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 <title>arranca! - Türkei</title>
 <link>https://arranca.org/taxonomy/term/193/0</link>
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 <title>Im Gespräch mit Müstereklerimiz</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/48/im-gespraech-mit-muestereklerimiz</link>
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                    &lt;p&gt;&lt;em&gt;Das folgende Interview mit dem Istanbuler Netzwerk Müstereklerimiz führten und bearbeiteten Aktivist*innen der Gruppe&amp;nbsp;d.i.s.s.i.d.e.n.t.&amp;nbsp;als Teilnehmer*innen einer Delegationsreise des&amp;nbsp;Europäischen Rats für Frieden und Demokratie&amp;nbsp;(ABDEM) zu den Kommunalwahlen in der Türkei im März 2014.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Zu Beginn würden wir gerne wissen, wie Müstereklerimiz begonnen hat, was die Grundlage dieses Organisierungsprozesses ist, und wofür euer Name eigentlich steht?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Im Oktober 2009 fanden die Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Istanbul statt und wir gründeten ein kleines Netzwerk mit dem Namen ResIstanbul. Wir wollten nicht nur gegen das Gipfeltreffen protestieren, sondern auch verschiedene Gruppen zusammenbringen und vernetzen. Beteiligt waren unter anderem Gruppen, die zum Thema Urbane Transformation arbeiteten, Gruppen aus der Ökologiebewegung und Initiativen, die sich mit dem Thema Prekarität beschäftigten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;&lt;em&gt;Das folgende Interview mit dem Istanbuler Netzwerk Müstereklerimiz führten und bearbeiteten Aktivist*innen der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. als Teilnehmer*innen einer Delegationsreise des Europäischen Rats für Frieden und Demokratie (ABDEM) zu den Kommunalwahlen in der Türkei im März 2014.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Zu Beginn würden wir gerne wissen, wie Müstereklerimiz begonnen hat, was die Grundlage dieses Organisierungsprozesses ist, und wofür euer Name eigentlich steht?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Im Oktober 2009 fanden die Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Istanbul statt und wir gründeten ein kleines Netzwerk mit dem Namen ResIstanbul. Wir wollten nicht nur gegen das Gipfeltreffen protestieren, sondern auch verschiedene Gruppen zusammenbringen und vernetzen. Beteiligt waren unter anderem Gruppen, die zum Thema Urbane Transformation arbeiteten, Gruppen aus der Ökologiebewegung und Initiativen, die sich mit dem Thema Prekarität beschäftigten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee war, nach den Protesten in verschiedene Bewegungen und Gruppen zu gehen, um diese zu stärken und die Vernetzung zwischen den Gruppen zu verbessern. Aber das hat nicht wirklich funktioniert. Wir erkannten, dass die meisten dieser Bewegungen, wie die Ökologie-, die Anti-Gentrifizierungs- und die von Migrant*innenbewegung in den letzten zehn Jahren entstanden sind oder sich die Form ihrer Kämpfe verändert hatte. Wir stellten fest, dass diese neuen Bewegungen sich sehr in ihren jeweiligen Bereichen professionalisierten und sich allein auf ihre Themen fokussierten. Und das trotz des theoretischen Wissens darum, dass zum Beispiel Themen wie Migration eng verknüpft sind mit urbaner Gentrifikation und Stadtentwicklung. In der Theorie wussten wir, wie das System funktioniert und die Kämpfe zusammen gedacht werden müssen, aber in der Praxis waren wir alle in unseren eigenen Feldern und Kämpfen separiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Müstereklerimiz, ein osmanisches Wort, das übersetzt „unsere Commons“ bedeutet, war also die Idee, verschiedenen Gruppen, Einzelpersonen und Bewegungen aus unterschiedlichen Feldern und Kämpfen eine Basis für gemeinsame Aktionen zu schaffen. Und diese Basis sollte nicht nur ein Netzwerk oder eine Versammlung sein. Wir wollten etwas, das darüber hinausgeht, etwas, das die verschiedenen Gruppen unter einer Idee zusammenbringt, für die wir alle in unseren unterschiedlichen Feldern kämpfen. So ist Müstereklerimiz im Sommer 2012 entstanden. Grundlage für uns war dabei das Konzept und die Vorstellung der Commons und wie wir von diesen&amp;nbsp; Commons ausgeschlossen werden, zum Beispiel was den Zugang zu urbanem Raum oder den Zugang zu Wasser betrifft. Dabei meint Commons auch das gemeinsame Kämpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine unserer ersten gemeinsamen Aktionen war der 1. Mai 2013. Wenn ich „wir“ sage, dann meine ich die verschiedenen Gruppen: ein ökologisches Kollektiv; das&amp;nbsp;&lt;em&gt;Migrant Solidarity Network&lt;/em&gt;&lt;em&gt;;&lt;/em&gt;&amp;nbsp;die Anti-Gentrifizierungs Gruppe&amp;nbsp;&lt;em&gt;IMECE&lt;/em&gt;&amp;nbsp;und&amp;nbsp;&lt;em&gt;Tarla Taban,&amp;nbsp;&lt;/em&gt;eine Initiative an der&amp;nbsp;Boğaziçi&amp;nbsp;Uni für Urban- und Guerilla-Gardening&lt;em&gt;.&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;/em&gt;Hinzu kamen eine Konsument*innen-Kooperative &lt;em&gt;von der&amp;nbsp;&lt;/em&gt;Boğaziçi Uni und noch einige unabhängige Aktivist*innen. Unsere Einschätzung war, dass sich gesellschaftlich nichts verbessern würde, wenn wir als einzelne Themengruppen so weiter machten wie bisher. Im Gegenteil, wir würden sogar Jahr für Jahr schwächer werden. Denn die neoliberalen Angriffe wurden immer stärker und rauer. Somit war Müstereklerimiz für uns auch eine Frage des Überlebens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann kamen die Überraschungen: 1. Mai und Gezi. Eigentlich hatten wir nur vor, als Müstereklerimiz zusammen auf die Demo zu gehen. Wir erwarteten das Alltägliche: unter einer&amp;nbsp; Fahne gemeinsam zum Taksim-Platz zu laufen.Doch als das Verbot ausgesprochen wurde, auf dem Taksim zu demonstrieren, gingen wir nach Beşiktaş, um auf die Plätze zu gelangen. Damit begannen die Auseinandersetzungen mit der Polizei. Überraschenderweise blieben die Müstereklerimiz-Gruppen den ganzen Tag zusammen. Und am Ende des Tages waren wir immer noch 250 bis 300 Menschen. Viele davon bezeichneten sich als unabhängige Aktivist*innen. Und während des Widerstands am 1. Mai verschmolzen die Identitäten der Gruppen und Menschen. Nach dem 1. Mai wurden unsere Treffen größer, ca. 60 Menschen kamen und begannen zu diskutieren, was nun zu tun sei. Alle warteten auf den Pride March, der im Juni stattfinden sollte, denn er wäre das nächste Ereignis gewesen, zu dem die Massen wieder versuchen würden, auf den Taksim-Platz zu gelangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber dann brach Gezi aus. Natürlich war es nicht vorherzusehen, doch im Grunde war es genau das, was wir zuvor diskutiert hatten. Denn der Gezi-Park war ein Common-Raum, welcher der Gesellschaft entzogen wurde. Und dies brachte eine Menge an unterschiedlichen Gruppen und Bewegungen zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;¿Und was habt ihr als Gruppe während Gezi gemacht?&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Neben dem von Barrikade zu Barrikade rennen, übernahmen wir verschiedene logistische Aufgaben und organisierten Foren. Und wir versuchten bei den regelmäßigen Treffen der Plattform Taksim-Solidarität (1) zu intervenieren, denn Taksim-Solidarität war dabei, die Dynamik der Proteste zu bestimmen. Wir versuchten als Müstereklerimiz zusammen zu agieren und unsere Vorschläge, Konzepte, aber auch unsere Sorgen in diese Treffen zu tragen. Manchmal waren wir erfolgreich mit diesen Interventionen und manchmal nicht. Unser Misserfolg war auch der hektischen Atmosphäre von sich überschlagenden Ereignissen geschuldet.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Könnt ihr Beispiele für eure Interventionen in die Diskurse und Strategien geben? Was waren die Positionen, die ihr versucht habt in die Taksim-Solidarität zu tragen?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Unser grundlegendes Prinzip war die Foren-Mentalität. Egal welche Entscheidung zum Schicksal der Besetzung des Parks getroffen wurde, wir verwiesen immer auf die Vielfalt an Akteur*innen, die bei der Besetzung involviert waren und dass dies berücksichtigt werden müsste. Wir wollten, dass die Taksim-Solidaritätsplattform mit dem, was draußen im Park passiert, organisch verschmilzt. Ihr müsst wissen, in der Taksim-Solidaritätsplattform waren neben Repräsentant*innen der Zivilgesellschaft und einigen Individuen, viele traditionelle sozialistische Gruppen und Parteien. Und diese taten genau das, was sie traditionell tun: lange Reden halten, das Aufkommen des Kapitalismus analysieren, Diskussionen führen, ob Gezi nun eine Revolution sei oder nicht, ob der Protest geleitet werden müsse oder nicht und ob die Regierung zurücktreten müsse - endlose Diskussionen eben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir hingegen verwiesen darauf, dass Gezi an sich eine große Herausforderung für die gesamte linke Opposition sei, denn die Linke in der Türkei ist immer noch schwach, was die Fähigkeit zur Organisierung und Intervention angeht. Wir plädierten dafür, allein schon als Erfolg für uns alle zu werten, dass eine so große Gruppe aus Organisationen und Menschen gemeinsam gegen die Plünderung des öffentlichen Raums protestierte. Und für uns ging es darum, dies als einen Meilenstein anzuerkennen, auf dessen Grundlagen wir gemeinsam weitere Methoden der direkten Demokratie erarbeiten konnten, um den Widerstand nachhaltiger zu gestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Taksim-Solidarität als Dachorgan hatte nicht verstanden was im Park passierte. Die Menschen im Park experimentierten bereits mit verschiedenen Formen von Versammlungen und Foren. Und das war schon bevor Taksim-Solidarität dazu aufrief, Foren einzurichten. Zu Beginn der Proteste behandelten viele der sozialistischen Gruppen die Treffen der Taksim-Solidarität als wären sie Orte, wo ihre Argumente über denen der anderen stehen würden. Unsere Position hingegen war, dass Taksim-Solidarität, egal wie unvorbereitet es auf einem so großen Event zuging, die einzige übergeordnete legitime Institution für politische Entscheidungen sei. Und wir setzten uns dafür ein, dass es bei gemeinsamen Treffen und Events nur die Fahnen der Taksim-Solidarität gibt. Diese Intervention war wichtig, denn ein solches Event braucht eine Form von legitimiertem politischem Zentrum. Nicht im traditionellen, sondern in einem demokratischen Sinn. Und das beinhaltet auch ein kontinuierliches Feedback zwischen dem Zentrum und der Basis.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Welche Bedeutung hatte Gezi für euch als Müstereklerimiz und für euren Organisierungsprozess?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Während Gezi fühlten sich viele Menschen von Müstereklerimiz angezogen und wir hatten große Treffen mit über 100 Teilnehmer*innen. Ihnen gefiel unsere horizontale und auf Konsens basierende Form der&amp;nbsp; Organisierung, die nicht so starr wie die der meisten linken Parteien ist und durch die wir handlungsfähiger waren. Im Laufe der Zeit haben wir aber feststellen müssen, dass die Gruppen von Müstereklerimiz nicht größer, sondern eher kleiner wurden. Denn viele hatten scheinbar kein Interesse, Teil einer festen Gruppe zu werden und Energie in diese zu stecken. Das wurde zu einer zentralen Frage, die wir bis jetzt nicht lösen konnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und nach Gezi veränderten sich die Fragen der Organisierung auch komplett. Denn die festen Gruppen von Müstereklerimiz verschwanden fast ganz und die unabhängigen Aktivist*innen wurden prominenter. Und darin liegt die Ironie und die Widersprüchlichkeit: wir als Müstereklerimiz versuchten traditionelle Formen der Organisierung zu vermeiden, aber Gezi machte genau diese Form irgendwie auch aufregend für viele Menschen. Vielleicht nicht die ganz traditionellen Formen, aber wenigstens klare Organisationsformen. Menschen dachten, dass sie nach ihren Kämpfen in Gezi jetzt irgendwo Mitglied werden müssten. Und sie suchten nach Adressen, wo sie sich anschließen konnten. Aber Müstereklerimiz ist nicht die Adresse für diese Form, denn wir können nicht sagen „unterschreibe hier und du bist ein Mitglied von uns“. Angesichts der Widersprüchlichkeit dieser Entwicklungen müssen neue Formen der Organisierung gefunden werden. Diese dürfen nicht vollkommen lose sein, aber wir als Müstereklerimiz wollen auch keine festen Gruppen mit einer zu starken Identität aufbauen. Denn Müstereklerimiz ist eine Idee, eine Basis, die sich noch immer entwickelt und die schwer zu fixieren ist.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Angesichts der beschriebenen Probleme, würdet ihr sagen, dass ihr nun, fast ein Jahr nach Gezi, in eurem Organisierungsprozess einen Schritt weiter seid?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Also ich würde fast sagen, dass wir einen Schritt zurück sind. Gezi ballte alles Potential linker Politik und Kapazitäten zu Organisierung und Protest. Auf der anderen Seite brannten viele Menschen, auch auf Organisationsebene. Die Natur der Krise, in der die Linke steckt, ist, dass niemand eine solide Antwort auf die Frage nach neuen Organisierungsformen hat. Thematisch gesehen erweiterten viele traditionellere Parteien ihr Spektrum und begannen sich zum Beispiel mehr mit ökologischen, feministischen und LGBT-Fragestellungen zu beschäftigen. Aber was die Frage nach Organisierungsformen angeht, sind wir immer noch in einem, ich würde fast sagen zurückgebliebenen Zustand. Menschen experimentieren mit verschiedenen Formen und imitieren auch europäische, wie zum Beispiel die Piraten-Partei. Und alle waren optimistisch über die Foren, die wie Pilze in den Parks wuchsen, nachdem die Polizei den Gezi-Parkgestürmt hatte (circa 40 in Istanbul und weiteren Städten). Aber viele der kleineren Foren verschwanden nach einiger Zeit und nur wenige machten weiter. Zumindest in Istanbul sind wir wieder auf die traditionell linken Stadtteile begrenzt. Es waren die Foren in diesen Stadtteilen, die überlebten und nun anfangen mit neuen Formen von Konflikten, wie zum Beispiel Hausbesetzungen, zu experimentieren. Aber wie gesagt, die Erfahrungen und die Debatten mit und über diese Formen sind noch sehr jung. Und im Zusammenhang einer spektrenübergreifenden Diskussion um die Frage nach neuen Formen der Organisierung, die besonders die neu Politisierten der Gezi-Bewegung einfordern, haben wir noch keine Antwort gefunden. Und es ist eine sehr ermüdende Debatte, denn sie ist sehr kompliziert und anspruchsvoll. Es muss die Geschichte der Linken mitberücksichtigt werden und es braucht großen Enthusiasmus um Schritte nach vorne zu gehen. Nicht alle sind bereit, diese zu führen. Ich denke, wir sind gerade an einem weiteren Moment des Stillstands dieser Debatte und nehmen uns die Zeit, über einige Dinge nachzudenken.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Was war bis jetzt das Ergebnis dieser Analyse und welche Politik ergibt sich daraus für euch?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Allgemein sehen wir nach Gezi zwei sehr verschiedene Ebenen, auf denen Politik gemacht wird. &lt;em&gt;A&lt;/em&gt;uf der politischen Makroebene findet zurzeit die Diskussion um die Kommunalwahlen statt. Auf der Mikroebene passieren Besetzungen,&amp;nbsp;Guerilla-Gardening und vieles mehr – kleine,&amp;nbsp; basisorientierte Protestformen. Als Müstereklerimiz diskutieren wir, wie wir für unsere Politik einen Mittelweg finden können. Eine Politik der mittleren Ebene, die die Trennung zwischen den Ebenen aufbrechen könnte, die die politische Basis berührt und einen breiten gesellschaftlichen, antikapitalistischen Diskurs erzeugt. Denn Guerilla-Gardening ist an sich politisch, aber es produziert keinen politischen Diskurs über sich selbst. Und wir wollen nicht einfach Gemüse anbauen oder ein Haus besetzen, nur weil wir eine Gemeinschaft haben wollen. Auf der anderen Seite wollen wir auch nicht einfach eine Partei wählen. Denn wir haben immer gesagt, dass Gezi nicht mit Wahlen entschieden werden kann. Für uns sind Foren, Versammlungen und Hausbesetzungen wichtiger.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;¿Könnten wir zugespitzt sagen, dass die Zeit der Gezi-Kommune mit ihren Foren und ihren Utopien zu Ende ist und die „Realpolitik“ wieder das Feld der politischen Diskurse bestimmt?&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Wir haben unsere klare Perspektive verloren, die wir im Gezi-Park entwickelten. Diese war: egal wer uns regiert, wir haben eine eigene Agenda für unseren Kampf. Und diese Agenda bestand im Grunde nicht aus der Forderung, dass die Regierung oder Erdoğan zurücktreten müsse. Vielmehr war das Motto „Das ist erst der Anfang, der Kampf geht weiter“ (2). Und das war ein erfolgreiches Wiederaufblühen neuer Formen antikapitalistischer Kämpfe. Aber nun sind wir dahinter zurückgefallen, denn die Frage ist wieder mal, wer regiert. Und diese historisch nicht neue Entwicklung ist sehr gefährlich für erfolgreiche Basispolitik. Aufstände haben ein sehr ermächtigendes Moment, aber wenn sie vorbei sind, haben Bewegungen es sehr schwer. Ich denke das ist nicht nur für uns in der Türkei so, sondern immer und überall. Menschen erfahren diese begeisternden Momente und sind überwältigt davon. Was danach kommt, fühlt sich oft so an, als ob es sich komplett deiner Kontrolle entzieht. Oder die Fragen sind so groß, dass du nicht weißt, wie du sie beantworten sollst, oder du fühlst dich einfach nur traurig. Was tust du mit dieser Traurigkeit nach einer Zeit von so viel Begeisterung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Uns muss auch klar sein, dass, egal wie groß die vergangenen Aufstände waren, die Linken in der Türkei immer noch in einer defensiven Position sind. Die letzten 15 Jahre waren Jahre einer starken neoliberalen Regierung mit konservativen Idealen. Und diese Regierung hatte, egal wie fragil, eine soziale Legitimität, eine große Wähler*innenbasis. Daher ist es immer noch eine der wichtigsten Aufgaben, einen Block gegen diese neoliberalen Angriffe zu bilden.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Fri, 31 Jul 2015 12:35:55 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Absehbare Spiele durchbrechen</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/47/absehbare-spiele-durchbrechen</link>
 <description>&lt;p&gt;Jasmin İhraç ist zeitgenössische Tänzerin, Choreographin und Soziologin. Anfang Juni 2013 war sie in Istanbul, um sich an den Protesten­ gegen die Räumung des Gezi-Parks zu beteiligen. Zunächst engagierte sich ein kleines Forum gegen den Bau eines Einkaufszentrums auf dem Gelände des Parks. Ende Mai 2013 kam es zur Räumung des Protestcamps und zu massenhaften Solidaritätsaktionen, die sich auch allgemeiner gegen die restriktive Politik der Regierung Erdoğan richteten. Das gewaltsame Vorgehen der Polizei hat zu einer Ausweitung der Solidarität in anderen Städten der Türkei und darüber hinaus geführt. Wir sprachen mit Jasmin über verschiedene Formen den Körper im Rahmen des Protests einzusetzen, die Rolle des Humors in der Bewegung, die Rezeption in Sozialen Medien, Anknüpfungspunkte für solidarische Praxen und das Potenzial der Kunst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Was war deine Motivation Anfang Juni 2013 nach Istanbul zu fahren und was waren deine Eindrücke als du dort angekommen bist?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jasmin: Als ich mich entschlossen habe, nach Istanbul zu fahren, liefen die Proteste schon eine Woche und ich hatte die Ereignisse über Facebook und Twitter verfolgt. Sowohl in der deutschen als auch in der türkischen Presse hat man zu der Zeit noch nichts berichtet. Online las ich über die massiven Polizeieinsätze und gleichzeitig darüber, was im Park passiert und wie sich die Leute organisieren. «Es passiert gerade die Revolution», war mein Gefühl. Wegen der gewalttätigen Bilder hatte ich zunächst Angst, aber schließlich bin ich losgefahren.&lt;br /&gt;Nach meiner Ankunft sind mir vor allem die Graffitis auf der Istiklal-Straße aufgefallen. «Tayyip tritt zurück» oder «Boyun egme» (Ergib dich nicht.). Es gab dort Straßenverkäufer, die Schals mit der Aufschrift Çapulcu&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_9jafr49&quot; title=&quot;Çapulcu – zunächst bezeichnete Erdoğan die Protestierenden als Çapulcus ­(Marodeure, Plünderer, Räuber). Die Protestierenden griffen den Begriff auf und bezeichneten sich selbst so.&quot; href=&quot;#footnote1_9jafr49&quot;&gt;1&lt;/a&gt; und Gasmasken verkauften.&lt;br /&gt;Als ich dann auf dem Taksim-Platz ankam, herrschte dort eine ganz besondere Stimmung. Es war ein totales Freiheitsgefühl. Musik, Tanz, Essen… Noch mehr Leben als dort ohnehin schon ist.&lt;br /&gt;Die große Solidarität war überall rund um den Platz und im Park spürbar: Zum Beispiel haben die Hotels während der gesamten Zeit Verletzte aufgenommen und ihr Internet zur Verfügung gestellt. Das war wichtig, weil der Online-Zugang teilweise eingeschränkt wurde und das Internet eine wichtige Rolle in der Organisation und der Verbreitung von Informationen gespielt hat. Es gab mehrere Pressestationen, Infozelte politischer Gruppen und das Taksim Daynışma Forum, die die Asambleas und alle weiteren Aktionen koordiniert haben. An die konnte man sich immer wenden, wenn man Fragen hatte. Im Park fanden Workshops, Seminare oder auch Kurse wie Yoga statt. Solche kleinen Events waren Teil der Alltagsorganisation im Park. Das waren keine spektakulären Aktionen, aber ein ganz wichtiger Teil des Protests. Diese Praxen – unter Einsatz der Körper der Protestierenden – fand ich sehr auffällig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Was für performative Praxen sind dir auf oder rund um den Platz noch aufgefallen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Beispiel das gemeinsame Tanzen. Der Tanz bekommt eine andere Bedeutung, wenn das in so einem Kontext zusammen Seite an Seite geschieht. Oder das Fastenbrechen, was ich von zu Hause dann weiter verfolgt habe. An Ramadan hat die Regierungspartei Akp auf dem Taksim-Platz ein gemeinsames Essen an schön gedeckten Tischen organisiert. Als Gegenaktion haben die Protestierenden die ganze İstiklal-Straße in eine riesige Tafel verwandelt. Es wurden kilometerweit Tischtücher ausgebreitet und gemeinsam gegessen.&lt;br /&gt;Neben der Aktion vom &lt;em&gt;duran adam&lt;/em&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_bud1omh&quot; title=&quot;duran adam – standing man, der stehende Mann ist zu einer ikonischen Figur geworden, mehrere Stunden hat Erdem Gündüz auf dem Taksim-Platz gestanden und in vielen Städten wurde das Stehen als Motiv aufgegriffen.&quot; href=&quot;#footnote2_bud1omh&quot;&gt;2&lt;/a&gt; gab es auch Ziyah Azazi, der als Performer – inspiriert von den Derwischen – schon lange eine Praxis des Drehens hat. Auf dem Taksim-Platz gibt es Aufnahmen von ihm, wo er sich während des Drehens eine Gasmaske auszieht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daneben gab es eine Vielzahl von Plakaten, Zeichnungen, Graffitis und Grafiken. Darüber sind ikonische Figuren entstanden, die wie Superhelden immer wieder auftauchen. Der &lt;em&gt;duran adam&lt;/em&gt;, die Frau im roten Kleid, der &lt;em&gt;talcid man&lt;/em&gt;, der Talcid als Gegenmittel gegen das Tränengas sprüht, die Frau im schwarzen Kleid, der nackte Mann. Diese Bilder kursierten über Facebook.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Den Körper widerständig einzusetzen ist ja ein klassisches Mittel: sich dem Wasserwerfer entgegenstellen, Ketten bilden. Spannend aber, dass es scheinbar auch ganz andere Möglichkeiten gibt, den eigenen Körper widerständig werden zu lassen: zu tanzen, sich zu drehen oder einfach nur still da zu stehen. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, das stimmt. Es hat einfach in verschiedenen Momenten stattgefunden. Es gab auch die ganz klassische Konfrontation, wo die Leute­ sich dem Tränengas entgegengestellt haben. Zum Beispiel hat aber der duran adam in einem bestimmten Moment das richtige gemacht. Er hat eine Lücke gefüllt, die man mit einer weiteren Forderung oder einer normalen Besetzung gar nicht hätte so stark machen können. Deshalb finde ich genau diesen Platz, den Performance in dieser Lücke einnimmt, so super, weil sie ein absehbares Spiel durchbricht. ­Gewalt, dann Gegengewalt – eine berechenbare oder zumindest absehbare Auseinandersetzung. So eine Aktion wie das Stehen hat diese Logik vollkommen durchbrochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Waren solche Aktionen vor allem für die Kommunikation untereinander wichtig oder hatten sie auch eine strategische, weil öffentlichkeitswirksame Komponente? Ging es darum, Bilder, Symbole zu erzeugen, die weltweit rezipiert werden können? Oder hat sich die Ikonografie einfach aus der Dynamik entwickelt?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Distribution und Rezeption waren natürlich wichtig. Man konnte live mitverfolgen, dass der duran adam dort auf dem Platz steht – und immer noch da steht und dass die Leute sich dazugestellt haben – auch einzeln. Sowohl in Istanbul als auch in anderen Städten ging das noch Tage oder Wochen so weiter. Dort standen auf einmal Leute still oder es wurden stellvertretend Schaufensterpuppen aufgestellt. So gab es verschiedene Arten der Bezugnahme und der Solidarität, wodurch sich der Protest ausgeweitet hat. Das Stehen ist genial: das kann fast jede_r machen und sowohl Hemmschwelle als auch Organisationsaufwand sind niedrig. Die Spontaneität dieser Organisierung war bei vielen dieser Praxen ein wichtiger Aspekt, sie entstand im Moment.