kolonialer Manier in ihrem Anderssein zu negieren und (z.B. nach mißglückter Assimilation) abzuwerten, oder aber differentialistisch in absoluter Affirmation der „kulturellen&quot; Eigenarten der dazugehörigen reinen Identitäten diese vor der Gefahr der Vermischung zu bewahren. Das diesen Rassismen&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref25_z6gbrug&quot; title=&quot;siehe ak Nr. 341: Strukturen einer Dominanzkultur.-&quot; href=&quot;#footnote25_z6gbrug&quot;&gt;25&lt;/a&gt; zugrundeliegende Konstrukt der „Kultur&quot;, dient wie das der „Rasse&quot; gleichermaßen zur ideologischen Legitimation und Durchsetzung von Herrschaft und Macht. Beide „kulturellen&quot; Rassismen existieren heute nebeneinander, wobei als insti­tutionalisierte der Rassismus der „Hetero­phobie&quot; gegen den „inneren&quot; Feind (Gewaltäter, Fixer, Homosexuelle, hier lebende Ausländer) und der Rassismus der „Mixophobie&quot; gegen den äußeren Feind (Ausländer,Asylanten) als Tendenzen (mit einiger Vorsicht) ausgemacht werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der von den organisierten Horden schnell identifizierte und gegeißelte „Rechtsextremist&quot;, der Aufschrei über „Ausländerfeindlichkeit&quot; und Gewalt, gefeiert in den Medien und Parteien, welche das neue Asylgesetz durchsetzten, spricht bei gleichzeitiger Anerkennung dieser Asylgesetze die Sprache eines, im bürgerlichen Individuum tiefverwurzelten Rassismus, der sich durch die ver­innerlichten Werte der Gewaltfreiheit und Demokratie in dieser Form als „Kulturalismus&quot; äußert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der bürgerlichen Wissenschaft erscheint parallel zum Zivilisationsprozeß die Kulturentwicklung in dem Maße vorangeschritten, wie die Ersetzung von direkter Gewalt (als Tatsache gesetzt!) durch Recht, Gesetz, Norm einen argumentativen und regulierenden Interessenausgleich ermöglicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sicht auf Kultur als Arena des friedlichen Wettbewerbs um Normen, Wahrheit, objektive Bedeutung und subjektive Wahrhaftigkeit, für jeden die Möglichkeit enthaltend, seine Sicht als Legitime zu erkämpfen, hat zur Vorraussetzung, die parlamentarische Demokratie, die Verinnerlichung der liberalistischen Ideale der Humanität, Individualität, Meinungsfreiheit etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kultur definiert sich inzwischen als ein Komplex von spezifischen Glaubens­anschauungen, Errungenschaften und Traditionen, wobei „Errungenschaften&quot; wie Zerstörung und Verbrechen, „Traditionen&quot; wie Grausamkeit und Fanatismus ausgeschlossen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„Kulturwerte&quot; wie Zunahme von persönlicher und öffentliche Freiheit (gemeint bürgerliche), Verringerung von Ungleichheit (gemeint formale), leis­tungsfähige und vernünftige Verwaltung (weniger Bürokratismus), als auf Kosten anderer durchgesetzte, die Gesellschaft erhaltende entlarvt und negiert, wird in „kulturistischer&quot; und -kritischer Verblendung empört abgewiesen und verdammt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„Kultur&quot; im Hinblick auf die erklärten Ziele der abendländischen „Zivilisation&quot; als ein Prozess der Humanisierung verstanden, muß Grausamkeit und Gewalt ausschließen, um diese Definition zu ermöglichen. Sie begrenzt ihre „Verbindlichkeit&quot; auf ein spezifisches Universum (von religiösen, nationalen, kulturellen Identitäten), welches innerhalb und außerhalb Feinde und Räume definiert, für die die „kulturellen&quot; Ziele nicht gelten, „Kultur&quot; suspendiert oder verboten wird. Diese Elemente und Kräfte jedoch sind nicht einfach nur Bestandteil der „Kultur&quot;, in der nur vermittels der Ausübung von Gewalt die erklärten Ziele erreichbar sind (z. B. Gewalt gegenüber Frauen, Koloni­sierung), sondern also notwendige Bedingung. Die tendenzielle Gleichsetz­ung des Begriffs „Kultur&quot; und dem der „Natur&quot;, welche Kulturen als unveränderliche denkt und zu Natureigenschaften der Menschen werden läßt, ermöglicht einerseits den Rassismus, der auf der Angst vor Vermischung und Verfall der „organisch gewachsenen&quot; „kulturellen Identitäten&quot; basiert, andererseits den „kulturellen Feminis­mus&quot;, welcher eine „Kultur&quot; der Frau gegen eine der Männer setzt und die Eigenschaften und Verhaltensweisen der Frauen biologistisch erhöht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum anderen wird seit langem vor allem durch den „Schwarzen Feminisnus&quot; zu recht kritisiert, der weiße Feminismus in Europa habe stur, in kolonialer Manier, kulturelle Unterschiede geleugnet, indem er:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;die soziale Konstruktion des Begriffes der Frau verallgemeinert und von Kategorien wie Klasse und ethnische Zugehörigkeit isoliert und damit spezifische Formen der Unterdrückung in konkreten kulturellen und historischen Zusammenhängen ausgelöscht;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Frauen unzulässig vergleicht, was in solchen Aussagen „Frauen sind die Neger der Welt&quot; oder die sexuelle Gewaltstruktur sei überall, womit die Frauen ihr in gleicher Weise - nur graduell verschieden - unterworfen sind, zum Ausdruck kommt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Unterdrückung einfach addiert und durch diese Quantifizierung die quali­tative Aussage einer wirklich anderen Unterdrückung (nicht zusätzlichen) verunmöglicht.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Die Leugnung unterschiedlicher his­torischer und gesellschaftlicher Bedingun­gen von Konditionierung und Unterdrückung der Menschen führt zu Rassismus. Es kommt darauf an, einen Mittelweg zwischen „extremen Ethnozentrismus&quot; und „radikalem Kulturrelativismus&quot;(Meulenbelt) zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fortsetzung wird die heutige Kultur und Gesellschaft, die Stellung zu Ideologie, Kulturgeschichte und -kritik der Kritischen Theorie und dabei insbesondere die Texte von Marcuse „Bemerkungen zu einer Neubestimmung der Kultur&quot;, von Benjamin „Eduard Fuchs. Sammler und Historiker&quot;, von Adorno „Kulturkritik und Gesellschaft&quot; und die zusammen mit Horkheimer geschriebene „Dialektik der Aufklärung&quot; behandeln.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_yabphhm&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_yabphhm&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; Adorno, T./Horkheimer, M.: Dialektik der Aufklärung.- Leipzig: Reclam, 1989.- 5. 10&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_p0hmbb1&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_p0hmbb1&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; ebd. S. 11&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote3_3rlloog&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref3_3rlloog&quot;&gt;3.&lt;/a&gt; ebd. S. 41&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote4_f0rw4ya&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref4_f0rw4ya&quot;&gt;4.&lt;/a&gt; Benjamin, W.: Eduard Fuchs, der Sammler und der Historiker.- in Allgemeinkulrurelle Erfahrung Leipzig: Reclam, 1984.- S. 260&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote5_qpbepdu&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref5_qpbepdu&quot;&gt;5.&lt;/a&gt; siehe Elias, N.: Über den Prozeß der Zivilisation.- Frankf.: Suhrkamp, 1984.-&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote6_yk8eker&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref6_yk8eker&quot;&gt;6.&lt;/a&gt; ebd. S. 37&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote7_mfieytq&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref7_mfieytq&quot;&gt;7.&lt;/a&gt; Marcuse, H.: Über den affirmativen Charakter der Kultur.- Franf.: Suhrkamp, 1965.- S. 60&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote8_d9xi9f5&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref8_d9xi9f5&quot;&gt;8.&lt;/a&gt; Feistner, K.: Wartesaal.- (Manuskript) Berlin: 1991.- S. 23&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote9_346ij7m&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref9_346ij7m&quot;&gt;9.&lt;/a&gt; siehe Marcuse, I-1.: Über den affirmativen Charakter der Kultur.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote10_z09nk6r&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref10_z09nk6r&quot;&gt;10.&lt;/a&gt; ebd. S. 67&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote11_ua08ghc&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref11_ua08ghc&quot;&gt;11.&lt;/a&gt; (11) ebd. S. 66&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote12_53s82gg&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref12_53s82gg&quot;&gt;12.&lt;/a&gt; ebd. S. 7&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote13_zmbqf7z&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref13_zmbqf7z&quot;&gt;13.&lt;/a&gt; ebd. S. 7&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote14_p3cf3as&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref14_p3cf3as&quot;&gt;14.&lt;/a&gt; ebd. S. 80&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote15_c7bx7bu&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref15_c7bx7bu&quot;&gt;15.&lt;/a&gt; ebd. S. 66&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote16_cjx8bg6&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref16_cjx8bg6&quot;&gt;16.&lt;/a&gt; ebd. S. 88&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote17_3mbrzc9&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref17_3mbrzc9&quot;&gt;17.&lt;/a&gt; Adorno, T.: Dialektik der Aufklärung.- Leipz.: Reclam, 1986.-S. 17&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote18_69yk22p&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref18_69yk22p&quot;&gt;18.&lt;/a&gt; siehe Stadtgesellschaft und Kindheit im Prozeß der Zivilisation. Oplachen: 1990,-  Leske&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote19_s20uyai&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref19_s20uyai&quot;&gt;19.&lt;/a&gt; ebd. S. 44&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote20_tb4wkqt&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref20_tb4wkqt&quot;&gt;20.&lt;/a&gt; ebd. S. 143&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote21_mxoe0px&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref21_mxoe0px&quot;&gt;21.&lt;/a&gt; Feistner, K.: Wartesaal. S. 18&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote22_zswurj7&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref22_zswurj7&quot;&gt;22.&lt;/a&gt; Hartmann, D.: Leben als Sabotage.- Berlin, 1991.- S. 11&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote23_ibm34lm&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref23_ibm34lm&quot;&gt;23.&lt;/a&gt; Marcuse, H.: ebd. S. 92&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote24_qmwanox&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref24_qmwanox&quot;&gt;24.&lt;/a&gt; ebd. S. 97&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote25_z6gbrug&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref25_z6gbrug&quot;&gt;25.&lt;/a&gt; siehe ak Nr. 341: Strukturen einer Dominanzkultur.-&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <category domain="https://arranca.org/tag/kritische-theorie">Kritische Theorie</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/kultur">Kultur</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/subjekt-gesellschaft">Subjekt &amp; Gesellschaft</category>
 <category domain="https://arranca.org/tag/theorie-praxis">Theorie &amp; Praxis</category>
 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Wed, 24 Feb 2010 12:48:55 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">515 at https://arranca.org</guid>
</item>
<item>
 <title>Bedürfnisse </title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/0/beduerfnisse</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;METROPOLENSCHROTT hämmert es immer wieder in meinem Kopf, seit wochen, das wort versuchen zu greifen, die stellung der intellektuellen - organisch gewollt doch so fleischlos oft, sprechend und doch sprachlos verwirrtheit, wider wiederholungen und dennoch: suche nach aufrechter klarheit, wahrheit, die es nicht gibt, zeitkern ihrer, präzision suchen wo nur sensibilität schwebt und umgekehrt und synthese und WORT&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;- freude aus verunsicherung ziehen, wer hat uns das denn beigebracht? –&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;METROPOLENSCHROTT hämmert es immer wieder in meinem Kopf, seit wochen, das wort versuchen zu greifen, die stellung der intellektuellen - organisch gewollt doch so fleischlos oft, sprechend und doch sprachlos verwirrtheit, wider wiederholungen und dennoch: suche nach aufrechter klarheit, wahrheit, die es nicht gibt, zeitkern ihrer, präzision suchen wo nur sensibilität schwebt und umgekehrt und synthese und WORT&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;- im ganzen haltet euch an Worte, dann geht ihr durch die sichre pforte, zum tempel der gewißheit ein. –&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;devil called mephistoteles&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;das bedürfnis, zentrum der beherrschung und ausdruck des eigenen Willens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;erste orhodoxe klarheit:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;steigerung der bedürfnisse&lt;br /&gt; steigerung der nachfrage&lt;br /&gt; steigerung der produktion steigerung der produktivität&lt;br /&gt; steigerung des profits&lt;br /&gt; kritik der ausbeutung&lt;br /&gt; kritik der konsumation?&lt;br /&gt; dialektik zwischen bedürfnissen und gesellschaftsform.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1: der reiche mensch ist zugleich der einer totalitär der menschlichen lebensiußerung bedürftige mensch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt; 2: jeder mensch spekuliert darauf, dem anderen ein neues bedürfnis zu schaffen, um ihn zu einem neuen opfer zu zwingen, um ihn in eine neue abhängigkeit zu versetzen und ihn zu einer neuen weise des genusses und damit des ökonomischen ruins zu verleiten. jeder versucht, eine fremde wesenskraft über den anderen zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;kritik der bedürfnissee&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3: wir können wahr und falsche bedürfnisse unterscheiden. falsch sind diejenigen, die dem individuum durch partikulare gesellschaftliche machte, die an seiner unterdrückung interessiert sind, auferlegt werden: diejenigen bedürfnisse, die harte arbeit, aggresivität, elend und ungerechtigkeit verewigen. ihre befriedung mag für das individuum höchst erfreulich sein, aber dieses glück ist kein zustand, der aufrechterhalten und geschützt werden muß, wenn es dazu dient, die entwicklung derjenigen fähigkeiten (seine eigenen und die anderer) zu hemmen, die krankheit des ganzen zu erkennen und die chancen zu ergreifen, diese krankheit zu heilen. das ergebnis ist dann euphorie im unglück.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;dialog als sackgasse und beginn&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3: was ich sage beruht auf zwei werturteilen, die selbst nicht wieder reduzierbar sind, nämlich: erstens: es ist besser zu leben als nicht zu leben. zweitens: es ist besser ein gutes leben zu haben als ein schlechtes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4: wer bestimmt, was ein besseres leben ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3: genau auf diese frage würde ich die antwort verweigern. wenn jemand noch nicht weiß, was ein besseres leben ist, ist er hoffnungslos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;sind autoritäten ein bedürfnis? 