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese performativen Praxen und Bezugnahmen waren total wichtig, was aber auch eine wichtige Rolle gespielt hat, waren die Asam­bleas, die im Gezipark und als das nicht mehr ging, in anderen Parks, stattgefunden haben. Es wurden konkrete Fragen besprochen, was ist mit dem Müll, was ist mit dem Alkohol, wie kriegen wir es hin, dass die Zelte nicht zu eng stehen, damit nichts passiert, wenn die Polizei kommt. Das waren ja konkrete Fragen, für die man Lösungen finden musste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Was war denn neben den akuten praktischen Fragen und dem gemeinsamen Widerstand gegen die Polizeieinsätze das inhaltlich Verbindende auf dem Platz?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die konkreten Forderungen waren ganz klar formuliert: 1. Der Tränengaseinsatz muss gestoppt werden, 2. die Festgenommenen sollen frei gelassen werden, 3. der Gezi-Park soll erhalten bleiben, 4. die Leute, die für die Gewalt verantwortlich sind, sollen zur Verantwortung gezogen werden, 5. die dritte Brücke soll nicht gebaut werden. Das sind ja sehr konkrete Forderungen, auf die man sich leicht einigen kann und gleichzeitig haben sie eine große symbolische Bedeutung. Das fand ich sehr intelligent.&lt;br /&gt;Diese Forderungen haben ganz unterschiedliche Gruppen ­geteilt: kemalistische Gruppen, kurdische Gruppen, Leute die sonst nicht miteinander geredet hätten, waren gemeinsam im Park. Es gab auch Auseinandersetzungen, klar. Aber auf die Forderungen konnte man sich einigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinzu kamen verschiedene konkrete Anlässe, auf die kritisch reagiert wurde. Als &lt;em&gt;CNN International&lt;/em&gt; über die Proteste berichtet hat, hat &lt;em&gt;CNN Türk&lt;/em&gt; eine Dokumentation über Pinguine gezeigt. Von dem ­Moment an sind überall Pinguine aufgetaucht: in Songs, als eine Tanz-Bewegung, als Verkleidung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oder als Erdoğan sich an die Mütter der vielen jungen Protestierenden gewandt und gefordert hat, dass sie «jetzt ihre Kinder nach Hause holen». Anstatt ihre Kinder abzuholen sind abends viele Mütter zum Taksim-Platz gekommen, haben um die Zelte Halay getanzt und Transparente aufgehängt, auf denen stand «Die Mütter sind da und schützen ihre Kinder. Hier sind die Mütter, die du haben wolltest.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interessant war auch, dass Geldscheine als Kommunikationsmittel genutzt wurden: z.B. gab es einen 14-jährigen Jungen, der – unterwegs zur Bäckerei – von einer Gaskapsel getroffen wurde und seitdem im Koma liegt. Jemand hat dann auf einem Geldschein geschrieben: «Wenn du mit diesem Geldschein Brot kaufen gehst, riskierst du, von einer Gaskapsel getroffen zu werden. X liegt immer noch im Koma.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann gab es den «Widerstand der Schwangeren». Im Fernsehen hatte der Anwalt İnançer gesagt, dass Schwangere aus ästhetischen Gründen ab dem siebten Monat nicht mehr auf die Straße gehen sollten. Über das Twitter-Hashtag &lt;em&gt;#direnhamile&lt;/em&gt; (Widerstand Schwangerer) organisierte sich sofort Protest, worauf es in Istanbul eine große Demo von Schwangeren gab, die ihre Bäuche bemalt haben. Auch in Antalya und Izmir gab es diese Demos und sie haben großartige Bilder produziert. Das sind konkrete (Re)Aktionen auf konkrete Umstände, die im konkreten Moment Sinn gemacht haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Bemerkenswert ist bei deinen Erzählungen, welche Rolle der Humor gespielt hat. Es ist schwer vorstellbar, in einer Situation, die immer wieder von heftiger Gewalt geprägt ist, Humor zu behalten und aktiv strategisch zu nutzen. Das lässt sich nur schwer mit dem Bild der klassischen revolutionären 1. Mai-Demo vereinen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Humor spielte eine sehr wichtige Rolle. Schließlich gibt es 8 000 Verletzte, sechs Menschen sind gestorben, es wurden sehr viele verhaftet,­ ein Junge liegt noch im Koma, einige Leute sind vom Tränengas erblindet. Dieser Aspekt hat etwas furchtbar beklemmendes. ­Gleichzeitig liegt in dem Umgang damit, der sich aus der Situation ergeben hat, die Stärke. Es hatte mit dem Verlust der Angst und der Weigerung sich einschüchtern zu lassen zu tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Bei deinen Berichten habe ich das Gefühl, dass viele dieser Bilder – gerade in linken Zusammenhängen – hier gar nicht rezipiert werden. Es fühlt sich eher nach der 10 0000sten Reproduktion von Riot-­Bildern an, wo sich jede_r sagt: «Schlimm, hab ich aber tausendmal gesehen, Nächstes bitte.» Das wird der Vielfalt der Aktionen in Istanbul scheinbar nicht gerecht. Da stellt sich für mich die Frage, welches Potential können solche Bilder eigentlich noch entfalten? Und motiviert die Strategie, den Staat immer wieder aufs Neue als Gewaltakteur zu markieren, hier tatsächlich Leute dazu, mittels irgendeiner Form der politischen Praxis zu intervenieren?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist mir auch bei einer Veranstaltung im SO36 aufgefallen. Es ging es um die Proteste und sämtliche Bilder konzentrierten sich ausschließlich auf die Polizeigewalt. Meine Freund_innen und ich haben im Kontext der Proteste ganz viel anderes erlebt. Die starken Bilder sind für mich die aus dem Park, all das was dort parallel passiert ist. Ich glaube, nur deswegen ließ sich auch mit der ganzen Gewalt umgehen. Ohne diese Erlebnisse hätte sich die Bewegung ganz leicht niederschlagen lassen. Der Pianist, der seinen Flügel zum Taksim-Platz gebracht hat, um dort zu spielen zum Beispiel: Dem Abend, an dem er spielte war ein Tränengaseinsatz von 14 Stunden vorangegangen und abends waren die Leute eben wieder zu vielen Tausenden auf dem Platz. Die Bildstereotype der Gewalt motivieren nicht gerade dazu, selber aktiv zu werden. Als ich diese Bilder gesehen habe, war die Reaktion eher Verzweiflung. Mir erscheinen die Mittel, die Menschen und ihren Protest von hier aus zu unterstützen dann noch viel begrenzter. Wenn ich hingegen sehe, was die Leute dort eigentlich machen, entdecke ich auch ganz andere Möglichkeiten ihren Kampf zu unterstützen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Du hast im Juni auf dem Tempelhofer Feld eine &lt;a href=&quot;http://vimeo.com/68966092&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Solidaritätsperformance&lt;/a&gt; initiiert, an der mehrere Leute teilgenommen haben. Was habt ihr dort gemacht?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte etwas machen, was einerseits eine Solidaritätserklärung mit den Protesten ist und andererseits performativ an den duran adam anschließt. Ich wollte aber nicht nur das Stehen reproduzieren, sondern habe überlegt, wie sich dieser Widerstand mit mehreren Leuten körperlich machen lässt. Die Idee war dann, 10 Minuten zu stehen, 10 Minuten zu sinken, 10 Minuten zu liegen, 10 Minuten aufzustehen und 10 Minuten zu stehen. Dabei sollte die Haltung aber auch immer widerständig sein: Sich dem Boden nicht hinzugeben, selbst wenn man liegt. Innerhalb der Gruppe hatte das gemeinsam Sinken und gemeinsam wieder Aufstehen – langsam – den Effekt, dass ­dadurch dieses zweite Stehen ein ganz anderes, viel stärkeres Stehen wurde, als das erste es war. Die Performance wurde abgefilmt, denn mir war die Verbreitung sehr wichtig, ich wollte das über Facebook verteilen und an die Leute in der Türkei schicken. Bei solch einer Form der Solidarität zeigt sich die Stärke der sozialen Medien, die Leute in Istanbul haben es gesehen und sich als Unterstützung der Proteste sehr darüber gefreut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Wie wurde die Performance in der konkreten Situation auf dem Tempelhofer Feld angenommen? Haben die Leute den Bezug zu Istanbul verstanden? Gab es Erklärungen dazu oder war es ohnehin stärker auf die Rezeption über Medien angelegt?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Frage habe ich mir zunächst auch gestellt. Für mich war der Akt der Solidarität erst mal wichtiger. Der unmittelbare Effekt der Performance war da sekundär. Einige Leute haben sich das aber wirklich 50 Minuten lang angeschaut. Einige junge Mädchen haben sogar ­gefragt, ob das etwas mit Taksim zu tun hat – die haben da schon ­Bezug genommen, wohl vor Allem durch das Stehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Sprechen wir nochmal über dein Leben als Soziologin und Künstlerin. Ich erlebe Kunst und Politik oft als sehr voneinander getrennt gedachte Bereiche. Wie du berichtet hast, haben sich diese Bereiche in der Praxis der Proteste in der Türkei stark überlagert. Wie fühlt sich das für dich an, wenn du dich sowohl in politischen Kontexten als auch in künstlerischen Kontexten bewegst? Wie viel Wert misst du dem Brücken schlagen an dieser Stelle bei? Man könnte ja auch sagen, dass Kunst und Politik wunderbar parallel existieren können. Oder anders gefragt: Was ist mit Sprache? Existiert in der Vermittlung zwischen beiden Bereichen so etwas wie eine gemeinsame Sprache? Vielleicht liegt der Widerspruch auch weniger zwischen Kunst und Politik, als zwischen Kunst und Wissenschaft, von wissenschaftlichen Zugängen geprägte Politik?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für mich ist die Vielzahl der Mittel wichtig, also nicht das eine oder andere exklusiv zu denken. Der Einsatz von verschiedenen Mitteln in verschiedenen Momenten an verschiedenen Orten birgt ein größeres Potential als die immer gleichen Orte mit den gleichen Mitteln zu bespielen. Eben nicht zu sagen, eine Demo muss immer einen Redebeitrag haben usw. sondern kann auch anderes beinhalten, performative Sachen wie zum Beispiel Steine schmeißen ohne Steine. Das ist nicht meine Idee, aber ich finde sie super, weil das ein performatives Mittel ist, das zunächst eine Verunsicherung erzeugt. Man sollte sich nicht davor verschließen, dass all solche Formate und unterschiedliche Sprachen parallel existieren dürfen, aber sie sollten gerade in ihrer Vielfalt zum Einsatz kommen. Das wäre wichtig. Aber ja, ich glaube, dass bestimmte Praxen eben auch nur in bestimmten Momenten entstehen können, dass es auch falsch wäre, krampfhaft etwas hier und jetzt erzeugen zu wollen – das funktioniert einfach nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;¿Welches politische Potenzial misst du der Kunst oder dem künstlerischen Ausdruck an sich bei? Oftmals entstehen bei Verbindungen zwischen Kunst und Politik instrumentelle Verhältnisse. Kunst wird dann schnell zu Agitprop, aber inwieweit kann denn auch der künstlerische Ausdruck in sich politisches Potential entfalten, ohne sich direkt in den Dienst einer konkreten politischen Strategie zu stellen? Wie ist denn das Verhältnis von Sprache und anderen Ausdrucksformen des Protests. Ist das noch mal eine ganz andere Form der Kommunikation als sprachliche Statements zu machen oder Forderungen zu formulieren? &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, das ist eine ganz wichtige Frage. Ich denke das kann nur funktionieren, indem man erst mal beiden Bereichen eine eigene Freiheit ­zugesteht und nicht versucht direkt zu übersetzen: Ich möchte eine politische Aussage treffen und mache deshalb dazu einen Tanz oder male etwas. Da kann es leicht passieren, dass man nachher denkt: «Hättest Du besser mal einen Text geschrieben.» In einem Moment, wo du so klar hast, was du sagen möchtest, ist es besser es zu sagen. Es ist also eine Frage der Notwendigkeit. Wenn Dinge nicht mehr sagbar sind oder sich nicht mehr sagen lassen, kann eine Notwendigkeit entstehen, dies zum Beispiel über den Körper auszudrücken. Dann macht es Sinn, dann ist es auch stark. Deswegen ist etwas Performatives, wie der duran adam, auch stark, weil es in dem Moment eine Notwendigkeit gab, Dinge über den Körper auszusprechen. Was nicht passieren sollte, ist der Versuch einer direkten Übersetzung.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_9jafr49&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_9jafr49&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; Çapulcu – zunächst bezeichnete Erdoğan die Protestierenden als Çapulcus ­(Marodeure, Plünderer, Räuber). Die Protestierenden griffen den Begriff auf und bezeichneten sich selbst so.&lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_bud1omh&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_bud1omh&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; &lt;em&gt;duran adam&lt;/em&gt; – standing man, der stehende Mann ist zu einer ikonischen Figur geworden, mehrere Stunden hat Erdem Gündüz auf dem Taksim-Platz gestanden und in vielen Städten wurde das Stehen als Motiv aufgegriffen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Sun, 10 Nov 2013 14:22:43 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Feministische Politiken in der Türkei</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/45/feministische-politiken-in-der-tuerkei</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Bereits in der Spätphase des Osmanischen Reiches im 19. Jahrhundert  organisierten sich gebildete Frauen innerhalb der Istanbuler Oberschicht  als Feministinnen und kämpften für Frauenrechte,&amp;nbsp; für den Zugang von  Frauen zu Bildung und Erwerbsarbeit, die Abschaffung der Polygamie und  der &lt;em&gt;Peçe&lt;/em&gt;, einer islamischen Gesichtsbedeckung. Diese  Gruppierungen, in denen auch armenische Frauen aktiv waren, waren durch  europäische feministische Bewegungen beeinflusst. Sie gaben  Frauenzeitschriften in verschiedenen Sprachen heraus und&amp;nbsp; es entstanden  wohltätige, kulturelle, pädagogische sowie wirtschaftlich orientierte  feministische Frauenorganisationen.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Bereits in der Spätphase des Osmanischen Reiches im 19. Jahrhundert organisierten sich gebildete Frauen innerhalb der Istanbuler Oberschicht als Feministinnen und kämpften für Frauenrechte,&amp;nbsp; für den Zugang von Frauen zu Bildung und Erwerbsarbeit, die Abschaffung der Polygamie und der &lt;em&gt;Peçe&lt;/em&gt;, einer islamischen Gesichtsbedeckung. Diese Gruppierungen, in denen auch armenische Frauen aktiv waren, waren durch europäische feministische Bewegungen beeinflusst. Sie gaben Frauenzeitschriften in verschiedenen Sprachen heraus und&amp;nbsp; es entstanden wohltätige, kulturelle, pädagogische sowie wirtschaftlich orientierte feministische Frauenorganisationen. &lt;br /&gt;Nach Gründung der türkischen Republik im Jahre 1923 wurden Teile der Frauenbewegung nach und nach in den Staatsapparat integriert oder aber verboten. Der sogenannte Staatsfeminismus etablierte sich als Teil der Modernisierungsbestrebungen von Präsident Mustafa Kemal Atatürk nach westlichem Vorbild. Die Vielehe wurde verboten, Scheidungs- und Erbrechte zwischen den Geschlechtern egalisiert. &lt;br /&gt;Das bereits jahrzehntelang von Feministinnen eingeforderte Wahlrecht für Frauen wurde schließlich 1934 eingeführt. Die türkische Frau galt offiziell als emanzipiert und befreit. Eine große Diskrepanz zwischen formalen Rechten und der gesellschaftlichen Position der Frauen in der Türkei blieb aber bestehen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Zweite Welle der Frauenbewegung in den 1980er Jahren&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Trotz staatskritischer sozialer Bewegungen in den 1960er und 1970er Jahren spielten feministische Organisationen und Diskurse erst wieder in der Türkei der 1980er Jahre eine bedeutendere Rolle. Nach dem türkischen Militärputsch 1980 und dem damit zusammenhängenden staatlichen Verbot aller politischen Vereinigungen begannen sich Frauen in Leserunden zu treffen und gemeinsam feministische Literatur zu diskutieren. In den sogenannten Selbsterfahrungsgruppen, die sich vor allem in Istanbul, Ankara und Izmir bildeten, reflektierten die Frauen ihre eigene sozialistische Vergangenheit und analysierten auch die patriarchalen Verhältnisse in den linken Bewegungen. Die Frauen, meist Akademikerinnen, Künstlerinnen und Journalistinnen, begannen aus einer feministischen Perspektive heraus das Konzept der türkischen Familie sowie das damit verbundene geschlechterspezifische Rollenverhalten zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den folgenden Jahren wurden unabhängige feministische Frauenzeitschriften wie &lt;em&gt;Feminist &lt;/em&gt;(1987-1990) und &lt;em&gt;Kaktüs&lt;/em&gt; (1988-1990) gegründet, um insbesondere Formen von sexistischer Gewalt und geschlechtsspezifisch strukturierter Herrschaft in der Türkei öffentlich sichtbar zu machen. 1987 organisierten autonome Feministinnen erste öffentliche Demonstrationen gegen männliche Gewalt in Istanbul und Ankara. Es folgten Kampagnen gegen sexuelle Belästigung und für die Selbstbestimmung über den weiblichen Körper. Kritisiert wurde auch der türkische Staat, der die Gewalt gegen Frauen durch staatliche Institutionen wie Justiz oder Polizei nicht verhinderte und damit in gewisser Weise legitimierte. Zum Beispiel galt durch das in den 1980er Jahren noch gültige Ehegesetz der Ehemann als „Oberhaupt der Familie“ über alle anderen Familienmitglieder,&amp;nbsp; ohne dessen Einwilligung die Ehefrau weder eine Abtreibung vornehmen noch einer Erwerbsarbeit nachgehen konnte.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ausdifferenzierung der Frauenbewegung seit den 1990er Jahren&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Der Schwerpunkt internationaler feministischer Debatten hat sich im Zuge der Anerkennung von Differenzen innerhalb der Kategorie Frau seit den 1990ern auf Fragen von Identitäten und damit zusammenhängenden Machtpositionen verschoben. &lt;br /&gt;So beziehen sich radikale, lesbische, queere, sozialistische, muslimische, kemalistische, kurdische oder armenische Feministinnen und Frauengruppen in der heutigen Türkei auf unterschiedliche Identitäten und Differenzen. In der Datenbank der Netzwerkorganisation &lt;em&gt;Fliegender Besen&lt;/em&gt; waren 2009 mehr als 370 Frauenorganisationen verzeichnet, die sich in Form von Frauenvereinen, Lobbygruppen, Frauenberufsverbänden, feministischen Gruppierungen, Frauenzeitschriften und feministischen Zeitschriften oder Blogs organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch die Formierung der Homo-, Bisexuellen- und Trans*-Bewegung in der Türkei und die damit zusammenhängende Infragestellung von heterosexuellen Normvorstellungen führten zu einer Weiterentwicklung feministischer Perspektiven. &lt;br /&gt;Für die Sozialwissenschaftlerin Bihter Somersan besteht die Frauenbewegung in der Türkei heute aus zwei Gruppen: Zum einen kämpfen kemalistische „Gleichheitsfeministinnen“ neben der Forderung nach einer landesweiten rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung von Frauen im Bildungs- und Arbeitsbereich vor allem auch für eine ausreichende Repräsentation von Frauen im türkischen Parlament. Im Gegensatz dazu engagieren sich autonome Feministinnen, die sich aus sozialistischen, radikalen und kurdischen Feministinnen zusammensetzen, für eine grundlegende Transformation der patriarchal-hegemonialen Gesellschaftsstrukturen in der Türkei. &lt;br /&gt;So definiert die Aktivistin Cansu Karamustafa den Feminismus als „Kampf für die Freiheit, gegen alles sexistische und patriarchale Denken. Feminismus ist bedeutsam für mich, da dadurch die Gesellschaftsstruktur hinterfragt wird und somit eine Veränderung für alle impliziert ist.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch die Aktivistin Yasemin Öz betont ihr umfassendes Verständnis von Feminismus: „Feminismus ist für mich eine Ideologie; er thematisiert alle politischen Probleme und Fragen – sogar über die Wirtschaft und den Staat. [...] Ich habe alle Rechte wie jede andere Person auf der Welt, um nicht als Frau oder Lesbe diskriminiert zu werden. [...] Feminismus gibt mir die Macht und die Organisation, um gegen alle Ungleichheiten des Lebens zu kämpfen.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der muslimische Feminismus, der unter anderem die unreflektierte Rezeption westlicher feministischer Theorie im türkischen Kontext hinterfragt, ist ein neueres Phänomen. Die sogenannte Kopftuchdebatte, im Rahmen derer seit den 1980ern – und verstärkt seit dem erneuten Wahlsieg der islamischen Regierungspartei AKP im Jahr 2007 – über den freien Zugang von verschleierten Studentinnen zu Universitäten diskutiert wird, spaltet die Gesellschaft und die Frauenbewegung. Yasemin Öz beschreibt ihre Einstellung zur heftig geführten Debatte wie folgt: „Ein Kopftuch zu tragen akzeptiert die Religion, welche patriarchal strukturiert ist. Ich würde niemals ein Kopftuch tragen. Ich wünsche mir eine Welt, in der keine Frau ein Kopftuch trägt, um ihren Körper als sexuelles Objekt zu bedecken. Aber falls Frauen dies tun, haben wir kein Recht, sie von Bildung und Arbeit auszuschließen. Dies ist eine diskriminierende Praxis.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Während autonome Feministinnen sich um eine Annäherung mit religiös geprägten Frauengruppen bemühen, gibt es aufgrund von Repressionserfahrungen während der Militärdiktatur nur eine schwache Zusammenarbeit mit den kemalistischen Frauen. Um feministische Perspektiven weiterentwickeln zu können, sind zudem laut Bihter Somersan „Bündnisse mit anderen gegenhegemonialen sozialen Gruppen wie Anti-Militaristen, die LGBTT-Bewegung&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_odlsmai&quot; title=&quot;LGBTT steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell und transident und bezieht sich in diesem Kontext auf die Homo-, Bisexuellen- und Trans*-Bewegung in der Türkei. &quot; href=&quot;#footnote1_odlsmai&quot;&gt;1&lt;/a&gt; und die linke Bewegung“ wichtig.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Gemeinsame Themen und Praktiken der heutigen Frauenbewegung&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Trotz der Ausdifferenzierung seit den 1990er Jahren lässt sich heute zumindest partiell von einer Frauenbewegung sprechen, die über ideologische Grenzen hinweg gemeinsame Themen bearbeitet und öffentlich kritisiert. &lt;br /&gt;Als Reaktion auf den kriegerischen Konflikt zwischen der türkischen Armee und der Arbeiterpartei Kurdistans PKK im Osten der Türkei vertritt die feministische Bewegung heute meist eine antimilitaristische Position. Zudem wird der bereits in den 1980er Jahren eröffnete Diskurs über Geschlechterrollen und die Kritik an patriarchalen Strukturen in Familie, Wirtschaft, Armee, Staat und Religion fortgeführt. Durch die Thematisierung von sexueller Belästigung und Gewalt, von sogenannten Ehrenmorden, von Familien- und Kinderplanung, von Haushaltsarbeit sowie von Sexualität und Abtreibung wird das Privatleben auch von heutigen Feministinnen weiter politisiert. Eine wichtige gemeinsame Forderung der Frauenbewegungen ist zum Beispiel auch die Gründung und staatliche Förderung von Frauenhäusern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Aktivistinnen beobachten auch weiterhin die türkische Gesetzgebung aus einer feministischen Perspektive. In Folge der Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union sowie dem Druck der 2002 gegründeten „Frauenplattform des Türkischen Strafgesetzes“ (&lt;em&gt;TCK-Kadın Platformu&lt;/em&gt;) hat die Türkei 2004 das türkische Straf-, Zivil- und Familienrecht reformiert. Seitdem werden Frauen und Männer im Ehe-, Scheidungs- und Eigentumsrecht gleichbehandelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1990er Jahren wurden feministische Diskurse durch die Gründung von Frauenforschungsinstituten und universitären Studiengängen, beispielsweise an der Istanbul Universität und der Ankara Universität, institutionalisiert. Daneben erfüllt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift &lt;em&gt;Amargi &lt;/em&gt;seit dem Jahr 2006 eine wichtige Funktion in der feministischen Theoriebildung und Gesellschaftskritik. &lt;br /&gt;Auf institutioneller Ebene werden heute unter anderem Konzepte des Gender Mainstreaming, der Abbau von geschlechtlicher Diskriminierung insbesondere auf dem türkischen Arbeitsmarkt sowie eine Quotenregelung für Parteien diskutiert.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Bewertung der aktuellen feministischen Politiken&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Bihter Somersan zufolge war die feministische Bewegung der 1990er Jahre vor allem durch die Phase der Institutionalisierung und des „Projektfeminismus“&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_lhczc92&quot; title=&quot;Seit den 1990er Jahren fließen vermehrt zeitlich begrenzte Projektgelder in Organisationen, die sich landesweit mit Gewalt in der Familie, Analphabetismus oder Frauenarbeitslosigkeit auseinandersetzen und versuchen mit ihren oftmals von der Europäischen Union finanzierten Programmen sozial schwache Frauen in der Türkei zu fördern. &quot; href=&quot;#footnote2_lhczc92&quot;&gt;2&lt;/a&gt; sowie der sich daraus ergebenden innerfeministischen Debatten über „Institutionalisierung versus Autonomie“ geprägt. Seit dem Beginn des 21. Jahrhundert ist die feministische Bewegung aufgrund der Solidarität und Zusammenarbeit von verschiedenen Frauenorganisationen gestärkt worden. Besonders die &lt;em&gt;TCK&lt;/em&gt;-Frauenplattform für die Reform des Strafrechts ist aufgrund der konstruktiven Zusammenarbeit von Parlamentarierinnen, zahlreichen feministischen Organisationen und autonomen feministischen Aktivistinnen ein „Leitmodell für zukünftige feministische Solidaritätskampagnen und für weiteren politischen Aktivismus“.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Meinem Eindruck nach reagieren Feministinnen mit ihrer Kritik und ihren Strategien auf die vielfältige Gesellschaft in der heutigen Türkei. Sie hinterfragen nicht nur die Kategorie Gender, sondern versuchen auch weitere Machtverhältnisse und -hierarchien in ihre Kritik einzubeziehen. Die Anerkennung unterschiedlicher ethnischer oder sozialer Herkünfte sowie die Bedeutung von sexueller Orientierung prägen, wie die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, vermehrt feministische Diskurse in der Türkei. Auch die Aktivistin Hazal Havalut betont den kapitalismuskritischen Aspekt ihres feministischen Ansatzes: „Der Liberalismus ist eine große Herausforderung, da sich die Türkei sehr schnell in eine neoliberale Richtung entwickelt. Ich denke, wir sollten mehr über Ungleichheiten neben Gender-Ungleichheiten nachdenken und wie wir diese in unsere Politik einbeziehen können.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die feministische Bewegung in der heutigen Türkei scheint im Verhältnis zu Diskussionen in Deutschland insgesamt progressiver und radikaler. Eine Erklärung dafür könnte der bisher immer noch vergleichsweise geringe Institutionalisierungsgrad der Frauenbewegung&amp;nbsp; in der Türkei sein. Die feministische Bewegung, vertreten unter anderem durch die Beratungs- und Unterstützungseinrichtung &lt;em&gt;Mor Çati&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Amargi&lt;/em&gt; und das 2008 gegründete &lt;em&gt;Sozialistische Feministische Kollektiv&lt;/em&gt;, hat sich durch ihre bisherige (finanzielle) Autonomie ihre staats- und systemkritische Haltung bewahrt. Auch größere Widerstände in der Gesellschaft gegen die Emanzipation der Frau könnten als Begründung für radikalere Positionen dienen. Feministische Sozialwissenschaftlerinnen wie Bihter Somersan und Anıl Al-Rebholz warnen deshalb auch vor den Gefahren einer weiteren „NGOisierung“ der feministischen Bewegung in der Türkei und der damit zusammenhängenden finanziellen Abhängigkeit von supranationalen und internationalen Organisationen. Befürchtet wird ein Verlust der Radikalität feministischer Kritik, ein weniger nachhaltiger „Projektfeminismus“, die Professionalisierung sowie Elitisierung der Frauen-NGOs und der damit zusammenhängende Verlust des Kontakts zur Basis.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_odlsmai&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_odlsmai&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; LGBTT steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell und transident und bezieht sich in diesem Kontext auf die Homo-, Bisexuellen- und Trans*-Bewegung in der Türkei. &lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_lhczc92&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_lhczc92&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; Seit den 1990er Jahren fließen vermehrt zeitlich begrenzte Projektgelder in Organisationen, die sich landesweit mit Gewalt in der Familie, Analphabetismus oder Frauenarbeitslosigkeit auseinandersetzen und versuchen mit ihren oftmals von der Europäischen Union finanzierten Programmen sozial schwache Frauen in der Türkei zu fördern. &lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Tue, 28 Feb 2012 13:17:59 +0000</pubDate>