1=marx 2=marx 3=marcuse 4=habermas&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;baut mir keine denkmäler, die scheißen nur die tauben voll (welch wundersame zeiten, wenn sich ebendiese mit ebendiesem zu beschäftigen hätten - posthum) ist eine hierarchisiening der bedürfnisse möglich&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;macht ist die fähigkeit, knappheit zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;knappheit schafft bedürfnisse&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;bedürfnisse schaffen knappheit&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die macht attackieren ohne sie für sich selbst zu wollen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;these: was wir zu erreichen suchen müssen, sind vollwertige, vieldimensionale und reich facettierte betrachtungen des menschen, die von den äußerst materiellen bis zu den äußerst nichtmateriellen aspekten reichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;erlaubt ist was gefällt - was ist verboten - zu verbieten - wer? kraft der negation, negative dialektik oder doch wieder nur moralischer imperativ (bau zurück. red&#039;zurück, was du nicht willst, das mensch dir tut, das füg auch keines anderes zu...)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;zentral jedoch: fundamentales interesse an ganzen menschen, den bedürfnissen subjekt zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;zerstückeln, vielleicht um zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;zerpflücke eine rose und jedes blatt ist schön.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;wahre, falsche, objektive, subjektive, fremdbestimmte und welche mit doppelcharakter,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;existenzielle, individuelle, kollektive, psycholog..,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;noch einfacher. gnmdbedürfnisse&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; nahning&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; - luft&amp;nbsp;&amp;nbsp; - kleidung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; wohnen&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; - bildung&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; - gesundheit&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; schutz gegen wilde tiere, wetter, natur - alphabetisirunk&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; bedürfnis sich zu schmücken&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; - sexualität, lust, erhaltung der art&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; hygiene&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; - wunsch, die muskeln zu trainieren&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; bedürfnis nach verwurzelung, einheit, stabilität&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; - bedürfnis, etwas zu bewirken&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; bedürfnis nach verteilungsmuster der belohnung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; bedürfnis nach vielfalt, identität, liebe - bedürfnis nach bedürfnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;mögliche unterscheidungsskalpelle: physisches überleben/nicht physische, die mensch und tier gemeinsam haben/hollistisch, also gleichsetzen physischer und psychologischer bedürfnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;wie lösen sie sich auf wie werden sie befriedigt, wie werden sie befriedet?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;vorfreuden und wünsche - verpuffen und vergessen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;wegmarkierende bedürfnisse - nach hinten als weg erkennend nach vorne ahnend erhoffend&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;weniger mehr andere keine (bedürfnis nach satzzeichen, ach alles so schrecklich kompliziert alles so schön bunt hier)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;streben kommt von strebe,- und umgekehrt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;es wurde alles rascher, damit mehr zeit ist es ist immer weniger zeit&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;askese und bedürfnislosigkeit sind wie disziplin und lust und - feindlichkeit.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die habgier nach sicherheit ist verhängnisvoll&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;repeat it all&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;we want control of our bodies &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;decision will now be ours&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;danke an marianne gronemeyers buch: die macht der bedürfnisse&lt;/p&gt;


&lt;!--
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--&gt;
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 <category domain="https://arranca.org/tag/subjekt-gesellschaft">Subjekt &amp; Gesellschaft</category>
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 <pubDate>Wed, 24 Feb 2010 11:25:23 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Schönes Scheitern, hässliches Verlieren</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/40/schoenes-scheitern-haessliches-verlieren</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Eine Sache, für die man nicht scheitern kann, ist nichts wert. Das gilt für Weltraumfahrer ebenso wie für Punk-Musiker: Würde man nämlich so einfach von A nach B gelangen und könnte sich dabei, wie sagt man, »treu bleiben« (und wären wenigstens die Blessuren halbwegs vorberechnet, die Begegnung mit dem intergalaktischen Körperfresser oder das Alt- und-Spießig-werden), dann wäre die ganze Bewegung ja gar nicht in der Zeit (sondern im Plan), also risikolos und unheroisch. Bleibend ist allein das Scheitern. Ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass Nazis nicht scheitern können? (Wer bedingungslos an den Triumph der Stärke über das Schwache glaubt, für den ist Scheitern noch mehr als ein Unwert, nämlich ein Unwerden.)&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Eine Sache, für die man nicht scheitern kann, ist nichts wert. Das gilt für Weltraumfahrer ebenso wie für Punk-Musiker: Würde man nämlich so einfach von A nach B gelangen und könnte sich dabei, wie sagt man, »treu bleiben« (und wären wenigstens die Blessuren halbwegs vorberechnet, die Begegnung mit dem intergalaktischen Körperfresser oder das Alt- und-Spießig-werden), dann wäre die ganze Bewegung ja gar nicht in der Zeit (sondern im Plan), also risikolos und unheroisch. Bleibend ist allein das Scheitern. Ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass Nazis nicht scheitern können? (Wer bedingungslos an den Triumph der Stärke über das Schwache glaubt, für den ist Scheitern noch mehr als ein Unwert, nämlich ein Unwerden.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Idee, eine Phantasie, ein Bild oder ein Wert, in denen das Scheitern nicht vorkommt, ist von vorneherein, nun ja, »zum Scheitern verurteilt«. Wenn einer scheitert und redet sich heraus und gibt die Schuld den anderen, dann ist er nicht gescheitert, sondern ein Arschloch. Wenn einer scheitert und merkt es nicht einmal, ist er ein dummes Arschloch. Das Scheitern ist ein Flash des Subjekts; es »fühlt« sich im Scheitern so sehr (mindestens!) wie im Triumph. Nur freie Menschen können scheitern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Scheitern ist nicht einfach: Misslingen. Scheitern kann man nur mit ganzem Herzen, also nicht im Zurückschrecken, Umwegnehmen oder Taktieren. Aber auch nicht im Weitermachen um jeden Preis, im Blindwerden und Blindmachen. Zum Scheitern braucht man genau den richtigen Zeitpunkt. Das ist der Punkt, an dem die Geste der Heldin oder des Helden genau so stark ist wie die Sache, an der man scheitert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer scheitert, hat nichts falsch gemacht. Entweder scheitert er oder sie, weil er oder sie das Richtige tat, oder sie oder er erkennt das Richtige im Scheitern. Zwar kann man die äußere Gestalt des Scheiterns durch Fehlentscheidungen bestimmen, im Kern des Scheiterns aber liegt weder der Fehler noch das Richtige; Scheitern geschieht jenseits von »richtig« und »falsch«.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die innere Wahrheit einer Gesellschaft also ist das Scheitern, die äußere Form das Gewinnen. Je mehr die allgemeine Praxis auf das Gewinnen (um jeden Preis) abzielt, desto wichtiger ist eine Kultur des Scheiterns. Kein Wunder also, dass es das protestantisch-kapitalistische Bürgertum ist, das sich eine »Kultur des Scheiterns« hält, die in ihrer Verfasstheit liegt. Über die Frage, ob Kapitalismus ohne Demokratie funktioniert, vergisst man oft die Frage, ob Kapitalismus ohne Religion funktioniert. Sie gleicht den Widerspruch zwischen dem Scheitern der Elemente und dem Gewinnen des Systems aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder Profit, der gezogen wird, ist ein Weitergeben des Verlustes, entweder an seine Mitmenschen oder aber an die kommenden Generationen (oder gleich an beide). Wenn also Banker »scheitern« (indem sie mal eben ein paar Milliarden vernichten), dann lassen sie die Verlust-Rechnung nur gegenwärtig und topografisch werden. In der Logik des Geldes sind sie nicht gescheitert. Kann man in der Logik des Geldes scheitern? Get rich or die tryin. Gangsta-Logik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die beiden Formen des radikalen Nicht-Scheiterns sind der Terror und die Revolution (so wie die inneren Formen des Nicht-Scheiterns die Religion und die Ideologie sind: Wehe, wenn sich beides verbindet!). Das heißt nicht, dass ein Terrorregime nicht scheitern könnte, und es heißt auch nicht, dass eine Revolution das nicht kann. Es meint ein gewaltsames Überwinden des Scheiterns als Grundprinzip. Es sind die großen Helden der populären Kultur, die sich im Scheitern bewegen: die alten Westerner, die Rock-Musiker, die traurigen Gangster der fiktiven Unterwelt, schäbige Detektive und traurig-schöne Frauen, die am selben Gift sterben möchten wie die boys in the backroom. Wenn der Soziologe Richard Sennett recht mit dem Gedanken hat, dass das Scheitern ein Tabu der modernen Gesellschaft ist (und demnach eine frivole Doppelcodierung in der postmodernen), dann ist Pop-Kultur nichts anderes als die Religion des Scheiterns. Und natürlich können wir auch hier eine Entwicklung der Entwertung und der Entwürdigung erkennen. Im Reality TV hat »Scheitern« keine Würde mehr, da geht es nur um das Opfer der Unterdurchschnittlichkeit zum Gaudium der Durchschnittlichen. Auch diese Kultur hebt das Scheitern nicht auf, sondern treibt es uns aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der anderen Seite stehen die, die kein Scheitern kennen, die Pornostars der sexuellen Ökonomie, des Militärs und der Wall Street, und die, welche ihr Leben als Jammertal begreifen und entsprechend opportunistisch wechseln zwischen Begehren und Jammern, die Soap Operas und Comedy-Clowns (und die, die wir »Politiker« nennen). Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen: Jede Erzählung vom Menschen beginnt mit dem Scheitern oder führt darauf hin. Als würdevolles Verlieren ist Scheitern ans Narrativ gebunden, als Experiment der Selbsterfahrung dagegen an irgendeine Form der Schönheit, als Teil des Lebens schließlich an einen letzten Überschuss: Der Gescheiterte kann nicht einfach zerstört, tot, weg sein. Scheitern ist ein dramaturgisches Geschehen, weder das Ende, noch die furchtbarste aller Katastrophen, das Weitermachen wie vorher. Der plot point Scheitern macht die Erzählung doppelt sichtbar, als Erkenntnis und als Schönheit. Schön kann nur bleiben, was gescheitert ist, das gilt für Liebe, Kunst und Revolution. Andrerseits kann auch nicht wirklich großartig scheitern, wer sich von vornherein vor den Mühen der Ebene fürchtet. Kurzum: Man darf weder scheitern wollen noch darf man das Scheitern akzeptieren, wenn man eine schöne Geschichte des Scheiterns erzählen oder leben will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Natürlich ist das Problem des Scheiterns seine aristokratische Attitüde. Können Kollektive scheitern? Ohne Frage. Aber können sie, wie das Helden-Subjekt, das Scheitern genießen? Das scheiternde Kollektiv zerfällt, der scheiternde Held aber wird erst. Wo anders kann er hinwollen als zum Kollektiv? (Das Ziel des Helden, sagt Rousseau, »ist das Glück der Menschen und diesem erhabenen Werk widmet er die edle Seele, die er vom Himmel empfangen hat«. Scheitern ist, unter anderem, ein mindfuck der »edlen Seelen«.)&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Der ärgste Feind des Scheiterns ist die Ironie&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Spaßgesellschaft hat das Konzept des Scheiterns gleichsam auf den Kopf gestellt. Sie verlangt von ihren Mitgliedern, dauernd auf die Nase zu fallen, dies aber nicht weiter tragisch zu nehmen. Die Cleveren vermarkten ihr Auf-die-Nase-Fallen, die Dummen tun es im unerschütterlichen Glauben, dass ein andermal ein anderer anderswo Erfolg haben könnte. Begehren und Jammern sind bei ihnen daher nur eine Sendeminute voneinander entfernt. Der »geborene Loser« hat das Scheitern in erträgliche Segmente zerlegt. Lieber als in einem Raum, den es zu betreten gälte, scheitert er schon an der Türschwelle – zu unserer Freude. Aber wissen wir, worüber wir da lachen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Scheitern kann nur, wer über sich selbst hinausreichen wollte. Niemand scheitert an einem Bausparvertrag, und auch das »Scheitern an einer Gebrauchsanweisung« (wie wir es wohlig uns erzählen) ist in Wahrheit Teil des ironischen Herunterstufens. So scheitert man in einer Beziehung, in seiner Karriere, seinem Plan, wo man in Wahrheit an nichts als an der eigenen Armseligkeit scheitert. Denn es verhält sich natürlich auch genau umgekehrt: Indem wir etwas, und sei es noch so trivial, mit dem Begriff des Scheiterns belegen, werten wir es auf. Wer, mit diesem sardonischen Grinsen, wir kennen das, von seinem »Scheitern an einem Anrufbeantworter« erzählt, gehört zu einer umgedrehten Spaßkultur, die uns aufgepimpte Alltagstrivialität als Kommunikation und Bedeutung verkauft. Wer sein Alltagsleben mit »Scheitern« perforiert, scheitert, wenn überhaupt, an dem verzweifelten Versuch, sich wichtig zu machen. Scham darf es beim Scheitern nicht geben, wohl aber beim »Gerede zum Scheitern«. Denn so wahr es ist, dass Scheitern ein Tabu in der kapitalistischen Organisation des Alltags und der Geschichte ist, so wahr ist es auch, dass wir unentwegt von beinahe nichts anderem als vom Scheitern schwätzen, vom eigenen, und mehr noch vom Scheitern der anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist klar, dass so schnell der Held zum Verbrecher wird (wenn nicht ohnehin in jedem Helden ein Verbrecher steckt), das Scheitern zum Versagen wird (zum Beispiel das Scheitern an einem Wert wie der Menschlichkeit: »Wir, die wir die Freundlichkeit wollten, konnten selber nicht freundlich sein«, das mag für den Augenblick so viel erklären wie der Hinweis, dass die Revolution kein Deckchenstricken ist. Aber unabhängig davon, ob ihm das klar war oder nicht: Brecht hat mit diesem Satz das Scheitern beschrieben, ohne dass es keine Veränderung gibt. Unter gewissen Umständen ist Scheitern das aufklärerische Pendant des Opfers. Warnungen vor Mystifikation beiseite.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das zweite, was das Scheitern fürchten muss, das ist die eigene Inflation. Hütet euch vor Menschen, die ins Scheitern verliebt sind! (Und wer nur scheitern kann, kann auch das nicht.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Darum, nehmen wir den Satz von oben noch einmal auf: Was »zum Scheitern verurteilt ist«, kann gar nicht scheitern, sondern ist bloß schiefgegangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer »komplexen« Gesellschaft ist Scheitern prinzipiell verboten, weil jedes Scheitern eine epidemische Ausbreitung erfährt: Anders als ein bloßes Verlieren ist Scheitern ansteckend. Jedes System produziert Gewinner und Verlierer, aber der Scheiternde transzendiert diese Produktionslogik. Er heiligt und verdammt das System zugleich. Man kann den Mythos des Scheiterns deshalb nicht auf eine lineare Weise »politisieren«. Allerdings leben wir nicht nur in der Gegenwärtigkeit des Scheiterns, sondern auch in einer Geschichte des Scheiterns - und das heißt: Scheitern heute ist nicht dasselbe wie Scheitern gestern, ja, Scheitern ist in doppeltem Sinne selbstwidersprüchlich, in seinem Wesen, als »Triumph des Verlierens« und in seiner Geschichte, als beständige Umwertung. In einer Gesellschaft des populistischen Medienkapitalismus ist »Scheitern«  - Scheitern 2.0 - gleichbedeutend mit Verschwinden. Was sichtbar ist, ist nicht gescheitert, denn sonst wäre es nicht mehr sichtbar. So wäre in der Gesellschaft des Medienbildes öffentliches Scheitern nichts anderes als eine besondere Form des Triumphierens. Das Bekenntnis zum Scheitern ist ein Genre unter vielen, die zur Entropie der Bedeutsamkeit von Biographie beiträgt und ungefähr so interessant ist wie Hochzeitsinszenierungen von Boris Becker.