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 <title>Getting Rid of the Straight Taste</title>
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                    &lt;p&gt;In early 2010, a &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;queer  feminist work group&lt;/a&gt; formed  within FelS. No retreat of queer and feminist approaches to  niches, no  uninspired lingering in academia, no professional perishing  in gender  mainstreaming. Instead, we are preparing ourselves for a  vibrant,  broad, anti-capitalist queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our experience shows us that gender relations tend  to be considered as a transversal issue. However, in specific struggles they  are too often neglected. This is why we see  queer feminism as a  political field with its own practices that we want  to explore, rework  and reinvent. So we are at our beginning, but we  are not dealing with a  tabula rasa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This  collage is an attempt to get to know queer  feminism. We contacted queer  and feminist collectives in different  parts of the world in order to  hear about their struggles and political  practices, and to establish a  network between them and us. We sent a  questionnaire to collectives in  Istanbul, St. Petersburg, Jakarta,  Belgrade, Paris and Berlin. You can  read the full answers here. There  is also a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;go to the short version in German&quot;&gt;short&lt;/a&gt; and a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;go to the long version in German&quot;&gt;long&lt;/a&gt; version in German.&lt;/p&gt;

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        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;In early 2010, a &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;queer  feminist work group&lt;/a&gt; formed  within FelS. No retreat of queer and feminist approaches to niches, no  uninspired lingering in academia, no professional perishing in gender  mainstreaming. Instead, we are preparing ourselves for a vibrant, broad,  anti-capitalist queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our experience shows us that gender relations tend  to be considered as a transversal issue. However, in specific struggles they are too often neglected. This is why we see  queer feminism as a political field with its own practices that we want  to explore, rework and reinvent. So we are at our beginning, but we are  not dealing with a tabula rasa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This collage is an attempt to get to know queer  feminism. We contacted queer and feminist collectives in different parts  of the world in order to hear about their struggles and political  practices, and to establish a network between them and us. We sent a  questionnaire to collectives in Istanbul, St. Petersburg, Jakarta,  Belgrade, Paris and Berlin. You can read the full answers here. There is  also a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;go to the short version in German&quot;&gt;short&lt;/a&gt; and a &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;go to the long version in German&quot;&gt;long&lt;/a&gt; version in German.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;What are your roots?  Which social struggles is  your work based on?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; There is no struggle in my roots. There wasn’t  any opposition or social struggle in my family and in my past. When I  was 27, I joined a feminist organization for the first time, because I  wanted to. I’m still a member of that organization today, I question  patriarchy, and I try to build freedom for myself.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; The Panthères Roses formed in 2002, when &lt;em&gt;Le  Pen&lt;/em&gt; reached the second round of the presidential elections. A new  right-wing movement established itself, and they are still ruling – they  are rigorous, they push security politics and populism onto the agenda,  and they act very aggressively against individual freedoms and  progressive achievements in society. At that moment, we saw the need for  a collective that is located at the point of intersection between the  LGBT&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_qogdly3&quot; title=&quot;L = lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender /  transsexual, I = intersexual, Q = queer&quot; href=&quot;#footnote1_qogdly3&quot;&gt;1&lt;/a&gt; movement and social  movements. Even if we don’t claim roots (because that sounds biologistic  and monocausal to our ears), we can say that we didn’t come out of  nowhere. Our work can be inscribed into LGBT struggles, and we relate to  radical lesbian politics (Monique Wittig), feminist materialism,  anti-racism and anti-capitalism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; First and foremost, we are a radical queer  group fighting for a community that is based on self-definition and  inclusivity. We oppose the traditional heteronormative patriarchal  norms, which cannot be questioned without addressing different forms of  oppression and structures in society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The members of QueerBeograd come from different  (class/political/cultural) backgrounds, but we are all deeply rooted in a  feminist, anti-authoritarian, anti-capitalist movement, and being queer  is determining and influencing the way we work politically. Some of us  are artists and cultural activists, some have been engaged in  anti-fascist or anti-racist structures for a long time, and others are  part of local LGBT and feminist associations.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;On that basis, we connect our work to different  struggles and collaborate with groups who address these topics, such as  LGBT groups, feminist groups, no border groups, anti-racist,  anti-fascist or anti-capitalist collectives.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our work includes expressions of solidarity,  collaborations for campaigns or specific projects, exchanging and  mutually influencing our political views, and providing financial  support.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; I grew up in the USSR and was a teenager  during the Perestroika period. I saw my parents struggle, lose their  jobs, their identity, their friends and their position in society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; La Barbe’s approach is inspired by Wittig’s  and Delphy’s texts, by movements such as the &lt;em&gt;MLF&lt;/em&gt; [&lt;em&gt;Mouvement de la libération des femmes&lt;/em&gt;, Women’s Lib], of course, also by lesbian  collectives such as the &lt;em&gt;Lesbian  Avengers&lt;/em&gt;, political  collectives such as the &lt;em&gt;Billionaires  for Bush&lt;/em&gt;, artist groups such  as the &lt;em&gt;Guerilla Girls&lt;/em&gt;, and primarily, by political groups. &lt;em&gt;La  Barbe&lt;/em&gt;’s founders come from the &lt;em&gt;Act Up Paris&lt;/em&gt; collective. We link to a threefold heritage: feminist, lesbian and  artist. We see ourselves as positioned in the center of the scene, where  sometimes the ‚traditional’ feminists of the &lt;em&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/em&gt; are opposed to groups of the queer movement.  Plus: we like to claim that we symbolically have sprung from the womb of  Eric Zemmour – homophobic, sexist, racist, and proud of it all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; We build our work on the struggle for the  recognition of the inviolability of persons. The state should not be  allowed to regulate private issues, and to tell people what to do and  what not to do, as long as their actions do not violate other persons’  rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Lambda activists define themselves as  feminists and anti-militarists. The LGBT movement and the feminist  movement were very closely connected from the start. Concerning  anti-militarism, Lambda is in close contact with the conscientious  objection movement. We have a very active member who was a conscientious  objector, and who is gay. He spent a year in prison and was tortured.  Moreover, Lambda defines itself as a non-violent group, i.e. our  practices are non-violent. For example, we support the Kurdish movement,  but not the guerrilla. The Kurdish movement is the only movement that  supports LGBT politics and positions, just as the Kurdish party is the  only party in the parliament who does that.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We build our work on some (non-essentialist)  feminist, queer, anti-sexist, anti-racist, post-colonial,  anti-capitalist struggles.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; We are part of the queer feminist movement.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;In what structural  conditions are you working? And how did neoliberalism and the global  crises affect these conditions?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; What? I don’t get the question.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan: &lt;/strong&gt;The context in which we are working is shaped  by the rise of islamic fundamentalism in Indonesia, though there are big  regional differences within the country. Queer and LGBT groups are not  illegal, but they are also not officially legitimized by the government.  Recently, there were open aggressions against different LGBT  minorities, for example during a conference that we organized in spring  2010. This had a huge impact on the work done by the organization, and  also on LGBT people, who don’t feel safe anymore. In 2008, the  Indonesian government enacted an anti-pornography law which stipulates,  among other things, that any publication about homosexuality is illegal,  because they consider homosexuality to be a bestiality, a form of  sexual deviance. Moreover, there are official local regulations in some  Indonesian provinces which are discriminatory against LGBT people. For  example in Palembang, South Sumatra, prostitution is illegal, and the  law says that LGBT people are prostitutes; so they are criminalized. At  the same time, it is important for us to be involved in  anti-islamophobic actions, and we support campaigns against  islamophobia, since we believe that it isn’t “the” Islam which is  responsible for the increasing aggression against queer people.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; Neoliberalism has a negative impact on us. It  leads to an inflation of concepts. The global crisis and neoliberalism  lead to a situation where we don’t make our projects a reality, where  our progress is very slow, and where a lot less people have to do a lot  more work. This makes us more and more tired.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; The Panthères  Roses are a registered  association, which means that we can announce demonstrations. We try to  function as horizontally as possible. We don’t have a president or a  board, but instead we take decisions as a collective in our weekly  public meetings. We are independent and don’t receive any financial  aids. We get the money that we need by selling stickers or t-shirts, or  by organizing solidarity fundraising events.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Concerning the effects of neoliberalism, many of us  have to work more and more, and are earning less and less. The rents are  totally overpriced. It is hard to find the time and the motivation for  political activism. Our context is a French neoliberalism that is  steered by a rather right-wing government who force their political  agenda on us. In Paris, there’s only a few of us who are organized, and  there are very few autonomous spaces. Homophobia, lesbophobia and  transphobia are strong here. Currently, the catholics are particularly  aggressive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; The group was founded in 2005, that is, in a  period when Serbia still hadn’t economically recovered from the  consequences of what happened in the 1990’s. The majority of the Serbian  population lives in precarious economic circumstances. That is also the  case with most of our members. This is a very decisive fact, because it  determines who can actually afford to be politically active. We are  continuously debating this. From our feminist perspective, we try to  create conditions where persons are paid for their work. We also try to  prevent exclusion based on economic reasons, which is why we give  financial support to the participants of our festival (traveling  expenses, accommodation).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A huge part of the work that LGBT and feminist  groups in Serbia are doing is funded by international donors. It’s very  important to have a financial support structure. Otherwise, a huge  amount of important political work would be impossible in the Balkan  region.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The crisis aggravated the already precarious social  situation of the country.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In our own practice, we apply for funds only  from sources that we deem  to be ethical – we check where such funds come from, and we are equally  grateful for any support by queer grassroots solidarity fundraising. All  of our members have been working as volunteers for years, which affects  our everyday life and adds to our precarious working and living  situation. We try to switch to a more sustainable form of action – for  personal reasons, but also in order to maintain our political activity  in the long run.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Having said this, our very independent form of  political practice means that we are pretty free to build our own  activity and politics agenda, and that we have the liberty to refuse the  influence of funding organisations so that we can maintain an  autonomous perspective.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; We live in a society that is strongly  dependent on our government’s despotism. The government’s administrative  decisions are unpredictable and intransparent. It’s often useless to  try to inform police and other state employees about the film festival  via negotiations and discussions, and to create an open debate. For  instance, the Archangelsk municipal authorities assured us that the  festival is OK, and that the government wouldn’t act against it. 30  minutes later, some festival venues cancelled – because police officers  had come to the clubs and threatened to impose administrative sanctions.  The media are controlled and censored, especially television. The  social majority is passive, intimidated and focused on consumption, and  doesn’t believe that change for the better is possible here. They aren’t  informed about the real situation and the violation of human rights in  this country. The increasing attempts of the orthodox church to gain  influence are another reason why it’s hard for us to do our work.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; I think a  lot of things are linked to the economic situation within a country.   Everyone has to keep their business going on. One example in Turkey is  the army. Turkey is the biggest buyer of guns made in Germany. This is  the reason why the war in Turkey between the Turkish army and the  Kurdish minorities has to go on. And this is what we have to see: It’s  the system that is violent. And under the conditions of neoliberalism,  this is not changing for the better at all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We work in the following structural  conditions: capitalism, racism, sexism, gender relations and  heteronormativity, homophobia, transphobia, nation state setting and  nationalism, postcolonialism, post-fascist Germany, anti-semitism,  ableism and other power structures that we consider to be very entangled  with each other. We continuously have to organize financial means to  keep the infoshop alive. As individuals, we are in the privileged  position to actually be able to do self-organized politics; however,  this position is constantly threatened, because of the necessity to sell  our own labor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; The answer to that question would absorb the  entire article.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;How do you use “We” when you  speak? For whom are you speaking?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; “We” are young queer and lesbian feminist women.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; For me, the word “we”  stands for all oppressed persons. I don’t only consider women to be a  subject of feminism. “We” is all the oppressed, the discriminated, the  victims of violence. “We” represents those who are against the ruling  powers. Identities are transformable, we have multiplex identities. Some  of these identities can also represent power, and at the same time we  can be oppressed with one of our other identities. Feminism, and  different feminisms, can be very enriching in many respects.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Identity politics are a complex field. I am  against any victimization of identity. For example, people from  countries in the so-called West often ask us how it is to be gay in a  muslim country. I ask back: “Well, how is it to be gay in a catholic  country?” Attempts to victimize our identity and to stabilize the  hierarchy between ‘western’ and muslim countries are colonial. But  sometimes, identity can be very important, especially when somebody  tells you that your identity doesn’t exist at all, or that it is sick.  Of course then I will speak up and say, “I am trans”, and I stand by my  identity. At the same time, we say, “We are Kurdish”, “We are Armenian”.  Many Kurdish LGBTs give up their LGBT identity because they fight for  their Kurdish identity. The domestic violence that many Kurdish women  experience within their families is another example. They don’t talk  about it – in light of the violence by the Turkish state that they  experience, they don’t see domestic violence as violence. For them, it’s  more important to fight for Kurdish independence and for their rights  as Kurdish persons. This is why it can be important to make identities  visible and to defend them, if they aren’t taken into account or  ignored. But at the same time, it’s very important to not exclude other  identities.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; There’s a queer theorist in Sidney called Linnell  Secomb, who says about  queer: “Queer is not an identity category, it’s a process of the  continuous disruption of any notion of there being a norm.” In this  sense, our „we“ includes not only LGBTIQ&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;, but people who question structures of  society, the categorization and the discrimination against people based  on the hierarchy of categories.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; The LGBT community, representants of the  Russian civil society and citizens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; We use “we” only when we speak about the  infoshop’s organizing committee. We think it’s problematic to construct a  categorial “we”, because this means that some people will be included  into a collective “we” without being asked if they want to (“we the  women”, for example), while others will be excluded. We reject the  concept of paternalistically speaking for others, but of course, our  claims point to the transformation of the overall conditions in this  society (and other societies). In doing this, we try to be undogmatic  and self-reflexive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; We are a non-mixed lesbian, trans and gay  collective, and we don’t want to “speak in the name of x”. Our  identities as lesbians, trans* and gays are one of our starting points,  but not the only one. We don’t feel it’s our vocation to represent all  LGBTs. We don’t agree with a part of the LGBT community and of feminist  collectives in France, and in these contexts, our positions are  minoritarian. We oppose the instrumentalization of feminism for racist  aims. This became obvious in the debates around the law concerning the  burka and the headscarf, in the discussion regarding the French army’s  intervention in order to “liberate” Afghan women, and in the general  stigmatization of the poor project suburbs and the migrants who live  there, and who are said to be primarily responsible for sexism and  homophobia in France. Another point where we are different from other  collectives is our position regarding the struggles of sex workers. Some  mainstream feminists claim abolitionist positions, which leads to the  exclusion of feminist sex workers from demonstrations. Moreover, the  essentialist feminists don’t acknowledge trans* persons’ claims.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; Sometimes, “we” refers to my friends and me,  sometimes to all those who are fighting on our side of the barricades.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; We speak for the women – “the women” as a  category that was produced through the oppression by men, as a category  that will live on as long as its oppression, which is why we aspire for  it to disappear. Until then, we’ll speak for women – with beards. “We”  are those women who are willing to fight for the “people of the women”  and to make fun of women’s situation at the same time, just like we make  fun of the attributes of – male – power.