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Natürlich könnte man sagen: Man kann an allem scheitern. An der Welt oder an einer Tasse Tee. Aber generell sollten wir das Scheitern für ein größeres Ganzes reservieren. Was wiederum nicht heißt, dass man das kleine Scheitern nicht als perfektes Abbild des wirklichen Scheiterns betrachten kann, alle Hochkomik funktioniert so: Die Frage ist, ob wir das Scheitern an einer Bananenschale als ein Scheitern am Schicksal, ein Scheitern an der Bosheit der Gesellschaft (ihrer Unordnung oder ihrer Gemeinheit oder ihrer Nachlässigkeit), das Scheitern an der Natur oder das an uns selbst – verträumter Idiot! – ansehen. (Genau hier lässt sich die Spaltung des Scheiterns erkennen: Subjekt und Objekt nämlich vertauschen die Rollen: Man scheitert schließlich nicht an der Bananenschale, sondern an dem Versuch, einen Sinn in ihrer Tücke zu erkennen, so wie Laurel &amp;amp; Hardy nicht an der Tücke des Objektes scheitern, sondern an der Frage, ob die Dinge, die ihnen das Leben versauen, belebt sind oder nicht, ob das Missgeschick eine Erfahrung oder eine Metapher ist. Das Missgeschick wird zum Scheitern erst durch einen Akt des (unglücklichen) Bewusstseins.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand &lt;em&gt;will&lt;/em&gt; scheitern; aber destruktiver gewiss als das Scheitern ist die Angst vor dem Scheitern. Die Angst vor dem Scheitern ist ein Herrschaftsinstrument. Man schafft auf diese Weise »die Jugend« ab, den leeren Raum der Möglichkeiten in den Städten, die Ideen, die Lust: Eine Gesellschaft, die von der Angst vor dem Scheitern beherrscht wird, trocknet aus; eine Gesellschaft, in der das Scheitern zum Gesellschaftsspiel, komplett mit Regeln und Coaching im TV, geworden ist, ersäuft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn Tapferkeit eine hinkende Tugend ist, dann ist Scheitern eine hinkende Pose. Der Künstler, das gehört zu ihm seit den Zeiten von da Vinci, klagt unentwegt sein Scheitern an, da er kein Werk schaffen kann, dass mit der göttlichen Schöpfung, mit der Natur konkurrieren kann. Die moderne Kunst scheitert nicht mehr an diesem Vergleich, sie ist der Ausdruck des Scheiterns an sich. Der Künstler nach Beuys scheitert nicht mehr am Versuch, die Welt zu heilen, sondern an dem, sich selbst zu heilen, der Künstler nach Andy Warhol scheitert nicht an der Wirklichkeit, sondern am Bild. Das metaphysische Scheitern des modernen Künstlers aber liegt generell darin, dass er außerhalb sein müsste, um wahrhaftig zu sein, und daher nur wahrhaftig seine Unfähigkeit, außerhalb zu sein, bearbeiten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon früh, so will es die Gesellschaft des Neoliberalismus, werden die Verlierer aussortiert, die Loser, Verlierer, Versager. Aber in Wahrheit geht es um eine Jagd auf die Verweigerer. Denn es gilt sehr genau zu unterscheiden zwischen jenen, die im System scheitern und den anderen, die am System scheitern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich ist es ganz einfach: Scheitern ist die Art des Verlierens, bei der der Verlierer seine Würde nicht verliert. Wenn man das ein paar Mal dialektisch umdreht kommt man darauf, dass Scheitern eine ästhetisch ansprechende Form des Widerstands sein kann. Eine Form der praktischen Kritik an einem System ist das Scheitern allemal. Wer im System scheitert, zeigt sein Unvernünftigkeit auf, wer am System scheitert, zeigt seine Unmoral auf: Robin Hood, Jesse James, Blackbeard und all die anderen Sozialbanditen werden als Gescheiterte am System zu Outlaws, bevor sie, teils aus moralischen Gründen, teils weil sie den Schritt nach außerhalb nie radikal genug tun konnten, an ihrem Outlaw-tum scheitern. Denn anders als ein bloßes Versagen oder Verzagen ist das wahre (das alte) Scheitern (Scheitern 1.6)  kein Verschwinden. Einem System merkt man an, wie seine Elemente an ihm und in ihm gescheitert sind. Der Handel, die Kunst, das Wissen, all diese Systeme, die immer »wachsen« müssen damit sie sich überhaupt erhalten, funktionieren so: die Erfolgreichen darin sind nichts anderes als Ausdruck zorniger und depressiver Energie der Scheiternden. Die Scheiternden sind das Blut und das Fleisch, die Erfolgreichen nur das Make Up.)&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Angriff auf das Scheitern&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Nun könnte man behaupten, dass »die Krise« unter vielem anderen auch ein großer erleichternder Rülpser der Weltkultur ist. In der Krise ist Scheitern erlaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das große, nicht nur semantische Problem ist eben dieses: Wenn Scheitern erlaubt ist, nicht erzeugt aber doch beflügelt von der Krise unserer Jahre, ist es dann überhaupt noch ein Scheitern? Ein Scheitern light in unserer Soap Opera- und Coaching-Kultur ist die zweite der großen Gefahren für den Mythos (nach der Ironie).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was uns die Manager und Banker und Politiker gerade vormachen: Man kann so gründlich vergeigen, versieben, versenken und verarschen wie man will - in gewissen Positionen. Sie lehren uns also nicht etwa das schönere und bessere Scheitern, sondern im Gegenteil, sie entwerten es. Sie machen eine Farce aus dem Scheitern. Wir würden ja gar nicht verlangen, dass sie sich ins Schwert stürzen oder in den leeren Geldspeicher, wenn sie nur aufhören wollten, zu grinsen, zu schnarren und ihre Worthülsen zu verbreiten! In der Krise sehen wir das Schauspiel eines Scheiterns, das keines mehr ist. Genau anders herum als im klassischen Modell vom erfolgreichen System, das aus dem Scheitern seiner Elemente besteht, haben wir es hier mit einem System zu tun, das an seinen Elementen scheitert. (Damit ist nicht »der Kapitalismus« gemeint, der ist zugleich noch einfacher und wesentlich komplizierter, sondern das System der Schnittstellen zwischen Politik, Ökonomie und Kultur.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das System ist gescheitert! Rufen die Besserwisser. Woran aber kann das System gescheitert sein? Und kann ein System überhaupt scheitern (schließlich ist es doch, in der Dramaturgie des Scheiterns, weder Subjekt noch Objekt, auch wenn alle seine Elemente so wie alle seine Regeln Symptome und Metaphern sind). Es will ja nichts außer sich selbst und immer mehr von sich selbst. Es hat ja keine Würde, die es verlieren könne und es will auch keine gewinnen. Scheitern im und am Kapitalismus kann und muss man, weil der Kapitalismus nicht scheitern kann, möglicherweise gibt es ihn gar nicht, jedenfalls nicht in der Art, wie man sich so allgemein ein »System« vorstellt. Und Scheitern ist immer eine Begegnung von Subjekten und Systemen. Scheitern also können in Wahrheit auch in der Krise wiederum nur Menschen aneinander, die einen scheitern mit ihrer Idee an der Praxis, die anderen mit ihrer Praxis an der Gewohnheit. So dass die Gewinner ebenso unglücklich sind wie die Verlierer, nur eben spiegelverkehrt: Mit dem grotesken Auseinanderklaffen von Idee und Wirklichkeit gibt es also das Scheitern dritten Grades, das strukturelle Scheitern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hüten wir uns daher auch vor Leuten, die anbieten, das Scheitern kontrolliert zu beherrschen. »Das Scheitern positiv zu bewerten, nachhaltig für den Erfolg zu nutzen, es erfolgsorientiert beherrschbar zu machen – das soll die Kunst des gelingenden Scheiterns vermitteln«. So verspricht es eine Agentur namens &lt;em&gt;gescheit.es Scheitern&lt;/em&gt;. Und ihr Protagonist, Herr Stöhr, (»Hans-Jürgen Stöhr, 57, ist studierter Philosoph und will Menschen aller Berufsgruppen helfen, der Karriere neuen Schwung zu geben«) rät: »Beim guten Scheitern nimmt man zum rechten Zeitpunkt wahr, dass man sich von einem Projekt verabschieden muss. Man akzeptiert, dass etwas nicht so hingehauen hat, wie man es ursprünglich gedacht hat, und lernt langsam, sich von der Idee zu verabschieden und loszulassen […]. Wenn das gelingt, ist es viel einfacher, sich neu zu orientieren und etwas anderes zu starten.« Der Neoliberalismus macht also nicht mal mehr vor dem Scheitern halt. Wenn er in die Krise gerät, na schön, dann verkaufen wir eben das Scheitern. Und gescheiterte Manager werden Scheitern-Manager!&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Fri, 08 Jan 2010 20:46:22 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Das Andere, das jetzt auch mitspielen darf</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/40/das-andere-das-jetzt-auch-mitspielen-darf</link>