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Where do you want to push  the boundaries of the political? Which struggles do you want to make  visible?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; I am intrigued by debates on identity  politics.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; To  abolish heterosexual taste? This year we participated in our own way in  the debate on national identity. We puked in front of Eric Besson,  Minister of &#039;Immigration, Integration, National Identity and  Mutually-Supportive Development.&#039; We disrupted events with Christine  Botin (a catholic homophobe who has been ranting and raving for years)  and demanded that she shut up and quit speaking on our behalf. We  participated in &lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the Existrans  website&quot;&gt;&lt;em&gt;Existrans&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, a demonstration by trans people and  their supporters. We marched on March 8, May 1, December 1 (World AIDS  Day), and at Sans-Papiers demonstrations. Usually we participate as part  of the pink block, thus gaining visibility as trans, lesbian, and gay  in social movements predominantly concerned with social cuts (retirement  pay, health care, education, etc). We want to bring pleasure to these  demonstrations, where there is usually way too much heterosexism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; I&#039;m not sure I understand the question. For  me, politics comprises the private and the public, the local and the  global domain, that is: everything. Thus, politics, as I see it, has no  limits. I engage in a collective struggle in several areas: I support  and unite with those who fight against capitalism, sexism, violence,  war, and heterosexism.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Sexuality is political in a society that  distinguishes correct and legit sexuality from wrong, criminal or  perverse sexuality. As long as homosexuality and bisexuality are not  &#039;normal&#039; and not protected by the state, sexuality and gender identity  are political and will remain part of the struggle for equal rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi  Perempuan:&lt;/strong&gt; Our work builds on queer feminist ideas and  aims at the empowerment of young lesbian women. The first step was to  create a safe space for young lesbians in Jakarta. Due to the existing  norms, culture, and religion, lesbians in general are stigmatized as  sinners. Such conditions hinder them from coming out and sharing their  problems, feelings, and concerns. Our initiative started with a mailing  list, which gave young lesbians access to important information on  reproductive rights, psychological support, and their political and  social rights.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;The work of the institute starts from the assumption  that young lesbians can and should be actively involved in the struggle  for the rights of sexual minorities. We think that young people are the  people of the future and because of that it is very important to  empower them for the future of activism. The Institute&#039;s approach is  EduFunTainment (education, fun and entertainment): We organize sport  events, such as boxing and dancing clubs. Members of the Institute  Pelangi Perempuan frequently have not been politically active before.  Therefore, a language aimed at young people is used since we think it is  important to present politics as cool in order to introduce young  people to it.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A special activity is the &lt;em&gt;lez skul&lt;/em&gt; on the  weekends, where young lesbian women learn about gender, feminism, and  LGBT issues. For this, we collaborate with the Gender and Sexuality  Department of the University of Indonesia, with some feminist activists,  and different transgender groups in Jakarta.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Our main aim is to denounce the dominance of  men over women in all aspects of society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our second aim is to claim some of the political,  artistic, media, and economic power – in the name of some absurd  principle of justice, and because power will simply go on doing what it  does until you grab hold of it.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our third aim is to question gender categories, which  are always repressive. Some facial hair and – Oops! – you&#039;re in  command? If that is so, we want to grow beards and join the club.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Our fourth aim is to laugh about all this, about the  categories, the prominent men, and about their world. We want to make  visible &#039;man&#039; as a category, with all the clubs and privileges that  entails.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;We fight for women, but women are not our concern. We  aim our feminist gaze at men, at their privileges, their love of  co-optation, their reclusiveness, their perpetual self-appraisal, their  contempt for the rest of the world, and at their power, which must be  wrested from them. If as a result of this fight people realize that men –  white, rich, healthy men – rule the world, and if this realization in  turn unhinges the categories, that would be fantastic.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Everything is political!!!!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd: &lt;/strong&gt;Globally we can see that women, the poor, but  also queers are usually affected most by political conflicts and crises  (environmental, resources, education, etc). The struggles by minorities,  by the unheard and unwanted are always struggles for solidarity and an  inclusive society. We are part of these struggles and support them.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;We have a comprehensive view of human rights. We  try to respect all human rights without hierachizing them. However, what  often happens in activist work – and I really find this disturbing – is  that people come up with a list and define themselves as antiracist,  antisexist, anticapitalist, anti-this and anti-that, without having the  faintest clue as to what all this stands for. It&#039;s like a dresscode to  them. We rather try and put all these issues on our agenda, in our  everyday political work.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Which networks do you work  with?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok: &lt;/strong&gt;We work with local and international  LGBT networks, human rights networks, and film festival networks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Feminist, queer, and political  networks, as well as those created all around us through our various  repeated attacks. These days we no longer need to fish around for our  targets – women approach us and request our interventions in their  spaces.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi: &lt;/strong&gt;We are in contact with organized and  autonomous feminists, organized LGBTT&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&amp;nbsp; groups,  autonomous lesbian groups, anti-militarists, pro-feminist men, queer  groups, the Kurdish women&#039;s movement, environmental groups, human rights  groups, conscientious objectors, and similar networks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.: &lt;/strong&gt;For us, our info shop is a networking  space.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;We are mainly connected with queer,  feminist, and anti-sexist individuals, initiatives, information centers,  and alliances. Additionally, we work with non-commercial collectives.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi  Perempuan:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Locally, we work with various feminist  groups. We are also part of the Indonesian young feminist network and  the Indonesian LGBT forum. These organizations are in close contact with  different human rights groups and feminist groups in other Muslim  countries. IPP is also part of &lt;a href=&quot;http://www.iglyo.com&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the IGLYO  website&quot;&gt;IGLYO&lt;/a&gt; (International LGBTIQ youth organization) and &lt;a href=&quot;http://ilga.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the ILGA website&quot;&gt;ILGA&lt;/a&gt; (International LGBTIQ Association),  and the Executive Director of Institut Pelangi Perempuan is one of the  board members of ILGA Asia.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO:&lt;/strong&gt; &lt;a href=&quot;http://www.chtodelat.org&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the website  of Chto Delat&quot;&gt;Chto Delat&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://streetuniver.narod.ru&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the  website of Street University&quot;&gt;Street University&lt;/a&gt;, Blue Spot  Amsterdam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses: &lt;/strong&gt;Feminists, social movements, the  radical left, the anarchist movement, the &lt;a href=&quot;http://www.ueeh.net&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the UEEH website&quot;&gt;UEEH&lt;/a&gt; (the Euro-Mediterranean Summer University of Homosexualities, taking  place in Marseille each year), we don&#039;t like working alone! We regularly  participate in networks and collectives. Right now, we are part of &lt;a href=&quot;http://www.egalitedesdroits.fr&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;the  website of Égalité des Droits&quot;&gt;&lt;em&gt;Égalité  des Droits&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, a network dedicated to legal  equality for lesbians, trans and gay people. In France, approximately 40  groups are&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;part of &lt;em&gt;Égalité des Droits.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;We have close ties to other social  movements. Lambda volunteers are usually engaged in further political  work: in anarchist groups, in women&#039;s collectives, in the environmental  movement… Our cultural center is used by other groups for meetings.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Queer Beograd: &lt;/strong&gt;We work with different feminist, LGBT,  anti-fascist, no-border, antiracist and artist networks, both  regionally and internationally. In general we consider alliances and  co-operations as crucial to emancipative work. In order not to stay in a  box, we try to keep an open mind for different groups and issues.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;What will have changed in  ten years concerning gender norms and hierarchies? What do you hope for?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi: &lt;/strong&gt;I hope that 10 years from now my  country will be less violent and that it will have come closer to  achieving peace. I hope that femicide and hate crimes will be reduced,  and that women and LGBTT people will have equal rights. I hope I will  live in a society that does not constantly remind me that I am  woman-lesbian-trans-kurdish-disabled-etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; The label &#039;feminist&#039; will be a sign of pride  once again. It will be cool to have hairy legs, to be a &#039;frustrated  lesbian&#039; and burn bras. Everyday sexism will decline and make room for  lesbians, gays, and all BTIs&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L =  lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender / transsexual, I =  intersexual, Q = queer&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;. Women will be confident and pursue their aims  with determination while society respects them. Men will question their  privileges, and sex characteristics will lose their hallowed status.  Movements will spring from everywhere, protesting legal and factual  inequalities as well as the gender categories that perpetuate them.  Institutions and social and professional structures will change  drastically and open up new possibilities for women, trans people,  people of color, and for everyone who does not fit the norm, new modes  of being and interacting.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul: &lt;/strong&gt;I think, we won’t be able to stop homophobia  within the next ten or fifteen years. But what’s really important is to  find allies and to support each other.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Make love – make riots!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; That&#039;s a difficult question. Building  communities and networks is a long-term project and sometimes painfully  slow. Shifting gender norms and hierachies – changing the heterosexual  matrix – takes even longer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;But looking at changes in the Serbian discourse on  queer people and their rights since we started the group five years ago,  we can see how much impact grassroots work has. It&#039;s empowering to see  that groups or communities are very powerful when they stick to their  radical politics and direct action (in all their diversity).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;If in 10 years queer kids in the Balkans can come  out unafraid and without being considered sick by the majority of  society, that is something to fight and hope for.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;This year, despite fascist threats, the first  Belgrade Pride since 2001 took place. Hopefully in 2020 we will  celebrate its 10th anniversary.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok: &lt;/strong&gt;We hope that homophobia and transphobia will  decline or even vanish – in Russian and globally; that women will have  equal rights; that people will be able to live their identities and  still be accepted; that the value of human life will be respected in  Russia and elsewhere; that there will be less violence and more  dialogue; that the state will serve the people and not the other way  around.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FNO: &lt;/strong&gt;I  hope that women will be more like sisters to each other. I hope that  they stop killing gay and lesbian people in my country. I hope that  queers, migrants, women, disabled people, and the unemployed will come  together and create a revolution against neoliberal, postindustrial,  postfordist capitalism. Stop artificial alienation from each other!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Institut Pelangi Perempuan:&lt;/strong&gt; It  is hard to say what will have changed in ten years, because the  situation in Indonesia constantly changes, and very rapidly so. Much  depends on what government Indonesia will have then. First of all, we  hope and fight for better protection for LGBT people. We hope for a  government that clearly commits to the protection of queer and LGBT  minorities. Our goal is to fight for a heterogeneous and pluralist  country, which condemns all forms of discrimination against LGBT and  other minorities.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; We would love to be able to say that by 2020  gender and male dominance have been abolished, but… &lt;em&gt;la panthère&lt;/em&gt; never dreams, she attacks!&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_qogdly3&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_qogdly3&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbian, G = gay, B = bisexual, T = transgender /  transsexual, I = intersexual, Q = queer&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Sat, 25 Dec 2010 14:10:05 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? (Langversion)</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in   Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder   des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir   Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische   queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar    häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der    konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.    Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen    Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu    erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren    Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit    queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in    Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken    zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander   zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,   St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt. &lt;span&gt;Die Antworten könnt ihr hier in voller Länge lesen!&lt;/span&gt; Die &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;zur Kurzversion&quot;&gt;gekürzte Druck-Version&lt;/a&gt; sowie eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in   Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder   des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir   Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische   queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar    häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der    konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.    Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen    Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu    erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren    Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit    queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in    Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken    zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander   zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,   St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt. &lt;span&gt;Die Antworten könnt ihr hier in voller Länge lesen!&lt;/span&gt; Die &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen&quot; title=&quot;zur Kurzversion&quot;&gt;gekürzte Druck-Version&lt;/a&gt; sowie eine&amp;nbsp;&lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Was sind eure Wurzeln? An welche sozialen Kämpfe knüpft ihr an?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; In meinen Wurzeln gibt es keinen Kampf. In meiner Familie und in meiner Vergangenheit gab es weder eine Opposition noch einen sozialen Kampf. Mit 27 bin ich zum ersten Mal aus eigenem Willen einer feministischen Organisation beigetreten. Ich befinde mich heute immer noch in derselben Organisation, hinterfrage das Patriarchat und versuche, mir meine Freiheit aufzubauen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Panthères Roses sind 2002 gegründet worden. Le Pen ist damals in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen gelangt. Eine neue Rechte tauchte auf, die uns bis heute regiert – hart, mit Sicherheitspolitik und Populismus auf dem Programm und sehr offensiv gegen persönliche Freiheiten und soziale Errungenschaften agierend. Zu diesem Zeitpunkt sahen wir die Notwendigkeit, eine Gruppe zu gründen, die sich an der Schnittstelle von LGBT&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_33ieals&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer&quot; href=&quot;#footnote1_33ieals&quot;&gt;1&lt;/a&gt;-Bewegung und sozialen Bewegungen befindet. Auch wenn wir keine Wurzeln einfordern (Wurzeln hören sich ein bisschen zu biologistisch und monokausal an): Wir kommen nicht von nirgendwo her, unsere Aktionen schreiben sich in die Kämpfe von LGBT ein, wir beziehen uns auf radikalen Lesbianismus (Monique Wittig), feministischen Materialismus, Antirassismus und Antikapitalismus. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;In erster Linie sind wir eine radikale Queer-Gruppe, die für ein Zusammenleben auf Grundlage von Selbstdefinition und Einschluss kämpft. Wir richten uns gegen die traditionellen heteronormativen und patriarchalen Normen, was voraussetzt, dass auch andere Unterdrückungsformen und Strukturen der Gesellschaft thematisiert werden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die Mitglieder von QueerBeograd haben unterschiedliche (politische/kulturelle/Klassen-) Hintergründe, aber wir sind alle tief in der feministischen antiautoritären antikapitalistischen Bewegung verwurzelt; dass wir queer sind, bestimmt/beeinflusst die Weise, wie wir Politik machen. Einige von uns sind Künstler_innen oder kulturell tätig, einige sind seit langem in antifaschistischen oder antirassistischen Strukturen aktiv und andere sind in lokalen feministischen und LBGT-Gruppen organisiert.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dadurch sind wir mit verschiedenen anderen Kämpfen verbunden und arbeiten mit LGBT-Gruppen, feministischen Gruppen, No-Border-Gruppen, antirassistischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Gruppen zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Unsere Zusammenarbeit reicht vom Solidarisieren über gemeinsame Kampagnen oder Projekte bis zum Austausch über unsere politischen Ansichten und finanzielle Unterstützung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich bin in der UdSSR aufgewachsen und habe meine Jugend während der Zeit der Perestroika verbracht. Ich habe erlebt, wie meine Eltern kämpfen mussten, ihre Jobs, Identität, Freunde und gesellschaftliche Stellung verloren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;La Barbe&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; hat sich für ihren Ansatz inspirieren lassen durch die Texte von Delphy und Wittig, durch Bewegungen wie das MLF (&lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Mouvement de libération des femmes&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, &#039;Befreiungsbewegung der Frauen&#039;), natürlich durch lesbische Gruppen wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Lesbian Avengers&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, politische wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Billionaires for Bush&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;, künstlerische wie die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Guerilla Girls&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und vor allem aktivistische - die Gründerinnen stammen aus der Gruppe &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Act Up Paris&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;. Wir berufen uns auf ein dreifaches Erbe: feministisch, lesbisch und künstlerisch. Wir verorten uns in der Mitte des Schießplatzes, auf dem sich mitunter die &#039;klassischen&#039; Feministinnen des &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und Gruppen aus der Queer-Bewegung gegenüber stehen. Im Übrigen legen wir Wert darauf, dass wir symbolisch dem Schoß von Eric Zemmour – homophob, sexistisch, rassistisch und stolz darauf – entsprungen sind. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir knüpfen an den Kampf für die Anerkennung der Unantastbarkeit des Menschen an: Der Staat darf nicht das Private reglementieren, dem Menschen diktieren, was er machen darf und soll und was nicht, solange sein Handeln die Rechte der anderen nicht verletzt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Bei Lambda definieren wir uns als Feminist_innen und Antimilitarist_innen. Die LGBT-Bewegung und die feministische Bewegung hatten von Anfang an sehr enge Verbindungen. Im Sinne des Antimilitarismus ist Lambda in engem Kontakt mit dem &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Conscientious Objection Movement&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; (Bewegung von Kriegsdienstverweigerern): Wir haben selbst ein sehr aktives Mitglied, das Kriegsdienstverweigerer war und schwul ist. Er war ein Jahr im Knast und wurde gefoltert. Außerdem definiert sich Lambda als gewaltlose Gruppe, das bedeutet Gewaltlosigkeit in der Praxis. Wir unterstützen zum Beispiel die kurdische Bewegung, aber nicht die Guerilla. Die kurdische Bewegung ist die einzige – wie auch die kurdische Partei im Parlament die einzige Partei ist –, die die Politik und Positionen der LGBT unterstützt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir knüpfen an einige (nicht-differenz-)feministische, queere, anti-sexistische, anti-rassistische, post-koloniale, anti-kapitalistische Kämpfe an. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir sind Teil der queer-feministischen Bewegung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeitet ihr? Und wie haben sich Neoliberalismus und die globalen Krisen auf diese ausgewirkt?&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Häh? Verstehe die Frage nicht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind aktuell von den aufstrebenden islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Indonesien geprägt, wobei es diesbezüglich starke regionale Unterschiede gibt. Seit einiger Zeit gibt es immer wieder offene Aggressionen und Angriffe auf LGBT-Gruppen, zum Beispiel auf einer Konferenz, die wir im März 2010 organisiert haben. Diese Vorfälle haben uns und unsere Arbeit sehr beeinflusst, weil wir uns nicht mehr sicher fühlen. Homosexualität gilt als sexuelle Störung und wird in vielen Regionen Indonesiens zunehmend kriminalisiert – und nicht nur von islamistischen Organisationen. Auch die indonesische Regierung erkennt queere Lebensformen und LGBT-Gruppen nicht offiziell an und diskriminiert sie in der Gesetzgebung. Im Jahr 2008 hat die indonesische Regierung ein Anti-Pornografie-Gesetz verabschiedet, das unter anderem die strafrechtliche Verfolgung jeglicher Veröffentlichungen zu queeren Themen und Homosexualität vorsieht.