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                    &lt;p&gt;Verpönt, versteckt, dethematisiert. Lange Zeit führte das Scheitern ein Schattendasein neben seinem strahlenden Bruder Erfolg. Geweint über das eigene Scheitern wurde im stillen Kämmerlein hinter dem Rücken anderer über deren Misserfolg getuschelt. Höchstens verschrobene Gestalten wie Kafka rückten das Scheitern in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen.&lt;/p&gt;
        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Verpönt, versteckt, dethematisiert. Lange Zeit führte das Scheitern ein Schattendasein neben seinem strahlenden Bruder Erfolg. Geweint über das eigene Scheitern wurde im stillen Kämmerlein hinter dem Rücken anderer über deren Misserfolg getuschelt. Höchstens verschrobene Gestalten wie Kafka rückten das Scheitern in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Scheitern ist in. Scheitern ist sogar hip genug fürs Fernsehen, das weiß sogar der 12-jährige Jan: »Die machen das doch extra so bei &lt;em&gt;DSDS&lt;/em&gt; mit dem Scheitern. Sonst wär’s ja auch nicht so lustig.« Auf Jans Liste des Scheiterns befinden sich, neben &lt;em&gt;Deutschland sucht den Superstar&lt;/em&gt;, noch weitere Sendungen: &lt;em&gt;Wer wird Millionär?&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Dschungelcamp&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Germany’s Next Topmodel&lt;/em&gt;. »Wenn der Bohlen immer nur gut oder schlecht sagen würde, dann würde das niemand gucken. Der muss die Leute schon fertig machen«, ergänzt Lisa. Getuschel hinter dem Rücken sieht anders aus. Offener Spott über das Scheitern anderer trifft es da schon eher. Massenscheitern für die Quote. Wer am Ende gewinnt spielt keine große Rolle. Die vielen, die im Verlauf der Sendung rausfliegen, also scheitern, sind die wahren Hauptfiguren.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Ich gestehe, Vater, ich bin gescheitert&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Scheitern ist nicht nur in, scheitern lässt sich seit Neuestem sogar lernen. Zum Beispiel von Michael Heng, ehemaliger Skirennläufer und Gründer der &lt;em&gt;Integralen Unternehmensberatung 1492 für Wachstum und Erneuerung&lt;/em&gt;. Hengs Anliegen ist es, Menschen dabei zu helfen, aus dem Scheitern zu lernen. Der richtige, Heng’sche Weg beginnt dort, wo das Sprechen über den Misserfolg mit »Ich ...« beginnt. Was Heng damit sagen will? Niemand anderes als du selbst, du ganz allein, bist verantwortlich für dein Scheitern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die fast 30 Prozent mehr, die der männliche Kollege verdient, sind also nicht durch s&lt;em&gt;ein&lt;/em&gt; Geschlecht erklärbar, sondern anhand &lt;em&gt;ihrer&lt;/em&gt; miserablen Gehaltsverhandlungsleistung. Der kleine deutsch-türkische Junge sieht seinen deutschen Klassenkameraden nicht deshalb ohne ihn aufs Gymnasium gehen, weil der Lehrer letzteren aufgrund seiner Hautfarbe für kompetenter, vertrauenswürdiger und rational denkender halten würde. Der wahre Grund liegt natürlich in der mangelnden Arbeitsmoral des Kleinen, nicht in gesellschaftlichen Strukturen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Glück gibt es Menschen wie Heng, die die verzweifelte Frau und den kleinen Jungen – gegen etwas Bares versteht sich – an die Hand nehmen und ins Reich der Schönen bzw. Reichen führen. Alles was dafür verlangt wird, ist ein simples »Ich« zu Beginn des Satzes: »Ich gestehe, Vater, ich habe gesündigt.«&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sollen hinunter tauchen in die Abgründe unseres Selbst und darin die Ursache unseres persönlichen Scheiterns erkennen. Nicht mehr der Priester begleitet uns auf dieser Reise, sondern der Psychoanalytiker oder die Unternehmensberaterin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir rechtfertigen uns für unser Handeln, hoffen auf Absolution und auf Wegweisung. Und nebenbei, fast unbemerkt, verfestigt sich die Du-kannst-alles-schaffen-Mentalität, lebt das alte Bild der Tellerwäscherin als Millionärin in spe wieder auf. Uncle Sams strenger Finger auf dich gerichtet: Can you?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ehemals Dethematisierte, das Verschwiegene ist heute Teil des Beredeten. Das Scheitern hat jedoch keinen eigenen Kreis an Wörtern um sich geschart. Vielmehr sind es die alten Metaphern des Erfolgs, die die Zügel in der Hand behalten. Sie sind das unterschwellige Rauschen, denn der einzige Sinn der Therapierung des Scheiterns ist die Rückkehr auf die Schnellstraße des Erfolgs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbst in Zeiten der Krise bleibt das Scheitern ein individuelles. Manager haben versagt, es gibt unfähige oder böswillige Banker; einzelne, die sich am Schneeballsystem bereichern oder die verfehlte Zinspolitik Alan Greenspans. Ihnen gegenüber stehen die Masse der rechtschaffenen SparerInnen und FirmenchefInnen, die um ihr Geld betrogen worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Fehler liegt nicht im System, sondern Einzelne haben die ganze Misere zu verantworten. Gier ist das Leitmotiv, vor nicht allzu langer Zeit war es die Nutznießermentalität oder das Sozialschmarotzertum. Der Mensch ist böse, »Vater« vergibt uns.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Gescheitert im Sprechen über das Scheitern – was bleibt?&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Was tun also angesichts eines Diskurses über das Scheitern, der den Einzelnen die Verantwortung zuschiebt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zunächst einmal anerkennen, dass es nicht grundsätzlich verwerflich ist, das Scheitern (sofern als solches anerkannt) produktiv zu nutzen. Aus dem Scheitern lässt sich tatsächlich lernen. Die Frage ist nur: Wie und Was? Die Auseinandersetzung mit dem Scheitern soll schließlich nicht, wie Heng es gerne hätte, zu einer Hantel werden, die dann die Muskeln des zukünftigen marktkonformen Erfolgs stählt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf welche Weise sich aus dem Scheitern lernen lässt, hängt von der Blickrichtung ab. Eine Auseinandersetzung mit dem Misserfolg, die nicht individualisierend wirken will, sollte strukturelle Ebenen bewusst integrieren. Scheitern kennt Geschlechter, Hautfarben, Ethnien, Klassen, Alterstufen, Sexualitäten und vieles mehr. Unterschiedliche Sprechpositionen und Verortungen im gesellschaftlichen Raum strukturieren unsere Erwartungen, beeinflussen die Träume, die wir träumen, den Mut, den wir haben, die Wagnisse, die wir eingehen, unsere Möglichkeiten. Vergeschlechtlichung ist eine dieser Ortzuweisungen. Sie eröffnet und verschließt uns Handlungsmöglichkeiten, bestimmt, ob wir unsere Ängste, unser Scheitern teilen können oder als einsameR KämpferIn mit dem Misserfolg alleine umgehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die individualisierende Art, in der das Scheitern derzeit verhandelt wird, ist ein gewaltsames Gleichmachen. Eine Herrschaftsstrategie, die überdeckt, wer privilegiert, benachteiligt, nicht gehört oder ausgeschlossen wird. Universalisierend. Das »Ich«, welches von uns, den Angerufenen, gefordert wird, dieses »Ich«, das sind nicht wir als Person. Wir rechtfertigen uns vor einer Norm, die uns auf unterschiedliche Art und Weise ignoriert und verleugnet. Eine weiße Norm, eine männliche. Die Norm einer Leistungsgesellschaft mit makellosen, funktionierenden Körpern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz aller Kritik, Ablehnung, Verweigerung empfinden wir häufig noch Stolz oder Genugtuung, wenn wir von selbiger Gesellschaft Bestätigung erhalten. Nur wenn alternative Anerkennungsstrukturen stark genug sind, können wir Kraft schöpfen, um Anderes auszuprobieren. Darin scheitern. Unsere Unterschiede nicht wegwischen, sondern gemeinsam beleuchten, nicht durchleuchten. Zuhören, versuchen zu verstehen. Wieder aufstehen und von Neuem beginnen. Was folglich aus dem Scheitern zu lernen ist, hat tausend Gesichter, Geschichten und Stimmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für den 12-jährigen Jan ist nach einer halbstündigen Diskussion wichtig, dass Scheitern nicht gleich verlieren ist: »Wenn wir im Handball Dritter werden wollen, weil zwei andere viel besser sind und ins Endspiel kommen und dann verlieren, dann haben wir verloren. Wir sind aber nicht gescheitert, weil wir ja Zweiter sind.« Mit einem Vorhaben zu scheitern bedeutet nicht, den ganzen Kampf zu verlieren. Vielmehr sollten gescheiterte widerständige Projekte und Lebensentwürfe als reichhaltiger Fundus der Reflexion dienen, um immer wieder den Mut zu haben, Neues zu wagen.&lt;/p&gt;


&lt;!--
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 <pubDate>Fri, 08 Jan 2010 20:05:40 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Ausgebrannt und abgewrackt?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/40/ausgebrannt-und-abgewrackt</link>
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                    &lt;p&gt;Laut Deutscher Angestellten Krankenkasse (DAK) haben mittlerweile zehn Prozent aller krankheitsbedingten Arbeitsausfälle seelische Ursachen. Die Zahlen derjenigen, die an der einen oder anderen Variante drastischer Erschöpfung leiden, steigen stetig – obwohl der Krankenstand insgesamt eher sinkt. Dabei wird kaum noch bestritten, dass »chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt« der wichtigste Risikofaktor für Burnout, Depression oder psychosomatische Beschwerden ist. Krankenkassen reagieren auf diesen Befund wie üblich: Mit Tipps und Programmen zur individuellen Stressprävention. Die Arbeitskraft soll am Arbeitsplatz und an den Arbeitsanforderungen nicht scheitern. Scheitern? Wieso eigentlich scheitern?&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Laut Deutscher Angestellten Krankenkasse (DAK) haben mittlerweile zehn Prozent aller krankheitsbedingten Arbeitsausfälle seelische Ursachen. Die Zahlen derjenigen, die an der einen oder anderen Variante drastischer Erschöpfung leiden, steigen stetig – obwohl der Krankenstand insgesamt eher sinkt. Dabei wird kaum noch bestritten, dass »chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt« der wichtigste Risikofaktor für Burnout, Depression oder psychosomatische Beschwerden ist. Krankenkassen reagieren auf diesen Befund wie üblich: Mit Tipps und Programmen zur individuellen Stressprävention. Die Arbeitskraft soll am Arbeitsplatz und an den Arbeitsanforderungen nicht scheitern. Scheitern? Wieso eigentlich scheitern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass dem Ausbrennen, dem Erlöschen des eigenen Antriebs zur Arbeit, eine Erfahrung des persönlichen Scheiterns zugrunde liegt, scheint unmittelbar plausibel. Wer nicht weitermachen kann, befindet sich in einer existenziellen Krise. Ihm oder ihr muss geholfen werden, er oder sie muss sich – schon im eigenen Interesse an Zufriedenheit und Selbstwertschätzung – mit allen nur denkbaren Mitteln wieder fit machen für Arbeit, Gesellschaft, Privatleben. Wem das auf längere Sicht nicht gelingt, der oder die hat ein Problem. Nicht nur ein ökonomisches. So weit, so einfach die übliche Sicht der Dinge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Scheitern kann so manches: Ehen, Regierungen, Unternehmungen. Kurz: Projekte. Die Annahme, auch Personen könnten scheitern, basiert selbst auf der Annahme, auch Personen seien Projekte. Ihr Leben sollte, mit anderen Worten, als je eigenes »gelingen«. In einer kapitalistischen Arbeitsgesellschaft, zumal unter (post-)neoliberalen Vorzeichen, bemisst sich das Gelingen allerdings nicht im luftleeren Raum. Einkommen, Anerkennung und Karriere bilden den Maßstab. Gemessen an der Menschheitsgeschichte ist die Verknüpfung von Glück und Markterfolg relativ jung. In unserem Selbstverständnis ist sie jedoch längst tief verankert. Auch kritischen Geistern ist es deshalb nur unter einigen Anstrengungen möglich, sie, und sei es nur momentweise, gedanklich auszusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und was gelingen kann, kann eben auch misslingen. Weil es sich dabei nicht um ein bloßes Unglück handelt, ist Scheitern an Bedingungen geknüpft. Zum einen muss es ungewollt sein, muss also erlitten werden. Zum anderen verweist Scheitern als Verb immer auf ein Objekt: Man scheitert nicht einfach so, sondern &lt;em&gt;an&lt;/em&gt; etwas. Wo vom eigenen oder fremden Scheitern die Rede ist, ist immer dies im Spiel: eine schmerzhafte Beziehung zwischen Subjekt und Objekt, die auf sozial geteilte Vorstellungen vom gelingenden Leben zurückverweist.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Schlechte Bedingungen für gute Leute&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Zurück zur Erschöpfung. Die ist im Zusammenhang mit der Frage nach dem individuellen Scheitern deshalb so interessant, weil sie dafür einerseits so fraglos beispielhaft scheint und andererseits inzwischen massenhaft auftritt, also kaum Ergebnis individueller »falscher« Lebensentscheidungen sein kann. Fachlich siedelt sie deshalb exakt auf der Grenze zwischen Psychologie und Soziologie. Befragen wir zunächst die Psychologie. Die sucht – und findet – die Ursachen für Gefühlsstörungen aller Art normalerweise im vereinzelten Subjekt dieser Gefühle. An der Erschöpfung gerät dieser Zugriff ins Wanken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass sich die Frage nach den Ursachen der Massenerschöpfung aus rein individualpsychologischer Sicht so ganz leicht nicht beantworten lässt, ist nämlich auch für PsychiaterInnen offenkundig. Burnout sei, so erklärt etwa Volker Faust von der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Gesundheit, »die Folge von schlechten Bedingungen, unter denen viele gute Leute tätig sind.« Zu diesen Bedingungen zählen: Zeitdruck, übles Betriebsklima, Nacht- und Schichtarbeit, zuviel Verantwortung, fehlende Kommunikation, unüberschaubare Arbeitsabläufe, Angst vor Arbeitsplatzverlust und vieles mehr. Wer also ist hier krank? Die Beschäftigten – oder »der Betrieb«?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch obwohl Professor Faust so eindringlich auf die Arbeitsbedingungen hinweist, ist für ihn auch klar: Dabei handelt es sich erstmal nur um »äußere« Belastungen. Zu »inneren« werden sie erst, wenn ihnen die Menschen keine »Grenzen setzen«, wenn sie sich die von außen eintreffenden Anforderungen ungefiltert einverleiben. Aus ursprünglich guten Eigenschaften werden so am Ende schlechte: »Einsatz, Initiative und Engagement« machen – geschuldet der mangelnden Grenzziehung seitens der Subjekte – über kurz oder lang »erschöpft, verbittert, ausgebrannt«. Weil wir aber ja genau das sein sollen – und häufig auch sein wollen – einsatzfreudig, initiativ und engagiert, ist kaum noch jemand vor Erschöpfung gefeit: »Ein wenig Burnout«, so Faust, »ist wohl in uns allen.