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gleichzeitig ist es uns wichtig, uns gegen Islamfeindlichkeit zu engagieren und entsprechende Kampagnen zu unterstützen, weil wir meinen, dass nicht „der“ Islam für die zunehmende Aggression gegen queere Menschen verantwortlich ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Der Neoliberalismus beeinflusst uns negativ, indem er die Begriffe inflationiert. Globale Krise und Neoliberalismus führen dazu, dass wir unsere Projekte nicht verwirklichen, dass wir sehr langsam vorankommen und dass wir mit sehr wenigen Menschen viel mehr Arbeit leisten müssten, so dass wir noch mehr ermüden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Panthères Roses&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; sind ein eingetragener Verein, dadurch können wir Demonstrationen anmelden. Wir versuchen, so horizontal wie möglich zu funktionieren, wir haben keine Vorsitzende oder keinen Vorstand, sondern entscheiden kollektiv in unseren öffentlichen wöchentlich stattfindenden Vollversammlungen. Wir sind unabhängig und erhalten keine Subventionen, wir beschaffen uns selbst die Kohle, die wir brauchen, indem wir Sticker oder T-Shirts verkaufen oder Soli-Events organisieren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Was die Effekte des Neoliberalismus betrifft: Viele von uns müssen immer mehr arbeiten und verdienen immer weniger, die Mieten sind völlig überteuert, es ist schwierig, die Zeit und den Willen für politischen Aktivismus zu finden. Der Kontext ist ein französischer Neoliberalismus, der von einer ziemlich extremen Rechten geführt wird, die uns ihre politische Agenda vorschreibt. In Paris sind wir nicht viele, die organisiert sind, und es gibt sehr wenige selbstbestimmte Orte. Homophobie, Lesbophobie und Transphobie sind ausgeprägt (momentan sind die Katholiken besonders aggressiv). &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Gruppe wurde 2005 gegründet, als sich Serbien infolge der 1990er Jahre immer noch in einer schwierigen ökonomischen Situation befand. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in prekären Verhältnissen, und das gilt auch für die meisten unserer Gruppenmitglieder. Das ist wichtig, weil von der finanziellen Situation abhängt, wer es sich überhaupt leisten kann, politisch aktiv zu sein. Das ist eine fortlaufende Diskussion. Von einem feministischen Standpunkt aus versuchen wir, Strukturen zu schaffen, in denen Arbeit bezahlt wird und Teilnehmer_innen unserer Festivals bei den Reisekosten und der Unterbringung unterstützt werden, weil sie sich die Teilnahme ohne finanzielle Unterstützung kaum leisten können.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein großer Teil der feministischen und LGBT-Gruppen in Serbien wird von internationalen Geldgebern finanziert. Ohne diese Unterstützung wäre ein großer Teil der politischen Arbeit auf dem Balkan nicht möglich. Die Krise hat die sowieso schon prekäre soziale Situation im Land noch verschärft.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir selbst beantragen Unterstützung nur bei Geldgebern, die wir als ethisch einschätzen. In gleichem Maße erhalten wir dankenswerte Unterstützung durch solidarische Graswurzel-Spendenaktionen. Unsere Mitglieder arbeiten seit Jahren ohne Bezahlung, was Auswirkungen auf unser alltägliches Leben mit der prekären Arbeits- und Wohnsituation hat. Wir bemühen uns, eine beständigere Praxis zu finden, aus persönlichen Gründen, aber auch, damit unsere Politik langfristig aufrecht erhalten werden kann.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dennoch sind wir durch unsere ziemlich unabhängige Praxis in der Lage gewesen, unsere eigene Aktivität und Politik zu entwickeln, den Einfluss von Geldgebern abzuwehren und eine autonome Perspektive zu bewahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir leben in einer Gesellschaft, die stark von der Willkür unserer Regierung abhängig ist. Die &lt;/span&gt;&lt;span&gt;administrativen Entscheidungen der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Regierung sind &lt;/span&gt;&lt;span&gt;unberechenbar und intransparent. So ist der Versuch oft müßig, Beamte in Verhandlungen und Gesprächen über das Filmfestival zu informieren und einen offenen Dialog zu schaffen. Zum Beispiel wurde uns in Archangelsk von der Stadtverwaltung versichert, dass das Festival ok sei und die Regierung nichts dagegen unternehmen werde. Eine halbe Stunde nach diesem Gespräch haben uns Spielorte abgesagt – weil Polizisten in die Clubs gekommen waren und ihnen mit administrativen Sanktionen gedroht haben. Die Medien werden kontrolliert und zensiert, besonders das Fernsehen. Es gibt eine &lt;/span&gt;&lt;span&gt;passive, konsumierende eingeschüchterte Mehrheit in der Gesellschaft, die nicht an die Möglichkeit positiver Veränderungen glaubt und nicht über die reale Situation und die Missachtung der Menschenrechte im Land informiert ist. Auch die zunehmenden Versuche der orthodoxen Kirche, Einfluss zu nehmen, tragen dazu bei, dass es nicht einfach für uns ist, unsere Arbeit zu machen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Vieles hängt mit der ökonomischen Situation eines Landes zusammen. Jedes Land muss die eigene Wirtschaft am Laufen halten. Ein Beispiel in der Türkei ist die Armee. Die Türkei ist der größte Abnehmer deutscher Waffen. Das ist ein Grund, weshalb der Krieg zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Minderheit weitergehen muss. Wir müssen einsehen, dass es das System ist, das gewalttätig ist. Und unter dem Neoliberalismus ist es nicht gerade besser geworden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir arbeiten unter folgenden strukturellen Bedingungen: Kapitalismus, Rassismus, Sexismus, Geschlechterverhältnis und Heteronormativität, Homophobie, Transphobie, Nationalstaatlichkeit und Nationalismus, Post-Kolonialismus, post-faschistisches Deutschland, Antisemitismus, Ableism, und andere Machtstrukturen, die unserer Ansicht nach eng miteinander verwoben sind. Für die Erhaltung des Infoladens müssen wir ständig finanzielle Mittel auftreiben. Als Individuen sind wir zwar in der privilegierten Position, selbstorganisierte Politik machen zu können, diese Position ist allerdings ständig durch den Zwang, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen, etc. bedroht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Zur Beantwortung dieser Frage wäre ein ganzer Artikel nötig …&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Wie benutzt ihr das &lt;/span&gt;‚&lt;span&gt;Wir&lt;/span&gt;‘&lt;span&gt;, wenn ihr sprecht? Für wen sprecht ihr?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;„Wir“ sind junge queere und lesbische feministische Frauen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Das Wort „Wir“ steht für mich für alle Unterdrückten. Ich sehe nicht nur die Frauen als ein Subjekt des Feminismus. „Wir“, das sind alle Unterdrückten, die Diskriminierten, die Gewaltopfer. Wer gegen die Macht ist, wird durch das „Wir“ symbolisiert … Identitäten sind veränderbar, wir haben multiplexe Identitäten. Einige von diesen Identitäten können auch die Macht symbolisieren und zugleich können wir mit einer anderen Identität aber auch unterdrückt werden. Feminismus und die verschiedenen Feminismen können in vieler Hinsicht eine Bereicherung darstellen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Identitätspolitik ist ein komplexes Feld. Ich bin gegen jegliche Viktimisierung von Identität: Beispielsweise werden wir oft von Leuten aus so genannten westlichen Ländern gefragt, wie es ist, in einem muslimischen Land schwul zu sein. Ich frage dann zurück: „Hm, wie ist es denn, in einem katholischen Land schwul zu sein?“ Versuche, unsere Identität zu viktimisieren und die Hierarchie zwischen &#039;westlichen&#039; und muslimischen Ländern zu stabilisieren, sind koloniale Verhaltensweisen. Aber manchmal kann Identität sehr wichtig sein, besonders wenn jemand dir erzählt, dass deine Identität gar nicht existiert oder krank ist. Da gehe ich natürlich hin und sage „ich bin trans“, und ich stehe zu dieser Identität. Gleichzeitig sagen wir „wir sind kurdisch“, „wir sind armenisch“. Viele kurdische LGBT-Menschen geben ihre LGBT-Identität auf, weil sie für ihre kurdische Identität kämpfen. Ein anderes Beispiel ist die häusliche Gewalt, die viele kurdische Frauen in ihren Familien erleben. Sie sprechen nicht darüber – sie betrachten sie nicht als Gewalt angesichts der Gewalt, die sie durch den türkischen Staat erfahren. Es ist für sie wichtiger, für die kurdische Unabhängigkeit zu kämpfen und für ihre Rechte als kurdische Menschen. Daher kann es, wenn Identitäten nicht gesehen oder ignoriert werden, wichtig sein, Identitäten sichtbar zu machen und zu verteidigen. Aber es ist sehr wichtig, gleichzeitig keine anderen Identitäten auszuschließen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Es gibt eine queere Theoretiker_in in Sydney, Linnell Secomb, die &#039;queer&#039; folgendermaßen definiert: „Queer ist keine Identitätskategorie, sondern das kontinuierliche Stören jeglicher Form von Normativität“. In diesem Sinne schließt unser &#039;Wir&#039; nicht nur LGBTIQ&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt; ein, sondern alle Menschen, die die hegemonialen Strukturen unserer Gesellschaft sowie die auf Hierarchien basierende Kategorisierung und Diskriminierung von Menschen in Frage stellen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Die LGBT-Community, Vertreter_innen der russischen Zivilgesellschaft und Bürger_innen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir benutzen das &#039;Wir&#039; nur für uns als Orga-Gruppe des Infoladens. Ein kategoriales &#039;Wir&#039; zu konstruieren finden wir problematisch, weil dadurch manche Menschen, ohne gefragt zu werden, in ein kollektives &#039;Wir&#039; (wie beispielsweise &#039;Wir Frauen&#039;) eingeschlossen werden, andere wiederum daraus ausgeschlossen werden. Ein paternalistisches Sprechen für andere lehnen wir ab, jedoch zielen unsere Forderungen selbstverständlich auf die Veränderung gesamtgesellschaftlicher Zustände. Dabei versuchen wir, undogmatisch und reflektiert zu bleiben. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir sind eine nicht-gemischte Lesben-, Trans- und Schwulen-Gruppe, und wir wollen nicht „im Namen von … sprechen“. Wir gehen von unseren Identitäten als Lesben, Trans und Schwule aus, aber nicht nur. Wir fühlen uns nicht berufen, alle LGBT zu repräsentieren. Wir sind mit einem Teil der LGBT-Community und feministischen Gruppen in Frankreich uneins, und unsere Positionen sind in diesen Zusammenhängen Minderheitenpositionen. Wir wenden uns gegen eine Instrumentalisierung des Feminismus für rassistische Ziele. Das hat sich bei den Debatten um die Gesetze zum Kopftuch und zur Burka gezeigt, bei der Diskussion über die Intervention der französischen Armee zur „Befreiung“ der afghanischen Frauen und bei der generalisierenden Stigmatisierung der Vororte und der dort lebenden Migrant_innen als diejenigen, die in erster Linie für Sexismus und Homophobie in Frankreich verantwortlich seien. Ein anderer Punkt, der uns von anderen Gruppen unterscheidet, ist unsere Position zu den Kämpfen von Huren. Einige &#039;Mainstream&#039;-Feminist_innen vertreten eine abolitionistische Position, die dazu führt, dass feministische Huren aus Demos ausgeschlossen werden. Die essentialistischen Feminist_innen erkennen außerdem die Forderungen von Trans nicht an. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Manchmal sind „wir“ meine Freund_innen und ich, manchmal alle, die auf unserer Seite der Barrikade kämpfen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir sprechen für die Frauen. Die Frauen als eine Kategorie, die der Unterdrückung durch die Männer entsprungen ist, eine Kategorie, die so lange fortbestehen wird wie ihre Unterdrückung und deren Verschwinden wir also anstreben … bis dahin sprechen wir durchaus für die Frauen … mit Bart. &#039;Wir&#039; sind jene Frauen, die bereit sind, für das &#039;Volk der Frauen&#039; zu kämpfen und sich zugleich über die Lage der Frauen (&lt;/span&gt;&lt;span&gt;la condition féminine&lt;/span&gt;&lt;span&gt;) lustig zu machen, so wie über die Attribute der – männlichen – Macht. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Wo wollt ihr die Grenzen des Politischen verschieben? Welche Kämpfe wollt ihr sichtbar machen?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ich finde die Debatten über Identitätspolitik spannend.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Den heterosexuellen Geschmack abschaffen? Dieses Jahr haben wir auf unsere Art an der Debatte zur „nationalen Identität“ teilgenommen, indem wir vor Eric Besson, Minister für „Immigration, Integration, nationale Identität und solidarische Entwicklung“, gekotzt haben. Wir haben eine Diskussionsveranstaltung mit Christine Botin (homophobe Katholikin, die seit Jahren wütet) gestört und sie aufgefordert zu schweigen und nicht mehr an unserer Stelle zu sprechen, wir waren bei &lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Existrans-Webseite&quot;&gt;Existrans&lt;/a&gt;&lt;span&gt; dabei, der Demo der Trans und derer, die sie unterstützen. Wir waren zum 8. März auf der Straße, am 1. Mai und am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, und bei Sans-Papiers-Demos. Wir gehen oft als Pink Block, was uns als Trans, Lesben und Schwule innerhalb großer Demos der sozialen Bewegungen sichtbar macht, die momentan besonders aktiv gegen die Angriffe auf das Sozialsystem (Renten, Gesundheitssystem, Bildung etc.) sind. Wir wollen es uns auch gut gehen lassen bei diesen Demos, in denen es oft zu viel heterosexistisches Verhalten gibt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ganz klar ist mir die Frage nicht. Politik beinhaltet für mich jedenfalls den privaten &lt;/span&gt;&lt;span&gt;und&lt;/span&gt;&lt;span&gt; den öffentlichen, den lokalen &lt;/span&gt;&lt;span&gt;und&lt;/span&gt;&lt;span&gt; den globalen Bereich, also alles. Daher hat die Politik, die ich mache, keine Grenzen. Ich führe einen kollektiven Kampf auf mehreren Plattformen: Ich solidarisiere und vereinige mich mit denjenigen, die gegen Kapitalismus, Sexismus, Gewalt, Krieg, Heterosexismus sind.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Die Sexualität wird politisch, wenn es in der Gesellschaft einerseits „richtige“ und „geschützte“ Sexualität gibt und andererseits „falsche“, „verbrecherische“, „perverse“ Sexualität. Solange Homo- und Bisexualität nicht „normal“ sind und vom Staat nicht geschützt werden, bleibt das Thema der Sexualität und der Gender-Identität politisch und ein Teil des Kampfes für gleiche Rechte und für den Schutz vor Diskriminierung. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unsere Arbeit orientiert sich an queer-feministischen Ideen und hat das Empowerment junger lesbischer Frauen zum Ziel. Der erste Schritt unserer Politik bestand darin, einen sicheren Raum für junge lesbische Frauen in Jakarta zu gründen, denn nach den geltenden Normen und auf Grund von Kultur und Religion werden Lesben als Sünderinnen stigmatisiert. Diese Bedingungen hindern sie an ihrem Coming Out und daran, über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen. Unsere Initiative startete mit einer Mailingliste, die jungen lesbischen Frauen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffte, zum Beispiel über ihre sexuellen, sozialen und politischen Rechte sowie über psychologische Unterstützung.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Die grundlegende Annahme für unsere Arbeit lautet, dass junge Lesben aktiv in die Kämpfe um die Rechte sexueller Minderheiten involviert sein können und sollten. Und wir meinen, dass die jungen Leute die Menschen der Zukunft sind und es deshalb sehr wichtig ist, sie zu befähigen, politisch aktiv zu werden. Unser Ansatz ist &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;EduFunTainment&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; (Education, fun and entertainment): Wir organisieren Sport wie zum Beispiel Boxen, Tanzclubs und andere Veranstaltungen. Die Mitglieder des Instituts müssen vorher nicht politische aktiv gewesen sein, daher benutzen wir eine für Jugendliche zugängliche Sprache. Wir meinen, Politik muss cool sein, wenn junge Leute damit etwas anfangen können sollen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Eine besondere Aktivität ist die &lt;em&gt;lez skul&lt;/em&gt; an den Wochenenden. Dabei erfahren junge lesbische Frauen einiges über Feminismus und Gender- und LGBT-Themen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit der Fakultät Gender und Sexualität der Universität von Indonesien, einigen feministischen Aktivistinnen und verschiedenen Transgender-Gruppen in Jakarta zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unser Hauptziel lautet, ganz einfach die Herrschaft der Männer über die Frauen in allen Bereichen des Handelns anzuprangern. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das zweite Ziel besteht darin, nebenbei einen Teil der politischen, künstlerischen, medialen, finanziellen etc. Macht einzufordern – im Namen eines albernen Gerechtigkeitsprinzip, und weil die Macht so lange klarkommt, wie man sie nicht ergreift. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das dritte besteht darin, die Geschlechterkategorien und ihren grundlegend repressiven Charakter in Frage zu stellen. Ein paar Haare am Kinn und – hopp! – machst Du die anderen alle? Wenn das so aussieht, dann wollen wir uns gerne Bärte wachsen lassen und Teil des Clubs werden. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das vierte Ziel besteht darin, über all dies zu lachen, über die Kategorien, über die mächtigen Männer und über die Welten, die sie unter sich erschaffen haben. Die Kategorie &#039;Mann&#039; sichtbar zu machen mit ihren Clubs und ihrer Kultur des Prestiges etc. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wir kämpfen für die Frauen, aber die Frauen und ihre Lage sind nicht unser Thema. Wir wollen den feministischen Blick auf die Männer lenken, auf ihre Privilegien, ihre Vorliebe für die Kooptation, ihr Unter-sich-Bleiben, ihre Fähigkeit sich selbst zu gratulieren, ihre Verachtung für den Rest der Welt und ihre Macht, die ihnen entrissen werden muss. Wenn die Menschen sich im Zuge dessen darüber klar werden, dass es Männer – weiße – reiche – gesunde – sind, die ihre Welt lenken, und daraus die Überwindung der entgegengesetzten Kategorien resultiert – um so besser.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Everything is political!!!!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Überall auf der Welt sehen wir, dass meist die Armen, Frauen und ebenso queere Menschen am stärksten von Konflikten und Krisen (der Umwelt, Ressourcen, Bildung...) betroffen sind. Die Kämpfe der Minderheiten, der nicht Gehörten und Unerwünschten sind immer Kämpfe für eine solidarische und einschließende Gesellschaft. Auch wir gehören dazu und unterstützen diese Kämpfe.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir haben ein sehr umfassendes Verständnis der Menschenrechte, wir versuchen alle Menschenrechte zu berücksichtigen und sie nicht unterschiedlich zu gewichten. Was wir in der Politik häufig beobachten können – ich finde das wirklich verstörend –, ist, dass Leute eine Liste erstellen und sich als antirassistisch, antisexistisch, antikapitalistisch und viele andere &#039;Anti&#039;s beschreiben, aber in Wirklichkeit keine Idee davon haben, was all diese &#039;Anti&#039;s bedeuten. Es ist eine Art Dresscode. Wir versuchen, diese Themen wirklich auf unsere Agenda zu setzen, in unserer täglichen politischen Arbeit.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Welche Netzwerke nutzt ihr?&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Wir nutzen lokale und internationale Netzwerke der LGBT-Community, von Menschenrechtsorganisationen und von Filmfestivals.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Feministische, queere, politische Netzwerke sowie diejenigen, die um uns herum durch unsere wiederholten Angriffe auf den gleichen Sektor entstehen. Heute müssen wir uns unsere Ziele nicht mehr selber suchen – die Frauen kommen selbst zu uns, um uns zu bitten, in ihrem Bereich zu intervenieren. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir haben Kontakt zu organisierten Feministinnen, autonomen Feministinnen, organisierten LGBTT&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt;, autonomen lesbischen Gruppen, Anti-Militarist_innen, pro-feministischen Männern, queeren Gruppen, der kurdischen Frauenbewegung, der Umwelt-Bewegung, Menschenrechtsvertreter_innen, Kriegsdienstverweigerern und ähnlichen Netzwerken.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir verstehen den Infoladen als Ort der Vernetzung. Wir sind hauptsächlich mit queeren, feministischen, antisexistischen Einzelpersonen, Initiativen und Beratungsstellen vernetzt und in Bündnissen organisiert. Darüber hinaus arbeiten wir mit kollektiven und nicht-kommerziellen Gruppen zusammen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Lokal arbeiten wir mit verschiedenen anderen feministischen Gruppen zusammen, außerdem sind wir Teil des Indonesischen Netzwerks junger Feministinnen und des Indonesischen LGBT-Forums. Sie stehen in engem Kontakt mit verschiedenen Menschenrechtsgruppen und feministischen Gruppen in anderen muslimischen Ländern. Institut Pelangi Perempuan ist auch Mitglied in der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.iglyo.com/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur IGLYO-Webseite&quot;&gt;IGLYO&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (Internationale LGBTIQ-Jugendorganisation) und der &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://ilga.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur ILGA-Webseite&quot;&gt;ILGA&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (Internationale LGBTIQ-Vereinigung), und unser Institutsdirektor sitzt im Gremium der asiatischen Sektion der ILGA.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt; &lt;a href=&quot;http://www.chtodelat.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite von Chto Delat&quot;&gt;Chto Delat&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;, &lt;a href=&quot;http://streetuniver.narod.ru/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der Street University&quot;&gt;Street University&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;, Blue Spot Amsterdam.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Feminist_innen, soziale Bewegungen, die Linke der Linken, die anarchistische Bewegung, die &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.ueeh.net/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur UEEH-Webseite&quot;&gt;UEEH&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; (euro-mediterrane Sommeruni der Homosexualitäten, die jeden Sommer in Marseille stattfindet) – wir arbeiten nicht gerne allein! Wir tun uns oft in Netzwerken oder Kollektiven mit anderen Gruppen zusammen. Momentan sind wir Teil des Netzwerks &lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;http://www.egalitedesdroits.fr/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite von Égalité des Droits&quot;&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Égalité des Droits&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;span&gt; für Rechtsgleichheit von Lesben, Trans und Schwulen, darin organisieren sich etwa 40 Gruppen in Frankreich. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir haben enge Verbindungen zu anderen sozialen Bewegungen. Unsere Mitglieder sind meist auch noch in anderen politischen Gruppen aktiv, in anarchistischen Gruppen, in Frauenkollektiven, in der Umweltbewegung&lt;/span&gt;…&lt;span&gt; Andere Gruppen nutzen unser Kulturzentrum für ihre Treffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Wir arbeiten mit verschiedenen regionalen und internationalen feministischen Netzwerken, LGBT-Netzwerken, antifaschistischen und No-Border-Netzwerken sowie antirassistischen und Künstler-Netzwerken zusammen. Wir sehen Bündnisse und Kooperation als wesentlich für emanzipatorische Arbeit an. Um nicht in unseren Problemen verhaftet zu bleiben, versuchen wir, uns Offenheit für andere Gruppen und Themen zu bewahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;span&gt;Was sind eure Hoffnungen? Was wird sich in den nächsten zehn Jahren verändert haben?&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Amargi: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ich wünsche mir, dass man sich in den kommenden 10 Jahren in meinem Land dem Frieden noch etwas nähert und sich von Gewalt entfernt, dass die Frauenmorde, Hassmorde abnehmen, dass die Frauen und LGBTT ihre Rechte erlangen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ich nicht mehr daran erinnert werde, dass ich Frau-Lesbe-Trans-Kurd_in-behindert etc. bin. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;La Barbe:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Dass die Bezeichnung &#039;Feministin&#039; wieder Anlass für Stolz wird, dass es wieder hip wird, Haare an den Beinen zu haben, &#039;frustrierte Lesbe&#039; zu sein und BHs zu verbrennen, und dass der ganz normale Sexismus zurückgeht, um Platz zu machen für die Lesben, die Schwulen und all die BTI&lt;/span&gt;&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;span&gt;. Dass Frauen selbstsicher werden und ihre eigenen Ziele verfolgen, dass die Gesellschaft sie respektiert und ihnen Raum lässt. Dass die Männer ihre Privilegien in Frage stellen und dass die Geschlechtsattribute ihren Heiligenstatus verlieren. Dass überall Bewegungen entstehen, die gegen die rechtlichen und faktischen Ungleichheiten protestieren sowie gegen die Geschlechterkategorien, die diese fortbestehen lassen. Dass sich die Zusammensetzung der Institutionen, der sozialen und beruflichen Strukturen massiv verändert und damit für Frauen, für Trans-Menschen, für &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Persons of Color&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; und für alle, die nicht in die Norm passen, neue Möglichkeiten entstehen, neue Weisen des Seins und des Miteinander-Umgehens. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Lambda Istanbul:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich denke, wir werden nicht in der Lage sein, Homophobie innerhalb der nächsten zehn oder fünfzehn Jahren zu stoppen. Aber es ist sehr wichtig, sich zusammen zu schließen und sich gegenseitig zu unterstützen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;f.a.q.:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Make love - make riots!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;QueerBeograd:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Das ist eine schwierige Frage. &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Communities&lt;/span&gt;&lt;span&gt; und Netzwerke aufzubauen dauert lange. Gendernormen und -hierarchien zu verschieben – die heterosexuelle Matrix zu verändern – dauert noch länger.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Doch der Diskurs in der serbischen Gesellschaft über queere Menschen und ihre Rechte hat sich deutlich gewandelt, seit wir die Gruppe vor fünf Jahren gegründet haben. Dies zeigt, wie wirkungsvoll Graswurzelarbeit sein kann. Es ist vielversprechend und macht Mut, dass Gruppen oder &lt;/span&gt;&lt;span&gt;communities&lt;/span&gt;&lt;span&gt; sehr machtvoll sein können, wenn sie ihre radikale Politik und direkten Aktionen (in aller Vielfalt) weiterverfolgen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wenn in zehn Jahren queere Kinder auf dem Balkan ohne Angst ihr Coming-out haben können, ohne von der Mehrheit der Bevölkerung als krank angesehen zu werden, dann ist es das wert, dafür zu kämpfen und darauf zu hoffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;In diesem Jahr findet die erste Pride-Parade in Belgrad seit 2001 statt, ohne dass sie wegen faschistischer Drohungen abgesagt werden muss. Vielleicht können wir 2020 den zehnten Geburtstag feiern.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;bok o bok:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Unsere Hoffnungen sind, dass Homophobie und Transphobie nachlassen oder gar verschwinden – in Russland und international. Dass Frauen die gleichen Möglichkeiten und Rechte genießen können. Dass Menschen ihre Identitäten frei ausleben können und alle Identitäten akzeptiert werden. Dass in Russland und international der Wert des menschlichen Lebens größer wird. Dass es weniger Gewalt gibt und Menschen es schaffen, sich durch Worte zu verständigen. Dass der Staat der Gesellschaft dient und nicht andersherum.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;FNO:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Ich hoffe, dass Frauen mehr wie Schwestern zueinander sind. Ich hoffe, dass sie in meinem Land aufhören, schwule und lesbische Menschen umzubringen. Ich hoffe, dass Queers, Migrant_innen, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Angestellte, die ihren Job verloren haben, zusammenkommen, um eine Revolution gegen den neoliberalen, postindustriellen, postfordistischen Kapitalismus zu erschaffen. Stoppt die künstliche Entfremdung voneinander!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;Schwer zu sagen, was sich in zehn Jahren verändern haben wird. Die Situation in Indonesien ändert sich in der letzten Zeit immer sehr schnell. Es hängt davon ab, wie die indonesische Regierung dann aussehen wird. In erster Linie hoffen und kämpfen wir für besseren Schutz von LGBT-Menschen. Wir hoffen auf eine Regierung, die sich klar zum Schutz und zur Legalisierung von Queer- und LGBT-Minderheiten bekennt. Unser Ziel ist ein vielfältiges und pluralistischen Land, das alle Formen der Kriminalisierung und Diskriminierung von LGBT- und anderer Minderheiten in Indonesien verurteilt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Les Panthères Roses:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt; Wir würden gerne sagen können, dass bis 2020 Gender und männliche Dominanz abgeschafft sind, aber … die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;panthère&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt; attackiert, sie träumt nicht!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_33ieals&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_33ieals&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;!--
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 <pubDate>Sat, 25 Dec 2010 14:06:59 +0000</pubDate>
 <dc:creator>arranca! Redaktion</dc:creator>
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 <title>Den heterosexuellen Geschmack abschaffen?</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen</link>
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            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt  eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in Nischen, anstelle  des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder des  professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir Anlauf  für eine lebendige, breite, antikapitalistische queerfeministische  Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar  häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der  konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.  Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen  Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu  erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren  Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit  queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in  Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken  zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul, St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt und servieren  euch an dieser Stelle eine Kostprobe der Antworten. Eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;zur Langversion&quot;&gt;ausführlichere Version&lt;/a&gt; und deren &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
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&lt;p&gt;Anfang 2010 hat sich bei FelS die &lt;a href=&quot;http://fels.nadir.org/de/fels/queerfem&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Webseite der AG Queerfeminismus&quot;&gt;AG Queerfeminismus&lt;/a&gt; gegründet. Statt   eines Rückzugs queerer und feministischer Ansätze in Nischen, anstelle   des braven Verharrens in akademischen Zirkeln oder des professionalisierten Verendens im Gender Mainstreaming nehmen wir Anlauf   für eine lebendige, breite, antikapitalistische queerfeministische   Bewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geschlechterverhältnisse zwar   häufig als &#039;Querschnittsthema&#039; mitgedacht werden sollten, in der   konkreten Auseinandersetzung jedoch allzu oft hinten runter fallen.   Deshalb begreifen wir Queerfeminismus als ein Politikfeld mit eigenen   Praxen – und diese wollen wir kennenlernen, weiterentwickeln, neu   erfinden. Wir stehen damit ganz am Anfang, aber nicht im luftleeren   Raum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Collage ist der Versuch, uns diesen Raum zu erschließen: Mit   queeren und feministischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt in   Kontakt zu treten, um etwas über ihre Kämpfe und politischen Praktiken   zu erfahren und diese mit unseren eigenen Kämpfen sowie untereinander  zu  vernetzen. Dazu haben wir einen Fragebogen an Gruppen in Istanbul,  St.  Petersburg, Jakarta, Belgrad, Paris und Berlin verschickt und  servieren  euch an dieser Stelle eine Kostprobe der Antworten. Eine &lt;a href=&quot;http://arranca.org/43/den-heterosexuellen-geschmack-abschaffen-langversion&quot; title=&quot;zur Langversion&quot;&gt;ausführlichere Version&lt;/a&gt; und deren &lt;a href=&quot;http://arranca.org/node/605&quot; title=&quot;zur englischen Übesetzung&quot;&gt;englische Übersetzung&lt;/a&gt; sind ebenfalls online zugänglich.&lt;/p&gt;
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&lt;h4&gt;Was sind eure Wurzeln? An welche sozialen Kämpfe knüpft ihr an?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; In meinen Wurzeln gibt es keinen Kampf. In  meiner Familie und in meiner Vergangenheit gab es weder eine Opposition  noch einen sozialen Kampf. Mit 27 bin ich zum ersten Mal aus eigenem  Willen einer feministischen Organisation beigetreten. Ich befinde mich  heute immer noch in derselben Organisation, hinterfrage das Patriarchat  und versuche, mir meine Freiheit aufzubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Die Panthères Roses sind 2002  gegründet worden. Le Pen ist damals in die zweite Runde der  Präsidentschaftswahlen gelangt. Eine neue Rechte tauchte auf, die uns  bis heute regiert – hart, mit Sicherheitspolitik und Populismus auf dem  Programm und sehr offensiv gegen persönliche Freiheiten und soziale  Errungenschaften agierend. Zu diesem Zeitpunkt sahen wir die  Notwendigkeit, eine Gruppe zu gründen, die sich an der Schnittstelle von &lt;span&gt;&lt;span&gt;LGBT&lt;/span&gt;&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_oqalgcj&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot; href=&quot;#footnote1_oqalgcj&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;-Bewegung und sozialen Bewegungen befindet. Auch wenn wir keine  Wurzeln einfordern (Wurzeln hören sich ein bisschen zu biologistisch und  monokausal an): Wir kommen nicht von nirgendwo her, unsere Aktionen  schreiben sich in die Kämpfe von LGBT ein, wir beziehen uns auf  radikalen Lesbianismus (Monique Wittig), feministischen Materialismus,  Antirassismus und Antikapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir berufen uns auf ein dreifaches Erbe:  feministisch, lesbisch und künstlerisch. Wir verorten uns in der Mitte  des Schießplatzes, auf dem sich mitunter die &#039;klassischen&#039; Feministinnen  des &lt;em&gt;Collectif National pour les Droits des Femmes&lt;/em&gt; und Gruppen aus der Queer-Bewegung gegenüber stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Wir knüpfen an den Kampf für die Anerkennung  der Unantastbarkeit des Menschen an: Der Staat darf nicht das Private  reglementieren, dem Menschen diktieren, was er machen darf und soll und  was nicht, solange sein Handeln die Rechte der anderen nicht verletzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Bei Lambda definieren wir uns als  Feminist_innen und Antimilitarist_innen. Die LGBT-Bewegung und die  feministische Bewegung hatten von Anfang an sehr nahe Verbindungen. Im  Sinne des Antimilitarismus ist Lambda in engem Kontakt mit dem &lt;em&gt;Conscientious Objection Movement&lt;/em&gt; (Bewegung von Kriegsdienstverweigerern): Wir haben selbst ein sehr  aktives Mitglied, das Kriegsdienstverweigerer war und schwul ist. Er war  ein Jahr im Knast und wurde gefoltert. Außerdem definiert sich Lambda  als gewaltlose Gruppe, das bedeutet Gewaltlosigkeit in der Praxis. Wir  unterstützen zum Beispiel die kurdische Bewegung, aber nicht die  Guerilla. Die kurdische Bewegung ist die einzige – wie auch die  kurdische Partei im Parlament die einzige Partei ist –, die die Politik  und Positionen der LGBT unterstützt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Wir knüpfen an einige  (nicht-differenz-)feministische, queere, anti-sexistische,  anti-rassistische, post-koloniale, anti-kapitalistische Kämpfe an&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeitet ihr? Und  wie haben sich Neoliberalismus und die globalen Krisen auf diese  ausgewirkt?&amp;nbsp;&lt;/h4&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt; Die Bedingungen, unter denen wir  arbeiten, sind aktuell von den aufstrebenden  islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Indonesien beeinflusst,  wobei es diesbezüglich starke regionale Unterschiede gibt. Seit einiger  Zeit gibt es immer wieder offene Aggressionen und Angriffe auf  LGBT-Gruppen, zum Beispiel auf einer Konferenz im Frühjahr 2010. Diese  Vorfälle haben uns und unsere Arbeit sehr beeinflusst, weil wir uns  nicht mehr sicher fühlen. Homosexualität gilt als sexuelle Störung und  wird in vielen Regionen Indonesiens zunehmend kriminalisiert – und nicht  nur von islamistischen Organisationen. Auch die indonesische Regierung  erkennt queere Lebensformen und LGBT-Gruppen nicht offiziell an und  diskriminiert diese in der Gesetzgebung. Im Jahr 2008 hat die  indonesische Regierung ein Anti-Pornografie-Gesetz verabschiedet, das  unter anderem die strafrechtliche Verfolgung jeglicher  Veröffentlichungen zu queeren Themen und Homosexualität vorsieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Die &lt;em&gt;Panthères Roses&lt;/em&gt; sind  ein eingetragener Verein, dadurch können wir Demonstrationen anmelden.  Wir versuchen, so horizontal wie möglich zu funktionieren, wir haben  keine Vorsitzende oder keinen Vorstand, sondern entscheiden kollektiv in  unseren öffentlichen wöchentlich stattfindenden Vollversammlungen. Wir  sind unabhängig und erhalten keine Subventionen, wir beschaffen uns  selbst die Kohle, die wir brauchen, indem wir Sticker oder T-Shirts  verkaufen oder Soli-Events organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Effekte des Neoliberalismus betrifft: Viele von uns müssen immer  mehr arbeiten und verdienen immer weniger, die Mieten sind völlig  überteuert, es ist schwierig, die Zeit und den Willen für politischen  Aktivismus zu finden. Der Kontext ist ein französischer Neoliberalismus,  der von einer ziemlich extremen Rechten geführt wird, die uns ihre  politische Agenda vorschreibt. In Paris sind wir nicht viele, die  organisiert sind, und es gibt sehr wenige selbstbestimmte Orte.  Homophobie, Lesbophobie und Transphobie sind ausgeprägt (momentan sind  die Katholiken besonders aggressiv).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Die Mehrheit der serbischen Bevölkerung  lebt in ökonomisch prekären Verhältnissen, so wie auch die meisten  unserer Gruppenmitglieder. Dieser Umstand ist wichtig, weil er sich  darauf auswirkt, wer es sich überhaupt leisten kann, politisch aktiv zu  sein. Das ist eine andauernde Diskussion. Aus einer feministischen  Perspektive versuchen wir, Bedingungen zu schaffen, in denen Personen  für ihre Arbeit bezahlt werden, und durch finanzielle Unterstützung  (Reisekosten, Unterkunft) der Teilnehmer_innen unserer Festivals dem  Ausschluss aufgrund ökonomischer Verhältnisse entgegenzuwirken.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Wie benutzt ihr das &#039;Wir&#039;, wenn ihr sprecht? Für wen sprecht ihr?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Identitätspolitik ist ein komplexes  Feld. Ich bin gegen jegliche Viktimisierung von Identität:  Beispielsweise werden wir oft von Leuten aus so genannten westlichen  Ländern gefragt, wie es ist, in einem muslimischen Land schwul zu sein.  Ich frage dann zurück: „Hm, wie ist es denn, in einem katholischen Land  schwul zu sein?“ Versuche, unsere Identität zu viktimisieren und die  Hierarchie zwischen &#039;westlichen&#039; und muslimischen Ländern zu  stabilisieren, ist eine koloniale Verhaltensweise. Aber manchmal kann  Identität sehr wichtig sein, besonders wenn jemand dir erzählt, dass  deine Identität gar nicht existiert oder krank ist oder etwas anderes.  Da gehe ich natürlich hin und sage „ich bin trans“, und ich stehe zu  dieser Identität. Gleichzeitig sagen wir „wir sind kurdisch“, „wir sind  armenisch“. Viele kurdische LGBT-Menschen geben ihre LGBT-Identität auf,  weil sie für ihre kurdische Identität kämpfen. Ein anderes Beispiel ist  die häusliche Gewalt, die viele kurdische Frauen zu Hause erleben. Sie  sprechen nicht darüber – sie betrachten sie nicht als Gewalt angesichts  der Gewalt, die sie durch den türkischen Staat erfahren. Es ist für sie  wichtiger, für die kurdische Unabhängigkeit zu kämpfen und für ihre  Rechte als kurdische Menschen. Daher kann es, wenn Identitäten nicht  gesehen oder ignoriert werden, wichtig sein, Identitäten sichtbar zu  machen und zu verteidigen. Aber es ist sehr wichtig, gleichzeitig keine  anderen Identitäten auszuschließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Es gibt eine queere Theoretiker_in in  Sydney, Linnell Secomb, die &#039;queer&#039; folgendermaßen definiert: Queer ist  keine Identitätskategorie, sondern das kontinuierliche Stören jeglicher  Form von Normativität“. In diesem Sinne schließt unser &#039;Wir&#039; nicht nur  LGBTIQ&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt; ein, sondern alle Menschen, die die hegemonialen Strukturen  unserer Gesellschaft sowie die auf Hierarchien basierenden  Kategorisierungen und Diskriminierung von Minderheiten in Frage stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;f.a.q.:&lt;/strong&gt; Wir benutzen das &#039;Wir&#039; nur für uns als  Orga-Gruppe des Infoladens. Ein kategoriales &#039;Wir&#039; zu konstruieren  finden wir problematisch, weil dadurch manche Menschen, ohne gefragt zu  werden, in ein kollektives &#039;Wir&#039; (wie beispielsweise &#039;Wir Frauen&#039;)  eingeschlossen werden, andere wiederum daraus ausgeschlossen werden. Ein  paternalistisches Sprechen für andere lehnen wir ab, jedoch zielen  unsere Forderungen selbstverständlich auf die Veränderung  gesamtgesellschaftlicher Zustände. Dabei versuchen wir, undogmatisch und  reflektiert zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Wir sind eine nicht-gemischte  Lesben-, Trans- und Schwulen-Gruppe und wir wollen nicht „im Namen von …  sprechen“. Wir gehen von unseren Identitäten als Lesben, Trans und  Schwule aus, aber nicht nur. Wir fühlen uns nicht berufen, alle LGBT zu  repräsentieren. Wir sind mit einem Teil der LGBT-Community und  feministischen Gruppen in Frankreich uneins, und unsere Positionen sind  in diesen Zusammenhängen Minderheitenpositionen. Wir wenden uns gegen  eine Instrumentalisierung des Feminismus für rassistische Ziele. Das hat  sich bei den Debatten um die Gesetze zum Kopftuch und zur Burka  gezeigt, bei der Diskussion über die Intervention der französischen  Armee zur „Befreiung“ der afghanischen Frauen und bei der  generalisierenden Stigmatisierung der Vororte und der dort lebenden  Migrant_innen als diejenigen, die in erster Linie für Sexismus und  Homophobie in Frankreich verantwortlich seien. Ein anderer Punkt, der  uns von anderen Gruppen unterscheidet, ist unsere Position zu den  Kämpfen von Huren. Einige &#039;Mainstream&#039;-Feminist_innen vertreten eine  abolitionistische Position, die dazu führt, dass feministische Huren aus  Demos ausgeschlossen werden. Die essentialistischen Feminist_innen  erkennen außerdem die Forderungen von Trans nicht an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir sprechen für die Frauen. Die Frauen als  eine Kategorie, die der Unterdrückung durch die Männer entsprungen ist,  eine Kategorie, die so lange fortbestehen wird wie ihre Unterdrückung  und deren Verschwinden wir also anstreben … bis dahin sprechen wir  durchaus für die Frauen … mit Bart.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;h4&gt;Wo wollt ihr die Grenzen des Politischen verschieben? Welche Kämpfe wollt ihr sichtbar machen?&lt;/h4&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Den heterosexuellen Geschmack  abschaffen? Dieses Jahr haben wir auf unsere Art an der Debatte zur  „nationalen Identität“ teilgenommen, indem wir vor Eric Besson, Minister  für „Immigration, Integration, nationale Identität und solidarische  Entwicklung“, gekotzt haben. Wir haben eine Diskussionsveranstaltung mit  Christine Botin (homophobe Katholikin, die seit Jahren wütet) gestört  und sie aufgefordert zu schweigen und nicht mehr an unserer Stelle zu  sprechen, wir waren bei &lt;a href=&quot;http://existrans.org/&quot; target=&quot;_blank&quot; title=&quot;zur Existrans-Webseite&quot;&gt;Existrans&lt;/a&gt; dabei, der Demo der Trans und derer,  die sie unterstützen. Wir waren zum 8. März auf der Straße, am 1. Mai  und am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, und bei Sans-Papiers-Demos. Wir  gehen oft als Pink Block, was uns als Trans, Lesben und Schwule  innerhalb großer Demos der sozialen Bewegungen sichtbar macht, die  momentan besonders aktiv gegen die Angriffe auf das Sozialsystem  (Renten, Gesundheitssystem, Bildung etc.) sind. Wir wollen es uns auch  gut gehen lassen bei diesen Demos, in denen es oft zu viel  heterosexistisches Verhalten gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Wir wollen den feministischen Blick auf die  Männer lenken, auf ihre Privilegien, ihre Vorliebe für die Kooptation,  ihr Unter-sich-Bleiben, ihre Fähigkeit sich selbst zu gratulieren, ihre  Verachtung für den Rest der Welt und ihre Macht, die ihnen entrissen  werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;bok o bok:&lt;/strong&gt; Die Sexualität wird politisch, wenn es in  der Gesellschaft „richtige“ und „geschützte“ Sexualität gibt und  „falsche“, „verbrecherische“ „perverse“ Sexualität. Solange Homo- und  Bisexualität nicht „normal“ sind und vom Staat nicht geschützt werden,  bleibt das Thema der Sexualität und der Gender-Identität politisch und  ein Teil des Kampfes für die gleichen Rechte und den Schutz vor  Diskriminierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Institut Pelangi &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Perempuan:&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; Der erste Schritt unserer Politik  bestand darin, einen sicheren Raum für junge lesbische Frauen in Jakarta  zu gründen, denn nach den geltenden Normen und auf Grund von Kultur und  Religion werden Lesben als Sünderinnen stigmatisiert. Diese Bedingungen  hindern sie an ihrem coming out und daran, ihre Gefühle und Probleme zu  teilen. Unserer Initiative startete mit einer Mailingliste, die jungen  lesbischen Frauen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffte wie über  reproduktive und politische Rechte sowie über psychologische  Unterstützung. Die grundlegende Annahme für unsere Arbeit lautet, dass  junge Lesben aktiv in die Kämpfe um die Rechte sexueller Minderheiten  involviert sein können und sollten. Unser Ansatz ist &lt;em&gt;EduFunTainment&lt;/em&gt; (Education, fun and entertainment): Sport wie zum Beispiel Boxen, Tanzclubs und andere Veranstaltungen organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;h4&gt;Was sind eure Hoffnungen? Was wird sich in den nächsten zehn Jahren verändert haben?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lambda Istanbul:&lt;/strong&gt; Ich denke, wir werden nicht in der  Lage sein, Homophobie innerhalb der nächsten 10 oder 15 Jahre zu  stoppen. Aber es ist sehr wichtig, sich zusammen zu schließen und sich  gegenseitig zu unterstützen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Amargi:&lt;/strong&gt; Ich wünsche mir, dass man sich in den kommenden  10 Jahren in meinem Land dem Frieden noch etwas nähert und sich von  Gewalt entfernt, dass die Frauenmorde, Hassmorde abnehmen, dass die  Frauen und LGBTT&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt; ihre Rechte erlangen. Ich wünsche mir eine  Gesellschaft, in der ich nicht mehr daran erinnert werde, dass ich  Frau-Lesbe-Trans-Kurd_in-behindert etc. bin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;La Barbe:&lt;/strong&gt; Dass die Bezeichnung &#039;Feministin&#039; wieder  Anlass für Stolz wird, dass es wieder hip wird, Haare an den Beinen zu  haben, &#039;frustrierte Lesbe&#039; zu sein und BHs zu verbrennen, und dass der  ganz normale Sexismus zurückgeht, um Platz zu machen für die Lesben, die  Schwulen und all die BTI&lt;a href=&quot;#footnote1&quot; title=&quot;L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&quot;&gt;1&lt;/a&gt;. Dass Frauen selbstsicher werden und ihre  eigenen Ziele verfolgen, dass die Gesellschaft sie respektiert und ihnen  Raum lässt. Dass die Männer ihre Privilegien in Frage stellen und dass  die Geschlechtsattribute ihren Heiligenstatus verlieren. Dass überall  Bewegungen entstehen, die gegen die rechtlichen und faktischen  Ungleichheiten protestieren sowie gegen die Geschlechterkategorien, die  diese fortbestehen lassen. Dass sich die Zusammensetzung der  Institutionen, der sozialen und beruflichen Strukturen massiv verändert  und damit für Frauen, für Trans-Menschen, für &lt;em&gt;Persons of Color&lt;/em&gt; und für alle, die nicht in die Norm passen, neue Möglichkeiten entstehen, neue Weisen des Seins und des Miteinander-Umgehens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QueerBeograd:&lt;/strong&gt; Der Diskurs in der serbischen  Gesellschaft über queere Menschen und ihre Rechte hat sich deutlich  gewandelt, seitdem wir die Gruppe vor fünf Jahren gegründet haben. Dies  zeigt, wie wirkungsvoll Graswurzelarbeit sein kann. Es ist  vielversprechend und macht Mut, dass Gruppen oder communities sehr  machtvoll sein können, wenn sie ihre radikale Politik und direkten  Aktionen (in aller Vielfalt) weiterverfolgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Les Panthères Roses:&lt;/strong&gt; Wir würden gerne sagen können, dass bis 2020 Gender und männliche Dominanz abgeschafft sind, aber … die &lt;em&gt;panthère&lt;/em&gt; attackiert, sie träumt nicht!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_oqalgcj&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_oqalgcj&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; L = lesbisch, G = gay (schwul), B = bisexuell, T = transgender / transsexuell, I = intersexuell, Q = queer﻿&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <category domain="https://arranca.org/category/abschnitt/ausserhalb-des-schwerpunkts">Ausserhalb des Schwerpunkts</category>