«&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Erschöpftes Selbst im Teufelskreis&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Das sieht man auch aus gesellschaftstheoretischer Perspektive nicht wesentlich anders. Die bekannteste Diagnose in diesem Zusammenhang stammt von Alain Ehrenberg, der mit seiner Untersuchung zum »erschöpften Selbst« zeigen will, dass depressive Verstimmungen, Erschöpfung und Verzweiflung keine Unregelmäßigkeiten, sondern so etwas wie der unvermeidliche Schatten des karriere- und selbstverwirklichungssüchtigen Selbst der kapitalistischen Moderne um die Jahrtausendwende sind. Arbeitsbedingungen und Managementstrukturen spielen für Ehrenberg allerdings keine besonders große Rolle. Ihn interessiert eher ein allgemeines Modell des Subjekts, das humanwissenschaftliche Theorien, politische Programme und alltägliche Selbstverständnisse von Menschen miteinander verbindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Modell gilt hypothetisch – und irrealer Weise –, dass prinzipiell alles möglich ist. Und dass es ausschließlich in der Verantwortung der Einzelnen liegt, aus der Fülle der Möglichkeiten das je eigene »gelingende« Leben zu stricken. Ehrenberg hält diese Behauptung nicht für richtig, sondern für mächtig. Sie wirkt wie eine innere Stimme, die den Unzufriedenen allerorten hämisch einflüstert, dass es anders hätte kommen können, wenn sie nur die richtige Wahl getroffen hätten. Unter der Last der Verantwortung brechen die solcherart malträtierten Selbste oft zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anders als bei Faust bildet die Überidentifikation mit Leistung, Erfolg, Karriere bei Ehrenberg keinen zweifelhaften Schutzwall gegen betriebliche und gesellschaftliche Anforderungen, sondern entspricht ihnen exakt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kurz: Das erschöpfte Subjekt scheitert an unrealisierbaren gesellschaftlichen Anforderungen, die ihm suggerieren, er oder sie könne die Grenzen der je eigenen Subjektivität unendlich in Richtung Glück, Erfolg, Leistung erweitern. Die unvermeidliche Konfrontation mit den eigenen Grenzen (der Leistungs- und/oder Glücksfähigkeit) produziert Leid, das den Druck, sich erfolgreich selbst zu formen, noch erhöht: ein Teufelskreis. Der zermürbende Konflikt zwischen (äußerer) Norm und (innerer) Verzweiflung kann nur noch dadurch gelöst werden, dass Subjekte lernen, zwischen Außen und Innen wieder klarere Grenzen zu ziehen, sich ihr je ganz Eigenes zurückzuerobern und vor betrieblichen wie normativen, kurz: gesellschaftlichen Zugriffen zu sichern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was aber wäre das – das »Eigene« im Menschen? Faust empfiehlt nachdrücklich die Pflege von Hobbys, als eine Art verwertungsfreien Schutzraum im eigenen Leben. Ehrenberg empfiehlt gar nichts, denn er ist kein Therapeut. Geheimnisvoll aber beruft er am sich Ende seines Buches auf das »Irreduzible« im Menschen, das niemals vollständig zugerichtet werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Erfolg macht nicht immer glücklich&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In zahllosen Netzforen erzählen Burnoutbetroffene ihre Geschichte. Neben vielen anderen findet sich dort auch der Bericht eines Musikers, nennen wir ihn Dixie. Unter der Überschrift »Ich tue, was ich hasse, mit Erfolg« legt er los: »Schon mit 16 ›brannte‹ ich für meine Sache: Die Band.« Unbezahlte Praktika in einer der weltgrößten Plattenfirma folgten; kein Problem, denn »es ging ja um die Sache«. Allerdings merkt Dixie schnell, dass er lieber gute Musik machen als schlechte verkaufen will. Doch der Konkurrenzdruck ist enorm, Hunderte von Demobändern verschwinden antwortlos bei unzähligen Labels. Als Produktmanager hingegen macht Dixie eine steile Karriere und verdient viel Geld. Inzwischen habe er seit dreizehn Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Soziale Beziehungen hat er nicht, und wo er sie doch noch hat, möchte er sie »eher los sein«. Alle Burnout-Symptome treffen auf ihn zu. »Alles in allem fühle ich mich wie in einer Sackgasse und weiß nicht, wie ich weitermachen soll.«&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dixies Sehnsucht nach Musik ist geblieben. Seine Fähigkeit, Musik zu machen, ist jedoch verschüttet. Sein Fazit: »Ich mag meinen Job nicht, weil mein Wertesystem von unserem ›Produkt‹ überhaupt nicht angesprochen wird. Ich verabscheue diese flache Art von Entertainment, die wir erschaffen.« Zwar sei alles »sehr ›hip‹ und innovativ.« Aber eben nicht wirklich gut: »Es geht um ›die Sache‹ – leider nicht um eine, die ich auch gut finden würde.«&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dixie hat immerhin den Vorteil, dass er genau weiß, was ihm fehlt: die Möglichkeit, von seiner Musik zu leben. Phasen ohne Job und Perspektive auf gesicherte Existenz sitzen ihm wie eine ständige Drohung im Nacken. So sieht er keinen anderen Ausweg für sich, als den ungeliebten Kaufmannsjob weiterzumachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Geschichte tauchen einige Merkmale auf, die in vielen solcher Geschichten auftauchen: Prekäre Arbeitsbedingungen oder die Angst davor, finanzielle Not oder die Angst davor, unbefriedigende soziale Beziehungen, auf der anderen Seite eine eigentlich hohe intrinsische Motivation für die »Sache« und ein starker Wunsch, das eigene (Arbeits-)Leben nach den eigenen Maßstäben zu gestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Klar ist gleichzeitig auch: Dixie möchte sich nicht vorrangig »selbst« verwirklichen, sondern er möchte Spaß an der Arbeit haben und ein Produkt herstellen, dass er seinem »Wertesystem« entspricht. Genauer: Seine Selbstverwirklichung ist von dem gesellschaftlichen Sinn, den er dieser Tätigkeit zuschreibt, nicht zu trennen. An einer starken Grenzziehung gegenüber dem gesellschaftlichen Außen ist ihm also nicht nur nicht gelegen, es würde ihn wahrscheinlich noch kränker machen, legte er sich jetzt ein schönes Hobby zu oder suchte im Verborgenen nach seinem »Irreduziblen«. Er ist aber auch Realist, der weiß, dass er ohne Geld in einer Markt- und Konkurrenzgesellschaft nicht leben kann. Krank macht ihn, dass er seine Produktivität nicht ins gesellschaftliche »Reich der Zwecke« (Kant) einbringen kann, sondern unter fremdbestimmten Bedingungen und zu schwankendem Kurs verkaufen muss. Krank macht ihn, mit anderen Worten, nicht er selbst, sondern der alltägliche kapitalistische Terror.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;Krise des sozialen Sinns&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wer oder was scheitert hier? Zuallererst das kapitalistische Versprechen, Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung zusammenbringen; aus der eigenen Person, strengt man sich nur genug an, ein glückliches Investitionsprojekt machen zu können. Alle drei Experten zusammengenommen, Faust, Ehrenberg und Dixie, ließe sich auch sagen, dass die Erschöpfung in der Tat Indiz eines stillschweigend umkämpften Grenzziehungsprozesses ist. Jedoch nicht zwischen einem imaginären »Inneren« und einem entfremdeten »Außen« des Subjekts, sondern zwischen den Produzenten gesellschaftlichen Reichtums und den Formen seiner kapitalistischen Aneignung und Verwertung. Je stärker dabei die Befriedigung von Grundbedürfnissen (nach Existenz, Sicherheit, Planbarkeit) durch »Sinnbedürfnisse« (die nicht nur das jeweils produzierte Produkt, sondern beispielsweise auch Vorstellungen über den Umgang mit Kolleginnen, Kunden, anderen Menschen einschließen können) gefährdet werden (und umgekehrt), umso höher das Erschöpfungsrisiko. Allgemeiner gesagt, stellen kapitalistische Arbeitsbedingungen im Verein mit spätbürgerlichen Glücksversprechen etwas in Aussicht, das sie strukturell nicht einlösen können: die Möglichkeit der Verwirklichung seiner selbst als kreatives und selbstbestimmtes Subjekt, &lt;em&gt;ohne&lt;/em&gt; dass ich dafür meine (soziale, ökonomische) Existenz aufs Spiel setze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht alles, was scheitert, muss betrauert werden. Und so ist auch die Erschöpfung nicht nur ein Drama. Gerade in ihrer Massenhaftigkeit öffnet sie den Blick auf ein untergründiges Begehren – nach einer Existenzweise, die das eigene Überleben nicht an den eigenen Verkauf koppelt und in der das Eigene und das Gesellschaftliche, das Innen und das Außen keine so starken Gegensätze bilden, dass ich bei Strafe meines seelischen Gleichgewichts Gartenzäune um das eigene prekäre Selbst ziehen muss. Könnte die Erschöpfung sprechen, sagte sie vielleicht, ich habe eine Ahnung davon, dass das Leben doch mehr ist als ein am Markt zu realisierendes Projekt. Mehr und zugleich weniger. Unberechenbarer und rätselhafter. Spektakulärer und basaler. Überraschender und gewöhnlicher. Sie würde uns erklären, dass es nicht immer angenehm, aber eben doch möglich ist, dieser Idee von Leben treu zu bleiben – auch in Momenten der Verzweiflung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Tue, 05 Jan 2010 02:23:05 +0000</pubDate>
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