 <pubDate>Tue, 21 Dec 2010 16:20:37 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Admin istrator</dc:creator>
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 <title>Özgür Gündem. Zeitung machen gegen den Tod</title>
 <link>https://arranca.org/ausgabe/2/oezguer-guendem-zeitung-machen-gegen-den-tod</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-type-text field-field-teaser&quot;&gt;
    &lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;
            &lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;
                    &lt;p&gt;Wenn mensch die Situation im türkischen Staat betrachtet, entsteht der Eindruck, daß es beim Zeitungsmachen eigentlich nur ein Problem gibt: &lt;em&gt;Überleben.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Wenn mensch die Situa­tion im türkischen Staat betrachtet, entsteht der Eindruck, daß es beim Zeitungsmachen eigent­lich nur ein Problem gibt: &lt;br /&gt;&lt;em&gt; Überleben.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; Wahrscheinlich hat sich in keinem Land der Welt die Aufstandsbekämpfung derart der Medien ange­nommen wie in der Türki­schen Republik. 16 ermor­dete JournalistInnen zählten unabhängige Men­schenrechtsorganisationen 1992. Als Täter werden offiziell fundamentalisti­sche oder türkisch-natio­nalistische Terrorgruppen genannt. Es ist aber viel­fach nachgewiesen wor­den, daß hinter den Grup­pen, die Namen wie „Türkische Rache-Brigade&quot; oder schlicht „Hizbullah&quot; tragen, eine Allianz von Geheimdiensten, Rechts­extremisten und den Anti-Guerilla-Einheiten der tür­kischen Armee stehen. Generalstabschef Güres traf denn im Juli den Nagel auch auf den Kopf, als er sagte: „Im totalen Krieg ist die Presse auch ein Bestandteil&quot;, wobei er und die neue Premiermi­nisterin Tansu Ciller Wert darauf legten, zwischen befreundeten und feindli­chen Medien zu unter­scheiden. Der Krieg gegen linke Medien und Gege­ninformation ist in der Türkei und in Nordkurdi­stan zur brutalen Überle­bensfrage geworden. Besonders betroffen von den Repressionsschlägen ist die türkisch-kurdische Tageszeitung Özgür Gün­dem, - freie Tagesord­nung. Das am 30. Mai 1992 zum ersten Mal erschienene Blatt, das neben der (erst 1993 gegründeten) Aydinlik getrost als einzige linke Tageszeitung im Türki­schen Staat bezeichnet werden kann, ist Haupt­ziel der Angriffe. Sieben JournalistInnen, drei wei­tere MitarbeiterInnen und sogar ein Verkäufer der Zeitung wurden von Todesschwadronen umge­bracht. Die letzten beiden Opfer waren Anfang August der erst 18-jährige Journalist Ferhat Tepe, der in Nordkurdistan entführt wurde, und die Istanbuler Korrespondentin Aysel Malkac.&lt;br /&gt; Dazu kommen Haus­durchsuchungen, Anschläge auf Büros, über 60 Festnahmen gegen RedakteurInnen, inzwi­schen mehr als 40 Ausga­ben, die von staatlichen Stellen beschlagnahmt wurden - Verluste pro beschlagnahmte Nummer laut Özgür Gündem: 175-200 Millionen Türkische Lira, in etwa 30.000 DM.&lt;br /&gt; Es gehört zu den mittleren Wundern, daß die Tageszeitung trotzdem weiterge­macht hat. Außer einer dreimonatigen Pause Anfang 1993, die notwendig war, um die Arbeit neu organisieren zu kön­nen, hat sich das Blatt keine Atempause gegönnt. Eine Besserung der Verhält­nisse ist nicht absehbar. Die Sommermo­nate 1993 gehörten zu den härtesten überhaupt. Nach der Erklärung des „totalen Kriegs&quot; durch den türkischen Sicherheitsrat, wurde die Zeitung am 14.Juli von einem Istanbuler Gericht vorübergehend verboten, am 17. Juli zwei Redaktionschefs verhaftet, am Monatsende ein Journalist bei einem Anschlag schwer verwundet, Anfang August kam es zu den genannten Mor­den, gleichzeitig ist die Polizeiüberwa­chung der Büros verschärft worden.&lt;br /&gt; Der Grund für die Härte, mit der der türkische Staat gegen die Tageszeitung vorgeht, hat damit zu tun, daß Özgür Gündem als einziges Blatt schwer­punktmäßig über den Krieg in Kurdistan berichtet. In den türkischen Medien wird der Konflikt zwischen PKK und den Militärs entpolitisiert als „Terror von Kri­minellen gegen die Brüderlichkeit der türkischen Völker“ dargestellt. Und obwohl es Hunderte von kurdischen Dörfern gibt, die von Anti-Guerilla-Ein­heiten dem Erdboden gleich gemacht und Zehntausende vertrieben wurden, glaubt der überwiegende Teil der Bevöl­kerung in der Türkei nach wie vor die offizielle Version. Die vielen Jugendli­chen, die als Rekruten in Kurdistan ver­heizt werden, bieten eine gute Grund­lage, um den Krieg chauvinistisch zum Nationalitätenkonflikt zu machen.&lt;br /&gt; Das Verbrechen Özgür Gündems besteht darin, sich genau dieser Deutung des Konflikts entgegenzustellen. Die Zei­tung, die täglich 40.000 Exemplare ver­kauft, davon 10.000 im Ausland, ist ent­gegen anderer Darstellungen kein Hausblatt der PKK. Die Tageszeitung ist ein türkisch-kurdisches Gemein­schaftsprojekt, das sich nach eigenen Worten „sowohl an die türkischen Arbei­tenden als auch an das kurdische Volk&quot; richtet. Im Selbstverständnis bezeichnet sich Özgür Gündem als antiimperiali­stisch, antifaschistisch und antichauvini­stisch.&lt;br /&gt; Die Tatsache, daß der Krieg in Kurdi­stan fast immer auf der Titelseite erscheint und der PKK bzw. der ARGK (die Befreiungsarmee) in jeder Ausgabe mindestens eine Seite gewidmet ist, läßt sich nicht mit einer kurdisch-nationalisti­schen Position erklären. Der Krieg bestimmt die Realität im türkischen Staat, der kurdische Widerstand ist die einzige ernstzunehmende Opposition in der türkischen Republik. Linke Bericht­erstattung kann gar nicht daran vorbei, diesen Fragen Platz einzuräumen.&lt;br /&gt; Zumal sich Özgür Gündem nicht auf Kurdistan beschränkt. Gewerkschaften, Studentinnen-, Stadtteil- oder Arbeits­kämpfe in der Türkei nehmen in keiner türkischen Tageszeitung so viel Raum ein wie in Özgür Gündem. Auch wenn manche Beiträge sowohl kurdischer als auch türkischer Linker verschwörungstheoretisch wirken, auch wenn RedakteurInnen zu bestimmten Organisationen ein unkritisches Verhältnis haben, ist die Zeitung als solche keine Hauspostille. Sie ist die einzige Stimme der Opposi­tion, eine der wenigen Quellen, um das zu erfahren, was sich in Kurdistan ereig­net.&lt;/p&gt;


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 <pubDate>Sun, 14 Nov 2010 09:59:34 +0000</pubDate>
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                    &lt;p&gt;Yasar K.. war in den 70er Jahren in einer Kleinstadt der Türkei an der ägäischen Küste mit 200.000 Einwohnern in der TEKP (türkische Kommunistische Partei der Werktätigen, die sich 1974 gründete und im Mai 1980verboten wurde), aktiv. Die TEKP, wie auch Devrimci Militan (Militante Linke) bilden mit der MDD, die man als deren Dachorganisation verstehen kann, eine Einheit. Alle drei gründeten sich aus ehemaligen Mitgliedern der TKP (Türkische Kommunistische Partei) die verboten wurde. Aus der MDD sind alle bewaffneten Gruppen entstanden.&lt;/p&gt;

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&lt;p&gt;Yasar K.. war in den 70er Jahren in einer Kleinstadt der Türkei an der ägäischen Küste mit 200.000 Einwohnern in der TEKP (türkische Kommunistische Partei der Werktätigen, die sich 1974 gründete und im Mai 1980verboten wurde), aktiv. Die TEKP, wie auch Devrimci Militan (Militante Linke) bilden mit der MDD, die man als deren Dachorganisation verstehen kann, eine Einheit. Alle drei gründeten sich aus ehemaligen Mitgliedern der TKP (Türkische Kommunistische Partei) die verboten wurde. Aus der MDD sind alle bewaffneten Gruppen entstanden. Die sich abwechselnden Regierungen von Ecevit (sozialistisch) und Demirel (VP) in Koalition mit den Grauen Wölfen (und dessen Vorsitzender Alparsan Türkes) und Erbakan (religiöse Fundamentalisten) bringen das Land in eine immer verheerendere wirtschaftliche Krise. Innerhalb der Bevölkerung entsteht eine Polarisierung in rechts und links. In den 70er Jahren erreicht der faschistische Terror gegenüber der Linken und der breiten Schicht von SymphatisantInnen seinen Höhepunkt; Kriegsrecht, Ausgangssperren, Menschenjagden sind an der Tagesordnung. Yasar K. verläßt die Türkei noch vor dem Militärputsch am 12. 9.1980 und kehrt 1992, 12 Jahre nachdem er die Türkei verlassen mußte, das erste Mal wieder in seine Heimat zurück. Dieses Interview ist durch einen persönlichen Kontakt entstanden, Yasar K. spricht in erster Linie für sich. Mit diesem Interview vertreten wir nicht den Anspruch, objektiv und vollständig wiederzugeben, wie die Situation in der Türkei konkret war und wie sie sich heute darstellt; vielmehr ist dies ein Versuch, die gemachten Erfahrungen und deren Verarbeitung anschaubar zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;arranca! (a!):&lt;/strong&gt; Die 70er Jahre in der Türkei waren geprägt von Klassenkämp­fen; eine für unsere Verhältnisse nur schwer vorstellbare Anzahl von Men­schen hat sich an Aktionen der Linken beteiligt. Du warst damals zwischen 16 bis 20 Jahren alt und in der Linken aktiv. Wie hast du diese Zeit erlebt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Die Zeit von 1974 bis 1980 war nicht so sehr eine Zeit des Klassenkamp­fes, sondern vielmehr des Kampfes gegen die faschistische Bewegung, die Verteidigung gegen Angriffe der Faschi­sten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die damaligen Massenproteste richte­ten sich nicht in erster Linie gegen die Bourgeoisie, sondern gegen türkische Faschisten wie die MHP(nationalistische Bewegungspartei), die Grauen Wölfe und die Konterguerilla, die zu der Zeit aktiv gegen die Linke vorgegangen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ideen des Klassenkampfes oder des Antiimperialismus&#039; existierten zwar in den Köpfen und Zeitungen der Linken, sind jedoch nie realisiert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir waren aktive Antifaschistinnen und haben von &#039;74 bis &#039;80 nicht gemerkt, daß die türkische Bourgeoisie die Faschisten vorgeschickt hat um sich vor der linken Bewegung zu schützen; die Rechnung ging auf, denn die Linke steckte ihre gesamte Kraft in die Vertei­digung gegen die Faschisten und schaffte es darüberhinaus nicht, der Bewegung Inhalte zu geben obwohl ein sehr großes Potential vorhanden war. Zum 1. Mai 1977 waren in Istanbul 500.000 bis 1 Million Menschen auf der Straße. Bei dieser Demonstration kam es zu einem Massaker; 33 Menschen wur­den ermordet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Einfluß der Linken in der Bevölke­rung war sehr groß, durch den Mut, den viele Linke besaßen, gab es viele SympathisantInnen. Wir waren in vielen Bereichen aktiv vertreten, in Grundschu­len, Gymnasien und Universitäten, und haben dort eine Bewegung aufgebaut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Einfluß ging z.T.so weit, daß es eigene linke Städte und Stadtteile gab; aber auf der anderen Seite bildeten sich auch rechte Stadtteile heraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Zeit entwickelte sich ebenfalls die Kurdenbewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Probleme und darausfolgend ihr Ziel waren jedoch andere. Ehr Kampf richtete sich nicht gegen türkische Faschisten, sondern gegen den türki­schen Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Welche Position nahm die türkische Linke bezüglich der Kurden ein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Wir haben darüber diskutiert, ob sie einen eigenen Staat gründen sollten, ob Türken und Kurden zusammen in einem Staat leben können und ob Kurdi­stan Teil der Türkei ist. Bezüglich dieser Frage z.B. merken wir heute, daß wir damals Kemalisten&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref1_i9d1emp&quot; title=&quot;Kemalismus: Das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete für das Osmanische Reich den Niedergang durch erheblichen Verlust an Menschen, die Besetzung weiter Teile des Landes durch die Alliierten, und die Zersetzung des zentralen Staatsapparates . Hatte bislang die Staatsbürokratie die Macht im Land, kam es nach 1919 zu einem politischen Klassenbündnis von traditioneller osmanischer Bürokratie und der besitzenden Klasse. Die Führung innerhalb dieses Bündnisses errang allerdings nach wie vor die Bürokratie, mit ihrem Repräsentanten Mustafa Kemal (1934 legt er sich den Beinamen Atatürk=Vater der Türken zu.). Im Zuge einer Einladung zur Friedenskonferenz im Oktober 1922 erzwang Kemal auf der Versammlung des Bündnisses die Abschaffung des Sultans; das Osmanische Reich findet damit sein endgültiges Ende und wird vom Regime Kemals abgelöst. Diese Zeit von 1919 bis zur Gründung der Republik Türkei am 29.10.1923 wird als Nationaler Kampf bezeichnet. Die auf der Friedenskonferenz anerkannte Souveränität der Türkei und die weitgehende Annullierung der Kapitulation (rechtlich, finanziell und ökonomisch) bilden die Grundlage für den Aufbau der türkischen Republik; der Republikanischen Volkspartei (CHP) unter Kemal gehören alle bürgerlichen Abge-ordnete an, Ankara wird zur Hauptstadt erklärt und Kemal wird Präsident der Republik. Seine Politik, der Kemalismus, bedeutete grundlegende politische, wirtschaftliche, und kulturell-religiöse Veränderungen für die Türkei. Grob umrissen machen den Kemalismus folgende Punkte aus: -Es wurde versucht, den Entwicklungsstand der Türkei möglichst schnell an den von mitteleuropäischen Industrieländern anzugleichen. Private Investitionen und Kredite wurden gefördert, um das Entstehen von Unternehmertum und einer Handelsbourgeoisie zu fördern; diese liberale Wirtschaftspolitik hatte keinen großen Erfolg, so daß ab 1930 ein Weg zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft eingeschlagen wurde. -Trennung von Staat und Religion. Das Kalifat wurde abgeschafft, ebenso geistliche Schulen, klerikale Besitze wurden eingezogen und es wurden weltliche Gerichte eingeführt. -Populismus; Bestehende Klassengegensätze (die politische Macht befand sich in den Händen des Bündnisses von bürgerlicher Intelligenz und Großgrundbesitzern, die unteren sozialen Schichten waren nicht repräsentiert, obwohl die Struktur des Landes von überwiegend im Agrar-Sektor arbeitenden Menschen geprägt war) wurden zugunsten der Betonung gleicher nationaler Interessen aller Bevölkerungsteile geleugnet. &quot; href=&quot;#footnote1_i9d1emp&quot;&gt;1&lt;/a&gt; waren. Denn wir haben selbst als Linke die Grenzen, wie sie nach dem ersten Weltkrieg gezogen wurden, anerkannt und nahmen damit eine sehr nationalistische Position ein. Wir waren anfangs weder Marxisten noch Leninisten, sondern haben - und zwar nicht nur was die Kurdenfrage anbelangt - Positionen von Kemal Atatürk vertreten und unsere Ideen von dort ausgehend entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Widerspruch, daß der türkische Staat bzw. die türkische Bourgeoisie sich zwar einerseits vom Imperialismus, also von den Briten, den Franzosen befreite, andererseits jedoch damals 10 - 15 Mil­lionen Kurden gefangennahm und bis heute in seinen Grenzen behält, haben wir nicht gesehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab nur sehr wenige Gruppierun­gen, die sich tatsächlich ernsthafter mit der Situation der KurdInnen auseinan­dergesetzt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch gegenüber der Islamischen Bewegung haben wir unsere Augen verschlossen, und sie - wieder sehr kemalistisch - unterschätzt und ignoriert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Du glaubst also, es war ein Fehler, sich nur auf den antifaschistischen Kampf beschränkt und dabei die Ent­wicklung von eigenen Perspektiven ver­nachlässigt zu haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Der antifaschistische Kampf als solcher war natürlich kein Fehler, bleibt es jedoch das Einzige, womit sich eine Linke beschäftigt, dann ist es ein Fehler. Wenn wir es geschafft hätten, die antifa­schistische Bewegung zu einer antiim­perialistischen, antikapitalistischen Bewegung weiterzuentwickeln, dann hätten wir die Ideen, die in unseren Köpfen waren mit der Menge von Men­schen umsetzen können und die Linke in der Türkei wäre heute nicht in dieser Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser größter Fehler aber war es, den Kemalismus nicht hinterfragt zu haben, weder als Element unserer eigenen Poli­tik, noch in seiner gesellschaftlichen Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Im August 1980, also noch vor dem Putsch am 12. September 1980, entsch­ließt du dich, die Türkei zu verlassen, du flüchtest mit anderen Genossen vor­erst in den Libanon...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es wurden in der Türkei täglich an die 30 Menschen umgebracht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben mit anderen Genossen gese­hen, daß es so nicht weitergehen kann und beschlossen, bestimmte Leute ins Ausland zu bringen, damit sie sich dort auszubilden und weiterdiskutieren, um danach wieder zurückzukehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind dann über Syrien in den Liba­non geflüchtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort haben wir begonnen zu diskutie­ren. Der Blick von außerhalb hat es uns ermöglicht, ein besseres Bild von dem zu bekommen, was sich in der Türkei abspielte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erkannten, daß die Zeit bis zu unserer Flucht zur Vorbereitung der Junta gedient hatte. Die Bourgeoisie schuf eine Situation, die letztendlich die Machtübernahme der Junta am 12. Sep­tember 1980 rechtfertigen sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch hatten wir zum ersten Mal die Möglichkeit, Fehler, die wir gemacht haben, zu benennen: Wir haben zwar kleine Faschisten und deren Sympathisanten abgeschossen, aber nicht die, die an der Spitze diese Bewegung steuerten, ‚obgleich wir sehr wohl die Möglichkei­ten dazu gehabt hätten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach der Machtübernahme der Junta sind viele Menschen in den Libanon geflüchtet und schilderten uns die Situa­tion; die Repression war nach dem 12.September nochmal härter, es wur­den Menschen auf offener Straße gejagt, verhaftet und umgebracht, linke Zusam­menhänge wurden dadurch völlig zer­schlagen. Unser Vorhaben in die Türkei zurückzugehen und dort zu intervenie­ren war unmöglich geworden. Durch die ständigen Niederlagen und Verluste war der Mut bei vielen Menschen nicht mehr vorhanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach einem Jahr scheiterte die Diskus­sion zwischen den verschiedenen Orga­nisationen im Ausland darüber, was wie zu machen sei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir alle wissen, daß die PKK ab 1984 die einzigen waren, die in Kurdistan alleine Aktionen gegen die türkische Armee unternahmen, denn die türkische Linke gab es in der Türkei so nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:.&lt;/strong&gt; Aus welchen Gründen ist die Diskus­sion und damit ein Versuch, die Junta zu bekämpfen, gescheitert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Heute können wir feststellen, daß vieles, was die Gruppierungen im Ausland versprochen hatten zu tun, nicht wirklich umgesetzt wurde, also nichts als große Worte waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich war geplant, daß 1983 Leute in die Türkei hätten zurückkehren sol­len; sattdessen drehte sich die Diskus­sion immer noch darum, ob mit den Kurden zusammengearbeitet werden sollte oder nicht. Aber ich glaube, das war nicht nur durch die türkische Linke bedingt, sondern auch durch die Konterguerilla.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende 1983 entschied sich dann ein wichtiger Vertreter von Dev Yol, nach Europa zu gehen und von dort aus weiterzumachen. Dev Yol (Revolutionärer Weg) war anfangs eine Jugendorganisation, später die größte Organisation der unabhängigen revolutionären Linken, und ihr Rückzug hatte verheerende Auswirkungen für den gesamten Diskussionszusammenhang. Es kam zu Streitereien zwischen den verschiedenen Gruppierungen, und viele haben aus diesen Erfahrungen dann ihre Konsequenzen gezogen und das Projekt, in die Türkei zurück­zukehren, auf Eis gelegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Im März 1982 gehst du nach Deutsch­land; was habt ihr für Erwartun­gen oder Hoffnungen damit verbunden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Zuerst einmal muß man bedenken, daß wir selbst die zwei Jahre im Libanon in permanentem Kriegszustand gelebt haben, mit dem Unterschied allerdings, daß wir passiv dasaßen und nichts machen konnten; das zehrte an den Nerven. Hinzu kam die Art der Kriegsführung. Du hast den Feind nicht gesehen; ent­weder die Menschen wurden von Hub­schraubern aus abgeschossen, von Flug­zeugen Bomben abgeworfen oder es wurde von offener See aus angegriffen. Du mußtest zusehen, wie Kinder umge­bracht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben mitbekommen, daß es in Deutschland eine Bewegung gegen die Junta in der Türkei gibt, wir hörten von Demonstrationen und hatten die Hoffnung, von Deutschland aus mehr machen zu können, zumal wir im Liba­non einfach schon zu lange Gast waren. Die Leute dort haben uns dann geholfen, nach Deutschland zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir hatten sehr positive Vorstellungen von der deutschen Linken, von der Frie­densbewegung, von den Gewerkschaf­ten, linken Parteien; das alles war für unsere Verhältnisse sehr fortschrittlich. Auch von der Sozialdemokratie hörten wir, daß sie sich gegen die Junta aus­sprachen, und glaubten, daß, wenn wir es schafften, alle diese Bewegungen zusammenzubringen, es für die Junta nicht mehr länger möglich gewesen wäre, an der Macht zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie sah dann die Realität in Berlin aus? Ihr habt zuerst Kontakt zu türki­schen Linken aufgenommen...,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Ja, um unsere bisherigen Diskus­sionen mit den eigenen Leuten hier wei­terzuführen, suchten wir zuerst diesen Kontakt. Mit den Kräften, die es hier gab, haben wir dann versucht, gemein­same Sachen zu organisieren, doch das war problematisch: Die Gruppierungen hier haben generell getrennt voneinan­der agiert. Im Laufe der Zeit sind dann auch Gruppen wie Dev Yol hier ausein­andergebrochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Waren wir anfangs noch davon ausge­gangen, daß es hier eine gemeinsame linke Bewegung gegen die Geschehnisse in der Türkei gab, stellte sich bald her­aus, daß nur wenige türkische Linke Aktionen organisierten, an denen sich andere Gruppierungen dann allenfalls beteiligten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auch bei der deutschen „Linken&quot; wurde bald offensichtlich, daß sie nicht das waren, was wir uns in der Türkei vorgestellt hatten. Es gab z.B. Kontakte zu den Grünen und Gewerkschaften, die die türkische Linke unterstützt haben. Diese bewegten sich jedoch nur in einem gemäßigten, demokratischen Rah­men, sobald es um militantere Positio­nen ging, wurden, versagten sie uns ihre Unterstützung, und wir standen alleine da.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Ansätze von politischer Arbeit boten keine großen Perspektiven. Ein weiterer Versuch einiger türkischer Lin­ken, mit der militanten Linken der Häu­serbewegung ins Gespräch zu kommen, schlug fehl, denn zum einen waren die kulturellen Unterschiede sehr groß und zum anderen existierte keine Bereit­schaft, sich gegenseitig in seiner Unter­schiedlichkeit zu akzeptieren. Die türki­schen Linken fanden die Art der Hausbesetzerinnen zu leben, sich anzu­ziehen usw. abstoßend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1983 habe ich mich vom Großteil die­ser türkischen Linken zurückgezogen und versucht, mit einigen von ihnen ein Forum zu schaffen, um mit der deut­schen linksradikalen Szene Kontakt zu bekommen. Allerdings habe ich mir den Anfang lange nicht so schwer vorgestellt! Wir bekamen einen gemeinsamen Laden zur Verfügung gestellt bekommen, um uns überhaupt erst einmal kennenzuler­nen; doch sie hatten ihre Vorurteile, und ich meine, sie haben mich nicht verstan­den und ich sie nicht. So scheiterte Ende 1983 auch dieser Versuch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Woran glaubst du, hat es gelegen, daß eine gegenseitige Akzeptanz nicht vorhanden war?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Die deutsche Hausbesetzerinnen- Linke hat sich damals nicht mit Fragen, die Gastarbeiterinnen - wie sie früher hießen, heute nenne ich sie Immigran­tinnen - betreffen, beschäftigt. Sie haben keine Politik mit oder für Immigrantin­nen gemacht. Für sie war der Kontakt mit Ausländerinnen etwas Neues und die Idee, daß Immigrantinnen und Deut­sche zusammen gemeinsame Interessen durchsetzen —was unser Ansatz ab 1983 war— gab es so erst einmal nicht, auf diesen Schritt waren sie auch nicht vor­bereitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wiederum haben uns .zu wenig Gedanken darüber gemacht, wie und an welcher Stelle eine Zusammenarbeit mit deutschen Linken möglich sein konnte. Dazu kommt, daß du, wenn du aus einem Land, wie der Türkei nach Deutschland kommst, sozusagen einen Kulturschock erlebst, den du erst einmal verarbeiten mußt. Kulturschock sage ich deshalb, weil die türkische Kultur im Vergleich zur Deutschen sehr viel mora­lischer ist. Daraus folgen zwei völlig ver­schiedene Lebenseinstellungen. Am deutlichsten wurde das für mich in Bezug auf die Mann-Frau-Beziehung: Sexuelle Befreiung, offene Beziehungen, hat es in der Form in der Türkei natür­lich nie gegeben. Die türkische Moral baut auf völlig veralteten Normen auf, Schwule und Lesben z.B. waren für mich Kranke, bis ich sie kennenlernte und merkte, daß sie völlig normale Men­schen waren; ich war es überhaupt nicht gewöhnt, mich so frei, wie Deutsche es tun, zu bewegen, frei zu denken und einen eigenen Willen zu entwickeln. Innerhalb der deutschen Gesellschaft mußt du dich vor niemandem rechtferti­gen, du kannst also so ziemlich alles machen, was dir gefällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mag ulkig klingen, aber ich habe alleine drei Monate gebraucht, bis ich alleine U-Bahn fahren konnte...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; In den folgenden Jahren bemüht ihr euch, ein anderes Spektrum von Men­schen zu erreichen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Ja, wir haben angefangen, uns mit den Jugendlichen, die auf der Straße waren und mit der türkischen Linken erst einmal nichts zu tun hatten, auseinanderzusetzen, zusammen mit einigen deutschen Linken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Jugendliche waren alleine, woll­ten aber sinnvolle Sachen machen, so daß sie in Kontakt mit uns kamen. Diese daraus entstandene antifaschistische Gruppe hat sich zusammen mit Deut­schen gegen deutsche Faschisten zur Wehr gesetzt. Die Gruppe hat aber nur sechs, sieben Monate existiert, denn einige haben sich herausgezogen, da ihnen die Aktionen zu militant waren. Ich denke, es ist nur schwer möglich, eine militante und eine nicht-militante Ebene in einer Gruppe zu vereinen, und wir haben sicher auch Fehler gemacht, was das anbelangt. Doch ist es nicht so, daß diese Leute nicht mehr politisch interessiert oder aktiv sind, sie machen weiterhin ihre Art von politischer Arbeit und das ist wichtig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Kommen wir zurück zur Türkei. Im Sommer 1992 bist du das erste Mal seit 12 Jahren wieder hingefahren,. Das war begleitet von einer Reihe von Ängsten, z.B., verhaftet zu werden...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber auch mit dem Gefühl - so stelle ich es mir vor - nicht zu wissen, was auf einen zukommt, was sich verändert hat und nicht mehr so ist, wie es in der Ver­gangenheit und in deinen Vorstellungen einmal war. Wie hast du diese Reise für dich erlebt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Natürlich habe ich auch von anderen mitgekriegt, wie die Situation in der Türkei heute ist, aber es ist etwas völlig anderes, wenn man dann selber dorthin zurückgeht, denn vieles wollte man vielleicht nicht wahrhaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe meine Genossinnen und meine Familie vermisst, die ich seitdem nicht mehr gesehen habe - zumal ich die Türkei eigentlich in dem Glauben verlas­sen habe, bald zurückzukehren und nicht nach Europa emigrieren zu müs­sen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe die Stadt, in der ich groß geworden bin, vermisst und das Leben dort; die politische Atmosphäre und das Gefühl, total aktiv zu sein und viel zu machen, was das Leben trotz allem sehr schön gemacht hat. Dieses Gefühl ver­stärkt sich - habe ich gemerkt - nochmals dadurch, daß mir durch die große Distanz, die ich zur Türkei hatte, eigentlich marginale Dinge ins Bewußt­sein rückten und ungeheuer wichtig wurden, z.B. solche Kleinigkeiten wie das Teetrinken und Teilen mit Genossin­nen, und das prägt die Erinnerung sehr. An all das denkst du, wenn du zurück­herst, doch die Realität holt dich schnell ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe diese Reise 2 Jahre vorberei­tet und es existierten in der Tat die Äng­ste, verhaftet,. gefoltert oder ermordet zu werden, und dies hat mich sicherlich auch davon abgehalten, früher in die Türkei zu fahren. Auf der anderen Seite wurde die Notwendigkeit, doch hin­zufahren auch immer größer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie hast du die Genossin­nen, die du in der Türkei zurückgelassen hast, vorge­funden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Ich hatte geglaubt, sie seien noch wie früher, hatte geglaubt, sie hätten sich nicht verändert. Aber die Realität sieht so aus, daß sie den Ideen, die wir damals im Kopf hatten, den Rücken gekehrt haben. Viele ihrer Äußerun­gen sind rassistisch. Sie sind sehr resigniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Beispiel habe ich mit einem Genossen, mit dem ich damals viel zu tun hatte, und der in seinem Bereich wich­tige Funktionen innehatte, in einem Cafe gesessen, und es tanzten dort ein paar Jugendliche. Daraufhin sagte er: „Die erleben ihre Jugend; wir haben unsere nicht erlebt.&quot; Aber ich bin der Meinung, wir haben sehr wohl eine Jugend erlebt und bestimmt eine sehr viel sinnvollere, als diese herum- wackelnden Jugendlichen, die sich um gesellschaftliche Probleme schätzungs­weise noch keinen Kopf gemacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir waren uns unserer Sache bewußt, wir sind mit einem Lächeln zu den Demos oder Aktionen gegangen, und es war keiner der Meinung, wir verlieren unsere Jugend, und das, was wir machen sei Scheiße. Auch er hat nicht gesagt, alles war Scheiße, aber er glaubte, er habe seine Jugend ver­schwendet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer, dem ich damals sehr ver­traut habe, ist sehr unsolidarisch gewor­den, er denkt nur noch an sich; um Leute, die aus dem Knast gekommen sind, wurde sich nicht gekümmert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele sind in völliges Prestigedenken verfallen, wollen konsumieren, obgleich sie es sich gar nicht leisten können...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A.:&lt;/strong&gt; Geht diese Resignation denn so weit, daß sich die Menschen als Linke negie­ren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Nein, viele sagen immer noch von sich, sie seien Linke, aber ihr Ver­halten und ihre Äußerungen sind es oft nicht mehr. Über politische Themen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;wird nicht mehr diskutiert, die Leute ste­hen morgens auf, gehen ins Cafe, spie­len Tavla und gehen abends wieder nach Hause; sie haben sich in einem einigermaßen sicheren Leben eingerich­tet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wenn du mit ihnen über neue Möglichkeiten, wieder etwas aufzubauen redest, sagen sie dir, du kommst jetzt- mit neuen Ideen, wir kämpfen zehn Jahre und zehn Jahre später haben wir den Kampf wieder verloren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele haben keine Hoffnung mehr, daß die Linke irgendwelche Änderungen in der Gesellschaft erringen kann&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Was für ein Gefühl ist das für dich persönlich; sie haben die Jahre nach dem Putsch erlebt, du nicht, und sie haben sich derart verändert…&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Die ersten drei Jahre der Junta waren sicher hart, sie haben Ängste durchgestanden, viele Genossinnen sind verhaftet worden, wieder freigekommen, wieder verhaftet&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser schwierigen Zeit haben sie nicht an die Zukunft gedacht, sondern die gegenwärtige Zeit gelebt, und das kann schnell zur Gewohnheit werden. Aber mit der Zeit haben viele nur noch gejammert, nicht daß man sie alleine gelassen hat, aber sie haben die Hoff­nung in die Organisationen verloren, und vor allem ihren eigenen Glauben. Sie führten seitdem keine politischen Diskussionen mehr geführt. Heute lesen sie irgendwelche türkische Zeitungen, und über das, was irgendein Staatsmann erzählt, wird geredet, nur in einer linken Sprache; eigene Ideen oder Ansätze haben sie nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über die Kurdenbewegung z.B. ist die Meinung total negativ. Sie gehen sogar so weit, daß sie die Kurdenbewegung dafür verantwortlich machen, daß sich der türkische Staat so lange halten konnte, und die Unterdrückung der lin­ken Szene wegen der Kurdenbewegung anhält.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich erinnere mich sehr gut, daß wir da früher schon einmal etwas weiter waren...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch 12 Jahre Manipulation durch die Medien haben viele ihre linke Identität verloren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Aus was für Leuten setzt sich dann die heutige Linke in der Türkei zusam­men&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es sind Leute, die entweder im Knast oder im Ausland waren und zurückgekehrt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber ich habe auch Jugendliche getrof­fen, die wirklich gut drauf waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie handeln noch nicht unbedingt bewußt, sondern eher aus dem Gefühl heraus, daß ihnen die Situation, so wie sie ist, nicht paßt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie stellen sich gegen diesen gesell­schaftlichen Rassismus gegen Alevi­ten&lt;a class=&quot;see-footnote&quot; id=&quot;footnoteref2_qf0p9pi&quot; title=&quot;Aleviten: In Unterscheidung zu den Suniten. Ca. 640 n.u.Z. wurde in der Moschee Ali, der Cousin des obersten Propheten Mohammed, von den Sunniten umgebracht, woraufhin. die Aleviten, deren Bezugsperson Ali war, nicht mehr in die Moschee gingen, da sie für die Aleviten keinheiliger Ort mehr war. Im Gegensatz zu den Sunniten üben die Aleviten ihre Religion nicht so streng aus, ihr Weltbild ist freier. Das brachte, und bringt, den Aleviten gegenüber den Vorwurf ein, sie seien keine richtigen Moslems, worauf sich rassistisches Verhalten ihnen gegenüber begründet.&quot; href=&quot;#footnote2_qf0p9pi&quot;&gt;2&lt;/a&gt;, Zigeuner, Kurden und versu­chen, mit diesen Gruppen zusammen etwas zu machen, in der Idee ähnlich wie Jugendbanden eine Bewegung gegen faschistische Jugendbanden auf­zubauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie haben mit der Linken keinen Kon­takt, aber das liegt nicht unbedingt an ihnen. Im Gegenteil, sie sind sehr inter­essiert und du merkst, daß sie zwar Respekt haben vor dem, was die Linke damals gemacht hat, aber sehr genau wissen, daß sie das so nicht erleben wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der anderen Seite kümmert sich die Linke nicht darum, Kontakt zu den Jugendlichen zu bekommen; sie unter­nehmen nichts, ihre Anziehungskraft zu erhöhen. Z.B. was die Sprache der Lin­ken betrifft: Diskussionen, Geschriebe­nes ist nur verständlich, wenn du schon länger in linken Diskussionen steckst, der Rest wird ausgegrenzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allgemein ist die Öffentlichkeitsarbeit der Linken falsch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Inwiefern ist sie falsch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es gibt in der Türkei bewaffnete Gruppen, die Attentate etc. verüben. Aus deren Umfeld existieren ein paar legale Gruppen, doch ihre einzige Arbeit besteht darin, die Aktionen der bewaff­neten Gruppen hochzujubeln, egal, ob sie sinnvoll waren oder nicht, ohne daß diese Aktionen irgendwie begründet und somit verständlich für die Bevölke­rung werden und Sympathien bringen würden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der legale Bereich beschränkt sich also nur auf die Legitimierung der illegalen Aktionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hat zur Folge, daß die Leute, die politisch eher links sind, Angst haben, irgendetwas mit diesen Leuten zu tun zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie müßte eine sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit denn deiner Meinung nach aussehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es muß versucht werden, wieder das Vertrauen der Menschen in eine Linke aufzubauen; dieses Vertrauen war schließlich einmal da, und es war - anders als hier in der BRD - eine Masse von Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das muß auf zwei Ebenen laufen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum einen könnte man durch die Gründung von Vereinen, z.B. für Men­schenrechte oder durch Sportvereine eine Möglichkeit schaffen, daß sich dort z.B. die Jugendlichen an die linke Szene annähern und Vertrauen gewinnen kön­nen, und hierdurch die 12 Jahre lang durch die Medien aufgebauten Vorur­teile gegenüber der Linken, daß sie die Menschen ausnutzen, funktionalisieren würde, abbauen können. Die Linke wurde zum Sündenbock für alles gemacht und das muß sich ändern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum anderen muß dies auch über andere Arten von illegalen Aktionen lau­fen, mit denen du die Sympathie der Menschen gewinnst; ansonsten kannst du Vereine gründen wie du willst, du wirst sie nicht vollkriegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zum Beispiel sinnlos, irgendei­nen Polizeibeamten, der auf dem Weg nach Hause ist, vielleicht erst ein paar Jahre im Amt ist und noch keinen Lin­ken ermordet hat - es wahrscheinlich noch tun wird, o.k. - , erschießt. Es wird keiner sagen, toll, das war eine gute Aktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder du bombardierst irgendeine Poli­zeikaserne, ein paar Beamte gehen drauf - Unbekannte. Solange die Bevölkerung den Staat akzeptiert, wirst du mit sol­chen Aktionen keinerlei Erfolg haben. Wenn du aber öffentlich machst, daß jemand nachweislich in Knästen gefol­tert hat, dies also eine Zeitlang in der Presse erscheint und ihn daraufhin liqui­dierst, wird es sehr viel verständlicher sein und du setzt Signale, nämlich, daß dies jedem passieren kann, der das Glei­che getan hat oder noch tun wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sei es, daß du Mülltransporte in die Türkei, die dort im Schwarzen Meer lan­den, bekannt machst und danach den Verantwortlichen umbringst, dafür wirst du Sympathien kriegen; oder du greifst einen Arbeitgeber an, der in seinem&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betrieb 500 Arbeiterinnen entläßt: auch dafür bekommst du Unterstützung, denn das alles sind Dinge, die die Menschen betreffen und die sie nachvollziehen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das dauert ein, zwei Jahre, du mußt auf der Straße vertreten sein, aber es ist zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur ist es heute so, daß selbst, wenn in Kurdistan etwas passiert, in Istanbul oder Ankara Kurden eine Demo machen, die türkische Linke diese aber unterstützt, obwohl sie als Linke die Ver­antwortung gegenüber der kurdischen Bewegung in ihrem Kampf gegen den türkischen Staat hat, aber dieser Verant­wortung ist sie sich nicht bewußt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Linke hat aus den Niederlagen der 80er Jahre nichts gelernt, diese Zeit ist nicht verarbeitet worden, das ist erschreckend, die Aktionen sind die gleichen wie vor 12 Jahren&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie hat sich die heutige Linke im Vergleich zu früher in gesellschaftlichen und kulturellen Fragen verändert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar&lt;/strong&gt;: Sie ist heute extrem moralisch, so moralisch wie die türkische Gesellschaft. Für diese Gesellschaft ist es nicht akzep­tabel, daß ein Mann und eine Frau auf der Straße Hand in Hand laufen, geschweige denn, sich auf der Straße küssen - die Linke akzeptiert das ebensowenig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Aber in den 80er Jahren war das doch anders, denn die Frauenbewegung der 70er Jahre in Europa hatte auch Aus­wirkungen auf die türkische Linke.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Ja, in der Zeit war es tatsächlich anders, da gab es solche Freiheiten; zwar waren nicht &#039;alle politischen Orga­nisationen so, bei vielen gab es das auch nicht. Deine GenossInnen waren für dich Brüder oder Schwestern und mit denen durftest du natürlich keine sexu­ellen Beziehungen haben, aber im Großen und Ganzen war es akzeptiert. Das Problem in Bezug auf die Frauen­bewegung in Europa war aber, daß vie­les einfach übernommen wurde. Das hieß also, daß Entwicklungen, die von europäischen Normen ausgingen, auf die türkische Gesellschaft, die völlig andere Normen hat, übertragen wurden. Aber die Voraussetzungen sowohl für Frauen, als auch für Männer sind auf­grund der türkischen Gesellschaft zwangsläufig andere, und das ist ein Grund, warum vieles nicht greifen konnte. Nimm z.B. die Forderung, daß Frauen gleichberechtigt im industriellen Sektor arbeiten dürfen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Türkei war lange nicht so durchka­pitalisiert, wie europäische Länder, zu 70% arbeiteten die Frauen im landwirt­schaftlichen Sektor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allgemein war es nicht die Regel, daß Frauen überhaupt Lohnarbeit verrichte­ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rollenaufteilung ist sehr viel strik­ter, aber die mußt du erst einmal aufbre­chen und zwar auf beiden Seiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Frauen in der Türkei waren immer zu Hause und am öffentlichen Leben, wie Cafés, Kino, Disko, oder ein­fach nur alleine auf der Straße zu sein, nicht beteiligt, und diese Situation stellte sich ihnen als Ausgangspunkt. Ein Groß­teil der Arbeit, die Frauen verrichten, ist Hausarbeit. Es muß also erst einmal durchgesetzt werden, daß z.B. nicht mehr nur die Frauen die Hausarbeit machen, sondern auch Männer und das heißt, du knackst zwei feststehende Bil­der: Das der Frau, die sich selbst erst in Frage stellen und vertreten muß, daß der Mann zum Hausmann wird —in der Tür­kei ist es eines der übelsten Schimpf­wörter für einen Mann, ihn Hausmann zu nennen, denn das heißt, er ist kein richtiger Mann— und das des Mannes, der seine alte, sehr viel patriarchalere Rolle in Frage stellen muß, was er aber nicht tut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn nun aber die Normen der europäischen Frauenbewegung über­nommen werden, wie es gemacht wurde, ohne erst einmal die Grundvor­aussetzungen dafür durchgesetzt zu haben, kommt es zu einer zweifelhaften Doppelmoral.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen nehmen am gesellschaftli­chen Leben teil, aber zu Hause sind es nach wie vor sie - und zwar sehr viel extremer als in Europa -, die den Haus­halt schmeißen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der 8. März ist zwar bis zu den Män­nern durchgedrungen, aber das sah dann so aus, daß am 8. März die Männer über die Frauenfrage diskutiert haben und die Frauen nichts zu sagen hatten. Die Frauenbewegung hat zwar ein Bewußtsein geschaffen, daß es wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen, aber es ist falsch, etwas zu übernehmen; damit sich etwas durchsetzt, müssen die Ausgangsbedingungen genannt werden und von da aus muß sich etwas ent­wickeln, und da muß in der türkischen Gesellschaft sehr viel weiter unten ange­setzt werden, als in Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;a!:&lt;/strong&gt; Wie siehst du die Frage der Emanzi­pation bei türkischen Mädchen und Frauen und die Rolle der türkischen Jun­gen und Männer der verschiedenen Generationen hier in der BRD?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Yasar:&lt;/strong&gt; Es ist erschreckend, viele Män­ner oder Jungen, die ich heute auf der Straße sehe, sind noch schlimmer, als die Männer in der Türkei, sie sind nicht nur typische Männer, sondern Machos. Auf der Straße spielen sie den freien Mann und zu Hause herrscht die islami­sche Moral.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen kämpfen hier viel authentischer, weil Schritte heraus aus ihrer Kul­tur für Frauen, obgleich es immer noch Wege zurück gibt, sehr viel mehr Konse­quenzen haben, als für Männer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mann lebt eine zeitlang, wie es ihm gefällt, er erlebt hier alles und er darf es auch, mit der Freiheit, Freundinnen zu haben, die er aber nicht gleich heiraten muß. Er hat jederzeit und einfacher die Möglichkeit, eine Jungfrau aus der Tür­kei zu heiraten und eine heilige Familie zu gründen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Frauen stehen sehr viel mehr in einem Kulturkonflikt, denn wenn sie ein Leben, wie deutsche Frauen führen, bedeutet das größere Brüche mit ihrer eigenen Kultur. Sie stehen dazwischen, sie wer­den nicht mehr von der türkischen Kul­tur akzeptiert, sind aber in deutsche Lebensformen ebenfalls nicht integriert. Solche Schritte erfordern sehr viel Mut und ihnen gebührt eine Menge Respekt.&lt;/p&gt;

&lt;ul class=&quot;footnotes&quot;&gt;&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote1_i9d1emp&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref1_i9d1emp&quot;&gt;1.&lt;/a&gt; Kemalismus: Das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete für das Osmanische Reich den Niedergang durch erheblichen Verlust an Menschen, die Besetzung weiter Teile des Landes durch die Alliierten, und die Zersetzung des zentralen Staatsapparates . Hatte bislang die Staatsbürokratie die Macht im Land, kam es nach 1919 zu einem politischen Klassenbündnis von traditioneller osmanischer Bürokratie und der besitzenden Klasse. Die Führung innerhalb dieses Bündnisses errang allerdings nach wie vor die Bürokratie, mit ihrem Repräsentanten Mustafa Kemal (1934 legt er sich den Beinamen Atatürk=Vater der Türken zu.). Im Zuge einer Einladung zur Friedenskonferenz im Oktober 1922 erzwang Kemal auf der Versammlung des Bündnisses die Abschaffung des Sultans; das Osmanische Reich findet damit sein endgültiges Ende und wird vom Regime Kemals abgelöst. Diese Zeit von 1919 bis zur Gründung der Republik Türkei am 29.10.1923 wird als Nationaler Kampf bezeichnet. Die auf der Friedenskonferenz anerkannte Souveränität der Türkei und die weitgehende Annullierung der Kapitulation (rechtlich, finanziell und ökonomisch) bilden die Grundlage für den Aufbau der türkischen Republik; der Republikanischen Volkspartei (CHP) unter Kemal gehören alle bürgerlichen Abge-ordnete an, Ankara wird zur Hauptstadt erklärt und Kemal wird Präsident der Republik. Seine Politik, der Kemalismus, bedeutete grundlegende politische, wirtschaftliche, und kulturell-religiöse Veränderungen für die Türkei. Grob umrissen machen den Kemalismus folgende Punkte aus: -Es wurde versucht, den Entwicklungsstand der Türkei möglichst schnell an den von mitteleuropäischen Industrieländern anzugleichen. Private Investitionen und Kredite wurden gefördert, um das Entstehen von Unternehmertum und einer Handelsbourgeoisie zu fördern; diese liberale Wirtschaftspolitik hatte keinen großen Erfolg, so daß ab 1930 ein Weg zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft eingeschlagen wurde. -Trennung von Staat und Religion. Das Kalifat wurde abgeschafft, ebenso geistliche Schulen, klerikale Besitze wurden eingezogen und es wurden weltliche Gerichte eingeführt. -Populismus; Bestehende Klassengegensätze (die politische Macht befand sich in den Händen des Bündnisses von bürgerlicher Intelligenz und Großgrundbesitzern, die unteren sozialen Schichten waren nicht repräsentiert, obwohl die Struktur des Landes von überwiegend im Agrar-Sektor arbeitenden Menschen geprägt war) wurden zugunsten der Betonung gleicher nationaler Interessen aller Bevölkerungsteile geleugnet. &lt;/li&gt;
&lt;li class=&quot;footnote&quot; id=&quot;footnote2_qf0p9pi&quot;&gt;&lt;a class=&quot;footnote-label&quot; href=&quot;#footnoteref2_qf0p9pi&quot;&gt;2.&lt;/a&gt; Aleviten: In Unterscheidung zu den Suniten. Ca. 640 n.u.Z. wurde in der Moschee Ali, der Cousin des obersten Propheten Mohammed, von den Sunniten umgebracht, woraufhin. die Aleviten, deren Bezugsperson Ali war, nicht mehr in die Moschee gingen, da sie für die Aleviten keinheiliger Ort mehr war. Im Gegensatz zu den Sunniten üben die Aleviten ihre Religion nicht so streng aus, ihr Weltbild ist freier. Das brachte, und bringt, den Aleviten gegenüber den Vorwurf ein, sie seien keine richtigen Moslems, worauf sich rassistisches Verhalten ihnen gegenüber begründet.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

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 <pubDate>Sat, 06 Mar 2010 11:49:50 +0000</pubDate>
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